grenzen,
vb. limitare, finitimum esse. die form zeigt die bei grenze beobachteten verschiedenheiten: in ältester gestalt greniczen, grenitzen (
preusz. seit dem 14.
jh., schles., süddeutsch bis gegen ende des 16.
jhs., s. u. 1, 2 b);
daneben gräni(t)zen (
bair., schwäb., s. u. 2 c
α, 3);
selten granitzen (sy haben im ain basz eingenomen, der mit in granitzt hatt
briefe u. actenstücke z. gesch. Maximilians 313); grainitzen (die Oesterreicher grainitzen jenseits mit Ungern, und diszseits mit Böhm und Bayrn Äg. Albertinus
landstörzer [1616] 469); grintzen (herrschaften, so .. alle zu samen grintzen Schickhardt
nach Fischer
schwäb. 3, 826). 11)
transitiv: begrenzen, abgrenzen; der ursprüngliche gebrauch, der erst im 16.
jh. von dem intransitiven zurückgedrängt wurde; noch im 17.
jh. bei den lexicographen dominierend; bis in die jüngste zeit möglich, wenn auch nur in poetischer sprache: limitare czechen oder greniczen Diefenbach 330
b (
hd., anfang 15.
jh.)
; metari greniczin
nov. gloss. 252
b (
vocab. von 1420);
limitatus gegreniczt 235
b (
ib.)
; limitare, limitibus distinguere grentzen, unterscheiden, austeilen Bas. Faber
thesaurus (1587) 452
a; grentzen, unterscheiden, untermarcken
terminare, definire, determinare, circumscribere Henisch 1740;
ähnlich Stieler 694;
dagegen: angrenzen, anstossen, anreinen
finitimum esse, confinem esse, attingere Henisch 1740,
von Stieler 694
übernommen; vgl. th. 1, 357; vorbaz neme wir ouch us .. andir huben sechse .. dy uns dy burger von Marienwerder gegebyn und gegreniczt haben Voigt
cod. dipl. Pruss. 2, 208 (
urk. von 1336);
vgl.das volck czu gancze Preusenlanden, vorgreniczt mit der regel der erbarkeyt (
Prusie populus honestatis regula limitatus)
geometria Culmensis 13
b Mendthal; du hast in dem umbkraysz ... verbrämend mit dem meer
das land, verblümend auch das meer mit des lands grünem rand das ein und ander land gegräntzet Weckherlin 1, 354
Fischer; Weckherlin
liebt diese verwendung, vgl. 1, 427. 2, 82
und unten; kein lorbeer gränzt das braune haar Lessing 3, 371; am heitern weinumkränzeten gestade des Lemans, den die ros'gen gletscher gränzen Zach. Werner 24.
febr. (1815) 8; noch stand der abend vor dem schwarzen tor, den letzten dämmer grenzten graue ringe Liliencron
werke (1904) 11, 200; aber ganz fern .. grenzte ein goldener .. streifen den himmel und den see E. Zahn
helden des alltags (1907) 106;
öfter mit dem nebensinn des einschränkens: von ost zu west ... soll nichts das wehrte lob und ehr des höchsten namens gräntzen Weckherlin 1, 375
Fischer; vgl. 1, 350; und in der mitte dieser herrlichkeiten, die keine gränze gränzt, kein maasz und ziel beengt, .. hat er die erde aufgehängt Claudius
Asmus omn. sua sec. portans 5, 39;
mit adverb: gränzet es weit, das blutige recht (
des krieges); nicht die nothwehr hab' es allein! Klopstock
oden 2, 45
Muncker;
in älterer sprache vereinzelt mit den präpositionen mit
und an,
die bei intransitivem gebrauch fest geworden sind: die hernochgeschrebenen darfer .. in allen iren greniczen, wy die mit andern umbgelegenen darfern gegreniczt sein
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 244 (
a. 1416); zucht und scham war an der stiren, darneben thet sie auch fein zieren ein edel par göttlicher tugent ... verstand und messigkeit also gegrenitzt an die andern zwo D. Federmann
sechs triumph (1578) 174;
ganz vereinzelt im sinne '
berührung haben mit'
bei Herder,
der das verb. überhaupt sehr eigenwillig gebraucht (
s. u. 2): (
eine kritik) mit dem so lange abgelebten spotte über eine gewisse gattung von theologen begleitet, die herrn Klotz wenigstens nicht gränzen
werke 3, 449. 22)
intransitiv; nur selten absolut, ohne ergänzendes object, mit schwankender bedeutung: die grenzen erstrecken: da ist kein reich, kein land ... so weit Europa gränzt, woselbst du nicht gewesen König
gedichte (1745) 4; die regierung vieler köpfe taugt nichts in einem so weitgrenzenden staate Wieland 19, 85
Hempel; alle provinzen dieses weitgrenzenden reiches
ib. 107;
an der grenze sich befinden: wer gräntzt und ferne wohnt, wer von dem schlusz wird hören, wird beyder (
fürsten) macht mit ernstem schrecken ehren Gryphius
trauersp. 189
Palm; angrenzen, übertr. hereinspielen: so gibts in jeder der künste ein .. handwerksmäsziges: und auf der andern seite ein fremdes wissenschaftliches, was aber nur von fern gränzt Herder 4, 167;
seine grenze haben: stürmst du (
meer), uns zu verderben? nein; hier gränzt ja dein reich: hier sprach der herr der erden, hier wellen, brechet euch! Dusch
verm. werke (1754) 61;
mehrfach eigenartig bei Klopstock: jenseit ist das der höhe die gränzt (
die grenze bildet)
oden 2, 49
Muncker; ach wenn doch in der endlichkeit raum die erkenntnisse gränzten, diesz geheimnis zu fassen (
an die möglichkeit der erfassung)
Messias (1780) 153;
in der regel verlangt das intransitive verb. zwei componenten, von denen die zweite selten durch abhängigen casus, meist durch die präpositionen mit
und an
gegeben wird; andere präpositionen sind ganz vereinzelt: die gegend (
Tirols), welche gegen Salzburg und Kärnten grenzet Adelung
magazin f. d. deutsche sprache 2, 1, 124; betrachtungen über das elend des ganzen menschlichen zustandes gränzen zu sehr in das gebiet des philosophischen gedichts, um blos elegie zu werden Herder 1, 480. 2@aa) grenzen
mit dativ, anscheinend nur in verbindung mit nahe: biss sie (
die kriegsflamme) endlich nicht allein gantz Teutschland ergriffen .. sondern auch benachbarten königen .. so nahe gegrentzet Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 3; die auf eben dieser classe gantz unten sitzen und den mittelmäszigen köpfen so nahe als jene den groszen gränzen Hippel
über die ehe (1774) 139; die mehrheit entschied für die letztere (
preisschrift), doch mit dem zusaz, dasz die deinige ... an innerer vortrefflichkeit ihr so nahe gränze, dasz Schiller
briefe 1, 200. 2@bb) grenzen mit
im älteren nhd. vorherrschend, erst im 18.
jh. von grenzen an
zurückgedrängt; gemäsz der bedeutung des grundwortes (
vgl.grenze,
sp. 128)
besonders bei politischen gebilden: Zidon und Tyrus, welche grentzen mit Galilea Luther 7, 343
Bindseil; im alem. des 16.
jhs. noch des erklärenden parallelausdruckes bedürftig (
vgl.grenze,
sp. 126
f.): Teutschland, das mit Sicilia grenitzet oder anstoszet Eppendorff
Plinius (1543) 8, 49; denn Asers stamm grentzet mit dem gebirge, und stösset an den berg Lybanon Mathesius
Sarepta (1571) ii
b; gegen mittag aber gränzen mit Oesterreich die herzogthümer Steyr und Kärndten Birken
verm. Donau-strand (1684) 47; denn uns're güter grenzen mit den seinen Raupach
dram. werke ernster gattung 8, 55; (
er schritt) heimwärts auf Wolfshau zu, wo seine försterwohnung mit der der Menzschen stellmacherei grenzte Fontane I 6, 13;
von jeher gern mit persönlichem subject und object: Madian aber sind yhr nachpaurn und grentzen mit yhn an dem roten mehr Luther 10, 1, 1, 552
Weim.; die kunst der mit den Hetruriern gränzenden völker Winckelmann
werke 3, 227; die verhältnisse bei den kleinen leuten und bauern, mit denen er (
der graf) grenzte Polenz
Büttnerbauer 2, 204;
mannigfach übertragen: seine (
des particips) sechs stück und accidentzen mit nomine und verbo grentzen Gilhusius
grammatica (1597) 4, 6, 123; so wie seine wahrheiten sich zwischen philosophie und gemeine beobachtungen stellen, so gränzt auch sein vortrag mit genauigkeit und aufwand Herder 1, 223; (
Herder spricht von einer uneinheitlichen liedersammlung:) ich glaube doch nicht, dasz .. Sicilien mit Johann Sobieski und dieser mit Peter gränzet (
berührung hat) 1, 318; ihre verachtung wird von denen mit ihnen gränzenden ständen mit verachtung erwiedert Lenz 3, 111
Tieck; die natur, die unmittelbar mit der schöpfung grenzte, war so ungebildet als möglich Kant (1867
ff.) 8, 266;
verstärkt durch nahe,
später dicht: wenn euer land .. nicht so nahe mit der barbarei gränzete Fleming
deutsche ged. 1, 86
Lappenberg; dieses geschlecht der geschöpfe (
die thiere) gränzet .. nahe mit dem unsrigen Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 201; eine unendliche menge stuffen steiget .. hinauf bisz zu derjenigen, die .. mit denen wesen von dem höhern rang, der auf die menschen folget, am nächsten gräntzet Bodmer
abhandl. v. dem wunderbaren (1740) 9; der mächtge reiche graf von Huth grenzt dicht mit Thörlings hufengut Kretschmann 2, 253. 2@cc) grenzen
an. 2@c@aα)
im ursprünglichen gegenständlichen sinn; am frühesten obd.; im 16.
jh. sind belege noch spärlich: die Römer sind in Teutschlandt ausz Gallia gefallen, das bisz an Rhein grenzet Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 17
a; dasz sie (
die bauern) nit allein Würtzburg, sonder alle fränckische fursten, als Bamberg ... und alle die, so allenthalben daran gränizen .. wurden vertreiben Baumann
quellen zur gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 591; Histria .. gräntzet auch an obgeschribne sclavonische länder Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 7
b; im königreich Ungarn und andern an die Türckey grentzenden landen Prätorius
abentheuerl. glückstopf (1669) 354; Naumburg gränzet an Thüringen Stieler 694;
erst im 18.
jh. tritt die verbindung gleichberechtigt neben grenzen mit,
um diese im 19.
jh. zu verdrängen; noch für Adelung
sind beide wendungen gleichwerthig wb. 2, 778;
auch bildlich: der weisheit kleines reich gränzt an der thorheit land Cronegk
schriften (1766) 2, 111;
eigen: zwey ziele gränzten, wo sich der blick verlor,
dort an die laufbahn Klopstock
oden 1, 108
Muncker; wie grenzen mit
mit persönlichem subject: die an Frankreich gräntzen, als wie die Lothringer, kommen den Franzosen ziemlich bey Fleming
vollk. teutsche soldat (1726) 40; in Sachsen, an das wir grenzten Laube 1, 8;
zu beachten ist, dasz der ausdruck im älteren nhd. beschränkt ist auf das aneinanderstoszen politischer bezirke; erst mit der 2.
hälfte des 18.
jhs. stellt sich eine freiere verwendung ein: Karolinens gemach grenzte .. an ein zufällig leeres Holtei
erzähl. schr. 3, 41; seine stallung nämlich grenzt an die gartenmauer unseres hotels Laube 15, 124; ein ort ..., wo in der erde zwei an einander grenzende spalten gewesen Schleiermacher
Platon 6, 514; ihr (
der nase) oberes, an den nasentheil des stirnbeins grenzendes ende Sömmerring
bau d. menschl. körpers 5, 600; die erste mondsichel scheint einer gröszern scheibe anzugehören, als der an sie gränzenden dunkeln Göthe II 1, 7
Weim.; die ränder zeigen farben, weil licht und schatten an denselben aneinander gränzet II 5, 1; die luft nämlich .. hat da, wo sie an die ferne gränzt, unzählige kleine risse gewonnen (
beschreibung eines gemäldes) IV 37, 38;
noch freier in poetischer sprache: ihr (
der tugend) tempel ist ein trauerzimmer, es gränzt ein sarg an ihren thron Gottsched
gedichte (1751) 123; mich selbst schlosz er in eine finstre gruft, die, schwarz und tief, ans reich der schatten grenzte Schiller 15, 1, 56; hoch überm niedern erdenleben soll sie (
die glocke) .. schweben und gränzen an die sternenwelt 11, 319. 2@c@bβ)
ins unsinnliche übertragen; erst seit der 2.
hälfte des 18.
jhs.; gewisse begriffsgruppen werden deutlich bevorzugt: (
Vergil wählte zu seinem epischen gedicht) einen stoff, der an die fabelhaften zeiten gräntzte Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 2, 189; fabeln .., die sich .. ihrer ans epigramm grenzenden innern art wegen erhalten haben Herder 15, 221; dasz ihre prosa allzusehr an die poesie gränzet Abbt
verm. werke 3, 110; findet mehr ruhige betrachtung statt, so entsteht die epistel, die durch die satyre an das epische grenzt Solger
vorles. über ästhetik (1829) 302;
oder ganz abstract: es giebt fehler, die so nah an die tugend gränzen, dasz Gerstenberg
recensionen 78
Fischer; die leiden der tugend gräntzen .. an die strafen des lasters Lichtenberg
nachlasz 80; die höhlung in der mitte der augbraunen .. zeigt bescheidenheit und scham an, die nah an geheimen edlen schmerz gränzt Lavater
physiogn. fragmente 1, 202; die höchste weisheit gränzt hier so nahe an den höchsten wahn Schiller 12, 207; an des lebens schönstes glück gränzet manches leiden Becker
mildheim. liederbuch 50; so nahe gränzet oft die schwermuth an die freude J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 262;
daneben mannigfach anders; der ausdruck hat mit dem 19.
jh. an vielseitigkeit der verwendung verloren: die würkung, die die abenddämmerung hervorbringt: schwermüthige ruhe, die an thränen gränzt Miller
gedichte (1783)
anhang 443; dasz lange nachher seine (
Deutschlands) kriege so oft nahe an pfaffenstreitigkeiten und bischofsvorzüge gränzten Herder 3, 469; an dieses geschlecht (
das katzengeschlecht) gränzt unter den raubthieren ... der fuchs Göthe 37, 350
Weim.; einen ... stein, der an marmor gränzt IV 4, 145; charakteristische (
tänze) grenzen an eine objektive kunst I 47, 304; dein leben macht eine plötzliche pause, die zunächst an das nichtsein gränzt Schiller 2, 183; damit das ewige unendliche herz die kleinen an asche gränzenden nehme und heile und wärme Jean Paul 7/10, 115
Hempel; dasz ein weib, das an die fünfzig grenzet, für die liebe zu reif ist Ayrenhoff 3, 232; in ihrer einfalt und mannigfaltigkeit .. grenzt sie (
die bestimmung des landmannes) zunächst an die sage von dem paradiese Stifter
sämtl. werke 3, 216; aber alles, was an getreibe grenzt, macht ihn durchaus confus und unglücklich Droste-Hülshoff
briefe an L. Schücking 293;
bisweilen im sinne '
erreichen, heranlangen': sprich, dasz auf diesem groszen rund der welt kein elend an das meine gränze Schiller 5, 26; dies scheint ... der zauber zu seyn, der uns bei ihm in der heitern stimmung erhält, welche fast an die grenzt, die uns .. Cervantes bereitet Solger
nachgel. schriften u. briefw. 1, 101;
mit persönlichem subject oder object: dein platz ist nicht gering; er ist voll mängel, und gränzt ans thier, doch gränzt er auch an engel Zachariae
poet. schr. 5, 189; ein mann, der gegen die götter streitet, grenzt an wahnsinn Herder 23, 361; ihr mann ein guter schauspieler, an das chevalierfach grenzend Göthe III 2, 51
Weim.; wie soll ich euch genug mit ehr' und lieb' umfassen, die ihr .. durch blut und stand an jene helden gränzt, die ich von eltern her verehre I 39, 357; und meiner mutter stamm gränzt an den thron Zach. Werner
söhne d. thales (1803) 1, 248; damit aber meine leser ja nicht .. an den gedanken gränzen, als ob mein vater auch nur stillschweigend eine unwahrheit verübt Hippel
lebensläufe 1, 56. 2@c@gγ)
klar vom vorigen unterschieden ist ein gebrauch, der die annäherung eines zustandes an sein extrem be zeichnet: zu einer an die mathematische evidenz gränzenden gewiszheit ist wenig zu bringen Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 329; die bis an gänzliche unmöglichkeit gränzende schwierigkeit den chor .. so sehr von den schauspielern zu trennen W. v. Humboldt
aufsätze üb. d. klass. alterthum 87
Leitzmann; hatte das tabernakel .. seine fast an kahlheit grenzende schlichtheit eingebüszt Fontane I 6, 205;
vgl. bei allen arten (
des lappentauchers) ist die färbung .. ein .. an schwarz grenzendes braun Naumann
naturgesch. d. vögel 9, 671;
der gebrauch entwickelt sich in der 2.
hälfte des 18.
jhs. und gewinnt im 19.
weite ausdehnung; hauptsächlich, wo das maszlose, übertriebene eines geistigen zustandes, einer eigenschaft, besonders eines affects bezeichnet werden soll: mein gefühl für sie gränzt nun an wahnsinn Klinger
werke 1, 33; dasz einige freunde sich jetzt auf eine art betragen die nah an den wahnsinn gränzt Göthe IV 10, 174
Weim.; gern participial: an wahnsinn grenzende vermessenheit Lichtenberg
verm. schriften 4, 26; fast an blödsinn grenzende geistige beschränktheit Steffens
was ich erlebte 2, 38; an geisteskrankheit grenzende unfähigkeit Bismarck
gedank. u. erinn. 2, 231
volksausg.; exaltation die an narrheit grenzt B. v. Arnim
frühlingskranz (1844) 27; in einer sorge, die ganz nahe an verzweiflung gränzt Göthe IV 19, 166
Weim.; sein vertrauen auf gott gränzte dicht an den wunderglauben Schubart
leben u. gesinnungen 2, 67; freilich grenzte seine freigebigkeit nah an verschwendung Meiszner
Alcibiades 1, 215; eine an geiz grenzende sparsamkeit Spielhagen 1, 29;
hierher auch: das gränzt an's wunder Göthe 45, 69
Weim.; könnte, dürfte man zweifeln .., so wäre es hier, denn die sache gränzt an's wunder Tieck
schriften 19, 119;
vgl. hierzu unten δ. 2@c@dδ)
gern regiert an
das substantivierte neutr. eines adjectivs; die wendungen fallen meist in die unter γ gekennzeichnete richtung: ein bild, das .. bei natürlichen, selbst an's rohe gränzenden gegenständen .. die anfänge der sittlichkeit zur sprache bringt Göthe 49, 317
Weim.; seine bescheidenheit war so grosz, dasz sie in der stimme sogar an das klägliche grenzte Lichtenberg
verm. schr. 1, 203; die zahl der sterne häuft sich mit jedem neuen blick .. und gränzt .. an das unendliche
F. Th. v. Schubert
verm. schriften 1, 5; mit einer arroganz, die — manchmal an das edle zu gränzen scheint Iffland
theatral. werke 3, 156;
doch auch anders: sein kirchenstyl gränzt sehr ans erhabene Schubart
ästhetik d. tonkunst 209; ehe ich mich versehe, bauz! ein ausdruck, der, möchte man sagen, beinahe an's poetische gränzt Tieck
schriften 10, 320; die ganze art dieses liebesverhältnisses gränzt übrigens fast an das possierliche Pückler
briefw. u. tageb. 4, 135;
sehr ausgebreitet in wendungen wie: ein bis ans wunderbare gränzendes sammlerglück Göthe 46, 47
Weim.; ein wahnsinn, der an das unglaubliche gränzt W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 192; es gränzt an das unglaubliche, und doch war es so Häusser
deutsche geschichte 2, 602; das unglück, das die glasperlen verfolgte, grenzte ans märchenhafte Ebner-Eschenbach 4, 315;
umgekehrt: und dem groszen magnaten und gastwirt blieb nichts anders übrig, als das unerhörte abermals so begreiflich zu finden, dasz es ans triviale grenzte Keller 4, 209;
vgl. oben γ schlusz. 2@c@eε)
nicht ganz selten steht im 17. 18.
jh. der dativ nach an;
wohl einwirkung von grenzen mit: Augspurg gräntzet am Bayrland Henisch 1740; (
schauspiele) die an der natur eines divertissement gränzen
schlesw. litteraturbr. 159
lit.-denkm.; du gränzest an den finsternissen unheilbarer melancholei Gotter
gedichte 1, 223; beyde .. saszen an einem kleinen tisch, der an unserer tafel gränzte Hippel
lebensläufe 4, 537. 2@dd)
die bei intrans. gebrauch nothwendige doppelheit der vom verbum bestimmten begriffe kann auch durch pluralisches oder mehrgliedriges subject gegeben sein; eine junge und verhältnismäszig seltene ausdrucksweise, die aber doch wohl selbständig, nicht durch ellipse von aneinander
o. ä. zu erklären ist: unsere wohnungen gränzten so, dasz wir uns alle tage am gartengeländer sehen muszten Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 177; sie sind nun schon drei jahre witwe; unsere güter grenzen Raupach
dram. werke kom. gattung 1, 149; ihr vater und wir grenzten mit der flur Freytag 13, 26; überhaupt grenzen nach jener fabel des Sokrates schmerz und wohllust Herder 5, 9; so grenzen bestimmung und unbestimmung, gewiszheit und ungewiszheit Hippel 10, 225;
vgl. dort ist's, wo unsre landmark und die eure zusammengrenzen Schiller
Tell 730. 33)
reflexiv; selten und verschiedenartig gebraucht, wo gewöhnlich das intransitivum steht: wie weit sich das Bairnland vor zeiten gestreckt und gegränitzt hat Aventin 1, 124, 11; Medien das königreich, so .. von westen sich mit gros Armenien und Assyrien gränizt, von süden mit Persien 4, 353, 13; bis wo sich erd' und himmel grenzet Kretschmann 6, 247; o wie schön sich seyn und nichtseyn grenzen Herder 25, 389.