Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
genist stF.
1.1 allg.
1.2 bezogen auf das Seelenheil ‘Erlösung’
1.3 phras.
2 ‘Heilung, Genesung (von Krankheit, Wunden)’
3 ‘Niederkunft, Entbindung’
4 ‘(Brot-)Erwerb, (Lebens-)Unterhalt’
1 ‘Überleben, Rettung, Heil’ 1.1 allg.: diu vrowe [...] jach, siun möhte’n niht verclagen, / wær er mit unschulde erslagen. / sînre geniste was siu vrô UvZLanz 1593; und bâten den richtêr, / daz er in lîze bî genist [am Leben] NvJer 22504; swen dî cristnin durch genist / darzû mit vlucht sich neigitin ebd. 14726; in den henden mîn / stuont sîn genist und sîn sterben Ottok 20750; des lîbes genist ebd. 19242; des lebens genist ebd. 28822; Gen 2629; Iw 1298; KvWTroj 32535. – des su̍che ich rat vnd genist / an u̍ch vnd das gesinde Krone 12682; für des kummers genist [Errettung aus der Not] / moht daz volc deheinen list / anders gehân, / wan daz wîp und man / fluhen ûz den steten Ottok 19085. – er wart der minne banden / als undertænic bî der vrist, / daz al sîn trôst und sîn genist / lac an der megde reine KvWTroj 14762; ez wert unlange min genist: / ich waiz wol daz min hertze brist, / swenne ich sihe die verlust / daz der kuͤnc din muͤndel kust WhvÖst 2575; daz, lieber du, lebendig bist: / daz ist an vræuden min genist ebd. 7012 1.2 bezogen auf das Seelenheil ‘Erlösung’ dines [Pilatus] gewaltes nist niht mere / wan der dir geben ist durch der mennisken genist AvaLJ 142,2; der mennischen genist ist enzwîvil, die mit gesuntim lîbe vravelichin êzzint, so si scholtin vastin Spec 64,7; unser herre der unsers hails und unser gnist vlizzich ist PrOberalt 70,8 u.ö.; StrKD 144,153; Daniel 1044. – [Jesus] wære / der werlde schepfere, / der sele trost vnd ir genist Wernh A 4151; [Gott hat] alle dise diete gezelt / an die zal der waren gnist [die Gesamtheit derer, die erlöst werden] HeslApk 12621; Teichn 281,201 1.3 phras.: – êwec ~ : du [Gott] urhab aller genaden bist, / dar inne wonit der ewige genist HeslApk 46; des [Gebets pater noster ] mennisch ie bedorfte / ze disses libes friste / unde ze der ewigen geniste Vateruns 20; Wernh 1432. – der sêle ~ : der wirbet niur nach werltlichem gewinn denn nach genist der sele PrOberalt 93,34; daz du dich der gitecheit erwerst / und dines libes meisters bist, / daz ist der sele genist StrKD 11,638; die gnist miner sele SüklV 421; Athis F 131 2 ‘Heilung, Genesung (von Krankheit, Wunden)’ sône hete er [der Todkranke] ze sîner genist / dehein gedingen mêre AHeinr 240. 181; mit salben sô gehiure, / diu [...] für die wunden ein genist / [...] ist Parz 577,23; daz er in Salerne wære / durch sînes lîbes genist [um dort geheilt zu werden] Tr 7331. 7956 3 ‘Niederkunft, Entbindung’ die vrawen wurden swanger; / auch sumten sie sich niht langer / ietwedriu vrawe mit ir genist / und gelagen beide uf eine vrist, / do sie getruͦgen uf daz zil WhvÖst 537; in der selben frist / bekom sîn frouwe mit genist / einer tohter Ottok 2364 4 ‘(Brot-)Erwerb, (Lebens-)Unterhalt’ von der poͤsen hausfrawen die Adam nam ward er verstozzen von seinem reich vnd chom in die pærmlichen werlt, do er gewinnen muͦst sein genist mit arbait vnd in sways GestRom 4; daz si den bruodern dîn / müezen werden undertân / und ir genist von in hân EnikWchr 2976; und hienc ir brust für sînen munt, / die souc der junge süeze knabe / und hete sîne genist dar abe KvWTroj 540; Wig 5301; wohl hierher: geit man in [den pfaffen ] des leibez genist [Lebensunterhalt] , / so geben seu daz ewig ist Teichn 168,55. – bildl.: ritter, wie ist úch so geschehen, / daz ir wapens also blosz / zú keiner freise, die so grosz / jst, also dise ist, / vch waget vf heyles genist? Krone 21504; frou Ere hat [...] / in aller tugent ir genist Frl 11:8,14
MWB 2 465,21; Bearbeiter: Runow