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gemeit

mhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

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Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)

gemeit adj.

Bd. 2, Sp. 129b
gemeit adj. es ist dies ohne zweifel das goth. gamáids verkrüppelt, verstümmelt, leiblich schwach, gr. τεθραυσμένος, ἀνάπηρος, ahd. gimeit Graff 2, 701, hebes, obtusus, vanus, stolidus, stultus, schwach an geist, thöricht, wie das angels. gemâd. diese bedeutung geht über in die von insolens, jactans, superbus, hilaris, laetus, die mhd. allein noch erscheint. die sprache bietet noch mehr beispiele, dass die begriffe leer, dünkelhaft, leichtsinnig, stolz, fröhlich sich berühren u. in einander übergehen. vgl. Gr. 2,15. 56. 88. 747. 750 anm. Schmeller 2,552. 646. Diefenb. g. wb. 2,9 fg. J. Grimm in der zeitschr. 6,14. Wackernagel im glossar CCXXX, der griech. μοῖτος, μίτυλος, lat. mutare, mutus, mutilus vergleicht.
A. von lebenden wesen gebraucht.
1. froher stimmung, erfreut.
a. mit genitiv des grundes, erfreut über etwas, zufrieden damit. eine juncfrauw schône die wart im ze lône, er was ir harte gemeit Herb. 1613. daʒ ich ungevangen kumen bin unde ungeblant von Kriechen, dar ich was gesant, des wil ich immer sîn gemeit das. 2075. der bluomen was ich ie gemeit MS. 1,49. a. der hêrre was des vil gemeit Nib. 290, 1. des wart diu maget vil gemeit Wigal. 2221. der rede wart Kædîn gemeit Heinr. Trist. 6004. ûf ir strôsac leit si sich dô, des wart gemeit diu hungrig flô Bon. 48,130. des was der bœse hunt gemeit das. 69, 20. des was er gar gemeit das. 82, 7. der gewalt was er gemeit, daʒ si im mohten niht entgân Pass. K. 32, 82. der vrâge was er gemeit das. 186,21.
b. ohne genitiv. in enkunde dehein swære übergên noch leit, er enwære alle zît gemeit Herb. 3052. bî dem wege sach si stân... ein schar diu kom vil trûriclîchen dar..., anderhalp der strâʒen stuont ein schar harte froiderîche, lieht und sicher vor leide... si wâren schône gekleit, in wîʒer wæte gemeit Maria, fundgr. 2,193, 40. ir sît iuwers muotes vil gemeit Diemer 86,26, vgl. die anm. wir suln sîn gemeit, tanzen lachen unde singen Walth. 51,23. kumt iu trifft euch, findet man bei euch mit zühten sîn gemeit das. 43,31. der weiʒ lützel, waʒ daʒ sî: gemeit das. 117, 12. wer sol tanzen, wer sol springen, wer sol dur die frouwen sîn gemeit? wer sol sich ze fröiden twingen? MS. 1,160. a. bite in schône wesen gemeit und lâʒen alleʒ ungemüete das. 1,39. a. der kristenman was vil gemeit, daʒ er den juden dort betrouc Pass. K. 20,13. dô diu sache die ursache wart hin geleit sînes smerzen, dô wart er gemeit Bon. 47,52. sold in ein engel sehen an, er deucht in herzen sich gemait Suchenw. 28,173. so wart nie kein war so guot noch so rîlich an ze schowen, als die zarten kluogen frowen, die mit zühten sint gemeit. diu krâm, diu ist nu ûʒ geleit zuo der vasnacht sunderlîch Teichn. 170. sô lachents alle und sint gemeit das. 247. — sî wâren beide fröidenreich, ir grüeʒen ir danken was gemait Suchenw. 46,61. ich kenne kein zweites beispiel, wo dies adj. von der handlung einer person u. nicht von ihr selbst gebraucht wäre.
c. mit vrô etc. verbunden. des was künec Etzel vrô unt ouch gemeit Nib. 1102,2. des was si vrô und ouch gemeit das. 342,4 in C. des was si frô unde gemeit arm. Heinr. im leseb. 351,18. ich bin vrô, dâ bî gemeit MS. 1,32. a. er ist gemeit und darzuo vrô frauend. 496,17. — koment sie mir ze hûse, des bin ich vrœlîch gemeit Nib. 1586,4. offenbar wolde ich gar mit fröiden sîn gemeit MS. 1,12. a.
2. bezeichnet es in allgemeinerem sinne eine lobenswerthe eigenschaft, für die der begriff 'froh' lange nicht mehr ausreicht, wenn diese weitere bedeutung des wortes auch aus ihm hervorgegangen ist. man muss, um die abzweigung dieses gebrauchs des wortes zu verstehen, sich vergegenwärtigen, welchen werth die lebensanschauung des ritterthums auf die gehobenere, elastischere, zu thaten doppelt aufgelegte stimmung des gemüthes, wie sie die freude, der frohsinn hervorruft, legte, wie fröide, hochgemüete etc. jener zeit fast geradezu für eine tugend galt, u. wie die bezeichnung der gehobenen freudigen stimmung oft übergeht in die einer stattlichen, männlichen erscheinung, u. umgekehrt. vgl. z. b. hêr u. hôchgemuot. so nimmt auch gemeit, das wir in vielen fällen noch wiedergeben können durch 'lebensfroh, freudig, frohgemuth', unvermerkt die allgemeinere bedeutung an 'stattlich, mannhaft, schön', ja es erscheint, auf nicht rittermässige kreise angewandt, geradezu als 'tüchtig', z. b. Aristoteles, der gemait in allen künsten was leseb. 951,41, u. wird schon in der ersten zeit der mhd. poesie so zum stehenden beinamen, dass selbst sterbende im augenblicke des todes noch gemeit genannt werden. die beispiele mögen das im einzelnen deutlicher veranschaulichen. um dies zu erleichtern, stelle ich vorauf
a. gemeit in verbindung mit andern adjectiven. vil guote ritter gemeit Nib. 145,4. vor Etzelen dem künege ein ingesinde reit, vrô und vil rîche, hübsch unde gemeit das. 1282,2. Gêrnôt, ein rîter küene unde gemeit Nib. 118, 4. das. 148,4. Volkêr, ein degen küene unde gemeit das. 1612,4. dô mohte reden niht mêre der recke küene unde gemeit heisst es von dem sterbenden Siegfried, das. 939,4. daʒ hete wol gedienet der rîter küene und gemeit das. 932,4. die küenen helde gemeit das. 397,4. die küenen rittere gemeit das. 804,4. die küenen recken gemeit das. 1945,4. die helde küene unde gemeit das. 1036,4. die rîter küene unde gemeit das. 1656,4. dô sprach vor sînen mâgen der recke küene und gemeit von dem sterbenden Iring, das. 2003,4. zwelf juncfrouwen, die wâren rîche unt gemeit Wigal. 10353. er jach, daʒ er unz dar nie gesehen deheine frowen hæte von lîbe und ouch von wæte, von pherde und von gereite, sô schœne und sô gemeite Erec 8074. si sint noch unbetwungen die snellen ritter gemeit Nib. 1837,4. er was sîner manheit beide stolz unde gemeit das. 2850. eines vrides si dô gerten die stolzen ritter gemeit Nib. 2024,4.
b. allein stehend. es wird gebraucht
α. von männern. er ist ein helt, mit zühten vil gemeit (hier mag noch speciell vom frohsinn die rede sein, vgl. Walth. 43,31. ähnlich steht auf einer zwischenstufe zwischen 1 u. 2 das oben am schlusse von 1, b aus Suchenwirt angeführte beispiel) leseb. 690,31. der selbe jungeling gemeit graf Rud. im leseb. 269,10. vgl. das. 42. daʒ dô komen wæren rîter vil (wol A) gemeit Nib. 80,2. ir helde vil gemeit redet Chriemhilt, Nib. 976,2, die um Siegfrieds tod trauernden Nibelungen an. do erbeiʒte zuo der erden vil manic rîter gemeit das. 1467, 4. die zwêne recken gemeit das. 1723, 4. vgl. das. 130,2. 152,2. 306,2. 360,2. 384,1. 454,2. 652,4. 663, 2. 665,4. 858,1. 973,3. 1149,2. 1302,2. 1804,4. 1815,1. 1856,2. 1952,1. 2241,4. friwentlîchen lac ein rîter vil gemeit an einer frowen arme Walth. 88,10. manec rîter gemeit, wol gekleit und geriten Wigal. 9266. Kurvenâl der helt gemeit Heinr. Trist. 3387. der ritter wol gemeit Bon. 75,11. eime rittere gemeit gab er die selben frouwen Pass. K. 34,28. der Romær voget vil gemeit das. 282, 17. der keiser vil gemeit das. 282, 26. er hieʒ die altherren mit im und mit der vrouwen gân Mai 219,30.
β. von frauen. zuo iacobes bette si leite ire diu vil gemeite Genes., fundgr. 2,43,20. dô sprach der künic Gunther 'swester vil gemeit Nib. 566,1. dô pflac niuwan jâmers diu frouwe vil gemeit das. 1168,2. eine küneginne gemeit, der schœne man niht gelîches vant Wigal. 9636. die juncfrouwen vil gemeit wâren stolzlîche bekleit Barl. 296,17. gnâd fraw gemait Hätzl. 1,27,169. wünsch mir gut nacht, frau gemait leseb. 972,23.
γ. von thieren. ein junkherre reit ûf eime pferde gemeit Lanz. 468. daʒ kint brâhte sîn heselîn gemeit mit ime fragm. XXIII, 92. ein katze, die vil mange mûs vieng, diu was stolz und wol gemeit Bon. 96,7.
B. von sachen, lieblich, angenehm. Benecke vermuthete diese bedeutung bereits bei einigen der eben unter A, 2, β u. γ angeführten beispiele, wohl mit unrecht (doch vgl. ungemeit nr. 2). auch den thieren scheint mir das adj. als persönlichen wesen beigelegt zu werden. ja, ich glaube, dass selbst bei den sachlichen gegenständen ursprünglich eine ähnliche, gewissermassen personificierende, vorstellung waltet. der winter wil die boume velwen die dâ hiure wâren vil gemeit die froh u. munter grünten, MS. 1,30. b. ûf der liehten heide breit hât der mei uns vür gespreit manig blüemelîn gemeit das. 1, 13. b. swie diu sumer wunne ist vil gemeit: dâ bî dulde ich senediu leit das. 1,31. b. kleiniu vogelîn singent. mit den wil ich fröuwen mich der gemeiten zît das. 2,92. a.aber auf die folgenden beispiele lässt sich eine solche begriffsübertragung nicht mehr anwenden, u. gemeit bedeutet in ihnen das, worüber man gemeit ist, wie ein ähnlicher übergang der bedeutungen bei lustic stattfindet. beide guot unde gemeit wâren die stegereife Erec 7668. vil guot was daʒ panel.., dâ kunde niemen an ersehen leders eines nagels breit: eʒ was guot unde gemeit, als eʒ dem satele gezam das. 7698. guot unde gefüege was daʒ fürbüege, starc unde vil gemeit das. 7731. ich setze ir ûf ein wunneclîche guldîn krône und dar ûf ein guldîn krenzlîn. waʒ ist diu krône unde daʒ gemeit krenzelîn? Suso, im leseb. 885,24.
8963 Zeichen · 303 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gemeitadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    gemeit adj. es ist dies ohne zweifel das goth. gamáids verkrüppelt, verstümmelt, leiblich schwach, gr. τεθραυσμένος, ἀνά…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gemeitAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    gemeit , Adj. nhd. fröhlich, wohlgemut, stolz, stattlich, schön, töricht (Bedeutung örtlich beschränkt) Vw.: s. hōch-, w…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gemeitadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gemeit , adj. ein wort alter zeit mit merkwürdig verschiedener bedeutung, d. h. eins das eine reiche entwickelung gehabt…

  4. modern
    Dialekt
    gemeit

    Mecklenburgisches Wb.

    Wossidia gemeit a. Spr. hochgemut, stolz: 'Rytter ghemeyt, nu ware dy!' Red. Ost. 210; 952.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemeit

18 Bildungen · 4 Erstglied · 12 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von gemeit

ge- + meit

gemeit leitet sich vom Lemma meit ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gemeit 2 Komponenten

gem+eit

gemeit setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gemeit‑ als Erstglied (4 von 4)

gemeitheit

Lexer

gemeit·heit

ge-meit-heit stf. war zuo sol dem briester gemaitheit? Priesterl. 537.

gemeitlich

DWB

gemeit·lich

gemeitlich , gemächlich: appone subtiliter pulverisatum gruen galiczstain q. 1, auch gemaitlich darein geruert. Schm. 2 1, 1686, kurz vorher…

gemeit, mêt

LW

gemeit, -mêt, fröhlich, wolgemut, munter, stolz.

gemeit als Zweitglied (12 von 12)

boregemeit

KöblerMhd

bore·gemeit

boregemeit , Adj. nhd. gar nicht früh über Q.: GeistlStreit E.: s. bor (3), gemeit (1) W.: nhd. DW- L.: MWB 1, 927 (borgemeit), Benecke/Müll…

borgemeit

BMZ

borge·meit

borgemeit adj. gar zu fröhlich, u., mit ironischem sinne, durchaus nicht fröhlich, vgl. Gr. 2,550 fg. die sehste heiʒet trâcheit, siu ist de…

bor|gemeit

MWB

bor|gemeit Adj. ‘gar nicht froh über etw. (Gen.)’ (vgl. → bor-, enbor- Präf.): die sehste heisset Tracheit, / sú ist des strites bor gemeit …

hochgemeit

DWB

hoch·gemeit

hochgemeit , adj. von hoher schönheit oder stattlichkeit, ein wort das aus dem mhd. bisweilen noch in dem ältern nhd. nachklingt: ein edle h…

hôchgemeit

MWB

hôchgemeit Adj. ‘sehr stattlich, tüchtig’, Epitheton ornans: dem wild er über den halse reit, / er valt ez mit dem swerte, / der degen unver…

hōchgemeit

KöblerMhd

hōch·gemeit

hōchgemeit , Adj. nhd. stolzfreudig, stolz, freudig, sehr stattlich, tüchtig Q.: JSigen, Laurin, MinnerI, Orend (13. Jh.?) E.: s. hōch (1), …

ungemeit

DWB

ung·e·meit

ungemeit , adj. , gth. von gemeit 3 e: das ward den von Basel ungemait volksl. 231, 10 (1503) Lil. nachklang des mhd. stark entwickelten, im…

wohlgemeit

DWB

wohl·gemeit

-gemeit , adj. , verstärktes gemeit, adj. ( s. o. teil 4, 1, 2, sp. 3272), sehr zuversichtlich, fröhlich ( mhd. und frühnhd. ): hyrumme wese…

Ableitungen von gemeit (2 von 2)

gemeite

Lexer

ge-meite swf. fröhlichkeit, eitle lust. der gotes man sol niht in gemeiton stân Karaj. 37,11. ebenso

ungemeit

DWB

ungemeit , adj. , gth. von gemeit 3 e: das ward den von Basel ungemait volksl. 231, 10 (1503) Lil. nachklang des mhd. stark entwickelten, im…