lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gefäsz

nur nhd. · 1 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
1 in 1 Wb.
Sprachstufen
1 von 16
Verweise rein
14
Verweise raus
24

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gefäsz n.

Bd. 4, Sp. 2127
gefäsz, n. coll. zu fasz, doch nicht ursprünglich so. 11, 1@aa) mhd. nicht geveʒʒe, wie man früher nach vaʒ annahm (wb. 3, 283a), sondern auffallend gevæʒe, wie J. Grimm unter fasz III, 1358 nachwies aus reimen auf vergæʒe, sæʒe; bestätigung gibt auch die schreibung geveesze im 15. jh. (s. 3, a) und eigentlich auch noch die heutige lange aussprache, da sich vor sz, ss betonte kürzen sonst erhalten (z. b. fasz, nässe, gehässig), eher umgekehrt verkürzung ursprünglicher länge eintritt, wie in lassen, müssen, landschaftlich grŭsz (doch s. unter geflissen). demnach kann aber gevæʒe nicht von vaʒ gebildet sein, zu dem es doch auch von haus aus nicht ausschlieszlich und unmittelbar gehört, vielmehr zu fassen in sehr ausgedehnter entwickelung, wie das folg. zeigt, doch auch da mit dem unterschied des vocals (vgl. 5). ein gestutztes fäsz in degenfäsz u. d, trinkfesze 2, b Luthers var.; s. auch geväszt unter 8 und dazu gefeste. mnd. gevete Magdeb. chron. 1, 297, 19. 1@bb) auch das geuaʒi für commeatus bei Sallust, proviantladung und zufuhr Graff 3, 733 (vergl. Weigand unter gefäsz) faszte J. Grimm a. a. o. als gifâʒi und zog es hierher, richtig, denn dasselbe ist noch bairisch gefäsz n. die ladung eines Isarfloszes (kohlen, kalk u. ä.) und die vorrichtung zum beladen, s. Schm. 1, 569 mit belegen bis ins 17. jh., z. b. ein kohlenhaufe gibt ohngefähr 3 floszgefäsze; in der 2. ausgabe 1, 765 wird ein älteres geväszt beigebracht, worin ahd. givaʒʒidi sarcinula Graff 3, 733 zu erkennen ist (vergl. z. b. fanknust unter gefängnis I a. e.), wieder mit kurzem vocal, wie vaʒa, vaʒʒa sarcina 732, noch in den sog. cimbr. gem. vaz last Schm. 119a nebst vazen beladen, d. i. ahd. faʒôn, faʒʒôn, nhd. fassen (s. d. A, 3), vassen laden, beladen voc. 1482 hh 4b, auch noch landschaftlich, z. b. kärntnisch Lexer 91, in Luserna (abefassen abladen) Zingerle 29a. auch der wagen selbst musz fassung geheiszen haben (vgl. 3, c), das bezeugt das entlehnte böhm. fasuňk lastwagen Wussins dict. 3, 49b, bei Jungmann fasuněk, kleiner leiterwagen, fassungsleiter (vergl. Schm.2 1, 765). 1@cc) mhd. aber auch von kleidung, schmuck (vgl.fasz 1), md. gevêʒe: di selben meide viere druogen glîch geziere, glîch gevêʒe und ein gewant, borten unde hârbant u. s. w. Elis. 904, d. h. gevæʒe als subst. zu mhd. vaʒʒen kleiden, schmücken, eig. ausrüsten, rüsten, ahd. faʒʒôn, s. unter fassen A, 2, vassung ein zierheit (zierat) von gold oder silber, torques voc. 1482 hh 5b; altn. fat n. kleidung, decke u. ä., fürs goth. zeugend span. hato, port. fato kleidung, geräte, habe u. ähnl. Diez wb. 500 (2, 137); bezeugt ist goth. fêtjan schmücken mit gafêteins f. schmuck (von frauen) 1 Tim. 2, 9, also mit dem vocal von mhd. gevæʒe (vgl. z. b. goth. gamêleins f. gleich mhd. gemæle n. gemälde). Auch davon noch ein rest in schweiz. gefäsz n. einband eines buches (fassen einbinden) Stald. 1, 356, d. i. sein kleid, decke, fassung, schutz und schmuck zugleich, wie fassen (s. d. A, 4) noch auch schmücken heiszt, bair. östr. z. b. einen altar fassen, vergolden, bemalen Schm. 1, 569, Schöpf 123, Lexer kärnt. wb. 91. auch für die fassung eines edelsteines wird sich gefäsz finden, gehäuse und schmückende ausrüstung zugleich, wie Stalder für bucheinband auch fassi f. gibt, d. i. fassig, eig. fassung (s. 3, c a. e.). 1@dd) das gefäsz am degen Denzler 2, 124a, eigentlich die stelle wo man ihn faszt und die zum schutz der hand besonders zugerüstet ist: er hat ihm den degen ins leib gestoszen bis ans gefäsz. Aler 862a; Ferdinand ... zieht den degen samt der scheide und wehrt sich mit dem gefäsz. Schiller III, 418, 21 (kab. u. l. 2, 7). bei Adelung auch am schwert, rappier, dolch. bei Henisch 1418 gefäs, ein heft am messer oder anderem dinge, manubrium, capulus, bei Micrälius gefeste (s. dort). s. auch degenfäsz. mhd. swertvaʒ vielmehr die scheide. 1@ee) gefäsz des falken: ire gefäsz heiszt man geschch, die kurzen gefäsz die wurfriemen, die langen riemen das lang gefäsz. Sebiz 570, also zugleich noch als allgemeinerer ausdruck; die riemen woran die wurfriemen befestiget werden, heiszen bei den falconieren das geschühe, das gefäsz oder geschütz. Heppe jagdlust 3, 159; im 16. jahrh.: die jungfraw im (dem falken) den brief an sein gefesz hand, der ritter mit seinem luder (köder) den falken zu im rfet, der geflogen kam, den brief seinem herrn brachte, der den brief von seinem gefesz nam. b. d. liebe 240c. auch zu fassen, der riemen womit man den vogel unmittelbar faszt und hält. vgl. mhd. gevaʒʒede an einem sperber als jagdvogel Bit. 7042 (hs. gefatzte) und dazu ahd. givaʒʒidi neben givâʒi unter 1, b. 1@ff) bei Henisch 1419 gefes, ein band, vinculum, it. vimen quo vites religantur, also zum anbinden der reben, dem vorigen ähnlich, zum fassen, fest machen. ähnlich wol auch beim weber: das gefesz oder haarlaufen hinder dem wäberkamb, licium, licia. Maaler 162a. 203b, aus Frisius 771a. 1@gg) gefäsz von der lafette der geschütze Fronsp. kriegsr. 15a bei Frisch 1, 250a, womit man sie gleichsam faszt, handhabt oder worauf man sie ladet, vgl. unter b als vorrichtung zum laden. dazu fassen, im 15. jahrh. werden die püchsen der Nürnberger aufgezählt, deren sind etlich auf kerren und pocken, andere, auf den thürmen, sind in holz gefasset. Nürnb. chron. 2, 292. 1@hh) im Luxemb., vermutlich weiter im westen, gefäsz, plur. gefäszer, fessel am pferdefusze, gefäszgewirw n. (gewerbe), die köte, das kötengelenk Gangler 168, also auch gleich fessel, mhd. veʒʒel, zuletzt gleichfalls zu fassen. 22) der gewöhnlichen bedeutung näher rückend von schiffen: ein schiffsgefäsz oder fahrzeug, a vessel. Ludwig 709; dichterisch: als plötzlich die windsbraut wirbelnd ergriff das gefäsz. Kosegarten (1824) 3, 222. aber auch im leben, so auf der Weichsel, dem Rhein; z. b. eine Danziger polizeiordn. für die schiffahrt auf der Weichsel und Nogat vom 5. märz 1866 bestimmt: ist die fahrt durch königliche stromgefäsze oder taue augenblicklich gesperrt, so haben die zu thal gehenden stromgefäsze und flösze .. vor anker zu gehen, bis die fahrt frei ist. vom Rhein bezeugt gefäsz Schm.2 1, 765, wie ebendort auch fasz (s. d. 5), nicht dichterisch, sondern eben als schifferwort. schon im 15. jahrh.: den herren (schiffherren), die da Elsesser wine in dennen oder ungedeckten fassen allein geladen han. Mones zeitschr. 9, 29, pfälz. urk. von 1464, gleichgeltend s. 30 in dennen oder ander ungedeckten schiffen, s. auch s. 32 (tanne als schiff, einbaum weisth. 4, 353). also wie z. b. franz. vaisseau, das auf lat. vas fuszt, und wie sonst schiffe und gefäsze oft einen namen haben (s.kar 4). aber nicht als dichterische übertragung des folgenden, sondern wieder von fassen, d. h. laden, wie 1, b die ladung selbst und auch die vorrichtung zum laden gefäsz heiszt, sodasz dieses vollständig wie ein subst. verb. zu fassen sich darstellt. 33) gefäsz, vas, vasa. 3@aa) als collectivum wirklich schon in mhd. zeit: an tranche und ouch an spîse .. in vil gûtem gevêʒe (aufgetragen). pass. H. 36, 30, also auch von schüsseln, tellern, nicht nur von trinkgevæʒe, an das wir da vorzüglich denken (vgl. Scriver unter b); ebenso im folgenden, wo köppe (s.kopf) die trinkgeschirre sind: aber Appollonius asz nicht, sunder he sach gar betrübet met weinenden ogen das silberine geveesze unde guldene köppe. Apoll. v. T., h. von Schröder 36, 33; allerlei geveesz. 37, 3, wo die köppe eingeschlossen sind. von bötticherarbeit, fasz und gefesze: ouch sullen si (die städtischen faszbinder) uf das landt nymandes fas, thunnen noch halbe thunnen machen denne in den reif als si den leuten in der stadt machen .. was ouch von cleinem gefesze wochelichen her in die stadt bracht wirdet zu dem markte, als kubeln, boymkannen (s. V, 164) ader anderm cleinem gefesze ... Freiberger stadtr. bei Schott 3, 295; wer des besaget oder besên wert (dasz er aus Obirwymar wein einbringt), der sal der stad funf schillinge phenge gebe unde daʒ gefese da der wyn inne ist. Weim. stadtbuch 14. jh., Michelsen rechtsd. 270. auch silbernes, güldenes, irdenes: silbern und gülden gefesz. 2 Mos. 3, 22; allerlei erden gefesz. 3 Mos. 11, 33; allerlei hülzen gefesz v. 32. noch jetzt volksmäszig in Sachsen, z. b. die böttcher auf dem jahrmarkte setzen ihr gefäsze ein, wenn der abend kommt, im hause musz man sonnabends das gefäsze scheuern (das gefêsze ist noch die sächs. form, wie oben im Apoll.), das küchengefäsze, der kuchene gevêʒe pass. K. 33, 1, kessel, zinngeschirr, fässer u. s. w. dennoch kann dieser collectivische sinn erst nachträglich hineingebracht sein, wozu die form sich darbot. 3@bb) vom einzelnen gefäsze auch schon mhd.: waschunge der kelche und waʒʒirgevêʒe und êrîn gevêʒe und der bette. Beheims evang. Marc. 7, 4, Luther von trinkgefeszen, ehrnen gefeszen (var. trinkfeszen); ein erdbeben, das die gefesze den lewten an den kannenricken erclungen. Rothe thür. chron. s. 691b Lil., die über der thür auf einem brete stehenden geschirre; die gefesze des hauses des herrn. Esra 1, 7; ein töpfer kan aus dem thon ein gefes machen was er wil. gl. zu Jes. 45, 11, Luthers wort bedurfte übrigens in dem Basler nachdruck der erklärung: gefesz, geschir (Fromm. 6, 42b); da sauft ein saufritter (s. kannenritter) und weinhold dem andern auf die haut mit halben und ganzen, mit groszen und kleinen gefäszern. Scriver goldpred. 646. daneben ebenso heilige oder kirchengefäsze (s. biblisch vorhin): goldne und silberne gefäsze aus des Anubis tempel. E. v. Kleist (1771) 2, 128; opfergefäsze, spondeon. Steinbach 1, 414; bereitet hurtig die gefäsze, geheiliget zum dienst der messe. Schiller gang nach dem eisenhammer. aber auch im leben, auszer dem hause, z. b. bergm., von karren: mit den einen scharren sie die erd und kies zusammen, mit den andern werfen sie diese ding in die gefäsz. Bechius Agric. 114, jetzt noch fördergefäsze. ferner keltergefäsze, töpfergefäsze Steinb. 1, 414, essig- oder ölgefäsz Ludwig 709, schöpfgefäsz, schenkgefäsz, brungefäsze u. a., gefäsz das man untersetzt Aler, Weber, blumengefäsz, holzgefäsz, glasgefäsz, goldgefäsz u. s. w. 3@cc) auch dafür aber fassung, als subst. zu fassen, einladen u. ähnl.: und soll der muler (dem die bannmühle anvertraut wird) darzu haben sein fassung von dem malter bisz zu der viertzelen. weisth. 2, 308, seine eigenen gefäsze, zugleich als gemäsze, s. fasz als getreidemasz Frisch 1, 250a, schweiz. fassen messen, z. b. früchte, wein Stald. 2, 513; so viel fuisz lang der wein (beim keltern) aus der lehnleut vassung über schlechten boden im kelterhaus rinnt, in so viel weins ist der lehnman dem herren verfallen, und hinwederumb auch der herr gleichfalls dem lehnman, im fall seine kelter und vassung rinnen würden. 2, 363; da soll der lehenman in dem hoff haben .. gehebe (dichte) fassung und büden (bütten). 383; vgl.zwo, dry, vier fassung 818, gefäsze. s. auch 1, b a. e. fassung für wagen. noch schweiz. fassig, fassi f., 'kollectivbegriff von fässern' Tobler 178a. so fassen, auf die fässer füllen: wenn man ein bier fassen will, musz man bedenken, ob es soll bald weggetrunken werden oder ob es lange liegen soll. Becher hausv. 241. noch z. b. nd. in der Altmark faten, das bier in die tonnen bringen, selbst starkf., praet. fôt, part. faten Danneil 49b, auch götting. faut praet. (au = ô) Schambach 257b, was freilich für das von J. Grimm III, 1557 gesuchte goth. fatan, fôt nicht taugt, da sichs damit nur verhält wie mit jug neben jagte u. ähnl. dasz z. b. Luther auch bei gefäsz noch an fassen dachte, zeigt z. b.: in der ganzen schrift wird das gefesz genommen für die wort, darumb das in und mit den worten der sinn verfasset, geben und genommen wird (d. h. von hand zu hand), gleich wie mit dem gefesz der wein, wasser, kolen, und was denn ist das man fasset. post. 1528 63b. 44) die bedeutung verallgemeinert und bildlich. 4@aa) der begriff erweitert sich zu dem von behälter überhaupt, was allerdings zum ursprung stimmt; wenn man keinen bestimmten namen weisz oder brauchen will, dient gefäsz begrifflich, jetzt und schon im 16. jahrh. (gefäsz, allerlei geschirr Maaler 161b), z. b.: eben solche trewmerei ist die ganze lere d. Carlstads, denn mit den prächtigen worten brünstig gedechtnis u. s. w. effet er uns und bringt es nicht weiter, denn das er uns das heiligthum zeiget durch ein glas oder ein gefesze, da mügen wir sehen und riechen bis wir sat werden. Luther 3, 86a. im vergleich zum inhalt von behältnissen, die sonst nicht so heiszen: als dieses kostbare gefäsz mit so kostbarem inhalt sich uns näherte. Göthe 24, 305, der kaiserliche krönungswagen; wahrscheinlich ist es ein mann, den die jesuiten erhielten und der über den ungeheuren fall des ordens den verstand verlor und nun täglich kommt, in dem leeren gefäsz (der jesuitenkirche) die alten bewohner zu suchen. 27, 38. daher auch die form begrifflich: aus der schlechtesten hand kann wahrheit mächtig noch wirken, bei dem schönen allein macht das gefäsz den gehalt. Schiller XI, 168. ja von der ganzen welt als künstlichem gebäu: unser groszes welt-gefäsze hängt zusammen und bestehet, wie bekannt, aus theilen nur u. s. w. Brockes 4, 502. 4@bb) bildlich, geistlich, geistig: gott hat mit groszer gedult getragen die gefesze des zorns. m. 9, 22; gefesze der barmherzigkeit. v. 23; du klagest oft über die prediger, dasz sie nicht thun was sie thun sollen. allein sie sind menschen. sie tragen den predigerschatz nicht in silbern oder güldenen, sondern in irrdischen gefäszen. Schupp. 209 fg., wie mhd. vaʒ vielgebraucht war, auch in folgender weise, vergl. fasz 7; unser freund, der hr. prof. Philippi, ist kein solches gefäsze der schmähsucht. Liscow 832 (747); marquis Posa, indem er die prinz. Eboli mit dem dolch bedroht: noch ists zeit, noch trat das gift nicht über diese lippen. ich zerschmettre das gefäsz, und alles bleibt wie es gewesen. Schiller d. Carlos 4, 17; der (aufgefangene) mann ist uns ein kostbares gefäsz, das wichtge dinge einschlieszt. Piccol. 5, 2; schrecklich ist es, deiner wahrheit sterbliches gefäsz zu sein. Kassandra str. 8; laszt sie .. die hand auf ihres sohnes haupt legen .. und alles übel .. auf dieses kleine gefäsz herabrufen. Göthe 15, 57. 4@cc) in der natur, z. b. dichterisch feurgefäsze von der sonne Brockes 6, 110, ähnlich lichtgefäsze 8, 524, luftgefäsze, bläschen 9, 107, nahrgefäsze 9, 101, dann auch in der wissenschaft blutgefäsz, wassergefäsz u. ä. im thierischen körper Adelung, haargefäsz u. a., vergl. gefäszsystem. auch blosz gefäsz, blutgefäsz u. ähnl.: ihre gefäsze sind überfüllt, ihre nerven überspant. Sturz 1, 190; ein unsichtbar geflecht von zärtlichen gefäszen .. führt den bestimmten saft in stätem kreisz-lauf fort. Haller 82; im körper eines gedachten weltriesen: in einen körper verwandelt stand vor dem dichter die welt.in seinen kleinsten gefäszen flossen die bäche gemächlich u. s. w. Giseke poet. werke 35 (Herder lebensb. I, 3, 2 s. 53). dazu mancherlei zusammensetzungen, wie gefäszhaut, gefäszlehre, gefäsznerve, gefäsznetz, gefäszreich, gefäszknoten (s.knoten 14, h), s. z. b. Campe. 4@dd) als schonender ausdruck von der weiblichen scham: die sich leichtfertig kleidet, die trägt ihr gefäsz feil. Lehman flor. 1, 459. aber auch von der männlichen mit: männer und weiber (in Grönland) haben enge hosen und leibröcke, als wie futterhembde .. gehen kaum bis ans gefäsze .. der weiber (hosen) hören weit über den kniehen am dicken fleische auf, also dasz sie kaum das gefäsze darinnen bedecken können. Olear. pers. reis. 3, 4. so im voc. 1482 fasz (Frisch 1, 249c), wie lat. vas, griech. σκεῦος. 4@ee) eigen bei Luther von segeln: wir furchten (beim sturme zu schiffe), es möchte in die syrten fallen (geraten) und lieszen das gefesze hin unter und fuhren also. ap. gesch. 27, 17, freilich nach dem griech., χαλάσαντες τὸ σκεῦος, d. i. das takelwerk (vulg. summisso vase), aber er konnte das wort doch wol nicht ohne anhalt im heimischen schiffswesen brauchen, etwa bei den Elbschiffern. das takelwerk ist ja zugleich eine art bekleidung, fassung, wie ähnlich die lafette 1, g, das gefäsz des falken 1, e; vgl. 5, c. 55, 5@aa) also gefäsz auch dem sinne nach nicht zu fasz (abgesehen von 3, a), sondern samt diesem zu fassen, wie ein lange bewuszt gebliebenes subst. verb. dazu, auch mit fassung geradezu tauschend (1, c. 3, c); der form nach aber beide, vaʒ und gevæʒe, zu einem anzunehmenden alten fëʒan, das denn auch in spuren da ist ahd. (s. unter fassen und fusz), ganz deutlich in altn. feta, vermutlich in goth. fitan, in der bedeutung freilich mit klüften von einem zum andern, deren überbrückung man noch nicht absieht, der stamm musz schon damals eine besonders reiche vorgeschichte gehabt haben. 5@bb) für hd. ist aber an gefäsz zu erkennen, dasz in der bed. faʒʒôn für das eingehende fëʒan verdrängend eingetreten sein musz, also auch dessen beziehung zu gifâʒi mit übernommen haben, die dann noch jahrhunderte lang im sprachgefühl fortgeführt wurde; ähnlich zweigte sich z. b. ahd. von chiuwan kauen (s. dort) ein schwaches cuôn ab, von snîdan ein sneitôn und snitôn. 5@cc) für die bedeutungen bietet sich eine einigung, wenn man sich das wort besonders für krieg, jagd, reise in entwickelung denkt: fassen eigentlich rüsten, ausrüsten (zu vergl. gefaszt 1, a), daher auch schmücken, da an helm und rüstung auch zuerst mit schmuck angebracht ward; dazu sich fassen, sich fertig machen, eigentlich zum kampf, zur fahrt bereit, ahd. mhd. auch fertig sich aufmachen (s. unter fassen A, 1, Lexer 3, 35 fg.), doch auch 'sich rüsten' z. b. zu einem feste (s. u.fassen A, 2); aber auch das schwert, den schild fassen (s. dazu gefaszt 1, a), und vorräte fassen, in behälter bringen, einladen, aber auch z. b. die schiffe fassen, beladen (s.fassen A, 3), immer aber auch vorher fertig machen, einrichten zum gebrauche, schiffe, vorräte und waffen (vgl.gefäsz 1, g, fassen A, 7). daher auch gefäsz von gerätschaften überhaupt, wie noch im span. hato (1, c). ob engl. fit hier seine stelle findet?
18121 Zeichen · 478 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gefäszn.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gefäsz , n. coll. zu fasz, doch nicht ursprünglich so. 1 1, 1@a a) mhd. nicht geveʒʒe, wie man früher nach vaʒ annahm ( …

Verweisungsnetz

24 Knoten, 25 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Hub 1 Kompositum 23

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gefaesz

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

gefaesz‑ als Erstglied (1 von 1)

gefäszhaut

DWB

gefäszhaut u. ähnl., s. unter gefäsz 4, c.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gefaesz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gefaesz/dwb?formid=G03805
MLA
Cotta, Marcel. „gefaesz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gefaesz/dwb?formid=G03805. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gefaesz". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gefaesz/dwb?formid=G03805.
BibTeX
@misc{lautwandel_gefaesz_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„gefaesz"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/gefaesz/dwb?formid=G03805},
  urldate      = {2026-05-12},
}