fasz,
n. vas, σκεῦος.
kein goth. fat,
sondern dafür kas,
ahd. char,
altn. ker.
ahd. faʒ,
pl. faʒ
oder paragogisch feʒʒir,
mhd. vaʒ,
pl. vaʒ
oder veʒʒer,
nhd. fasz,
gen. fasses,
pl. fässer,
dat. fässern,
vormals auch fasz
und fasse,
dat. pl. fassen.
alts. fat,
pl. fatu,
nnl. vat,
pl. vaten,
ags. fät
pl. fatu,
engl. vat (
wol nach nnl. vat),
altn. fat,
pl. föt,
schw. fat,
dän. fad.
wurzel das goth. fitan,
ahd. fëʒʒan,
wovon faʒʒôn
parare, instruere, also faʒ,
gerät, ganz wie σκεῦος und σκευάζω zusammen gehören. das lat. vas vasis
ist unverwandt, obschon fat =
vestis, goth. vasti
an vasjan
vestire gemahnt. mit dem pluralablaut fâʒun,
goth. fêtun
bildete sich aber goth. fêtjan
ornare so wie unser gefäsz,
gen. gefäszes,
das dem fasz, fasses
gleichbedeutig, nicht daraus herzuleiten steht, wie der unterschied der vocalquantität und consonanz lehrt. ahd. gifâʒi
commeatus =
alimentum, cibatus, bewirtung, mhd. gefæʒe: bâten in die zwêne, daʒ ër sie hielte über naht ... daʒ versagete dër alde und in dës gewalde stuont daʒ gefæʒe : vergæʒe.
GA. 3, 47.
im passional, dessen mundart ê
für æ
schreibt, findet sich gevêʒe: an tranche und ouch an spîse, sô man is indert beste behalden aldâ wëste in vil gûtem gevêʒe (: truchsêʒe).
pass. H. 36, 30; ër helsete unde kuste dër kuchene gevêʒe gar.
pass. K. 33, 1.
soviel war über gefäsz
hier vorweg zu nehmen, um dessen verhalt zu fasz
zu verdeutlichen, mehr noch wird unter dem worte selbst nachgeholt werden. analogie besteht zwischen fach
von fahan (
sp. 1218)
und fat, faʒ
von fitan, fëʒʒan,
da beide fangen
und fassen (
capiunt)
und fahen, fangen
gewissermaszen auch fassen
sind. allein diese wurzeln sind doch genau zu scheiden und fasz
darf nicht aus fahen
abgeleitet werden, es müste denn gelingen fah (fak)
und fat
unter einem höher stehenden fa
zu begreifen, das weder unsere sprache, noch die lat. und gr. ankündigt. bedeutungen. 11)
altn. fat
vestis : hrein föt,
vestes purae; föt Sörla,
die kleider des Sörli (
goth. Sarvila) =
lorica; þvo sin föt,
vestes suas lavare. 3 Mos. 15, 7,
wo die altdän. bibel too sinä kledher; einginn settur bôt af niu klæde a gammalt fat,
Matth. 9, 16.
dasz auch bei uns fasz
vestis bedeutete, ergibt sich nicht nur aus fassen
vestire, sondern auch aus fetze
panniculus, vgl. hernach fatzen. 22)
vas, vasis, von stein, erz, thon, glas, ahd. dahînaʒ faʒ,
fictile vas; steinînaʒ faʒ,
vas lapideum; silabarfaʒ,
vas argenteum; êrfaʒ
aeramentum; lîdfaʒ
poculum; liohtfaʒ
lucerna. ags. læmene fatu,
fictilia vasa; gyldene fatu,
aurea vasa. mhd. steinîniu vaʒ,
lapidea vasa; güldîniu vaʒ
oder goltvaʒ,
aurea vasa; hantvaʒ
waschbecken; gieʒvaʒ,
gieszkanne. nhd. hat nicht ein töpfer macht, aus éinem klumpen zu machen ein fasz zu ehren und das ander zu unehren?
goth. þau niu habaiþ kasja valdufni þahôns us þamma samin daiga taujan, sum du galaubamma kasa, sumuþþan du ungalaubamma?
Röm. 9, 21. 33)
geflochtenes fasz: korp theist skalklîchaʒ faʒ. O. III. 7, 59,
servilia cophinis solent opera fieri. der bienenkorb hiesz ahd. pîochar,
mhd. binvaʒ; ein schab, mott in den bienfassen. Alberus. 44)
ganz besonders hölzernes fasz, weinfasz,
bierfasz, essichfasz,
im allgemeinen ist uns heute fasz
dolium: ein fasz binden, abziehen, das fasz läuft,
rinnt, ist leck. mhd. ich weiʒ wol daʒ du guot bist, die wîle dîn im vaʒʒe iht ist, sô wil ich bouwen dise banc.
weinschwelg 16; dër guote wîn wirt sëlten guot wan in dem guoten vaʒʒe. Walther 106, 17; alsô twinget vaʒ der tübel (
die daube), daʒ ëʒ niht rinne zaller zît. Freidank 79, 16; dën bœsen vaʒʒen niemen mac benëmen wol ir êrsten smac. 108, 15; ûʒ iegelîchem vaʒʒe gât als ëʒ innerhalben hât. 111, 2; ich bin ein büttenære, swër mir dës gundè, sîn vaʒ ich im bundè, Neifen 44, 29.
nhd. wenn er ein erden gefesz anrüret, das sol man zubrechen, aber das hülzen fasz sol man mit wasser spülen.
3 Mos. 15, 12; sihe er hat sich unter die fasz versteckt,
LXX κέκρυπται ἐν τοῖς σκεύεσι,
vulg. absconditus est domi.
1 Sam. 10, 22; sihe mein bauch ist wie der most der zugestopft ist, der die newen fasse zureiszet.
Hiob 32, 19; Moab ist von seiner jugent auf sicher gewest und auf seinen hefen sicher gelegen und ist nie aus einem fasz ins ander gegossen.
Jer. 48, 11; es kompt die zeit, das ich inen wil schröter schicken, die sie ausschroten sollen und ihre fasse ausleren und ire legel zerschmettern. 48, 12; newer wein und newe fasse, newer rock und newes tuch gehören zusamen. Luther 6, 477
a; ein fasz anzapfen,
anstechen (1, 477), Maaler
schreibt anzäpfen,
relinere dolia; gelärte und austrunkene fasz,
siccati cadi. 132
a; da gedacht ich, hastu den geprechen, so wil ich kein solches fasz anstechen.
fastn. 701, 24; wann der best wein ins faul fasz käm, darin müst er ersauren, so wann jungs meidlin ein alten näm, ir herz müst drob ertrauren.
Garg. 92
b; wenn die reben wieder blühen, rühret sich der wein im fasse. Göthe 1, 64; drum will ich, bei ja und nein, vor dem zapfen sterben, mit mir soll des fasses rest in der gruft verderben. Bürger 50
b; und schöpft ins lecke fasz der Danaiden. Schiller ...
eine menge redensarten: 'dem fasz bricht der boden aus',
die sache ist verschüttet, zu ende; 'dem fasz den boden brechen, ausbrechen, ausstoszen' (1, 989. 2, 210)
den wein verschütten, der sache gewaltsam ein ende machen; der letzte und ergste zorn des teufels wider Christum, damit er dem fasz den boden ausstöszet. Luther 4, 473
b; und stöszet dem fasz den boden aus. 5, 143
b; darfstu sagen, das gott nicht gott sei und die apostel und christenheit nicht recht lere und glaube, so hastu gut thun und nicht besser, denn stosze nur vollend dem fasz den boden aus, und sage, das kein auferstehung, kein himel noch hell, kein teufel noch sünde sei. 6, 224
a; er wird so lange an den reifen klopfen, das einsmals dem fasz der boden ausspringen möcht. 6, 7
a; wenn aber die vergeszne welt zum frölichsten wird tanzen, so will ich dem verstockten fasz gar plotz den boden brechen. Ringwald
evang. kk 8
b; der keiser sol es selbst erfahren, was er hat mit seim weib begangen und soll dem fasz den boden ausbrechen. Ayrer 380
b; ha, sagt sie, ihr habt gut sagen, were dem fasz der boden aus.
Garg. 103
a; hiemit war dem fasse der boden eingestoszen.
Felsenb. 4, 478.
ähnlich ist 'das fasz zuschlagen',
eine sache beruhen lassen, von ihr zu sprechen aufhören: es ist besser dieses fasz zuzuschlagen und unsere gedanken auf etwas anderes zu wenden.
Pierot 2, 33; lasset uns dieses fasz zuschlagen. 2, 132; wir schlugen endlich dieses fasz zu. 2, 346. 'ein loch ins fasz trinken'
will sagen einen guten theil des weins daraus verzehren: nachdem sie also in eil ein zimlich loch ins fasz getrunken hatten, zog ein jeder seine beste rüstung
an. Garg. 250
b. was man in ein unsauber fasz gieszt, das säuert bald. Simrock 2269
a;
dahin zu gehören scheint das 'gieszen in das fasz'
Karlmeinet 221, 23,
verleumden, übel aussprengen. 'aus einem andern fasse laufen',
ganz anders aussehen, anders schmecken: man kan durch kleinen zweck die lange ruh verbessern. 'verbösern', sprich recht aus, 'es lauft aus andern fessern'. Gryphius 1, 305; es gehen aber die uhren unserer jetziger prediger zu disen jahren aus einem andern fasz.
gesp. zweier augsb. burger. Ingolst. 1609
s. 3; dort aber wird man die saiten anderst stimmen, es wird aus einem andern fasz gehen. Otho 1367; das gehet aus einem andern fasse.
unw. doct. 950; aber nunmehr soll es hoffentlich aus einem andern fasse gehen.
causemacher 121; ich musz das ding in ein ander fasz schlagen (
anders anfangen), sagt ich. Bodes
Tristr. Sh. 7, 45. 'aus vollem fasse gehen': wann der jüngste tag anbricht und sie ihre cörper aus der erde wieder bekommen, und in ihrem fleische gott sehen, da wird denn die herlichkeit und freude erst aus vollem fasse gehen. Scriver
selensch. 2, 992; kum spat, fruo, trucken oder nasz, so findestu alweg ein folles fasz.
fastn. 323, 16. 'nicht im rechten fasse sein',
übel gelaunt, übel zu sprechen sein: ich sehe wol er ist nicht im rechten fasse.
herz. Heinr. Jul. 244. 'etwas im fasz haben',
in vorrat und bereitschaft: eben als ob die liebe heiligen nicht auch ein gut wort im fasz hetten.
bienenk. 197
a,
nicht auch ein wort bei gott mitzusprechen; er hat immer was im fasz,
hält immer ein gut fasz wein im keller; er hat noch etwas bei mir im fasz (
liegen),
ich habe ihm noch etwas aufgehoben, wofür er büszen soll; habt ihr dawidder nichts im fasz?
froschm. J 7
b,
bleibt euch dawider kein mittel übrig? 'einem über sein fasz kommen',
sich in seinem keller, in seinem weine satt trinken oder berauschen: ich bin gar der memori uber das fasz kommen, derhalben haltet in ehren solchen xerxischen kopf, der alle seine kriegsleut im ganzen heer von 100000 wust mit iren besonderen namen zu nennen, ja wers glaubt!
Garg. 63
a; hüpschlich trinken oder nit vil über das fasz gon,
parcere cadis. Maaler 132
c. 'aus dem besten fasz geben',
den besten wein schenken: auf morgens, nachdem sie gesuppet, das ist den leib mit wermutwein, das ist dem besten aus dem mitteln fasz gewermet hetten, brachen sie auf.
Garg. 146
b. 'nach dem fasz schmecken': alle andere lehren schmecken nach dem vasz, und können recht geprüft ihren ursprung nicht bergen, ich will sagen sie schmecken nach eigennutz und betrug, die christliche aber nach ihrem göttlichen ursprung, der tiefe nemlich der weisheit und güte gottes. Scriver
seelensch. 2, 737. fasz
bleibt, wenn es ein bestimmtes masz bezeichnet und ein zahlwort vor sich hat, im pl. unverändert z. b. zwei fasz bier, drei fasz öl,
verschieden von zwei bierfässer, drei ölfässer,
vgl.glas,
masz,
fusz.
sprichwörter: leere fässer klingen hohl,
rumpeln; volle fässer klingen nicht, leere desto mehr; leeres fasz macht nicht nasz; es ist noch nicht in dem fasse, worin es gähren soll; wenn das fasz leer ist, wischen die freunde das maul und gehen; alte fässer rinnen gern; fülle ein leer fasz, so siehst du wo es rinnt; wenn das fasz rinnt, musz man die reifen treiben; man klopft solang an den reifen, bis dem fasz der boden ausspringt.
gleichnisweise: er ist dick wie ein fasz; ein alt weib, die ein bauch hat wie ein fasz,
doliaris anus. Maaler 132
c. 55) fasz
für schif, vgl. it. vasello, vascello
für lat. vasculum,
fr. vaisseau: sie werden mit getön von den lären fassen in das meer geworfen. Forer
fischb. 98
a; wann gleich ein schif nun schon aus hohen dicken fichten von unten an erbaut den mastbaum auf kan richten, so ists doch nicht genug zu laufen in das meer den rechten strich hinaus bei stein und klippen her, es musz ein steuermann das hole fasz regieren. Opitz
Hugo Grot. p. 295,
und danach ein kluger schifman kan das hole fasz regieren, damit es wind und see nicht auf die klippen führen. Tscherning 1642
s. 88. 66) fasz
für andere gefäsze: so nim nu zu dir weizen, gersten, bonen, linsen, hirs und spelt und thu es alles in ein fasz (
einen trog) und mache dir so viel brot draus, so viel tage du auf deiner seiten ligest, das du dreihundert und neunzig tage dran zu essen habest.
Ez. 4, 9; holz zu schubkarrn, schaufeln, zu hülzern kandeln, fassen, gelten. Luther
tischr. 22
b; mit ganzen ballen und fassen.
Frankf. ref. 1, 47, 1.
nach dem Simpl. calender 198
nennen die Schweizer das euter 'fasz'. 77)
figürlich, und ein iglicher unter euch wisse sein fasz zu behalten in heiligung und ehren (
goth. ei viti hvarjizuh izvara gastaldan sein kas in veihiþai jah svêriþai).
1 Thess. 4, 4; so nu jemand sich reiniget von solchen leuten, der wird ein geheiliget fasz sein zu den ehren, dem hausherrn breuchlich und zu allem guten werk bereitet (aþþan jabai hvas gahrainjai sik þizei, vairþiþ kas du svêriþai, gaveihaiþ jah bruk fraujin du allamma vaurstvê gôdaizê gamanviþ). 2
Tim. 2, 21; das ist gottes wille, ewer heiligunge, das ir meidet die hurerei und ein iglicher wisse sein fasz zu behalten in heiligung und ehren. Luther 6, 29
a; ich main euch junkfrau ane hasz, aller eren und tugend ein vasz.
fastn. 405, 3; und nasch nicht aus eim fremden fasz, das du nicht darfst bezahlen das, wenn dir der herr ... wird ein gebrawen bier beschern. Ringwald
laut. warh. 169; frei ja nach wolgezognem blut und nicht so gar nach geld und gut, doch gibt dir gott ein reines fasz. 177; wer wird hernach, mein lieb, wer wird hernach dich preisen, wann disz mein irdin fasz denn wird die würmer speisen? Opitz 2, 172; Virosa ist zwar wol ein weib, doch nicht ein schwaches fasz, weil keines mannes stärke nie ihr konte schaden was. Logau 2, 220, 55; das fasz deiner brust. J. P.
Kamp. 10; je mehr er flaschen auf das fasz seines leibes abzog, desto mehr erhob er gott verstärkter.
Fibel s. 34 (49).
s. bierfasz, buchfasz, butterfasz, dintenfasz, essichfasz, futterfasz, gieszfasz, glasfasz, gurkenfasz, kühlfasz, mehlfasz, melkfasz, milchfasz, ölfasz, pulverfasz, rauchfasz, salzfasz, schenkfasz, silberfasz, spülfasz, waschfasz, wasserfasz, weinfasz.
ahd. mhd. noch viel andere, vgl. Graff 3, 729—31.
mhd. wb. 3, 281. 283.