Gebärde bes im Frühwerk auch -ber-; vereinzelt -behr-/-bähr-; einmal Neutr (nach Paracelsus-Vorlage) DjG
31,429,10
; überwiegend im Pl. - Gut 220 Belege; bemerkenswert zum einen der anhaltende Gebrauch in weitgefaßter Bed (s 1 u 2), zum anderen die Seltenheit der Bed 4 (wofür bevorzugt ‘Miene’, ‘Gesichtszug’ uä eintreten, während für Bed 3 ‘Geste’ mit nur 10 Belegen keine gleichwertige Bezeichnungsalternative ist)1) 1
Betragen, Gehabe, Verhalten, gewöhnl im Pl die hartherzige Kälte Jarno’s, die ihm aus den Augen heraussehe, und aus allen seinen G-n spreche GWB21,313,24 Lj III 11 Mit seltsamen G- n | Gibt man sich viele Pein, | Kein Mensch will etwas werden, | Ein jeder will schon was sein GWB3,290 ZXen IV 867 GWB16,174 Geheimnisse 95 GWB18,172,20 Unterhaltungen GWB26,154,1 DuW 3
uö(nicht häufig) im Bild für charakteristische Art, Stil (Shakespeares) GWB28,77,1 DuW 11 2
Bewegung, Haltung, Stellung des (gesamten) Körpers, das äußere (dynam) Erscheinungsbild, im allgemeinen unter Einschluß von Gestik u Mimik, sehr häufig mit beschreibendem od wertendem Attr, auch im Vergleich u metaphor a
als (symbolischer, konventioneller od unwillkürl) Ausdruck einer inneren Einstellung, Empfindung, Absicht, Stimmung [
Päd Provinz] alle Kinder .. ließen ihre Arbeit liegen und wendeten sich mit besondern, aber verschiedenen G-n gegen die Vorbeireitenden, und es war leicht zu folgern, daß es dem Vorgesetzten galt. Die jüngsten legten die Arme kreuzweis über die Brust und blickten fröhlich gen Himmel, die mittlern hielten die Arme auf den Rücken und schauten lächelnd zur Erde, die dritten .. GWB24,232,11 Wj II 1 [
Erzkanzler zum Kaiser:] Mit Stolz in tiefster Brust, mit Demuth an G., | Stehn Fürsten dir gebeugt GWBFaust II 10961 [
Sphinx zu Meph:] Was für unruhige G-n? | Wo wollt ihr hin? GWBFaust II 7230 so daß ich mir vor Jammer nicht zu helfen wußte, mich die Länge lang auf die Erde warf, und den Fußboden mit meinen Thränen benetzte .. als meine Schwester hereintrat, über meine G. erschrack und alles Mögliche that mich aufzurichten GWB26,338,15 DuW 5 GWB25
1,201,8 Wj III 10 GWB51,213,23 ThS III 4 GWB11,280 Claud
2 Regiebem nach 1585 [
für: atto] GWB43,215,12 Cell II 3
uö metaphor für eine sprachl Aussage hier [
Diderot in Kap 2 seines ‘Versuchs über die Malerei’] .. kündigt er selbst, mit einer bescheidnen G., nur kleine Ideen über die Farbe an GWB45,285,15 Diderot,Malerei Anm b
als Teil einer Tätigkeit, eines Handlungszusammenhangs Nun hebt sich der Schenkel, nun wackelt das Bein, | Geberden da gibt es vertrackte GWB1,208 Totentanz 16 [
Sphinxe üb Seismos:] Er, mit Streben, Drängen, Drücken, | Arme straff, gekrümmt den Rücken, | Wie ein Atlas an G., | Hebt er Boden, Rasen, Erde GWBFaust II 7538 so wollte er [
der Oheim] auch bei Instrumentalmusiken die Orchester .. versteckt haben, weil man durch die mechanischen Bemühungen und durch die nothdürftigen, immer seltsamen G-n der Instrumentenspieler so sehr zerstreut .. werde GWB23,203,1 Lj VIII 5 GWB16,221 Maskenz RomantPoesie 51 GWBFaust II 8140 GWBB49,81,17 Schultz 18.9.31
uö von Tieren GWB30,143,22 ItR
uö(selten) c
bezogen auf (mimetisch-)pantomimische Darstellung, bes auch in Regiebem von Singspielen Sie [
Scapine] macht die Geberden als wenn sie ausstiege, den Fährmann bezahlte u.s.w. GWB12,152 ScherzLR Regiebem vor 730 Man konnte aus ihren [
der Bedienten Alonzos] Geberden [< ihrer Pant[
omime]] sehen, daß von Rugantino die Rede war, indem sie auf ihn deuteten, und ihrem Herrn etwas zu betheuern schienen GWB11,244 Claud
2 Regiebem vor 920 GWB12,155 ScherzLR Regiebem vor 798 GWBFaust I Regiebem nach 2531 GWB40,113,4 ÜbProserp
uö d
als Element der Figurendarstellung in der bildenden Kunst, auch in theoret Reflexion; ferner für Darbietungen in der Kunstform der Attitüde(sd) das augenblickliche Gefühl der Wunde als die Hauptursache der ganzen Bewegung .. .. Man verliert sich in Erstaunen über die Weisheit der Künstler, wenn man versucht den Biß [
der Schlange] an einer andern Stelle anzubringen, die ganze G. würde verändert sein GWB47,109,11 ÜbLaokoon Die Figuren dieses Kunstwerks [
Scherenschnitt2) zum Titel] sind alle lebhaft bewegt, großentheils von anmuthiger G. und Wendung GWB49
1,375,22 Üb:Zeichngn zuCharon [Meyer/G] GWB49
1,365,3 ebd GWBB9,109,7 Meyer 27.4.89 GWB45,278,18 Diderot,Malerei Anm u 45,362 ebd Var
uö mBez auf ein lebendes Bild Ottiliens Gestalt, G., Miene, Blick [
als Maria mit dem Kind] übertraf .. alles was je ein Mahler dargestellt hat GWB20,272,22 Wv II 6 GWB47,130,21 Samml 2
‘Hamiltonisch-Händelische G-en’3) mBez auf die ‘Proserpina’-Aufführungen 1815 (mit Amalie Wolff) GWBB25,328,25 Zelter [17.5.15] 3
(einzelne) Hand-, Armbewegung, Geste, häufig als Unterstützung od Ersatz von Rede, bes auch iZshg mit Bühnendarstellung u prakt Überlegungen zur Schauspielkunst ich .. verfiel in Grillen, und mit einer auffahrenden Gebährde [auffallenden Geberde Werth
2] drukt ich mir die Mündung der Pistolen .. an die Stirn AA52,20 Werth
1 I [
Meph zur Hexe:] Du zweifelst nicht an meinem edlen Blut; | Sieh her, das ist das Wappen, das ich führe! | (Er macht eine unanständige G.
4)) GWBFaust I Regiebem nach 2513 Für einen Anfänger ist es von vielem Vortheil, wenn er sich seine Ellbogen .. am Leibe zu behalten zwingt, damit er .. der eben angeführten Regel [
Bewegungsfolge Hand, Ellbogen, Arm] gemäß seine G-n ausführen könne Schaubühne36,57 Regeln fSchausp [G/Wolff] GWB23,50,26 Lj VII 6 GWB18,267,14 Märchen [
für: geste] GWB45,146,21 RamNeffe
uö 4
Gesichtsausdruck, -zug, Miene, deutlicher nur idWdgn ‘die G(-n) (ver)zerren’, ‘G-n schneiden’ u iVbdg mit ‘froh’, ‘verzweifelt’ uä indessen als ich sprach verzerrte Bandinell seine G. [
si scontorceva] und machte die häßlichsten Gesichter seines Gesichts GWB44,192,25 Cell IV 5 [
üb geplante ‘Epimenides’-Aufführung] Melde mir .. Nicht weniger was, nach deiner Ansicht, Epimenides für G-n schneiden wird, wenn er erwacht GWBB25,66,15 Zelter 31.10.14 GWB37,16 Annette Ziblis 48 GWBHermDor V 119 GWB16,171 Geheimnisse 14 GWB47,353,7 Üb:Frz satirKupferst
uö(selten) 5
idWdgn ‘G. machen’ (entspr frz ‘faire mine de’), ‘mit der G.’ mit folgendem Inf-Satz: Andeutung, Ansatz, etw tun zu wollen [
Söller, im Alkoven verborgen:] Ich halt’s nicht länger aus! (Er macht Geberde, hervorzuspringen [will herausbrechen DjG
31,382 Mitsch
2 426 u DjG
31,317 Mitsch
1 95].) GWB9,69 Mitsch
3 Regiebem in Vs 438 vier ungeheure Riesen, bewaffnet und mit der G. [
e facevano segno di], in den Kreis einbrechen zu wollen GWB43,187,10 Cell II 1
→ GWB
Beschwörungsgebärde GWB
Katzenbuckelgebärde GWB
Machtgebärde GWB
Miß- GWB
Pulcinell- GWB
Redner- GWB
Schwimm- GWB
Un- Syn zu 1
GWB
Betragen GWB
Habitus GWB
Manier zu 2
GWB
Attitüde GWB
Ausdruck GWB
Aussehen GWB
Bewegung GWB
Haltung GWB
Stellung zu 2 c
GWB
Pantomime zu 2 d
GWB
Pose zu 3
GWB
Geste GWB
Handbewegung zu 4
GWB
Gesichtszug GWB
Miene zu 5
GWB
Anstalt(A-n machen) GWB
Miene(M. machen) 1) Adelung u Campe s v ‘Geberde’ betonen gerade die Bed “Miene”; vgl auch JJEngel, Ideen zu einer Mimik, T.1, 1785,62: “Vorzüglich dient das Gesicht zu den Gebehrden, und hier heissen die Gebehrden Minen” 2) vgl CA16, Taf XIII 3) Lady Hamilton (vgl MA15,258f u Komm) u Henriette Hendel-Schütz waren die bekanntesten Vertreterinnen der Kunst der Attitüde; vgl zur ‘Proserpina’ WA40,117: “Schöne anständige körperliche Bewegung, an die Würde der Plastik, an die Lebendigkeit der Mahlerei erinnernd, haben eine Kunstgattung für sich begründet” u Jb des Freien Dt Hochstifts 1970,150f 4) wohl das Feigenzeichen (nach G-s späterer Inszenierungsanweisung ein Schlag auf den Hintern); vgl HArens, Komm zu G-s Faust I, 1982,246Georg Objartel G. O.