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gaumen

nhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gaumen

Bd. 4, Sp. 1579
gaumen, gäumen, zeitwort zu gaum f., die hut, ein altgerm. wort, noch heute in mundarten. 11) goth. gaumjan beobachten, beachten, wahrnehmen, sehen, d. h. schon in völliger entwickelung der bedeutung; alts. gômian, gigômean, acht haben, hüten, ags. gêman, gŷman Grein 1, 537, altn. geyma, altschwed. göma (Rietz 224b). ebenso dann ahd. goumian, auch gigoumian, bigoumian, forabigoumian providere, procurare Graff 4, 205, mhd. goumen mit begoumen, ergoumen, vergoumen, übergoumen (vgl. 2, c); aber mhd. auch göumen (s. 4, a), wie umgekehrt ahd. gewiss auch goumôn, das Graff 4, 204 nur für epulari, reficere ansetzt (auch alts. gômian gleich bewirten), vom andern doch nicht verschieden, s. gaum a. e. 22) und so noch nhd. in der älteren oberdeutschen schriftsprache, besonders alemannisch. 2@aa) gaumen, das ist versorgen, pflegen, hüeten. Helber syll. 41, z. b.: ouch hatten abermalen die von Schwitz und Glarus etwa vil knecht bi inen, die inen hulfind das land goumen und verwaren. Tschudi 1, 628; dasz sie ir statt htind und goumbdint. 543; das ander geschlächt der hunden werde zu hten und gaumen erboren und .. erzogen. Forer Gesners thierb. 90a (bei Horst zum hüten und wachen). das obj. steht aber ursprünglich im gen., z. b. ahd. thes fehes gouman, das vieh hüten, und so auch noch nhd.: da geit man dir auch hilfen zuo, die dein gaument spat und fruo. ring 50a, 2; da er (Paulus) spricht zuo den bischöfen usz Epheso: goumen üwer und der ganzen schar, in welcher üch der heilig geist gesetzt hat. Zwingli freih. der speisen e iija. herbeigeführt ist der gen. von dem subst. das in gaumen steckt, ahd. goumian eigentlich für gouma nëman u. ä., das noch lange, auch nhd., neben gaumen hergieng (s.gaum f. 1, b). 2@bb) sich gaumen, sich hüten: it. beschech ouch, da got vor sie, dasz ein hofman den andren ze tod erschlüege .. da bszet der todschleger unsern herren von Schwitz mit 50 lb., und sol sich gouman vor des erschlagnen fründen. weisth. 4, 344, vom jahre 1484; vor einem menschen, der im zorn ergrimmet ist, gaumt sich iederman. Zürcher bibel 1530 321 (Jes. 3, 1); sich vor reden hten und gaumen. Maaler 158b; so luog, goum dich vor sinem dück. Mones schausp. des MA. 2, 383. aber auch hier noch im 16. jh. der gen.: goum din, das du dich nit rrist. Züricher bibel 1530 323a (Jes. 7, 4), vulg. vide ut sileas. so altn. geyma sîn, auch hd. gewiss von je her. 2@cc) das hüten besteht aber wesentlich in einem aufmerksamen hinblicken (s. dazu das f. gaum am ende), und auch diesz noch nhd., in mehrfachem sinne. z. b. von einem der auflauert (vgl.gäumeln am ende): dar pei das spinlein laurt und gaumet, wo sich der mücklein eins versaumet. H. Folz, fastn. sp. 1305. einem feinde nach gaumen bei seinem abzug: der hirt staig auf einen paumb und gaumbt dem wolf nach, wo er hin chert. gesta Rom. 76. 2@dd) auch noch ergaumen, vergaumen, jenes für ausspähen, ausfindig machen: doch hab ich an dem (zu theilenden) paum ergaumpt, was mir für mein teil zim am pesten, all wurzel und der stam mit den esten. fastn. sp. 83, 10. vergaumen prohibere, conservare, custodire Maaler 419b, doch auch in der bedeutung übersehen, vernachlässigen, s. unter 4, a, wie alts. fargûmôn (vgl. schweiz. gûm sp. 1575 e), ags. forgŷman, vgl. norw. forgöyma Aasen 179a, und unter gaumlos. 33) noch gegenwärtig in den mundarten des südens, wie im germanischen norden. 3@aa) im alem. gebiete oberschwäbisch wie schweiz. gaumen und gômen (wie gôm u. gaum 1, b, γ), zu haus bleiben, 'das haus hüten' Schmid 223, eig. von denen die allein von der feldarbeit zu haus bleiben (vgl. gaum f. 1, a), bei Maaler 158b daheimen gaumen, dem haus warten, sedere domi. schweiz. auch noch das vieh gaumen, einen kranken, pflegen, ferner gott gaumet wunderbar, von der vorsehung, auch 'gott vergaum es, wend es gütigst ab', und sich gaumen, s. Stalder 1, 430 fg., Tobler 233b. auch im gemeindeleben einst von bedeutung, s. besonders ehgaumer unter gaumer, bei Stalder gaumet m. als verwaltungsbezirk, vgl. in Kuhns zeitschr. 15, 204. 3@bb) im bair. gebiete gâumen, gespr. gâmen, nur noch in der bedeutung das haus hüten, und man gaumt bei einem todten (die alte leichenwache, z. b. Erec 6316, einer lîch êrlich wachen weisth. 4, 334) Schm. 2, 47. tirolisch gâmen (gâmern), auch auf die kinder acht haben Schöpf 171, österr. Höfer 1, 277, kärnt. Lexer 110. 3@cc) nordgerm.: norw. gauma acht geben, göyma in verwahrung nehmen, auch im gedächtnis bewahren, s. Aasen 211b. 254a; schwed. gömma verwahren, dial. gjmä Rietz 224b. auch noch nordengl. goam to look after, to provide for Halliw. 406b, gaum aber betrachten, begreifen u. ä. 394b, wie doch auch ahd. in gouma neman, s. unter gaum 1, a, α und vgl. den norw. gebrauch vom gedächtnis vorhin; schott. yeme hüten, besorgen Jam. 2, 706a, wie altengl. ʒeme Halliwell 952a, Stratman 259. 44) nachträglich zur form und bedeutung, zugleich als anknüpfung an das folgende. 4@aa) gäumen, worauf schon ahd. goumian weist, kommt auch später wirklich vor: welchen bovm du welest setzen von einer stat zu der andern, so gäum, welches teil des bovmes si gestanden gen der sunden (sonne), das kere auch gen der sunden. Scherz 480, gib acht. vergäumen, übersehen: wer sich aber versäwmet, das er die zeit vergäwmet. Schmeller2 1, 913 (15. jh.). s. auch gemen (: nemen) Mones anz. 4, 449, 26, bei M. Behaim, mit ê für æ, diesz aber bair. für äu, in der bedeutung nachtrachten u. ähnl. 4@bb) das bair. östr. gâmen (3, b) auch schriftlich schon im 15. jahrh.: wann er auf wird und er nit gampt, kainer schanden er sich nit schampt. Behaim Wiener 328, 29, wie jetzt auf ehre achten oder sehen, sie zur lenkerin seines thuns nehmen, vgl. mnd. up gelucke gôm nemen unter gaum 2, a. 4@cc) bei demselben aber auch gaimen: dis aller ergsten schelk unwerd ... der dann der teufel selber gaimpt, sie ab aln pösen hat gevaimpt (vgl. abgefeimt). Wiener 274, 14, die er selber im auge, gleichsam in der hut hat, als die seinen, die er sich selber gemacht, von 'allen bösen' (vgl.aller I, 220) abgeschöpft hat wie den schaum. mit dem ai tritt aber diese form zu dem folgenden gaumen über, bei dem das ai in der bair. mundart begründet ist. 4@dd) geradezu in der mitte zwischen beiden gaumen steht kärnt. gaimen oder gâmen lüstern sein, mit adj. gâmerig, auch bigaimik lüstern, s. Lexer 110 (für das haus hüten das. nur gâmen, nicht auch gaimen); in Passau gaemig begehrlich, lustend, auch des gaemt mi an, gelüstet mich Schm.2 1, 913, eigentlich reizt meinen gaum? vgl. der gaumen steht mir nach etwas bei Göthe oben. der vocal stellt diese formen zum folg., die bedeutung aber eben so gut zum vorigen, denn dasz das hinblicken auch im vorigen die nebenbedeutung des begehrens, wünschens angenommen hatte, beweist gaum nemen in gleichem sinne: du (Christus) pist die frucht auf dem paum (der Maria), des nemen alle geste gaum. Vintler 5343. der anlasz der vermischung liegt darin, dasz das begehrende blicken gern mit öffnen des mundes verbunden ist (vergl.gäuen II, 2); s. dazu gaffen, das blosz vom offnen munde ausgehend beide bedeutungen entwickelt hat, begehren und blicken. übrigens kam da nur wieder zusammen, was vom ursprung her eins gewesen war, denn gaume hut und gaume palatum sind beide vom offnen munde ausgegangen. vgl. auch gaumsen, gäunen.
7380 Zeichen · 197 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gaumen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Gaumen , des -s, plur. ut nom. sing. oder ohne Ableitungssylbe, der Gaum, des -es, plur. die -e, die obere fleischig…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gaumen

    Goethe-Wörterbuch

    Gaumen unter 57 Belegen 11mal älteres ‘Gaum’ (im Nom/Dat/AkkSg) 1 obere Wölbung der Mundhöhle a anatom; meist (wie auch …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gaumen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gaumen (palatum) , der obere Theil der Mundhöhle. Den vordern Theil desselben, den harten G., bildet die Scheidewand zwi…

  4. modern
    Dialekt
    Gaumenm.

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Gaumen m. : 1. a. wie schd., Gaume (gaumə) [verbr. mittl. WPf östl. NPf nördl. VPf vereinzelt übrige Pfalz], Gumme (gumə…

  5. Sprichwörter
    Gaumen

    Wander (Sprichwörter)

    Gaumen 1. Ein leckerer Gaumen führt an den Bettelstab. 2. Einem durstigen Gaumen schmeckt jeder Wein gut. 3. Wem der Gau…

  6. Spezial
    Gaumen, harterm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +4 Parallelbelege

    Gaumen , m , harter нёбо , ср , твёрдое

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gaumen

46 Bildungen · 42 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von gaumen 2 Komponenten

gau+men

gaumen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gaumen‑ als Erstglied (30 von 42)

gaumenbein

DWB

gaumen·bein

gaumenbein , n. knochen im hintersten theil des gaumens, ossa palati. Adelung.

Gaumenbildung

Meyers

gaumen·bildung

Gaumenbildung (griech. Uranoplastik ), eine von Bernh. v. Langenbeck angegebene plastische Operation zur Bildung eines Gaumens (s. d.) bei a…

gaumenbuchstabe

DWB

gaumen·buchstabe

gaumenbuchstabe , m. litera palatalis. Campe. auch gaumbuchstabe, scherzend: brodtorte, worauf ihr ( des geburtstagskindes ) name mit ächter…

gaumenfalte

DWB

gaumen·falte

gaumenfalte , f. falte im gaumen bei gewissen thieren: die gaumenfalten sind gekörnt. Brehm thierleben 2, 119 .

gaumenfläche

DWB

gaumen·flaeche

gaumenfläche , f. die fläche des gaumens. Campe ; er hat auch gaumenflügel, gaumenfortsatz, gaumengang, gaumenknochen, gaumenschlagader, gau…

Gaumenflügel

Campe

gaumen·fluegel

Der Gaumenflügel , des — s , d. Mz . w. d. Ez in der Zergliederungskunst, ein Theil des Keilbeines, der an jeder Seite gerade nach unten nac…

Gaumenfortsatz

Campe

gaumen·fortsatz

Der Gaumenfortsatz , des — es, Mz. die — fortsätze , in der Zergliederungskunst, ein Theil des Oberkiefers nach dem Gaumen hin (Processus pa…

Gaumengang

Campe

gaumen·gang

Der Gaumengang , des — es, Mz. die — gänge , in der Zergliederungskunst, ein Gang am aufsteigenden Nasenstücke des Gaumenbeines, der an der …

Gaumenhaut

Campe

gaumen·haut

Die Gaumenhaut , Mz. die — häute , in der Zergliederungskunst, diejenige Haut, welche die untere Gaumenfläche bekleidet (Membrana palati ).

Gaumenheber

Campe

gaumen·heber

Der Gaumenheber , des — s , d. Mz . w. d. Ez. in der Zergliederungskunst, ein Muskel, der von der äußern Fläche des Felsenbeines und der Tro…

gaumenkitzel

DWB

gaumen·kitzel

gaumenkitzel , m. sinnengenusz den der gaumen gewährt: in dem käficht einer alten matrone ... verbracht' ich ein ruhmloses leben in trägheit…

Gaumenknochen

Campe

gaumen·knochen

Der Gaumenknochen , des — s , d. Mz . w. d. Ez. in der Zergliederungskunst, die kleinen aus zarten Blättern bestehenden Knochen, welche sich…

Gaumenkünstler

Campe

gaumen·kuenstler

○ Der Gaumenkünstler , des — s , d. Mz . w. d. Ez. ein Künstler für den Gaumen, der den Gaumen zu kitzeln, d. h. leckere Speisen und Getränk…

Gaumenlauter

Campe

gaumen·lauter

Der Gaumenlauter , des — s , d. Mz . w. d. Ez. ein Lauter oder Buchstabe, welcher einen Gaumenlaut bezeichnet; der Gaumenbuchstabe .

Gaumenloch

Campe

gaumen·loch

Das Gaumenloch , des — es, Mz. die — löcher , in der Zergliederungskunst, ein Loch, welches dicht am Nasenkamme durchgehet und die Mund= und…

Gaumenlust

Campe

gaumen·lust

○ Die Gaumenlust , d. Mz . ungew. die Lust, welche man vermittelst des Gaumens an wohlschmeckenden, die Geschmacksnerven angenehm reizenden …

Gaumennaht

Campe

gaumen·naht

Die Gaumennaht , Mz. die — nähte , in der Zergliederungskunst, ein Theil des Gaumens, in welchen sich die Gaumenfortsätze vereinigen (Sutura…

Gaumennerve

Campe

gaumen·nerve

Der Gaumennerve , des — n, Mz. die — n , in der Zergliederungskunst, Nerven, die sich im Gaumen endigen. Der Gaumennerve theilt sich in den …

gaumen als Zweitglied (2 von 2)

abgaumen

DRW

abgaumen im Sinne der Überwachung in ihrer ganzen Ausdehnung "hüten, schützen. gebannte wälder abgaumen" oJ. SchweizId. II 301 Faksimile

begaumen

Idiotikon

begaumen Band 2, Spalte 303 begaumen 2,303

Ableitungen von gaumen (2 von 2)

begaumen

Idiotikon

begaumen Band 2, Spalte 303 begaumen 2,303

vergaumen

DWB

vergaumen , verb. hüten, hütend schützen, verhindern, mhd. vergoumen, vergöumen. zusammensetzung mit gaumen ( theil 4 1 , 1519). während im …