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Galla

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Meyers
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14 in 10 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Galla

Bd. 7, Sp. 275
Galla (arab., nach Krapf »Einwanderer«, nach Bruce »Hirten«, nach Brenner »Ungläubige, Barbaren«; sie selbst nennen sich Oroma oder Ilmorma, »Menschen, Männer«), zu dem äthiopischen Zweig der Hamiten gehörige Völkerfamilie, die südwärts bis zum Sabaki reicht, während der Keil mohammedanischer G. zwischen Schoa und dem eigentlichen Abessinien ihre nördlichste Abzweigung bezeichnet. Bestimmte, geographisch abgetrennte Zweige der G. sind die Somal (s. d.) in der Nordostecke Afrikas und die Hirtenvölker der Massai und Wakuafi, wahrscheinlich auch der Wahuma. Die G. haben keinen einheitlichen Volkstypus, sondern sind ein Mischvolk aus Hamiten und Negern. Die Körperfarbe schwankt von Lichtkaffee- bis Dunkelbraun, das Haar vom lockigen bis wolligen, der Gesichtstypus vom kaukasischen bis zum echt negerhaften. Der erstere Typus, der sich vorwiegend im N. findet, zeichnet sich aus durch mehr langen als runden Kopf, große, wohlgebildete Stirn, große schöne Augen und Augenbrauen, vorstehende Backenknochen und Unterkiefer, dicke Lippen und vorstehendes Kinn, meist geringen Bart, hartes, schlicht geringeltes Haar. Die Charaktereigenschaften sind gleichfalls sehr verschieden: während die nördlichen, vor allem die mit den Abessiniern in steter Fehde liegenden mohammedanischen Wollogalla, fanatisch, treulos und räuberisch sind, werden die heidnischen Südgalla als treu, offen und redlich geschildert. Die Männer kleiden sich in eine Art Toga aus Baumwolle, Kamel- oder Ziegenhaar, darunter tragen sie meist ein baumwollenes Lendentuch, das bei den Frauen von den Hüften bis zu den Knöcheln reicht und bei den Hirtenvölkern aus Leder besteht, als Schmuck Armringe aus Elfenbein, Messing oder Eisen, Perlenschnüre und silberne Amulette. Die nördlichen G. sind teilweise von Abessinien abhängig, die südlichen dagegen ganz unabhängig. Die letztern haben selten mehr als eine Frau und stehen in der Sittenstrenge unübertroffen da. Die Frau wird nicht gekauft, bringt dem Mann vielmehr eine Mitgift mit, die diesem verbleibt, falls sie sich von ihm scheidet, das Gegenteil der bei fast allen Afrikanern herrschenden Sitte. In Ackerbau und Viehzucht sowie im Schmieden, Flechten und Holzschnitzerei sind die nördlichen G. sehr geschickt. Der Herdenreichtum (Rinder, Fettschwanz- und Mähnenschafe, Kamele, Ziegen) ist groß. Zum Reiten werden Pferde und Ochsen benutzt, jedoch nicht Kamele, wiewohl diese bis zum Sabaki vorkommen. Esel werden gleichfalls viel benutzt. Bei der Jagd brauchen sie eine (oft vergiftete) Lanze; die Nordgalla jagen fast immer zu Pferde. Die Verfassung der G. hat republikanischen Anstrich. Die Zahl der selbständigen Stämme ist sehr groß. An der Spitze eines jeden steht ein auf acht Jahre gewählter Häuptling (Heiu oder Heiitsch), der keine feste Residenz hat, sondern in seinem Stamm umherzieht, wobei er alle Hauptangelegenheiten untersucht. Er ist zugleich Großgrundbesitzer. Beschränkt ist seine Herrschaft durch den Rat der Aba Worati, der Familienväter. Die heidnischen G. haben keine Fetische; ihr rein persönlich gedachter Gott, Wak oder Waka, hat zwei Untergottheiten, Oglie (männlich) und Atete (weiblich), denen sie Kühe und Schafe opfern. Dem Wak opfern sie alle Jahre unter dem heiligen Workabaum (Ficus sycomorus). Die Priester, Suba, unter einem Oberpriester und Zauberer, Kalidscha, stehen in hohem Ansehen. Die Sprache der G. gehört zu der äthiopischen (südlichen) Gruppe der hamitischen Sprachen. Ein Wörterbuch nebst Grammatik lieferte Tutschek (Münch. 1844–45, 3 Bde.), neuerdings Viterbo (Mail. 1892, 2 Bde.), eine Grammatik auch Massaja (Par. 1867), eine linguistische Skizze nach neuern Materialien De Gubernatis (Flor. 1888, im »Bollettino della Società Africana d'Italia«). Vgl. Krapf, Travels, researches and missionary labours in Eastern Africa (Lond. 1860); d'Abba die, Sur les Oromo (Brüss. 1880); Bianchi, Alla terra dei G. (Mail. 1884); Paulitschke, Harar-Forschungsreise nach den Somal- und Gallaländern (Leipz. 1888), Ethnographie Nordostafrikas (Berl. 1893–96, 2 Bde.) und dessen andre Werke; Bottego, Il Giuba esplorato (Rom 1895); Prätorius, Zur Grammatik der Gallasprache (Berl. 1893); A. Donaldson Smith, Through unknown African countries. First expedition from Somaliland to lake Lamu (Lond. 1897); Vannutelli und Citerni, L'Omo (Mail. 1899).
4323 Zeichen · 57 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    gallasw. F. (n)

    Köbler Anfrk. Wörterbuch

    galla , sw. F. (n) nhd. Galle (F.) (1) ne. gall (N.) ÜG.: lat. fel MNPs Hw.: vgl. as. galla*, ahd. galla Q.: MNPs (9. Jh…

  2. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    galla

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +4 Parallelbelege

    galla¹AWB f. n-St., seit Anfang des 9. Jh.s in Gl., bei N, Npg, O, in T: ‚Galle(nsaft), Gal- lenblase, Bösartigkeit, Sch…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Galla

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Die Galla , plur. inus. aus dem Spanischen Gala, und dieß aus dem Arab. Challah, festliche Prachtkleidung. Der Hof ist i…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Galla

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Galla (arab., nach Krapf »Einwanderer«, nach Bruce »Hirten«, nach Brenner »Ungläubige, Barbaren«; sie selbst nennen sich…

  5. modern
    Dialekt
    Galla

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Galla = die Pflanze Kalla (s. d.);

  6. Latein
    galla

    Mittellateinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    2. * galla v. * gallia. Staub

  7. Spezial
    Gallan

    Dt.-Russ. phil. Termini

    Galla , n язык , м галла → FiloSlov Oromo, n

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit galla

40 Bildungen · 37 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

galla‑ als Erstglied (30 von 37)

gallabführend

DWB

gallabführend , felliducus Kirsch 2, 128 a , gall abführend, ein vomitiv Aler 833 b , s. galle .

Galläker

Meyers

gall·aeker

Galläker ( Gallaeci, Callaïci ), Volk im alten Hispanien, das seine Wohnsitze im äußersten Nordwesten zwischen dem Durius (Duero) und dem At…

Galläpfel

Meyers

galla·epfel

Galläpfel , die von der Gallwespe ( Cynips gallae tinctoriae ) auf Quercus infectoria (Q. lusitanica orientalis infectoria ) in Vorderasien,…

Gallais

Herder

gall·ais

Gallais (Gallä), Jean Pierre, geb. 1756, war bei dem Ausbruche der Revolution Lehrer an einem Benedictinercollegium, bekämpfte dieselbe durc…

Gallait

Meyers

Gallait (spr. gallǟ), Louis , belg. Maler, geb. 9. Mai 1812 in Tournai, gest. 20. Nov. 1887 in Brüssel, war Schüler der Akademie seiner Vate…

Galland

Meyers

gall·and

Galland (spr. -ang), Antoine , franz. Orientalist und Numismatiker, geb. 4. April 1646 zu Rollot in der Picardie, gest. 17. Febr. 1715 in Pa…

gallapfel

DWB

gall·apfel

gallapfel , m. galla. Rädlein 318 b . 1 1) zuerst im 15. jahrh.: galla, galöpfel. Dief. 641 a , galopfel nov. gl. 188 b ( ohne ausgedrückten…

Gallapfelauszug

Campe

gallapfel·auszug

Der Gallapfelauszug , des — es, Mz. die — auszüge , ein Auszug von Galläpfeln, den man erhält, wenn man über zerstoßene Galläpfel gereinigte…

Gallapfelbad

Campe

gallapfel·bad

Das Gallapfelbad , des — es, Mz. die — bäder , bei den Färbern, ein Bad von Galläpfeln, wodurch die Seide, welche man schwarz färben will, g…

Gallapfelsäure

Campe

gallapfel·saeure

Die Gallapfelsäure , o. Mz . eine mehrern Gewächsen oder Gewächstheilen, besonders aber den Galläpfeln auf Eichen eigenthümliche Säure, die …

Gallappel

MeckWB

gall·appel

Gallappel m. Gallapfel: galla 'Gallappel' Chytr. 472; Niem. Idiot. 8.

Gallappmühle

PfWB

Gallapp-mühle f. : 'Mühle, in der bis 1635 Galläpfel zur Farbbereitung gestampft wurden', heute noch als Straßenname in Kaislt erhalten, Gal…

Gallappwoog

PfWB

Gallapp-woog m. : 'Weiher, an dem die Gallappmühle stand', -woog.

Gallarāte

Meyers

galla·rate

Gallarāte , Kreishauptstadt in der ital. Provinz Mailand, 238 m ü. M., an den Eisenbahnlinien Mailand-G.-Arona, G.-Porto Ceresio und G.-Lave…

gallartig

DWB

gall·artig

gallartig , wie gallertig: verhält es sich so, so müssen sich im allgemeinen vorrathshause der seelen eben sowol verkrüppelte .. gallartige …

Gallaschen

Wander

galla·schen

Gallaschen Einen gallaschen. Einen tüchtig durchprügeln. – Der berüchtigte Graf Gallas kam im Dreissigjährigen Kriege mit einem 3000 Mann st…

galla als Zweitglied (1 von 1)

erdgalla

AWB

erd·galla

erdgalla sw. f. , mhd. ertgalle, nhd. erdgalle; mnd. ērtgalle; ae. eorþgealla m. — Graff IV,180. erd-gall-: nom. sg. -a Gl 3,495,27. 592 Anm…

Ableitungen von galla (2 von 2)

ergalla

AWB

ergalla , -e s. erdgalla.

Gallae

Meyers

Gallae , Galläpfel; G. orientales , s. Anamirta .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „galla". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/galla/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „galla". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/galla/meyers. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „galla". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/galla/meyers.
BibTeX
@misc{lautwandel_galla_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„galla"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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  urldate      = {2026-05-19},
}