Frömmigkeit 60 Belege, ganz überwiegend aus späterer Zeit (nach 1805); im archaisierenden Gedicht ‘HSachsens poet Sendung’ (1776) in der altertüml Form ‘Frummkeit/Frommkeit’ A
im relig Gebrauch 1
als persönl Haltung, Verhalten gegenüber Gott, Göttlichem, vereinzelt gegenüber antiken Göttern a
Gottesfurcht, Gläubigkeit (u hiervon bestimmtes sittl Handeln); ‘dunkle F.’ für mittelalterl Glaubenshaltung Der Tartuffe des Moliere erregt Haß, es ist ein verbrecherischer Mensch, der
F. und Sitte heuchelt GWB41
2,336,15 Üb:Lemercier,Richelieu [
Frankf] Der Dom .. die übrigen Klöster .. Alles dieses ist durch den Geist einer dunklen
F. und Wohlthätigkeit zusammengebracht und errichtet GWB34
1,242, 14 ReiseSchweiz [G/Eckerm] GWB27,62,13 DuW 6
uö mit Betonung des Naiven, Unreflektierten; auch von mittelalterl Malerei was ging nicht alles durch diese Anerkennung [
heliozentr Weltbild des Kopernikus] in Dunst .. auf: ein zweites Paradies, eine Welt der Unschuld, Dichtkunst und
F. .. die Überzeugung eines poetisch-religiösen Glaubens GWBN3,214,4 FlH IV GWBT2,11,24 v Apr 90 ―
abwertend: übertriebene, weltfremde Religiosität [
G üb CBrentano] das war auch so einer, der gern für einen ganzen Kerl gegolten hätte .. Zuletzt warf er sich in die
F. Wie denn überhaupt alle die von Natur Verschnittenen nachher gern überfromm werden, wenn sie endlich eingesehen haben, daß sie anderswo zu kurz kamen Gespr(He5,137) Holtei 1827/31 b
Andacht, ehrfurchtsvolle Haltung, Hingabe an Gott, Gottheit, Göttliches; auch ‘F. und Innigkeit’, ‘F. und Ergebenheit’ [
der Gehilfe, angesichts der ausgemalten Kapelle:] will mir .. nicht gefallen, daß man sich gewisse besondere Räume widmet, weihet oder aufschmückt, um erst dabei ein Gefühl der
F. zu hegen GWB20,278,10 Wv II 7 [
Klage von Pilgern] Die
F. .. müsse eine sehr seltene Sache sein, weil man an die ihrige nirgends glauben wolle GWB30,100,13 ItR geht zu den Cartheusern, dort werdet ihr den wahren Ausdruck der
F. und Innigkeit [
attitude de la Piété] sehen GWB45,276,1 Diderot,Malerei GWB32,198,3 ItR
uö unter best Aspekt auch krit beurteilt F. ist kein Zweck, sondern ein Mittel, um durch die reinste Gemüthsruhe zur höchsten Cultur zu gelangen. | Deßwegen läßt sich bemerken, daß diejenigen, welche
F. als Zweck und Ziel aufstecken, meistens Heuchler werden GWB42
2,178,3u7 MuR(519f)
Huldigung, Verehrung gegenüber Göttern, mythol Wesen [
Wiederkunft Pandoras] Schönheit. |
F., Ruhe, Sabat. Moria GWB50,459,2 Pand FortsSchema GWB41
1,314,27 Ilias Ausz 20
im Bild, im Hinblick auf ehrfurchtsvolle Haltung, Gesinnung des Dichters gegenüber der Welt (vgl Bed B 1) Ganz zum Schluß [
des ‘Divan’] wünschte ich noch einen orientalischen Spruch ohngefähr des Inhalts: | Herr laß dir gefallen | Dieses kleine Haus | Auf die Größe kommts nicht an, | Die
F. macht den Tempel [
vgl GWB6,129 Div Herr, laß] GWBB31,230,24 Kosegarten 16.7.19 c
(innige, inbrünstige) Anrufung Gottes Hier [
in Rom] .. ergibt er [
PhNeri] sich .. ganz den Übungen der
F. .. Unablässiges Besuchen der Kirchen .. brünstiges Beten zu Herannöthigung der Hülfe, fleißiges Beichten und Genuß des Abendmahls, Flehen und Ringen nach geistigen Gütern GWB32,186,21 ItR GWB32,409 ItR Var [
für: orationi] GWB44,15,19 Cell III 2
uö d
(demütig-)innige Dankbarkeit gegen Gott, Schicksal [
Fstin, nach der Rettung vor dem Tiger:] alles was von
F. im tiefen Herzen wohnt, entfaltet sich in solchem Augenblick GWB18,334,2 Nov GWB31,136,24 ItR e
Hoffnung, Vertrauen auf Gott; einmal (verglichen mit eigenständigem Handeln) in einschränkender Bewertung Ich habe nichts gegen die
F., | Sie ist zugleich Bequemlichkeit; | Wer ohne
F. will leben, | Muß großer Mühe sich ergeben GWB5
1,133 ZXen IX 696u698 GWB26,223,4 DuW 4 f
Ergebenheit in den Willen der Götter GWB49
1,81,24 Philostrat 2
in spezifisch zeitgenöss Bezug a
als pietist Haltung: herzl-innige, unmittelbare Gottbeziehung u daraus fließendes Verhalten, Handeln; auch in bloß äußerl Übung [
Wilh an Lenardo üb die Weber im Gebirge:] Häuslicher Zustand auf
F. gegründet, durch Fleiß und Ordnung belebt und erhalten GWB24,350,10 Wj II 6
F. und Fleiß | Bezieh. individuell auf das höchste Sitt[liche] was wir Gott nennen GWB25
2, 248,2 Wj II 6 Schema [
Warnung des Fremden] eine täglich und stündlich durchgeführte
F. werde zuletzt nur Zeitvertreib und wirke wie eine Art von Policei auf den äußeren Anstand aber nicht mehr auf den tiefen Sinn GWB25
1,239,11 Wj III 13 GWB25
1,236,1 ebd
uö abwertend iS weltflüchtigen Verhaltens, idWdg ‘jdn in die Arme der F. jagen’ GWB23,22,17 Lj VII 3 b
als (von G abgelehntes) Wesenselement romant Kunst [
Wackenroders ‘Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders’] es bezog sich auf Kunst, und wollte die
F. als alleiniges Fundament derselben festsetzen. Von dieser Nachricht waren wir wenig gerührt GWB35,141,1 TuJ Die hohe Kunst muß selbstständig sein, weder
F. noch Patriotismus dienen hier zum Supplemente GWB53,221,6 Vorschlag an SächsKunstverein Gespr Eckerm 22.3.31
uö B
in innerweltl Anwendung 1
Ehrfurcht, gläubiges Zutrauen gegenüber der göttl Kreatur (Tier, Mensch), zugl mit den Nuancen Sanftmut, liebende Zuwendung uä [
Frau des Tierwärters:] Gott und Kunst,
F. und Glück müssen [
bei der Zähmung des Löwen] das Beste thun GWB18,346,6 Nov Zu zeigen, wie das Unbändige, Unüberwindliche oft besser durch Liebe und
F. als durch Gewalt bezwungen werde, war die Aufgabe dieser Novelle, und dieses schöne Ziel, welches sich im Kinde und Löwen darstellt, reizte mich zur Ausführung Gespr Eckerm 18.1.27 2
mit graduellem Zurücktreten des relig Moments: (einfühlsam-)eindringende, liebevolle Andacht, Aufmerksamkeit auf das Wesen der Dinge (Kunsterscheinungen); einmal ‘wahre F.’ (iUz ‘Frömmelei’) das cölnische Taschenbuch [‘
Taschenbuch für Freunde altdt Zeit u Kunst auf das Jahr 1816’] .. im Ganzen kann ich .. trotz aller Frömmeley keine wahre
F.,
d. h. nicht Ernst noch Kritik noch Methode darin finden GWBB26,194,27 Boisserée [21.12.15] [
betr Mariannes Urteil, Beethovens Egmont-Musik sei “himmlisch” u entspreche ganz dem Geist der Dichtung] Ihre
F. in Bezug auf Musik weiß ich zu ehren GWBB35,8,10 Marianne 12.7.21 GWBB26,237,10 SuMBoisserée 29.1.16 C
(vorwiegend) weltlich-profan 1
als persönl Haltung, Verhalten im menschl Bereich a
sozial-mitmenschl: Wohltätigkeit, Barmherzigkeit, relig motiviert; iVbdg mit ‘tätig’ Um ihn [
PhNeri] versammeln sich junge Männer zu thätiger Sittlichkeit und
F., sie erweisen sich unermüdet die Armen zu versorgen, die Kranken zu pflegen GWB32,187,10 ItR GWB32,411 ItR Var b
Wertschätzung, Pietät gegenüber Verstorbenen wie denn die Deutschen immer gegen frühabgeschiedene, Gutes versprechende Talente eine besondere
F. bewiesen haben GWB27,74,9 DuW 7 GWB31,188,10 ItR 2
als Wesen, Eigenschaft; in archaisierender Dichtung ältere (Form u) Bedeutung aufnehmend: Tüchtigkeit, Bravheit [
Allegorie der ‘tätig Ehrbarkeit’:] Sollst .. | In allem Ding sein schlicht und schlecht, | Frummkeit [Frommkeit
Var] und Tugend bieder preisen, | Das Böse mit seinem Namen heißen GWB16,124 HSachsPoetSdg 49
→ GWB
Hausfrömmigkeit GWB
Herzfrömmigkeit GWB
Welt- Syn zu A 1 a
GWB
Ehrfurcht GWB
Glaube GWB
Gottesfurcht GWB
Religiosität zu A 1 b
GWB
Andacht zu B 1
GWB
Ehrfurcht GWB
Pietät zu C 1
a
GWB
Barmherzigkeit zu C 1
b
GWB
Pietät zu C 2
GWB
TüchtigkeitJosef MattauschJ.
M.