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flusz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

flusz

Bd. 3, Sp. 1855
flusz , m. fluvius, fluxus, ahd. fluʒ pl. fluʒî, mhd. vluʒ pl. vlüʒʒe, nhd. flusz pl. flüsse, wiederum ein specifisch unsrer mundart angehöriges wort, welchem weder ein goth. fluts, ags. flut, noch selbst nd. vlut entspricht, gerade wie diesen allen auch das adj. flüssig gebricht. nahverwandt ist freilich das goth. flôdus, ahd. fluot, wovon hernach unter flut. 11) fluvius, flumen, ποταμός wird zwar ahd. aha, wie goth. ahva ausgedrückt, da die bedeutung des rinnenden wassers mit der des flusses zusammentrift, und wir einen flusz oder strom auch heute noch wasser oder gewässer nennen. doch heiszt es schon T. 129, 5 nach Joh. 7, 38: fluʒʒî fon sînëro wambu flioʒent lëbêntes waʒares, flumina de ventre ejus fluent aquae vivae (goth. ahvôs us vambai is rinnand vatins libandins, ags. libbendes väteres flôd flôvað of his innoðe, bei Luther, von des leibe werden ströme des lebendigen wassers flieszen). hier sehen wir ahvôs, fluʒʒî, ströme und den sg. flôd in gleichem sinn verwandt. da nun mhd. der gebrauch von aha immer seltner wird (mhd. wb. 1, 13b), nhd. völlig aufhört (nur in zusammengesetzten eigennamen dauert 1, 162), so ist schon mhd. und noch entschiedner nhd. vluʒ, flusz an die stelle getreten: durch dën (Bodensê) mit rîchem vluʒʒe (strome, strömung) strëbet der Rîn, dës fluʒ noch strîchet hin von lantgebirgen drin. Diut. 1, 62; vertic tief und harte guot was im dër fluʒ und ouch dër sant. Gerh. 5269; dâ daʒ In mit fluʒʒe in die Tuonouwe gât. Nib. 1235, 4; müg ich dër Elbe ir fluʒ benëmen. MS. 2, 66b; swaʒ hôher fürsten hërren hât dës Rînes fluʒ von Tisentis hinabe biʒ an dën swachen duʒ. 2, 234b. wir sagen ein groszer, tiefer, reiszender, schneller, schifbarer flusz; ein stiller, sanfter, schmaler, in krümmungen sich windender flusz. mächtige und breite, gewaltige flüsse pflegen strom zu heiszen, Rheinstrom, Donaustrom, Elbstrom; kleine, enge flüsse bach, der mülbach, steinbach; und mit dreien groszen flüssen fallet er (der bach am Libanus) in das mör, on ander bäch, die auch aus im in das mör flieszen. Frank weltb. 166a; o Rein, mit deinem hellen flusz, dien du uns nun zur fürdernus. glückh. schif 265; der flusz theilt sich in drei arme; der mond schien so hell am himmel und gosz einen ganzen bach von stralen über den stillerwartenden flusz (die Elbe) aus. Voss briefe 1, 193; fliesze, fliesze, lieber flusz! rausche, flusz, das thal entlang ohne rast und ruh! Göthe 1, 111. 112; es schäumt das meer in breiten flüssen am tiefen grund der felsen auf. 12, 21; deutsche flüsse, oben sp. 1699. 22) flusz, fluentum, fusio, imber, gusz, ergusz, der flusz des regens, blutes, mhd. aldâ dër rëgen und dës guʒ erbrochen hete wîten vluʒ. Parz. 603, 8; bî dës brunnen fluʒʒe stuont dër hêrliche gast. Nib. 918, 4; sîns pluotes fluʒ dën tiuren pfellel gar begôʒ. Wh. 444, 18. nhd. ein fisch, wann er in eim zuber ist, da ruoget (ruht) er nit. aber wenn man in thuot in ein flusz eins wassers, da schüszt er dar von und ruogt. Keisersberg Marie himelfart 10b; trinke wasser aus deiner gruben und flüsse aus deinem brunnen. spr. Sal. 5, 15; es solt nun jederman still schweigen und dem wasser seinen flusz lassen. Frank weltb. 158a, man sagt heute seinen lauf. 33) flusz, fluxus, fluxio. 3@aa) monatlicher flusz, auch krankhafter blutflusz der frauen. ahd. sëno thô wîb, thaʒ thar bluotes fluʒ tholêta zuelif jâr (goth. jah qinô visandei in runa blôþis jêra tvalif). Luc. 8, 43. T. 60, 3; inti sliumo gistuont thër fluʒ ira bluotes (jah suns gastôþ sa runs blôþis izôs). 8, 44. T. 60, 4; wenn ein weib irs leibs blutflusz hat, die sol sieben tag bei seit gethan werden, wer sie anrüret, der wird unrein sein bis auf den abend. 3 Mos. 15, 19; und die narung (des kindels) ist pluot und dar umb ist der monatleich fluʒ versloʒʒen an den swangern frawen. Megenberg 33, 23; geschiht aber der fluʒ, daʒ ist gar selten. 38, 31; und wenn ain fraw darüber (alraunsamen) sitzt, so benimt eʒ ir den muoter fluʒ. 407, 30. weiszer flusz, fluor albus, menses decolores: aneis reinigt die muoter von dem weiʒen fluʒ. Megenberg 385, 8. 3@bb) rother flusz, ruhr, dysenteria: regenwaʒʒer ist guot zuo der ruor, daʒ diu verstê und zuo dem roten fluʒ. Megenberg 82, 85; daʒ zukkerrosât hat ain kraft ze sänftigen wider den roten fluʒ. 345, 8; verstellt auch den gemainen roten fluʒ von dem leib. 445, 3. 3@cc) rheuma, catarrhus: wan einer ein flusz (fontanell) hat an eim schenkel, so kumpt er zuom arzet und laszt sich heilen. der arzet spricht, ich heile dir es nit zuo, wan so ich dirs zuo heil, so laufet es dir und zücht zuom herzen und stirbst, ist nun nit besser, der schenkel fliesze, dan sterben? Keisersberg omeis 22c; der leichnam lesset von sich eitel unflat, rotz, speichel, putter, schweisz, schweren, blattern, grind, gnatz, flüsse, eiter, mist und harm. Luther 6, 316a; schwere gedanken krenken den leib, denn gedanken machen flüsse. tischr. 225b; (die bauern) reiben ihnen (den kriegsleuten) die köpf mit flögelskappen vor (für) die flüsz. Kirchhof mil. disc. 120; er ist zu flüssen geneigt, mit flüssen behaftet; lieszest du die güsse (das trinken), so verlieszen dich auch die flüsse. H. Sachs I, 463a; hab von den erzten vernommen, ihm sei ein solcher flusz gefallen. Ayrer 203a; wenn man das als zusammen thut, wird drausz ein podagrischer flusz. fastn. 37a; dan da kommen aufgezogen kalte flüsz für die küs (küsse) die ihn unlangst jung betrogen. Weckherlin 598; husten, flüsz und krankheit. 782; wie ein scharfer flusz, der für die augen fällt, uns gemeiniglich die mittel, so doch bei der hand sind, nicht ersehen läszt. Opitz 2, 294; es sei ihm herzlich leid, dasz seiner liebsten diese nacht ein schwerer flusz auf die brust gefallen. Weise erzn. 13; der toback solle die flüsse abziehen, brächte zwar feuchtigkeit genug in dem munde zusammen, allein dieses wären nicht die rechtschuldigen flüsse. 316; dem einen war ein flusz gefallen. Fuchsmundi 265; milz und mutterbeschwerungen, engbrüstigkeit, böse flüsse. Wieland 20, 5; sprech ich um einge küsse zur guten nacht ihn an, so schreit er über flüsse (gliederreiszen), wenn er nicht schnarchen kann. Weisze kom. op. 2, 240; von übermäszigem zechen erzeugte sich ein flusz an seinem vollmondshaupt. Kl. Schmidt kom. dicht. 51. flusz im kopfe, gravedo, in der nase, coryza, fluʒ zuo der nasen. Mone anz. 6, 339a. es ist dem kranken ein flusz gefallen, die krankheit hat bösartige wendung genommen. Stalder 1, 387. 44) flusz des erzes, aes liquatum, des glases, vitrum liquefactum: weisze blasen seh ich springen, wol, die massen sind im flusz, laszts mit aschensalz durchdringen, das befördert recht den gusz. Schiller 77b; die glocke musz nur um desto besser klingen, als das erz länger in flusz erhalten und von allen schlacken gereinigt ist. Göthe an Schiller 367. flusz heiszt in der bergmannsprache auch der zusatz zum erz, der es leichter zum schmelzen bringt: man kann zum schmeidig machen des silbers einen flusz zurichten, welcher die metalle fast sehr reiniget, also, nimb sal alkali, salpetersalz, rohen weinstein und salpeter, eins so viel als des andern. Erker 34b. vgl.fluszspat. flüsse heiszen auch farbige cristallgläser, die edelsteine nachahmen. 55) der flusz, fluxus, ein altes kartenspiel, eigentlich folge gleicher karten. Gengenbach 305. 435. 529: es si mit wiben, mit karten, würflen, flussen, bassen. trag. Joh. C 2; fr. sagt man noch heute: il a flux et sequence, viele auf einander folgende trümpfe. s. flosz sp. 1820. 1821 und flüssen. 66) figürlich (nach 2 und 4), in flusz, in gang kommen, im flusse, gange sein; neuere philosophen lassen sich jetzt eigentlich nicht nennen, weil hier alles gleichsam im flusse fort geht. was der eine baut, reiszt der andre nieder. Kant 1, 356; ein stehendes und bleibendes selbst in dem flusse innerer erscheinungen. 2, 645; den flusz der stunden. Wieland 17, 74; das erstemal seit langer zeit hast du wieder gesprochen, wie einer dem etwas wahrhaft am herzen liegt, zum erstenmal hat der flusz der rede dich wieder fortgerissen. Göthe 23, 38; ich hatte ihr herz immer mehr aufzuschlieszen und ihre rede im flusz zu erhalten getrachtet. 23, 180; in den flusz der vorlesung hineinzureden. 27, 118; figur und wesen sind nicht durchgearbeitet, sprache und gebärden haben keinen flusz. 43, 36; die heisze, in flusz gebrachte seele. J. P. Tit. 1, 128; als die versammlung allmälich in flusz kam und man anfieng einander kennen zu lernen. Dahlmann fr. rev. 399. die redensart 'das hat seine flüsse' = schwierigkeiten scheint aber nach einer der bedeutungen unter 3. s.abflusz, ausflusz, bauchflusz, blutflusz, durchflusz, einflusz, hauptflusz, honigflusz, mutterflusz, schlagflusz, silberflusz, speichelflusz, überflusz, zuflusz.
8779 Zeichen · 163 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    flusz

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    flusz , m. fluvius, fluxus, ahd. fluʒ pl. fluʒî, mhd. vluʒ pl. vlüʒʒe, nhd. flusz pl. flüsse, wiederum ein specifisch un…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit flusz

101 Bildungen · 99 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

flusz‑ als Erstglied (30 von 99)

fluszab

DWB

fluszab , secundo flumine, mhd. ze tal, entfaltet euch, gedrängte massen, vom berg ins land, fluszab ans meer! Göthe 13, 273 .

fluszartig

DWB

flusz·artig

fluszartig , wie ein flusz. auch rheumaticus, ein fluszartiges fieber.

fluszauf

DWB

flusz·auf

fluszauf , den flusz hinauf, mhd. ze bërge: vorgebirg, wie jenseits und weiter fluszauf der schloszberg. Göthe 51, 23 .

fluszbad

DWB

flusz·bad

fluszbad , n. lavacrum fluviale: ein fluszbad nehmen, vivo flumine perfundi.

fluszbett

DWB

flusz·bett

fluszbett , n. alveus: als die gefühle in ihrem fluszbett ein wenig ruhiger wieder dahin liefen. Kl. Schmidt kom. dicht. 487 . s. bett 2.

fluszbrand

DWB

flusz·brand

fluszbrand , m. incendium fluvii: im widerschein des blutigen sprudelbachs alles wie ein fluszbrand der hölle, wo gestern noch ein eden gebl…

fluszfall

DWB

flusz·fall

fluszfall , m. lapsus fluminis, catarrhacta, wasserfall, vgl. Rheinfall .

fluszgang

DWB

flusz·gang

fluszgang , m. alveus, cursus fluminis, mhd. ahganc ( wb. 1, 475 a ), bildlich: sô enmac dër wâre sunneschîn in unser hërze niht milteclîche…

fluszgebiet

DWB

flusz·gebiet

fluszgebiet , n. tractus fluvii, landstrich, den ein flusz beherscht und durchströmt, z. b. fluszgebiet des Rheins, der Donau. s. fluszregio…

Ableitungen von flusz (2 von 2)

urflusz

DWB

urflusz , m. : disz sind die drei öberste und höchste urflüsse (emanationes) und brunnenquellen, welche, in dem sie sich zur erschaffung der…

verflusz

DWB

verflusz , m. eigentlich das hinwegflieszen flüssiger dinge; jedoch nur noch in der übertragenen bedeutung nachweisbar ( vgl. verflieszen 2)…