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flennen

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
12 in 12 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
12
Verweise raus
9

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

flennen

Bd. 3, Sp. 1768
flennen , os torquere, ringere, den mund, das gesicht verziehen, wie weinende und lachende thun, engl. make wry faces. flennen weist auf mhd. vlennen vlante (nach brennen, brante, kennen kante, rennen rante), das unüberliefert ist, man dürfte ein goth. flannjan flannida oder flanjan (wie branjan), also im hintergrund ein starkes flinnan flann, flinan flan rathen, dessen bedeutung dahin gestellt bliebe. ahd. erscheint flannên, welchem wir noch nhd. flannen (sp. 1723) entsprechen sahen, es steht bei N. (Hattemer 2, 528a): wanda die antrunga histriones tâten ora contorquendo, daʒ chît flannêndo, wo der mangelnde umlaut auf die flexion ên und intransitiven begrif weist. das umtautende verbum lebt aber in allen heutigen mundarten: bair. flenen, pflenen (Schm. 1, 588), kärnt. flennen, flönen (Lexer 98), schweiz. flännen, pflännen (Stalder 1, 162), pflenna (Tobler 47a), nürnb. flanna, pflanna, schwäb. hess. schles. thür. meiszn. flennen, nd. flennen (Schambach 272a. Danneil 123a), nur kein nl. vlennen ist verzeichnet. schw. flina, norw. flina (Aasen 102a), n. fline, lachen, fletschen, vorzugsweise zum lachen, wie auch Schambach für flennen beides lachen und weinen angibt. ein so verbreitetes wort müste auch in den urverwandten sprachen seinen anhalt finden. lat. ploro gleicht zwar unserem blerre, [] flerre (sp. 1725. 1770), mehr doch weist es auf pluo, πλύνω, wie fleo auf fluo, so dasz in ploro und fleo nicht sowol der schrei als die thränen des weinenden ausgedrückt würden, wobei sich πλύνειν noch besonders zu den formen flina, flenen gesellt. dem weinen lag dann das verziehen, verzerren des gesichts nahe. es kommen freilich noch andere mit pl, fl anlautende verba in betracht. sl. plakati ist goth. flêkan oder flôkan und lat. plangere (wie têkan tangere). von fletschen wird an seiner stelle gehandelt. neben flannen, flennen haben flans und flensen (oben 1723) wieder bezug auf den mund, Danneil, der 123a alle ausdrücke des weinens sammelt, schreibt auch flinsen und plinsen, Stalder 1, 162 pflaunen und pflürtschen, neben jenem nord. flina gilt flira und fnisa für das verziehen des munds zum lachen. vgl. feixen sp. 1473. sicher sind noch ähnliche landschaftliche örter beizubringen. 11) frühere denkmäler bezeugen die vorstellung des mundverziehens und setzen das verbum transitiv, wie es sich für die form flennen gehört. Alberus hat sogar: ich flenn, exsero linguam, doch scheint das recken der zunge, das zahnentblöszende fletschen stärker als flennen. er krümmete und flennete das maul von einer seite zu der andern. Witzenb. 266; die nur hönisch das maul thun flennen (es steht flemmen), mit recht thut man sie spötter nennen. Eyring 1, 640; der nur allein lust hat zu schlafen und flent das maul gleichwie die affen. 2, 213; dasz man die nase rimpft und meuler auf mich flennet. Lohenst. Ibrah. 2; der pöbel greift ihn an mit ärgsten lästerungen, flennt auf ihn zähn und maul. geistl. ged. 84, 1555; flennende mäuler. Arm. 1, 1214. 22) sich flennen, sich verzerren: er hette sich gern geflennt. Witzenbürger 278; und sie flenten sich mit den zähnen gegen ihm (wiesen ihm die zähne). Helvicus 1, 129; und wann die süsze qualität der bittern qualität geschmack kostet, so flend (für flent, flennt) sie sich und giebet das weichen, wie ein mensch, wann er bitter oder herbe gallen kostet, so breitet er im maul beide gaumen aus und flend sich und erweitert die gaumen weiter, als sie ihm gewachsen seind, also thut die süsze qualität gegen der bittern. Jac. Böhme Aur. 62; so lobet man auch keinen koch, der des salzes in den speisen vergisset und flennen sich (schneiden gesichter) die patienten so sehr darüber, wann sie auf die arznei eine ungesalzene erbesbrühe einnehmen sollen. Simpl. 3, 763; seht nur, das liebe leben kömmt ihm schon in die herzgrube, wo es noch eine spanne höher kömmt, wie wird er sich zuflennen. Weise comödienprobe 31. 33) allmälich gilt flennen blosz für weinen und zumal für unartiges, kindisches, weibisches: wie ich j. g. den churfürsten das letztemal da gesehen, da ist mir das flenen so greulich ankommen, das ichs nicht hab verhalden können. Ch. El. von Orl. s. 5; der könig redt so christlich, dasz es einem recht zu herzen geht und hat mich gestern den ganzen tag flenen machen. s. 159; sie dürfen uns wol nicht ein gesetze nach dem andern herflennen. 'wir können es den lieben kindern nicht vor übel haben, wenn es lange währt, so flennen wir auch mit'. Weise comöd. pr. 319; einer flennt mir ein gesetze. sittenl. 116; durch ungeduldigs flennen. Brockes 1, 404; o wer doch ein alt weib wäre und recht flennen dörft! H. L. Wagner die reue nach der that 103; stund lange still, sah zur erd vor sich nieder und fieng endlich hell zu flennen an. Fr. Müller 3, 197; hab flennen müssen dabei wie ein junger bub. 3, 395; das ist ja recht alexandrinisch geflennt. Schiller 106b; wie hab ich diese nacht um ihn geheult, geflennt. Kotzebue dram. sp. 1, 320; an lachen und flennen ist der narr zu erkennen; ich glaube gar, du flennst aus jammersinn. Tieck 3, 240. in greinen und heulen ist schreien gelegen, flennen gleicht dem alten rieʒen, weinen, was auch rotzen heiszt. in diesem sinn läszt sich βλέννα mucus buchstäblich hinzu halten.
5251 Zeichen · 99 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Flênnen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    † Flênnen , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlan…

  2. modern
    Dialekt
    flënnen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    PfWB RhWB flënne n [flanə Niffer Hf. ; pflanə M. ] weinen, verächtl. Hf. ‘Wie Sie am Freiheitsbaum e Bracht's-Redd dekla…

  3. Sprichwörter
    Flennen

    Wander (Sprichwörter)

    Flennen 1. Was hilft flennen, sagte die Frau zur Magd, wenn der Topf entzwei ist? »Zu flennen, wenn die Schandthat ist g…

  4. Spezial
    flennen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    flen|nen vb.intr. (heftig weinen, heulen) pité (pita), pitogné (-gnëia), bradlé (-la). ▬ hör auf zu flennen ! zédela da …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit flennen

9 Bildungen · 2 Erstglied · 5 Zweitglied · 2 Ableitungen

flennen‑ als Erstglied (2 von 2)

flennenbühel

Lexer

flennen·buehel

flennen-bühel stm. unser wîngarte, der dâ liget in Wirzeburger mark an dem flennenbühel Mb. 41,128 ( 1345 ).

flennenbühel

KöblerMhd

flennen·bühel

flennenbühel , st. M. nhd. ein Hügel Q.: Urk (1345) E.: s. vlennen?, bühel W.: nhd. DW- L.: LexerHW 3, 399 (flennenbühel)

flennen als Zweitglied (5 von 5)

anflennen

DWB

anflennen , flentem ringi, angrinsen, anfletschen: er ( der affe ) merket balde wer in eft, zu hon treibet oder verbleft, des spott er auch …

verflennen

PfWB

ver·flennen

ver-flennen schw. : sich v. 'viel weinen'; vgl. PfWB vergreinen . Ach, schluchzt die Käth ganz jämmerlich, ich möcht mich grad verflenne [ C…

vorflennen

DWB

vor·flennen

vorflennen , verb. , flennen derb für weinen, s. dies th. 3, sp. 1768; wenn du mir da noch eine weile vorflennst, so hau ich dich in den erd…

zerflennen

DWB

zer·flennen

zerflennen , verb. , den mund beim weinen breit aufthun: vide ut discidit labrum sihe, wie er das maul zerflennet B. Faber 724 a ; torweit z…

Ableitungen von flennen (2 von 2)

verflennen

PfWB

ver-flennen schw. : sich v. 'viel weinen'; vgl. PfWB vergreinen . Ach, schluchzt die Käth ganz jämmerlich, ich möcht mich grad verflenne [ C…

zerflennen

DWB

zerflennen , verb. , den mund beim weinen breit aufthun: vide ut discidit labrum sihe, wie er das maul zerflennet B. Faber 724 a ; torweit z…