Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
buobe swM.
2 unter Zeugnisunfähigen (neben Kindern, Frauen, Wahnsinnigen, Meineidigen etc.) genannt, unklar, ob wegen Nicht-Volljährigkeit, Unfreiheit oder schlechtem Leumund
3 ‘zuchtloser, ehrloser Mensch’
3.1 allgemein
3.2 ‘Übeltäter, Bösewicht’
3.3 ‘Fahrender, Spielmann’
3.4 ‘jmd., der an einem Glücksspiel teilnimmt, Spieler’
3.5 als Schimpfwort
4 in Vergleichen zum Ausdruck eines elenden, erbärmlichen Zustandes, Anblicks
5 Schachfigur, Name des achten Bauern bei Heinrich von Beringen
1 ‘Knecht, Diener (für niedere Tätigkeiten)’ (Knappe, Trossknecht, Hofdiener, Kriegsknecht, Tagelöhner, Marterknecht), z. T. mit verächtlichem Nebensinn und in 3 übergehend: der köche, küchenknechte, / buoben und garzûne / und swaz dâ pedûne / in beiden hoven mochte sîn, / des küniges und der künigîn HvFreibTr 4355; schiltkneht unde buoben Ottok 11435; die hofschelk daz gar hart muot: / puoben und schintvessel / [...] triben in vor dem tisch entwer MüOsw 3320; pei dem tier [ mertracken ] verstên ich die pœsen puoben und die verræter und die ungetrewen schintvezzel BdN 235,9; den graben sach man si fullen ─ / des hulfen in die buoben ─ / daz man über die gruoben / ân geruste gie Ottok 10922; dô wart der ellenthaft [König Ottokar] [...] den buoben ze teil. / die machten in blôz unde bar, / wand si zugen im ab gar / harnasch unde kleider ebd. 16710; WhvÖst 18084; mit ganzer volleiste / hânt buoben burgerlîchen schîn / burger die went ritter sîn, / ritter die hânt herren namen Reinfr 26907; item das ain yeder pueb ist pflichtig ze gien vor den oxen vnd wägen in der stat ze Trint vnd sol die hant haben auf der teixel, das er chain person oder tier oder anderen dingen laid thue oder schaden StatTrient 155; darzuͦ wellent si, daz chein werchman noch puͦb auf die mietstat [Platz, wo die Tagelöhner gedungen werden] ge, wan der sein tagwerch gewurchen muͤge StRMünch 186,28; die schürpher vnd die buobin Martina 56,91. 73,1. 171,42 2 unter Zeugnisunfähigen (neben Kindern, Frauen, Wahnsinnigen, Meineidigen etc.) genannt, unklar, ob wegen Nicht-Volljährigkeit, Unfreiheit oder schlechtem Leumund: wir sullen iuch wîsen wer niht geziuge mac gesîn: diu kint diu niht ze iren jâren komen sint, unde wîp, [...] unde buoben und die sô tump sint [...], und die unsinnic sint unde blinden und tôren SpdtL 90,7; SchwSp(W) 14,3; ez mag auch kain buͤbe niemens geziuk sin umbe kain gulte oder des iemen schaden muge gehaben, ane daz iemen an den lip gat oder umbe ein e, da sint si wol geziuk umbe StRAugsb 128,23; man sol wizzen, wer zwech [l. zewch ] gesein mag oder nicht, daz sint chint, die zuͦ irn tagen nicht choͤmen sint ze vierzehen iarn, und weib [...]. puͦben [ ‘Burschen unter 18 Jahren’ (? so Glossar z. St.)] muͤgen auch nicht zewch gesein StRMünch 333,23 3 ‘zuchtloser, ehrloser Mensch’ 3.1 allgemein: manic ahpêr herre hât buoben muot Renner 6907; luoder, muotwille und spil / machent frîer buoben vil ebd. 6316; fraw Mynn, ir seyt ain krankes weib: / ir tragt fail ewrn leib / als ain gemaines freuwelein / (wie mocht ir leichter gesein?) / dann munichem [l. den munichen ] und pfaffen, / lottern, pueben und affer [l. affen ] HvNstAp 218 3.2 ‘Übeltäter, Bösewicht’ wir setzen ouch, ob ein biderbe man [...] einen buͦben duͦrch rechte verschulte sache slahe, oder stoze, oder werfe, daz die bezzerunge dar umme an uns unde an deme rate ste WüP 7i,12 (= UrkCorp 2302,19 ); ob keiner boser lichter man oder ein buͦbe spreche die wort, die an gotes oder an der heiligen ere ge WüP 7i,17; swaz arme liute haben behalten / in welden, in velsen, in talen, in gruoben, / daz siht man leider freidige buoben / sô gar ûz strîchen und durch varn / daz wênic ieman sich kan bewarn Renner 6898; pueben [...]dw da treibent missetat, / poͤzz gepaͤr und poͤzew wort Teichn 439,19 3.3 ‘Fahrender, Spielmann’ die in [ spillaͤuten, die mit vnzuͤchtigen worten vnd werchen, mit schelten vnd mit poͤsem gesang den laͤuten dienent ] staͤtikleich geben vnd grozzew gab, die tuͦnt totsuͤnd, von dez wegen daz si die puͦben [ histriones ] vnd die suͤnder auf haltent RechtssA G11,17; weitere Belege s. RechtssWB, S. 186. 3.4 ‘jmd., der an einem Glücksspiel teilnimmt, Spieler’ so verbuͤtt man allen buͤben allerleie wuͤrfelspil in allen winhofen WüP 96,10; der eine buob verspilet sîn gelt / vil nâch, daz im ein klein beleip HvBer 9143. 9371 u.ö. (vgl. unten unter 5) 3.5 als Schimpfwort: swaz auch der geschiht fuͤrkumet, daz man also spricht, er ist ein buͤbe, oder sie ist ein huͤre [...], daz sol geintzlich und gar am rate sten WüP 45,2 4 in Vergleichen zum Ausdruck eines elenden, erbärmlichen Zustandes, Anblicks: ich engefar nymer nacket fur keinen guten man als ein buͦbe, so mochten sie wol wenen das ich verurteilt were als ein diep Lanc 107,24; sus lac er [der getötete böse Kaiser Julianus] offenlich geschant. / [...] vil kleiner herschefte pflac / gelich wol einem buben Pass III 161,41; als einen leiden buben / liezen sie do loufen in. / sus gienc er her unde hin / zuslagen und beroubet MarLegPass 24,296; von einem wîbe wart er [Sisera, vgl. Idc 4,21 und 5,26] betoubt: / [...] der lac als ein buobe dâ tôt Renner 6893 5 Schachfigur, Name des achten Bauern bei Heinrich von Beringen: der snitzer hab in sinnen wol, / wie man einn buoben snîden sol. / er mach in etlich mâze blôz, / sîn har vil reide unde ouch grôz. / daz er ein buobe sî bekant, / mach er im in die grehten hant / drî würfel, daz gehœrt in an HvBer 8553; diu bühse, die der buobe treit, / bediut uns mit bezeichenheit / boten, die die brieve tragent ebd. 9386 u.ö.
MWB 1 1101,23; Bearbeiter: Tao