bo²se Adj. ⟨›bo²se‹; in einigen Fällen auch Belege, die mit ›ō²‹ übereinstimmen; das Wort ist nur sporadisch belegt in den Kreisen Klo, Asd, Mep, Ben, Lin, Vch, Die, Nie, Stf, Ahs, Kos, Bor, in Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek nur südl. der Lippe, in Kr. MünsterMün und Kr. TecklenburgTek nur östl. Im ges. größeren Restgebiet dicht belegt nach versch. Frbg.⟩ 1. böse, boshaft, bösartig (von Charakter, Gesinnung). „Dat is’n boisen Bengel“ (Kr. SoestSos Kr. Soest@OestinghausenÖh); „’n beiset Mekken“ ein (charakterlich) häßliches Mädchen (Kr. HöxterHöx Kr. Höxter@HöxterHx); „... de baisen Gaise beitet di daut“ die bösen Gänse (Kr. WiedenbrückWie Kr. Wiedenbrück@BornholteBh) || verbr. belegt
n. WWB-Source:61:DSADSA und Frbg. 23 (1975 ff.): „böse Gänse“. — In Sprichww. und Raa.: Einen bösen Kopf haben,
d. h. jähzornig, leicht aufbrausend sein (Frbg.): „Dai harre ümmer ennen boisen Kopp“ (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@NiedersfeldNf || Bo, Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@EndorfEn, Kr. SoestSos Kr. Soest@VöllinghausenVö, Kr. HerfordHfd Kr. Herford@BesenkampBk Kr. Herford@HerringhausenHh), „... en bais Köppken“ (Kr. SoestSos Kr. Soest@VöllinghausenVö, Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@HemmerdeHm). „Böse Art verlüset sük nich“ wer einmal böse oder ungeraten ist, der bleibt es auch (die krfr. Stadt WittenWit die krfr. Stadt Witten@WittenWi). „Boise Gesellen schicket viele in de Höllen“ (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). „Juristen sejd boise Christen“ (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). Wecke ëin bäuse Wīf häff, dëi häff den Dǖwel tou’n Schwauger (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LeedenLd). Wai en bois Wuif frigget ... (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm), ... huiraotet ... (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). „En boise Wiw es de Douengriawer van ihrem Manne“ (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). „Et giet man ein böus Wief op diär Welt, aower jëider glöuwet, hei här et“ (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). „Hei hiät an der böisen Welt keine Schuld“ er ist ein friedfertiger, gutmütiger Mensch (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). „Kain Menske kann Rugge hollen, wennt en boisen Nower nit gefällt“ (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). — Nə bōuzə zībm „böse Sieben“ a) eine böse Person, b) ein unartiges Kind, das sich
z. B. nicht waschen lassen will Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@IserlohnIs. „Boa Wildnisse sind, doa sind ouk böuse Diere“ (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). „De böisesten Bücke het de krümmsten Hörne“ (RaubSp 3789). „Da Ruih es bäuose“ der Hund knurrt (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@EnniglohEl). „Tëon bäsen Rüen hört en dicken Knüppel“ (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@GesekeGe). „Böse Rüens hät ümmer ’n terriäten Fell“ böse Menschen müssen sich selbst auch viel gefallen lassen (sagt man, wenn sich jemand durch eigene Schuld geschadet hat) (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr). — 2. a) ärgerlich, zornig, wütend, erbost: büse keiken ärgerlich blicken Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@AltenaAl. „Wat wuot däi Keerl böse“ ärgerlich (Kr. MindenMin Kr. Minden@HahlenHa). „Wui waren wahne boise“ (Kr. SoestSos Kr. Soest@OestinghausenÖh). „Ek sin mi bäuse mit eäm“ (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@WellinghofenWl). „Mak doch nich son bais Gesicht“ (Kr. WarendorfWdf Kr. Warendorf@WarendorfWd), „’n beise Gesechte“ ein ärgerliches, wütendes Gesicht (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@RösebeckRö || Kr. LübbeckeLüb Kr. Lübbecke@HüllhorstHü, Kr. MindenMin Kr. Minden@RehmeRe Kr. Minden@WulferdingsenWu, Kr. HerfordHfd Kr. Herford@HerringhausenHh, Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@LercheLe, Kr. SoestSos Kr. Soest@VellinghausenVe, Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@HeldenHe). „Wat mok he bäise Ouogen!“ wie ist er zornig (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@HorneburgHb || Kr. HerfordHfd Kr. Herford@HerringhausenHh, Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@LageLa, die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@HerneHe, Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@LangschedeLa, Kr. SoestSos Kr. Soest@VöllinghausenVö, Kr. BrilonBri Kr. Brilon@BrunskappelBk); „dä keik awer beuse“ (Kr. LemgoLem Kr. Lemgo@AlverdissenAl || Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@ErgsteEr); „Dan make ebber Augen ossen beisen Ossen“ (Kr. LemgoLem Kr. Lemgo@AlverdissenAl). — b) ärgerlich, zornig, erbost sein; zürnen. Hoi wött bǟse er wird zornig Kr. HöxterHöx Kr. Höxter@SandebeckSb || verstr. belegt. Gram sein: „böis sien“ (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@DattelnDa); Bis(t)e mü bǟse? Kr. HöxterHöx Kr. Höxter@FeldromFr. Ik bin (oder sin) di bāise tō ich bin dir böse Kr. MünsterMün Kr. Münster@MünsterMü. Brüm (warum) büsse mi böüse? Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@ElseyEl. — Neckverse: „Biste mui beuse, gong uppe Gäuse, drink en Drüppen, denn kannste wie’r hüppen“ (Lip Oesterhaus). „Biste (oder: bisse) beuse? Dann cheng no de Engersken Chäuse, köffst dui ’n niggen Heaut, dann bis ’e wuier cheaut“ (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@EickumEi). „Biste bäse, goh no Kühlschen Käsen (Kühlser Käse), drink ’nen Schluck, biste widder gutt“ (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@NeuenheerseNh). „Büste mi bse? Ick wel dī fīf vêrdel füör ’ne iäle giewen, so lange bit du mī wīer guet bü
s.“ (WWB-Source:326:WoeNlWoeNl 9). Büsse bose? G n Prose! (Pröse Name eines Bäckers in Steele) (die krfr. Städte Essen u. OberhausenEss die krfr. Städte Essen u. Oberhausen@KönigssteeleKs). — Im Heischelied am Martinstag (11. 11.): „Sünne Madden, Sünne Madden, de Goöse (Gaise), de annern send us boöse (baise)“ (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh). „Sünte Miärtens Gäseken, dat was woll êr so bäuseken ...“ (Kr. TecklenburgTek Tl = WWB-Source:161:KuhnKuhn 2,97). — c) bäuse māken jemanden erzürnen (Kr. OsnabrückOsn WWB-Source:145:KlönKlön). — 3. schlimm, schlecht. Et sǖt boise met eäm ūt (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor WWB-Source:252:SchleefSchleef) || Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)Wal Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)@BenkhausenBh, Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@GesekeGe. „Dat is beuse“ heißt es, wenn jemand Unglück gehabt hat (Kr. MindenMin Kr. Minden@WersteWe). „Iëk hewwe’n böüsen Droum hat“ (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@OestrichÖs). „Ett kann blous bäse Seat seeien“ sie redet nur Schlechtes über andere. „Dat is doch ne boise Sake“ (Kr. SoestSos Kr. Soest@OestinghausenÖh). „Ok et Oller es ne boise Krankheit“ (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). Ne bouse Flge eine kurze Zeitspanne, in der es dem Kranken schlechter geht Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@IserlohnIs. „Fule Hande häwwet en bäuse Johr“ (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi). In attr. Verbindungen: „He hew böise Miälk suogen“ sagte man von einem vererbungsmäßig kriminell veranlagten Menschen (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@LavesumLa), er ist ein schlechter Mensch Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@DeilinghofenDh. Dat giët böüs Blaut (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@WellinghofenWl). „Böse Kriut“ Schachtelhalm (Frbg.) (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@AltenkleusheimAk). — 4. schlecht (vom Wetter). „Bös Wiär“ Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@VenneVe („veraltet“) || (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@WellinghofenWl). „Et wegget düen Dag (heute) en boiser Wind“ ein scharfer Wind (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@ElspeEl). — 5. entzündet, krank, weh. „Den boisen Finger“ schwärender (entzündeter) Finger (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@BierenBr || die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor WWB-Source:252:SchleefSchleef Wl, Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@ErwitteEr, Kr. SoestSos WWB-Source:256:SchmBSchmB Sw). Entzündete Klaue (Frbg.) (Kr. OsnabrückOsn Kr. Osnabrück@BelmBe, Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@MarlMa, Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@LippstadtLi Kr. Lippstadt@OverhagenOh, Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@BorlinghausenBh, Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@BerchumBc, Kr. ArnsbergArn Wi, Kr. BrilonBri Kr. Brilon@MessinghausenMh, Ennepe-Ruhr-KreisEnr Ennepe-Ruhr-Kreis@WengernWe, Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@WerdohlWd, Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@AttendornAt Kr. Olpe@GipperichGi). En boisen Kopp ein weher Kopf, voller Ekzeme (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor WWB-Source:252:SchleefSchleef), Hautausschlag auf dem Kopf (Kr. BürenBür Kr. Büren@LichtenauLi). — 6. gefährlich scharf. Dei Ssâße (dat Mest) is böse die Sense (das Messer) ist scharf (SOldbg WWB-Source:32:BöningBöning). — 7. falsch: bise Geld Falschgeld; ein lästiges Kind, das man nicht loswerden kann, „is ase bise Geld“ (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@NiedersfeldNf). — 8. Substantiviert: a) das Böse, Schlechte: „Hei woit van Guott niks Boiset“ (Kr. SoestSos RaubSp 1593). — b) der Böse, Teufel: „De Beuse“ (Lip Oesterh, Kr. HalleHal Kr. Halle@BockhorstBk), auch: „de böise Käerl“ (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@HeedHe). Böser Geist, Dämon (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@UlfkotteAd). „Wenn man van’n Boösen küat, denn stoeide achta der Düa (achtan Tiune)“ (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@GohfeldGo). Syn. (zu Bed. 1 und 2): →
asig, awatsig,
blitsig,
undüᵉgend,
dul,
dweªrs, ętterig,
fenīnig,
frech,
garstig,
giftig,
gnē²sig,
grantig, gręl, fergręld,
grillig,
hellig,
ho¹te,
kuᵉderig, kǖme,
kwad,
lǟge,
lē²delik,
lē²p, lǖk,
naeterig,
neªrstig,
prüt,
uprütsig,
slim,
ferwend.