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bläuen

nhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
10 in 9 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

bläuen

bläuen

blau Adj. in der Farbe dem wolkenlosen Himmel ähnlich, ahd. (8. Jh.), asächs. blāo ‘blau’ (in allen Schattierungen), mhd. mnd. blā, mnl. blā, blau, blaeu, nl. blauw, anord. blār ‘blau, dunkel, schwarz’, schwed. blå setzt ein zur Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ gehöriges ie. *bhlēu̯os ‘blau, gelb, blond’ (germ. *blēwa-) voraus und ist verwandt mit lat. flāvus ‘goldgelb, rotgelb, blond’ und lat. fulvus ‘rotgelb, braungelb’. blau ist mit anderen germ. Farbadjektiven (s. blank, brünett, greis, blond) in roman. Sprachen entlehnt, vgl. frz. bleu ‘blau’ (daraus engl. blue), aprov. blau ‘blau’. Die meisten Farbbezeichnungen sind anfangs noch nicht genau bestimmt; so ist die ursprüngliche Bedeutung von blau wahrscheinlich ‘hell, glänzend’; noch ahd. blāo steht gelegentlich als adäquater Ausdruck für lat. flāvus ‘gelb’. Erst im Mhd. wird blau deutlicher abgegrenzt, zugleich tauchen Komposita für einzelne Abstufungen auf: lāsūrblā ‘blau wie Lasur’, liehtblā ‘hellblau’, satblā ‘gesättigtes Blau, dunkelblau’, wolkenblā ‘himmelblau’. Im Nhd. folgen schwarzblau, blauschwarz, graublau, tiefblau, kornblumenblau, veilchenblau. blau begegnet in zahlreichen Wendungen. Die Haut nimmt infolge von Schlägen blaue Färbung an, daher grün und blau schlagen (Anfang 17. Jh.), ein blaues (‘blutunterlaufenes’) Auge haben, mit einem blauen Auge (‘glimpflich’) davonkommen. Es wird mir blau vor den Augen (heute es wird mir schwarz vor den Augen) als Zeichen beginnenden Schwindelgefühls ist seit dem 16. Jh. bezeugt. Daran schließt sich offenbar die neuerdings häufig gebrauchte Wendung blau (‘betrunken’) sein an. Als Farbe der Sinnestäuschung vor allem in dem seit dem 16. Jh. belegten Ausdruck blauen Dunst vormachen ‘Unwahres glaubhaft zu machen suchen’. Vielleicht hängt damit zusammen sein blaues Wunder erleben ‘ganz verwundert sein’; eine ähnliche Wendung aus dem 17. Jh. lautet da sollte man seine blauen Wunder gesehen haben. Nicht mit Sicherheit erklärbar ist die Redensart ins Blaue hinein reden ‘ohne Plan und Zweck reden’. Unter einem blauen Brief versteht man einen ‘Mahnbrief der Schule’; im 19. Jh. bezeichnet man damit in Preußen ein Schreiben des Königlichen Kabinetts (nach den blauen Umschlägen); in den 70er Jahren überträgt man den Ausdruck auf die offiziell ergangenen Mahnungen an Offiziere und Beamte, ihre Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Die blaue Blume (Novalis 1802) wird zum Sinnbild der Sehnsucht in der romantischen Dichtung. Der blaue Montag ist ursprünglich vielleicht der Montag vor Fastnacht, wegen der für diesen Tag vorgeschriebenen liturgischen (violetten) Farbe; an diesem Tag wird nicht gearbeitet, der Ausdruck daher allmählich auf alle Montage übertragen, an denen man nicht seiner Arbeit nachgeht (in diesem Sinne zuerst 1550, anfangs auch guter Montag genannt); danach blaumachen ‘feiern, nicht arbeiten’. blaues Blut als Zeichen adliger Abstammung (1. Hälfte 19. Jh.), nach span. sangre azul oder goda ‘blaues’ oder ‘gotisches Blut’, geht auf die durchschimmernden blauen Adern der hellfarbigen (westgotischen) spanischen Adligen zurück; dazu blaublütig Adj. ‘adlig’ (2. Hälfte 19. Jh.). blauäugig Adj. ‘mit blauen Augen ausgestattet’, blauäugicht (17. Jh.), ‘treuherzig, naiv’ (Mitte 19. Jh.). – Bläue f. ‘blaue Färbung’, ahd. blāwī (11. Jh.), mhd. blæwe. blauen Vb. ‘blau werden, sein’ (17. Jh.); bläuen Vb. ‘blau färben’, mhd. blæwen; zuweilen auch blauen (Goethe). bläulich Adj. ‘ins Blaue spielend’ (17. Jh.); älter sind blawelich, blaulicht, blaulecht (16. Jh.). Blaubart m. ‘Frauenmörder’ (Ende 18. Jh.), nach dem französischen Märchen vom Ritter Barbe-Bleue ‘Blaubart’, der die Neugier seiner Frauen prüft und sie tötet, wenn sie die Probe nicht bestanden haben. Blaubeere f. landschaftliche, besonders nordd. Bezeichnung für ‘Heidelbeere’ (18. Jh.); vgl. dän. blåbær. Blausäure f. farblose, sehr giftige Säure, Zyanwasserstoff; von ihrem Entdecker Scheele 1782 aus Berliner Blau dargestellt und Berliner-Blau-Säure genannt. Blaustrumpf m. im 17. und 18. Jh. Schimpfwort für den damals vielfach blaue Strümpfe tragenden Gerichtsdiener im Sinne von ‘Spitzel, Verräter’; heute nur für eine ‘gelehrte Frau ohne weiblichen Charme’. In dieser Bedeutung aus engl. bluestocking übersetzt, einer spöttischen Bezeichnung für literarische Zirkel um 1750 in London und deren Teilnehmerinnen. Im Dt. vereinzelt um 1800, danach durch Börnes „Pariser Briefe“ (1830) allgemein bekannt.
4430 Zeichen · 107 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Bläuen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Bläuen , verb. reg. act. schlagen; ein Verbum, welches nur noch in einigen besondern Fällen vorkommt. So wird in der Lan…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    bläuen

    Goethe-Wörterbuch

    bläuen ‘blauen’ 39,52,10 ‘plauen’ 8,317 Var ( = Text DjG 3 3,177,9 u AA5,14 Götz 2 ) a rezipr: idVbdg ‘sich Bäulen b.’ i…

  3. modern
    Dialekt
    bläuen

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    bläuen bleuen, schlagen Mi 9 a ; das hd. bleuen; Zs. inbläuen.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit blaeuen

7 Bildungen · 0 Erstglied · 4 Zweitglied · 3 Ableitungen

blaeuen als Zweitglied (4 von 4)

abbläuen

DWB

abbläuen , percutere, verberare, prügeln: den buhler halten und abbläuen. Kirchhof wendunm. 296 b ; und sorgte ihr mit jedem tage den rücken…

anbläuen

DWB

anbläuen , facere subcaeruleum: stärke ( amylum ) anbläuen.

Einbläuen

Adelung

ein·blaeuen

Einbläuen , verb. reg. act. durch Bläuen oder Schlagen hinein bringen; doch nur figürlich und im gemeinen Leben. Einem etwas einbläuen, ihn …

Zerbläuen

Adelung

zer·blaeuen

Zerbläuen , verb. regul. act. heftig bläuen, oder prügeln. Jemanden zerbläuen.

Ableitungen von blaeuen (3 von 3)

erbläuen

DWB

erbläuen , lieidum reddere, fustibus tundere: ich wolt all tag eins iren leib mit guoten eichen flederwischen so rein erpleuen und zuomische…

Zerbläuen

Adelung

Zerbläuen , verb. regul. act. heftig bläuen, oder prügeln. Jemanden zerbläuen.