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Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Bilder

Bd. 1, Sp. 536
Bilder, Bilderdienst, Bilderverehrung, Bilderanbetung, Bildersturm. — Daß die bildenden Künste durch Darstellung berühmter Personen. schöner u. großer Thaten, durch die Veranschaulichung sittlicher und religiöser Ideen das Gemüth des Menschen eben so lebhaft als wohlthätig anregen, ist eine unbestreitbare Thatsache und durch die Erfahrung aller Zeiten erwiesen. Den Israeliten war allerdings verboten sich von Jehovah B. zu machen, dies hatte aber seinen natürlichen Grund in der Zucht, welche für das auserwählte Volk nothwendig war, wenn es seine Religion nicht mit heidnischen Zusätzen amalgamiren sollte. Daß auch die ersten Christen keine religiösen B. hatten, ist sehr begreiflich, denn ihre Religion war in den ersten Jahrh. eine verfolgte, ihre Kirchen Höhlen oder Räume in Privatwohnungen, die in keiner Weise die Kennzeichen christlicher Versammlungsorte tragen durften, wenn sie nicht aufs äußerste gefährdet sein sollten. Indessen beweisen die B. in den röm. Katakomben, daß die Christen im 2. Jahrh. manigfaltige religiöse B. hatten. und als seit Constantin die Verfolgungen aufhörten u. sich die christlichen Gotteshäuser aller Orten erhoben, entfaltete sich bald ein großer Reichthum der christl. bildenden Kunst. Als der Islam im 8. Jahrh. gegen das byzantinische Reich anstürmte und der gesammten Christenheit den Untergang drohte,. konnte es wohl nicht ausbleiben, daß er eine Laune seiner Wuth auch gegen Kirchen und B. kehrte, es war aber ein ganz unglücklicher Gedanke des Kaisers Leo des Isauriers, wenn er mit einem selbst unternommenen Sturme gegen die B. den Angriff mohammedanischer Eroberer zu stillen wähnte. In despotischer Weise schleuderte er 726 ein Decret, welches die Verehrung der B. verbot und deren Entfernung aus den Kirchen befahl und 730 verschärfte er dasselbe. Dieser Kampf der byzantin. Despoten dauerte unter Leo's Nachfolgern, Constantin Kopronymus (741—775), Leo Nicephorus (802—811), Leo dem Armenier (813—820), Theophilus (829—842). Die kirchlichen Vorsteher konnten das despotische Walten der Kaiser in den Kirchen und selbst in den Häusern, denn bis dorthin wurden die B. verfolgt, nicht geradezu geschehen lassen und das Volk hatte noch viel weniger Neigung, eine solche Gewalt des Kaisers anzuerkennen, daher wurde der B.sturm zu einem Kampfe, der nicht auf seinem ursprünglichen Boden blieb, sondern zu einem politischen für wechselndes Interesse sich gestaltete. Die griechische Geistlichkeit, die Mönche, das Volk widersetzten sich den B.stürmern (Ikonoklasten. Ikonokausten, Ikonomachen), die Päpste aber verurtheilten ihre Gewaltthätigkeiten als gegen Recht, Sitte, Gebrauch und Lehre verstoßend; eine kaiserl. Synode bestätigte zwar 754 den zerstörenden Willen des Kaisers, aber die zweite allgem. Synode von Nicäa 787 unter Papst Hadrian II. vernichtete deren Beschlüsse, rechtfertigte den von der Kirche überlieferten Gebrauch der B. u. verbot die Zerstörung derselben. Als dessen ungeachtet der Sturm sich später erneuerte, führte er zu einem Aufstande des Volkes in Italien gegen den Kaiser, die Lombarden benutzten diese Gelegenheit u. die italien. Provinz, das sogenannte Exarchat, ging für die byzantin. Kaiser für immer verloren. Schon damals wurde den B.stürmern von den kirchl. Organen gesagt, daß die Kirche die Anbetung der B. (Idololatrie, Ikonolatrie) als einen Götzendienst verbiete, daß sie aber die B. als nützlich und wohlthätig zur Erweckung frommer Gesinnungen halte, daß man sie verehren dürfe u. solle als Abbilder hehrer Wesen, daß diese Verehrung den Urbildern, die sie vorstellen, nicht aber dem Stein, oder Holz oder Metall gelten. aus denen der Künstler sie gefertigt hat. Später wiederholten einzelne Häresien im Mittelalter die B.stürmerei und die Reformation gab ihr einen Umfang, den sie nie erreicht hatte; Karlstadt machte den Anfang, diesem that jedoch Luther Einhalt, der ruhig und allmälig aufräumen wollte, hingegen wütheten die sogen. „Reformirten” in der Schweiz. den Niederlanden. den meisten deutschen Reichsstädten um so ärger u. zerstörten unschätzbare Denkmale alter und neuer Kunst; auch jetzt hießen die B. wieder „Götzen”, die Verehrung der B. „Götzendienst”. Das Concil von Trient bestimmte in Betreff der B., daß keines aufgestellt werde, dessen Darstellung irgend eine falsche oder abergläubische Ansicht veranlassen könnte, keines soll mit frechen Reizen geschmückt oder gemalt werden, überhaupt soll die Kunst alles Absonderliche meiden und sich an die Kirche halten; daß sie die Anbetung der B. verwirft u. deutlich erklärt, wie die Verehrung derselben beschaffen sein soll (Sessione XXV, de invoc.), ist den Katholiken bekannt; daß der Kirche aber bis heute dennoch von protestant. Seite Anbetung der B. u.s.w. vorgeworfen wird, daran trägt wenigstens die Kirche keine Schuld. Dagegen kann ihr die Kunst nicht genug danken, daß sie von ihr unter ihren Schutz genommen und ihrer Pflege theilhaftig wurde; denn ohne die Kirche wäre sie in der Zeit der byzantin. und reformator. B.stürmerei vertrieben und als eine Tochter des Heidenthums geächtet worden.
5069 Zeichen · 72 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    bilderstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    bildære , bilder stm. BMZ bildner. dar hete sînen vlîʒ geleit der bildære und worhte zwei rôselîn dar în Heinz. 641. ein…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    bilderM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    bilder , M. Vw.: s. bildære*

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    bilder

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    bilder , m. fictor, formator, ahd. pilidari: des wappens nette schilder loben den erfahrnen bilder. Schiller 80 ; sah ic…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Bilder

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Bilder , Bilderdienst, Bilderverehrung, Bilderanbetung, Bildersturm. — Daß die bildenden Künste durch Darstellung berühm…

  5. modern
    Dialekt
    Bilder

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Bilder Band 2, Spalte 2,816

  6. Spezial
    Bilder, lebendenpl

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Bilder , npl , lebende картины , мн , живые → FiloSlov Tableaux vivants, mpl

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit bilder

189 Bildungen · 164 Erstglied · 24 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von bilder

bild + -er

bilder leitet sich vom Lemma bild ab mit Suffix -er.

Zerlegung von bilder 2 Komponenten

bil+der

bilder setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

bilder‑ als Erstglied (30 von 164)

Bilder(eⁿ)

Idiotikon

Bilder(eⁿ) Band 4, Spalte 1169 Bilder(eⁿ) 4,1169

Bilderbuch

SHW

Bilder-buch Band 1, Spalte 841-842

Bílder-Achāt

Adelung

bilder·achat

Der Bílder-Achāt , des -es, plur. die -e, ein mit Figuren oder Zeichnungen versehener Achat.

Bilderaufseher

Campe

bilder·aufseher

○ Der Bilderaufseher , des — s, d. Mz. w. d. Ez. der Aufseher eines Bildersaales, einer Bildersammlung (Gallerieinspector).

Bilderausstellung

GWB

bilder·ausstellung

Bilderausstellung [ Ausstellung zu einer Gemäldeauktion in Frankf ] in die B. Napoleon und Familie, in Cassel erbeutet GWB Tgb 16.10.14 vgl …

Bilderbeschauung

GWB

bilder·beschauung

Bilderbeschauung nur idVbdg ‘Bilderbeschauung und -Verehrung’ [ G in der Sammlung Boisserée in Heidelberg ] Gestern war van Eyck an der Tage…

bilderbibel

DWB

bilder·bibel

bilderbibel , f. libri sacri pictis imaginibus ornati: frachtbriefe der jahrszeiten, zweite heimlich abgedruckte titelblätter der naturbilde…

bilderblende

DWB

bilder·blende

bilderblende , f. zotheca, mauervertiefung zum einsetzen eines bildes: bilderblenden sind für einen mann, der anbetet. J. Paul biogr. bel. 1…

bilderbogen

DWB

bilder·bogen

bilderbogen , m. plagula figuris impressa, ein mit bildern bedrucktes papier. Logau 2, 243 braucht es vom thierkreis: hatte gleich den bilde…

Bilderbuchtrog

FiloSlov

bilderbuch·trog

Bilderbuchtrog , m ящик , м для книжек-картинок → FiloSlov Bilderbuchkasten, m

Bilderbützer

RhWB

Bilderbützer Rip, SNfrk m.: Frömmler, scheinheiliger Mensch; Schmeichler, Speichellecker.

bilderbuler

DWB

bilderbuler , m. bilderdiener: und unterlassen nicht, uns götzendiener, bilderbuler und puppenkrämer zu schelten. Fischart bienenk. 172 a .

bilder als Zweitglied (24 von 24)

ausbilder

DWB

aus·bilder

ausbilder , m. dasz die ersten erfinder der sprache nicht philosophen und die ersten ausbilder meistens dichter gewesen sind. Herder 1, 208 …

Christusbilder

Herder

christus·bilder

Christusbilder . Die Christen der ältesten Kirche hatten keine Bilder von Christus, nur das Kreuz wurde als Erinnerung an den Heiland vielfa…

ehrenbilder

DWB2

ehren·bilder

ehrenbilder m. : hs.M14.jh. ( markgraf Otte, ) ein eren bilder eren vol, ein minner der zuht minnesinger 3,107 a H.

einbilder

DWB

ein·bilder

einbilder , m. qui nimiam de se habet opinionem, fantast, vgl. bilder fictor: solche einbilder sind wir menschen in allen unsern werken, wir…

Gnadenbilder

Herder

gnaden·bilder

Gnadenbilder , d.h. Bilder von Heiligen, welche durch die Gnade Gottes u. durch kirchl. Benediction zu ihrem Urbild in ein besonderes Verhäl…

Lebende Bilder

Herder

lebende·bilder

Lebende Bilder (frz. tableaux vivants ), nennt man die Darstellung von Werken der bildenden Kunst, der Malerei oder Bildhauerei durch lebend…

menschenbilder

DWB

menschen·bilder

menschenbilder , m. der menschen bildet, gestaltet: kein trügbarer mensch, der menschenbilder und nierenprüfer sprach also. Herder bei Campe…

nachbilder

DWB

nach·bilder

nachbilder , m. imitator. Stieler 150 ; hat der übersetzer und nachbilder die manier seines originals nicht recht studiert? Herder 23, 78 He…

Nebelbilder

Herder

nebel·bilder

Nebelbilder (dissolving views) , optische Bilder , durch eine magische Laterne gebildet, mit Anwendung kräftiger Linsengläser und der intens…

Schlappenbilder

RhWB

schlappen·bilder

Schlappen-bilder -bilər Saarl-Berus Pl.: bunte B. auf schlechtem Papier, die die Kinder vom Lumpenhändler für abgelieferte Schlappen erhalte…

sittenbilder

DWB

sitten·bilder

sittenbilder , m. der die sitten bildet, zur gesittung erzieht: die alte wendische, schwäbische, sächsische, holsteinische mythologie, sofer…

sprachenbilder

DWB

sprachen·bilder

sprachenbilder , m. : die sprachbildung ist in die schatten der schule gewichen, aus denen sie nichts mehr für die lebendige welt würket: dr…

städtebilder

DWB

stadt·e·bilder

städtebilder , plur. ansichten verschiedener städte, z. b. rheinische städtebilder. übertragen auch von büchern, welche städte u. s. w. schi…

Sternbilder

Herder

sternb·ilder

Sternbilder , heißen die Sterngruppen, in welche die Astronomen die Fixsterne eingetheilt und die sie mit Namen benannt haben, um eine leich…

thränenbilder

DWB

thraenen·bilder

thränenbilder , m. bilder, erzeuger von thränen: thränenbilder, sei gepriesen für die thränen, die so süsz von den wangen niederflieszen, wi…

Vorbilder

Campe

vor·bilder

Der Vorbilder , — s, Mz . gl.; die — inn , eine Person, welche etwas vorbildet, ein Vorbild macht.

wasserbilder

DWB

wasser·bilder

wasserbilder , m. wiedergabe von hydrogen, wasserstoff Sprengel chemie für landwirthe (1831) 1, 215 . —

weichbilder

DWB

weich·bilder

weichbilder , m. mnd. wîkbelder Schiller-Lübben 5, 712 . zu weichbildrecht angesessener neubürger, civis, im gegensatz zum ( alt ) bürger, b…

êrenbilder

MWB

êre·n·bilder

êrenbilder stM. ‘Vorbild der êre ’ ein eren bilder eren vol, ein minner der zucht, der tugent ein ubervluzzich brunne, / dar mac man schepfe…

ērenbilder

KöblerMhd

ēren·bilder

ērenbilder , st. M. nhd. Vorbild der Ehre Q.: Meissner (1. Drittel 14. Jh.) E.: s. ēre (1), bileden (1) W.: nhd. DW- L.: MWB 1, 1860 (ērenbi…

Ableitungen von bilder (1 von 1)

Bebilderung

FiloSlov

Bebilderung , f иллюстрирование , ср