BEIEINANDER adv. mhd. bîeinander.
anfangs unfeste zusr. aus bei
u. einander
(s. d.); gelegentl. synkope zu beinander
u. ä. 1 ‘
einer nahe beim andern, in gegenseitiger räumlicher oder zeitlicher nähe, beisammen, miteinander’: ⟨u1185⟩ an ein venster si
(die königin) kam, / daz si war næme / wer dâ geriten kæme. / dâ stuont si und diu ritterschaft / bî ein ander zwîvelhaft / wer der ritter möhte gesîn Hartmann
Erec 1169 ATB. ⟨u1240⟩ 47 ritter unde vrouwen man bî einander vant
Kudrun 1,47 M./Sch. hs.u1300 daz ist der fúnfte planeta, den wir heizent martem. der ist veneri alse gelich daz si nieman wol bi ennander erkennen mac. sumeliche buͦch die sprechent, daz der selbe sterne dez morgens so unmazen
ho an dem himel ge daz wir in dez morgens sehent vor der sunnen, des abendez nach der sunnen
Lucidarius 22 DTM. ⟨M14.jh.⟩ der pot trüg den brief von dan / gen Jerusalem, da man in las / da der Juden vil peyeinander was Havich
224 DTM. E14.jh. das myme lyben hern
(Christus) wart geleget syn heiliger leychnam of eyn enge bette syns cruczes, das syne heyligen phusse mochten nicht legen bynandir, sundir man muste sy legen offen andir Johannes v. Marienwerder
beichten 171 H. 1423 land unde stete alle mittenander off deme rothuze woren bienander mit deme burgermeister und rothmannen
cod. dipl. Lusatiae superioris II 1,153 J. ⟨1428⟩ gewinnent si kind bi einander, und si die güter behebent, stirbt denn eins under inen, so sol es daz ander han .., und valt denn an die kint
weist. 4,481 G. ⟨z.j.1458⟩ marschalk von Pappenhaim, dem heten sie .. geschworn, des gleichen sie widerumb pei ein ander sterben und genesen, ee sie die stat auf wolten geben
(Nürnb.) chr. dt. städte 10,237. 1484 als die von Bern und Sollotern mit denen von Mülh. also by einanderen im veld stunden Schilling
in: qu. schweiz. gesch. (1877)1,231. u1530 daß ain convent botschaft schikt gen Erdfurt zuͦ den obresten presidenten des ordens, die zuͦr selben zit daselbst bianandern versamlot warend Watt
2,168 G. ⟨1579⟩ inn zweyen, so nahe beieinander gelegenen staͤtten Fischart
binenkorb (1588)64a. 1632 solt euch freund- und friedlich bey einander vertragen
in: Frauenholz
heerwesen (1935)3,1,282. 1680 nunmehr waren sucher und gesuchte so nahe bei ein ander
in: dt. lit. 3,274 K. 1792 werde ich .. kein plätzchen und keinen winkel
(der stadt Rom) unbesucht lassen, der nur irgend etwas merkwürdiges enthält. das merkwürdige aber findet sich hier so nahe beieinander Moritz
Italien 1,153. ⟨1862⟩ habt gute weihnacht bei einander! Storm
2,248 K. 1896 und zwar müßte der ort so gewählt sein, daß kaiser und kanzler nicht allzu dicht beieinander vorbeireisen
in: Holstein
papiere 3,566 F. 1931 grüß gott beieinander! Graf
Bolwieser 61. ⟨1964⟩
(substantiviert:) dieses nahe beieinander gigantischer gegensätze
in: mörderbock (1968)35. 1986 die krähen und möwen drehen sich nah beieinander Kolbe
Bornholm II 46. 2008 es schien ihm, als ob sie
(die häuser) sich aneinanderdrängten, schutz beieinander suchten Tellkamp
turm 15. 2009
(substantiviert ) das nahe beieinander von geborenwerden und tod
das magazin 10,97a. 2 ‘
eine einheit, gesamtheit bildend, alle(s) zusammen’,
auch ‘vollständig’ 1371 das vnser Vrauwen virteil vnd Send Leonardes vierteil an den selben sachen sullen beinander bleiben vnd Send Niclas virteil vnd Send Gallen virteil auch
altprager stadtrecht 45 R. u1450 der
(graf) trat her zu miͤr, do ich bei der wiegen stuend vnd sprach: „K
ottannerinn huett wol, ainen kung von Vngern vnd ainen kung von Behem vnd ainen herczogen von Osterreich vnd ainen markgrafen von Mërhern, das habt ir da alles bey einander“ Kottanner
denkw. 21 WND. E15.jh.
vniuersaliter .. gemeynlich; in einer gemain, gancz bij ein ander
in: Diefenbach
gl. 627b. ⟨1530⟩ dieweil die versamblung jetz bei ainander were
(Augsb.) chr. dt. städte 25,375. ⟨1531⟩ das yetzige roͤmisch reich, das nun nicht mer gantz bey einander ist wie etwann Franck
zeitb. 1(1551)11a. 1669 dapfferkeit .. und andacht .., welche beyde tugenden man .. selten beyeinander zu finden pflegt Grimmelshausen
Simplicissimus 60 Sch. 1734 zucht und schönheit sind selten beyeinander J. A. Weber
wb. 2,139a. ⟨1840⟩ die hat einen gang an sich, wie wenn sie ihr lebtag unter lauter fürsten und grafen gelebt hätt’, sie kann lateinisch, französisch, kochen und – kurzum da fehlt gar nichts, da ist alles beieinander Auerbach
(1857) 12,34. 1898 ich küss’ ihr rothes mündche’ fescht, / un’ pack’ se bei der hand. / „mei’ käfersammlung“, sag’ ich, „schatz, – / jetz’ is se beienand’!“
fliegende bl. 109,28b. 1918 sie erzählte mir, daß sie ihre miete noch nicht beieinander habe
d. ziegelbrenner 3/8,151 faks. 2001 sie bauen erst und tilgen dann die schulden – statt zu warten, bis das geld beieinander ist
frankf. allg. ztg., DWDS-arch. —
jünger idiomat. in bezug auf die (gesamt)verfassung eines menschen (gut) beieinander sein, seine fünf sinne beinander haben ‘
in guter körperlicher bzw. geistiger verfassung sein’: 1863 mein kopf war nicht beieinander, und mit der arbeit ging’s nicht vorwärts Feuerbach
br. an seine mutter 2,85 K./U.-B. ⟨1874⟩ schau die Rosl .., du bist ja no allweil so sauber beinander, wie’s jüngste dirndl Anzengruber
37,16 B. ⟨1886⟩ „glaub’st vielleicht, der wird dich heiraten?“ „aber mutter, wer denkt denn daran?“ „wer seine fünf sinn beieinander hat, freilich nit! ..“ Ebner-E.
2(1905)268. 1976 der hat se
(nämlich seine fünf sinne) nich alle beinander
brand.-berl. wb. 1,519. 1988 er müßte .. nur noch ein leben lang bei der arbeit aushalten, dreizehn stunden am tag und .. immer so weiter, solange er nur einigermaßen beieinander ist Albrecht
landaufenthalt 149. 2005 senioren, die noch ganz gut beieinander sind, vielleicht aber .. ein wenig hilfe brauchen
berl. ztg. (19./20.2.) R 1a. 2009 wenn man selbst eine knochenhaut und körperlich nicht mehr gut beieinander ist H. Müller
atemschaukel 90. Unger