BEFREMDEN vb. in der regel mit unpersönl. subjekt ‘
fremdartig u. unpassend erscheinen, unangenehm überraschen u. berühren, irritieren, erstaunen u. unverständnis erzeugen, verwundern’ ,
im part. prät. früher auch ‘verwunderlich, befremdlich seltsam’
; älter nicht selten in der wendung sich etwas, einer sache befremden (lassen): hs.u1430 und befremdt mich doch wie ich darzu
(Lanzelot verfallen zu sein) kum
Lancelot 2,242 DTM. 1474 daruff der herre bisschoff antwerte, en befremdete sulch rugkeczogk der sachen
acten ständetage Preussen 1,370 Th. 1514 sollich sein antwurtt, als vō einem gefangnē det mich nit wenig befroͤmbdē Mennel
passion B 5a. 1548 es ist sich aber nit zuverwundren oder befrembden, warumb ich also wenig bekant sey
Ryff, Vitruvius 192a. 1676 ich hab als gehoffet, ihr werdet selbsten kommen, vernehme aber, daß ihr kein lust dazu, welches mich befremdet Karl L. v.
d. Pfalz
schreiben 275 LV. 1677 wer solchen schertz ausgibet; mus sich der wider-einnehmung nicht befremden Butschky
Pathmos 675. ⟨v1683⟩ Decebal .. maste sich einer befrembdenden verwunderung an Lohenstein
Arminius (1689)1,145b. 1716 alleine wie befrembdet und betrüblich dieses dem judicio vorkam, ist leichtlich zu ermeßen
Lips Tullians leben 2,126. 1760 dem glauben ist nichts unmöglich – nichts unbegreiflich, – nichts befremdend Hamann
brw. 2,43 Z./H. 1778 ihr’ gnaden, sprach ich, dürfen sichs nicht befremden lassen, daß ihr urtheil diesmal gestrandet ist Musäus
reisen 2,168. 1787 mein sohn! sprach der alte mann: wenn du nun erst die hälfte meiner erfahrung haben wirst, so werden dich dergleichen dinge ebenfalls nicht mehr befremden J. G. Müller
Emmerich (1786)3/4,61. 1813
(substantiviert:) wer aber nicht wort hielt, war der general Lannes. als man ihn an sein versprechen erinnerte, machte er den befremdeten
russ.-dt. volksbl. 17,8a L. ⟨1888⟩ die schwierigsten passagen flogen mir nur so aus den fingern, daß der lehrer mich befremdet und doch höchst beifällig ansah Storm
6,327 K. 1925 die befremdende einleitung bewirkte völlige stille H. Mann
kopf 129. 1933 aber wie befremdet stehe ich vor dem wunder, daß ich mich in dieser zeit noch immer behaupten kann Klepper
schatten (1967)49. 1998 die verbreitung einer religiösen botschaft unter dem vorzeichen von güterverbreitung und -tausch zu beschreiben mag auf den ersten blick befremden
n. zürch. ztg. (31.12.)57a. 2003 gleich in den ersten tagen hat uns befremdet, auf wie vielen frequenzen hier die westsender ins haus kommen Ch. Wolf
tag 46. — ‘
entfremden, überfremden’: 1768 bald durch dessen anderweite verdächtige aussschweiffungen und gäntzliche verweigerungen seiner liebe gegen sie, endlich gantz von ihme befremdet
in: siebenb.-sächs. wb. 1,454a. ⟨1918⟩ vorbei an bahnen, die nicht ich befahre, vorbei an menschen, gänzlich mir befremdet Benn
2,70 W. 1921 der Deutsche, der etwas aus seiner tiefe zu sagen hat, muß immer gegen das befremdete deutsch revoltieren Bahr
tgb. (1925) 1,144.Solf