BEFALLEN vb. ahd. bifallan,
mhd. bevallen,
as. bifallan,
mnd. mnl. bevallen,
afrs. bifalla, befalla,
ae. befeallan. A
im älteren u. insgesamt seltenen intrans. gebrauch. 1
fallen, sinken, stürzen; von bauwerken auch ‘verfallen, zusammenfallen’: E8.jh.
sol ruit sol occidit sunna pifeal sunna pisluac
ahd. gl. 1,249,19 S./S. ⟨800/10⟩ oba iz
(das schaf) bifellit .. in gruoba
si ceciderit .. in foveam, Tatian 269,6 S. ⟨u1187/9⟩ (ein sô armez hiuselîn / .. daz was zevallen,)
var.: bevallen (âne dach) Hartmann
Gregorius 153035 ATB. ⟨1297/8⟩ der Littowen vil dar lac / bevallen in des tôdes slac
livländ. reimchr. 2570 M. hs.1333 (nu sindt sie) bevallen / (truncken und entslaffen) Heinrich v. Veldeke
Eneide 6578 DTM. z.j.1340 de storm warp vele huse nedder in der nacht, dar de minschen inne bevillen
in: Schiller/L.
mnd. wb. 1,304b. z.j.1406 dar bevel sin eldeste sone under dot
ebd. ⟨1660⟩
(hierher?) man geb auß, dass er stracks durch unerhörte pein, / als er diss traur-gericht zu schmecken nur beliebet, / befallen Gryphius
lustsp. 255 LV. 1854 das haus befiel
1DWB 1,1248. 1939 wenn die gruft befällt, stirbt bald einer aus der verwandtschaft Ziesemer
preuß. wb. 1,457a. 2
jmdm. zusagen, gefallen. nur nd. u. md.: ⟨u1170⟩ in dem velde, dâ wir lâgen, / fliegen wir sâgen / alse tûben unde lederswalen. / daz ne beviel uns niwit wale Lamprecht
Alexander S 5050 K. ⟨u1220⟩ dat dine werdcheit niͤmer ’n gevellet / ind din otmuͤdcheit god bevellet
rhein. marienlob 2932 LV. ⟨n1391⟩ die word bevielen Jacob wol bruder Hans
marienlieder 571 ATB. z.j.1428/30 amen sprechent alle! / daß min gedicht den alden wol bevalle!
hist. volkslieder 1,318 L. 1517 ßunder der brodere procurator antwarde unde ßede, dar he eyne sentencien krege, de em bevylle unde ghelevede
urteilb. holst. vierstädtegericht 73 G. ⟨1626⟩ Argenis ließ jhr solches jhres wiedersachers lob nicht befallen Opitz
Argenis (1644)1,353. —
noch mdal.: 1965 dat befald mî nich
ns. wb. 1,797. 3
erkranken. überwiegend mit präpositionalobjekt: 1484 is dat in der pestilencien wol
(jmd.) bevallet, deme mote god alleweldich to hulpe komen Ortolff
boek d. arstedie, in: Schiller /L.
mnd wb. 1,304b. 1536 ap sich .. zutruge, das unser einer ader mere mit tode abeginge ader sunst mit krankhait also bevilhe
urkb. mansfeld. saigerhandel 203 M. 1634 ist der dennemarckische currirer an einem hiczigen fieber befallen
in: Gaedeke
Wallensteins verh. (1885)308. 1776 vier tage vor der auction befiel ich krank Hamann
brw. 3,274 Z./H. 1785 ich .. befiel .. den letzten febr. an einem starken fluß
ebd. 5,398. 1854 er befiel am fieber
1DWB 1,1248. 4
niederkommen, kinder bekommen (vgl. auch 1DWB 1,1248): 1534 nach ettlichē iaren ward er reich sein weib befiel mit vil kindē Agricola
sprichw. E 4b faks. 1860 sie ist ein recht braves, ordentliches mädel, .. nur daß sie etwas stark mit kindern befallen ist Steub
hochland 235. –
noch mdal.: 1965 sê beful güstern fan ’n kind
ns. wb. 1,797. B
trans. 1
auf jmdn., etwas fallen (und nachfolgend bedecken) ⟨u1185⟩
(hierher?) hie beviel in der werde, / ̂Erec der wunder- ære ... / er kniete im ûf die bruste Hartmann
Erec 9307 ATB. ⟨u1240/50⟩ do was velt und walt mit snê gar bevallen Stricker
kleindichtung 3,62,3 M. ⟨u1300⟩ ir wangen unde ir kinne / di zehere ir beguzzen, / di uz ir ougen fluzzen / unde alse ein burne wielen. / wi vil si di befielen
hl. Elisabeth 8650 LV. ⟨u1300⟩ berge und steine, / bevallet uns algemeine Heinrich v. Hesler
apokalypse 12080 DTM. 1628 so balde der reif die oliven befeldt, geben sie kein öhl Lubenau
reisen 2,276 S. 1680 so ist es unmöglich, dass der stein so genau dieselbige stelle befallen solte, die er getroffen hätte, wenn das schiff wäre still gelegen Francisci
uberzug 1438. 1725/7 von einem großen schrancke befallen, mit dem haupte in einen spitzigen stein geschlagen und so schwer dadurch verwundet worden, daß man ihn als für tod hervorgezogen Francke
in: Kramer
beitr. Francke (1861)56. 1823 nur darf ihn
(gips) in jenem zustande bald nach dem ausstreuen kein starker regen befallen Schwerz
ackerbau 1,265. 1966 wie sich die bäume fühlen, wenn es winter wird und der schnee sie befällt Strittmatter
kramkalender 279. 2
anfallen, angreifen, überfallen. a
jmdn. angreifen, überfallen über jmdn. herfallen: ⟨1297/8⟩ der brûdere sal man nicht sparn / und der dûtschen allen, / wâ wir sie bevallen
livländ reimchr. 4726 M. 1548/64
(ein mann) hatte seiner eeliche husfrowen schwester und jung kind bevallen und mitt ir gepflegtt fleischlicher begir Dreytwein
essling. chr. 178 LV. 1677
(bildl.:) dein Schwerin, der tapfre held, / unterseulet deine mauern, / daß sie leicht kein feind befällt Knittel
sinnenfrüchte 2,41. 1863 auf mir lastet’s schwer, sie
(anrede) letzthin so unbändig mit meinen klagen befallen zu haben R. Wagner
tgbbl. u. br. 47365 G. 1915 nun von den grenzen allen / hebt draeuend sich der feind, / sie wollten uns befallen, / zu starker wehr vereint
liller kriegsztg. 1,75 H./O. b
von (vorwiegend negativ konnotierten) abstrakta, gefühlen u. dgl. ‘
jmdn. überkommen überwältigen, in besitz nehmen’
; in den ersten belegen nicht klar von c
zu trennen: ⟨u1295⟩ da muze wir wol zu hoffen / und ist groz trost uns allen, / die mit sunden sint bevallen Heinrich v. Hesler
evangelium Nicodemi 1882 LV. ⟨M14.jh.⟩ daz dy begynner noch merclichin bevallin syn mit unvollinkomenheit Cranc
257 Z. ⟨2.h14.jh.⟩ verwanndel vnd vercher allen meinen gebrechen, der anligend ist meiner armen sele, die mit sünden manigueltichleich peuallen ist
in: Johann v. Neumarkt
4,206 K. ⟨1595⟩ wenn ein schrecken befelt die heldt, / so fleugt muth vnd mann aus dem feld Rollenhagen
froschmevseler (1621) Qq 4b. 1671 wir genoßen unterdeßen, wegen befallener furcht, wenig ruhe
Pinto, reisen 257. 1699 seelen-leid, das uns befällt Abraham a
s. Clara
etwas 1,104. v1742 todesangst befällt die maus Drollinger
ged. (1743)151. 1753 welch ein sysses erstaunen befiel mich im næhern? Wieland
I 2,49 ak. 1768 wenn das unglück, welches den bösewicht befällt, eine unmittelbare folge seines verbrechens ist Lessing
10,109 L./M. 1786 sie entschuldigten sich gegen mich mit schüchternheit, die sie befallen hätte
in: Kant
210,439 ak. 1809 mich befällt eine innige sehnsucht bei dir zu sein
in: Schleiermacher
brw. mit seiner braut 2298 M. ⟨1874⟩ gleich als der arme schelm hereintrat, befiel mich eine sonderbare ahnung Keller
(1894)5,196. ⟨1886⟩ die trübe stimmung .., die ihn
(Salander) befallen
ebd. (1893)8,87. ⟨1911⟩ mitten in seiner wut schien ihn ein mitleiden mit der schönen zarten dame zu befallen Heyse
[1924] II 2,437. 1937 es ist der philosophische ernst, der Deutschlands tiefstes denken befallen hat Pinder
bürgerzeit 278. 1952 Flock schien von ähnlichen empfindungen befallen zu sein Welk
land 277. 2003 ein anflug von rührung befällt mich und steigt vom zwerchfell den brustkorb hinauf
berl. ztg. (10.9.)9f. c
organismen mit einer krankheit überziehen. überwiegend im (zustands)passiv älter meist mit,
jünger meist von etwas befallen sein, werden.
seltener in allgemeinerem sinne von körperlichen dispositionen: ⟨1421⟩ das sie mit verborgener krangheit unde suche beyde befallen synt Rothe
düring. chr. 502 L. 1528 im fall auch, daß ein eheweib mit der franzosen oder auch dem aussatz befallen wird
in: Luther
brw. 4,333 W. 1636 sieben brüder, welche die mutter verfluchet, .. seyn geschwinde von der gicht befallen worden Meyfart
erinn. 410. 1695 endlich befiel ihn zu Koldingen, auff dem schlosse Arnsburg, eine solche schwachheit, welche den bevorstehenden tod verkündigte Ziegler u. K.
schau-platz 4a. ⟨1732⟩ meiner lieben schwester, welche von einem leichten fieber befallen war Schnabel
Felsenburg (1997)2,647. ⟨1743⟩ daß eine krankheit uns befällt Brockes
vergnügen 7(1748)716. 1777 in freyem lande stehende nelken werden nie von läusen befallen Lueder
blumengarten 227. ⟨1835⟩ der apotheker klagte .. über kopfschmerz, welcher ihn gewöhnlich befalle, wenn er einmal über nacht zu lange bei seinen büchern aufsitze Tieck
(1828)27,65. 1859 indem der rost seiner
(des sauerdorns) blätter .. das benachbarte getreide, trotz widerrede vieler botaniker .., befallen soll Ratzeburg
standortsgewächse 70. 1871 6 von der rotzkrankheit befallene und getötete pferde
beschlüsse schles. landtag (1902) 1,169b. 1927 wenn aber der einzelne .. sich von der mitarbeit am neuen .. in staat und gesellschaft ausgeschlossen sieht, befällt ihn eine seelenkrankheit Wechssler
esprit 123. ⟨1948⟩ der giftige hauch der berberitze – man kann ihn ja riechen – befällt das korn E. W. Schmidt
pflanze (1953)120. 1955 daß der zytopathogene effekt sich vermehrender viren im befallenen gewebe studiert werden muß
wiss. annalen 544. 2009 wenigsten bei einem von ihnen
(Thomanern in Leipzig) ist die schweinegrippe nachgewiesen. vermutlich hat sie auch die anderen befallen
frankf. allg. ztg. (6.11.)9f. —
in jüngster spr. auf unbelebtes angewendet, auch auf schadprogramme in der computertechnik: 1995 die zinkschicht auf den ventilfedern war von rost befallen
tagesztg. (11.2.)33. 2004 der wurm namens „Sasser“ befalle computer nach dem zufallsprinzip
n. zürch. ztg. (3.5.)11d.Scheider