1BEFAHREN vb. mnd. bevāren.
zu 1fahren
2DWB. 1
zunächst in unterschiedl. bedeutungen in mnd. rechtsspr. (vgl. DRW 1,1364 f.): 1300 welker nicht recht were, worde dar jemant mede bevaren
(‘ertappt’), de scolde der stat tein lodighe marck geven
urkb. Hildesh. 1,294 D. 1385 hir is byvaren
(‘verfahren, vorgegangen’) unde beordelt myt vorspreken unde myt dingluden in aller wis, also ordel unde recht utwisede
ebd. 2,364. 2
ein (geerbtes) gut, ein gebäude u. dgl. als zeichen des besitzanspruches beziehen, bereisen: 1365 wer eyn erbe hat bynnen der stad adir dor vor, der sal ys bevaren bynnen jar vnd tag
gesch. Marienb. 526 V. 1427 eyn prusch
(!) .. befure angestorben gut in unsir kirchen lande
in: frnhd. wb. 3,454. 1522 der konig vormeint, disse
(von gesandten des kaisers entdeckte) insel lige in seiner refir, die er zu befaren hab Planitz
ber. 256 W./V. 1537 ein hus .. buwen vnde dorch sik sulvest edder einen anderen .. bevaren vnde bewanen
in: Dittmer
sassen-recht (1843)33. 1603 so yemandt ein hauß auff ein halb oder gantz jahr geheuret hat und dasselbige nicht befahren wil
in: DRW 1,1365. 3
einen verkehrsweg fahrend benutzen, auf etwas (einer festgelegten strecke) fahren; älter fast ausschließlich von gewässern. seit d. 18. jh. auch mit objektwechsel ‘
ein verkehrsmittel benutzen’
; zuerst: 1531 die gepirge zu befaren / mit ihrem gefert vnd geschick, / da wil vns gott bewaren
bergreihen 35 HND. 1626 ins schiff, mit dem das meer ich sicher kan befahren Werder
Tasso, Jerusalem 176b. 1764 sich über den mangel zuverläßiger untersuchungen der tiefe der see, in mehreren gegenden des heissen erd-strichs, zu beklagen. zumal, da diese gegenden nicht nur sehr vielfältig befahren werden Silberschlag
erde 47. 1781 du scheinst mir kein mann, der auf kämpfe / sich versteht, .. / sondern so einer, der stets vielrudrichte schiffe befähret Voss
odüßee 146. 1828 meine reise hatte .. mitunter auch gefahren, weil ich wege befuhr deren befahrung mit 2 pferden man bis jezt für unmöglich hielt Raimund
4,361 B./C. 1844 derjenigen fahrgäste .., welche ohne gepäck die bahn befahren Reden
eisenbahnen Dtlds. 2,2,1042. 1869
(bildl.:) das befahren der immer gleichen psychischen bahnen macht geleise Billroth
br. 987 F. 1908 die eingeborenen
(dürfen) es nicht wagen .. mit ihren booten diese region zu befahren Passarge
Südafrika 83. 1927 im april 1837 war die strecke von Leipzig nach dem nächsten dorfe fertiggestellt. sie sollte gleich befahren werden
natur 18,275b Sch. 1939 ich .. fing an, .. von den linien, die ich befahren, von den schiffen, denen ich gedient hatte Löscher
herz 172. 1962 beim befahren der tiberbrücke .. dem steinernen landsmann zu begegnen Bergengruen
kranz 249. 2007 hatte der junge skifahrer .. die markierten pisten verlassen, um ein couloir unter einer luftseilbahn zu befahren
n. zürch. ztg. (15.2.)7a. —
als part.adj., meist mit adverbialer ergänzung: ⟨1821⟩ diese küste begrenzt eine der befahrensten straßen Chamisso
w. (1836)2,385. 1955 der weg .. ist erdig wie ein pfad, .. ohne jede fahrspur, wie sie befahrene waldwege zu haben pflegen Scheer
spieler 121. 2001 schon jetzt zieht die region viele radtouristen an, die bisher jedoch oft stark befahrene straßen benutzen müssen
frankf. allg. ztg., DWDS-arch. —
ein ziel ansteuern, anfahren, einen hafen (zu handelszwecken) anlaufen: 1664 sie
(die Holländer) befuhren nur allein die friesischen seehäfen Zesen
Amsterdam 70. ⟨v1766⟩ weil die Phönicier, die diese westlichen länder befahren, keine schiffe gegen sich angetroffen Abbt
verm. w. (1768)2,2,8. ⟨v1840⟩ die fernsten küsten hab’ ich befahren Gaudy
18,164 M. 1876 wenn der .. anblick des schönen im stande wäre, jedes herz zu veredeln, dann würden die bauern .. den wochenmarkt auch mit geistigem profit befahren
gegenwart 10,401a. 1950 ratsherr Christian Deik war besitzer einer kogge, die unter lübschem schutz ostseehäfen befuhr Bredel
ges. w. 10,143. 1999 wozu soll ich ferne länder befahren ..?
frankf. rundschau, DWDS-arch. a
als part.adj. befahren ‘
über viel (reise)erfahrung verfügend’.
überwiegend seemannssprl.: E15.jh. des reden de eldesten, de meist in der werlde bevaren weren
(Magdeb.) chr. dt. städte 7,264. 1821 nur zwei darunter
(unter dem schiffsvolk) waren befahrne matrosen Nettelbeck
lebensbeschr. 1,216. 1930 die geldaufschwemmung .. schuf auf allen gebieten des besitzrechts wirrnis und trübung, sodaß ein befahrener anwalt viel zu tun hatte Feuchtwanger
erfolg 1,494. ⟨1973⟩ der akademiker, befahren in den hauptstädten von England und Frankreich Johnson
jahrestage (2006)1042. 1986 er ist alt und befahren und verlangt viel von seinen männern Selber
schiff 30. —
wohl von hier vereinzelt zum verb rückgebildet ‘
etwas erfahren, lernen’: 1822 theologie, jurisprudenz, medicin und die andern wissenschaften befahren nichts von unseren schriftstellerinnen weder des neunzehnten jahrhunderts noch der früheren J. Grimm
kl. schr. 4,1(1869)172. ⟨1924⟩ wovon seine niemals zum „strebertum“ sich herablassende edelnatur denn auch gar manches zu befahren hatte Seidl
tondichter (1926)2,157. b
eine landwirtschaftl. fläche nutzen: ⟨1743⟩ man eilet fröhlich hin und wieder, / befährt die aecker auf und nieder Brockes
vergnügen 7(1748)375. ⟨1853⟩ einzelne alpstriche werden in der ganzen Schweiz auch mit milchgebenden ziegenheerden befahren Tschudi
thierleben (1858) 613. 1930 ich mein halt, wenn mir mit der zeit noch ein ackerl kaufen könnten und die große wiesen schön befahren, langt’s für zwei küh Scharrer
art 17. c
einen untergrund, eine landwirtschaftl genutzte fläche beim darüberfahren mit etwas versetzen düngen: 1746 wenn das prellen angehen soll, .. wird ein länglicht-vierekigter platz auf dem schloß-hofe mit einem hohen tuche umstellet, und mit sande dicke befahren Döbel
jäger-practica 2,75a. 1823 im frühjahr stand der nicht gedüngte theil schwach und versprach wenig. er befuhr ihn daher mit straßenkoth aus einer stadt Schwerz
ackerbau 1,101. 1836 auf einer frisch mit zerschlagenem granit befahrnen straße Pückler-
M. Semilasso in Afrika 1,43. 1939 die kartoffeln befahren Ziesemer
preuß. wb. 1,456b. 2001 einen acker mit mist b(efahren)
Duden, universalwb. 244b. 4
bergmannssprl. ‘in eine grube einfahren (u. sie besichtigen)’: 1525 die sollen die zechen und ort, darumb sich der irtumb heldet, befaren und besichtigen
akten bauernkrieg Mitteldtld. 2,390 M./F. 1693 befahren ist, wenn bergbeambte in die grube einfahren, dieselbe in augenschein nehmen Schönberg
berginformation 2,12. ⟨1738⟩ der schichtmeister soll auf den steiger genaue obsicht haben, wenigstens wöchentlich einmal seine grube befahren
corp. ivr. metallici 1327 W. 1826 das befahren der zwei vorzüglichsten klausthaler gruben Heine
3,28 E. 1956 alte, noch offenstehende grubenbaue zu befahren
wiss. annalen 941. 2008 mit einer kleinen grubenbahn wurde die sogenannte gemeindehöhle befahren
Rhein-ztg. (14.10.), IdS-arch. 5
von tieren ‘
unterirdische gänge, baue nutzen, bewohnen’; häufig als part. prät.: 1822 bei dergleichen hauptbauen werden jedoch nie alle röhren zugleich ausgeführt und befahren Ersch/G.
encycl 8,109a. ⟨1853⟩ larven und würmer .. findet er
(der maulwurf) sicherer in der erde, oft auch einen leckerbissen von .. mäusen, die seine gänge befahren Tschudi
thierleben (1858) 141. 1864 daß er
(der dachshund) zum graben und zum befahren von bauen unter grund außerordentlich geeignet ist Brehm
thierleben 1,366. 1946 auch sind in solchen bauten schon gleichzeitig junge von beiden
(fuchs und dachs) gefunden worden. sie kommen dann aus der gleichen befahrenen röhre hervor Gerlach
vierfüssler 134. 1968 der fuchsbau iß befahre
südhess. wb. 1,646. 1993 ein (befahren)er (dachs)bau
Duden wb. dt. spr. 1,431b.Scheider