AUFMERKEN vb. mhd. ûfmerken. 1
(plötzlich) seine aufmerksamkeit auf etwas, jmdn. richten. a
auf etwas, jmdn. achten, etwas oder jmdn. genau beobachten, sich jmdm., etwas innerlich zuwenden, jmdm. zuhören, gehör schenken. älter auch mit dat. d. sache, d. pers., jünger absolut u. mit objektsatz, häufig substantiviert. (ein) aufmerken(s) auf etwas
(selten jmdn.
) haben,
(selten) geben
u. ä. sowie in aufforderungen. zum versuch der erklärung des vom 15. bis zum 17. jh. bevorzugten subst. infinitivs mit -s
als ursprünglicher genitivform vgl. Kuntzemüller
in: zfdwf. 4(1903)65 f.: u1477 sun, du solt mynen worten flyßiglichen uffmerken Steinhöwel
Äsop 69 LV. n1492 gott haͮt nit ain aufmercken auf die wort des bittenden, besunder er sicht an das hertz
in: franziskan. schrifttum 1,131 R. ⟨1498⟩ auch meinent die huͤter nit anderst dann ir seient ein .. narr, und hond kein auffmerckens auff eüch
Tristrant 184 LV. u1520 in den letsten zeiten werden etlich abweichen von dem glauben, aufmerkende
(‘sich hingebend’) den gaisten der irrung und leren der teufel
sat. u. pasquille 23,208 Sch. 1552 zwo mannspersonen, .. zuͦ nacht hierumbgehn, dieselben uf dergleichen unruw achtung und ufmerkens geben
obrhein. stadtrechte II 2,412. 1564 wo auß gebeuwen kuͤnfftiger schaden .. zuͦ gewarten ervolget, darob die verordneten herren bauwgeschwornen je fleissig auffmercken sollen geben Fronsperger
bauwordn. 6a. 1671 ich bitte dich, du wollest mit aufmerkenden ohren anhören die .. worte meines mundes
Pinto, reisen 370. 1690 ich wil schweigen, und dir aufmercken, oder schweige du, und laß mich reden Happel
academ. rom. 423. ⟨v1787⟩ du bist ein verständig kind, merk auf, was ich dir sage Musäus
kinderklapper (1788)24. ⟨1878⟩ sie war eine berufen schlechte schülerin. nur in der geographiestunde pflegte sie mitunter aufzumerken Storm
5,136 K. 1979 seht her, die neue meldet sich! aufgemerkt, was sie zu sagen hat! Nauschütz
unterbrechung 180. 1981 ich will aufmerken
(‘mich vorsehen’), daß ich mich nicht auf die bank der alten und resignierenden niederlaß Strittmatter
selbstermunterungen 35. b
plötzlich aufmerksam werden, aufhorchen: ⟨1890⟩
(Winter:) ich fühle mich jetzt schon nicht ganz frei ...
(Binder:) (aufmerkend) was heißt das? Halbe
[1917]2,97. 1910 Martin Scharf .. sprach in einem so neuen ton, daß die ganze gemeinde aufmerkte G. Hauptmann
Quint 172. 1989 ich umgab sie
(unattraktives mädchen) mit einer aufmerksamkeit, die die anderen schließlich aufmerken ließ Lemke
anders 132. 2
etwas (schriftlich) festhalten, aufzeichnen: ⟨1499⟩ da cham margraff Albrecht von Brandenburg .. und auch annder und mustrotten und zalentten das volckh und merckhten das auff Unrest
öst. chr. 59 MGH. 1533/4 wan im
(Karl d. Großen) etwas .. einfiel, merkt er’s .. auf Turmair
5,1,151 ak. ⟨v1683⟩ daß .. der tapffersten helden gedächtniß offt gar vergessen, oder doch gar ungeschickt aufgemerckt würde Lohenstein
Arminius (1689)1,233a. ⟨v1709⟩ warum die tapfferkeit Timolion .. in denen chronicken also denckwürdig aufgemercket
in: Abraham a
s. Clara
kramer-laden (1710) 2,585. ⟨v1809⟩ ich zog meine brieftasche heraus, als wollte ich mir ihren namen aufmerken Pfeffel
pros. vers. (1810) 5,107. 1926 der prälat .. hatte ein notiztäfelchen .. zur hand genommen, wo er in lateinischer schrift einiges aufmerkte Grogger
Grimmingtor 62. 3
etwas (durch gründliche beobachtung) feststellen, erkennen, bemerken: 1534 als ob er .. vß den yngeweyden der thyerer wolt vffmercken, wie es ym geen solt Eppendorff
Plutarch, sprüch 24. ⟨1626⟩ Archombrotus .., welcher .. begierig war auß den vnterschiedenen meynungen auffzumercken, welche Poliarchus zu freunden hette oder nicht Opitz
Argenis (1644)1,87. ⟨v1683⟩ es wären aber die bey der geburt aufgehenden gestirne den meisten menschen unbekant, die wenigsten verstünden nicht, wie sie aufzumercken wären Lohenstein
Arminius (1689)1,268a. 1769 wer diese
(zweideutigkeiten) in einer gesellschaft zuerst, und vielleicht einzig und allein, aufmerkt, und darüber anständig erröthet Herder
3,292 S.Scheider