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abstechen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

abstechen

Bd. 1, Sp. 126
abstechen, defigere, nnl. afsteken: einen mit dem sper vom rosse abstechen; den sper, die lanze auf einen abstechen; heu, stroh, garben mit der gabel (vom wagen) abstechen; einem mit dem messer die kehle abstechen, jugulare: wil dir dein hals abstechen. fastn. sp. 253, 29. 531, 6; als könig Kataband die gurgel ab liesz stechen dem erstgebornen sohn. Lohenst. Ibrah. 18; ein thier, schwein abstechen: sonst ward an einem missethäter wol ein jahr verhört, heut stechen sie die leute ab wies liebe vieh. Arnim schaub. 1, 314; wann ihr ein schaf abstecht. Opitz 2, 53; stachet ab das wolgemest. H. Sachs 1, 63a; den rasen, damm, deich mit dem spaten abstechen: blosze grabhügel auf der heide in groszer menge, wovon viele abgestochen und geebnet sind; schon hatte sich das volk auf die oberwärts abgestochenen und vom rasen entblöszten dämme gedrängt. Göthe 17, 157; ein bild mit dem griffel in kupfer abstechen; nachstechen schon abgestochener gemählde ist kein nachdruck. Fichte berl. monatschr. 21, 468. figürlich, einen abstechen, ausstechen, es ihm zuvorthun, vom turnier hergenommne redensart: hätte auch nicht anders gemeint, ich werde ihn abstechen und verdringen. Schweinichen 1, 99; mein leben sei verspielt, wo Ambra nicht ihr ganz geschlecht absticht. Lohenst. Ibr. 15; als er von seinem nebenbuhler abgestochen zu werden fürchtete. Günther 560; ebenso beim kartenspiel, auf welches man die stiche und das abstechen des turniers anwandte, einen abstechen, mit einer höheren karte stechen. von andern dingen: dieser blumen jaspis kann sarder und schmaragd abstechen. A. Gryphius; der tauben atlas stach Dianens silber ab. Günther 1070. beidemal geziert und frostig. eine höflichkeit, ein compliment abstechen, vorbringen, wie seine lanze abstechen: mit diesem frauenzimmer mochte ich selbst briefe wechseln, so gar zierlich und kurz kan sie complimentgen abstechen. Weise erzn. 100. Ein feld, lager, einen platz abstechen scheint ebenso richtig als abstecken, da es mit eingesteckten pfählen (palis defixis) geschieht: abgestochenes feld der untersuchung, raum, der für die vernunft abgestochen ist. Kant 2, 166. 3, 313; als man mit den augen sich die erdenge zum lustlager abstach. J. Paul Kamp. 52; je unwillkürlicher der staat seinem nachbar die grenzen absticht. Hippel 11, 159, sei es mit pfählen oder durch rasenabstich. Intransitiv, abstechen, sich entfernen: das schif stach vom ufer ab, ist schon abgestochen, nnl. de schuit stak af, was reeds afgestoken; er ist abgestochen, davon gegangen, abgesegelt; du kannst abstechen, apage, dich aus dem staube machen. die intransitive bedeutung entsprang durch ellipse des acc. stange, mit der man den nachen vom lande abstöszt. Ein andres intransitives abstechen für distare distingui, variari scheint erst im 18 jh. aus dem transitiven abstechen, antecellere entsprungen. denn zuerst hiesz es sich abstechen, sich auszeichnen, hervorthun: von diesen sticht ein beschattet grün recht angenehm sich ab. Brockes 2, 301; es stachen beide sich von dem so holden grünen recht unvergleichlich ab. das. 2, 448; später ohne sich: die attische urbanität, die von der steifen und ceremonienreichen höflichkeit der heutigen Europäer merklich abstach. Wieland 1, 200; dasz die sitten einer vermählten und einer buhlerin von einander abstachen. 2, 235; von einer so abgeschmackten mit dem heldenthum so lächerlich abstechenden liebe. 2, 239; die so abstechen, als meine tochter zu ihrer schwester. Hippel 7, 133; er konnte ihn mit den lieben engelein vergleichen, gegen die er kräftig abstach. Göthe 21, 8; bei der lauigkeit, die mit des seligen stifters wünschen so grell absticht. 43, 374; weisz auf schwarz sticht gar gut ab. Fr. Müller 1, 127; seine wangen, mit deren braunem roth der schwarze lockichte bart abstach. Klinger 6, 210; die hochgewölbte stirne (des teufels), die mit dem merkzeichen der hölle zwischen den augen sehr abstach. 3, 48; helle und lebhaft abstechende kleidungsstücke. Kant 7, 386; den geistreichen schmerz gut gegen die unschuldigen gesichter der thiergestalten abstechen zu lassen. Tieck Sternb. 2, 332; das breite schwarze taftband, das gegen das blühende gesicht abstach. J. Paul Tit. 1, 11; die frau rath Schlosser hat gesagt, dasz wie er neugeboren war, so habe man ihn auf ein grünes billard gelegt, da habe er so schön abgestochen und ausgesehn wie ein glänzender engel, ist denn abstechen eine so grosze schönheit? Bettine briefe 2, 19. auch nnl. die oude broek steekt bij dat nieuwe kleed slecht af; zwart op wit steckt wel af; zijne geaardheid heft bij die van haar altijd zeer afgestoken. das rothe sticht das grüne ab hiesz ursprünglich: besiegt das grüne, dann sagte man: roth und grün stechen sich einander ab, streiten mit einander, endlich roth und grün stechen von einander ab und hervor, wechseln ab, unterscheiden sich, contrastieren.
4864 Zeichen · 68 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    abstechenst. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    abstechen , st. V. Vw.: s. abestechen

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Abstêchen

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Abstêchen , verb. irreg. S. Adelung Stechen . Es ist: I. Ein Activum, und bedeutet: 1) Herab stechen, mit Stichen von ei…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    abstechen

    Goethe-Wörterbuch

    abstechen 1 Dämme, Ufer Schon hatte sich das Volk auf die oberwärts abgestochenen und vom Rasen entblößten Dämme [ zwisc…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Abstechen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Abstechen , sich auf der See in einem Boote von dem Schiffe entfernen; 2. den Herd des Ofens öffnen, damit das geschmolz…

  5. modern
    Dialekt
    ab stëchen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    ab stëche n einen in Kleidung und Sitten nachäffen Westhalten.

  6. Sprichwörter
    Abstechen

    Wander (Sprichwörter)

    Abstechen 'T stekt of, as Dälers Laken. – Hauskalender, III; Bueren, 1158.

  7. Spezial
    abstechen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ab|ste|chen vb.tr. 1 (in Bezug auf Grasnarbe) ciavé demez, ciavé jö 2 (töten) copé (copa) 3 (ablaufen lassen, z.B. Wein)…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit abstechen

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Zerlegung von abstechen 2 Komponenten

abs+techen

abstechen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „abstechen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/abstechen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „abstechen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/abstechen/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „abstechen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/abstechen/dwb.
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@misc{lautwandel_abstechen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„abstechen"},
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