zwölf,
zahlw. ,
gemeingerm.; got. twalif;
ahd. zwelif,
mhd. zwelf;
as. twelif, twilif,
mnd. twelf;
mnl. twalef, twaelf,
nnl. twaalf;
ags. twelf,
me. twelf
und flektiert twelwe,
davon ne. twelve;
afries. twel(e)f;
an. tólf (<
*twaluf?),
dän., schwed., norw. tolv.
zu erschlieszen ist germ. *twaliBi-,
ein kompositum, das aus dem stamm der zweizahl (
idg. *d[u]o)
und einem element -lif (
flektiert mit grammat. wechsel -liBi-
gebildet ist, das eher zu idg. *leip,
germ. mit der bedeutung '(
übrig)
bleiben'
gehört als zu idg. *leiq
'(
übrig)
lassen' Walde-Pokorny 2, 397,
vgl. Fraenkel
d. balt. sprachen (1950) 55
f.; anders Sommer zum zahlwort (1951) 62
f.; die bedeutung ist als '
mit zwei als überschusz (
über die zehn hinaus)'
zu verstehen, s. Sommer
a. a. o. gleiche bildungsweise, die
auch in elf (
got. ainlif)
vorliegt, zeigt auch lit. -lika
in der zahlenreihe 11
bis 19,
vgl. lit. dvýlika '
zwölf'.
zur form. die urspr. zweisilbige form zwelif
geht bereits in spätahd. zeit über zwelef
unter ausstoszung des mittelsilbenvokals in zwelf
über, beide formen bei Notker,
vgl. die ordinalzahl zueleftun 1, 738,
daneben uzzer zeuuelfen 2, 545
P. mhd. allgemein zwelf;
seltener sind zweisilbige formen (
bis in spätere zeit)
anzutreffen: zweliph (13.
jh.)
Mühlhäuser reichsrechtsbuch 176
Meyer; zwelif Konrad v. Megenberg
buch d. natur 125
Pf.; zwelliff Lori
bair. bergrecht 75; zwelif (1549)
österr. weisth. 2, 59.
die ma. bewahrt zweisilbige formen im Elsasz und im raum von Trier sowie im fries. gebiet; vereinzelt twölef Block
Eilsdorf 99
b; twöllef
Elberfelder ma. 167
b; twöllef Leithäuser
Barmen 162
b.
in neuester zeit begegnet zweisilbiges zwölef
gelegentlich im fernsprechverkehr zur unterscheidung von elf.
die rundung des umlauts-e
der stammsilbe zu ö
begegnet zuerst alemannisch im 13.
jh., s. (1277)
corp. altdt. originalurk. 1, 103
Wilhelm; dann Mechthild v. Magdeburg 17
Gall Morel. über weiteres vordringen der rundung im 15.
und 16.
jh. s. Moser
frühnhd. gramm. 1, 1 § 66, 1;
doch zeigt sich im ganzen hochdt. sprachgebiet ein fortwährendes, durch die vom md. ausgehende tendenz zur entrundung verstärktes schwanken, das sich noch in den maa. der neuzeit spiegelt. Luther
hat vorwiegend zwelff,
aber verschiedentlich begegnet bei ihm auch zwölff
neben seltenem zwolff.
formen ohne rundung herrschen heute durchgängig im md. raum (
ausnahme lediglich Christa
Trier 226
b),
während das obd. gebiet formen mit und ohne rundung (
gelegentlich nebeneinander)
aufweist. das nd. zeigt vorwiegend ö;
lediglich in Mecklenburg und östlich davon ein gebiet mit e.
nur selten begegnen andere vokale in der stammsilbe: zweilfhundert (
Kenzingen 1269)
corp. d. altdt. originalurk. 1, 161
Wilhelm; zwulff
weisth. 1, 413; zwilf
Münchner Oswald 2091
Baesecke; zwilffe des radts (
Meiningen 1450)
weisth. 3, 597.
im ostmd. raume, sowie nördlich davon in Berlin, Mecklenburg und in Göttingen, Hannover wird -f
in den flektierten formen bzw. vor -e,
wo es seine stellung im auslaut aufgibt, zu stimmhafter spirans: zwölwe, twölwe.
zu einzelheiten der mundartlichen lautformen vgl. die zusammenstellung zwölf
bei Wrede
berichte üb. Wenkers sprachatlas in: anz. f. dt. altert. 21 (1895) 274,
wo auch (
im gegensatz zu den maa.-wbb.)
formen mit vokalischer auflösung des l (zweof, zwoif, zwöif
u. ä.)
festgestellt sind. für die flexion von zwölf
gelten die allgemeinen regeln bei zahlwörtern. attributiv unmittelbar vor dem substantiv seit jeher unflektiert. doch gegen die regel: zwOelffer land kron
Friedrich v. Schwaben 3533
Jellinek; das lannd der zwelfer geschlechte
erste dt. bibel 3, 23
Kurr.; in diszen tzwelffen epistolln Luther 10, 1, 1, 728
W.; ein gewicht zwölffer untzen Calepinus
XI ling. (1598) 818
b; der zwölffer thiere zahl Logau
sinnged. 438
lit. ver. flektierte formen sind die regel (
got. nur im genetiv und dativ)
beim gebrauch in nicht unmittelbarer stellung vor dem substantiv: was auk jere twalibe
got. bib. Mark. 5, 42
Streitberg; zueliuin sinen iungiron
Tatian 44, 28;
sowie in substantivischer verwendung: thie zueliui quadun
Tatian 80, 1; der zwelfer meister Freidank 145, 15
Grimm; eine zahl von zwölfen Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1502
a; die heiligen zwölfe Klopstock
Messias (1775) 1, 152.
die formen auf -e
bleiben in der umgangssprache weitgehend erhalten, dringen auch in die zahlenreihe beim zählen ein: ... zehne, elfe, zwölfe ...,
während hochsprachlich die endungslosen formen als gültig angesehen werden. lediglich bei der angabe der uhrzeit sind flektierte formen auch in der literatur öfter anzutreffen: es hab lang zwölffe geschlagen Scheit
Grobianus 2341
ndr.; nach zwölfen Dusch
verm. w. (1754) 154; Göthe IV 42, 115
W.; auf zwölfe H. v. Kleist
w. 1, 396
E. Schmidt. anwendung. 11) zwölf
als glied der zahlenreihe; reiner zahlbegriff: cantica quindecim graduum. nefîrrônt noh
an selbero zalo. ut patribus uidetur. diû selba zala diû ist ûzzer zeuuelfen unde drî
n. alde ûzzer zênen unde funfen Notker 2, 545
Piper; do man an Judas stat eynen andren apostel solde irwelen, uf das di czal zwelve widir irvullit wurde (14.
jh.)
ostdt. apostelgesch. 23
Ziesemer; (
beim zählen des geldes) zechen, aindleff, czwelff, dreyzechen
altdt. passionsspiele a. Tirol 192
Wackernell; zwölffe ... ist die zahl von zweymal sechse Gueintz
dt. rechtschreibung (1666) 175.
in der ordnenden bezifferung von gliedern einer kontinuierlichen reihe: (
die) dynastien 11 und 12 Grapow in:
wiss. annalen 1.
jahrg. (1952) 115.
substantivisch die zwölf,
f.: fünf und sieben, die heil'gen zahlen liegen in der zwölfe Schiller 12, 95
G. die ziffer, das zahlzeichen 12,
vgl. eine zwölf schreiben; der uhrzeiger steht auf der zwölf; eine arabische, eine römische zwölf.
mundartlich als neutrum: das zwölfi Hunziker
Aargau 316. 22)
als zahlangabe; zwölf
kennzeichnet eine bestimmte anzahl von begriffen aller art: a duodecim psalmorum quantitate fona zuelifin salmono uueomichili
Benediktinerregel in: sprachdenkm. 221
Steinm.; thar lasun sie tho alle zuelif korbi folle Otfrid III 6, 48
Erdmann; sô wilz der hane bezzer hân, dem sind zwelf hennen undertân Freidank 145, 14
Grimm; ein kint von zwölff jarn
Lancelot 1, 546
Kluge; zwölff stund arbeyten Luther 52, 136
W.; zwelif guet kreutzer (1549)
österr. weisth. 2, 59; groschen, seyn zwölff pfennig Kirchhof
wendunmuth 1, 209
lit. ver.; (
was) mir wohl zwölf ducaten kosten wird (1770) L. Mozart in:
br. W. A. Mozarts 3, 60
Schied.; vor zwölf jahren Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, IV; zwölf tage habe ichs in meinem herzen herumgetragen (1785) Schiller
br. 1, 229
Jonas; ein vers von zwölf sylben A. W. Schlegel
in:
Athenäum (1798) 1, 1, 43; zwölf personen, das war eine nette zahl Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 159; alle zwölf töne der chromatischen skala Th. Mann
faustus (1948) 770; in den zwölf jahren des dritten reichs Klemperer
l. t. i. (1949) 30; zwölf jahre lang Wiechert
missa sine nomine (1950) 65.
als genaue gröszenangabe von maszen und entfernungen: von der burg bisz zu Rasteuil waren zwölff schotisch mylen
Lancelot 1, 457
Kluge; Tuneta, das nit mehr dann zwölff welsch meilen von Carthago lag Carbach
Livius (1551) 180
a; ein acht fusz tiefer und zwölf fusz breiter graben umschlosz die ganze verschanzung Schiller 8, 268
G.; (
die grotte) ist ein vielleicht zwanzig schritt breites, zwölf schritt tiefes loch in der kalkwand Werfel
Bernadette (1948) 20. 33)
da die zahl zwölf
sich '
als primitive rechenmaschine' (Sommer
zum zahlwort 62)
aus den drei gliedern der vier finger (
unter ausschlusz des daumens)
natürlich ergibt, kommt ihr seit urzeiten eine besondere bedeutung zu, an die sich feste begriffe und wendungen anschlieszen. die anzahl zwölf
vermittelt dadurch bis in neuere zeit die vorstellung einer geschlossenen summe als grundeinheit. 3@aa)
in verbindung mit einem substantiv bildet zwölf
einen ganzheitlichen begriff, von dem aus das zahlwort in einigen fällen absolutem gebrauch unterworfen wird und substantiviert als die zwölf, die zwölfe
spezielle bedeutung gewinnt. symbolhafte bedeutung kommt seit alters der zwölfzahl im rechtswesen zu. zwölfmännergericht (
vgl. an. tólf manna dómr),
s. Grimm rechtsaltertümer 41, 298; 2, 392; 394
f.: mit solchen erbarn mannen zwelf soll man besetzen di schrann (16.
jh.)
österr. weist. 7, 32; wie ich nun in sitzenden rath vor sie komme, befinde ich zwölf alte tapfere leute Schweinichen
denkw. 79
Öst.; zwölf stühle sind zugericht für die zwölf schöppen gut Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 40; man setzet zwölfe im rath; was einer nicht weiss, der andere verstaht Wander
sprichw.-lex. 5 (1880) 678.
dazu die redensart: bei e
inem gute
n rat sitze
nt 12 am tisch
bei Fischer
schwäb. 6, 1476.
volljährigkeit der mädchen beim zwölften lebensjahr (
vgl. Grimm
rechtsaltertümer 41, 574): sô diu juncfrowe kumet ze zwelf jâren, sô ist si ze ir tagen komen
Schwabenspiegel landrecht 46
Wackernagel; mueterlin, ir dürfet mich niht leren: ich han gewahsen mine tag' da her wol zwelef jar
minnesinger 3, 216
v. d. Hagen; ein iclich man sal zu rechti sini ekint virste (
vertreten), di wili su nicht zueliph iar alt insien (13.
jh.)
Mühlhäuser reichsrechtsb. 176
Meyer. in der bestimmung einer gesetzlichen frist: weregelt gilt man over tvelf weken von der tiet, dat it gewunnen wirt
Sachsenspiegel land- u. lehnrecht 57
Eckhardt. vgl. weiter die häufigkeit der zwölfzahl in mythos, sage, märchen und aberglauben, wodurch die zahl zwölf
bzw. eine summe von zwölf
symbolhafte, oft magische bedeutung erlangt. von da aus verbreitet in einer vielzahl von sprichwörtern und redensarten. 3@bb)
orient und antike haben der zwölfzahl ihren besonderen charakter verliehen. die tierkreiszeichen, sternbilder: thiu zwelif zeichen ellu Otfrid V 17, 27
Erdmann; der (
sonne) mǒz in sineme cursu zwelf ceichen durech gan priester Arnold
siebenzahl 411
Polzer; ob ich wisse die wirkungen und stellung der zwölf himmelszeichen Abr. a
s. Clara
w. 2, 153
Strigl; gestirne, welche man die zwölf himmlischen zeichen nennt Hebel
w. 2, 12
Behaghel. die zwölf winde,
im anschlusz an die zwölffache einteilung der himmelsrichtungen in der antike: sie sach die zwelf winde Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 969
Singer; diser vier angelwind hat jeder noch zwen nebenwind, machen also überal zwölff Sebiz
feldbau (1579) 6. zwölf augen
im würfelspiel: sant Bernhart die würfel vie und warf sunder lougen an zwein würfeln zwelf ougen Konrad v. Ammenhausen
schachzabelbuch 17816
Vetter; da bestund der bauwer noch auff seinen zwelff augen Kirchhof
wendunmuth 1, 377
lit. ver. (
vgl. dazu teil 1,
sp. 800).
in anlehnung an die leges duodecim tabularum, der ältesten aufzeichnung des römischen rechts: die junckfraw wöll wir selb behalten nach auszweysung desz gsetz der alten in den zwölff dafeln auffgeschrieben. darbei es alzeyt ist belieben Hans Sachs 2, 8
lit. ver.; ich stelle mir vor, dasz wir dadurch in den stand kommen, gleichsam zwölf tafeln für die richter des verdienstes zu verfertigen Th. Abbt
verm. w. (1768) 1, 7. 3@cc)
die zwölfzahl in der bibel geht vermutlich auf den gleichen ursprung zurück: bigan tho druhtin redinonthen selben zuelif theganon Otfrid IV 10, 1
Erdmann; unde dû (
Josua) solt diu zwelf geslehte zuo dir nemen Berthold v. Regensburg 1, 184
Pfeiffer; das sind die zwelff stemme Israel alle
genesis 49, 28; Jacob der patriarch het zwölff sün, vnd ain dochter die hiesz Dina Keisersberg
pred. teütsch (1508) 56
c; es hatte aber Jacob zwelff söne
genesis 35, 22; denn es ist kein kind nicht, das nicht wisse von zwelff aposteln und S. Paul zu sagen (1545) Luther 54, 277
W.; haben zwölf apostel die ganze welt revolutioniert, was werden da nicht erst vierzig thun
br. von u. an Herwegh (1896) 158
Marcel Herwegh. häufig substantivisch die zwölfe,
d. i. die zwölf jünger bzw. apostel: thuo geng im thar Judas forth, iungro Christes, en thero tuelifo
Heliand 4478
Sievers; denn als nun wieder ostern war, nahm er zu sich der zwölfe schar Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 302; die sind also die heiligen zwölfe Klopstock
Messias (1775) 1, 152.
vereinzelt findet sich die zwölfzahl auch sonst in der christlichen literatur: von zwelf juncherren des tiuvels Berthold v. Regensburg 1, 520
Pfeiffer; daz sint die zwelf irwelten tugent die Crist ie truc von siner jugent Heinrich v. Hesler
apocalypse 16599
Helm; ausser diesen zwölf rittern aber, die zusammen die zwölf sittlichen tugenden vorstellen Gerstenberg
br. üb. merkwürd. d. literatur 29
lit.-denkm. die zwölf nächte
oder die zwölfen
zur bezeichnung des zeitraums zwischen weihnachten und dem fest der heiligen drei könige (
s. auch zwölften),
wobei christliche ausdeutung einer germanischen festzeit vorzuliegen scheint; häufig in der umgangssprache nd. maa., vgl. twölf neite Leithäuser
Barmen 162
b; in den hilligen twolf to winachten
brem.-ns. wb. 5 (1771) 142; in den twölfen Fromme
Hohenbostel 86
Alpers: was anlangt die 12 unter-nächte, fangens etliche an vom tage Luciae, etliche aber von dem tage, wann der christschein vorbey Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 139; in den zwölfen musz man den wolf nicht bey seinem namen nennen Blum
sprichwb. (1780) 2, 19; nahn wir nicht den heil'gen zwölfen? Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 214. 3@dd) zwölf
in der zeitrechnung. die zwölf monate (=
ein jahr): nach zwelf manden umme ganc
Daniel 3713
Hübner; vor zwölf monaten hiesz es zweijährige dienstzeit Bismarck
ged. u. erinn. 2, 20
volksausg. die tages- bzw. nachtstunden: ja sint, quad er, bi nôtizwelif dago zîti Otfrid III 23, 33; diu nacht hat zwelif weil
altdt. pred. 2, 15
Schönbach; es sind dess tages zwölff stunden Schupp
schr. (1663) 15.
zur angabe der tageszeit; zwölf
bezeichnet als fester begriff den zeitpunkt der vollendung der zwölften stunde des tages bzw. der nacht (
oft als '
mittag'
oder '
mitternacht').
zunächst von den zwölf glockenschlägen
der uhr: zwischen zwelffen und einem schlage (1546) Luther 54, 494
W.; als es nun eben zwölffe schlug Fischart
w. 2, 373
Hauffen; die mitternacht rief zwölf mit ehrner zunge
Shakespeare 1 (1797) 288; am 28sten august 1749, mittags mit dem glockenschlage zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die welt Göthe I 26, 11
W.; 's het zwölfi g'schlage Hunziker
Aargau 316.
substantivisch für die gesamtzahl der schläge: und wie die zwölfe tönen feierlich Freiligrath
ges. dicht. (1877) 2, 156.
dann in festen wendungen: umb zwelff vhr (1561)
Amadis 101
Keller; bis umb zwölf uhren (1624)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft (1879) 251; es ist zwölf uhr Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1502
b; punkt zwölf uhr G. Keller
ges. w. (1889) 1, 272; um zwölf uhr acht Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 62; umb zwelffe (1538) Luther 46, 257
W.; z' nacht am zwelfi Friedli
Bärndütsch 5, 154; halber zwölfe Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1502
b; nachts halb zwölfe (1776) Göthe IV 3, 43
W. umgangssprachlich: zwölfe
12 uhr Fischer
schwäb. 6, 1477; zwelfe läuten Schmeller
bayr. wb. 2, 1176; 's gieht of zwelfen Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 723
a; sis æ færd (uf) dswælfə
es ist ¼ 12
uhr Philipp
Zwickau 58.
an die uhrzeit knüpfen viele im volksmund gebräuchliche redensarten und sprichwörter an, die zum teil eine spezielle übertragene bedeutung aufweisen: zwischen zwölf und mittag gar vieles noch geschehen mag Simrock
sprichw. 669; tûsken twialben un eine send oalle düfels (
geister) to beine Wander
sprichw.-lex. 5 (1880) 678; das halt von zwelf bis medda '
das hält gar nicht' Schön
Saarbrücken 236
b; es währt von zwölfe bis mittag (
es dauert nur kurze zeit) Binder
sprichwörterschatz (1873) 222; ê schlôen, dat e net me
i wêss, ob et zw
ielef auer oder möttech ass
Luxemb. ma. 512
a; da hts zwölfi gschlagen '
ist das ende da' Jakob
Wien 233
b; bei dem hat's 12e g
eschlage
n mit ihm geht's aus Fischer
schwäb. 6, 1477; es ist schon drey viertel auf zwölfe mit ihm Kretschmann
s. w. (1784) 4, 69. 44)
in unbestimmter zahlangabe, formelhaftes etwa zwölf
o. ä. zur bezeichnung einer ungewissen, ungefähren menge: bei zehen oder zwelf mältriger seck
Zimmer. chron. 2, 375
Barack; knaben und meydlin von zehen, zwelff jaren (1544) Luther 52, 722
W.; etwa ain zehen ader zwelff tage Luther
br. 11, 103
W.; zwölff oder funffzehn gülden Ringwaldt
lauter warheit (1588) 30; vor zwölf bis vierzehn tagen Schiller
br. 2, 288
Jonas. der zahlbegriff ist verdunkelt in der stilistischen figur der hyperbel: daz ich zwelf zungen trüege in min eines munde Gottfried v. Straszburg 4608
Ranke; an denen (
dummen menschen) ... zwölf tischler ... sich müde hobeln müsten Stoppe
Parnasz (1735) 443; und wenn ich zwölf händ hätte und deine gnad wollt mir nicht, was würden sie mir fruchten Göthe I 8, 17
W.; der nähm
e e
ine sach
e mit 12 finger
n Fischer
schwäb. 6, 1476.