zuversicht,
f. ,
ursprünglich das voraussehen auf etwas oder eine person, s. versehen,
th. 12, 1236
ff.; sich
versehen 1247, sich versehen
mit der präp. zu 1251.
ahd. mhd. zuoversiht Graff 6, 126,
mhd. wb. 2, 2, 284; Lexer 3, 1199;
mnd. tôvorsicht Schiller-L. 4, 602;
mnl. toeversicht Verwijs-Verd. 8, 504.
vgl. auch nachsicht
th. 6, 1404. 11)
die erwartung des künftigen, sei es gut oder böse, nur in der älteren sprache: man vindet dâ (
in Rom) dehain zûversicht rechtes noch genâden Heinrich von Melk
erinnerung 400
H.; von der vorhte zuovirsiht, ob im werde ein sun geborn Rudolf von Ems
weltchr. 8891; nâch tôde enhâst du zuoversiht (
in der richtung auf niur einen kranken hort
den tod) Frauenlob
spr. 330, 19
Ettm.; von hertzen liebe schaiden, das tuot we! doch pesser wär ein zuversicht, dann das es nymmer mer geschicht
liederb. der Hätzlerin 9; die wirm verzerent das fleisch in dem grabe, das ist uwer aller zuvorsicht
Alsfelder Passionssp. 2191
Gr.; schentlich zuversicht und schemlich anferunge, die betwingen euch groblich an aller state
ackermann aus Böhmen 4
B.; o laidige z., wie wenig achten des die tummen! 32; so stehet Frankreich mit dem keiser in boser z. Luther
br. 5, 209
de W. bis ins 16.
u. 17.
jh. erhält sich über, wider z. '
wider erwarten': da ist am stillen freitag uber z. ein feuer auskommen
M. Dreszer
sächs. chr. (1596) 256; wider die z. Xylander
Polybius 487; wider jedermanns z. Zinkgref
apophthegmata (1628) 46; wider z. Jac. Ayrer
proc. juris 434. 22)
die erwartung dessen, was man wünscht, hoffnung: der werlte an vreuden zuoversiht
Winsbecke 12, 3; ich hân vil starke zuoversiht daz si gesunden mache dich Konrad v. Würzburg
Engelhart 6334; mich wundert daz ich mazzes iemer willeclich enbîze und daz ich in der zuoversiht diu mîniu jâr verslîze, sît des tôdes wîze ze jungest mich ersterben wil
lieder u. spr. 32, 347; etlich gewunnen zuoversiht zuo im nâch der boten sag Ottokar
östr. reimchr. 1708
S.; ich hett ains mals guot zuversiht zu ainer schonen dieren
liederb. d. Clara Hätzlerin 279; ez heizet eteswâ gedinge, eteswâ zuoversiht, eteswâ hoffenunge, ez heizet in latîne
spes Berthold v. Regensburg 1, 46
Pf.; die z. unsers nachkommenden geschlechtes
erste dt. bibel 7, 26
K. (
Tob. 10, 4,
bei Luther
abweichend); denn seine z. vergehet und seine hoffnung ist wie ein spinnewebe
Hiob 8, 14; habe ich das gold zu meiner z. gestellt und zu dem goldklumpen gesagt: mein trost? 31, 24; narr, wurauf stet dein zuoversicht? bald muostu für das höchst gericht Schwarzenberg
Cicero (1535) 135; darumb ist es nur ein betrogene zuheylung, in der kein beständige z. zu haben ist Paracelsus
chir. (1618) 155
H.; ein thorächtige z. Frisius 1245
b. 33)
von früher zeit ist es das vertrauen auf gott und das was er gewährleistet: den skilt, daz chît tes muotes festi unde gotes zuversihte Notker 1, 32
P.; min trost und z. lit genzlich an dinem lidene Seuse 127 (tr. u. z.
überall bei S.); die krefte alle, das ist geloube, zuoversicht und minne Tauler
pred. 254
V.; sun, hab z.
erste dtsche bibel 1, 32
K.; so gib uns durch die selb barmhertzigkeit in unser hertz ein tröstliche z. deiner vetterlichen lieb Luther 10, 2, 395
W.; denn dein z. stehet allein auf Christum 17, 1, 367
W.; auf die z. seines sons fürbitt, blut und tod Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 4
b; zuo dir stadt all unser z. Eberlin v. Günzburg 1, 2
ndr.; meine z. und meine burg, mein gott, auf den ich hoffe B. Schupp
freund in der not 48
ndr. denn welcher seine zuversicht auf gott setzt, den verläszt er nicht Neumark
fortgepflanzter mus.-poet. lustw. 30; Jesus, meine zuversicht und mein heiland ist im leben Luise Henriette v. Brandenburg
bei Fischer-Tümpel 5, 576.
häufig in der geistlichen poesie des 17.
u. 18.
jh. als reimwort A. Silesius
heil. seelenlust 10
ndr.; P. Gerhard
bei Fischer-T. 3, 402
a; B. Neukirch
ged. (1740) 88. 44)
von dieser vorwiegenden verwendung her hat das wort im nhd. den sinn des festen, untrüglichen angenommen Eberhard
synon. 4, 142; Weigand
syn. 2, 94: gewisse, feste z. Kramer; in unzweiffentlicher z. von denen kreisständen alle mögliche hülffe und assistentz zu haben Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653), 79; und steife zuversicht, die uns als mauer schützet, Triller
poet. betr. 1, 63; darum ich mich der unfehlbaren z. erfreue, du werdest die stärke dieses armes ferner gesegnen Schottel
friedenssieg 23
ndr.; und hatte die geheime kraft, vor gott und menschen angenehm zu machen, wer in dieser zuversicht ihn trug Lessing 3, 90
M. (
Nathan III 7, 401); hoffnung, die bei ihm z. war Herder 23, 493
S.; jene stolze z., dasz es nicht schlechter werden darf und dasz es besser werden musz E.
M. Arndt
für u. an s. l. Dtschen 2, 461; die unbesonnene z. L. s auf leere worte Dahlmann
frz. revol. 291; indem Luther sie (
die menge) übersah, verwandelte sich in ihm der kühne muth in feste z. Ranke 1, 334; trotzdem war seine z. hin und einem starken zweifel gewichen Fontane I 6, 150; mit ruhiger z. einem angriff von auszen entgegensehen Moltke 7, 115. der z. leben
im 17.
jh. Lohenstein
Armin. 1, 429
b (1689); J. Grob
dicht. vers. (1678) 5.
auszer dem üblichen auf
ergänzt durch zu
und in: eine vermessene z. zu seiner unschuld Lohenstein
Armin. (1689) 1, 150
a; ihre z. in die preuszischen waffen und in die bedeutung ihres mannes
bei Moltke 1, 156.
syntaktische ergänzung durch infinitiv und nebensatz: die z. ..., dem kaiser ... einen unüberwindlichen widerstand entgegensetzen zu können Ranke
s. w. 3, 118; er war in der z. gestorben, dasz gott seine busze angenommen habe Fontane I 1, 20. 55)
von da aus ist es das vertrauen, das man auf sich und seine fähigkeiten hat, in neuerer zeit mehr und mehr: ein exempel guter z. und kekken muthes
Reinicke fuchs (1650) 111; er weisz, was tugend kan, wenn sie vernünfftig wagt; und seine zuversicht hat furcht und feind gejagt v. Besser
schr. 1, 48
König; die z., die sie zu sich selbst gefaszt hatten, machte sie fast unüberwindlich A. v. Haller
Usong (1771) 4; in eben demselben tone der z. Kant 3, 197
ak. ausg.; die z. der leidenschaft ist grosz, aber wir sehen sie doch gar oft an dem ihr entgegenstehenden wirklichen scheitern Göthe 29, 63
W.; eine gewisse z. zu sich selbst Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 41; alles war gutes muths und voller z. Göthe 33, 18
W.; Shakespeares figuren haben eine z. auf sich, eine selbständigkeit O. Ludwig 5, 419
E. Schm. mit z.
etwa wie getrost: meint ich doch, man dürfte in dieser argen welt mit z. nehmen, was man von ihr ohne stehlen bekommen kann Ulr. Bräker
s. schr. 2, 164; (
W.) ergriff mit z. die feder, um einen brief zu schreiben Göthe 22, 8
W. 66)
mundartlich, auf 1
beruhend: das ist eine schöne z. (
eine schöne geschichte!) Seiler 328; Martin-Lienhart 3, 325; Dellit 240 (
Kleinschmalkalden). —