zusprechen,
v. ,
mhd. zuosprechen
mhd. wb. 2, 2, 57
a; Lexer 3, 1188,
mnd. tôspreken Schiller-Lübben 4, 591,
ebenso mnl., afries., nl. 11)
zu jemand sprechen, alterthümlich und nicht eigentlich üblich, s. zusprache: da nun seine brüder sahen, dasz ihn ihr vater lieber hatte, denn alle seine brüder, waren sie ihm feind und konnten ihm kein freundlich wort zusprechen
1. Mos. 37, 4; do was kein underscheid under Schwaben und Schwitzern, sprachen einandern zuo wie lantzlüt Th. Platter 20
B.; wer auf der gassen dir zuospricht und grüszt dich, disem antwort nicht K. Scheidt
Grobianus v. 1050
ndr.; auf das beste dancke ich dir, mein werther, für das gute wort, das du mir zusprichst Göthe IV 11, 250
W. besonders freundlich, tröstlich, ermunternd z.: hettestu uns vormals gutlichen zugesprochen
ackermann aus Böhmen 39
B.; sprich meiner seel ein hertze zu und tröste mich aufs beste Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 390
a; sie haben wohl gethan, ... dasz sie unsern mitarbeitern so ernstlich zusprachen Göthe 22, 180
W. auch wie zureden: do sprachen sie dem schiflin zu, das es jetzund sein bestes thu Fischart
glückh. schiff v. 431
ndr.; der mir schon früher zum studium irgend einer wissenschaft zugesprochen J. Kerner
bilderb. 383.
einem grob, übel, hart z.: also sol ich meinem nehisten helffen, ..., yhn vertedigen, wa man yhm ubel zuspricht Luther 19, 320
W.; wenn inen der herr darumb zuspricht Schade
sat. u. pasq. 1, 170.
thieren beruhigend z.: ochsen Sebiz
feldbau (1579) 125, tauben 114, pferden Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 40; popysma das z. und pfeiffen an die pferde
nomencl. hamb. (1634) 374. den hunden z.,
waidmannswort: seim leithund er hoflich zusprach, wie dann das ist nach jägers sitt
Theuerdank 98
G.; doch müssen gute jäger zu rosz vorhanden sein, die ihnen z., nachjagen und erlangen lehrnen
neues jägerb. (1590) 16
a.
ähnlich: die busauner konten nit lermen blasen noch irem volck z. Seb. Franck
chr. Germ. (1538) 118. 22)
in verschiedener weise auf das trinken bezogen. 2@aa) einem mit dem trinken z. Kramer 2, 855
c: denen er mit dem trunck trefflich z. liesze Grimmelshausen 2, 26
Keller; so musz unser hoffmeister seiner alten gurgel z. und musz den creditoren tag und nacht voll sauffen B. Schupp
schr. (1663) 26. 2@bb)
getränken z. Kramer: da nun alle die könige anfingen dem meth und äpfelwein tüchtig zuzusprechen Brentano 5, 242.
in weiterer anwendung: demselben (
hafer) sprechen sie (
die hirsche) recht zu H. W. Döbel
neueröffn. jägerpract. (1754) 1, 13; (
der wald) ist aber sehr ausgehackt, weil die gesamte nachbarschaft seinem holtze zuspricht J. W. Valvassor
ehre d. herzogth. Crain (1689) 1, 146; bei den kühen, die ebenso oft den jungen baumspitzen als dem grase zusprachen A. v. Droste-Hülshoff 2, 281. 2@cc)
hierzu auch die veraltete wendung den füszen z.
u. ä.: indem wir unsern füszen gleichsam über vermögen zusprachen, kamen wir desto ehender durch den bosch Grimmelshausen 2, 240
Keller; was nicht den füszen zusprechen mag, wirdt entweder erstochen oder gefangen Kirchhof
militaris disc. (1602) 161.
auch in der wendung: ich trug getrost die sonnenhitze und sprach auch meinem braunen zu Fr. Kind
gedichte 1, 212. 33)
vereinzelt für versprechen: wo bleibt die grüne treu, wo der verliebte schwur, der neulich, falscher, dir aus deinem munde fuhr, als Charatine dir das herze zugesprochen Hoffmannswaldau 1, 58
Neukirch. wie entsprechen: was dieser absicht also nicht vollkommen zusprach, ward verändert Lessing 9, 353
M. wie zusagen: alle süszen worte und gesangsweisen können, wenn unser herz ihnen zuspricht, auch die unsrigen werden Herder 12, 235
S.; blumen und blüthen sprechen dem auge zu Göthe 49, 380
W. 44) einem, bei einem z.
für einen kurzen förmlichen besuch Kramer: unterschiedliche leute von consideration allhier, denen er auf mein zureden zugesprochen, haben ihm gleich wieder visite gegeben Leibnitz
dtsche schr. 2, 16; weil mir ein fremder zugesprochen Chr. Wolf
ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 95; fremde, ... die zusprachen, muszten mit den untersten plätzen vorlieb nehmen Göthe 28, 135
W.; sprecht doch dort in meiner hütte zu maler Müller 1, 195; kränklichkeit und mancherlei sorgen haben ... fleiszig bei mir zugeprochen
aus Schleiermacher
s leben 1, 101; dasz er ... in allen wirtsstuben zuspricht Anzengruber
ges. w. 1, 199.
in der handwerkerspr. um arbeit fragen: eines tages ... kam unverhofft noch ein fremder geselle zugesprochen G. Keller 4, 224.
aber auch vom meister, der den gesellen in arbeit nimmt: so sprech ich dir zu nach handwerksgebrauch auf vierzehn tage J. Meszner
handwerksburchen 61
bibl. dtscher schriftst. aus Böhmen 7. 55)
mit acc., auf nd. gebiet: wenn man einen advocaten zuspreche
Reineke fuchs (1650) 260; dasz er in langer zeit nicht hätte das glück gehabt, dasz ein Teutscher ihn zugesprochen hätte Chr. Reuter
Schelmuffsky 2.
fass. 65
ndr. 66)
mehr aus dem allgemeinen begriff des rechtsprechens als aus der eigentlichen übung des rechtslebens sind die verschiedenen anwendungen erwachsen, die etwa dem lat. adjudicare entsprechen, s. Frisius 745
a. 6@aa)
mit der vorstellung des urtheils: wie dem abt das urthail zuogesprochen wurd Knebel
chr. v. Kaisheim 211
lit. ver.; alhie (
in der ehe) hastu gottes wort, welchs dir die fraw odder den man zuspricht Luther 34, 1, 52
W.; die unkosten des rechtes einem z.
nomencl. hamb. 516; also kannst auch du keinem das todesurtheil z. Bettine
dies buch gehört dem könig 2, 309; jetzt wurden die verlassenen lande ... herzogs Georg durch kammergerichtliches urtel den herzogen von München zugesprochen Ranke
s. w. 1, 106.
auch bei einer auction H. Decimator
thes. einem den preis z.: bis einem andern der preis ... von einsichtsvollen richtern zugesprochen wird Just. Möser 3, 281. 6@bb)
wie zuschreiben,
s. d. w.: wenn irgend ein tonkünstler aus diesem kleinen versuche mir einiges talent für musikalische poesie zuspräche Brentano 7, 220; wer wollte anstand nehmen allen partikeln ... gleichen ursprung aus sinnlichen wurzeln zuzusprechen? Jac. Grimm
kl. schr. 7, 249; ich habe dem herrn vorredner in keiner weise die absicht einer verbreitung falscher meinungen zugesprochen oder ihn einer solchen beschuldigen wollen Bismarck
polit. reden 4, 325.
auch sich etwas z.: sein karakter ist für die hohe rolle, die er sich zuspricht, zu pralsüchtig E.
M. Arndt
für u. an s. l. Deutschen 3, 328.
ggth. absprechen: disz sprechen ich nit ab ... und ich sprechens auch nit zu, wann solche dinge seyn auch von naturen Seuse 524
Bihlm.; der unverschämte H. spricht dem wohlklingendsten der lyrischen Römer allen wohlklang ab, alle barbarei zu Herder 3, 341
S. 77)
als verb der rechtsprache hat es sich in spuren erhalten, s. Schiller-Lübben 4, 591
u. Verwijs-Verdam 8, 477,
sowie zusprache.
einen rechtsanspruch erheben: so mag der amptman darnach zu idem gericht ine zusprechen und die busz von ine nemen
weisth. 6, 16; sy solt des edelmans weib mit recht fürnemen für den künig ... und ir z., sy het gelt eingenomen mit namen neunhundert cronen, die ir doch nit zustünden
Fortunatus 100
ndr.; ob ihm sein herr darumb zuspreche, das er sich verjähret hette Chr. Zobel
sächs. lehnrecht (1589) 66
a; und der sprach demselben Friderich zu kempfen zu E. Windecke
denkwürdigkeiten 191.
auch wie einrede thun Reutter von Speyr
kriegsordnung 44. —
häufig der inf. als subst.: es war auch derselbig Philippus ein man freundliches zusprechens Seb. Franck
zeitb. (1531) 63
a; ein innerliches zusprechen Chr. Scriver
seelenschatz (1638) 731; da wolte kein z. der verwandten bey mir hafften Grimmelshausen 2, 515
Keller; in betracht ihres zusprechens Göthe IV 40, 235
W.; aus deinem z. zu gott Grimmelshausen 2, 478
Keller; sie hatte aber auf sein z. die abrede genommen, es dergestalt nicht mehr zu wagen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 305; mit frölichem angesicht und freuntlichem z. Seb. Franck
chr. Germ. (1538) 20
a; (
er) machte mit kräftigem z. ... den seinen ein hertze Lohenstein
Armin. 2 (1690), 284
b; ungeachtet des fremden zusprechens Moscherosch
ges. (1650) 2, 208. —