[]zitrone,
f. , (
auch zitrin),
citrus medica L.; vgl. Marzell
pflanzenn. 1, 1031.
nl. citroen,
engl., frz., schwed., dän. citron.
in der form zitrone (
zu zitrin
s. 3zitrin)
entlehnt aus it. citrone;
einige endungslose formen im dt. (
s. u.)
lassen auch einwirkung von frz. citron
vermuten. —
das genus hat sich wie bei limone
vom masc. im it. und frz. zum fem. im dt. gewandelt, bei Hohberg
steht aber auch im dt. das masc.: dieses zitrons
georg. cur. 1 (1682) 223; den zitron
ebda 224,
neben dem fem.: von einer eingemachten zitron
ebda 222.
gelegentliches tt
deutet wohl die auch heute umgangssprachlich verbreitete kurze offene aussprache des i
an, vgl. die komposita: zitteronsafft (1554)
Augsb. kochbuch (1886) 9
d; cittronenpulver Elisabeth Charlotte v. Orleans
br. (1721—22) 261
Holland. mundartlich entsteht in der gruppe tr
gelegentlich ein sproszvokal: citerone Albrecht
Leipzig 23; dsìdər A. Lang
Zschorlau 32.
betontes ō
der endsilbe erscheint in mehreren, bes. westdt. maa. als ū: zitrún Rovenhagen
Aachen 168; citruen, zitruen Niessen
rhein. volksbotanik 1, 271; tsitrúnn Lenz
Handschuhsheim 80; tsitrúunə Meisinger
Rappenau 213.
der sg. in älterer zeit auch ohne auslautendes e: zitron, citron, zitrone Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1469
b; citron Frisch
t.-lat. (1741) 1, 170
c;
ein schwacher sg. bei Scriver: von einer citronen
seelenschatz (1737) 1, 374
b;
der nom. pl. ist in älterer zeit neben üblichem zitronen
gelegentlich kontrahiert: citron Martius
v. d. feldbau u. ackerwerck (1580) 78; zitron Guarinonius
grewel (1610) 537.
in den kompositis steht in älterer zeit zitron-
neben zitronen-: citronäpffeln Gäbelkover
artzneyb. (1596) 2, 178; citronenapffel
ebda 1, 55; zitronbäume Lohenstein
Arminius (1689) 2, 81
a; citronenbaum
M. Herr
feldbau (1551) 123
a.
in jüngerer zeit begegnet zitron-
nur noch vereinzelt: zitrongelben J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 403; zitronvogel Brehm
tierl. 6, 68
P.-L. auszer der nebenform zitrin,
die bereits im frühen 15.
jh. belegt ist und bis ins 17.
jh. vorkommt, erscheint bis zum ende des 17.
jhs. eine aus dem ital. plural citroni
übernommene form, die im dt. als sg. aufgefaszt wird: über den citroni Hohberg
georg. cur. 1 (1682) 224
und deshalb im pl. zusätzlich mit der dt. endung versehen wird: citronien Frisius
lat.-germ. (1556) 229
a; Maaler
teutsch spraach (1561) 84
b; Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 4 (1644) 431.
neben dem üblichen zitron-, zitronen-
findet sie sich auch in zusammensetzungen: citronbaum ... citronienbaum Frisius
lat.-germ. (1556) 229
a; pomerantzen, limony und zitronyschelffen Guarinonius
grewel (1610) 536; mit citronenblühe oder ... citroniwasser Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 247; zitronisaft Abr. a
s. Clara
w. 2, 197
Strigl; citronensafft
ders., Judas 3 (1692) 225.
eine der citrusarten, deren heimat Indien, China und der Malaiische archipel ist und zu denen auszer der zitrone auch die apfelsine, pomeranze und pampelmuse gehören, wird den Griechen auf den Alexanderzügen in Persien bekannt und zuerst von Theophrast beschrieben; die frucht, die auf dem handelswege bald nach Griechenland, später auch nach Rom kommt, wird nach dem herkunftsort μῆλον μηδικὸν '
medischer apfel'
genannt. in Rom wird der bis kopfgrosze, stark duftende und deshalb zum schutz gegen ungeziefer gern in kleidertruhen gelegte malum medium
mit der dickfleischigen schale (
wohl die bei uns zitronatzitrone
genannte unterart von citrus medica L.)
vom volke für die frucht eines der zeder (
lat. cedrus)
ähnlichen afrikanischen nadelbaums (
lat. citrus)
gehalten, dessen holz gleichfalls zum schutz gegen ungeziefer verwendet wurde; vgl. Hehn
kulturpfl. u. haustiere (
81911) 442
f.; F. Seiler
kultur im spiegel d. dt. lehnworts 32, 233
f.; Hegi
ill. flora v. Mitteleuropa 5, 1, 56
f.; anders Walde-Hofmann 1, 223.
als im 3.
jh. n. Chr. der zitronatbaum auch in Italien selbst angepflanzt wurde, war die bezeichnung malum citreum
oder citrum
für die frucht schon so allgemein, dasz sich der irrtum trotz des bemühens [] römischer schriftsteller nicht mehr beseitigen liesz und citrus
die bezeichnung auch für den zitronatbaum blieb. die nun einmal hergestellte verbindung zwischen einem zederähnlichen baum und dem zitronatbaum sowie der lautliche zusammenfall von lat. cedrus, citrus >
it. cedro '
zeder, zitronatbaum'
mögen der grund sein, dasz im mlat. die frucht des zitronatbaums und später auch die des zitronenbaums (
s. u.)
gelegentlich mit pomum cedri (
oder ähnlich)
und im dt. entsprechend mit zeder(baum)apfel
bezeichnet wird. mhd. noch in lat. form: poma cedri pomcedern (13.
jh.)
ahd. gl. 3, 385, 67
St.-S.; 386, 59.
später in dt. übersetzung: pomum cedrinum ceder pam apphel (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 446
c;
cedripomum ein zederapffel
voc. ex quo (15.
jh.) d 6
a;
limone, lemone, frutto noto cederapffel, lymon Hulsius
it.-teutsch (1618) 228
a.
wahrscheinlich im 13., 14.
jh. kommt unter dem türk. namen limon
und dem arab. laimūn (
beide <
pers. līmūn)
die kleine, dünnschalige, saftreiche varietät von citrus medica, unsere zitrone,
nach Europa. Italien gibt die bald in der arzneikunst, vor allem aber in der küche gern gebrauchte limone
mit dem namen nach Deutschland weiter. im dt. sind benennungen für früchte von citrus medica seit ende des 15.
jhs. durchlaufend (
vereinzelte frühere nennungen s. Marzell
a. a. o.)
belegt. zunächst: zeder(baum)-apfel (
s. o.), zitrinapfel;
seit der ersten hälfte des 16.
jhs.: zitrin, zitrinatapfel, zitrinat(e), zitronapfel (
s. d.), zitrone, zitronatapfel (
s. d.), zitronat(e) (
s. d.), limonapfel, limone.
während it. citrone,
das anscheinend schon um 1700
veraltet ist und durch das synonyme cedro
ersetzt wird, die zitronatzitrone bezeichnet hatte, geht es bei der entlehnung ins dt. auf die andere art von citrus medica über und verdrängt nach und nach die herkömmliche bezeichnung limone,
das heute nur noch in den österreichischen, hierin offenbar vom it. beeinfluszten dialekten lebt. 11) zitrone
als frucht; vgl. zitronenapfel 1
sowie als verdeutschungsversuch goldapfel 1 c (
teil 4, 1, 5,
sp. 713).
lexikalisch seit der mitte des 16.
jhs. belegt: citrea mala citronien oder pomerantzenöpffel Frisius
dict. (1556) 229
a; citronen
malum citreum, citromalum, medicum malum, hesperium, assyrium Schönsleder
germ.-lat. (1618) K 1
b; citrone
limone, citrone, kleine citron
limoncello Kramer
t.-ital. (1678) 318
b; grosze zitron
cedro, cedrone ders., t.-ital. 2 (1702) 1469
b; die citrone Adelung 1 (1774) 1207. 1@aa)
allgemein für die frucht von citrus medica oder ohne bestimmten bezug auf eine der arten: ein wort geredt zu seiner zeit, ist wie gülden epffel in silbern schalen Luther
sprüche Sal. 25, 11,
dazu randglosse: pomerantzen und citrin
bei Dietz
wb. zu Luthers dt. schr. 1, 377;
im anschlusz an Luther: denn ein solchs wort zu bequemer zeit geredt, wie könig Salomon saget, ist wie ein pomerantzen, und ein citrin in silbern schalen Mathesius
Sarepta (1571) 133
b; pomerantzen, citronen, melonen, granatäpffel und dergleichen in silbern und hüpsch auszgearbeiteten schalen Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 463.
in anderem zusammenhang: westwegen seyn (
d. Hercules) ertztenes bild ... drei zitronen trüge Lohenstein
Arminius (1689) 2, 341
b; mein eigentlich wohlleben aber ist in früchten, in feigen, auch birnen, welche da wohl köstlich sein müssen, wo schon citronen wachsen Göthe I 30, 42
W. umgangssprachlich bezeichnete zeitweilig zitrone
alle frischen früchte der zitronenarten, limone
hingegen alle eingesalzenen; vgl. Woyt
gazophylacium medico-phys. (1716) 538; Adelung 3 (1777) 220; Krünitz
öcon. encycl. 79 (1800) 173. 1@bb)
die grosze dickschalige zitronatzitrone, aus der das zitronat hergestellt wird: die limonen sein etwas länger, haben bleyche farb, eynen sauren geschmack, sein nicht alleyn inn die kuchen gut, sondern auch zu der artzenei sehr dienstlich, dann sie erfrischen, zertheylen und tringen durch. die citronen sein lang
[] und haben fast eyergestalt und eyne dicke und auszwendig gälbe rinde, seind sauer: werden zu der hertzartzenei und zu den antidotis gebraucht Sebiz
feldbau (1580) 281; es werden auch die citronen mit honig oder zucker eingemacht auff solche weiss: schele die gelbe rinden von den äpffeln, schneide das weisze marck in runde oder lange stück Tabernämontanus
neuw kreuterb. (1591) 659
a; alle köstliche eingemachte früchten im honig oder zucker als kütten, zitronen, weixlen Guarinonius
grewel (1610) 537; der bekannteste limonienbaum ist eine abänderung des citronenbaumes, dessen frucht kleiner, eyförmiger, und kürzer ist als die citrone, auch eine blässere farbe, dünnere schale und mehr mark hat Adelung 3 (1777) 220. 1@cc)
die heute überall in Deutschland bekannte frucht (
it. limone),
deren saft gern als arzneimittel angewandt wird, die aber besonders als zusatz zu speisen und getränken, sowie zur limonadebereitung verwendung findet. da die zitronatzitrone in Deutschland kaum handelsüblich gewesen sein dürfte, sondern wie noch heute nur ihre candierte schale, das sog. zitronat (
s. d.)
oder die succade,
beziehen sich die folgenden belege wohl meist auf die frucht der kleineren unterart von citrus medica L.: nim roszenwasser, und safft von citrinen (
mittel gegen flechten) Gersdorff
wundarzney (1517) 81
c; wellicher sich hoch beklagte, das er die gebratne repphüner ohne pomerantzen und zitronen essen müszte Guarinonius
grewel (1610) 93; citronen musz man mit zucker essen Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 95; ach herr wirth, ist keine citrone da, die galle läuft mir in magen C. Weise
erznarren 146
ndr.; bei Niethammern habe ich auch ein neues getränk kennen lernen ... es wird aus portwein, zitronen, zucker und muskatnuss warm bereitet (1801) Schiller
br. 6, 250
Jonas; ich sehe den schwarzen sarg, die träger mit gelben zitronen und rosmarin in der hand seitwärts aus dem fenster noch im geist vorüberziehn J. Grimm
kl. schr. (1879) 1, 1; (
er) brachte aus seinen taschen jetzt auch noch mehrere zitronen und eine löschpapierne tüte mit gestoszenem zucker zum vorschein W. Raabe
s. w. I 2, 346; nehmen sie zucker und vielleicht zitrone? ich habe in Ruszland gelernt, den tee mit zitrone zu trinken Rilke
ges. w. (1927) 4, 56; limonade ... aus zucker und steinharten zitronen A. Zweig
eins. e. königs (1950) 303.
häufig in farbvergleichen (
s. a. zitronengelb): Gerngrosz wurde gelb wie eine blasse citrone. ein vorgefühl dessen, was ihm bevorstand, trieb das blut aus seinen blühenden wangen und die galle hinein Holtei
erz. schr. (1861) 24, 269; einige (
eier) wurden schön himmelblau, andere gelb wie zitronen Ch. v. Schmid
ges. schr. (1856) 1, 197.
die redensart die zitrone bis auf den letzten tropfen ausdrücken (Wander
sprichwörterlex. 5 [1880] 594)
wird in dem vergleich ausquetschen, auspressen wie ein zitrone
häufig auf menschen angewandt, die physisch oder geistig bis zum letzten ausgeschöpft werden: wir haben nichts aus dem halunken herausgebracht ... und haben ihn doch gequetscht wie eine zitrone Holtei
erz. schr. (1861) 5, 127; die leute mit den armbinden pressen die schwachen aus wie zitronen A. Zweig
eins. e. königs (1950) 375.
von einem menschen, der für den andern wertlos geworden ist, nachdem er ihn ausgenützt hat, sagt man: wenn die citrone ausgedrückt ist, wirft man sie weg Wander
sprichwörterlex. 1 (1867) 539.
dazu: aber mein gnädiger herr sind auch nicht etwan so — wie es manche giebt — die schale weggeworfen, wenn die zitrone ausgedrückt ist Iffland
theatr. w. (1827) 1, 184; (
Bismarck liesz sich mit sozialdemokraten nur ein,) um sie in seinem interesse zu verwenden und nachher wie ausgepreszte zitronen beiseite zu werfen Bebel
a. m. leben (1946) 2, 10. 22) zitrone
als baum, vgl. zitronenbaum.
im sinne von zitronatbaum: unterscheid zwischen pomerantzen,
[] citronen und limonen (
frz. vorlage: orëgers, citronniers, limoniers). die früchte von diesen bäumen sein unter sich selbs nicht eynerley Sebiz
feldbau (1580) 280; die pomerantzen nun wöllen eben den fleisz und die wart haben wie die citron und limonen Martius
v. d. feldbau u. ackerwerck (1580) 78.
meist wohl für citrus medica L. allgemein, ohne bestimmten bezug auf eine der arten: von den stöcken unnd zweigen werden gepflanzet mandelbäum, byrbäum, maulberbäum, cytronen
M. Herr
feldbau (1551) 120
b; dazwischen standen wieder gewaltige kübel mit apfelsinen und zitronen (
in einem schloszgarten) Gaudy
s. w. (1844) 2, 50. Göthe
faszt das bild des zitronenbaums mit seinem nebeneinander von blüte und frucht in die bekannten verse Mignons: kennst du das land, wo die citronen blühn, im dunkeln laub die goldorangen glühn? I 21, 233
W.; auch an einer andern stelle des Wilhelm Meister wird die zitrone zum sinnbild der sonnig-glücklichen italienischen landschaft: nun ..., da ich an dem busen eines himmlischen mädchens wieder fühle, dasz ich bin, ... nun eröffnet ihr die flammen eurer höllen ... und stellt sie dem lebhaften, wahren unzerstörlichen genusz der reinen liebe entgegen! ... besucht uns an jenen spalieren, wo die citronen und pomeranzen neben uns blühn
ebda 23, 268.