Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
zeter
zeter
zetern Vb. ‘wehklagend schreien’ (18. Jh.), ‘keifend schimpfen’ (19. Jh.), abgeleitet von zeter Interjektion, mhd. zēter, zēther, auch (unter Einfluß von zittern?) zetter, ursprünglich (2. Hälfte 13. Jh.) Not- und Hilferuf eines Angegriffenen bei Mordversuch, Raub, Diebstahl, Vergewaltigung, der die Mitbürger zur Hilfe und zur Verfolgung des Täters verpflichtet; dann Anklageruf zu Beginn der Gerichtsverhandlung, der vom Kläger dreimal erhoben wird (um 1300, vgl. Zeter schreien, um 1400), woraus sich ein allgemeiner Klageruf entwickelt. Die ursprünglich omd. Interjektion breitet sich im 16. Jh. ins Obd., Anfang des 17. Jhs. ins Nd. aus; vgl. ähnliche Not- und Hilferufe wie mhd. (frk. obd.) wāfen(ā), jüngeres alem.-rhein. mordio (15. Jh.) und mnd. tiōdūte, tō jōdūt(e), jōdūte. Die Etymologie ist umstritten. Nach in: Studia Neophilologica 11 (1938/39) 318 ff. entstanden aus (mhd.) ze æhte her ‘zur Verfolgung her’ (s. 1Acht; das ē in zēter wird als md. Wiedergabe von mhd. æ in æhte gedeutet). Dagegen führt Clamor (1941) 170 ff. mhd. zēter und mnd. tiōdūte auf *zi-jōthera ‘zum Kampf her’ bzw. *ti-jōd-ūta ‘zum Kampf heraus’ zurück, Bildungen zu germ. *jauð- (ahd. *jōt, mnd. *jōd) ‘Kampf’, das er mit aind. yúdh- ‘Kampf’, yúdhyatē ‘(be)kämpft’, lat. iubēre ‘befehlen’, lit. judė́ti ‘sich bewegen, sich regen, sich rühren’ an die Wurzel ie. *i̯eudh- ‘in heftiger Bewegung sein, kämpfen’ anschließt. – Gezeter, älter auch Gezetter n. ‘lautes Geschrei, Wehklagen, Schimpfen’ (18. Jh.).