zeichnen,
verb. gemeingerm. j-
bildung von zeichen,
n.; got. taiknjan,
altn. teikna, tákna,
ags. tǽcnan,
afrs. têknia,
ahd. zeihhannen.
daneben tritt eine ô-
ableitung im ags. getǽcnian,
vielleicht auch im mnd. têkenen,
sodann im frk. zeihhonon
des Tatian (
neben -j-)
und im alem. (zaichnott Oheim
Reich. chron. 62
B., gezächnot Richental
chron. d. Const. conz. 72
B.)
und kärntn. (zeichenon
exod. 111
Diemer)
auf. während die ags. sprache durch schwund des stammhaften -n-
zu tǽcean,
prät. tǽhte táhte,
woraus ne. teach
und taught
entstehn, gelangt, kürzt die deutsche nur durch den üblichen vocalausfall (
ahd. zaihnit
neben ceichinit, kezeichender
neben gezeichenet,
s. Graff 5, 595. 597)
und seit der mhd., mnd. periode durch tilgung eines von zwei -n-,
danach also mhd. inf. zeichen,
präs. 3.
pl. zeichent.
selten begegnen n-
lose formen: zeicheten
cod. Tepl. 93, czeychete W. Gerstenberg
chron. 179
D., zeichet Harsdörfer
secr. 1, 716,
auch bei Luther
Jes. 44, 13; 7, 323
W. u. öft.; els. schwindet auch -e-: gezeichten Keisersberg
bei Martin-L. 2, 893
a, die ... gezaichten ... predigen Tauler
serm. regist. II
b b,
so noch modern mundartlich hier und in Lothringen. in der nhd. schriftsprache ist zeichnen, zeichnet
u. s. w. zur alleinigen herschaft gelangt. von beiden flexionsweisen des verbums lassen sich die zwei grundbedeutungen von z.
ableiten, die entstehn, je nachdem der nachdruck auf dem inhalt oder dem träger des zeichens ruht: in oder mit einem zeichen etwas angeben oder andeuten, einen mit einem zeichen versehen. beide sind im deutschen alt. II.
etwas in einem zeichen ausdrücken, mit einem zeichen angeben, anzeigen oder andeuten, durch zeichen zu erkennen geben, kennzeichnen, schildern, nachbilden. I@11)
zeigen, weisen; got.: sa izwis taikneiþ kelikn mikilata (
δείξει)
Mc. 14, 15;
auch reflexiv: us liutein taiknjandans sik garaihtans wisan (
ὑποκρινομένους, Luther: die sich stellen solten)
Luk. 20, 20;
in dem sinne ein zeichen geben noch einigemale belegt: do zaichent ich dem priester Marg. Ebner
offenb. 115
Str.; sol ich ihtz zaichenen mit dem haupt oder mit den henden
ebda; speciell: umme de gharen spise der en schal men nicht er utdregen, er men tekent (
das zeichen zur messe gibt)
Lüb. zunftroll. 204
Wehrm.; dat niemen blasen noch teekenen en sal met hornen na der sonnen Verwijs-Verdam 8, 192;
ähnlich vom stundenzeiger der uhr: er kOente die grosse uhr gebrauchen, die bis zu end des tages 24 stunden zeichne Harsdörfer
frauenz. 2, 142;
s. zeichner;
mit abhängiger satzconstruction im ahd. häufig: uuer gizeichonota iu zi fliohenne?
quis demonstravit vobis fugere? Tat. 13, 13,
woraus sich die bedeutung weisen, lehren, die sich im ne. teach
durchgesetzt hat, ergibt. I@22)
ein zeichen geben, a)
von göttlicher, überirdischer einwirkung, wunder thun: so beginnet er zeichenon
exod. 111
Diemer; vgl. Lexer 3, 1048; zu unser l. frowen ..., die zaichent fast
schwäb. 1500
Fischer 6, 1092;
selten trans.: dîn kraft vür alle krefte wunder zeichet
j. Titurel 62;
sprichwörtlich: du gleubest den heiligen nicht, sie zeichen denn Luther 19, 404
W.; Tappius
adag. R 3
b,
u. a.; deutlich in dem sinne unheil verhängen: es ist mit heiligen nicht gut scherzen, sie zeichen gerne Luther 19, 404;
vgl. sprw. klugred. (1548) 79
b;
im besonderen drein z.
drein fahren, gegen etwas vorgehn, einschreiten, eingreifen: weil denn gott so gewaltig drein zeichent und mit der straff tettlich solchen irthumb verdammet Luther 30, 3, 551
W.; 282
W.; unpers.: s zeechent
es spukt Müller-Fr. 2, 697
b; b)
von menschen, mit einem zeichen, einer geste, in haltung oder miene auf etwas antworten, reagieren; nur obersächs.-lausitzisch: da druf zeechente 'r nich
that nicht dergleichen, reagierte nicht, that nicht mit Müller-Fr. 2, 697
b; Gustav machte einen versuch, ihn beim ehrgefühl zu packen ..., aber auch hierauf zeichnete er nicht W. v. Polenz
Büttnerbauer 3, 416; c)
von menschen und thieren, zustand und befinden zu erkennen geben (
vgl. 3),
α)
vom angeschossenen wilde, das gleich nach dem schusz durch auffällige bewegungen oder sonstiges verhalten dem geübten jäger den sitz der kugel oder den fehlschusz zu erkennen gibt: Behlen
forst- u. jagdkde 6, 505; der rehbock zȧȧnget wunnerschii Müller-Fr. 2, 697
a;
β)
von jagdhunden: ein alter leithund musz, wenn er zeichnet, mit der nase genau in der fährte zeigen, stehen bleiben, den kopf in die hö
he werfen und nicht eher weiter fort suchen, bis man zu ihm gehet Heppe
jagdlust (1783) 1, 44;
lehrpr. (1751) 26; Behlen
forst- u. jagdkde 6, 505;
auch nld.: van Dale
6 1835
b;
γ)
von läufischen hündinnen blut verlieren Krünitz 241, 116. I@33)
in, unter zeichen zu verstehen geben, andeuten, aus drücken, darthun, darlegen, a)
demonstrare, significare, indicare: gizeihhonota thaz got uuar ist
Tatian 21, 7; die christenheit diu mit den chinden chore gezeichinot (
bezeichnet, gemeint) sint Notker
ps. 45, 1;
ps. 80, 5; tekende ene darmede enen tokamenden konnynck Korner
bei Schiller-Lübb. 4, 520
b; das sacrament des abendmals sol ... etwas furbilden und zeichen Luther 26, 411
W.; eyn bild, das yhn tzeychent (
repraesentet) 10, 1, 1, 181
W.; nu folget yhm alles auff den bedeutenden leib, was dem Ecolampad auff sein zeichenden leib folget 26, 490
W.; b)
anzeigen, hinweisen auf etwas: die morgenroten zeichenent tempestatem Notker 1, 329
P.; ich wæne iz schaden zeichent (
var. zeiget)
kaiserchron. 1655
Schr.; hierher ist wohl auch zu stellen im sinne von zaubern, um voraussagungen zu machen: die beschweerer, die das fihe und leutt segen, die schlangen betzawbernn, stall und eyssen vorsprechen und viell sehen und sauszen und tzeychen konnen Luther 10, 1, 1, 591
W.; c)
bezeichnen: Wodan zeichnete mit diesen seulen das ende seiner und den anfang gröszerer heldenthaten Lohenstein
Arm. 1, 375. was reizt das auge mehr als jenes kleid, das kriegerische lange reihen zeichnet? Göthe 10, 300
W.; aber nichts lebendigen atems zeichnet mir der ordnende, das er, die Olympier zu verehren, schlachten will Göthe
Faust 8579,
dafür im entwurf: nichts lebendiges bezeichnet 15, 2, 74
W.; d)
nahe steht die anwendung auf umstände, thatsachen, eigenschaften, die etwas oder einen kennzeichnen, etwas klar machen: seine gestalt, sein betragen, seine gesinnungen zeichneten mir ihn ... als einen rechtschaffenen ... jüngling Göthe 17, 205
W.; das werk zeichne den meister W. H. Riehl
dtsche arb. 287;
doch kann hier auch die bedeutung II 1
a γ angesetzt werden. I@44)
etwas durch zeichen ausdrücken, in zeichen ab- und nachbilden, auch die zeichen selbst sichtbar darstellen, ferner in gewissen formen oder gestalten beschreiben und schildern. I@4@aa)
im speciellen sinne zeichnen, d. h. linien und umrisse nach einem sichtbaren oder vorgestellten vorbilde auf papier oder eine andere unterlage bringen, so dasz ein abbild entsteht;
α)
zunächst nur vom zeichnen im technischen gebrauche und zu bestimmten zwecken: er ... zeichnete seltzame caracteres umb denselben herumber Grimmelshausen 4, 522
K.; (
Vergilius) zeichnet ... drey circkel Kirchhof
wend. 2, 39
Ö.; es ward ein kreis gezeichnet Gerstenberg
schlesw. litbr. 225
lit.-dkm.; die lini ..., wie sie ... gezeychnet ist worden A. Dürer
underr. B 3
b; von der spinnen lernte er (
der erste mensch) parallelen z. Bodmer
abh. v. wund. 187; einen risz z.: Herder 12, 25
S.; wann sie (
die maler) eine landcharte z. S. v. Birken
ostl. lorb. 10
a; zeichnete ... einen entwurf der erde Kästner
verm. schr. 2, 135;
übertr.: er (
gott) zeichnet euch (
den gestirnen) die zihl und masz Spee
trutznacht. (1649) 142; die welten welzten sich und zeichneten ihr gleis Haller
ged. 126
H.; oder zeichnest deine tritte in den ewgen alpenschnee Schubart
s. ged. 2, 96;
häufig frei: weil ... das schicksal den plan (
zu Shakespeares drama Hamlet) gezeichnet hat Göthe 22, 179
W.; von musikalischen, metrischen u. a. zeichen: Ffaut und csolfaut werden gemeiniglich gezeichnet
M. Agricola
mus. chor. (1533) A 8
a; jede note im generalbasz, wo keine ziefer darüber gezeichnet steht Mattheson
generalb. 88; zween trochAei, die man so zu z. pflegt: vātĕr ūnsĕr Gottsched
sprachk. 455;
β)
sodann im modernen gebrauche das nachbilden eines körpers oder der natur durch striche, indem das zeichen an die vorlage erinnert. vielleicht schon bei Frisius
in der angabe denoto z., abz. 388
a gemeint, sicher jedoch erst bei A. Olearius: die federn (
vogelfedern) ... waren so hart ... als der raben federn, uns zum abreissen oder z. sehr bequem
persian. reisebeschr. (1696) 202; auszen sieht man es dem stefft (
bleistift) nicht an, da es aber zum z. kommt, da zeigt sich die arbeit Abr. a
s. Clara
etw. 2, 120; bey dunckelem wetter kleine sachen z. oder mahlen Chr. Wolff
ged. v. d. mensch. 331; z. (kunstz.)
disegnare, dilineare reissen
M. Kramer
teutsch-it. 2, 1434
a; z. reiszen, bilder abzeichnen Frisch 2, 468
c;
bedeutsam ist Gottscheds
definition: z. ... heiszt ... 1) den bloszen risz zu irgend einer abbildung machen, 2) mit röthel oder bleyweisz oder andern trocknen pastellfarben etwas vorstellig machen, 3) aufrisse von gebäuden und festungen, auch gegenden und gärten entwerfen, gesetzt, dasz sie mit tusche ein wenig ausschattiret wären, 4) auch wohl alle tuschmalerey
beob. 183,
woraus folgt, dasz die farbe anfänglich eine gröszere rolle beim zeichnen als jetzt gespielt hat. gegenwärtig ist beim zeichnen die linienführung betont im gegensatz zur malerei, bei der die farbwirkung überwiegt. im 18.
jahrh. allgemein als unterrichtsgegenstand empfohlen, besonders das z. nach dem leben
wurde geübt: Gottsched
neuest. 5, 726;
u. a.; bei Göthe
viele belege: Wielanden gezeichnet III 1, 15
W.; auch absolut: doch werd ich wenig z. IV 8, 49
W.; tuschmuschel, aus welcher gezeichnet worden ist 53
W.; so im gebrauche fortlebend; dabei kann sowohl die vorlage oder das modell wie die abbildung als object auftreten: während sie ... ihre profile zeichneten Klinger
w. 3, 164;
anderseits: zwey kupfer müsste ich ... haben, die ich beyde schon hier z. lasse Lessing 17, 275
M.; so figuren, bilder
u. ä. z.
jetzt allgemein üblich; z.
wird sogar gebraucht, wenn ohne vorbild oder vorlage blosze technische kunstübung getrieben wird; zeichnende künste: unter dieser allgemeinen benennung begreift man die ganze classe der schönen künste, die durch darstellung sichtbarer formen auf die gemüther würken Sulzer
theorie 4, 747,
wo auch die bildenden künste mit einbegriffen werden; Göthe III 2, 219
W.; W. Raabe
hungerp. 1, 89;
häufig; auch der subst. inf., wenn auch an sich in jeder bedeutungsgruppe möglich, ist absolut gebraucht meist nur in dem eben behandelten sinne anzutreffen: von lesen, schreiben, mahlen und z. der jungen leute v. Fleming
sold. 14; Nicolai
reise 1, 276; hang zum freien z., skizzieren und malen G. Keller
ges. w. 6, 157;
γ)
daraus entwickelt sich die bedeutung umrisse und linienverlauf zeigen, meist in reflexivischer construction und von bergen, wolken oder körpern gebraucht, die sich von einem hintergrunde abheben oder durch eine durchsichtige fläche hindurchscheinen; frühbeleg bei Brockes (
s. th. 5, 1112); so zeichnet sich die unanschaubare sonne im kleinen trüben wassertropfen Lavater
phys. 1, 4; wo sich ihr (
der wolken) saum gegen den himmel zeichnete Göthe 19, 277
W.; Stifter
s. w. 5, 1, 247; Storm 7, 185; zeichnet sich der bau der glieder durch das anschmiegende gewand hindurch A. W. Schlegel
s. w. 9, 7; die breiten hüftchen, deren form das leichte röckchen zeichnete Göthe 45, 156
W. verwandt sind folgende fälle: das liecht gOetlichs angesichts ..., das auff alle menschen getzeychent ist Luther 11, 351
W.; so offt als Pelion von staatsgeschäfften spricht, so zeichnet er zuerst in seinem angesicht den grundrisz seiner red Chr. Warnecke
poet. vers. 37; das mitleiden mit meiner duldung, das sich auf ihrer stirne zeichnet Göthe 19, 131
W.; ihre edle, grosze seele war auf ihr antlitz gezeichnet Pfeffel
pros. vers. 3, 203; I@4@bb)
buchstaben als abkürzung von namen oder als abbilder von ausdrücken, worten und gedanken niederschreiben, z. b.: die personen werden allain mit buchstaben zeichnet von kurtz wegen Eberlin v. G. 3, 149
neudr.; libra, das ist ein pfundt, wird gemeynlich mit disem zeychen hb. oder lb. gezeychnet Ryff
confectb. e 5
b;
α)
insbesondere seinen namenszug, der bis in nicht gar so ferne vergangenheit den vollen namen vertrat, weil der unterzeichner des schreibens unkundig war, unter ein schriftstück oder einen brief setzen, unterzeichnen, unterschreiben (
heute von diesen beiden letzten verben nahezu verdrängt, s. th. 11, 3
sp. 1917. 1799
f.): zeichnete ... seinen namen unter das todesurtheil Laube
ges. schr. 2, 220; haben ihre unterschrift ... zu z.
handelsgesetzb. § 35;
bewahrt noch in förmlichen briefschlüssen, vgl.: genehmigen euer hochwohlgeboren den ausdruck unbegrenzter hochachtung, mit welcher zeichnet euer hochwohlgeboren ...
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 116,
sodann wird in abschriften von originalen als hinweis auf die handschriftliche vollziehung des namenszuges die abkürzung gez. (
gezeichnet)
vor die unterschrift gesetzt; auch noch in der sprache des kaufmanns: die firma wird A. K. z.,
als mittheilung des handschriftlichen namenszuges an die kundschaft; ungewöhnlich ist reflexivische construction: ... zeichne ich mich eurer excellenz ergebenster diener Adalbert Stifter A. Stifter
s. w. 14, 76; für etwas verantwortlich z.
für etwas haften, einstehn; als herausgeber z.;
β)
kaufmännisch, mit wechsel des objects, auf etwas zeichnen, unterzeichnen, subscribieren: das etzliche tausend menschen ... gleichfalls gerne mit in dieser (
Ostind. handels-) compagnie werden z. und setzen (1647) R. Schück
Brdbg.-Preuszens kolonialpolitik 2, 7; zu dieser compagnie ... zeichne ich 3000 rthlr. 1652
ebda 48; (
er) zeichnete eine ansehnliche summe ducaten Göthe 37, 85
W.; gewisz, die anleihe wäre voll gezeichnet, nein zehnmal überzeichnet worden O. Glagau
d. börsen- u. gründungsschwindel in Berlin (1876) 17;
s. Schirmer kaufmannsspr. 213; bei der kriegsanleihe zeichnete die ... sparkasse 2 millionen mark
Frankfurter ztg. vom 2. 3. 1915;
γ)
verzeichnen, auf-, nieder-, einschreiben, auf-, einzeichnen; spätmhd. vgl. Fischer 6, 1092; ain yeglich tail hat sein underschaid und cappittel, nach dem und man sy nachainander ordentlichen gezaichnet vindet Mynsinger 1; habe ich ... etliche stucke des kriges ... in myn memoriale geczeichent K. Stolle
thür. chron. 57
H.; text, der wol werd were, das man yhn zeychnete mit güldenen buchstaben Luther 24, 396
W.; Murner
schelm. 16
neudr.; erstmahlen zeichnet er (
der bergschreiber in seine bücher) seinen (
dessen) namen, der das recht zur gruben begert hat Ph. Bech
Agricolas bergw.-b. 71; maszen er ... ihrer mehr als viertausend für kriegsleute ... z. ... liesz Lohenstein
Arm. 2, 1182
a; Frisch 2, 468
c; z. (
sie) mich unter ihre schuldner Göthe IV 43, 156
W.; kurze entscheidungen ... an den rand gezeichnet Ranke
s. w. 3, VIII; Holtei
erz. schr. 36, 127;
veraltet; einen menschen, dessen thorheiten verdienen, für die nachwelt gezeichnet zu werden Rabener
s. w. 4, 14; meine gedanken auf das papier zu z. Pfeffel
pros. vers. 9, 2;
δ)
frei: eur ... durchl. ... vollkommenheit sahe man in die sternen gezeichnet Lohenstein
Arm. 1, b 2
b; der begriff der höhe zeichnete sich uns früh in die seele Herder 22, 261
S.; I@4@cc)
mit wort oder schriftlicher darstellung dinge, zustände, menschen, charaktere beschreiben, schildern, etwas darlegen, auseinandersetzen: scribere, signare Stieler 2611; herr Ludwig hatte mit worten gezeichnet, dasz ich Venus und Cupido vorstellen sollte Göthe 44, 12
W.; die züge, womit ... Lucas Jesum das künftige schicksal Jerusalems z. läszt D. Fr. Strausz
ges. w. 4, 326; ein andrer (
dichter) zeichnet krAeftig, doch alles, was er mahlt, ist steif v. Cronegk
bei Eschenburg
beisp. 2, 405; den gang des stückes (
zeichnen) Göthe 41, 1, 150
W.; wie soll man die character z. und festsetzen? Ramler
einl. 2, 106;
bes. häufig den charakter eines helden z.: Gerstenberg
schlesw. litbr. 35
lit.-dkm.; ich zeichne menschen, wie sie auf der welt sind Knigge
rom. 2, xi;
nicht selten mit kennzeichnendem adverb: ein grosz und fest gezeichneter charakter Jean Paul 39, 16
H. IIII.
mit einem kenn- oder merkzeichen versehen, bezeichnen, auszeichnen, anmerken; notam appono, signo, obsigno, compungo Alberus 124
a;
denotare, designare, insignire Reyher p 2
v a. II@11)
lebende wesen, II@1@aa)
menschen, α)
allgemein: daz man sie under ougon zeichendi
insigniret frontibus Notker
bei Graff 5, 596; herrn Mauricien sie ez (
d. i. vingerlîn) stach an sîn vinger einen. diu frouwe wolte meinen, daz si in zeichente mite nâch geselleclîches wîbes site
M. v. Craon 611
Schr.; es wer nit gut, das jeglich stat ir betler zeychen solt O. Clemen
ref.-flugschr. 3, 69;
mit zweckangabe: zwelf tûsent sint gezeichent in daz himelrîch von sîm geslehte
Seifried Helbling 7, 871
S.; weitere belege bei Lexer 3, 1048; läst er geschickt den namen sich entreiszen und zeichnet mich dem mördereisen Schiller 6, 352
G.; β)
vielfach im kirchlichen sinne belegt: swen Kristes zeichen gezeichent hât Thomasin v. Zirkl.
w. gast 11624
R.; s. Lexer 3, 1047; derselbe bisschoff czeychete den fursten mit dem crutze Wig. Gerstenberg 179
D.; Griselda ... zeichnets (
ihr kind) mit dem creutz H. Sachs 2, 53
K.; die Russen ... zeichneten sich, wie die Spanier, mit dem zeichen des heiligen kreuzes E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Dtsch. 1, 239;
biblisch: wann gott der vatter hat disen gezaichent (
ἐσφράγισεν,
signavit, Luther versiegelt)
Joh. 6, 27 1.
dtsche bib. 1, 358;
ebenso apoc. 7, 3; 10, 4;
von den sacramenten: damit (
mit den sacramenten) man die christen zeichet, wie man die schaff mit rOetelstein zeichet Luther 23, 35; 34, 2, 396; 28, 398
W.; sich z. mit dem namen des heyligen geysts Eberlin v. G. 3, 5
neudr.; die (
durch die priesterweihe) gezeichneten Dannhawer
cat. 3, 74;
die hexen mit kräutern aus dem weihbüschel z. Fischer 6, 1092;
γ)
die aus dem biblischen bericht 1. Mos. 4, 15
über das Kainszeichen genährte abergläubische vorstellung meinend, dasz irgend ein körperliches gebrechen ein zeichen gottes sei: es ist ein sprichwort, ht dich vor denen, die die natur gezeichnet hat Keisersberg
bros. 2, 88
b;
sprw. klugr. (1548) 158
b; ist das kind irgent, wenns geboren wird, mit einer ungestalt oder masen gezeichnet Mathesius
Syr. 2, 126
a; wohl ist sie recht an augen und stirne gezeichnet, dasz man sich vor ihr hüten möge Göthe 22, 194
W.; volksthümlich noch geläufig, vgl. he is teekend
ist ein schlechter kerl, auch krüppel Schütze
holst. id. 4, 252;
auch ein fluch oder verdacht und erlittene strafe z.: Hölderlin 2, 241
L.; Fr. Jacobsen im
daheim 31, 294
b;
von muttermalen, blattern u. ä.: ob sie (
die kinderblattern) zwar nicht z., endern sie doch die hautt und die phisionomie Elis. Charl. v. Orleans 2, 251
H.; freier: damals irrte die ungewiszheit mit wankendem schritte um die priester und zeichnet ihr antlitz mit bebender blässe Klopstock
mess. 7, 141; vom stempel der liebe mächtig gezeichnet Heinse 4, 71
Sch.; δ)
jemand einen streich, schlag versetzen, so dasz eine strieme entsteht, verwunden, auch züchtigen, stets mit der absicht, ein bleibendes gedenkzeichen zu erzeugen: dess herren engel wird dich zeychen und dich in stück zerhawen eben H. Sachs 15, 282
G.; du glaubest nit, ich muoss zeichen, ich muoss zuschlagen J. Agricola
sprw. (1534) d 5
a; wolt ihne ... an einem fusz gezeichnet haben G. v. Berlichingen 13
Biel.; Alberus 124
a; Frisius 220
b. 329
a; Stieler 2611; man musz euch männer scharf z., wenn ihr merken sollt Göthe 22, 132
W.; mundartlich und in der umgangssprache fortlebend, vgl. zāchenen
plagen, peinigen Fischer 6, 1092; II@1@bb)
thiere, vieh: cauterizare zeychnen oder versycheren mit einem ysen
gemma gemm. d 4 a 1;
inuro notam Alberus 124
a; Stieler 2611; sie (
enten) werden ... in den fszlein gezeichnet J. C. Aitinger
jagd- u. weidb. 73; der wolf frisst au gezeichti schof Martin-L. 2, 892
b; eyer z. Herold-Forer
Geszners thierb. 2, 57;
von menschen brandmarken: allen ... sol man mit eysen daz recht aug ausstechen und mit eim brantmal z. C. Hedio
chron. M 4
b. II@22)
pflanzen, gegenstände, sachen, orte mit einem merk- oder kennzeichen versehen; α) die vil fruchtbare rebstOeck z. (
um später davon pflanzreben zu entnehmen) Sebiz
feldb. 59;
bäume zum fällen z.
weisth. 1, 752; Martin-L. 2, 892
b;
gezeichnete bäume als gemarkungsgrenzen: M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen 1, 357;
β)
fahnen: rôter hervane gezeichenet nâch dem hl. crûce Roth
pred. 71; landfahnen ... jeder mit seinem rechten wappen gezeichnet Harsdörfer
secr. 1, 350;
γ)
gewichte, masze: di selben gelOet sullen gezeichent sein mit der burger zeichen
Nürnb. polizeiord. 154
Baad.; münzen: dass si die ... muontz schlachen und die mit ir beider stett zeichen ... z. ... sollend Tschudi
chron. helv. 2, 153; nichts darauff (
auf das metall) z. (
eingravieren) Paracelsus
op. (1616) 2, 548
H.; δ)
warenballen '
signieren': twe stucke smales lowendes ... de sint aldus ghetekent (1353)
bei Schirmer
kfmspr. 213; Kramer
teutsch.-it. 2, 1434
a;
wein in fässern spätmhd. Lexer 3, 1048;
ε)
geräthschaften: pleikugeln gezaichent mit 2 strolen (
Nürnb. 1449)
chr. d. st. 2, 253; v. Fleming
sold. 63; soll man ... den vierdten theil eines brets zeichen
fischbüchlein 115;
kartenblätter markieren: dolose maculare Stieler 2611; Frisch
n. dict. 684; wir spielen mit ... gezeichneten karten Stranitzky
ollapatrida 319
Wiener neudr.; ζ)
kuchen, brot: s. th. 3, 1707; ist an etlichen orten der brauch, dasz sie das brod, welches zuletzt in den backoffen geschoben wird, sonderlich z. Chr. Weise
erzn. 127
neudr.; η)
in die wäsche namen oder deren anfangsbuchstaben (
und die jahreszahl)
einsticken: (
die töchter sollen in) wircken, z., sticken, nAehen, spinnen sich ben v. Hohberg
georg. 1, 190; s getüech zeichne Martin-L. 2, 892
b;
allgemein; θ)
bücher: die búcher zeychen wir bey uns (
apud nos ... inscribitur) das erst und daz ander buoch paralipominon 1.
dtsche bib. 5, 5; nur müssen, bey dieser ganz neuen aufstellung (
in der bibliothek), alle bücher frisch gezeichnet ... werden Göthe IV 29, 208
W.; ι)
örtlichkeiten u. ä.: he zeichenede rechte die stat, dar die riese Asprian lach
Rother 3989
Fr.-K.; sy bewarten das grab und zaichenten den stain (
Matth. 27, 66,
σφραγίσαντες,
signantes, Luther versiegelten) 1.
dtsche bib. 1, 114; wat also nicht getekent en were, wolden se dan ummebrengen unde plunderen Rotmann
rest. 109
neudr.; die ort, alda die hexen ihre dantze halten, gemeiniglich gezeichnet sind J. Prätorius
Block. 249; czechen, greniczen
limitare Diefenbach-W. 911; Frisius 830
b; wir kamen an der grenze von Uri und Unterwalden vorbei, die sehr leicht gezeichnet ist Göthe III 2, 179
W.; z. ins gestein geschiehet, wenn ein gang mit einem stolln oder querschlag überfahren oder in einem gebäude erbrochen worden, so ist dasselbe ort vom bergmeister und geschwornen mit ihren nahmen ins gestein zu z. Minerophilus 728; termes ... ein reisz, damit mann vor zeitten die Aecker zeychenet, wann sie gemessen wurden Alberus 43
a;
vgl. Fischer 6, 1092; eine furt ... abstecken und z. v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 51;
einen dachsbau z.,
indem man dünne reiser oder halme unmittelbar vor die röhren steckt, um dadurch festzustellen, ob der dachs nachts den bau verlassen hat: Behlen
jagdk. 6, 506; e stück zeichne
ein warnungszeichen auf einem acker aufstecken Martin-L. 2, 892
b;
κ)
stellen in schriften: ich ... thuo ausz, was mir nit gefelt, und zeychens mit einer linien Alberus 11
a; unterstreichen oder z., das es zu emendieren sey Bas. Faber 506
a; Hornschuh
ὀρθοτυπογραφία (1634) 6;
die erste seite eines druckbogens mit buchstaben und zahl bezeichnen ebda 16; Harsdörfer
gesprechspiele 6, 266; Frisch 2, 468
c; z., ein zeichen machen in einem buche, ein ort oder ein blatt zu finden
ebda; Dusch
verm. schr. 95; Hölty
ged. 41
Halm; λ)
schriften: was die bull also geschriben und gezaichnot: an ainem tail sant Peter und sant Pauls höpter, an dem andern tail zwen schlüssel v. Richental
chron. d. Const. conz. 66
B.; insbesondere, mit objectswechsel aus der I 4
b α behandelten construction abgeleitet: mit dem zeichen seines namens versehen und es dadurch giltig machen Hübner
zeitgslex. 31 4, 1005
a,
also unterzeichnen, unterschreiben: ich ... han ... diesen brieff mit myner selbis hand geschrieben ... und mit myme gewonlichen zeichen geczeychent
hess. urk.-b. 3, 281; den frieden z. Lohenstein
Arm. 2, 380
a;
so noch Moltke
ges. schr. 6, 428; zeichnet das urtheil Klinger
w. 1, 336; die gültigkeit gezeichneter verträge Archenholz
Engl. u. It. 1, 1, 238. II@33)
indem die farbe oder die linienführung betont ist: cretatus, creta infectus, mit kreiden gezeichnet oder geschmitzt Alberus 39
b; besprengen, blmen, z., undermarcken, hin und hAer trOeuffen, flAeckachtig und sprechelAechtig machen
colore vario distinguere Frisius 432
a; ... etliche eyer sind mit flAecken gezeichnet Heuszlin
Geszners vogelb. 51
b; zeichne das dischthuoch (
wisch deinen mund daran ab) Scheit
Grob. 3101
neudr.; so ist ... (
das haselhuhn) schwartz und zwar der han etwas mehr als das hun gezeichnet v. Göchhausen
not. ven. 80; das pferd ist wol gezeichnet
optimis, elegantibus notis praeditus Stieler 2611; Gellert
w. 7, 18; gezeichneter (
d. h. mit rostflecken versehener) tüpfelfarn
F. G. Dietrich
lex. d. gärtn. 7, 435;
vgl.: den tag roth im kalender z. Schiller 3, 19
G. IIIIII.
grammatisches: das partic. prs. s. unter I 4
a β; das partic. prt. nimmt bisweilen adjectivischen charakter an, im sinne von ausgezeichnet: sie haben einen stärkeren beruf und gezeichnetere gaben zu einem amte ..., als ich habe Hamann
schr. 1, 310; Göthe 40, 149
W.; den subst. inf. s. unter I 4
a β; zss.: ab- (
th. 1, 157), an- (524), auf- (782), aus- (1024), be- (1796), bei- (1410), durch- (2, 1716), ein- (3, 349), er- (1081), her- (4, 2, 1228), hin- (1547), kenn- (5, 554), nach- (7, 235), über-, unter- (11, 3, 1917), ver-, vorzeichnen.