wohlfeil,
adj. mhd. wolveile
mhd. wb. 3, 291
a; Lexer 3, 47.
billig, niedrig im preis. synkope des diphthongs der zweiten silbe oder dessen schwächung zu murmel-e
findet sich nur älternhd. und dialektisch: wolffel Murner
kl. schr. 3, 42
Pf.-B.; wolfel Ludw. v. Eyb
Wilwolt von Schaumburg 111
lit. ver.; in wolfflen iarenn Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 175
ndr.; wolflen kauffs Hans Sachs 22, 55
K.-G. vgl. auch Seiler
Basler ma. 318; Staub-Tobler 1, 773; Fischer
schwäb. wb. 6, 926
ff.; Bacher
Lusern 233.
der umlaut in erster silbe in der komparativform bleibt ebenfalls der schriftsprache fremd: wölfler
wohlfeiler bei Th. Murner, Wickram, Nas, Fischart, Agricola
bergwerckbuch (1621)
u. a. bedeutung. remissus, vilis Diefenbach
gloss. 491
c (15.
jh.); 619
b;
nov. gloss. 316
a; gar wolfeil
pervilis Calepinus
XI ling. (1598) 1081
a; wolfeyl, nit thewer,
à bon pris Hulsius-Ravellus (1616) 418
b; Frisch (1730) 676; 'wohlfeil
nennet man dasjenige, was unter dem sonst ordinairen preisz gekauffet wird oder doch in erwegung seines werths vor ein billiges zu haben ist' Marperger
vollst. küchen- u. kellerdict. (1716) 1326
b. wohlfeil sein, werden, etwas wohlfeil machen. es kost gerad als nüt, es ist gar wolfeil,
vilissime constat Frisius
dict. (1556) 315
b: in disser gegent war es so wolfeyl, das ein schaff ... umb ein groschen ... verkaufft ward Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 134
a; ie wolfeiler und verachter die wahr ist, ie begieriger kaufft er ein Dannhauer
catech.-milch (1657) 1, 218; um diese zeit waren alle lebensmittel wohlfeil Ulr. Bräker
s. schr. (1789
ff.) 1, 8; kaffee, thee waren ... sehr wohlfeil E.
M. Arndt
s. w. (1892f.) 1, 34; Rom ist nicht so wohlfeil als man insgemein sagt Winckelmann
s. w. (1825
ff.) 10, 141.
sprichwörtlich: es ist wolfeiler ein ding mit gelt kauffen als mit bit kauffen Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 22
b. wolfeil werden
vilescere Calepinus
XI ling. (1598) 1543
b; Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 355
a: also das wir wissen, ob vil korns oder weins, oder das es teur oder wolfail soll werden Tauler
sermones (1508) 48
a; ... zu erfahren, ob das getraid diss gegenwertig jahr ... thewer oder wolfail werde Sebiz
feldbau (1579) 45; (
Ericus III. hiesz bonus,) weil bey dem eintritt seiner regierung ... die essenden wahren wieder wolfeil worden Chr. Weise
polit. redner (1677) 637.
mhd. wolfeile tuon: (
Christus spricht zur minnenden seele:) ich fürcht, du würdist mir licht zu gaile, dät ich dir die spis wolfaile
Christus und d. minn. seele v. 405
Banz. nhd. wolfeyl machen
vilitare Alberus
dict. (1540) 99
a; die narung wolfeyler machen
annonam levare Frisius
dict. (1556) 765
b: er war der erste, der ... das brot in Rom wohlfeiler machte Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 198.
attributiv: der kaufft allweg die schlechtesten und wolfeilsten fischlin uff dem marckt Pauli
schimpf u. ernst 391
lit. ver.; der fuhrmann ... fuhr die familie vor einen wohlfeilen gasthof Jean Paul 3, 186
H.; (
handwerker,) welche die wohlfeilste und schlechteste arbeit lieferten G. Keller
ges. w. (1889
ff.) 6, 291. wohlfeiler kauf: büst der arm sein aygen gelt ein zu seiner arbeyt, dann frewt sich der reich des guten wolflen kauffs Hans Sachs 22, 55
K.-G. wohlfeile zeit
u. ä.: wolfeile zeit, wenn das korn wenig gilt,
annonae laxitas Bas. Faber (1587) 59
a;
un tems ou on achette tout a bon pris Wiederhold (1669) 425
b: yn wollfeilen iaren getreide kauffen Luther 12, 27
W.; ein dieb ist derjenig, welcher zur wolfailen zeit den traidt auffkaufft Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 70
b; (
man soll) zum bauen ... wolfeile zeiten erwehlen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 20; zu Halle ... ist ein quellbrunn ..., aus dessen starkem oder schwachem überlaufen der gemeine mann theurung oder wohlfeile zeit weissagt br. Grimm
dtsche sagen 1, 83.
seltener bei personen: es kam ein hauslehrer, wahrscheinlich ein sehr wohlfeiler E.
M. Arndt
s. w. (1892f.) 1, 26; im mittelalter war alles hausgesinde ... äuszerst wohlfeil Jac. Grimm
dt. rechtsaltert.4 1, 494; da die besitzer der pfründen ... bedacht waren, die wohlfeilsten verweser zu finden, so fanden sie hauptsächlich die bettelmönche bequem Ranke
s. w. (1867
ff.) 37, 39; alle begehrten nach dem ... wohlfeilen zimmermann Watzlik
pfarrer von Dornloh (1930) 208.
substantiviert: das wohlfeilste ist auch meist das theuerste Storm
s. w. (1899) 7, 220.
in bildlichem gebrauche für '
in groszer menge vorhanden, leicht erlangt, mühelos erhältlich, unwert',
schon mhd.: weinen und schrîen was im (
dem reuigen Theophilus) stæte wolveil
Marienlegenden 201
Pfeiffer. nhd. in abwertendem sinne: drey ding seynd wolfeyl zu Rhom: fiber, pestilentz und arme leüt Hutten
opera 4, 266
B.; lasz dir das wort gots köstlich, nit wolfeyl seyn Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 144
ndr.; yetz ... seind sie (
die kardinäle) so wolfeil, das sie einander stoszen und verhindern Sleidanus
reden 66
lit. ver.; kein ding ist gemeiner und wolfeiler als die worte, aber kein ding ist theurer als die taht und erfüllung Schottel
haubtspr. (1663) 247
abschn. 4; wer sich gering und wolfeyl macht, der steht ihm selbst vorm liecht Lehman
floril. polit. (1662) 2, 794; nichts ist wohlfeiler als diensterbietung und nichts theurer als dienstleistung W. Wille
sittenlehre d. Deutschen (1781) 97; sie (
die Schweizer) ... dankten gott für den groszen und wohlfeilen sieg Krünitz 201, 268; was seid ihr doch für ... leute ..., dasz ihr gewisse wohlfeile redensarten ... für den ausdruck aufrichtiger gesinnung aufnehmt Holtei
erzähl. schr. 2, 71; diese wohlfeile art beifall zu erregen E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 29
Gr.; Louis Philippe und Guizot ... fertigten den ... abgesandten mit wohlfeilen ausflüchten ab Varnhagen v. Ense
tageb. (1861
ff.) 4, 174; das mitleid ist die wohlfeilste aller menschlichen empfindungen Hebbel
tageb. 1, 203
Werner; eitler wahn bethörte mich, wohlfeilen ruhm zu suchen in dem Frankenkrieg Schiller 13, 239
G. (
jungfrau v. Orleans 2, 6).
redensartlich: unser freund (
war) ... erfreut, um einen so wohlfeilen preis loszukommen Göthe 22, 109
W.; da wären ... madame wohlfeilen preises davongekommen
ders. gespräche 2, 123
Biedermann; dasz man so wohlfeilen kaufs Baden aufzugeben gedenkt, scheint mir nicht denkbar kaiser Wilhelm I.
milit. schr. (1897) 2, 295; Fouqué
held d. nordens (1810) 3, 102.
als adv. wolfeyl
parvo precio, viliter Alberus
dict. (1540) 99
a. wolfeil kauffen
vili pretio emere Dentzler
a. a. o. 355
a; wolfeiler verkauffen
minoris vendere aliquid Frisius
dict. (1556) 953
b; wolfeiler geben
abbassare i prezzi Hulsius (1618) 2, 2
a: yederman ist genaigt wolfail zuo kauffen und teuwer zuo verkauffen A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) q 6
a; wer wolfayl gibt, dem hilfft sant Nicolaus verkauffen (1509)
Fortunatus 84
ndr,; mancher keuffet am ersten wolfeil, aber hernach mus ers thewr gnug bezalen
Syrach 20, 12; sie geben dem ersten kauffer ... ein jedes ding etwas wolfeiler ab Prätorius
Blockesberges verr. (1668) 435; dann wa die narren brot nit essen, man würd den rocken wölfler messen Murner
narrenbeschw. 4
ndr.; diese artzeney ist sehr gut und wohlfeil zuzurichten
mediz. maulaffe (1719) 212; ich ... esse gut und wohlfeil Göthe IV 26, 4
W.; der fremde kann ... zufrieden seyn, wenn er wohlfeiler lebt als zu hause IV 23, 14
W. bildlich, besonders in redensartlichen wendungen wie es wohlfeil, es wohlfeiler geben
wenig schwierigkeiten machen, leicht nachgeben, in forderung und anspruch bescheiden(
er)
werden, s. Schmeller-Fr. 2, 892: (
die Deutschen) weren im angrieffe böse, gebens aber bald wolfeiler Cyr. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 33
a; gieb acht! du wirst es bald wohlfeiler geben müssen J. Fr. v. Cronegk
schr. (1760) 1, 18. wohlfeil abkommen, davonkommen,
leichten kaufes: die Franzosen meinten, sie weren wolfeel abkommen Ludw. v. Eyb
Wilw. von Schaumburg 133
lit. ver.; kan meines bruders kopf die gutthaten ersetzen, vor die ich euer schuldner bin, so musz ich sagen, dasz ich gar wolfeil davon komme A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 348; heute werden sie nicht wohlfeil davon kommen Göthe 19, 216
W.; er hat sich das beten statt des gebens so angewöhnt, und freylich kommt man dabey am wohlfeilsten ab Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 2, 391.
billig, mühelos: dieser sieg, der über tausend von den feinden aufrieb, war für den überwinder wohlfeil genug erkauft, denn er vermiszte nicht mehr als zwei mann in seinem ganzen heere Schiller 7, 269
G.; der ruhm war wohlfeil zu erlangen, es kostet nichts, die allgemeine schönheit zu seyn, als die gemeine seyn für alle Schiller 12, 501
G. (
M. Stuart 3, 4); das hätt er (
Wallenstein) wohlfeiler haben können! 12, 151
G. (
Piccol. 3, 8); ich würde dasselbe (
Lessings '
Laokoon') ... sehr wohlfeil mit der bildsäule vergleichen können, von der es den namen hat, wenn nicht ... Herder
s. w. 3, 7
S.; die ... schaar der mittelmäszigen talente, die sich, an gute komponisten angerankt, wohlfeil einen namen machen wollte Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 4, 344.