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woher

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

woher adv.

Bd. 30, Sp. 1010
woher, adv. , unde, seit dem 15. jh. belegbar, tritt an die stelle des im nhd. veraltenden (von) wannen, s. teil 13, 1901. schreibung in einem wort wird zufrühest bezeugt durch worher 'unde' in einem nd. vocabular v. j. 1425 bei Diefenbach gl. 626c; vgl.worher (1476) nov. gl. 385a; woher (15. jh.) gl. 626c; die schreibung in zwei worten findet sich im 15. jh. häufig und hält sich wie bei wohin bis ins 16. jh., z. b.: wa her Steinhöwel Äsop 190 lit. ver.; wo her (15. jh.) bei Jungandreas schles. mundart 451; Arigo decamerone 133, 13 lit. ver.; Schaidenraiszer Odyssea (1537) 4b; Erasmus Alberus fabeln (1550) 124 ndr. durch mehrere wörter getrenntes wo(r) ... her läszt sich seit dem beginn des 15. jh. belegen durch das hartebok (1404), s. unten. ältere lautformen sind: worher s. oben; mit a vornehmlich alem.: waher Niclas v. Wyle transl. 67, 34 lit. ver.; Steinhöwel s. oben; wa har (1515) Eulenspiegel 121 ndr.; waher Carbach Livius (1551) 60a; mundartlich begegnet auch wuher Danneil altmärk. 251a; wuhär Liesenberg Stieger ma. 221; Müller-Fraureuth obersächs.-erzgebirg. 2, 676b; Wenisch Nordwestböhmen 94; Gerbet gramm. d. Vogtl. 51; wuhar K. Rother schles. sprichw. 390a; wouhier luxemb. ma. 489b; vgl. dazu wo sp. 904f. zur gestalt des zweiten gliedes (alem. har, schweizer. und elsäss. här, beide bis zum 16. jh. schriftsprachlich bezeugt) s. unter her teil 4, 2, 999; zu wohero Ayrer histor. processus juris (1600) 259 vgl. fürs 17./18. jh. belegtes dahero teil 2, 684. bei den zusammenrückungen von wo mit den adv. her und hin begegnet häufiger als in sonstigen fällen der komposition von wo mit adverbialen oder präpositionalen partikeln an zweiter stelle die trennung der beiden glieder durch andere wörter, vgl. die bei Behaghel dtsche syntax 4, 236 f. und 249 angeführten belege. sie kann bei stärkerer betonung der herkunfts- bzw. richtungsfrage eintreten, da dann das zweite glied, als wesentliche bestimmung des verbs aufgefaszt, gern gegen das satzende rückt, vgl. Behaghel a. a. o. 249 und H. Paul dtsches wb. (1921) 653b. besonders häufig findet sich die trennung von wo und her bei den verben sein und haben, kommen und nehmen, wobei sich her mit den folgenden vollverben später zu einem wort zu verbinden pflegt (z. b. wo ... herkommen). das zerlegte wo ... her steht von anfang an neben dem zusammengesetzten: (er) vynk de koplude, al wor se weren her (Lübeck 1472) städtechron. 31, 1, 107; (15. jh.) Keller erzähl. aus altdtschen handschr. 376, 33 (s. unter I 1 a γ); das mich grosz wunder hat genummen, wo doch so seltzam red har kummen Murner mühle v. Schwind. v. 3 Beberm. (dtsche schr. 4, 3). nach den angaben der unten genannten dialektwörterbücher kennen manche mundarten nur die getrennte verwendung von wo ... her, wie das schlesw.-holst., vogtl. und nordwestböhm., in anderen wie im obersächs.-erzgebirg. überwiegt diese form des gebrauchs: wo kümmst du her? Mensing schlesw.-holst. 5, 680; wo kommst'n her? wo bist'n her? Müller-Fraureuth obersächs.-erzgebirg. 2, 676b; vgl. Gerbet gramm. d. Vogtl. 51; Wenisch Nordwestböhmen 94; Fischer schwäb. 6, 911. vor woher kann auch von stehen: (der bär) späht, von woher die imme fleucht maler Müller w. (1811) 1, 22; ich sehe sie (anrede) ... in einer lage, von woher mit mir ein stets freundlich belehrendes verhältnis unterhalten ward Göthe IV 41, 110 W.; bei getrenntem wo ... her: van wor mach se her komen? hartebok bei Schiller-Lübben 5, 598a; vgl. von daher teil 2, 679. II. woher als adverb. I@11) in interrogativer verwendung. I@1@aa) in lokalem sinne. I@1@a@aα) in allgemeinen fragen nach dem ort, von dem eine person oder sache zu dem ort gelangt ist oder gelangen kann, den der fragende im sinne hat. in direkter rede: woher kumpstu? wer hat dich gesandt? Joh. Nas d. antipap. eins u. hundert (1567) 3, 160a; es rief und sprach, woher kömmst du so spät zurück? Lichtwer Äsopische fabeln (1748) 10; woher sollte ich alle die kuriosen kräuter und blumen ... haben als aus deinen ... vorrathskammern? Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 4; woher kommt der wind? Storm s. w. (1899) 1, 11. häufig mit ellipse des verbs, vor allem bei einer begegnung, auch im anschlusz an die gruszformel: Elisa sprach zu im: wo här Gehasi? (unde venis 4. könige 5, 25) Züricher bibel (1531) 1, 181b; da begegnet ihm der esell und sprach zu ihm: sih, lieb gesell, wo her, wo her? Erasmus Alberus fabeln 124 ndr.; ei guten tag, Peter! Veit, guten tag! woher? Göthe 8, 7 W.; im heutigen schweizerischen: grüez gott, Nänneli, wohar, wohar? Staub-Tobler 2, 1567; vgl. dazu: woher? ist aber auch die erste frag zun gästen Joh. Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) zueign. a 2b. mit einem ausdruck des unwillens wie bei wo sp. 906: wa har zuo dem teufel (1515) Eulenspiegel 121 ndr. in der indirekten rede: die menschen samelnt vil zytliches guottes und frǎgent nit, waher das kom, sunder nun (nur), das vil kom Niclas v. Wyle transl. 67, 34 lit. ver.; in meinem leichtsinn hatte ich nicht bedacht, woher ich die nötigen mittel nehmen wolle G. Keller ges. w. (1889) 1, 141. mit ellipse des verbs, besonders nach wissen in verneinendem satz (vgl.wo sp. 907f.): man hort das feindtlich geschrey, wiszt doch niemandt woher Carbach Livius (1551) 179a; der geist geistet, wo er will, niemandts weisz wohin oder woher Paracelsus op. (1616) 2, 38 Huser; derselbe brachte, ich weisz nicht woher, ein liecht mit sich Grimmelshausen 2, 422 Keller; er kam, und niemand weisz woher Lessing s. schr. 3, 8 Muncker (Nathan 1, 1). I@1@a@bβ) der verwendung von wannen 3 b und her I 6 (teil 4, 2, 1002f.) entsprechend in fragen nach der abstammung oder herkunft einer person: nu sage mir, wo her ist der gast (ὁππόθεν οὗτος ἀνὴρ), so erst bei dir gewest, von welchem land und geschlecht nennt er sich? Schaidenraiszer Odyssea (1537) 4b; wo aber bist du (Mars) her? von Sparta wil man sagen, der werthen kriegesstadt Opitz op. (1690) 1, 89; das thor geht auf, und man empfängt ihn gerne mit offnen armen, mit bereiten händen. er sagt, woher er sei, von welcher ferne ihn die befehle höhrer wesen senden Göthe 16, 174 W. (die geheimnisse); woher war denn der dritte? nicht her von Oestreichs flur, auch nicht von Preuszens sitte, von Deutschland war er nur Fr. Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 123; vgl. auch γ und die im kopf von woher genannten fälle von zerlegtem wo ... her, ferner daher sein 'abstammen' teil 2, 679. I@1@a@gγ) mit folgendem adverbialem genetivischem substantiv, der gleichen fügung wie bei wannen folgend (vgl.wanana lantes Otfrid IV 23, 31): ... mich wonder hat, was ir dunt hie in dieser stat. ... und wo sit ir landes her? (15. jh.) Keller erzähl. aus altdtschen handschr. 376; woher des landes? Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1375b; ebenso Göthe 25, 120 W.; fürwahr! es ist Homunculus. woher des wegs, du kleingeselle? 15, 1, 146 W. (Faust II v. 7829); ebenso Tieck schr. (1828) 4, 180. vgl. dazu land 6 d und weg (teil 6, 94, bew. 13, 2866), ferner gramm. 4, 761 und Wilmanns dtsche gramm. 3, 2, 596, anm. 1. I@1@bb) im uneigentlichen sinne (ohne ausgesprochen lokale vorstellung) fragt woher nach dem ausgangspunkt für die entwicklung oder den bedingungen für die entstehung von irgend etwas, der herkunft von etwas begrifflichem (wie gut und böse, tugenden und laster, empfindungen und gedanken), der herleitung eines worts oder einer sprache, den quellen oder vorbildern literarischer denkmäler (α) oder auch nach der ursache von etwas (β), entsprechend her III, daher 5 und wannen 3 c; vornehmlich bei verben des entstehens und herkommens (vgl.herkommen teil 4, 2, 1108) und solchen des erfahrens und wissens; wie bei a öfter auch mit ellipse des verbs. I@1@b@aα) ob man möge die meszpfronden ... ablassen gen, und woher sie ain ursprung haben Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 172 ndr.; (da niemand) sich angenommen hette, den gantzen handel miteinander nach ordnung, wann und woher jede sachen angefangen, und wie die zu solchem endt gebracht, zu erörtern (, habe ich es unternommen) Xylander Polybius (1547) 3; ... ich fragte, woher das gesundtrincken ursprung genommen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, j vib; (ein buch) untersucht ... mit einer ziemlich philosophischen gründlichkeit, ... woher die zeitungen ihren ursprung haben Lessing s. schr. 7, 16 Muncker. — was guot ist zuo ... guoten sitten, wohar kummt es? Zwingli dtsche schr. 1, 223 Schuler-Schulthesz; nun hört zu, all vier eck der erden, ja ihr vier welt, hört zu on bschwerden, woher hie auff all end und eck alles ubel sich her erstreck Fischart w. 1, 228 Hauffen; wo her kompt diesem solche weisheit und thatten? ist er nicht eines zimmermanns son? Matth. 13, 54f.; sage du, bapst, wo hastu her die gewalt, das unrecht gut deyn sey? Luther 10, 2, 136 W.; ich weisz nicht, woher meine kleine frau die geduld nahm J. Möser s. w. (1842) 1, 91; gott weisz, woher die stärke ich gewann, in dieser einsam grauenvollen stunde Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 240; umgangssprachlich: woher kommt dir denn der gedanke?, z. b. J. Jakob Wiener dial. (1929) 221. — woher wissen sies aber (die tiere), dasz sie eben den menschen förchten sollen? Joh. Heyden Plinius (1565) 92; dan was wüsten wol die Deutschen von der sprachlehre ..., wen es ihnen nicht die gelehrten gezeiget? woher haben es aber die gelehrten? Gueintz dtsche rechtschreib. (1666) 20; älter auch bei fragen nach den einer annahme, einem schlusz oder ähnlichem zugrundeliegenden umständen, wo heute gewöhnlich andere wo-composita (wonach, woraus) gebraucht werden: 'nach hoofe, denke ich, werden sie wohl nicht gehen ...'. 'und woher vermuthen sie das, herr wirth?' Thümmel reise in d. mittägl. prov. v. Frankr. (1791) 1, 47; woher schlieszen sie das? Göthe 22, 175 W. — (für das nachtdruckgespenst ist) alp der ... allgemeinste nahme ... bey uns Teutschen ...; es fraget sich, woher er rühre Joh. Prätorius anthropod. plut. (1666) 1, 4; woher Luther sein süszes und gutes deutsch hatte, konnte man sich nicht ... erklären Adelung magazin f. d. dtsche sprache (1783) 2, 1, 10; hie sihestu, woher s. Johannes evangelium fleuszt, und wo seyn grund ligt Luther 10, 1, 1, 185 W.; somit habe ich dir auch eingestanden, woher ich meist alles habe, was dieses mährchen so langweilig macht, nämlich aus Krünitz encyklopädie Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 16. veraltet nach verben des benennens, wo heute wonach gebraucht wird (vgl. von wannen er den namen hat Mathesius, von wannen nennt er sich? Steinbach unter wannen teil 13, 1902f.): von dem nammen der Teutschen, ... item wohär sie Germani genennt werden Stumpf Schweizerchron. (1606) 54a (in: gemeiner loblicher eydgenoszenschaft stetten ... beschreib. [1548] 18a steht an entsprechender stelle wannen här); du aber, Festus, woher schreibest du dich? Bucholtz Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 7. I@1@b@bβ) die fragen der unter α genannten art schlieszen oft die frage nach der ursache mit ein: woher kommen alle kriege und empörung, denn dasz eyns dem andern nicht wil einreumen und weichen? Joh. Agricola sprichw. (1534) d 6a; (Achill zu Thetis, Ilias 1, 409—412:) bitt Jovem, das der Griechen heer getriben werd bisz an das meer! ... das Agamemnon recht erfahr und bey ihm selber werd gewahr, woher ihm diser unfall kumb, nemblich, das es gescheh darumb, weil er ausz ubermut und pracht den besten fürsten hat veracht Joh. Spreng Ilias (1610) 9b; Gelanor ... erzehlte bey tische, woher sich der gantze streit entsponnen Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 54 ndr.; woher ist dies gebäud entstanden? ist ... jemand noch vorhanden, der es gemacht? Gellert s. schr. (1839) 1, 150; frugen wir dann, woher die schlechten erfolge rührten, so brauchen wir nur unsere augen auf das innere (des nachottonischen reiches) zu richten Ranke s. w. 1, 17. — was ungewonlichen schrecken und forcht sihe ich an euch, ir werden Römer, waher ist solcher misztrost under euch entstanden? Carbach Livius (1551) 60a; woher, o Stähelin, kommt doch die zuversicht, womit der schwächste geist von hohen dingen spricht? A. v. Haller gedichte 43 Hirzel; so will ich ihnen einen aufschlusz geben, woher dieses guten mannes unwille denn eigentlich entsprungen ist Göthe IV 22, 66 W.; wir sprachen ... von der trefflichkeit des alten Athenervolkes, woher sie komme, worin sie bestehe Hölderlin ges. dicht. 2, 131 Litzm.; sacht! sacht! rief Theodor, woher diese Neronische gesinnung? Tieck schr. (1828) 4, 49; woher also diese veränderungslust? W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 99; natur und kunst setzen wir einander oft entgegen, oft schreiben wir der natur selbst ... die gröszeste kunst zu; woher dieses? beides nicht ohne ursache Herder s. w. 22, 126 Suphan; redensartlich: woher kommt mir die ehre, dasz ... Kramer a. a. o.häufig ist die wendung woher kommt es, dasz ...: mich wundert doch, wohar es kumm, das ir mich schältend umb und umb H. R. Manuel weinspiel v. 2232 ndr.; woher denn kommt, dasz ... Schnabel insel Felsenburg vorr. 4 Ullrich; zuerst suche ich, woher es komme, dasz man so gerne in gesellschaft läuft Zimmermann über d. einsamk. (1784) 1, 7; woher komme es, dasz die eidgenossenschaft so in allgemeinem ansehen stehe ...? Ranke s. w. (1867) 1, 83. veraltet ist der gebrauch von woher in sätzen mit adjektivischem prädikat, wo heute weshalb, warum gebraucht wird: (der tod zu dem frommen Christophorus:) woher so trotzig? schnaubstu noch? ... wirst nun nicht lang mehr leben hie ... (Christophorus:) ey, ist doch sterben mein gewin. nimstu mir schon das leben hin, die seel kanstu mir nemen nicht B. Krüger aktion von d. anfang u. ende d. welt (1580) h 5b; ... einen schier möcht nemmen wunder, woher den götteren besunder ein solliches gemüt abhold, das den menschen kaum traumen solt (tantaene animis caelestibus irae? Aen. 1, 11) Joh. Spreng Äneis (1610) 2a. zuweilen zielt in älterer zeit die frage mit woher, dem gebrauch von her III 2 entsprechend, zugleich auch auf das mittel, durch das etwas verursacht wird, wofür heute wodurch oder womit üblich ist: woher wolt ich mein aufenthalt auf dieser erd erlangen? ich wäre längsten tod und kalt, wo mich nicht gott ümbfangen ... was er nicht hält, das bricht und fällt Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 315; vgl. auch Schupp unter woher II 3. I@1@cc) bei den verben des nehmens, bei denen in älterer zeit im deutschen neben der ruhevorstellung auch die der herkunft vorkommt, gewinnt im laufe der entwicklung die letztere immer mehr die vorherrschaft. statt früherem, noch bei Wieland und Göthe sowie in einigen modernen mundarten (redensartlich) begegnendem wo nehmen (s.wo I A 1 d, sp. 909), heiszt es heute allgemein woher nehmen: ... so darf (braucht) er sich nicht grämen wo er den unterhalt von kleidern her soll nehmen Fleming dtsche ged. 130 Lappenberg; wo soll ichs arme frau denn endlich noch hernehmen? Chr. Reuter ehrl. frau zu Plissine 4 ndr.; speis und trank, woher nehmt ihr diese? Klinger w. (1809) 3, 86; woher nehmen wir den wiz, diese einfälle zu erfinden Gerstenberger Hamb. neue zeitung 6 lit.-denkm.; vgl. auch in den vorigen abschnitten und unter 2. I@22) indefinitiv, nur schwach belegt: causae firmamenta ex aliqua re desumere, argumenta wohernehmen nomenclator lat. germ. in usum schol. Hamb. (1634) 302; und es fällt mir wahrlich gar schwer alle gelder zu nehmen woher Kortum die Jobsiade (1799) 1, 64. öfter anderswoher: anderszwohär etwas neuwes haben und hören audire nuntium ex aliquo loco Frisius dict. (1556) 138a s. v. audio; denn aus gewissen umständen zu urtheilen, bekomme ich den meinigen (branntwein) anderswoher Lichtenberg briefe 1, 27 L.-Sch.; vgl. auch sonst woher teil 10, 1, 1748. heute gilt zur bezeichnung des indefinitiv gebrauchten interrogativen lokaladverbs der herkunft allgemein irgendwoher, vgl. dazu Wilmanns dtsche gramm. 22, 585. I@33) substantiviert, vorwiegend im sinne von 1 b: ich frage dich nicht, woher du meine gedanken weiszt, denn das woher ... weiszest du nimmer Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 243; wann fragt ich sonst den schall nach dem woher, mich schreckte nichts, mich schreckte nicht einmal des feuers glut Hebbel s. w. 3, 307 Werner (Gyges IV anfang); gern das woher und wohin zur bezeichnung von herkunft und richtung oder ziel: ohne über das woher und wohin des menschen überhaupt etwas zu wissen, ist es auch über ... die schicksale der nationen nicht möglich, ein urtheil ... zu haben Fr. Schlegel s. w. (1846) 2, 151 f.; Goethe forschte nicht nach dem woher und wohin: die kinder der natur sollen nur laufen, sagt er, die bahn kennt die mutter Gervinus gesch. d. dtschen dichtung (1853) 5, 112; lasz das woher wohin in frommer dämmerung G. Schumann ein weg führt ins ganze (1933) 22. IIII. in relativischer verwendung, vgl. wo II A, sp. 911ff. II@11) in verallgemeinerndem sinne: (er) vynk de koplude, al wor se weren her (Lübeck 1472) städtechron. 31, 1, 107; das (rohr) bog sich, so oft der wind weyet, wa her er kam (in quacunque parte ventus eam [scil. arundinem] movebat) Steinhöwel Äsop 190 lit. ver.; in fügungen wie verallgemeinerndes wo sp. 912 und wohin sp. 1021: die wurtzel von roten und blauen kornblumen ... stellen (stillen) das blut ohn zweifel, es komme waher es wölle Osw. Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 242; sey mir gegrüszet! immer gewünscht kömst du, wo du auch herkömst Klopstock oden 1, 11 M.-P. in der bedeutung von woher I 1 b: um ihr innerliches anliegen, es sey auch woher es sey, zu behertzigen G. Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 1, 3; es komme, woher es will, so bleibt es ein groszer vorzug, dasz bei uns (den Deutschen) die bewegung der worte mit ihrem inhalte immer übereinstimmt A. W. Schlegel im Athenäum (1798) 1, 39. II@22) bei beziehung auf einen bestimmten ort: den mantel hengen, wo der wind hergeht Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 6b; inzwischen eilt der feind, von deinem muth erschreckt, zurück, woher er kam Joh. Ulr. König ged. (1745) 10; von des Polacken rücken hat er mühsam sich gebeugt zur und sein beladnes haupt geneigt, seite woher das kind die händlein reicht Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878ff.) 2, 22. mit beziehung auf ein lokaladverb im übergeordneten vordersatz: (es) trieb mich schon nach acht tagen wieder dahin zurück, woher ich eben gekommen war Jul. Fröbel an Herwegh in: briefe von u. an H. (1896) 233; in der bedeutung von woher I 1 b: die kinderlieder werden sicher bei allen völkern bis auf einen geringen theil ebendaher stammen, woher das kind seine erste leibliche nahrung erhält K. Bücher arbeit u. rhythmus (1909) 397. im vordersatz des übergeordneten satzes, der gewöhnlich ein determinatives korrelat enthält: woher wir gekommen sind, dahin gehen wir wieder O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 175; in der bedeutung von woher I 1 b: woher ein ding urspringlich ist, darzuo es ist alzeit gerist widerum dahin zuo gon Murner badenfahrt 26 Martin. in beziehung auf ein nomen des übergeordneten satzes: er horchte gegen die seite, woher es (das getöse) zu kommen schiene Wieland Agathon (1766) 1, 6; zu jenen sphären wag ich nicht zu streben, woher die holde nachricht tönt Göthe 14, 42 W. (Faust I v. 768); nach der seite zu, woher das steinchen kam O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 332; im sinne von woher I 1 b: efficiens ist die ursache, woher etwas kömmt Chr. Weise polit. redner (1677) 117; entsprechend dem am ende von I 1 b genannten woher, das zugleich das mittel mit einbegreift: vom Solone saget man, dasz er ein gesetz gegeben habe, dasz die obrigkeit jährlich einen jeden in der stadt solle vor sich fordern und fragen, was sein einkommen und vermögen sey, woher er sich und die seinigen ernehre Schupp schr. (1663) 342. nach Heynatz synonym. wb. (1795) 2, 6b 'wird das relative woher jetzt immer mehr mit einem fürworte verwechselt und man sagt gemeiniglich (statt die stelle, woher) die stelle, aus welcher'. bei orts- und ländernamen ist woher (neben von wo) aber auch heute noch durchaus gängig, vgl. unter wo sp. 914: vergünstigung nach Frankreich rückzukehren, woher ich zwar nach Dänmark willig kam, bey eurer krönung meine pflicht zu leisten Shakespeare (1797) 3, 151 (Hamlet 1, 2). II@33) entsprechend wohin II 3 (wo II A 4) kann sich woher auch auf den inhalt des übergeordneten satzes als ganzes beziehen, erscheint aber wegen einer gewissen schwerfälligkeit des ausdrucks ungebräuchlich, vgl. eine satzkonstruktion wie: die arbeitsbienen ernähren bestimmte larven mit einer besonderen und möglichst reichlichen kost, woher es dann kommt, dasz wesen wie von einer anderen gattung entstehen, die königinnen. IIIIII. in interjektionaler verwendung wie wo, vgl.wo IV sp. 920, im eingang von antworten auf eine dem erwidernden unsinnig erscheinende frage, ausgehend von elliptischen redewendungen mit woher I 1 b (etwa: woher käme ich dazu? woher sollte das kommen?): ah woher! woher denn (auch)! Fischer schwäb. 6, 911; a wuhar ock! K. Rother schles. sprichw. 390a; 'da hast du es also bis zum vize gebracht im kriege?' 'ach woher denn! ich war überhaupt nicht im krieg' H. Zöberlein d. befehl d. gewissens (1937) 27.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Woher

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Woher , eine relative Partikel, von wo und her, für von welchem Orte her. Man gebraucht es: 1. Als ein Fragewort, sowohl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    woher

    Goethe-Wörterbuch

    woher [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    woherAdv., Interj.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    wo-her Adv., Interj. : 1. 'aus welcher Richtung, von welchem Ort, wovon', woheʳ , wu- [verbr., Lambert Penns 180]. Na, w…

  4. Sprichwörter
    Woher

    Wander (Sprichwörter)

    Woher 1. Vän wannen? – Vün Bogarye. ( Jüd.-deutsch. ) Auf die Frage: Woher kommst du? pflegt man zu antworten: Von Bogar…

  5. Spezial
    woher

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wo|her adv. 1 (von welchem Ort) daolá 2 (wie) co ▬ woher weißt du das? daolá saste pa chësc? ; co saste pa chësc?; woher…

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woher‑ als Erstglied (6 von 6)

woherzu

RhWB

woher-zu (s. S.): w:ərop, meist w:rop (usf.); worop o worzou auf welchen Gründen fussend, zu welchem Zweck Merz , Allg.; worövver bös du s…

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „woher". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/woher/dwb?formid=W24768
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Cotta, Marcel. „woher". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/woher/dwb?formid=W24768. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „woher". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/woher/dwb?formid=W24768.
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