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wildemann

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wildemann m.

Bd. 30, Sp. 63
wildemann, m. , auch wildmann, wilder mann, fem. wildfrau, wildweib, plur. wilde männer, wildleute; siehe ferner oben waldmann, waldleute; altnord. villu-maðr, villu-lýðr Fritzner, nl. wilde man menschenfresser. 11) sagenhafter angehöriger eines riesengeschlechtes, das vor der geschichtlichen zeit die heimath bewohnt haben soll; nach dem volksglauben noch vereinzelt in den bergen, namentlich im Harz; in der hauptsache gutartig, namentlich freunde der bergleute; manchmal auch gespenstigen charakters und auf einer linie stehend mit nachtleuten, feuerleuten; in der grösze den zwergen, elben, waldmännlein entgegengesetzt; völlig nackt, mit langen weiszen bärten, um die lenden mit moos oder laub umgürtet, vgl. Schmeller 2, 899, Grimm mythologie2 1, 451, v. d. Leyen-Spamer die altdeutschen wandteppiche im Regensburger rathause 16 ff.; ferner die schilderungen eines wilden mannes im Iwein 425—470 und könig Laurin 170—210; eines wilden weibes im Wigalois 162, 23 ff. Pfeiffer; in der vorstellung der Tiroler besonders lebendig und mit zügen Donars ausgestattet, aber auch als riesenhafter waldmann, der die kinder fressen will; manchmal auch harmlos, hilfreich und namentlich wetterkundig; im spiel von den mädchen aus einer höhle im wald geholt und im dorf herumgeführt, vgl. Zingerle in Wolfs zs. f. mythol. 3, 200; im südöstlichen Deutschland gerne auch verwechselt mit waldmännlein, waldleuten, holzleuten, moosleuten und dann nicht vereinzelt und als riesen gedacht, sondern als zwergartiges volk wie elben und wichteln J. Grimm mythol. a. a. o. 1@aa) im eigentlichen sinne: was den menschen antrifft, als wildleut, riesen, feurleut, nachtleut, etc., denen ihr geburt kompt aus dem fex Paracelsus opera 2, 20B; risen, wild leut 2, 456; das geschlecht der wildenmänner des Harzwaldes Petrasch 1, 725; vergl. auch oben sp. 16. 1@bb) übertragen, 1@b@aα) als sinnbild des bergbaus und des daraus flieszenden reichthums: wie einer, der sein heil auf wilde männer baut Stoppe Parnasz 407; die reiche zunft der wilden männer hat allenthalben freund und gönner 42; daher gerne auf gold- und silbermünzen abgebildet, s. unten wildemannsdukaten, -gulden, -thaler: einer ... dessen gesicht so gar mit haaren umbwachsen, dasz .. ich ihn für einen wilden mann gehalten, wie sie ... auf den pommerischen und lüneburgischen thalern gesehen werden Moscherosch gesichte 1, 243. 1@b@bβ) als wappenhalter z. b. auf dem königl. preuszischen wappen, vgl. Querfurth herald. wb. 173. 1@b@gγ) als name oder schild für wohnhäuser, wirthshäuser, apotheken, kanonen: in die herberg zuo dem wilden man Eulenspiegel 28; zuo Colmar zuom wildemann hat der würt hochzeit Wickram 3, 82; zum wilden mann Abraham a St. Clara Judas 1, 218; item ein gattung (kanonen), so man die sau, affen, baur, ochsen, wildenmann, oder dergleichen anderst nennet Fronsberger kriegsbuch (1573) 2, B 1a. 1@b@dδ) als maske bei theateraufführungeu und volksthümlichen schaustellungen, mummenschanz: mit werk, flachs und bäch vermummet wie die wilden männer Stumpf Schwytzerchronik 127b; hie tritt auf ein wilder mann, ganz rauch bekleidet und grimmiges ansehens J. Rist das friedejauchzende Teutschland 9; solcher gestalt (nackt, mit moos um die scham) führeten sie mich als einen wilden mann in den flecken und städten .. herumer Simpl. 547 Kögel; als wildmann oder wildweib verkleidete burschen treiben tollheit über tollheit Berlepsch Alpen 435; gerne in der verkleinerungsform: wir gebieten auch hiebei ernstlich, das weder die wilden mendlein noch imands anders cristen oder juden mit geschrai wider und für nicht jagen oder nachlaufen sol Nürnberger polizeiordnungen 93; vor neun jahren .. hatte der junge wilde bursch beim aufzuge eines älplerfestes im thale das sogenannte wildmannli gespielt, d. h. ganz in grüne tannreiser gehüllt mit einem ähnlichen wildweibli seine sprünge gemacht Keller nachgel. schriften 268. 1@b@eε) als sinnbild roher, ungeschlachter kraft: ihr schaut den deutschen Michel an? er trägt nicht mehr den stamm der tannen, doch ist er noch der wilde mann, der nicht viel dannen fragt noch wannen, das riesenkind im alten traum, vor dessen faust die welt musz straucheln Arndt ged. (1860) 424. 1@b@zζ) sprichwörtlich für einen stark behaarten menschen: und wer viel haar am leib thut han, den nent man oft ein wilden man Eyering proverb. cop. 1, 809; .. am leib ein wilder man, der schöne weiber lieb kan han ebd. 22) alterthümlich und vereinzelt ein wilder: nein, teufel sind wir nicht, noch riesen, noch halbgötter, noch helden, noch wildleut, noch unsers lands verspötter Weckherlin 1, 25 und J. W. Zinkgref auserl. ged. 20; mit scherzhafter anwendung: er hatte (auf Grönland) 17 monate mit den wildemanns gelebt Chamisso 6, 4. 33) der teufel, tirol. der böse, der argsmann Schöpf 419, namentlich in den märchen Grimm mythol. 1, 451; auch in einem alten kinderspiel: sie tanzten, sie schlugen den dritten ab, oder lieszen sich vom wilden mann jagen Freytag 4, 234 (soll u. h. 2, 4). 44) ein waldmännlein, das als alp den menschen belästigt und durch wildmannskraut vertrieben werden soll, oberbairisch Höfler krankheitsnamen 395. 55) ein mit schmieren und kräutern behandelnder quacksalber oder zauberer, auch waldhannsel genannt, oberbair. Höfler krankheitsnamen 846. 66) in der neueren verbrecher- und vagabundensprache, gewöhnlich in der verbindung den wilden mann machen: 6@aa) ein in der untersuchungshaft oder im zuchthaus sich wahnsinnig stellender gefangener Heyne wb. 3, 1382; ztschr. f. dt. wortf. 6, 382; Ostwald rinnsteinspr. 167. 6@bb) ein aus der irrenanstalt ausgebrochener geisteskranker verbrecher Höfler krankheitsnamen 395. 6@cc) ein betrunkener, der skandal anfängt Rocholl bei Kluge rothwelsch 429, Ostwald rinnsteinspr. 167. 77) der feld- oder ackermohn, die klatschrose Nemnich 3, 648; Kaltschmidt 1069; Salomon-Vosz wörterb. d. dt. pflanzennamen 212. 88) in Franken eine balkenconstruction des fränkischen fachwerkbaues, Frankfurter zeitg. 13. aug. 1912 2. morgenbl. no. 223 s. 2 sp. 1 feuilleton. wildemännlein, n., auch wildmännlein, wildmännli, wildes männlein: 1) waldmännlein, vgl. oben 1 b δ sp. 64 und th. 13, 1167; 2) für wildemannsgras, s. dieses. wildemannsdukaten, m., braunschweig - lüneburgische dukaten, im revers mit dem wilden harzmann, der einen baum in der rechten hält Schmieder handwb. d. ges. münzkunde 473. —
6408 Zeichen · 107 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    wildemannm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    wildemann , m. , auch wildmann, wilder mann, fem. wildfrau, wildweib, plur. wilde männer, wildleute; siehe ferner oben w…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wildemann

    Goethe-Wörterbuch

    Wildemann [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wildemann

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Wildemann , Bergstadt und Luftkurort im preuß. Regbez. Hildesheim, Kreis Zellerfeld, im Oberharz, an der Innerste und de…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wildemann

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Zerlegung von wildemann 2 Komponenten

wilde+mann

wildemann setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wildemann‑ als Erstglied (10 von 10)

wildemannsgras

DWB

wildemann·s·gras

wildemannsgras , n. , hirsegras, klebgras, knotengras, wilder fennich Kaltschmidt ges. wb.; panicum verticullatum Nemnich 3, 648 ; panicum c…

wildemannsgulden

DWB

wildemann·s·gulden

wildemannsgulden , m. , oder harzgulden, herzogl. braunschweigischer gulden des 16. bis 18. jahrhunderts, im avers mit dem wilden mann; wert…

wild(e)mannshütte

DWB

wildemann·s·huette

wild(e)mannshütte , f. : auch habe ich doch nicht lust, durch diesen schnee öfter in die wildmannshütte zu klettern, so hübsch eingefroren s…

wild(e)mannskraut

DWB

wildemann·s·kraut

wild(e)mannskraut , n. , anemone alpina Nemnich 3, 648 ; schneeblume oder weisze küchenschelle Kaltschmidt gesamtwb.; achillea nana ( Graubü…

wildemannspapier

DWB

wildemann·s·papier

wildemannspapier , n. , steir. wildmannerpapier schreibpapier alter erzeugung mit wilden männern als wasserzeichen Unger-Khull. —

Wildemanns-Taler,-Gulden

Meyers

Wildemanns-Taler,-Gulden etc., braunschweigisch-lüneburgische Münzen, die das Bild eines wilden Mannes, Schildhalters des herzoglichen Wappe…

wildemannsthaler

DWB

wildemann·s·thaler

wildemannsthaler , m. , vgl. wildemannsgulden: Steffen .. kam .. zu mir, begehrte mich zur eh', gab mir einen wildemannsthaler auf den kauf,…

wildemannstracht

DWB

wildemann·s·tracht

wildemannstracht , f. : er ( Erikson ) konnte seiner wildemannstracht halber nicht wohl tanzen Keller 2, 194 . —

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wildemann". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wildemann/dwb?formid=W20922
MLA
Cotta, Marcel. „wildemann". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wildemann/dwb?formid=W20922. Abgerufen 14. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wildemann". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wildemann/dwb?formid=W20922.
BibTeX
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