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weltall

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weltall n.

Bd. 28, Sp. 1523
weltall, n. , verdeutlichende bildung zu all (s. teil 1, 214), die um die mitte des 18. jhs. üblich wird undunter dt. einflusz (s. Hellquist [31948] 1397, ordbog over det danske sprog 26 [1952] 1211 u. Murray suppl. [1933] 320) — auch imn. (verdensalt), schwed. (världsallt) und engl. (worldall) aufgekommen ist. ungeläufig bleibt hingegen die gelegentlich in der sprache der dichtung auftretende komposition mit dem gen. plur.: weltenall (Herder 29, 153 S.; Jean Paul w. 7-10, 358 Hempel; E. M. Arndt w. [1892] 5, 269 R.-M.; Rückert ges. poet. w. 1 [1882] 549; F. Dahn ged. [ausw. 1908] 221; s. auch Duden, rechtschreibg. [Leipzig 1951] 452). 11) universum. 1@aa) 'die ganze welt mit allen darin befindlichen himmelskörpern' (Adelung 5 [1786] 161): ... das ganze weltall ist ein uferloses meer, dasz (!) kein erschaffner miszt; ... was folgert sich hieraus? dasz sich das all der welt nur dem, der es erschuf, ganz vor die augen stellt (1751) Wieland s. w., suppl. 1 (1797) 140 (die natur der dinge oder die vollkommene welt); diese erdkugel, diesen kleinen atomen des ganzen weltalls ders., Agathon 1 (1766) 62; so wird man genöthigt, einen allgemeinen mittelpunct des ganzen weltalls anzunehmen, der alle theile desselben in verbundener beziehung zusammenhält und aus dem ganzen inbegriff der natur nur ein system macht Kant w. 8 (1838) 326 H.; da der uralte morgenländer noch sein weltall (das ihm erkenn- und vorstellbare universum) würklich innerhalb dieser grossen blauen halbkugel und also zwischen erd' und himmel fühlte (1769) Herder 6, 4 S. (archäologie des morgenlandes), ferner ebda. 5, 6 u. ö.; es ist hier nicht die rede von einer kreatur, sondern von dem gesammten weltall Mendelssohn philos. schr. 1 (1777) 245; so bis in die gegenwart gebräuchlich, in naturwissenschaftlichen (kosmologischen) schriften: die allgemeine darstellung der naturerscheinungen im weltall ... von den fernsten nebelflecken und von kreisenden doppelsternen ... zu den kleinsten organismen der thierischen schöpfung im meer und land A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 386; so wäre das weltall naturwissenschaftlich erkannt du Bois-Reymond grenzen d. naturerkennens (1873) 5; wir und das weltall Willy Bischoff (1952) titel; wie in der dichtung: manchen flug wagt menschliches wissen, das doch kaum ein blatt aufschlägt in dem buche des weltalls (1829) Platen w. 1, 218 H.; sie (die weisheit) war zugegen, als du das weltall schufst Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 123. 1@bb) daneben wird weltall auch als bezeichnung des auszerirdischen kosmischen alls, des die erde umgebenden weltraums, üblich: mit der farbe geht's eben so, bald sucht man sie im lichte, bald drauszen im weltall Göthe II 11, 146 W.; die erde ... schwebt frei ... in dem unermeszlichen raum des weltalls Hebel w. 2, 3 Behaghel; wenn nächtlicher weile erglühen die leuchten, die nimmer zu zählen, des unermeszlichen ewigen weltalls K. A. Hückinghaus in: mod. dichtercharaktere 124 Arent-C.-H.; so auch im sprachgebrauch der modernen naturwissenschaft: über das anwachsen der festen, dunklen materie im weltall ... die neueren untersuchungen haben ... gezeigt, dasz der interstellare raum von einem stratum dunkler partikel erfüllt ist Jung in: forsch. u. fortschr. 13 (1937) 346; die menschheit steht an der schwelle zur fahrt in den weltraum ... die grundlagen zum start ins weltall sind ... jetzt gelegt Berliner zeitungen a. d. j. 1952 (bericht vom dritten weltkongresz der internationalen astronautischen föderation); sowie utopischer romane: pioniere im weltall R. A. Heinlein (1951) titel. 22) besondere anwendungen verschiedener art. 2@aa) zuweilen bezeichnet weltall das in dichterischer phantasie mannigfaltig belebte universum: was dir füglich ist, o weltall, ist auch mir bequem Herder 17, 145 S.; wenn er (der mensch) sich in der welt als in einem groszen, schönen, würdigen und werthen ganzen fühlt, ... dann würde das weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein ziel gelangt aufjauchzen Göthe I 46, 22 W.; gott, dein tempel ist der himmel sphäre, erde, meer und luft dein opferhain! jauchzt, was lebt, im chor zu seiner ehre, und das weltall müsse weihrauch streun Seume ged. (1804) 3; das weltall ist ein unendliches thier, in welchem alles auf die mannigfaltigste weise lebt und webt Hegel w. (1832) 15, 229; ich (Proteus) bin's, der die welle des lebens bewegt, der ihre gewaltigste strömung erregt, und dann, was sie innerlich eigen besitzt, enteilend, in's dürstende weltall verspritzt Hebbel w. 6, 253 Werner; als ob das weltall ein gesicht hätte (20. 1. 1907) Rilke br. 1 (1950) 164. 2@bb) in anschlusz an 1 b wird weltall gelegentlich zur bezeichnung einer überirdischen, jenseitigen sphäre: eine seele ist geschieden vom leibe, das schwere, mühselige erdenleben liegt hinter ihr. durch das weltall sucht sie ihren weg dahin, woher sie stammt W. Raabe s. w. I 5, 39 Klemm; ja des jenseits selbst: ach, dasz auch ich dem erhabenen einst wieder begegnen möchte im weltall Zschokke ausgew. nov. u. dicht. (1838) 1, 252; andererseits jedochmit einem possessivum oder demonstrativum verbundenfür die diesseitige welt: dasz ... eine völlige vereinigung der wesen in unserm weltall selten oder gar nicht statt finde Herder 15, 305 S.; so sind wir in diesem weltall; und wie gehts auf unsrer ewigen reise weiter hinauf? ebda. 325. 2@cc) metaphorisch, auf bereiche verschiedener art übertragen. 2@c@aα) auf das philosophische oder naturwissenschaftliche denk- und lehrgebäude vom universum bezogen: vieles muszte er (Kopernikus) weissagen, was er nicht sehen konnte; überall aber ward ordnung, grund und zweck ... kurz ein weltall. so bauete Kopernikus: Kepler und Newton bauten ihm nach. seine skizze ward ihnen poem, eine philosophie des weltsystems Herder 9, 507 S.; aus logischen atomen baut er (der scholastiker) sein weltall — er vernichtet alle lebendige natur, um ein gedankenkunststück an ihre stelle zu setzen Novalis schr. 2, 173 Minor. 2@c@bβ) mit bezug auf in sich geschlossene bezirke verschiedener art, die in ihrer eigenständigkeit und eigengesetzlichkeit gleichsam ein all im kleinen darstellen (vgl.welt VIII): dies individuelle jedes (Shakespeareschen theater-)stücks, jedes einzelnen weltalls, geht mit ort und zeit und schöpfung durch alle stücke Herder 5, 224 S.; dasz ... auszer den universitäten kein heil sei, dasz sie universitates literariae d. i. die gelehrten weltalle seyn, aus denen alles kommt, durch die alles musz, auf denen alles wohnet, was zum licht und frommen des staats dienet ebda. 9, 345; absolut frei ist ein körper also als echtes glied des weltalls — mithin selbst als weltall Novalis schr. 3, 238 Minor; ein solches einzelnes ist daher eine welt für sich, ein weltall Vischer ästhetik (1846) 1, 132. 2@c@gγ) vereinzelt auf einen universalen, in sich geschlossenen kultur- oder lebenskreis bezogen: (es) tingirt ... die satire, die ... bey den ROemern doch immer ... eine gesellschaftspoesie aus und fr den mittelpunkt des gebildeten weltalls (Rom) blieb, die ganze rOemische poesie Fr. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 2, 38; er (vater Pascarella) kannte nur sich und seine sechs kinder, das universum im zweiten stock der Via Concordia. mit dem anderen weltall, in welche unterabteilungen es auch immer zerfiel, wollte er nichts zu tun haben Werfel geschw. v. Neapel (1931) 218; oder auf die ganzheit eines geistigen bereiches: es ist wohlthätig, nach der grossen aussicht auf das unermessliche weltall der alten poesie nun auch den blick wieder auf eine gattung zu beschränken Fr. Schlegel jugendschr. 1, 202 Minor. 2@dd) die mit weltall verknüpfte vorstellung der totalität und universalität läszt es gelegentlich auch als quantitätsbezeichnung verwendet werden (vgl.welt XI); den ausgangspunkt des gebrauches zeigen belege wie: man nennt mit recht sie (die sonne) das modell von kOeniglichen geistern, die mit dem ersten blicke schnell ein ganzes weltall meistern Blumauer ged. (1782) 71; sein auge fliegt umher mit wildem muth, als fordert' er das weltall in die schranken A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 199; schon Herder verwendet das wort gelegentlich zur bezeichnung universaler fülle: wer ein maas von wichtigkeit, wer ein weltall in der seele trägt, dem wird ohnmöglich jedes kümmel- und staubkorn ewige welt der beschäftigung seyn können 9, 509 S.; dann abgeblaszt, im sinne von 'alles erdenkliche': um in seiner ruhe nicht gestOert zu werden, setzt er (der mensch) das weltall in bewegung Fr. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 1, 25; versprich das weltall in decreten, du fängst kein unterthanenherz Hoffmann v. Fallersleben ges. w. (1890) 4, 120; ... so würde ich wahrhaftig nicht klagen und wenn ein weltall von unannehmlichkeiten über mich hereinbräche (7. 10. 1831) Hebbel br. 1, 11 Werner. 2@ee) wie welt (s. dort unter V C 2) fungiert weltall mitunter lediglich als verstärkender zusatz: vielleicht giebt es ... edelleute nicht mehr im ganzen weltall (überhaupt nicht mehr) Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 225; das mutterherz ist der schönste und unverlierbarste platz des sohnes, ... und jeder hat im ganzen weltall nur ein einziges solches herz Stifter s. w. 1 (1904) 189; wo kommt denn sowas im weltall noch einmal vor! Th. Mann Faustus (1948) 127; insbesondere nach einer beiwörtlichen höchststufe: sehr elende wesen (sind wir) und die elendensten (!) im weltall! Zschokke ausgew. nov. u. dicht. (1838) 1, 70; wir Franzosen (bilden) in unserem ensemble das edelste ... volk des weltalls! Holtei erz. schr. 23 (1861) 47.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wêltall

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Wêltall , des Weltall, nicht Weltalles, plur. car. die ganze Welt mit allen darin befindlichen Himmelskörpern. Das W…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Weltall

    Goethe-Wörterbuch

    Weltall [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weltall

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Weltall , Weltgebäude, Univer- sum , heißt die Gesammtheit aller Himmelskörper u. die gegenseitigen bekannten oder blos …

  4. Spezial
    Weltalln

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Weltall , n вселенная , ж

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Zerlegung von weltall 2 Komponenten

welt+all

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Cotta, M. (2026). „weltall". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/weltall/dwb?formid=W16850
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Cotta, Marcel. „weltall". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/weltall/dwb?formid=W16850. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „weltall". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/weltall/dwb?formid=W16850.
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