weile,
f. ein idg. verbalstamm q
uĭ '
ruhen'
erscheint in aind. cirás '
langdauernd', cirayati '
zögern' Fröhde
in Bezz. beitr. 1 (1877) 199,
lat. quies, quiescere, quietus Walde
2634,
aslav. počiti '
ruhen', pokojĭ '
ruhe',
ačech. číla '
eine zeitlang',
čech. čilý '
frisch' Fick
vgl. wb. 43, 117.
gemeingerm. wird dieser stamm mit l-suffix (
vgl. lat. tranquillus < trans - qilnos)
erweitert zum fem. ô-
stamm germ. *hwîlô,
dessen ô
in goth. (ni)ƕeilôhun '(
auch nicht)
eine stunde lang' Braune
got. gramm. § 97. 163. 165
zu tage tritt: goth. ƕeila Feist 151
f., ahd. asächs. (h)uuîl(a) Graff 4, 1224
f.; Schade 439
b,
mhd. wîle
mhd. wb. 3, 668
b; Lexer 3, 886
f., ags. hwîl Bosworth-Toller 575,
mengl. hwîle Stratman 360,
anord. hvíla '
bett', hvíld '
ruhe' Fritzner 2, 139,
schwed. hvila,
dän. hvile Falk - Torp 440,
mnd. wîle Schiller - Lübben 5, 715,
engl. while Kluge - Lutz 226
a,
afries. (h)wîle Richthofen 836
b,
mnl. wîle Verdam 693
b,
nnl. wijl Franck-v. Wijk 794
f. die ableitung ist ihrer bildung nach isoliert und von früh an undurchsichtig, keine germ. sprache bietet den einfachen stamm, die bildungsweise kehrt nur bei goth. saiwala (
ahd. sêula, sêla)
wider: Wilmanns
wortbild. 2s. 268.
[] form. ahd. (h)wîla
als nom. sg. ist eine dem acc. sg. nachgebildete analogieform. die echte nom.-form (h)wîl
steht adverbial oder in formeln für alle casus: Braune
ahd. gramm. 3§ 207
anm. 2.
weiterhin ist zweisilbigkeit kennzeichen des subst. gegenüber der conj.: zu unterscheiden sind weil 'qvoniam', (die) weile 'mora' Bellin
hd. rechtschr. (1657) 138,
doch wird die obd. apokope der endung gelegentlich auch literarisch: dasz mir dabei die weil verzweifelt lang ward Bräker
a. mann im Tockenburg 9
Wilbrandt; Steinbach 2 (1734) 962
setzt weil
an und bevorzugt die einsilb. form in 13
beispielen von 16.
schwache sing.-formen begegnen bei Mitteldeutschen von 1536
bis 1657:
gen. der weilen Rebhun
dramen 2, 323. 5, 155
Palm; rhaums und weilen gnuog Sleidan
reden 147
Böhmer; entspr. 251; jeder weilen Heberer
ägypt. servit. (
Heidelb. 1610) 348; jederweilen Grob
dicht. vers. (1678) 24;
dat. an seiner weylen Rebhun 2, 282; mit der guoten langsamen weylen Frey
gartenges. 28, 9
Bolte; vor kurtzer weilen Neumark
fortg. mus.-poet. lustw. 2 (
Jena 1657) 43.
schwache acc.-formen fehlen, denn ein weillen Sachs 2, 31
Keller; fastn. 59, 175
neudr. ist mit seinem ll
vielmehr demin. (
s. weillein).
das vorkommen des plurals wird gelegentlich bestritten: weile & weil ...
plur. car. Stieler 2475; le pluriel n'est pas en usage Schwan 3 (1787) 1022
a; zu wîl gibt es keinen
plur. Brun
ma. von Obersaxen (1918) 155.
gleichwol begegnet er von Otfrid (io thên uuîlôn 3, 19, 24; sâr thên uuîlôn 5, 25, 62 '(
gleich)
auf der stelle'
bis ins 19.
jahrh.: in den weilen jagte herzog Heinrich Grimm
d. sagen 2 (1891) 100.
die starke form ist selten erkennbar: swie die wîle (
horae) sint gemeʒʒen
Mariengrüsse hg. von Pfeiffer, zs. f. d. a. 8, 286; etlich mal, in etlich weil oder weg Henisch 951, 30.
seit ende des 11.
jahrh. steht plur. vorwiegend in dat.-formeln: ze kurzen wîlen Friedr. v. Hausen
minn. fr. 50, 10; under den selben wîlen
Ulrichs leben von Albertus 546
Schmeller; underwîlen Tauler
pred. 38, 16
u. o. Vetter; entspr. Knebel
chron. v. Kaisheim 46. 183; Barletius
Scanderbeg (1533) 10
b; Dreytwein
Essl. chron. 40
Diehl; in den wîlen
pass. 406, 84
Köpke; entspr. städtechron. 5, 86, 21. 167, 6; Steinhöwel
Äsop 39. 253
Österley; Xylander
Polybius (1574) 33; in allen weilen
Endinger judensp. 40
Amira; in kurzen weilen Fleming
d. ged. 1, 83
Lappenberg; bî den wîlen Konr. v. Würzburg
Otte 402;
Troj. 25 238; bî wîlen Tauler
pred. 254, 19
Vetter; bey weylenn Luther
v. d. guten werken 64
neudr.; Eberlin 3, 124
neudr.; Franck
chron. zeytb. (1531) 20
b;
weltb. (1542) 200
b; Rotmann
rest. 21
neudr.; Gretler
ep. Pauli an d. Römer (1566) 814; Stumpf
Schwytzerchron. 483
b; vor langen weilen Fischart
Garg. (1575)
titelblatt; vor weilen Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1297
c.
verbreitung. weile
ist im ges. sprachgebiet stets gleich häufig. der alte freie gebrauch, der bei zeit
lebendig geblieben ist, hat bei weile
zu festen formeln geführt, in denen sich seit jahrhunderten die gesch. des worts vollzieht. daher stellt Teller
vollst. darst. d. d. sprache in Luthers bibelübers. 1 (1794) 94 weile
unter die wörter, die 'nach der beygefügten bed. in der guten schreibart nicht mehr üblich sind'.
in mundarten hat sich w.
vielfach bei frischem leben erhalten: Mankel
Münstert. (1883) 171; Fischer
schwäb. 6, 600; Schmeller
bair. 2, 888; Schöpf
tirol. 808; Bacher
Lusern 221; Schmeller
cimbr. 170; Petters
Nordböhm. (1865) 9; Gerbet
vogtl. § 239, 275; Liesenberg
Stiege (1899) 220; Crecelius
oberhess. 901; Heilig
Taubergrund § 78; Klein
prov.-wb. 2, 229; Hönig
Köln 201
b; Tonnar-Evers
Eupen 229; Danneil
altmärk. 247.
bedeutung und gebrauch. wie das sinnverwandte zeit
umfaszt weile
neben der gangbaren bed. '
zeitraum'
auch die seltenere '
zeitpunkt',
freilich nur bis etwa 1300: (
ich beichte) aller dere sunton, die ich ie gefrumeto uone anegenge mînes lîbis unz an dise wîle
kl. ahd. sprachdenkm. 336, 9;
entspr. 337, 43. 347, 54. 359, 91; obe sie die wîle firsûndin '
den augenblick versäumten'
Zürcher pred. des 12.
jahrh. bei Wackernagel
leseb. 131, 26; die guoten ... sterbint unde erstânt an einer wîle '
zu gleicher zeit'
lucidarius 67
Heidlauf; swâ
[] si wellint sîn, dâ sint si in einer wîle '
im gleichen augenblick'
das. 72, 24.
in aller regel bezeichnet aber weile
die '
zeitstrecke'. II.
selten ist es die mit der uhr gemessene zeitstrecke. von anfang des 12.
bis ende des 14.
jahrh. steht es bei obd. theologen im wechsel mit stunde
für lat. hora (canonica): des tages an der triten wîle dô trôster die sîne Ava
leben Jesu 2143
Piper; er lac eine halbe wîle an dem gebet
st. Ulrichs leben von Albertus 1312
Schmeller; dô kom unser herre an der vierdon wîle alder an der vierdon stunde der naht zuo in. wan uns scrîbent die maister, daʒ der tach zwelf stunde alder zwelf wîle hab
d. pred. 2, 35
Grieshaber; in der dritten wîle wart unserme herren die durnîne crône ûf gesezzet ... unde an der selben stunden com der heilige geist uber die zwelfboten
lucid. 37, 21
Heidlauf; entspr. 37, 27. 32; von der sehsten wîleunz an die vesperzît Wernher
Mar. 4.
im 12./13.
jahrh. dringt der gebrauch aus der geistlichen dichtung in die weltliche: (
dasz er) dehain wîle gelebete '
auch nur eine stunde' Konrad
Rolandsl. 303, 4
Grimm; lieb und alleʒ guot wünsche ich ir, die ich da meine, unde nîge aldar einer wîle tûsentstunt Konrad schenk v. Landegg
minnesinger 1, 358
a v. d. Hagen. IIII.
weiterhin ist weile
stets die ungemessene zeitspanne. die begriffsbestimmungen halten sich in vorsichtiger allgemeinheit: ein jeder unbestimmter zwischenraum der zeit, ein jeder zeitraum, er sey gegenwärtig, vergangen oder künftig Adelung 4 (1801) 1455;
von da Täubel
buchdruckerk. (1805)
anh. 19; Heinsius 4 (1822) 1566
b.
die erstreckung in der zeit wird gern der im raum parallel gesetzt: (
gott, der der sonne ihren lauf vorschreibt) gibt rawm und weil dazu Luther 24, 41
Weim.; jeder sinn hat seinen grad von schärfe und feinheit, seine weite und weile '
räumlichen und zeitlichen bereich' Herbart 5, 55
Hartenstein. II@AA.
freier gebrauch dieses weile
ist in alter sprache gangbar, in neuer zurückgedrängt. II@A@11) weile
ist hier mit zeit vertauschbar, das in seinem gebrauch die alte freiheit wahrt: ain burch haiʒet Spîre: daʒ enstuont niht lange wîle ('
stand nicht lange an'), unze si der chunich Liuther besaʒ
kaiserchron. 17060
Schröder; si hetenʒ niht geahtet einer hende wîle, ob er solte singen daʒ einer möhte rîten tûsent mîle
Gudrun 384;
vgl.: als lange als ein hant mac umbe gekêret werden Berthold v. Reg. 30, 34
Pfeiffer; Petters
beitr. z. dial.-forsch. in Nordböhmen (1865) 9; die frouwen dûhte diu wîle unlanc Wirnt
Wig. 245
Benecke; entspr. 10609; unde schuf des wortes (
lies: wirtes) stimme und sîn zorniger stôʒ, daʒ sie der wîle gar verdrôʒ
kl. mhd. erzähl. 208, 118
Rosenhagen; des rümens ist uff erd so vil, das es zuo zälen näm grosz wîle Brant
narrensch. 76, 93
Zarncke; die klain weyl würdet vertzogen in die lennge A. v. Eyb
spiegel (1511) 48
b; gehet darzu weniger müh und weil auff jhre reynigung Fischart
ehzuchtb. 241
Hauffen; ein scharrenden vogel brate mit eyl: eim schwimmenden aber lasz die weil Lehman
flor. 3 (1662) 74.
neuere jahrh.e lieben diesen gebrauch in nachbildung lat. rede: was ein yeder derglychen darzuo kan erdencken, nimpt lange wil (
longum est, omnia enumerare) Seb. Meyer
ernstl. ermanung (1522) 55
Schottenloher; freiheit, welche ... zuletzt nach daurender weile sich einfand (
longo post tempore) Voss
Virgil. 1, 12;
[] während das weib, durch gesang der arbeit weile sich lindernd, ämsig mit rasselndem kamm die gewechselten faden durchwebet (
longum cantu solata laborem)
das. 1, 145; vier sind die pausen nächtiger weile Göthe (
Faust v. 4626) I 15, 3
Weim. davon abgesehen wirkt er heute ungewöhnlich: wenn man älter wird, lernt man die dinge und weile, welche auch noch immer kürzer wird, erst recht schätzen Stifter 3, 271.
nur in österr. mundart ist er noch am leben: ja, as wird iehm hald d' weil um sein däubing so lang Stelzhamer
ausgew. dicht. 1, 11
Rosegger; lasz nur weil: i trau mi schon, es wird all's werd'n Schönherr
glaube u. heimat 28. II@A@22)
gröszeren raum nimmt im freien gebrauch die bed. '
musze'
ein, von den theoretikern durch synonyma gesichert: tantumne ab re tua est otij tibi? hast du deiner geschäfften halb so vil weyl oder muosz? Frisius
dict. (1556) 1
b;
entspr. 12
b. 937
a/
b; Maaler 491
b; weil, musz
f. loisir Ravellus (1616) 402
b;
entspr. Hulsius 1 (1618) 275
a; musze ... die zeit und weile, daher müszig sein, nichts zu thun haben Gueintz
d. rechtschr. (1666) 104.
so auch in der literatur: hatt yhm musz und weyl datzu nommen Luther 8, 354
Weim.; das er nicht müszig oder weil hett Kirchhof
wendunm. 2, 31; sie hatten der musz und weil nit Fischart
bienenk. (1588) 191
a; wann er bey guter musz und weile sich befinden würde B. v.
d. Sohle
don Kichote 25; dasz sie mit musze und weile arbeiten können Wieland
suppl. 6 (1798) 236.
danach ist die bed. '
musze'
auch ohne solche stützen sicher: was wöllen wir anfahen, das uns auch die weil weycht? Lindener
katzip. 139
Bolte; wir wollen denen gefangenen unterdessen ihre ... sorgenvolle weile lassen Weise
kl. leute (1675) 130; doch deucht mir daneben, euch plage viel weile: ihr dankt mir's wohl, wenn ich euch arbeit ertheile Bürger 66
a; so, ihr lieben musen, betrogt ihr wieder die länge dieser weile, die mich von der geliebten getrennt Göthe I 1, 254
Weim.; Haslau's gründe, felsensteile, vielbesucht und vielgenannt. seit der forscher thätige weile uns den egeran genannt
das. I 4, 304. II@A@33)
eine bed. '
verzug, aufschub'
begegnet seit beginn des 15.
jahrh.: nu füdert euch, man isst im dorffe, nempt kain weil Oswald v. Wolkenstein 43, 32
Schatz. auch sie wird durch die theoretiker gesichert, die z. b. in hd./nd. voc. des 15.
jahrh. lat. mora
ganz gewöhnlich mit wile, weil(e)
widergeben: Diefenbach
gloss. 367
b; conta (
von cunctari) eyn wyle
nov. gloss. 110
b;
entspr. Dentzler (1716) 345
b; die weile wir auch sonst verzug zu nennen pflegen Seume
kl. t. lex. 275.
dichter halten sie bis ins 19.
jahrh. fest: von stunden an war da die kro, und nam das fleisch, macht nicht lang weil, und floh davon mit groszer eil Alberus
fab. 28, 31
neudr.; (
in der schlacht) gebrauch weil, list, betrug, falsche flucht, angrif und aufzug Weckherlin
ged. 1, 240
Fischer; wir kommen selbst mit unserm angebinde durch weile und verdreusz, durch regen und durch winde Fleming
d. ged. 1, 155
Lappenberg; nur so lang sols haben weil, bisz er widerum sey heil
Rein. fuchs (1650) 406; dasz es uns (
freiern) mit witz, geduld und weil' bey strengen tugenden am sichersten gelinget Wieland 17 (1796) 59; wir lieben nicht weile! fahret uns schleunig in sprühender eile Grabbe 4, 85
Blumenthal. II@A@44)
wie rast
und weide (Much
Herrigs arch. 106, 360; Meringer
idg. forsch. 18, 236)
neigt auch weile
zur bed. '
verweilen': mit vleysz und mit weyl ansehen heyst schawen Luther 8, 203
Weim.; entspr. 6, 457; so vil
[] hundert menschen an einer predig sitzen und kum das drit wort behalten, solt denen teütsche bücher verbotten sin zuo läsen, dar inn sy mit der wyl möchten betrachten, was inen guot wer zuo der seel säligkeit?
gestr. Schwizer bur (1521)
hg. v. Voss, mod. philol. 7, 491, 34; zum welsen braucht man nicht lang weil, er will gesotten sein mit eil Alberus
fab. 19, 65
neudr.; die sach ist aber so gethan: sie mus ein wenig weile han, nim zeit dazu, so kanstus fassen Dedekind
christl. ritter (1590) D 4
b; ich schreibe sinn-getichte, die dürffen nicht viel weile Logau 595;
entspr. 540
lit. ver.; meine seufzer finden keine weile, eine zähre drängt die andre fort Bürger 96
a; aber er gönnte sich weile Storm 5, 132.
als gegenwort stellt sich schon hier eile
ein: anordnung, abwechslung, eile oder weile der scenen Herder 5, 362
Suphan. weiterhin wird die bed. durch die seelische nähe des zeitworts weilen (
s. u.)
gestützt: nun grünt ein wäldchen dicht empor, des wandrers lust und weile Voss
sämtl. ged. 5, 289; das moosbett winkt zu mittäglicher weile Wh. Müller 1, 384; die lust des glücklichen kennt keine weile Chamisso
ged. 443.
mit leichtem übergang grenzt '
verweilen'
an '
zeitaufwand': ein kleines vögelein bawet mit fleisz unnd weil sein nestlein Lehman
flor. polit. 3 (1662) 55. II@A@55)
von '
verweilen'
gelangt das 17.
jahrh. dazu, gute weile
als wunsch zu verwenden, wie sonst gute ruhe, gute nacht: drum gieng er in sich selbst und gab bei guhter zeit dem hoffe guhte weil Rist
Parnass 174; nun schwester, ich musz dir auch guhte weile geben
das. 377.
mit gute unterhaltung
ist zu umschreiben: dasz wir nicht erleben, dasz wir der jungferzunft nicht gute weile geben Fleming
d. ged. 1, 151
Lappenberg. II@A@66) '
gelegenheit'
bedeutet weile
mehrfach im 16.
jahrh.: do mit ein jetlicher verstendiger die weil hab zuo urtheilen Eberlin 1, 84
neudr.; dann die zeit gab jr kein weil, das es het künden verhälinget werden Boltz
Terenz (1539) 120
b; alsbald sy der weyl und komligkeit gehabt habend Frisius
dict. (1556) 1028
a; hat auch ... Innocentius, mit nachkommener weil, das berürte land ... an sich gezogen Fischart
bienenk. (1581) 127
b.
in übersetzungen tritt diese bed. auch später noch auf: wir wollen es bey beszrer weile lesen (we'll read it at more advantage) Shakespeare 6, 92. II@A@77)
ihr nahe ist '
reihe des handelns': als nu Othonis weil kam, verhört er alle sach S. Franck
chron. Germ. (1538) 91
a,
die sich verdichtet zu '
arbeitszeit, schicht': szo der küchenmeister die weyle ('
jour') hot, sal er auch zu zeytten mit zusehen Michelsen
Mainzer hof (1853) 45; es hat aber solcher plutarchischen tractat etliche ... Fischart ... neben seiner weil für lust und übung zu verteutschen angefangen Jobin
vorr. zum ehzuchtb. 118
Hauffen. so ist nam. bergmännisch weile
zu '
feierschicht'
geworden (
s. o. weilarbeit): berg-schicht, wenn ... die arbeiter bey der weile die berge uff kästen in die grube setzen Schönberg
ausf. berg-inf. 2 (1693) 14; wann bey der weil (nach der ordinari-schicht) der berg ... auffgereumet wird Berward
phras. met. (1702) 19; man sagt alsdenn, dasz die arbeit in der weile getrieben worden Jacobsson
techn. wb. 4 (1784) 622
a;
entspr. Adelung 5 (1785) 136; Campe 5 (1811) 644
b; Heinsius 4 (1822) 1566
f. Mathesius
setzt diese bed. schon 1571
voraus: hab ich ... bey meiner weil ... die sprüche ... meinen scheflein auszlegen wöllen
Sar. vorr. 2
b.
selten ist sie bei andern handwerken: weile (zinngieszer) ist eben von bedeutung wie weilarbeit Jacobsson 8 (1795) 168
b. II@A@88)
feste sachliche sonderungen entwickeln sich von '
ruhezeit'
aus im 19.
jahrh.: '
sprachliche pause, senkung': wenn aber an eine betonte silbe eine andre, ohne dazwischen eintretende weile, gehängt wird W. Humboldt 4, 315; '
tierischer winterschlaf' Unger-Khull
steir. 626
a.
[] II@BB.
seit langem herrscht formelhaft gebundener gebrauch weitaus vor. II@B@11)
die älteste und häufigste formel, in der weile
auftritt, ist der acc. der zeit: Grimm
gramm. 3, 140
f. vor die entstehung des absoluten gebrauchs zurück weisen fälle, in denen die formel durch trans. verba in den satz gefügt erscheint: byt ain wyl (mane pauxillulum) Steinhöwel
Äsop 9
und 41
Österley; wart eine weil, harre eine weil Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1297
b; ach meister, lieber meister mein, lasz mir ein kleine weile! ein kleine weile lasz ich dir nicht
Uhlands volksl. 301; indesz wir hier eine weile auf der jagd zubrachten J. G. Forster 2 (1843) 92. —
weitaus vorherrschend ist absoluter gebrauch. II@B@1@aa)
die formel eine weile
macht ihr glück durch ihre unbestimmtheit. über die dauer der gemeinten zeitspanne soll nichts ausgesagt werden: da wolt er ein weil wenen, es wär ein tier
sommerteil der heil. leben (1472) 5
c; itzt bleibt sie eine weile stehen Ramler
einl. in d. sch. wiss. 1 (1758) 314; dann sieht er ihn eine weile mit groszen, starren augen an Schiller 5 ii 401; damit hätten sie eine weile etwas bestimmtes zu thun Göthe IV 8, 244
Weim. daher ihre eignung für eine weiche, müde prosa: sie stand eine weile an der einen zimmerwand ... (die arbeit) nahm sie bald so in anspruch, dasz sie eine weile des Moses vergaszen ... eine weile lag sie ohnmächtig am weg E. Zahn
die da kommen (1909) 289. 298. 325.
aus ihrer umgebung im satz kann die formel ganz verschiedene färbung erhalten, je nachdem bedeutet sie '
einmal': ein weil nam er im für (
gab er vor), er were nicht zu lant
städtechron. 2, 128, '
auch nur für kurze zeit': Petre, mochtestu nit ... ain weyl wachen mit mir?
passionssp. a. Tirol 49
Wackernell, '
so lange': fleucht sie, so lauff jr nach mit eil, umbfangs und halt sie dann ein weil, dasz sie dir nicht entpfliehen kan Scheit
Grob. 1127
neudr., '
ein wenig': Hieronimus, nachdem er sich eine weile bedacht, sprach Kortum
Jobs. 1 (1799) 90, '
manchmal': darumb so greifft er den menschen ein weil zur rechten an Dedekind
chr. ritter (1590) A 2
b. —
aus dem satzzusammenhang sind auch die gewohnheitsmäszig auftretenden färbungen bestimmt: II@B@1@a@aα) '
eine zeitlang': die sel in dem lyb mit küssen und früntlichem halsen ain wyl zebehalten Steinhöwel
cl. mul. 56
Drescher; da hatte er einen guten freund gehabt, der hat ihn ein weil aufgehalten Aurifaber
Luthers tischr. 1, 394
Weim.; dann ich sie eine weile nit hindern wil
schausp. der engl. com. 294
Creizenach; wenn er sich eine weile durch das ... bürgerliche leben hindurch gearbeitet hat Thibaut
notwend. e. bürg. rechts (1814) 465.
so nam. gern bei Göthe: I 19, 219. 24, 28. 25, 257. 31, 104. III 1, 96
Weim. im klang ist die unbestimmte wendung edler als eine zeitlang: er wird zwar eine weile mit seinem trost verziehn P. Gerhardt (1653)
bei Fischer-Tümpel 3, 373
b; und nimmt an seine brust den kleinen. so eine weile sitzen sie Droste-Hülshoff 2, 39
Cotta; in diesem heimlichen spielwerk (
Händels) bemerkte man die neigung, eine weile still in sich zu beharren Chrysander
Händel 1 (1858) 16; sie vergessen dabei (ein fehler, in den jeder fällt, der eine weile von hier fort ist) die persönlichkeiten, welche doch das entscheidende sind Bismarck
ged. u. erinn. 1, 127. II@B@1@a@bβ) '
gemessene zeit'
ist die gegebene umschreibung in einer fülle von sätzen ausgeprägt prosaischen klangs: fleuch zu meinem bruder Laban in Haran, und bleib eine weile bei ihm
1. Mos. 27, 44; daran ich mich unter einen baum legte, desz willens, ein weil zu schlaffen Grimmelshausen 2, 366
Keller; man sagt, dasz Newton immer, wenn er den namen gottes ausgesprochen, eine weile innegehalten und nachgedacht habe Kant
[] 10 (1839) 446; er sieht den grafen eine weile an und winkt ihn zu sich Iffland 1 (1827) 59.
dieser klang bleibt auch wenn die formel in versen steht: dan ir (
der Limmat) war ungwont solch schnell schiffen und het sie gern ein weil ergriffen Fischart
glückh. schiff 236; als sie sich eine weil' hett also rumbgeübet, drauff ihr zu fusze nun zu fechten auch beliebet D. v.
d. Werder
Rol. 4, 21; erst sitzt er eine weile die stirn von wolken frei Göthe I 4, 159
Weim. wechselnde gegenworte heben diesen sinn heraus: so sie ein weil still gebrummet haben, behend dar uff fahen sy an, schryen als weren sy unsinnig Eberlin 1, 59
neudr.; nachdem die geschichte den stätigen fortgang der entwickelung eine weile begleitet hat, findet sie sich plötzlich in der mitte einer allgemeinen bewegung Ranke 4, 3. II@B@1@a@gγ)
für unser gefühl zu leicht erscheint das wort für den einschnitt am ende eines langen buchs: hie wollen wyr eyn weyle stillhalten, das nit werde das buch tzu grosz und ubirdrussig tzu leszen Luther 10 i 1, 728
Weim. aber ältere und mundartnahe sprache brauchen die formel gern mit dem blick auf die erstreckung: man solle einen einsperren ... und sin ein wile vergessen G. L. Kriegk
d. bürgertum, n. f. 37
f.; ey ne ihr müst noch eine weile fasten
engl. comed. (1624) Z 8
a; ich fühle mich gesund, und hoffe, dass es eine weile damit dauern soll Lessing 17, 423; hab mir was untergestopft, da kann man's (
die hiebe) schon 'ne weile aushalten Alexis
hosen 1 (1846) 305.
im klang kommt sie hier unserm soldatischen nicht zu knapp
am nächsten: fur unser rachn ein gut gericht uns abermals ist wordn zu teil, doran wir uns (hoff ich) ein weil erlüsten wölln
Schades satiren 1, 100, 18; herr Brecht war es sich schuldig, auch wenn er unbeschäftigt war, eine weile warten zu lassen Mann
Buddenbr. 2 (1914) 372.
sie ist dementsprechend beliebt in derber und komischer rede: auch wiltu vor junckfrawen brangen, so lasz (
beim anziehen) ein weil die hosen hangen bisz auff die schwartzen knie hinab Scheit
Grob. 144
neudr.; da hetten dann die lieben gfattern ein weil vom kindlin viel zuschnattern Fischart
Eulensp. 31
v. 72
Hauffen; ich hab meinem gesellen eines angemacht bey der herrschafft, er wird eine weyle daran zu schlucken haben Moscherosch
ges. 1 (1650) 446; ich richtet ihr ars und schenckel dermaszen zu, dasz sie wol eine weil an das käse-beseigen gedencken wird Grimmelshausen 2, 367
Keller; denn an Werther ... haben sie eine weile zu drucken Göthe IV 8, 35
Weim.; as he eer so ne wile anseen had, so sed he: ach fru, wat lett dat schön, wenn du könig bist Grimm
märchen 1 (1812) 73; wie ich eine weile im wirtshaus nicht gezahlt hab' ... so ist der barometer seiner dienstfertigkeit auf's hinauswerfen g'stiegen Raimund 1, 7
Glossy. in ernster prosa ist '
geraume zeit'
die sachgemäsze umschreibung: küszt ihre hand lange wieder und sieht sie eine weile stumm an Lenz 1, 29
Tieck; der lärm war grosz und dauerte eine weile fort Göthe I 43, 107
Weim.; nachdem dieselbe (
die belagerung) eine weile gewährt hatte Mommsen
röm. gesch. 1, 336; nachdem der könig eine weile schweigend dagestanden hatte ... wandte er sich gegen Gerlach Bismarck
ged. u. erinn. 1, 67.
je nach dem satzzusammenhang können aber auch andere umschreibungen passender erscheinen: '
solange du willst': die leuth zu unseren zeiten seynd weit anderst beschaffen, als Josue; warum? frag ein weil, darum, darum A. a S. Clara
Judas 1 (1687) 322, '
über erwarten lange': sollte es sich treffen, dasz sie eine weile keinen brief von mir erhielten, so rechnen sie es der jetzigen unordnung der posten zu Grillparzer (1813)
jb. d. Grillp.-ges. 1, 8. II@B@1@a@dδ) '(
für)
kurze zeit'
als bed. der formel ist alt: daʒ plei ... drükt und senftigt etleich smerzen ain weil.
[] wenn man eʒ zeflœʒt, sô scheint eʒ ein weil, aber über ain klain stunt sô wirt ez dunkel Konrad v. Megenberg
b. d. nat. 481
Pfeiffer, und hält sich zäh: (
der drechsler) musterte es eine weile und sprach dann mit gönnermiene: recht nett Ebner-Eschenbach 1 (1893) 142,
wird aber nie häufig, auch bei den theoretikern nicht: paulisper / ein weil, ein wenig tzeyt /
ὀλίγον χρόνον Garth
lex. (1657) 571
b.
am liebsten hat sie ihre stelle in der aufforderung: heb still eine weyle Boltz
Terenz (1539) 90
b; nun schweigt ein weyl und habet rhu H. Sachs 2, 40
Keller; gebt mir nur ewren doldrian in die hand ein weyl Schumann
nachtb. 15
Bolte; jetzmals hab ein weil gedult
Amadis 1 (1569) 49
Keller; ruh eine weile, o wind Göthe I 37, 68
Weim. II@B@1@a@eε)
seit dem 12.
jahrh. fällt der ton oft auf das vorübergehende des mit eine weile
gekennzeichneten thuns: dô bat der bischof minneclîchen die juden eine wîle entwîchen
jüdel 134, 14
Hahn; sie wolde daʒ blüende blüemelîn ir blüenden magetuomes wern, eine wîle vor Tristande nern Hnr. v. Freiberg
Trist. 704
Bernt; nun heb uff frölich dein antlitz, vergisz ein weille deines leidens
der ewigen weish. betb. (1518) 28
a; war doct. Fausti beger, das er morgen umb 13 uhr zu nacht jhm erscheinen solt in seiner behausung, des sich der teuffel eine weile wegerte
Faustb. (1589) 12
Fritz; wir sollten ihnen an der arbeit helfen, und so thaten wir eine weile Göthe I 43, 283
Weim.; eine weile sagte weder sie noch Schinnagel ein wort Handel-Mazzetti
Jesse 1 (1911) 39.
diese bed. kann erzwungen werden durch die art des vorgangs; (
die kranke) soll sich allwegen nach dem schwitzen ein weil niderlegen, bisz sie wider erkült Gäbelkover
arzneib. 2 (1595) 5; im october ... musz man ... die zarten welschen bäume unter das dach bringen, vorher in einer galeria ein weil stehen lassen, damit sie allgemach von der lufft sich entwehnen Hohberg
georg. cur. 1 (1682) 427; wesen, die sämmtlich nur dadurch eine weile bestehen, dasz eins das andre auffriszt D. Fr. Strausz 6, 147; die verliebtheit dauerte dabei fort, aber wie das blühen der pflanzen, das in eingetretener frühlingskühle eine weile unentschieden bei halbgeöffneten kelchen anhält G. Keller 3, 200; mein atem setzte eine weile aus B. Kellermann
Ingeborg (1911) 13,
oder durch eine zeitbestimmung: wenn gleich got ein weil wird zu sehen, wird er doch zu letst darein schmeissen Luther 19, 302
Weim.; der Jacobinerclub, dessen präsident Mirabeau letzten winter eine weile gewesen war Dahlmann
gesch. d. fr. rev. (1845) 360; die ... gesellschaft hatte ihn eine weile gehätschelt und dann, des spieles müde, das spielzeug fallen lassen Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1 (1886) 318.
die zeitbestimmung tritt in gegensatz zu eine weile
und rückt den blick auf den nachfolgenden vorgang: (
er) blib alda ein weil, zoch demnach fürwert Tschudi
chron. helv. 1, 49; der graff ... verzohe ein weil, gieng darnach zu den herren Rätel
Curäi schles. chron. (1607) 159; worauff sie eine weile geblieben, hernach wieder nauf gangen Thomasius
ged. u. erinn. 1 (1720) 10; frau Wolff horcht eine weile, öffnet dann leise die thür G. Hauptmann
biberp. (1893) 22; eine weile mag es gehen, aber mit einemmal hebt die katze die pfote, und der hund packt zu Fontane I 6, 64.
diese einstellung des blicks bleibt dann, auch wenn der ausdruck fehlt: Louise sieht ihn eine weile stumm und bedeutend an Schiller 3, 370; das kind war eine weile still Auerbach 15, 3. II@B@1@bb)
wie der alte instr. weiland (
s. o.),
so tritt auch der acc. der zeit in reciproker formel auf und zwar vom 13.
bis 17.
jahrh.: eine wîle jagete er'n hin, eine wîle her
rosengarten d 452, 2
Holz; man gab den geraising auch albeg zaichen ... daz warn pinten, ein weil rot, ein weil weisz, ein weil ploe, nicht ain weil von varben als die andern
städtechron. 2, 259 (
Nürnberg 1449); also mag freyer will ... hie auf
[] erd guot oder pOes sein, ain weil dits wellen, ander weil das oder gar nichts wellen, yetzund wol wellen, darnach ubel wellen Berthold v. Chiemsee
t. theol. 258; Bucerus ist ain weil kalt, ain weil warm Nas
antipap. eins und hund. 1 (1567) 7
b; und er hat umb ein andre gworben ... ein weil mit drohen, ein weil mit bitt Ayrer 3, 1927
Keller. II@B@1@cc)
durch hinzutretende adverbien wird die formel bestimmter gestaltet. II@B@1@c@aα)
voraus gestellt erscheinen mehrfach schon und nur: ich hab' es (
das pferd) schon eine weile Göthe I 8, 271
Weim.; wir haben hier schon eine weile gehalten Tieck 1 (1828) 118; ist doch, was du nennest dein, dein nur eine weile Rückert
ges. ged. 6 (1838) 320; dasz ich auch möchte ruhn einmal, und wär's nur eine weile, Geibel 1 (1888) 56,
weit häufiger und längst vorher noch: zuerst in Thüringen 1523: ich hab tzwar ... auch eyn offenbarung gehabt, wil es aber noch eynn weyll bey mir behalten
flugschr. d. ref. 1, 142
Clemen, danach gern in md. lit.-prosa: so ists ein anzeigen, das er noch wol eine weil eines schulmeisters bedarff Luther 26, 356
Weim.; entspr. 19, 655; das die welt noch ein weil stehen sol Musculus
hosent. 8
neudr.; ich ... schwätzte noch eine weile mit dem pfarrer, und ging dem gubernator auffzuwarten Grimmelshausen
Simpl. 75
neudr.; dasz man noch eine weile den mantel nach dem winde hienge Lohenstein
Arm. 1 (1689) 23
b.
die handlung weist hier immer in die zukunft, doch wird die formel früh auch in die erzählung übertragen: nach vollendter malzeit blieben ... noch eine weile bey dem könig A. U. v. Braunschweig
Octavia 1 (1677) 9; noch eine weile harrten sie aus angst H. P. Sturz 2, 294,
in beiden arten bei Göthe I 3, 326; II 1, 8. IV 8, 91.
im klang bleibt die formel nüchtern, auch wo sie einmal in versen steht: solange nicht die menschen lernen fliegen, was hoffentlich noch ansteht eine weile Rückert 3, 132.
recht am ort ist sie in ernster prosa: seine nächsten collegen ... die ihm noch eine weile widerstand geleistet, bekannten sich endlich ... bezwungen Ranke 1, 202; gehn wir ihm (
Oesterreich) zu weit, so wird es scheinbar noch eine weile mitgehn, namentlich mitschreiben Bismarck
ged. u. erinn. 2, 19.
möglich ist sie auch in der mundart: der alt steht auf und brummt no a wei K. Stieler 1, 50
Reclam. II@B@1@c@bβ)
nach gestellte zeitadverbien sind lang: (
man soll den schwachen) zcu lassenn, das sie ettlichen werckenn eyn weyllang umb yrs gewissens willenn noch an hangen Luther
v. d. guten werken 18
neudr.; entspr. das. 101; während er eine weile lang mit ihr sprach Zahn
die da kommen (1909) 186,
zuvor und vorher: magst, ob du wilt, ein weil zuvor lan sehen dein kolschwartzes har Scheit
Grob. 1072
neudr.; wann ungewitter vorhanden, dasz dann der vogel ein weile vorhero übrige speise suche Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 209,
hernach und nachher: kurze weil' hernach kam Chryses Bürger
Ilias 1, 523; eine weile nachher der page der königin Schiller 5, i 99,
am häufigsten darauf: (
man läszt salpeter) verbrennen, und ein weil darauff im flusz stehen Ercker
beschr. aller min.-erzt (1580) 12
b; eine weile drauf jagst du hinterher Schiller 2, 3;
entspr. 3, 551. 4, 202; um eine gute weile darauf wieder zu erscheinen G. Keller 4, 75. II@B@1@dd)
seit ahd. zeit treten wechselnde attribute zum acc. der zeit, um ihn eindeutig zu gestalten: uuizît nû ... theih bin mit iu ... luzila uuîla Otfrid 4, 13, 4.
dabei wechselt artikellosigkeit mit best. und unbest. artikel: war umb lât man mich kain wîl leben ân dich? Wernher
Marienl. 10 792
Päpke; [] der pleib da heimen und schon seins leibs und hüt die selben weil seins weibs
fastn. 767, 5
Keller; schawt, als ich in dem himel klar ein eben weil gewesen war Ringwaldt
christl. warn. (1588) E 5
b; sein fürstliche hofhaltung hielt er zu zeiten auf Tirol, die merer weil aber auf dem schlosz Zenonberg Brandis
gesch. d. landeshauptl. 28; unser auge war licht, sah zu der göttin auf! wenig weile, da war sie verschwunden Klopstock
oden 2, 53; wir muszten's fühlen eine feine weile, wie du kannst zücht'gen Rückert 1 (1867) 35.
einige dieser bestimmungen der dauer werden stehend. II@B@1@d@aα)
lang seit mitte des 13.
jahrh.s: daʒ kint lebet als lange wîle, daʒ eʒ diu ougen ûf tuot und sihet die vier wende des hûses
Schwabensp. landr. 2 275
Gengler, artikellos auch: daʒ uns iht moge letzen keine alzû lange wîle
Elisabeth 10 479
Rieger; mîn herzeliebeʒ schäfelîn, daʒ lanc irric ist gesîn unt lange wîle was verlorn
schausp. d. mittelalters 1, 232
Mone, seither mit unbest. artikel: sy vachten also swynde des dages eyne lange wyle Karlmeinet 178, 24
Keller; ich stunde eine lange weile und sahe mich fast krum Prätorius
glückst. (1669) 120; die Griechen blieben eine lange weile bey dieser alten art zu schreiben Gottsched
d. sprachk. (1748) 56.
der gemeinte zeitraum kann bis zu jahren anwachsen: als ich von einem glaubwürdigen manne für gewiss verstanden habe, der ... sich eine lange weil beym fischhandel an erwehnten nordischen ortern auffgehalten Prätorius
saturn. (1663) 18; da sie eine lange weile um die priorität mit groszen kosten certiret hatten
pol. maulaffe (1679) 70; der ein lange weyll bey enck und im Pummerland umerkugelt ist Schwabe
tintenf. (1745) 51,
braucht aber auch nur viertelstunden zu umfassen: eine lange weile zählte ich in jeder sekunde mehrere blitze Moltke 6, 347; sie ... schwieg gebeugten hauptes eine lange weile Holtei
erz. schr. 7, 75.
gelegentl. erscheint die formel gesteigert oder erweitert: eine lange, lange weile Fontane I 5, 198; ein gute lange weil Gäbelkover
arzneib. 1 (1595) 8; eine lange traurige weile Möser
patr. phant. 2, 34. II@B@1@d@bβ)
gut im sinn von '
reichlich'
steht, wie neben andern maszangaben (meile, strecke, stück, teil, pfund, stunde),
auch vor weile,
zuerst 1305: ein lehen, da ich und der probst ... guet weil umb chriegt haben
monum. boica 9, 602,
danach bei übersetzern (Arigo
dec. 46. 603
Keller)
und reformatoren (Zwingli
d. schr. 1, 124
Schuler),
vor allem aber in romanen seit 1583:
Amadis 1, 141. 345
Keller; b. d. liebe 331
b; Zesen
Rosenmând 30; Zigler
Banise 299; Lohenstein
Armin. 2, 1114
a; Happel
akad. roman 504; Laroche
Sternheim 1 (1771) 21; O. Ludwig 2, 14; Raabe
kinder v. Finkenrode 436; G. Keller 5, 46; Ebner-Eschenbach 4, 105.
die handlung gehört hier überall der vergangenheit an, ebenso in den seltenen lex. und dichterischen zeugnissen: da sasz er ein guote weyle
lied v. hürn. Seyfried 30
neudr.; es hat eine gute weil gewähret Kramer
t.-it. dict. 2 (1702) 1297
b.
vereinzelt steht die formel von gegenwärtiger und künftiger handlung: so könnet ihr eine gute weile ... euch vor dem durst präserviren Fleming
t. soldat (1726) 365
a; meine hoffnung, dasz du vernünftig werden würdest ... ist nun wieder eine gute weile hinaus geschoben Göthe I 23, 246
Weim.; so kann denn das ... schweigesystem noch eine gute weile vorhalten Schopenhauer 1, 27
Grisebach; es wird noch eine gute weile dauern, bis die Preuszen in Schwaben als Deutsche gelten Treitschke
briefe 2, 408.
auch ziemlich vor weile
ist von vornherein quantitätsbest.: nach diesem macht er ... zeichen und murmelt eine zimliche weile Gryphius
trauersp. 96
Palm; diese scene ... dauerte eine ziemliche weile Wieland
Agathon 1 (1766) 255; wir neckten einander
[] eine ziemliche weile herum Göthe I 27, 169
Weim. höchstens in höfischer umwelt mag der alte wortsinn von ziemlich
noch mitklingen: redet mit i.
f. g. eine ziemliche weile Schweinichen
denkw. 156
Österley. II@B@1@d@gγ)
klein ist lit. wenig später bezeugt als gut: er wirt gar snell kalt und bedäut die läut, die ain klain weil gelaubent und zehant wider vallent Konrad v. Megenberg
b. d. nat. 220
Pfeiffer, lex. weit früher: paulisper / chlain weil Diefenbach
n. gloss. 283
b aus e. Inntaler voc. von 1429.
an der starken verbreitung der formel ist die bibelübers. betheiligt: ich bin noch ein kleine wyl bey euch
Zürcher bibel (1531)
Joh. 13, 33 (eine kleine weile Luther); verzeuch eine kleine weile Luther 2.
Makk. 7, 17.
oft in aufforderungen: ein klein wile sollet er hie beidden
Alsfelder pass. 2656
Grein; beiten ein cleine weil
Eulensp. 24
neudr.; verziehend nun ein kleine wyl H. R. Manuel
weinsp. 204
neudr.; wolan, verzeuch ein kleine weil Spreng
Ilias 77
a; setz dich es ein' kleine weil nieder Herder 25, 146
Suphan. beziehung auf die zukunft wird durch zusatz von noch
verdeutlicht: ewer gnade wol noch ein clein wil gedult han
privatbr. d. mittelalt. 1, 58
Steinhausen; entspr. Pietsch (1740) 328; Wieland
Lucian 1 (1788) 95; G. Keller 6, 104. II@B@1@d@dδ)
kurz ist seltener aber alt: wolde ein mensche eine kurze wîle mit flîʒe erbeidin gegin deme fleische, he queme schîre zu grôʒir rûwe
parad. anime 80
Strauch. der art. kann fehlen: di sêle ist wol heilic ... aber kurze wîle
das. 137; auf des lebens bahn dahin fleugt der mensch mit sturmeseile, dann in treuer freunde sinn dauert er noch kurze weile Uhland
ged. 1, 5; Richard besann sich kurze weile, er schlug das haupt ihm in zwei theile 1, 324.
in der regel steht er: or etzliche lebeden eyne korcze wiele
Erfurter hs. von 1447
hg. v. Bartsch, Germ. 30, 201; eine kurze weile, dann wandte er sich ab Storm 1 (1899) 36.
widerum kann noch
vortreten: so giengs noch eine kurze weile fort Bräker 1 (1789) 83; nun ... wollte Siegbert noch eine kurze weile bleiben Gutzkow
ritter v. geist 1, 31. II@B@1@d@eε)
geraum tritt schon 1645
vor weile: wir (
hatten) eine geräume weil gestritten Birken
fortges. Pegn.-schäf. 32,
doch gewinnt die formel erst im 19.
jahrh. rechten boden: obgleich ich schon eine geraume weile vor ihm stand Pückler
briefw. 2, 150; eine geraume weile bemühte man sich Bennigsen
nat.-lib. partei (1892) 101; nachdem der gottesdienst vorüber, stand man noch eine geraume weile vor der kirchenthür Polenz
Büttnerbauer 1 (1895) 5.
hier ist vom acc. der zeit die rückkehr zum nom. gewonnen: eine geraume weile verging, eh' ich mich zu dem ersten strich entschlieszen konnte G. Keller 1, 201. II@B@1@d@zζ)
ganz ist beliebt beim spätern Göthe I 22, 49. 43, 248; II 2, 165; IV 26, 287
Weim., selten bei anderen: solche ... stellungen ... halten sie manchmal eine ganze weile auf das unnatürlichste aus Solger
nachgel. schr. 1 (1826) 56; es steht jemand dahinter, der eine ganze weile schon kein auge von ihnen läszt Mörike 3, 42
Göschen. II@B@1@ee)
acc. der zeit mit bestimmtem artikel ist alt: thô uuard sâr thia uuîlamihil erdbiba Otfrid 5, 4, 21; mir was die wîle als ichenmitten in dem meien wære Walther 118, 35; wand daʒ er dar umbe digete die wîle er lebete Adelbreht
Joh. baptista 154
Kraus; die wîle unz ich daz leben hân, sô bist du mir vil liep Kürenberg
minn. frühl. 9, 25; al die wîle bûde Ênêas sîne borch Albâne Hnr. v. Veldeke
Eneit 4534,
und führt zur entwicklung der adv. und conj. (all)dieweil
und weil,
die th. 1, 216. 232. 242; 2, 1146
ff. und o. sp. 762
ff. dargestellt sind. [] II@B@22) II@B@2@aa)
auch der absolute gen. mit best. artikel führt zu adv. und conj., s. derweil(en)
th. 2, 1026
f. und Grimm
gramm. 3, 134. mittlerweile
als adv., präp. und conj. ist th. 6, 2391
u. 2425
behandelt. vereinzelt bleibt neulicher weile: dieweil Burkhart G ... neulicher weil beim vorigen regiment umb 10 fl., dasz er sich bessern sollt, gestraft ... wurde
mitteil. d. geschichtsver. Eisenberg 16, 11 (1563),
dagegen spielt nächtlicher weile
seit beginn des 17.
jahrh. eine rolle: als er schlieff nächtlicher weyl verborgen tieff Spreng
Ilias 13
a; ein heil. Nicolaus ... hat nächtlicher weil drey armen töchtern ein heyrath-guth eingelegt A. a S. Clara
Judas 1 (1687) 277; einmal nächtlicher weile überraschte
N. ein paar mädchen im roggenfelde Arndt
schr. f. s. l. Deutschen 4, 395; ich ... zog nächtlicher weile die Ramsauer landstrasze dahin H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 21.
jetzt nur in alterthümelndem oder getragenem stil: (
das psalterbuch) hatte der neidische Sindolt nächtlicher weile zerschnitten Scheffel
Ekkeh. 49; in seiner unergründlichen tiefe kann man nächtlicher weile zauberspuk sehn Laistner
nebelsagen 89.
vom gen. geht das seltene adv. dickweilen '
oft'
aus, neben dem dickweils
steht: Kramer
t.-it. dict. 2 (1702) 1297
c. II@B@2@bb)
gen. sind ursp. auch wendungen gemeint wie: mord! zum erschlagen hat's noch weile Schiller 3, 140; mit ihr hat's immer noch weile Tiedge 4 (1823) 157,
wie es in älterer zeit sichtbar wird: wenn ich mehr zeits, weilen bekommen habe Apherdianus
meth. dic. (1601) 294. weile
wird aber hier (
wie zeit
in entspr. fügung)
seit langem als acc. gefaszt: mit dem tödten hat es nun gute weile Klinger 6, 177; sie sehen, lieber Bamberg, dasz es mit meiner heimreise gute weile hat Hebbel II 3, 257. II@B@2@cc)
im 13./14.
jahrh. ist freier gebrauch von weile
möglich im sinn des heutigen im lauf der zeit: in der selben wîle zil gie der gotis wîgant Moyses und tet zehant gotis gebot Rudolf v. Ems
weltchron. 10 209
Ehrismann; das in kurczer wîle vart sîn dürriu ruot grüene wart Wernher
Marienl. 1731
Päpke; offenbar von hier aus haben sich formeln entwickelt, in denen vom stoffbegriff weile
der gen. zeit
abhängig gemacht wird: hertzlieb ich muesz mich scheiden, und dich ein weil zeit meiden Glanner
t. liedl. 1 (1578)
nr. 20; diese seelecken ... sollen im fegfewr ein weile zeits gebraten, gesotten oder geröstet werden Fischart
bienenk. (1588) 119
a.
hier wird nnl. en wijl tijds
nachgebildet, das in Aachener ma. als en will zitts
bis heute '
eine zeitlang'
bedeutet: Müller-Weitz 262.
als maasz eines in den gen. part. gestellten stoffs erscheint weile
auch md.: sie (
die hoffnung) verschertzt gott und das himmelreich umb einer kleinen weile augen-lust J. Böhme 5 (1620) 72. II@B@33)
der formelhaft gebrauchte instrumental hat die unter weiland
dargestellte entwicklung genommen. mit ihm zus.-gesetzt sind bisweilen
th. 2, 48
und einstweilen
th. 3, 317
f. II@B@44)
fügung mit präpositionen neigt gleichfalls früh zu formelhaftem gebrauch. unter fast 250
fällen ist nur eine gen.-rection: während einer ganzen weile Fontane I 6, 3.
aus dem rahmen fällt ferner die junge fügung seit einer kurzen weile Zahn
die da kommen 60.
reciprok gebraucht wird von weile zu weile
spec. eccl. 49
Kelle; städtechr. 5, 53; Franck
chron. Germ. 70
b; Knebel
chr. v. Kaisheim 107.
auch postposition findet sich: die weil' über Lenz 1, 53
Tieck. alt und zahlreich sind formeln ohne artikel, solche mit best. art. bleiben seltener als die mit unbestimmtem. nach ihrem alter geordnet bieten sich die folgenden formeln: II@B@4@aa)
in thia wîla
ist schon im 9.
jahrh. erstarrt zur bed. '
für jene zeit, inzwischen': ni hilfit iuih thiu îlathanne in thia uuîla Otfrid 4, 13, 6; uuaʒ hilfit nu then muadon man ... thaʒ sint imo untar hentiellu uuoroltenti, oba er in thia uuîlafirliusit sîna sêla 3, 13, 33.
[] weiterhin nur mit dat.: zuo den selben stunden driu holcz dar an begunden grüenen und gâbent este ... in der wîle mit genucht Wernher
Marienl. 3030
Päpke. vom 14.
bis 17.
jahrh. steht in der weil '
zu gleicher zeit'
bei dichtern (Arigo
dec. 94; Füeterer
Lanz. 46
Peter; Sachs 1, 216
Keller)
und historikern (
städtechr. 1, 42. 15, 304;
zimm. chr. 1, 38; Xylander
Polybius 6),
hier auch einmal relativ: ist demnach mit fleisz durch den kot ... gegangen ..., in der weile die anderen noch stunden und zuckten und gingen leisse, das sie ire kleider nicht unrein machten Kantzow
chr. v. Pommern 1, 264
Gäbel. in waldeckischer ma. lebt in dr wîl '
unterdessen' Bauer-Collitz 112
b.
ohne art. nur: in weyl und läben seines nachgelasznen sohns Stumpf
Schwytzerchr. 330
b; (
pfeile) die hin und wieder fliegend, würkend zischen, gehetzt in eile, bogenhaft in weile Göthe I 5, 119
Weim. in einer wyl
zuerst 1616
Endinger judensp. 25
neudr., danach erst wider Stifter 3, 202
f. an attributen sind häufig kurz
von Wirnt
Wig. 4954
bis Brentano 2, 185, klein
von Arigo
dec. 4
bis Arnim 13, 40,
vereinzelt schnell Paracelsus 2, 494
Huser, gut
Fortunatus 60
neudr., still Waiblinger
ged. 2, 94
Grisebach, müszig Mörike 1, 167
Göschen und nächtlich Mommsen
röm. gesch. 1, 574. II@B@4@bb)
am häufigsten ist die gleichfalls schon ahd. fügung bei: thô uuard bî theru uuîluthiu dohter sâr io heilu Otfrid 3, 10, 45.
bestimmter artikel findet sich bis ins 16.
jahrh.: Konrad v. Würzburg
Pant. 2107;
welsch gattung (
Str. 1513) 2129,
dabei entwickeln sich sonderbed.: ie pî der wîl '
von zeit zu zeit'
städtechr. 4, 103; by der wyl '
vorzeitig' Kolrosz (1532)
schweiz. schausp. 1, 59
Bächtold. vergleichbar: bei ainer weil '
jeweils'
städtechr. 5, 103.
aus artikelloser fügung mit sg. oder plur. (
s. o.)
entwickelt sich das th. 1, 1407
behandelte adv. beiweilen.
von attr. begegnen vereinzelt gut (Schlegel
Shakespeares Cäsar 3, 1)
und nächtig (Göthe I 1, 212
Weim.),
oft nächtlich: bey nechtlicher weyl '
zur nachtzeit'
zuerst 1463
privatbr. d. d. mittelalt. 1, 65,
weiterhin gern in gesetzen: Knebel
chr. v. Kaisheim 477;
Heidelb. stat. (1558) 141;
österr. weist. 1, 5935; Jhering
geist d. röm. rechts 268,
kriegsberichten: Carbach
Livius 345
a;
verhandl. d. schles. stände 2, 5; Micrälius
a. Pommerl. 2 (1640) 283; Chemnitz
schwed. kr. 1, 84. 2, 203; J. v. Müller 1, 132; Mommsen
röm. gesch. 2, 100,
romanen: Wickram 2, 160
Bolte; Zigler
Banise 656; Schnabel
Felsenb. 12, 9
neudr.; B. v. Arnim
Günderode 1, 150.
ein leichtes veralten scheint Heynatz
gespürt zu haben, der 1797
den ausdruck verurtheilt, welcher in guten schriftstellern so leicht nicht angetroffen wird
antibarb. 2, 620,
doch verwendet ihn auszer in der angef. Agathonstelle Wieland
auch 11 (1772) 141
und Lucian 1 (1788) 224; Göthe I 41 i 370
Weim. und gespr. 8, 230
Biedermann. zu nächtlich
tritt still Stumpf
Schwytzerchr. 417
b; Schiller 12, 308; Eichendorff 2 (1864) 14. II@B@4@cc)
zu findet sich, abgesehen vom plur. (
s. o.),
seit etwa 1150
in formeln: sâ ze der wîle gab der starche wîgant unsir hêrri den guotin gewalt ze himeli ze varn
spec. eccl. 68
Kelle; zuo der wîle Ottokar
öst. reimchr. 30 718
Seemüller; zuo iegelîcher wîle
Zürcher pred. d. 12.
jahrh. bei Wackernagel
leseb. 194, 12; zu rechter weil Lori
bair. bergr. 133 § 1 (1509); zu keiner weil — zu dieser weil Spee
trutzn. (1649) 63.
die weitere entwicklung s. u. zuweilen. II@B@4@dd)
unter. die entwicklung des adv. unterweilen (
s. d.)
beginnt im 12.
jahrh.: ein man sol haben êre, und sol iedoch der sêle under wîlen wesen guot Spervogel
minn. fr. 30, 1.
selten wird die formel mit pron. belastet: ihr vil seind under diser weil umbkommen durch der feinde pfeyl Spreng
Ilias 151
a.
auch der artikel bleibt ihr schriftsprachlich fern: dem vater ward unter der weile angst Grimm
märchen 1 (1843) 163; unger der weile '
mittlerweile' Jecht
mansf. 123
a.
[] II@B@4@ee)
an der wîle '
zu der zeit'
bleibt selten: Albers
Tnugd. 647
Wagner; Wirnt
Wig. 4948. 6745.
eigen: du sprichest dir tû der hunger wê, unde eʒʒe an dirre wîle ê ('
und hast doch eben erst gegessen')
kl. mhd. erz. 209, 184
Rosenhagen; wann es nun wär an seiner weil ('
ihm gelegen, à son aise'), so wolten sie reiten darvon Maximilian
Teuerd. 70, 30
Gödeke. —
damit sind die formeln mhd. alters erschöpft. II@B@4@ff)
über seit 15.
jahrh.: über ein weyl '
nach einiger zeit' Gersdorff
wundarzn. 79
a und so oft bis ins 19.
jahrh.: ohne erlaubnüsz gehe nicht hinaus, uber eine weile komm wieder Comenius
jan. ling. vestib. (1650) 65; wenn ihr nun ... über eine weile höret: den alten jäger haben sie auch begraben Laszberg
bei Scherer kl. schr. 1, 61.
dem maler Fr. Müller
eignet die formel in der bed. '
etwa gar, am ende gar': das wird doch über'n-weil gar der kerl nicht seyn, der uns heut aufstiesz?
Fausts leben 1, 76
neudr., dafür später bei dems. über die weil(e gar)
werke (1811) 1, 343; 2, 122. 3, 66.
sonst bed. über die weile '
länger als nöthig' Klinger 2, 255.
ohne art. nur Luther 6, 47
Weim., uber etlich weil
Amadis 1, 86
Keller; über kurze weile Geibel 1, 222.
öfter steht attr. nach unbest. art.: begabs sich uber ein ebne weil Waldis
Esopus 1, 375
Kurz. vom 15.
bis 19.
jahrh. über ein kleine weyle: Arigo
dec. 89
Keller; Zürcher bibel (1531)
hohes lied 3, 4; Luther
Hebr. 10, 37;
Mt. 26, 73;
zimm. chr. 1, 64; Agricola
bergw.-b. (1621) 80; Mörike 1, 62. II@B@4@gg)
auf zuerst 1542
in einer übersetzung: er müste solcher hitzigen begirdt bisz auff sein weil statt geben (ardori cedere in tempore '
für einige zeit') Tacius
bei Fronsperger 3, 242
b,
seit etwa der gleichen zeit in der formel auf ein weil '
vorübergehend': Scheit
fr. heimf. P 2
b; Rompler v. Löwenhalt 1 (1647) 91; Gerstenberg
schl. lit.-br. 271, 22
neudr.; Zimmermann
eins. 1, 90; Göthe I 47, 188. IV 29, 77
Weim.; Mommsen
röm. gesch. 2, 196; Ranke 15, 70.
erweiterung durch attr. ist spät und selten: willst du auf eine kleine weile dein pferd zur probe mir vertraun? Schiller 11, 22; ich lasz' auf kurze weile beim kessel dich allein W. Müller
ged. 62
Hatfield. II@B@4@hh)
mit der weile
tritt seit 16.
jahrh. in versch. bed. auf, die alle davon ausgehen, dasz die vorgänge als begleiter der zeit aufgefaszt werden: '
nach und nach' Luther
weish. Sal. 12, 8, '
bei lebzeiten': er sölte beiden vettern mit der weyl seines lebėns wol verziehen Stumpf
Schwyzerchr. 212
a, '
bei zeiten': (
es) schicket sich als mit der weil, was werden wil zu einer eul Fischart
Eulensp. 29, 13
Hauffen, '
nachgerade': also bedörfft man mit der weil zum jagen weder garn noch seil
flöhaz 2017
neudr., '
schlieszlich': mit der weil, hoff ich, werden sie auch türkische baschas machen
bienenk. (1581) 133
a.
weiterhin hat die bed. '
allmählich'
gesiegt. auf weile '
verweilen'
beruht: dan vil ding thut man mit der weil, welchs man nicht thun kann inn der eil Fischart
ehzuchtb. 130, 7
Hauffen, ebenso die artikellose formel: nimm hin, und küsz mir recht mit weile Rückert
ges. ged. 3, 71 (1837).
nur zwei attr. behaupten sich: mit langer weile '
auf die länge': Fischart
ehzuchtb. 145
Hauffen; Kramer
t.-it. dict. 2 (1702) 1297
b, mit guter weile '
in allem behagen': Albertinus
Lucif. kgr. 73
Liliencron; verh. der schles. fürsten 6, 131; Moscherosch
ins. cura 135
neudr., entspr. mit seiner guten weile Kramer 1297
a, mit eurer guten weile Rädlein 1, 1041. II@B@4@ii)
vor einer weile
zuerst 1613: Fröreisen
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 237,
dabei die attr. gut: B. Faber
thes. (1587) 398
b; Calepinus XI
ling. 668
a,
und klein: Kramer 1297
a; Rädlein 1, 1041; Kotzebue 18 (1828) 26.
[] II@B@4@kk)
für eine weile '
vorübergehend'
von 1648: (
sie) müssen für ein weil gedultiglich erleyden was ein tyran nur will Weckherlin 2, 166
Fischer, bis 1856: (
andere kehren) zu den zuständen zurück, von denen sie für eine weile sich entfernt haben Lotze
mikrok. 1, 82,
gern bei Dahlmann (
gesch. v. Dänem. 3, 195;
gesch. d. franz. rev. 42). für die nächste weile Laube 2, 13. II@B@4@ll) '
ohne verzug'
wird in gehobener sprache des 18./19.
jahrh. mit unserm wort gegeben, ohne weile
seit Wieland 21, 109 (
Gandalin 6, 376),
sonder weile
seit Gries
Ariosts ras. Rol. 2, 233.
beide formeln bewähren sich zumal in versen: mich hielt kein ring, mich hielt kein ort es trieb mich ohne weile fort Platen 1, 340
Redlich; indes ich ohne weile unschlüssig, satt und dürstig, weiter eile Mörike 1, 46
Göschen; schwebet, schwebet, meine vögel, sonder weile Arndt 4, 152
Rösch; und schlag auf schlag, und sonder weil' summt sie ein lied und schwingt das beil Heine 1, 15
Elster. II@B@4@mm)
nach einer weile
ist jung (
kaum vor Hippel
lebensl. 1 [1778] 24),
aber häufig von klassikern (Schiller 13, 239)
und romantikern (Brentano 5, 30; Fouqué
gefühle 1, 9; E. Th. A. Hoffmann 10, 51
Grisebach)
bis in neue unterhaltungslit. (Fontane I 4, 11. 5, 125; E. Zahn
die da kommen 38. 70. 86).
älter sind fügungen mit attr.: nach einer klainen weyl
seit 1475:
d. bibel, Luk. 22, 58; nach einer kurzen w. Gottsched
ged. 1 (1751) 189,
dazu neuerdings: nach einer guten weil Handel-Mazzetti
Jesse 1, 108; nach geraumer w. Zahn
die da kommen 130; nach einiger weile Hesse
Gertrud 161. II@B@55)
zum wortpaar wird die formel, wenn sich weile
zu wechselnden synonymen fügt. II@B@5@aa)
so seit mitte des 12.
jahrh.: wîle unde stunde walzent al umbe
kaiserchron. 3641
Schröder; entspr. das. 17 033,
dieselbe formel weiterhin in der Schweiz: Manuel
papst u. s. priest. 778
Bächtold; Bräker 2, 195.
vereinzelt: deheine frist noch wîle Ottokar
öst. reimchr. 16 395
Seemüller; sy gab im nit die weyle noch die ruoe
erste d. bibel 4, 402
Kurrelmeyer. II@B@5@bb)
weitaus am häufigsten ist das wortpaar zeit und weile, zuerst wider um mitte des 12
jahrh.: eʒ ist iwers gewaltes niht, ze wiʒʒenne die cît oder die wîle, die mîn vater in sîner gewalt hât
spec. eccl. 143
Kelle, fortlaufend seit 15.
jahrh.: Diefenbach
gloss. 280
b; Arigo
dec. 113. 115
Keller; N. v. Wyle
transl. 51
Keller, nun in gedankenloser häufung bis tief ins 18.
jahrh.: Bodmer
abh. v. wunderb. (1740) 4;
Leipz. aventurier 1 (1756) 118,
selten bei klassikern: mit solchem streit verliert man zeit und weile, und führt doch nur geduldig volk am seile Göthe I 15, 148
Weim., vereinzelt bis heute: es wird schon werden. alles musz doch zeit und weile haben Fontane i 5, 49.
die deutschen landschaften sind gleichmäszig betheiligt. besonderheiten finden sich nur in älterer zeit, so der gen. partit.: so mir etwan der zeithe und weyle würde Ruchamer
newe weldte (1508) i 5
b,
zutritt von attributen: es näm vil zeit und lange weil, wann du die krebs nach ordnung woltst anathomieren, wie du soltst Scheit
Grob. 4268
neudr., oder von weiteren synonymen: haben zeit, weil, platz und instrument gnug darzu Paracelsus
op. (1616) 1, 314: da doch alle ding ihre zeit und weil, und ihre rast und ruhe haben wollen
fischb. 123. II@B@5@cc)
schon die umgekehrte formel weile und zeit bleibt merklich zurück, gilt aber doch zehnmal von 1460 (Arigo
dec. 69
Keller)
bis 1675 (Treuer
d. Dädalus 1, 722).
auch hier treten weitere synonyma hinzu: stunt, weil und zeitt, baid nacht und tag mag ich doch nit vergessen dein Hätzlerin
liederb. 57
b,
[] ebenso wechselnde attribute: in kurzer weil und zeit Thym
Thedel v. Walmoden 941
neudr.; bei rechter weil und zeit Reutter v. Speir
kriegsordn. 45. II@B@5@dd)
vollends vereinzelt sind reimende formeln: mich hat die lust, mich hat die list um heil und weil betrogen Brentano 2, 376. II@B@66)
mehrfach ist schon hier die bed. '
musze'
erreicht, die wesentlich auf formelhaften gebrauch beschränkt bleibt. II@B@6@aa)
in negativen formeln begegnet sie seit dem 12.
jahrh.: si forhte daʒ ir gebrâche der stade und der wîle Hnr. v. Veldeke
Eneit 48, 11
Ettmüller. frühnhd. ist das partit. verhältnisz nicht mehr deutlich: im nit weil werden mocht, sein allerliebste Amelia zuo gesegnen Wickram 2, 209
Bolte; sie sprach: mir ist nit so vil weil, dann nach Oceano ich eyl Spreng
Ilias 321
a.
seit dem 17.
jahrh. weicht der alte gen. in den nom. aus: wilstu fremde fehler zählen, heb an deinen an zu zählen, ist mir recht, dir wird die weile zu den fremden fehlern fehlen Logau 249
Eitner. II@B@6@bb) weile '
unausgefüllte, leere Zeit'
begegnet als subject in festen formeln; mir ist die weil so langk Hätzlerin
liederb. 7
Haltaus; o, wie wird mir mein weyl so lang! H. Sachs 17, 194
K.-G.; da mir dann die weil bey meiner krankheit auch nit sehr kurz geworden Götz v. Berlichingen 32
neudr. mit leichter umschaltung wird w.
zu object: las dyr die weyle nicht lang seyn Luther 18, 125
Weim.; nicht lang werden Melch. Meyr
erz. a. d. Ries 3 (1868) 34. II@B@6@cc)
die verwendung als object ist von vornherein häufiger. II@B@6@c@aα)
prädicat ist dann eins der verba vertreiben: mit der kurzewîle dingen den frouwen man die wîle vertreip Ulr. v.
d. Türlin
Willeh. 285, 25
Singer; also vertreibend die herren ir wil Richental
chron. d. Konst. konz. 84
lit. ver.; schwänke, damit man die zeit und weyl zuo vertreiben pfleget Lindener
Katz. 61; schaff dasz ich die weilnicht lüderlich vertreibe Rompler v. Löwenhalt 1, 60; mir wöllen die weil mit singen vertreiben
volksschausp. 17
Hartmann, kürzen: auch den gesten ir weil zu kürzen H. Sachs 6, 146
K.; angegebene proportiones ... lasz ich einen jeden, der lust hat die weil zu kürtzen, selber auszforschen Kepler 5, 610
Frisch; niemand kürtzt ihm (
dem ehelosen) zeit und weil Voigtlander
oden (1642) 107, 4; blosze übungen der feder, des kerkers traur'ge weile zu verkürzen Schiller 12, 400
G., seltner verzehren: die weile zu verzehren, hört mancher, was ihr sagt Logau 286
Eitner, oder gewinnen, '
nutzbar machen': wie man die müde sinnen mit nutz ergetzen möcht'; und wie doch zu gewinnen die lang-verdroszne weil Schottel
bei Neumark fortg. mus.-poet. lustw. 1
vorw. II@B@6@c@bβ)
persönliches dat.-obj. ist wesentlich bei fügung mit lassen: do warde im nicht so vil weyl gelassen, das er sich hette entreden müssen Arigo
dec. 561
K.; so will ich dir dest mer weil lassen mit ym zu reden
Fortunatus (1509) 106
neudr; ihm selbs wol weil lassen / placide ... agere Dentzler (1716) 346
a,
nehmen: nun musz ich weil nhemen, disse schrifft zuhandeln Carlstadt
v. gelübden (1521) C 1
a; wo ich mir einmal so viel weil nehmen kann Luther
briefe 2, 249
de Wette; wenn ich ein wo gehen soll, bin ich still, nehm mir die weile Neukirch
bei Hoffmannswaldau,
auserl. ged. 2, 332; entfiel ein aug' ihm in der groszen eile, es aufzuheben nähm' er sich nicht weile Uhland
ged. 2 442,
[] verschaffen: und hat ihm noch gut weil verschafft, dasz er sein bündlein zsamenrafft Fischart
ritter v. Stauff. v. 729
Hauffen. II@B@6@c@gγ)
subject ist eine person in der seit dem 15.
jahrh. häufigen fügung mit haben: darnach die furleut weil haben Tucher
baumeisterb. 86, 12
Lexer; si facultas erit ... wenn ich weyl und kommligkeit oder gelägenheit hab Frisius
dict. (1556) 539
a; wann es nur wermer wirt und ich die weil habe, innen zu besuechen
erzb. Anton Brus
br. 25
Steinherz; er hatte weile ... zechend zu rasten L. v. François
Reckenb. 1 (1871) 51; setzet euch her und trinkt! wir haben noch weile zu plaudern Mörike 1, 249
Göschen. relative maszbestimmungen wechseln im ausdruck: szo man allczeyt weyle gnug hat Luther 34 i 199
Weim.; bisz auff ein basz gelegnen tag, dasz ich die weil basz haben mag Scheit
Grob. 3361
neudr.; friede soll an krieg gedencken, Lusignanus dencket dran: hat er nur ein wenig weile, mustert er die leuse-fahn Logau 391
Eitner; dasz vor der erfindung des geschützes man in dem streit mehr weile hatte Breitinger
krit. dichtk. 1 (1740) 497.
häufig sind wider negat. formeln: das sy nit wyl hattend zuo essen
Zürcher bibel, Mark. 3, 20 (Luther: raum); wir müssen mit der sichel dran, wir haben nun nicht lenger weil Alberus
fab. 18, 57
neudr.; dasz Amadis kümmerlich weil hatt, zu rosz zu sitzen
Amadis 1, 144
lit. ver.; ich habe keine weile mährgen anzuhören Petrasch
lustsp. 1 (1765) 107.
attributiv treten vor weile: müszig (Lessing 1, 268)
und gut (Gerstenberg
Ugolino 252
Hamel).
selten ist ein vorgang subject: disz wil lenger wyl haben Zwingli
freih. d. speisen 20
neudr.; noch hats mussen weil haben Luther
tischr. 2, 223
Weim. II@B@6@dd)
im gen. part. erscheint weile
früh bei Alemannen: wan swer den man erkennen sol, da gehœret langer wîle zuo Hartman
Iwein 4193; dem künig die red versmâht und hieʒ sagen Alexandro, daʒ er in lieʒ der weil dô
gr. Alex. 442
Guth, (
die zweite stelle vom herausgeber verschlimmbessert).
so ganz regelmäszig bei bedeutung '
musze': zuom bättel losz ich mir der wile, dann es sint leyder bättler vil Brant
narr. 63, 78
Zarncke; wir hand noch lang der wyl H. R. Manuel
weinsp. v. 820
neudr.; vindica te tibi ... nimm der weyl deinen geschäfften nachzesinnen Frisius
dict. (1556) 1384
a; man nem ihm wol der weyl W. Spangenberg
ausgew. dicht. 102
Martin; lieszen sie unserm herr gott das gantze jahr uber nicht so viel der weil Zincgref
ap. 1, 390. Abr. a S. Clara
erkennt man daran als geborenen Schwarzwälder: so gar haben etliche nit der weil genommen, dasz sie das geld auff der wechsel-banck hätten eingeschoben
Judas 2 (1689) 426.
in älterer zeit namentlich greift der partit. gen. über das alem. nach Schwaben: Eberlin v. Günzburg 3, 136
neudr.; Franck
weltb. 216
a; H. Fischer
schwäb. wb. 6, 600,
Bayern: Lohengrin 4483; Guarinonius
grewel 1070,
Ostfranken: Schwarzenberg
t. Cicero 157, 2
a; H. Sachs 6, 121
K.; Kramer
t.-ital. dict. 2, 1297
a; Grübel 2, 4. 3, 100,
Tirol: Osw. v. Wolkenstein 46, 9
Schatz; Schöpf 808,
Österreich: volksschausp. 152, 111
Hartmann; K. Stieler
ged. 4, 67
Reclam, Obersachsen: Lindener
rastb. 7
lit. ver.; V. Schumann
nachtb. 17
Bolte; disc. d. kipper A 3
a; Rädlein 1, 1041,
Thüringen: Luther 15, 394. 18, 123. 26, 156
Weim.; Römoldt
laster d. hoffart E 1
b,
Rheinfranken: Dietenberger
miszbr. d. messe C 3
b; E. Alberus
fab. 29, 10
neudr.; Petrarcha
trostb. 90
a; Agricola
sprichw. 113
a. 172
b; Lehman
flor. pol. 3 (1662) 47; Schupp 770; Grimmelshausen
Simpl. 515
neudr.; K. Ch. L. Schmidt
westerw. 325.
[] II@B@77)
formelhaft treten vor weile
die adj. kurz (
th. 5, 2833
f.)
und lang (
th. 6, 159).
sie werden so häufig, dasz sich kurzweil
und lang(e)weile
zu eigenen wörtern entwickelt haben, die mit ihren vorgeschichten th. 5, 2856
und 6, 173. 184
dargestellt sind. II@B@88)
im sprichwort behauptet weile
die alte beliebtheit, die im freien gebrauch an zeit
übergegangen ist. II@B@8@aa)
das heute gangbarste dieser sprichwörter wird 1471
vorbereitet in der form: gt ding muosz haben weile Hätzlerin
liederb. 162.
die gültig gewordene fassung 1519: guot ding wil wyl haben Murner
geuchm. 168
Uhl, so fortan bei sammlern: S. Franck 2 (1532) 119
b; Bas. Faber
thes. (1587) 653
b; Eyering 2, 713; Schottel 1119; Binder (1873) 36,
wie bei schriftstellern: Luther 28, 711
Weim.; Prätorius
sat. (1663) 395; Bucholtz
Herk. 76; K.
F. Cramer
Neseggab 1, 137; Göthe I 24, 42
Weim.; Moltke 1, 91.
gern wechselt das verb: gut ding musz haben weil, nit eil Forster
liedl. 67
neudr.; entspr. J. Regnart (
Nürnberg 1588)
bei Erlach
volksl. 1, 114; Dentzler
clavis (1716) 345
b; Agyrtas
grillenvertr. 20; ein gutes ding könt' haben weil, man solt' erst hören das ander theil
Rein. fuchs (
Rost. 1650) 235; gut ding hat weile Voss
antisymb. 2, 33;
entspr. sämtl. ged. 2, 302; gut ding braucht weil Pocci
lust. kom.-b. 3, 105; gut ding braucht lange weile Fischer
schwäb. wb. 6, 600.
frühnhd. tritt neben weile
sein synonym zeit (
s. o.): gut ding wil haben zeit und weil Eyering 1, 731;
entspr. sch. w. klugr. (1548) 62
a.
wo dichter das sprichwort in verse einbauen, ändern sie wortlaut und wortstellung: eilen hat niemals gut gethan, dann gut ding stets wol weil wil han Eyering 2, 8; (
die stunde) wird schon schlagen.schweig nur still! du weist mehr als zu wohl, dasz gut ding weile haben will Stoppe
Parn. 89; weil' haben will gut ding Brentano 6, 223; gut ding will haben weile Heine 2, 463
Elster; selten sind stärkere abweichungen: was guot, wil weil haben
sch. w. klugr. (1548) 19
b; je besser ding, je mehr weile Bode
Th. Jones 3, 450. II@B@8@bb)
abgekommen ist das einst beliebte: alles dings eyn wyle
gemm. gemm. (
Augsb. 1512)
bei Diefenbach
gloss. 618
a; alle ding wehren ein weile Luther 28, 400
Weim. die gültig gewordene fassung 1539: all ding ein weil ein sprichwort ist Forster
liedl. 61
neudr.; ebenso: Franck
sprichw. 1 (1541) 94
a;
sch. w. klugr. 97
a. 158
b; Xylander
Polybius 354; Neander
d. sprichw. 6
Latendorf; Schottel 1128.
schon im 17.
jahrh. müht man sich um verdeutlichung: alls dings ein weil ein sprichwort ist: es geh so ubel alls es wol, ein weil nicht immer weren sol Eyering 1, 20; alle ding (währen nur) eine weil Kramer
t.-ital. dict. 2, 1297
a.
auch dieses wort leidet änderungen bei schriftstellern, die es ihren werken einfügen: es lesst sich alle ding ein weil thun, gott kompt langsam Mathesius
Sar. 11
b; wie nun alle dinge nur eine weile ... also wird ihme die larve ... abgezogen Butschky
Pathmos 239,
ebenso in mundarten: àlls si hàt saini wail
Germ. 29, 86 (
nösterr.); alles dinges is êne wîle
holst. chron. bei Staphorst
hist. eccl. Hamb. 1, 2, 125; alle dingen duren eene wijl Harrebomée 2 (1861) 460
b. II@B@8@cc) eile mit weile
ist geflügeltes wort: Büchmann
25 439.
neben festina lente
bucht es 1702 Kramer
t.-ital. dict. 2, 1297
a.
als wort des kaisers Augustus wird es seit 1720
mehrfach angeführt: die klügsten käyser haben solche wahlsprüche gehabt, als: eile mit weile Thomasius
ernsth. gedanken 2, 195; eile mit weile! das war selbst kaiser Augustus' devise Göthe I 50, 226
Weim.; [] eile mit weile, sagt der imperator
F. L. Schröder
dram. 3, 142.
die fassung eil mit weil
wird von 1545
bis 1601
nie gestört: S. Franck
sprichw. 1 (1545) 49
b;
sch. w. klugr. 9
a; Fischart
Garg. 188
neudr.; Rollenhagen
froschm. O o 2
a (3, 1, 4); Eyering 1, 229,
fortan heiszt es eile mit weile
bei schriftstellern: Zesen
verm. Helikon 114;
rosent. 106; Prätorius
glückst. 239; Iffland 2, 111; Arnim 5, 24. 15, 340
Grimm; Hebbel I 6, 168,
wie bei sammlern: Rädlein 1, 1041; Spanutius 526;
t. sprichw. (1790) 91; Schellhorn 135.
kritik an dem wort ist selten: drum eile mit weile, es sey denn eilens-zeit J. G. Schmidt
rocken-phil. 2, 162,
häufiger zustimmung: mit weile eilen nicht betrogen hat Voigtländer
oden 96, 5; drum mercke man den schlusz: dasz man in seinem thun mit weile eilen musz Henrici
ged. 2, 98,
und weiterbildung: ein sprichwort ist: eyl fein mit weil
griech. dramen 1, 138
Dähnhardt; brokken ... deren ich theils ... in den ersten lährjahren gemacht: etliches mit weill, etliches mit eill Rompler v. Löwenhalt 1 (1647)
vorr.; ihr eiletet mit weile: nun fördert gott diesz werk, zu eurem glück, in eile Weichmann 2, 96; drum warte nur, gott eilt mit weile, versäumet aber niemand nicht Schmolcke 1 (1740) 235. II@B@8@dd)
eine reihe seltnerer sprichwörter ergänzt das bild: lasz dir der weil, jagt dich doch niemand S. Franck 1, 49
b;
von da Lehman
flor. pol. 3, 208; wiltu reich werden, so muostu dein seel ein weil auf die oberthür ... setzen
sch. w. klugr. 17
b;
entspr. Faustb. (1589) 10
Fritz; thu recht und eyl, doch rath mit weil Lehman
flor. pol. 3, 349;
von da Wille
sittenl. (1781) 72; zeit und weil seynd ungleich Ph. Hafner
ges. schr. 1, 193;
entspr. Meisl
theatr. quodl. 3, 77; lasz dir weile, zeit bringt rath W. Körte
sprichw. d. Deutschen 6613; grosze eile gibt selten gute weile G. Freytag 18, 260; de lage stijlen staan lange wijlen Harrebomée 2, 460
b; sta maar eene wijl, gij verliest eene mijl
das.; heirath in eile bereut man mit weile Binder 87. II@CC.
zusammensetzungen (
die an ihrem ort übergangenen sind gesperrt):
feier-, hands-, kälber-, kurz-, lang(e)-, schlenkel-, schuster-, sitz-, vor-,
warteweile.