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waller

mhd. bis Dial. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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13 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

waller m., nomen agentis

Bd. 27, Sp. 1296
waller, m., nomen agentis zu wallen II, in der älteren sprache mit der nebenform weller. 11) einer der umherzieht, ein fahrendes leben führt: peregrinus, circulator, vagabundus. Stieler 2422; er sprach: 'iwer urloup wil ih hân nâh wîbe unt nâh kinden ... unt envinde ih ir niet, sô wil ich iemer wallære sîn.' kaiserchronik 1636 Schröder; was mir darinn (im dorf) die bewerin geben, ist lauter guter gwin, es sey schmaltz, eyer oder haller. darmit speisz ich mich armen waller (sagt ein bettler). H. Sachs 17, 340, 14 Keller-Götze. diese bedeutung ist jetzt in der 4. mit aufgegangen. 22) wallfahrer, pilger zu den gnadenorten, wie sie im mittelalter durch die lande zogen und an einer besonderen tracht kenntlich waren: wallfahrter, pilgerfahrter, waller, bedevaarder. Kramer (1719) 258c; dâ nam er sîne helde. sî cherten zuo dem berge. si wurden dâ wallære (var. wellere) ... si sluffen in stähelîne rocke, dar uber legeten si lînîne chappen ... sie giengen barvuoʒe ... si venjeten unt betten. den berch si ûf slichen, die vîande si begriffen. kaiserchronik 17118 Schröder; die selben wallenden man die truogen unde hæten an lînkappen unde solhe wât diu wallæren rehte stât, und ûʒen an ir wæte mermuschelen genæte und fremeder zeichen genuoc. G. v. Straszburg Tristan 2630; er klagte gar unmâʒen und gie ûf den strâʒen büeʒende als ein wallære von kirchen ze kirchen. swære was sîn buoʒe und sîn leben. Mai u. Beaflor 197, 21; [] wittwin und weisen und wellere und die in gevenchnsse warin oder siech lagin, die berichte er also gutliche als ein vater sin kint. altd. pred. 1, 118, 4 Schönbach; empfieng er in freündtlich und fragt, ob er die (wall-)fahrt auszgericht hett. der waller sagt ja. Wickram 3, 7, 8 (rollwagenb. 1) Bolte; keiner underwegen liesz, Reincken, den weller zu beleiten. Reinecke fuchs (1583) 52; es ist der pilgram vor dem schlosz ... ach frau, habt acht! mich dunckt gewisz, dasz sich der waller und der risz schon bed mit einander besprechen. Ayrer 1089 Keller; wenn sie gen Rom kommen als pilgram oder waller. Linck v. Colditz bapsts gepreng (1529) G 2b; waller, wallfahrter. Garzoni schauplatz (1641) reg. die neuere sprache kennt die bedeutung noch, auf die Adelung nicht hinweist, gibt ihr aber eine erweiterte anwendung: sieh, den einsamen pfad wandelt ein pilger mir rasch entgegen — 'halt an! waller, was suchst du hier?' Schiller 1, 275 (die grösze der welt); viel waller zu der kirche kommen, zu ihres ew'gen erbes frommen. Uhland ged.2 415; auch haben waller sich, so heiszt's, versammelt, die ferneher zu unserm tempel ziehn. Grillparzer 5, 82 (des meeres und der liebe wellen 4). 33) im biblischen sinne als 'erdenpilger' (vgl.wallen II, 3) kommt das wort schon im mittelalter zuweilen vor: ein mensch ist ein gast der stat und der werlt ... der mensch ist ein lauffender waller ... waʒ er tuot, so eylt er nur zuo dem tod und zuo dem end. gesta Romanorum 139 Keller. häufiger seit dem 18. jahrh.: ist ein mensch glückselig? einer der waller am grabe das? Klopstock 1, 172 (der selige); o strom, der in die bessere welt strömt, nimm in deiner gestade beseelenden hauch, in die kühle deiner schatten den waller nach Kanaan auf. Messias 13, 655; sehn, geliebte freundinn, und wiedersehen das werthe auf der verworrenen bahn, welche das leben durchkreuzt, das sind blüthen des glücks, die jedem waller nicht blühen. Bürger 89a; ja wohl bin ich nur ein wanderer, ein waller auf der erde! seyd ihr denn mehr? Göthe 16, 114 (Werther); bin noch ein waller im thal und trag' den schweren stab, bis ich gerufen werde. Fr. Müller 3, 290; am zeitenstrome wallen wir auf dornen dort, auf rosen hier ... der geist am strome wies die bahn uns wallern ernst und freundlich an. Matthisson ged. 241. 44) wie wallen in der neueren poesie die abgeschwächte bedeutung von 'wandern' zeigt, so wird auch waller als 'wanderer' seit Klopstock häufig gebraucht. Adelung nennt es ein 'in der dichterischen schreibart ohne not gewagtes wort', während es Campe untadelhaft findet: (wir eisläufer sangen) von der bahnvernichtenden flocke! ah sie verscheucht den waller auf bestirntem krystall. Klopstock 1, 236 (die kunst Tialfs); das sagst du und kommst doch von fern her, kommst ein waller des meers. Messias 15, 509; wie der waller im sonnenstrahl, der dürstet', und trank, noch dürstet und trinkt. 19, 693; stille thauet herab, und ruh', und sanfte begeist'rung auf den einsamen pfad, welchen der waller betritt. Chr. Stolberg 1, 14; o du Pan, waller am meer, komm, o Pan, o erschein' uns von des bergs schneeigem haupt! 14, 205 (Aias 695); so steht ein unkundiger waller im lande des fremdlings. F. L. Stolberg 11, 177 (Il. 5, 591); nur einzeln umgehn tiefsinnige waller noch den schutt (des alterthums) und hören mit lauschendem ohr in der felskluft leisen gesang. Voss 3, 104; nur bitt' ich dieses: setzt, die waller zu erbaun, auf meines hügels grünen rasen, statt todtenkopfs und sanduhr, einen hasen. Klamer Schmidt poet. briefe 71; in der wüste dürrem schreckgefilde, wo der hungertod des wallers harrt. Hölderlin 1, 97 Litzmann; [] der freud'ge, rüst'ge waller zieht über berg und thal. Chamisso 3, 326; und wenn ein sinniger waller umher die gräber jetzt beschaut. Rückert ges. ged. 3, 280 (1837); ihr (feldblumen) seyd schwach, und euer leben blüht oft nur stundenlang vor der sense, vor dem gang jedes wallers müszt ihr beben. Langbein schriften2 1, 43; und gleich dem waller, der den berg erklommen und nun hinabsieht in die weite gegend und auf die mauern, die ihn sonst gedrückt: so fiels wie schuppen ab von meinen augen. Grillparzer 4, 106 (könig Ottokar 3).
5654 Zeichen · 95 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    waller

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    waller s. wallære, walre.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Waller

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Waller , des -s, plur. ut nom. sing. ein von einigen Neuern in der dichterischen Schreibart ohne Noth gewagtes Wort,…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Waller

    Goethe-Wörterbuch

    Waller [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Waller

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Waller (Uallr), John Edmund, engl. Dichter, neben Dryden ein Muster lyrischer Diction, geb. 1605 zu Coleshill in Warwick…

  5. modern
    Dialekt
    Wallerm.

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Wossidia Waller m. stromersprl. Pastor Pa Parchim@Plau Plau .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit waller

33 Bildungen · 27 Erstglied · 6 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von waller 2 Analysen

wal + -ler

waller leitet sich vom Lemma wal ab mit Suffix -ler.

Alternativen: wall+-er

waller‑ als Erstglied (27 von 27)

Waller I

Idiotikon

Waller I Band 15, Spalte 1126 Waller I 15,1126

Waller II

Idiotikon

Waller II Band 15, Spalte 1157 Waller II 15,1157

Wallerbrunnen

PfWB

waller·brunnen

Waller-brunnen m. : ' Brunnen, aus dem angeblich die kleinen Kinder kommen ', Walleʳbrunne [ KL-Heilmosch ].

wallerei

DWB

walle·rei

wallerei , f. 1 1) pilgerfahrt, vereinzelte abstractbildung zu wallen II: daʒ wir nach dime rade in froer massenie nach unser wallerie mit v…

walleren

WWB

wall·eren

walleren V. (von Nebel und Rauch) ziehen und nicht aufsteigen ( Kr. Detmold Det Is).

Wallerfangen

Meyers

waller·fangen

Wallerfangen , Flecken im preuß. Regbez. Trier, Kreis Saarlouis, an der Saar und der Kleinbahn Ensdorf-W., hat eine kath. Kirche, eine Stein…

Wallerfisch

Campe

waller·fisch

Der Wallerfisch , — es, Mz. — e . 1) Bei Müller das Geschlecht derjenigen Fische, deren Kopf nackt, bartig und rauh ist und sichtbare Nähte …

wallerheer

DWB

waller·heer

wallerheer , n. , sagt, was zieh'n mit hasz und eile nach dem schönen schlosz ... zahllos mann und rosz? wenn der stern des morgens funkelt,…

Wallerich

RhWB

walle·rich

Wallerich -əriχ Altk-NFischb Sg. t. m.: verächtl. plumper Mensch.

wallerin

DWB

wall·erin

wallerin , f. zu waller. 1 1) in der älteren bedeutung als ' umherschweifende ' : circulatrix Stieler 2423 . als ' pilgerin ': fandt sich ( …

wallering

DWB

walle·ring

wallering , m. im kärntischen das handbeil der tischler. Lexer 249 .

wallerkleid

DWB

waller·kleid

wallerkleid , n. pilgerkleid: sie truec ein wallerkleit genoʒʒen. jüng. Titurel 4909 Hahn.

wallerkleit

Lexer

waller·kleit

waller-kleit stn. sie truoc ein wallerkleit (wallekleit? vgl. wallekappe) j.Tit. 4909.

wallerlein

DWB

waller·lein

wallerlein , n. ein dämonisches wesen, als wandernd gedacht. in einem spruch gegen das alpdrücken aus dem Meiningerland heiszt es: ds walla…

wallermesse

DWB

waller·messe

wallermesse , f. eine frühmesse, die für die mit dem ersten morgengrauen ausziehenden wallfahrer und vogelfänger in Nürnberg eingerichtet wa…

wallerpaar

DWB

waller·paar

wallerpaar , n. wandrerpaar: ein hanfner schlauch wird fest gehakt, das wallerpaar frisch eingepackt und hurtig reisen sie zu thal. G. Kelle…

Wallerstein

Meyers

waller·stein

Wallerstein , Flecken im bayr. Regbez. Schwaben, Bezirksamt Nördlingen, an der Staatsbahnlinie Nördlingen-Dombühl, 440 m ü. M., hat eine kat…

wallertag

DWB

wall·ertag

wallertag , m. : dasz von meiner Rina arm umschlungen und von meinen lieblingen umrungen, ich des lebens schwülen wallertag doppelt stark un…

wallerīe

KöblerMhd

wallerīe , st. F. Vw.: s. wallærīe*

waller als Zweitglied (6 von 6)

Schwaller

PfWB

schwal·ler

Schwaller m. : ' Vielschwätzer, schwatzhafter Mensch ', Schwalleʳ (šwaləʳ) [ RO-Dielkch KB-Albish Kriegsf BZ-Dierb ]; vgl. PfWB Schwadeler ,…

Westwaller

PfWB

west·waller

West-waller m. : 'Arbeiter am Westwall'. Die erschde uuguure Veännerunge hads bei uns gäwwe mid de Weschdwaller Pl. [ Braun Lääsebuuch 225].…