lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

waffel

mnd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
17 in 15 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
Verweise rein
20
Verweise raus
21

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

waffel f.

Bd. 27, Sp. 288
waffel, f. , ein in ober- und mitteldeutschen mundarten und in der älteren litteratur verbreitetes wort, das wol zunächst auf das verbum waffeln (s. d.) zurückgeht, das seinerseits eine weiterbildung von dem onomatopoetischen waffen ist. 11) groszer mund mit herabhängenden lippen: wafflen, eine grosse goscha, ein triel, bucca. Maaler 482d; ein grosse wafflen, ein grosz maul, os laxum. ebenda; waffel, gosche, schnautze. Rädlein 1024; waffel (als vulg.), de ore bene fisso. Frisch 2, 414; waffel (als mundartlich), ein groszes maul. Nieremberger. von Adelung und den andern wörterbüchern nicht erwähnt. in den heutigen mundarten lebt das wort in Baiern Schmeller2 2, 862. zeitschr. f. hochd. mundarten 3, 83 (Eichstädt), Tirol Schöpf 793. Hintner benennung der körpertheile 6. 14, Nürnberg Klein prov. wb. 2, 224 (vgl. auch die belege aus Hans Sachs und Mauritius), Unterfranken Ruckert 93, Schwaben Schmid 512, der Schweiz Seiler 307. Hunziker 284, dem Elsasz Ch. Schmidt 114. Straszburger studien 2, 276 (Münsterthal), der Pfalz Autenrieth 149. es wird meist verächtlich vom menschlichen mund gebraucht, z. th. (in Basel, Elsasz) bezeichnet es den mund eines schwatzhaften menschen. in Mitteldeutschland scheint das wort sonst wenig bekannt zu sein. in Hessen, wo es früher von Burk. Waldis, [] Kirchhof, D. v. d. Werder gebraucht wurde, kommt es in der bedeutung 'mund' nicht mehr vor, doch wird das v. waffeln noch gebraucht, ebenso in Nassau und dem Westerwald. in Thüringen und Obersachsen ist das wort nicht zu finden, doch dürfte es hier nach der anführung bei Rädlein und da das gleichbedeutende waffe vorkommt, früher bekannt gewesen sein. aus dem schlesischen bringt Bernd 152 die waffeln 'zähne'. vom Niederrhein notiert waffel Klein prov. wb. 2, 224. das wort lebt auch im ndl.: die schriftsprache hat wafel (daneben wauwel) als familiären ausdruck, ebenso kennen es die mundarten. Boekenoogen 1179 (waffel). in der litteratur tritt das wort zuerst bei Keisersberg auf und ist dann in der volksdichtung des 16. jahrh. als derber ausdruck recht beliebt; es verschwindet am anfang des 17. jahrh. (zuletzt bei D. v. d. Werder) und wird nur in der weidmannssprache auch später gebraucht. es steht vom menschlichen mund, namentlich einem groszen: Menippus schirt dem philosopho und spricht. sich, wie helt er so still und fein! sol ich imt wipran (wimpern) auch abraffeln? Mercurius spricht: ja, ja, doch schon im seiner waffeln. H. Sachs 7, 10, 21 Keller; der grammaticus spricht. mein schöner knab, wesz hast gelacht und so ein weiten kugel-placz gemacht? Esopus spricht: ey, ge an galgn, du wüste saw, dein weite waffel selb anschaw. 20, 121, 18 Keller-Götze; ich wolt dirn (den dreck) in dein waffel schlagen. fastnachtssp. 66, 300 Götze; da det die Greschl ainen feldrit, fiel mit den ayern ab zwelff staffel, zerfiel die lent und auch die waffel. fab. 2, 255, 106 Götze; hefftet ihm (der im gesicht verwundet sein will) die waffel am end zu. Kirchhof wendunmut 1, 275 Österley; ein schalcksnarr oder possenreisser, der Maul Michel, umb seiner grossen weiten waffel willen, in welcher er etliche elen zendel oder ein frauwenschleyer verbergen kondte, also geheissen. 1, 430. vom munde als organ der rede, 'plappermaul': ein alter mensch hat nüt denn die waffel, das er gern schwetzt und blappert. Keisersberg bilg. 71a; setz dir daz steiff für, daz du wellest dissen tag meiden ursachen, personen, stet und zeit, da du dan die waffel zevil brauchest, schwetzhafftig und klapperig bist. sünden des munds 80b. darum bei derber aufforderung zu schweigen die waffel zuthun u. dgl.: darumb so schwig, hab dwafel zuo. Gengenbach 16, 204 Gödeke; schweig nur und halt dein waffel zu! H. Sachs fastnachtsp. 28, 256 Götze; unflat, thuo die waffel zuo. Scheidt grobianus 4031 neudr.; so, dasz er ihm aus furcht zwar stille schweigen macht', doch ändert er drumb nicht, was er hiervon gedacht. es sagt' ihm Rodomont', hör', halt du deine waffel, du alter weiber-narr, und stund' auff von der taffel. D. v. d. Werder Ariost 27, 71, 1. besonders erscheint waffel auch als 'lügenmaul': wann schon all hund und raben schreyen und fewr aus allen winckeln speyen, und brauchen stifel, steg und staffeln und alle lügenhaffte waffeln: noch reibt sie auff des herren grim, weil sie nicht ghorchen seiner stim. Fischart Dominici leben dedic. 70 Kurz; der keyser fuohr auff und wüschet im (dem schmeichler) seine lügenhafftige waffel nicht mit wenig maulbiern, dasz im die augen überlieffen. Kirchhof wendunmut 1, 49 Österley; die bösen weiber ... (die) mit dem schwerdt (der zunge) in der waffel quatschen, so kriegt die scheid ein maultatschen. B. Waldis Esopus 2, 91, 35 Kurz; wenn er zum präceptore kümpt, wie seltzam er die waffel krümpt. G. Mauritius v. schulwesen A 7. waffel wird dann auch von der schnauze des hundes gebraucht und diese verwendung hat die weidmannssprache festgehalten: gleich wie das horn und rffen thut des jägers, wann es weit erschallt, den hunden inn dem finstren wald, so sie im dieffen thal verlauffen und die berg auff und ab durchschnauffen, alsdan in erst die waffel schaumpt und kommen auff die spuor ungsaumpt. Fischart glückh. schiff 377; [] die hund, welche den meyerhof verhüten, sollen ... grosse waffel ... haben. M. Sebiz feldbau (1580) 146; wo schon das wild über das wasser gesetzt hette, so zeygets doch der bluothund erstlich mit dem schwantz und darnach mit kehrung der waffel. 576; die besten (windhunde) aber sind die hohen rauchhärigen, mit einem bart um die waffel. C. v. Heppe vom leithund 14; geifer heisset der zähe, klare speichel, der den leithunden zu beyden seiten der waffel wie lange faden herabhänget. 282; er musz ihr (der hündin) den frasz nicht zu heisz vorsetzen; sonst verbrennt sie daran die waffel und wird geschreckt. 392. 22) im nürnbergischen ist waffel auch die höhlung des löffels, mit dem offenen mund verglichen. Schmeller2 2, 862. 33) waffel kann auch schlag aufs maul, ohrfeige sein, vgl. wäffling und waffe: ein wafflen gäben, colaphum infringere, incutere, depalmare aliquem. Maaler 482d. dieselbe bedeutung kann auch ndl. wafel haben. aus dem deutschen kommt schwed. waffla ohrfeige. Rietz 786. 44) persönlich genommen ist waffel schwätzerin, klatschbase. so mehrfach in mundarten: Seiler 307. Straszburger studien 2, 276. Crecelius 888.
6383 Zeichen · 123 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    waffelF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    waffel , F. nhd. Waffel I.: Lw. mnl. wafele E.: s. mnl. waffele, F., Waffel; fläm. wāfer, Sb., Waffel; wohl letztlich ei…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Waffel

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    1. Die Waffel , plur. die -n, das Maul, besonders ein großes Maul in verächtlichem Verstande; ein nur in den niedrigen S…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Waffel

    Goethe-Wörterbuch

    Waffel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Waffel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Waffel , baumwollenes Gewebe zu Bett- und Tischdecken; desgleichen wollenes Gewebe zu Kopftüchern, Schals u. dgl., deren…

  5. modern
    Dialekt
    Waffel

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Waffel I [Wàflə S. Strüth ; sonst allg. Wàfl; Pl. Wàflə ; Demin. Wafələ, Pl. ebenso fast allg., Wafələr Co. Ingersh. M. …

  6. Sprichwörter
    Waffel

    Wander (Sprichwörter)

    Waffel Waffeln und Freier müssen warm genossen werden. Holl. : Wafels en vrijsters moeten heet behandeld en gegeten word…

  7. Spezial
    Waffel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Waf|fel f. (-,-n) wafer (-s) m.

Verweisungsnetz

37 Knoten, 34 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 4 Kompositum 20 Sackgasse 13

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit waffel

60 Bildungen · 45 Erstglied · 15 Zweitglied · 0 Ableitungen

waffel‑ als Erstglied (30 von 45)

Waffelbube

SHW

Waffel-bube Band 6, Spalte 189-190

Waffelmaul

SHW

Waffel-maul Band 6, Spalte 189-190

Waffelohr

SHW

Waffel-ohr Band 6, Spalte 189-190

waffelart

DWB

waffel·art

waffelart , m. schwätzer. ein von Fischart gebildetes wort, mit romanischer endung ( vgl. franz. babillard schwätzer zu babiller) zu waffeln…

Waffelbecker

Campe

waffel·becker

Der Waffelbecker , — s, Mz . gl. einer, der vorzüglich oder ausschließlich Waffeln bäckt.

waffelbindung

DWB

waffel·bindung

waffelbindung , f. ein gewebe aus rechtwinklig sich schneidenden erhöhten rippen, zwischen denen vertiefte quadratische stellen erscheinen, …

waffeleisen

DWB

waffel·eisen

waffeleisen , n. 1 1) das aus zwei zusammenschlagenden blechen bestehende gerät, in dem die waffeln gebacken werden. Diefenbach gl. 255 b ga…

waffeler

DWB

waffe·ler

waffeler , m. einer, der die worte durcheinander wirft, schwätzer. in Nassau Schmidt 318 . Kehrein 436 . zu waffeln vgl. DWB waffel 4.

Waffelfresser

PfWB

waffel·fresser

Waffel-fresser Pl. : Neckname für die Bewohner von KU-Altkch und KL-Spesb, -fresseʳ [KU-Dunzw, Seebach Neckn. 27]; vgl. PfWB Waffel 4.

waffelfrisur

DWB

waffel·frisur

waffelfrisur , f. eine frisur, die so gelegt ist, dasz sie längliche vierecke bildet. Jacobsson 4, 571 ( wo waffenfrisur gedruckt ist ).

waffelhaus

DWB

waffel·haus

waffelhaus , n. waffelbude: waffelhaus, waffelkram, wafelhuis, wafelkraam. Kramer (1719) 257 .

waffelig

PfWB

waffelig Adj. : ' rautenförmig gemustert '. »Der Nordpfälzer Bauer spricht gelegentlich von einer waffeligen Tür eines Hauses oder eines Sch…

Waffel II

ElsWB

PfWB LothWB RhWB Waffel II f. dünner wabenähnlicher Kuchen, zwischen zwei Eisenblechen gebacken Ingersh. Dü. U. W. Klein vergleicht frz. gau…

Waffelkauken

MeckWB

waffel·kauken

Wossidia Waffelkauken m. wie Waffel: MeckWB Waffelkauken müßten 't MeckWB sin Reut. 5, 350.

waffelmaul

DWB

waffel·maul

waffelmaul , n. einer der viel oder undeutlich spricht, schwätzer. in Nassau, Hessen, dem Elsasz. Schmidt 318 . Kehrein 436 . Crecelius 888 …

waffel als Zweitglied (15 von 15)

Eiswaffel

PfWB

eis·waffel

Eis-waffel f. : 'Waffel, die zum Speiseeis gegessen wird', Eiswaffel [NW-Frankeck, verbr.]. SHW Südhess. II 175 . —

Grundbirn(en)waffel

PfWB

grundbirnen·waffel

Grundbirn(en)-waffel f. : = PfWB Grundbirnenschales , -waffel, Pl. -waffle [verbr. westl. WPf]. Die Kartoffelmasse wird mit Eiern und Mehl a…

Hefewaffel

PfWB

hefe·waffel

Hefe-waffel f. : 'Waffel aus Hefeteig', Hefewaffel, Pl. -waffle [ LU-Opp ]. —

honigwaffel

DWB

honig·waffel

honigwaffel , f. waffel mit honig bestrichen. dimin. neutr. ein solches honigswäffelin. Garg. 77 b .

Mehlwaffel

PfWB

mehl·waffel

Mehl-waffel f. : ein herzförmiges Gebäck, Pl. -waffle [ ZW-Battw ]. —

Möhrenwaffel

RhWB

moehre·n·waffel

Möhren-waffel Sieg-Fussh Seelschd (veralt.) f.: W. aus Mehl u. fein geriebenen Möhren, goldgelb u. sehr süss.

Reibwaffel

RhWB

Reib-waffel rī:və- OSieg f.: Gebäck aus geriebenen rohen Kartoffeln u. Salz, in Waffelform gebacken; man bestreicht sie mit Klatschkäse.

Wissturntorwaffel

ElsWB

Wissturntorwaffel f. ein Zerrbild am ehemaligen Weissturmtor, in Stein ausgehauen, das ein grosses Maul vorstellte Str.

Zimmtwaffel

Campe

zimmt·waffel

Die Zimmtwaffel , Mz. — n . 1) Eine Art Waffeln mit Zimmt. 2) Eine Art Blasenschnecken (Bulla aperta L .); auch gerolltes Papier .

Zimtwaffel

PfWB

zimt·waffel

Zimt-waffel f. : 'im Zimtwaffeleisen gebackene dünne Waffel mit Zimt, Weihnachtsgebäck', -waffel [mancherorts, G. Altenkirch: Heimatkundlich…