währschaft,
f. besitzübertragung, bürgschaft beim verkauf, entrichtung, richtiger wert, richtige beschaffenheit einer ware u. s. w., abstractbildung zu dem verb. währen
in seinen drei ersten bedeutungen. ein im älteren nhd. nicht seltenes wort, das vielfach an die stelle der älteren bildung währe (
oben sp. 755
f.)
getreten ist, ebenso wie gewährschaft (
theil 4, 1, 4886
f.)
neben gewähr
steht. aus der schriftsprache ist das wort jetzt fast ganz verschwunden (
doch vgl. I, 2,
b, β.
d),
schon die wörterbücher des 18.
jahrh. erwähnen es meist nicht. in einer bestimmten bedeutung lebt es noch im schwäbisch - alemannischen, kann aber ganz zu einem adj. übergehen (
s. den folg. art.).
die zahlreichen bedeutungen in der älteren sprache lassen sich in zwei gruppen sondern. in der einen erscheint währschaft
als nomen actionis zu währen
in seinen verschiedenen bedeutungen und hat die form gewährschaft
neben sich; die erweiterte verwendung als '
verbürgung',
die gewährschaft
in der neueren schriftsprache zeigt, kommt aber bei währschaft
nur ganz vereinzelt vor. in der zweiten gruppe entfernt sich währschaft
weiter von dem zu grunde liegenden verbum und wird auf den vollen (
ursprünglich durch garantie gesicherten)
wert oder die richtige beschaffenheit einer sache bezogen; in diesen gebrauchsweisen, die sich mundartlich fortsetzen, hat das wort nicht die form gewährschaft
neben sich. währschaft
läszt sich als '
besitzübertragung'
erst ziemlich spät nachweisen, während es als '
bürgschaft beim kauf'
und den daraus hervorgegangenen gebrauchsweisen seit dem 12.
jahrh. und als '
leistung, bezahlung'
seit dem anfang des 13.
vorkommt. II. währschaft
als nomen actionis. I@11)
entsprechend währe I
bezeichnet es die investitur, besitzübertragung. dabei ist bemerkenswert, dasz während bei währe (
ebenso gewähr)
die ursprüngliche bedeutung nur in resten erhalten und fast ganz in die von '
besitz, besitzrecht'
übergegangen ist, währschaft
in der rechtsprache vieler gegenden bis in die neueste zeit hinein die besitzübertragung selbst bezeichnet. allerdings handelt es sich dabei hauptsächlich um die redensart währschaft thun,
wo vermischung mit der evictio, zusicherung der schadloshaltung seitens des verkäufers (
s. unten 2)
eingetreten ist. doch weisen die folgenden belege deutlich auf die förmliche besitzabtretung des verkäufers und besitzeinweisung des käufers hin: so yemant dem andern verkauft einich hab oder gut umb ein nemliche summ guldein oder gelts, der sol dem selben gepürliche und notturftige vertigung, überantwurtung und werschaft söllcher gekaufter habe oder gut thun, also das der kauffer die alszdann und fürbasser für das sein haben und geprauchen soll.
Nürnberger reformation (1484)
tit. 28 § 1; so er verkaufft, es sey leiplich unleiplich, ligend oder farend hab, guot oder gerechtigkeit, soll der verkauffer vertzeihung und werschafft thuon, dem kauffer dasselb übergeben, abtretten und einantwurten. Tengler
layenspiegel (1512) 89
b; wer ein guot hatt und das verkauffen thut, der ist schuldig ein soliche werschafft zu thun, damit der keufer solch gekaufft guot für das sein haben und brauchen mög.
Jülichische proceszordnung (1556) 101; dasz hinfüro niemandt, sey wer es wölle, verstattet noch zugelassen werde, einiges geistlich gut ... zukauffen, zu vertauschen, bestandts oder auff andere weise an sich bringen oder deszhalb währschafft oder eynsetzung zu thun.
churfürstl. Pfaltz landtsordnung (1582) 77
b; so ist der verkäuffer schuldig, dem käuffer das verkaufft gut, so dasselb vorhanden oder sonsten in seinem gewalt und gewahrsam, also bald solchs begert, unverzüglich zu lieffern und währschafft darüber zu thun.
churfürstl. Pfaltz landtrecht 2.
theil 15
a; so jemand dem andern ainich haab oder guet umb ein nembliche summa gelts verkaufft und der kauff volkommenlich ... beschlossen ist, der soll dem kauffer gebürliche und nottürftige fertigung, einantwortung und wehrschafft thuen, damit der kauffer solche gekauffte haab und guet für das sein haben und brauchen mög.
bayrisches landrecht (1616) 231; der käuffer soll ein zweig nemen, denselbigen dem schultessen, an stat meines gn. hern, reichen, volgents der schultesz dem käuffer wehrschaft thun.
Erbachische landesordnung theil 1
tit. 9
bei Beck
das landrecht im Odenwalde (1824) 95. es beschieht währschaft: so jemand fahrende haab verkaufft und nach getroffenem kauff dem erkaufften gut etwann ein schaden zustünde, ist der käuffer und nicht verkäuffer schuldig, solchen schaden zutragen. ... inn liegenden gütern aber hatt diese satzung eher nicht statt, es seye dann völlige fertigung oder wehrschafft beschehen, oder es habe sich der käuffer der possession schon allbereit underzogen.
badisches landrecht (1622)
theil 4
tit. 8.
wie sich aus der stelle in der Erbachischen landesordnung ergibt, erfolgte die währschaft
vielfach unter mitwirkung einer gerichtsperson. in Frankfurt war es ein gerichtlicher akt, der in der städtischen canzlei vor sich ging; der bürgermeister (
später der stadtgerichtsdirector)
setzte '
mit mund und halm'
den verkäufer aus dem besitz und den käufer in den besitz ein: es sollen auch die auffgifften und wehrschafften über solche verkauffte liegende güter .. niergend anderszwo, als in unserer cantzley .. geschehen.
Frankfurter reformation (1611)
theil 2
tit. 3 § 7; wann zwey ehegemaheln in stehender ehe einig liegend gut mit einander kauffen, das soll ihnen gemein seyn, derwegen auch die wehrschafft ihnen beyden samptlich in unser cantzlei geschehen.
theil 3
tit. 6 § 1; bey einschreibung der wehrschafften jederzeit fleissige achtung zu geben. § 2; also, da ein gut beyden eheleuten gemein ist, dasz es anderst nicht, als mit irer beyder gutem willen, soll verkaufft und die wehrschafft darüber gestattet werden. § 3.
die währschaften
haben sich im südwestlichen Deutschland bis in den anfang des 19.
jahrh. erhalten, vgl. die theil 4, 1, 4888
unter c)
angeführte badische verordnung von 1808,
sowie: in mehreren theilen unserer lande bestehen noch bei den kauf- und tausch-kontrakten über immobilien die aus älteren zeiten herkömmlichen währschaften, welche dermal, wo alle kontrakte über immobilien gerichtlich ausgefertigt und bestätigt werden müssen, und ausserdem noch das ab- und zuschreiben erfolgt, ohne irgend einen nutzen zu gewähren, nur durch die währschaftsgebühren zu belästigung der kontrahenten dienen. es werden daher die hie und da in unsern landen noch übliche währschaften ... hiermit gänzlich abgestellt.
groszherz. hessische verordnung, 13.
febr. 1812.
in Frankfurt war die förmliche besitzübergabe sogar bis in die sechziger jahre vorgeschrieben: jede übertragung des eigenthums unbeweglicher güter, und der ihnen gleich geachteten gerechtigkeiten in Frankfurt, Sachsenhausen und deren gemarkungen an andere musz in der regel durch gerichtliche währschaft,
d. h. durch feierliche übergabe von seiten des verkäufers, überlassers
etc. an den käufer, übernehmer, mit allem was dazu erforderlich ist, nach vorhergegangener untersuchung des hypothekenbuchführers-adjunkt ... vollzogen werden. v. Adlerflycht
das privatrecht der stadt Frankfurt (1832) 5, 1360.
dies währschaft
kommt übrigens auch in der bedeutung von '
besitzrecht'
vor: welcher nach ordnung der recht in ein erbschafft gewiesen oder bleibt in der possession als des verstorbnen nechster erb ohn zuthun des richters (als dann nach gemeinem brauch von unnöten) darinnen ruhig dreiszig jhar, ohnverhindert menniglichs, der hat ein geweer oder weerschafft erlangt.
landsordnung der gr. Hennenbergk (1539) 24
b; hette auch der flüchtige schuldner ander guet ligent oder fahrent hinderlassen, dessen mag sich der glaubiger zu recht, wo ihme an der wehrschafft abgieng, auch underziehen, mit fronbotten auf recht.
bayrisches landrecht (1616) 259. I@22)
wie währe II, 1,
b und gewähr II
bezeichnet dann währschaft
die garantie, die der verkäufer dem käufer leistet (
für die sicherung im klageverfahren scheint es nicht üblich gewesen zu sein),
vgl. auch oben sp. 979
das nd. wahrschaft.
neben gewährschaft
drängt es in der rechtslitteratur die beiden andren formen zurück, ist aber (
im gegensatz zu gewähr,
auch gewährschaft)
nur wenig in die allgemeine sprache eingedrungen; doch ist es in der sprache des südwestens zu reicherer entwicklung gelangt. angaben der wörterbücher: warandia, werschafft in eim kauff. Diefenbach
gl. 632
a (
aus gemma 1512);
warandizare, werschafft thuon.
ebenda; wärschafft,
evictio. Emmelius
nomencl. 267; währschaft thun,
jus in praeteritum dare. Dentzler 2, 341
a; gewärschaft
et wärschaft,
evictio, cautio evictionis, alias gewärschaftsleistung. Stieler 2416; währschaft,
caution, garantie. Rondeau; währschaft leisten,
garantir, donner caution, répondre. Schrader 1581
b. Adelung
führt das wort nicht an. vgl. auch die theil 4, 1, 4889
beigebrachten belege. eine übersicht über die anwendung des wortes gibt die folgende stelle: ist dem schreiber (
in kaufbriefen) warzunemen von der wehrschafft, die inn dreien stucken stehet. zum ersten den verkauffer anhafft zumachen dem kauffer wehrung zusein des kauffs, also, dasz niemandt einiche gerechtigkeyt mehr, dann der kauffer, seine erben und
N. an solches guot haben soll. ... zum andern, dasz der verkauffer dem kauffer wöll weren der zal und masz in dem kauff bestimpt. ... zum dritten dasz der verkauffer wöll dem kauffer wehrschafft thuon der eygenschafft des guots, darfür ers ihm zukauffen geben hat.
notariatbuch und teutsche rhetoric (
Frankf. 1571) 61
a. I@2@aa)
zunächst bezeichnet währschaft
die sicherstellung des käufers für den fall, dasz andre an die gekaufte sache anspruch erheben: es ist aber wehrschafft oder gewehr, evictio, so viel, als schadloszhaltung, wann nemlich zum exempel ein kauffer wegen desz erkaufften guts angefochten und ihm solches abgesprochen wird, dasz er den verkäuffer oder wehrmann, den die Frantzosen garant nennen, deszwegen suchen kan.
M. Zeiler
episteln 4, 399.
auszer der schadloshaltung bei besitzstörung kommt die bürgschaft für rechtlichen erwerb in betracht bei beweglichen dingen: ist aber das er (
bei dem gestohlenes gut gefunden wird) vergicht, das er von eim, den er erkent, es koufft hab, dem ist erloupt, das er fierzechen tag suoch durch unsy grafschaft; ob er den nicht vint, nach werschaft nit haben mag, der sol einsz schachers buosz liden.
stadtrecht von Arau 24, 27
Merz (1309); die vordirungi (
eines andern) die sal alsi langi weri biʒ daʒ min der werschaph zu endi cumit undi sal iclich man daʒ sweri, daʒ he sinin rechtin werin bracht habe.
rechtsbuch der stadt Mühlhausen 13
Förstemann. währschaft
begegnet in lateinischen urkunden seit dem 12.
jahrh. (
vgl. auch Haltaus 2037): Arnoldus assignavit Hermanno et Warnero 70 marc. super eandem hereditatem, si infra annum et diem wersaph ei non fecerit, si aliquis eos impetit. ... quod si non fecerit, Herman et Warnerus de 90 liberatus sit.
Kölner schreinsurkunden des 12.
jahrh. 1, 128
Höniger; et borgedin werschaf annum et diem, sicut justum. 1, 324; Wilhelmus ... et Uda emerunt domum quandam ... ab advocato et Blithilde uxore sua ... et idem advocatus promisit Wilhelmo werschaf, et hoc suffecit Wilhelmo. 2, 148; et sciendum, quod Margareta ... suam quartam partem tocius hereditatis ad ipsam spectantis obligavit pro securitate id est ze werschefte, ut si aliquis impetierit primam quartam partem predicte aree vendite, ultima quarta pars inde respondebit.
quellen z. gesch. der stadt Köln 2, 422 (1259)
Ennen; ad plenam gwarandiam, quod vulgariter dicitur wêrschaft.
cod. dipl. Salemitanus 2, 345 (
Konstanz 1288)
v. Weech. etwas später auch in deutschen (
vgl. theil 4, 1, 4889): es ist ouch ze wissende, daʒ die vorgenanten bruoder ... ze ursatz einer werschafft fúr lidig eygen der vorgeschriben verkOeffter hofeʒ und gtern verbunden hand alle ire andere gtere.
urkundenbuch der stadt Basel 3, 261, 18 (1299)
Wackernagel; daʒ ich minen hob ... han virkauft vur rehtlich eygen den erbern herren von me Duschenhus zuo Marpurch ... rehter werscheffe jar und dach, so han ich zuo burgen gesast die erbern lude hern Ruodolfen ...
hessisches urkundenbuch 1.
abt. 2, 260, 9 (1318)
Wyss; ich Walter von Alnahe bekennen, das ich geborgit han vor rechte werschaef nach des landes gewonheit. 2, 454, 7 (1335).
in den rechtsbüchern wird von der währschaft
bis auf die neuere zeit gehandelt: die werpürgen sein umb werschafft des so dann in disem püttelstab gelegen ist verhefft nach disem statrechten jar und tag.
Nürnberger reformation von 1479
tit. 28 § 5
bei Heumann
opuscula 323; sol der besitzer ... nicht allein gegen dem kläger ein geweere, sondern auch in solcher zeit der verkeuffer gegen dem keuffer der eviction halben ein geweere erlangt und ihn den keuffer, wo er ihm weerschafft verkaufft, mit solcher zeit geweeret haben, es hette dann der verkeuffer die weerschafft auff ein namhafftige zeit, als jhar und tag, gesetzt, als dann sol der keuffer ... nach solcher zeit ... von dem verkeuffer geweert und der eviction entledigt sein.
landsordnung der gr. Hennenbergk (1539) 26
a; da nemlich in der kauffshandlung abgeredt, der verkauffer zur schadloszhaltung und währschafft unverbunden seyn solle.
hofgerichtsordnung churfürstl. Pfaltz bei Rhein (1657)
theil 2
tit. 11.
am häufigsten begegnet die verbindung währschaft thun: unde globen in guden truwen vur uns unde alle unse erben disen vurgenanten kauff unde vurkauff ewelichen stede unde veste zu halden unde gude werschaff dar von zuo dune jar unde dag als recht unde gewonheit ist.
urkunde von 1371
bei Wyss
Limburger chronik 122, 52; der gut hat verkoufft ... und hat burgen gesaczt, jar und tag recht werschaft zu tun.
keyserrecht von 1372
s. 143
Endemann; ine auch vollkomende und gnügliche wehrschaft thun, wann wo und wie dick yne oder yren nachkomen des nott sin wird. Lennep
landsiedelrecht 2, 104 (1476); disz obgeschribenen kouffs und verkouffs für sich und alle sine erben guote tröstung, veste sicherhait und alle wärschaft ze thuonde nach dem rechten.
zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 3, 375 (
S. Blasien 1480); wellcher dem andern ligende habe oder gut ... alhie in dem pütelstab gelegen verkauft, der soll darumb werschaft thun jar und tag.
Nürnberger reformation (1481)
tit. 11 § 4; und were es sach, das einer ein gutt verkeufft und sich etwas daruff funde, das im kauff nit ernant were, so sulte der verkeuffer dem keuffer des wehrschafft thun.
weisth. 3, 772 (
Wiebelsheim im Hunsrück 1498); ein jeder verkäuffer ist schuldig dem käuffer von wegen desz verkaufften guts gebührliche wehrschafft oder eviction zuthun ... ob gleich desz getroffnen kauffs kein solche wehrschafft und schadloszhaltung versprochen oder angedingt worden.
badisches landrecht (1622)
theil 4
tit. 10; ein jeder verkauffer ist von wegen desz verkaufften guts dem kauffer gebührliche wehrschafft zu thun schuldig.
hofgerichtsordnung churfürstl. Pfaltz bei Rhein (1657)
theil 2
tit. 11; eviction und wehrschaft thun. Bauer-Collitz 180 (17.
jahrh.).
in demselben sinn auch währschaft tragen: ich verbinde mich und mine erben daʒ zuo werende und werschaft zuo tragende.
urkunde von 1363
bei Schmeller
2 2, 975; und vorderte an sii, daʒ sii ym werschafft tragen solt gegen her Hug v. Zorn von zinse wegen, die ym verswigen werent.
Straszburger ratsbeschlusz von 1417
bei Scherz-Oberlin 1990; und sol P. S. der gesellschafft zur Moerle des kauffes werschafft tragen nach diser stat reht und gewonheit.
ebenda (1419).
jünger ist währschaft leisten: in einer simplen schankung ist niemand währschafft zu leisten schuldig.
churfürstl. Mayntzische land-recht (1755)
tit. 24 § 6; da einem in gütlicher vergleichung das bereits inhabende streitig geweszte gut verbleibet, ist der gegentheil deme kein währschaft zu leisten schuldig.
der statt Basel statuta (1756)
theil 2
tit. 22. währschaft geloben, versprechen: wann ein käuffer wegen des erkauften guts im rechten angefochten wird, sol ihne der verkäuffer zu entheben und schadlos zu halten schuldig seyn: obschon solches anfangs nicht angedingt. noch einige währschaft versprochen worden.
tit. 14. währschaft
kann früher auch die vertretung eines andern bei der sicherheitsleistung, bürgschaft sein: nimit ein withewi einin man zu ewi undi vurit (werit?) dein uf so getan liepgedingi alsi ur ersti man gidingit heit ... des mac su un woli giweri bi urme libe die wile daʒ su lebit ... stirbit dan die vrowi, so is die werscaph uʒ.
rechtsbuch der stadt Mühlhausen 22
Förstemann. vgl. auch die theil 4, 1, 4892
unter ε)
angeführte stelle. es findet sich als urkunde, in der die verpflichtung zur sicherheitsleistung angegeben ist, schuldurkunde: dargegen hatt ich nu uff des Dristers haus 22½ alb. heir van dissem haus findt man in minem rechensboich fol. 120 .., die alte werschaft steit im copeienboich van wort zu worde.
buch Weinsberg 1, 351 (1550)
Höhlbaum; er wolt eiʒ enkel goltgulden haben vam haus neigst Cronenberch und man hat vurhin nehezitz (
niemals) bezalt dan 3 mr. 5
s. curr. geltz gemeinlich laufende, dan also hilt auch die werschaft innen, aber das schrin hilt rinsche gulden, goit van golde und swar van gewicht. 2, 52 (1554). I@2@bb)
weiter ist währschaft
die garantie des verkäufers dafür, dasz die ware nach zahl, masz, gewicht oder nach ihrer qualität das ist, wofür er sie ausgegeben hat. diese bedeutung, die bei gewährschaft
nicht nachgewiesen ist, greift mehr als die vorher behandelte in die allgemeine sprache ein und es haben sich daraus die unter II
besprochenen bedeutungen entwickelt. I@2@b@aα) die koufflüt koufften die zehen vas für vol, do sie aber werschafft begerten, funden sie die fünffe nit me dann halb vol. Steinhöwel
Äsop 307
Österley. I@2@b@bβ)
als '
garantie für die fehlerlosigkeit der ware'
ist währschaft
namentlich beim viehhandel verbreitet und noch jetzt üblich: (
wenn das vieh verdächtig ist) so het er (
der verkäufer) fürbass werschaft aht tage und wurde in den aht tage(n) das vihe fürbass bresthaft, sol er in des vihs noch vierzehn tag weren.
Straszburger zunftordnungen 348
Brucker; die vier, die gesetzet sint über die werschaft der hengest und pferde von der vier gebresten oder ander bresten wegen zu erkennen. Eheberg
verfassungsgesch. der st. Straszburg 1, 131 (1443); bey verkauf von schweinen soll die werschaft viertzehen tag besteen.
Nürnberger reformation (1564)
fol. 91
b; von wehrschafft und fertigung tadelhafftiger schwein, rosz und anderer thier.
bayrisches landrecht (1616) 232; warenmäsziges und anderes vieh, wofür der verkäufer keine wehrschaft leistet, und es für nichts guts verkaufen will, soll gar nicht auf dem viehmarkt angenommen werden.
Erbach-Fürstenauische viehmarktordnung vom 2.
jan. 1802 § 48; so musz darauf (
in bezug auf die hauptfehler bei rindvieh und pferden) von dem verkäufer oder vertauscher die währschaft geleistet werden, wann auch in dem handelsprotokoll davon keine ausdrückliche meldung geschehen ist.
Erbach-Erbachische viehmarktordnung vom 1.
juli 1805 § 7; beim handel mit thieren aus dem pferdegeschlecht und mit rindvieh ... hat der übergeber ... dem übernehmer ... während der gesetzten zeit dafür währschaft zu leisten, dasz dieselben mit keinem von den im § 2 aufgezählten gewährmängeln behaftet sind.
konkordat der kantone Aargau, Bern ... und Zürich vom 22.
april 1853; alle landrechtlichen bestimmungen ... bezüglich der währschaften beim viehhandel sind aufgehoben.
groszh. hessisches gesetz, die währleistung beim viehhandel betr., vom 18.
juli 1858,
art. 17; wenn der verkäufer noch besonders erklärt, das tier sei frisch und gesund, oder wenn er sich verpflichtet, gesetzliche währschaft zu leisten, für alle fehler zu haften. Hachenburg
das recht der gewährleistung beim tierhandel 242.
die ältere sprache kennt währschaft
aber auch für alle andern waren, speise und trank, handwerksarbeiten u. dgl. (
vgl. die abgeleiteten bedeutungen unter II): also untzehar gewöhnlich gewesen ist, das man von den heringen werschaft getragen het von sant Michelstage huntz ostern, do sol man hynnan fürder me nit lenger werschaft tragen danne sehs wochen und zwene tage.
Straszburger zunftordnungen 215
Brucker; sOellent sy mitt den, so die win verkouffen, reden, wo fr sy den win gebent, sOellent sy werschafft tuon, Elsesser fr Elsesser .., lantwin fr lantwin.
stadtrecht v. Arau 60, 20
Merz (1410); das sy üch werschaft duOeend, Elsesser für Elsesser .., lantwin für lantwin.
ebenda 164, 5 (1510).
noch jetzt in der Schweiz wärschaft, wärscheft,
gewähr für die güte einer sache. Stalder 2, 430. Hunziker 287 (
im Aargau auch auf die gewährleistende person bezogen, er ist-mr wärschaft).
auch im Elsasz, jahrb. f. Els.-Lothr. 4, 47. I@2@cc)
in übertragener anwendung kommen wendungen wie währschaft thun, tragen, geben '
gewähr leisten'
im älteren nhd. vor. I@2@c@aα) ich (
der narrengieszer) will dir mit künstlichen sachen drey schöner grosser narren machen und dir auch drumb guot werschafft geben, wo sye mir nit gerieten eben, wie du mir hast gedinget an, wil ich mein kostn verloren han. Wickram
werke 5, 127
Bolte (
narrengieszen 137); siehstu, das fleischlin ist ietzt din eigen! das sölt du mit fröuden zuo dir nen! ich wil dir ouch guote werschaft
gen. sie ist probirt so dick und vil, dasz ich dich nüt betriegen wil.
N. Manuel
Elsli 629
Bächtold; ich hab ein guoten, starcken, geruoheten knecht, der würt für euch sein. ich waisz euch werschafft zuo tragen; dann ich hab mich wol 6 oder 7 jar mit ime gelitten, ja so wol, das ich waisz, was es fur ein gesell ist. Frey
gartengesellschaft 34, 5
Bolte. I@2@c@bβ) so Christus mit sim eignen bluot der gnaden gots uns werschaft thuot. Schade
satiren u. pasquille 1, 43, 176. I@2@c@gγ) do zugend wir über den Houwenstein ab, meng breiter vierschröter Schwizerknab .., truog uf der achsel ein breiten stab, damit ein ieder guot werschaft gab. Liliencron
hist. volksl. 1, 553, 9 (1468).
an dieser stelle kann auch von währschaft II, 2,
b ausgegangen werden: '
ein gutes stück arbeit lieferte'. I@2@dd)
in der neueren sprache kommt währschaft
als '
gewähr'
nur bei Voss
vor, der es im anschlusz an währmann
gebraucht: auch bezeugen Donatus, Servius, Phokas, gewisz nach älterer währschaft, dasz unser Varus ... den ... Epicuräer Syron gehört habe.
Virgils ländl. ged. (1797) 2, 292; wie aber erklären wirs, dasz Pausanias ... zuerst auf den alcäischen hymnus ... sich beruft, und hierauf, da noch ältere währschaft gestellt werden soll, nicht den selbigen rinderraub aus Homers hymnus anführt.
mythol. briefe2 1, 102. I@33)
wie währe III
entrichtung, leistung, gewährung ist (
es kommt, abgesehen von dem bergmännischen wehr,
nur in der poetischen litteratur vor),
so findet sich diese bedeutung auch bei währschaft,
und zwar noch in engem anschlusz an das verb. währen III
entrichten, zahlen: so sol ich zende des selben jares daʒ ander drittail der haller weran den vorgenanten bischof und die tuomherre von Costentze. und sol daʒ selbe tuon mit der werschaft deʒ dritten tailes zende in dem dritten jare.
monumenta Zollerana 1, 247 (1303); ich ... kund allen ... das ... die burger von Zurich mich ... gewert hant hundert vier und drissig march silbers ... und ze einem urkunde diser werschaft, so han ich inen disen brief besigelt geben.
archiv für kunde österr. geschichtsqu. 6, 203 (1314); ze ainem urchunde deʒ chouffes und der werschaft, die unser herren (
l. herr) von Frising (
als käufer) hat gewert Marquarten an dem Schachen.
urkunde von 1335,
font. rer. Austr. 2, 35, 244; wer dem andern alt pfenning gelten sol, der sol im gelten mit dien selben alten pfenningen, die ze geben und ze nemen sint. ... und sol dú werschaft beschechen hinnan ze dem nechsten sant Gorjentag und dannen hin úber ein gantz jar daʒ nechst, so nu kúnftig wirt.
Züricher stadtbücher 1, 254
Zeller-Werdmüller (1376); umb des willen dasz der wermeister (
bei holzverkauf) hebet den drucken weinkauff, des soll der wermeister heben die werschafft, und jeglichem herrn liebern sein antheil und gepuer.
weisth. 2, 581 (
Eifel 1518).
übertragen bei Wolfram: swelh wîp in hête dar mit ir werschaft (
gabe) gesendet, ir bote was ungeschendet.
Willehalm 368, 29.
in der neueren sprache hat sich diese bedeutung so wenig bei dieser form wie bei gewährschaft
fortgesetzt. IIII.
abgeleitete bedeutungen des wortes, die von währschaft I, 2
ausgegangen sind. in diesen bedeutungen, die besonders im alemannisch-schwäbischen und rheinfränkischen auftreten, hat währschaft
nicht die form gewährschaft
neben sich. II@11) währschaft
wird von der gewährleistung in bezug auf zahl, masz, gewicht gebraucht (
oben I, 2,
b, α).
in dieser allgemeinen beziehung, aber von dem gewährleisteten selbst gebraucht, liegt das wort wol an folgender stelle vor: nicht der undern Sargansern weder müntz, gewicht, eln noch masz gebrauchende, sonders von alter her ihrer nachbawren jenseit Rheins wehrschaft gehalten. Münster
cosmographey (1588) 760.
sonst kommt nur anwendung auf die münze vor, also entsprechend währe II, 4,
das aber eine weitere verbreitung hat. es ist der gewährleistete, gesetzmäszig bestimmte wert der münze: valor, die werschafft. Dasypodius 254
c; wärschafft oder werth der müntz,
valor. Emmelius
nomencl. 383;
valor monetae, die wärschafft oder der wärth der müntz. Golius
onomasticon 407; wehrschaft und valor der müntze. Schottel 382; währschafft in geldsachen, von des geldes valor und werthschafft. Frisch 2, 416
b. währschaft haben: (
ein gulden) der an golde nit sin werschaft hette.
Straszburger zunftordnungen 244
Brucker; so musz ... kein ... fremde ... münz, viel noch wenig, keinen gang noch wehrschafft (
hier mehr: '
geltung') mehr im reich haben. B. Albrecht (1600)
bei v. Hagelstein
acta publica monetaria 3, 44.
meist abgeschwächt zu '
münzfusz, währung'
und was in einem solchen münzfusz ausgeprägt ist (
das wort steht in dieser bedeutung bis ins 17.
jahrh. neben währung): sol ain yeglicher dem kleger vervallen sîn ze richten ain halb mark silbers und der statt 1 ℔ hlr. unser werschaft.
Alemannia 6, 231, 3 (
stadtbuch von Schaffhausen, 14.
jahrh.); daʒ man bi der ordnung und werschaft belibe, so man jetz hat und halted uber gross und klein gelt.
Zürcher stadtbücher 2, 91
Zeller-Werdmüller; empfalhen die burger den räten den selben nottel und die müntz ze besorgen und sich mit den von Lucern umb die werschaft und wenn man anheben welle müntzen ... ze vereinen. 2, 149 (1421); das wir gern einer müntz oder werschaft mit inen (
den eidgenössischen städten) überkommen weren. 2, 195 (1424); so mag er bezahlen mit kleinem gelt und sölicher werschaft als vor stat, die er dann gehaben mag. 2, 217 (1425); item ein kist 4 dn. (
brückenzoll) item ein mönsch 2 dn. item dis vorgeschriben sol alles samend sin gewonliche werschaft.
stadtrecht v. Arau 79, 9
Merz (1426); da wider sol ... er ... fúrderlich und ze stund geben und bezalen viertzig guoter rinscher guldin in der werschaft und bezalung als denn daselbs gemeiner louf ist ze gebenne.
urkundenb. der st. Aarau 266, 21
Boos; wir haben ouch gesetzt ..: wer, das sich die nwe mntz wurde endren .., daʒ wir denn einander zinsen sOellen fr 2 ℔ alter dn. 1 guldin, und also nach marchzal; und was ouch ieman von dishin verkouft und werschaft benemen (
var. benempt), daʒ man da iederman fr 1 ℔ werschaft 1 gulten (
var. gten) guldin geben sol.
stadtrecht v. Bern 1, 227, 27. 28
Welti; ein pfunt pfenning Fryburger werschafft. Riedrer
spiegel der rhetoric 113
a; wann si (
die münze) was etwas schwächer, dann die wärschafft nach gemeinbrüchigem müntzschlag sin sölt. Tschudi 1, 322; dasz ins künfftige kein andere dann des reichs wehrung oder wehrschafft gestattet noch zugelassen. Hirsch
müntz-archiv 3, 220 (
Regensburg 1603). gute, rechte währschaft: es soll auch ein yeder huober zuom selben geding seinen zinsz von huobgüttern sambtlich, und nemblich die wynzinse im herbst, guoter werschaft ... on geverde gericht und bezalt haben.
weisth. 4, 165 (
Elsasz 1508); zehen gulden gelts rheinischer guoter gemeyner, an goldt gewicht und gepreg gerecht, odder für jeden gulden so guote wehrschafft, als das goldt odder die müntz bey jetzigen zeiten disz kauffs und datum disz brieffs zu
N. gewesen ist.
notariatbuch und teutsche rhetoric (
Frankf. 1571) 84
a (
kaufbrief); mit zweihundert guoter rheinischer gulden an goldt, gebreg und gewicht gerecht, als guot reinisch goldt auff den tag disz brieffs datum guot redlich wehrschafft gewesen ist. 85
a; dagegen der käuffer schuldig das kauffgelt auch in rechter wehrschafft und gangbahrer gebiger müntz ... zu bezahlen.
Frankfurter reformation (1611)
theil 2
tit. 9 § 3.
die bedeutung '
gesetzliches zahlungsmittel'
tritt namentlich in währschaft sein, für währschaft annehmen, ausgeben
hervor: dasz man die thaler, welche von anfang ihres münzens in allen landen ein bekandte richtige wehrschafft gewesen, zu müntzen eingestellt. B. Albrecht (1601)
bei v. Hagelstein
acta publica monetaria 3, 30; so lang man nun dieselbigen ungerechten münzen gleich den guten ... für wehrschafft nimmt.
ebenda 3, 32; welche in- und ausländische güldene müntzen, und in was valor und gehalt vor wehrschaft anzunehmen. v. Hagelstein
acta publica monetaria 2, 276 (
Mainz 1667); mit frembden auszlendischen müntzen, die im reich für wehrschaft ausgegeben und verschoben werden. Hirsch
müntzarchiv 3, 267 (
Nürnberg 1606). II@22)
von währschaft
als der gewährleistung für die fehlerlosigkeit und gute beschaffenheit einer sache (
ware, arbeit u. dgl.)
sind zwei bedeutungen ausgegangen. II@2@aa) währschaft
bezeichnet die fehlerlosigkeit und gute beschaffenheit selbst. so in währschaft haben: das sü (
die meisterin) danne denselben iren husrat (
der siechen) beschöwe und eigentlich luoge, obe der werschaft habe und als guot sige als danne in disem buoche geordent und verschriben stot.
Straszburger zunftordnungen 54
Brucker; die zylstein von Ostermundigen sollent ir werschafft han und in allweg schchig sin.
stadtrecht v. Bern 1, 307, 31
Welti. guter, von guter währschaft sein
u. dgl.: dasz sie (
die gewürze) wol und sauber gereiniget, auch sonsten von guter währschafft seyen.
churfürstl. Pfaltz landtsordnung (1582) 97
b; der becker brot ... besehen und wiegen, ob das an berürtem gewicht und sonst guter währschafft gerecht oder nicht. 118
b; ein schwelin und britschen, an guoter wAerschaft gemacht und ufgericht.
stadtrecht v. Arau 174, 33
Merz (1515).
übertragen auf personen: wiewol aber die artzt ihre kunst und lehr auff klauben von badern und scherern, die doch keiner werschafft sind, nemlich Lanfranci und Petri de Argillato. Paracelsus
opera (
Straszb. 1616) 1, 850 C. in währschaft halten: der den leib auch schmidt in mutter leib, der schmidt in auch im magen: dann also erhalt dieser schmid sein arbeit und werck auff, für und für, das nit anders gemacht ist, dann täglich daran zu flicken und zu pletzen, das ist zu erhalten die form, die all tag jetzt do, dann do abnimpt ... wie dann mit gsundem leib, und krancken leib manigfaltig bezeugt wirdt: dann gesundtheit will gleich so wol gehalten werden in wärschafft, als kranckheit. Paracelsus
schriften (1589) 1, 75. II@2@bb)
es kann auch auf eine fehlerlose ware oder ein tadelloses stück arbeit selbst gehen: guote wärschafft,
proba merx. Maaler 482
a; währschaft, gute waar,
proba merx. Dentzler 2, 341
a; mit dem gedinge (
ist der verkauf gestattet), das sie werschaft veil habent in form und mosze.
Straszburger zunftordnungen 246
Brucker: wie die glaser ... etlich artickel bisz an uns beslossen haben, die sOellen ntz und notturftig sin, ir handwerck in wesen behalten, damit menglichem werschafft vervolg, by vermydung str
f. zeitschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 16, 162 (1484); es sol ouch keiner mer holtz fellen, dann er eins jeden tags uffgehowen mag; su sollent ouch gute werschafft howen und oben und neben ein holtz furlegen.
Schlettstadter stadtrechte 2, 710 (
um 1500)
Gény; dar umb soll auch ein ieder ... unpartheiisch oder verdechtlich gericht und recht, ungefelschte gewicht und masz, unverwandte war oder wehrschafft ... ob allen andern geschäfften fördern. Fronsperger
kriegsb. 1, 32
a (1573); gehackt stro und staub in gemalten büchssen und laden für arabische und indische wehrschafft haben.
Garg. 189
a (298
Alvensleben); dasz sie (
die spezereihändler) nach inhalt vorgesetzter ordnung auffrechte, gute währschafft zu marck bringen.
churfürstl. Pfaltz landtsordnung (1582) 98
a; so flössen sie auch unter und mit solchem holtz viel vergangenes holtz, so nicht kauffmanns gut, dardurch dann ... der arm mann (dem hierdurch nicht wehrschafft beschicht) treffenlich beschwerdt und vernachtheilt wird.
würtemb. revid. bawordnung (1654) 85 (
hier noch mehr in abstrakter bedeutung, oben I, 2,
b, β); aller kalch soll wohl zu guter wehrschafft und kauffmanns gut also gebrent (
werden), dasz männiglich umb sein geld rechte wehrschafft befinden möge. 97; dasz ... kein krummer, gespaltner ... ziegel und stein für wehrschafft und kauffmanns gut angenommen (
werde). 96. währschaft thun, machen: der macht nit werschafft uff dem merckt, wer nit uff kunfftig blonung werckt. Brant
narrensch. 111, 3; send ich üch meister ... der sölich arbeit stein und murwercks künstlich zuo volfüren gnuogsam erfarn bewert und ist deszhalb zuo üch myn früntlich bitt, im als meister dasselb üwer fürgenomen werck zuo bevelhen, das er üch werschafft thuon mag anzesehen. Riedrer
spiegel der rhetoric 82
a; diser dein (
des handwerkers) fürsatz sol also geschaffen sein, das, wenn dir einer etwas verdingt oder zu machen gibt, das du gedenckest, ich wil ihm gute wehrschafft machen, damit er sol sehen, das ich ihn trewlich gemeinet hab. Höniger
narrensch. 493
Scheible; haben Jakoben dem tischmacher und sinem gesellen einen zwifachen stand im chor verdinget umb 50 ℔ und das si gutte, subere wärschafft machen.
Bern in seinen rathsmanualen 1, 153
Haller (1522); es soll ein jeder meister schuldig seyn, umb sein verdingwerck, es sey im bestand oder taglohn, gute maurwerck und währschafft zu machen, jeden stein gehawen und ungehawen auff sein läger zu richten und legen.
würtemb. revid. bawordnung (1654) 122.
in andren fällen ist währschaft
in dieser verbindung vielleicht schon adjectivisch (
s. unten)
zu nehmen: wann der smydt ye etwas gemachet, das uff die wage gehort, das sol er uff den zimberhof tragen und das die lonherren oder wercklüte lossen besehen, obe das werschaft, wol und recht gemacht, als im das empfolhen sii. Eheberg
verfassungsgesch der st. Straszburg 1, 346 (1492); dasz hienfüro ein jeder hauszfeurer keinem ... sein brot solle ... verderben, verwarlosen, verbrennen oder sonst nit werschaft machen.
Schlettstadter stadtrechte 2, 456 (1572)
Gény; alle maurwerk sollen gut währschafft gemacht werden.
würtemb. revid. bawordnung (1654) 122.
in der wendung 'etwas ist währschaft'
geht das wort allmählich in ein adj. über; schon im 14.
jahrh. wird es daher auch attributiv gebraucht. doch ist gewisz währschaft
in prädicativem gebrauch vielfach noch als subst. empfunden worden; die sicheren fälle der art (
namentlich bei hinzugefügtem adj.)
werden hier, alle übrigen unter dem adj. angeführt: uff wolfeyl gän gat yederman und ist doch gar keyn werschafft dran, dann wenig kosten man dran leit. Brant
narrensch. 48, 26; es sol hinfr kein metziger merer denn 100 schaff ... uff unser weid triben ... und wo die selben schaff nit guote werschafft, wellen min herren die von der statt laussen triben.
stadtrecht v. Arau 110, 24
Merz (1455); es sol eyn yeder schiffer disz jar nichts kaufen, dann was gut werschaft und gut kaufmansgut ist.
zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 11, 272 (
Pforzheim 1501); zuo dem ersten, so henckt man die haut in das wasser ... und leget sy auff ein holtz, und schabt das haar herab ... aber es ist noch nitt genuog, es ist kein werschafft, es glottert noch, es ist noch fleisch, man hacket es noch wohl. Keisersberg
has im pfeffer (1510) Cc 8
a; wo sy (
die haut) nit recht gegerbt würt, so ist sy kain werschaft. Cc 8
b; es wer dann sach, dasz die frücht (
das korn) sogar alt, hol, nit werschaft noch kaufmansguot were.
Schlettstadter stadtrechte 2, 800 (1563)
Gény; etlich kauffleüt so sy bisem kauffen wöllend, verstopfen die naszlöcher, verhalten den athem und lauffen ein halben steinwurff vom bisem und so sy denn den lufft wider nemmend und den ruch schmöckend, so achten sy wärschafft vorhanden seyn. Forer
thierbuch 29
b; und sollen die beschauwer als bald von der genommenen prob eins theils abtreiben und darausz erlehrnen, ob die gestossen würtz der gebür gemengt, gestossen, und gute währschafft sey oder nicht.
churfürstl. Pfaltz landtsordnung (1582) 97
b; nicht währschaft seyn,
non probi esse valoris. Dentzler 2, 341
a. II@33)
wol auch von '
gewährleistung'
ausgegangen ist währschaft
in der bedeutung '
preis',
die litterarisch nicht nachweisbar ist: precium, werschafft, das man für das gekaufft ding gibt. Dasypodius 191
a; werschafft,
precium. werschafft eyns dings achten,
taxare. 457
b; wärschafft und kost so man umb kaufft ding gibt,
pretium. Maaler 482
a.
vgl.währung II, 4.