verzählen,
vb. ,
ableitung zu zählen,
declarare, computare, numerare (
vgl. teil 15,
sp. 47).
an. fyrtellia;
dän. fortælle
dansk ordbog 1, 225
a;
schwed. förtälja
ordbok över svenska sprket 9, 3474
akad.; mnl. nl. vertellen Verwijs-Verdam 9, 125;
as. tuena fartalda man
Hel. 5561 (
s. u.);
mnd. vortellen Schiller-Lübben 5, 472;
mnd. verzeln, verzellen
mhd. wb. 3, 847
b; Lexer 3, 316;
zum mhd. rückumlaut im prät. verzalte
und part. prät. verzalt
vgl.zählen teil 15,
sp. 47.
dehnung des stammvokals wohl schon frühnhd.: verzelen, virzelen, verczelen
enumerare, recensere, revelare, supputare bei Diefenbach
gl. 23
c; 203
b; 486
b; 497
a; 568
b; verzelen
percensere Faber
thes. (1587) 156
b.
die schreibung verzehlen
mit dehnungs-h,
seit ende des 16.
jhs. belegt, wird vom 17.
jh. an allgemein: verzehlen
raconter, racontare Hulsius-Ravellus (1616) 361
b; sich verzehlen
imprudentia numerandi labi Stieler
stammb. (1691) 2249; verzehlen Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1430
c; verzählen Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 1066; Adelung 4 (1801) 1185.
in den heutigen maa. sehr verbreitet, so obd. bezeugt für Bayern, Österreich, Schweiz, Schwaben, Elsass und md. für Lothringen, Luxemburg Rheinland, Hessen, Sachsen. in den nd. maa. ist der stammvokal ungedehnt geblieben, vgl. vertellen Doornkaat Koolman
ostfries. 1, 469
b;
brem.-niedersächs. 5, 13; Mensing
schlesw.-holst. 5, 440; Danneil
altmärk. 240
a; f
ertel
e n Bauer-Collitz
Waldeck 212
b; Woeste
Westf. 296
b; vertellen, vertallen Schambach
Göttg. 268
a; fortellen Damköhler
Nordharz 217
b.
die mhd. und frühnhd. reiche bedeutungsentfaltung wird in der nhd. schriftsprache stark eingeschränkt. AA.
jem. für verurteilt, einer strafe verfallen, ausgestoszen erklären, (
zu etwas)
verdammen. (Leopold
vorsilbe ver- 248; 250
vermutet fra- '
weg'
in verächtl. sinne).
diese älteste, vorwiegend rechtssprachliche bedeutung verschwindet am ende des mittelalters. A@11)
jem. gerichtlich verurteilen, verdammen. A@1@aa)
als allg. terminus, vgl. '
einem verbrecher schwere strafe zuerkennen, hiesz ihn verzählen,
ahd. firzellan,
alts. fartellan ...
der verurteilte hiesz firzalt' J. Grimm
dt. rechtsaltert. 4 2, 523;
proscribere virzellen,
prescriptus virzalt (15.
jh. md.)
bei Diefenbach
gl. 467
a: dadun thuo thar te uuitieuuerod Judeono tuena fartalda manan tua halba Cristes an cruci
Heliand 5561
Sievers; din (
Jesus) dâ verzalten und an dem crûce qualten, dî sulint in ouh dâ gesên Hartmann
rede vom glouben 1573
v. d. Leyen; den godis sun namin si bider hant ... uor Pilatum si in brachten. ... do he vor ime wart virzalt. do wart des tuvil allir erst givalt Wernher v. Niederrhein 11, 11
Grimm; wan si sahen daz man hy quelt di ungerechten und vertzelt, wan kein unrecht noch arger list by dem richter nicht in ist
Hiob v. 8324
Karsten; swelch man verzalt wirdit in dem wicbilde zu Vriberc oder uf dem gebirge, ... der mac zu rechte keinen vormunden me gehaben (1305)
Freiberger stadtrecht 118; wir Heinrich ... rOemischer knig ... kunden ..., dass wir mit rechte und mit gesammeter urteil haben verzelt hertzogen Johanssen von Oesterriche (1309) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 250; der knig ... erkannt si fr mOerdere, fr verzallte todtsverschulte lt, die eer und recht verwrckt
ebda 1, 250; dasz graf Conrad von Oettingen ist verzehlt, und seind ihm ehr und recht genommen
urk. v. j. 1313
bei Haltaus
gloss. germ. 1917; wer einen verczalten helt und hauset — ist nicht dem selbschol (
dem geschädigten), sunder dem gerichte, dem ist her bestanden mit alle der schulde, do gener umme vorczalt ist
Iglau u. s. schöffensprüche, nr. 134
Tomaschek; wo einer eynen mord gedut un darum virzalt wirt
Frankf. stadtrecht v. j. 1352
bei Haltaus
gloss. germ. 1916;
incolas civitatis evocare et citare ac eos pro qualitate criminum iudicare, punire, quod vulgariter verzelen
dicitur urk. v. j. 1375
bei Haltaus
gloss. germ. 1916.
in feststehenden rechtsausdrücken: verzeln uf den hals
zum tode verurteilen: kumit ienre nicht vor unde antwertet ... ienen sal man ... vercelen uf sinen hals
Freiberger stadtr. 61
Ermisch; kumen si nicht vor in dem dinge, so mac he si verceln ... umme di kampere (
kampfbare) wunden uf ir helse
ebda 193. verzeln mit fingern und mit zungen
gebärde aller teilnehmer des dings bei der verurteilung: sô sol ein iklich man ûf recken einen vinger zu rechte, unde daz heizet verzalt mit vingern und mit zungen
ebda 135.
im besonderen '
einen flüchtigen für rechtlos und friedlos erklären, ächten',
wie vielleicht schon oben, vgl. J. Grimm
dt. rechtsaltert. 42, 332: di do entrunnen woren, die hisen wir vorzeln treulos und erlos
Iglauer rechtssprüche bei Jelinek
mhd. wb. 864; kumet
aber he in dem tage nicht, so ist he ein recht verzalter man an allen sachen. so sal man in schriben an der burger brif bi andere verzalte lute (1305)
Freiberger stadtrecht 155
Ermisch. A@1@bb)
aus einem machtbereich ausweisen, verbannen, vgl. proscribere virczelen, verbannen
proprie extra locum et concivium Haltaus
gloss. germ. 1916: das ein ikleicher vorczalter umme einen toten ... jar und tak den perk schol meiden und dornach, wanne her danne seiner widersachen hulde hat, ... schol her den scheppen eine mark geben
Iglau u. s. schöffenspr., nr. 257
b Tomaschek; ind quamen alle zo hulden, usgescheiden die si us der stadt verzalten zo ewigen dagen (
Köln v. j. 1396)
städtechron. 12, 276; so sol man solchen verächter von der stadt Zwickau uff 10 meil. weges ewiglich ohne alle gnade wieder einzukommen, verzelen
urk. v. j. 1463
bei Haltaus
gloss. germ. 1916; hundert jahr und ein tag
ist die formel für ewige verbannung: verzellen auf hundert jar u. einen tag J. Grimm
dt. rechtsaltert. 41, 309.
auch mundartlich: verzeln
verbannen Schröer
darst. d. ma. d. ungr. berglandes 2, 242.
aus einer zunft ausstoszen: wer sach, das ir(g)end ein knapp ader tuchmacherknecht aus dem handwerk vorczalt ader ausgeworfen wer
Olmützer stadtbuch 9
Saliger. A@1@cc)
vom weltlichen richterspruch übertragen auf die verstoszung der bösen in die hölle beim '
jüngsten gericht gottes': wirstu alsô frevele, ... daz du gotis hulde verlûsis mit sculde ... beginnis du dî helle bûwen, wirs du vor gote verzalt, daz du dâ wesen salt Hartmann
rede v. glouben 2836
v. d. Leyen; von danne wirt er (
Christus) uns gesant an dem iungesten tage da er den ubelen wirt ein clage den bosen den virzelten vnde ein trost den erwelten
das alte passional 279, 43
Hahn; swelhe sêle in ir tagen den prophêten niht vernimt, ... die wirt von sînes volkes schar verzalt und ouch verferret gar
erlösung 1292
Bartsch; welch mensch mit ganczen sinnen sich nicht besnidet innen, das wirt czu angesichte in dem lesten gerichte uz gesundert und verczalt vom dem volke wol gestalt Tilo v. Kulm
siben ingesigel 43
Kochend. A@22)
auszerhalb der gerichtssprache. A@2@aa)
jemandes leben für verwirkt erklären: da schreip von golde ein schriftkunstik hant an die want, diu des küniges leben verzalte meister Sigeher
in: minnesinger 2, 363
b v. d. Hagen. daher diu verzalte schar
die bewohner des totenreiches: hei! schœnest aller wibe, du nim mîn sendes war, wand ich dich minne gar, ê daz der sælden schîbe mich hin verdrucke dar zuo der versalten schar
dt. liederdichter d. 13. jhs. 1, 367
v Kraus. in übertragenem gebrauch: erst wart mein freud verzalt Uhland
hoch- u. nd. volkslieder (1881) 47. A@2@bb)
wohl auch '
verraten' (
s. B) da waz iamer in der werlt, umb en wort das wip irn man virczelt. vil man wordin fundin an den slafbettin, dy ir wip irmordit hettin
chron. d. Dalimil nr. 11, 36
Jireček. A@2@cc)
schweiz. '
geringschätzen, für verloren achten'
id. 1, 909 (
vgl.zählen 7). BB.
für mannigfaltige arten der mündlichen aussage bzw. mitteilung; sporadisch bis ins 19.
jh. hinein belegt (
s. unter 3). B@11)
einem etwas verweigern, abschlagen, vorenthalten, mit negativer funktion der vorsilbe (
s. ver- III 3,
teil 12. 1,
sp. 54)
wie in mhd.-frühnhd. versprechen,
nhd. versagen
u. ä. nur mhd. bezeugt. vgl. zählen 5
und 1: dâmite werden wir gote geêchinôt, zer Cristes scare gezeichenôt, dem ubilme tûbele verzalt und den sundin alsô manicfalt Hartmann
rede v. glouben 11
v. d. Leyen; alle dî liste, di der vater wiste, dî weiz dî sun alle wole. er enhât ir in nit verholen ... und hât an in gekêret alliz sîn erbe, ... des ne hât er ime niwit verzalt
ebda 229; ich wæne, sin verzalteʒ guot mir selten kumber bueze, ... swer guot mit schanden spart, des lob ist widerzæme
minnesinger 3, 37
b v. d. Hagen. B@22)
ausführlich sagen, darlegen. B@2@aa)
berichten, eine nachricht bringen, kunde geben, mitteilen: her, wir wollen uch verzellen, sprach Sockart von Berrien
Karlmeinet 225, 12
Keller; dem heren wart vortelt dat ed mochte to groter utdracht und unwillen komen (
ca. 1360
Magdeburg)
städtechron. 7, 360; vor dissen allen vortelleden wij vnse nOede und schulde, dar wij vunne des ghemenen gudes willen yn gekomen ... vnd beden noch hulpe vnd trost (
Lüneburg 1463)
ebda 36, 240; vnd verzehlete im langen reden, wie er vormals von landen vnd städten hlffe begeret hatte Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 3, Aa 1
b; erstlich verzehlete er im namen des kOenigs, was fr prackticken der junge Weida ... mit dem Trcken gemacht Rätel
Curäi chron. (1607) 456; will eüch derowegen selber alles verzehlen undt meinen zustandt berichten (1697) Elisabeth Charlotte v. Orleans
br. (1676—1706) 86
Holland. später nur selten: fraget sie und lasset euch verzählen, mich aber verschonet, dasz ich mir nicht noch die seele mit dem frischen nassen angedenken dieses kothes ewigen jammers ... übertünchen müsse Chamisso
w. (1836) 5, 92.
schriftlich berichten, überliefern: in dem buche van der heilichen offenbarunge da wirt van en also vorzalt (1430) Joh. Rothe
lob d. keuschheit 3800
Neumann; sonderlich haben sie sich bekümmert mit der veter gepurt, wilche ym buch der chronica verzelet werden Luther 17, 1, 109
W. beschreiben, anweisung geben: vnd halts wie es folgend wird verzalt, so gibstu dem pfeiffen ein recht gestalt Agricola
musica instrum. deudsch 9
Eitner in übertragenem gebrauch; symbolisch darstellen, bedeuten: kegen dissem das andere lewichen spelet, das dy ungeordenten libe vortzelet, di da torecht ist unnd blint (
deutung der 12
löwen aus messing als 12
arten der liebe) Joh. Rothe
lob d. keuschheit 1077
Neumann. B@2@bb)
vor gericht aussagen; häufig in der wendung seine sache verzählen: de olde rad stund to ener syden unde de meenheyt to der andern syden des raedstoels und vortelleden ere sake
Lübecker chron. 2, 17
Grautoff; so he vomme rade up dem sackhuse darumbe beschuldiget wardt, under anderen vortelt, dat he imme ersten ambegynne dejenne wesen hadde, dede alle dingk der stat to schaden unde ewigem vordarve helpen angestalt (
Braunschweig 1492)
städtechron. 16, 264; der alte herre quam kein on zu tage vnnd vorczalte on dy schulde vnnd dy sache, dy her zu on hatte Stolle
thüring. chron. 7
lit. ver.; seine sünde beichten: auff ostern jAerlich hart gebeut., bei schwerem bann, das alle leut demtig sich frn priester stellen, jr sünd all beichten und verzellen Burkard Waldis
d. päpstisch reich (1555) Z 2
a.
mundartl. von der darstellung eines sachverhalts, insbesondere eines streitfalls durch einen der beteiligten: de vertellt, het ümmer recht (
wer das wort hat) Mensing
schlesw.-holst. 5, 440. B@2@cc)
einen (
schriftlich)
festgelegten text aufsagen bzw. vorlesen: dit is dat hauerecht des fryen haues van R., als man dat plegt tho vortellen vnd zo halden
zs. d. berg. geschichtsvereins 9, 39
Bouterweck; und das es eyn iglicher sehen und greyffen mge, wil ich auch den canon der messe ... von wort zu wort verzelen Luther 18, 23
W.; seit still und murmel keiner mer! du Äacus, die schrift lis her! (Äacus:) hört zu! das urteil ich vorzel
bei Schade
satiren u. pasquille 1, 134. B@33)
eine geschichte zur unterhaltung erzählen: ein ander schwank dasselbig mal verzelt derselbig cardinal Burkard Waldis
Esopus 2, 52
Kurz; selbiger (
Plato) verzehlet im namen Critiae ein sehr uhralte historiam Linemann
deliciae calendariogr. (1654) Aa 4
b; wenn jemand eine reise thut, so kann er was verzählen Claudius
s. w. (1775) 5, 165, (
vgl. aber auch B 2 a); beide ... wissen von den requisitionen und leuten, die sich voraus nicht zu helfen wussten, vielerlei lustiges zu verzählen (1814) Jacob Grimm in:
briefw. aus der jugendzeit (1881) 213; (
ein fahrender spielmann sagt:) ich verzähl eben der jungfrau, wie ich gezogen bin im trosz, mit dem guten kaiser Maximilian ... gegen die Böhmen (1859) W. Raabe
s. w. I 3, 343.
in der gegenwart ist diese verwendung schriftsprachlich nicht mehr geläufig, wird sogar als falsch empfunden, vgl. schon Moritz
gramm. wb. (1793) 4, 287;
bei Adelung
nicht erwähnt. mundartlich und umgangssprachlich lebt verzählen (
nd. vertellen)
im sinne des schriftsprachlichen erzählen
in einer fülle von festen verbindungen und redewendungen weiter, vgl. Fischer schwäb. 2, 1421; Seiler
Basel 115; Schön
Saarbrücken 221; Bauer-Collitz
Waldeck 196
a; Albrecht
Leipzig 231; Crecelius
Oberhessen 881; Kehrein
Nassau 1, 433; Askenasy
Frankfurter ma. 227; Mensing
Schleswig-Holstein 5, 441; Schambach
Göttingen 268; Frischbier
pr. 2, 444.
durchaus auch im sinne '
jemandem unwahre geschichten erzählen, ihm etwas weismachen',
vgl. Fischer
a. a. o.; Leihener
Cronenberg 36; Leithäuser
Barmen, nachtr. 28
b; Frederking
Hahlen 163; Mensing
a. a. o.;
oder '
ein ernstes wort mit ihm reden' Seiler
Basel 115; Martin-Lienhart 2, 901; Danneil
Altmark 240; Mensing
a. a. o. B@44)
aufzählen, nacheinander anführen: ouch beddutin sy dry kreffte der sele, nach dem also ich hy vortzele, des gedechnis, vornunnft unnd willen Joh. Rothe
lob d. keuschheit 2474
Neumann; daraus mOecht nu ymand ein lang gebete machen, und mit vielen worten alle solche stck, so darein gehOeren, verzelen, als nemlich das wir bitten, das uns gott gebe essen und trincken, kleider, haus und hoff und gesunden leib Luther 30, 1, 205
W.; Nordgä, Thunagä ... und ander vil mêr, des nit von not wil sein hie zu verzellen Aventin
s. w. 4, 1, 25
bayer. akad. CC.
vereinzelt auch '
zusammenzählen': summa summarum verczelt vnd eyngewert flor 1834, asp. 4 (1535)
quellen z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 383. DD.
reflexiv, falsch zählen, sich im zählen irren (
vgl. ver-III 2).
lexikalisch seit dem 16.
jh., für das 20.
jh. nicht belegt, aber umgangssprachlich bis heute lebendig, vgl. ick heb my vertelt '
je me suis mescompté, erravi in numero'
schat d. neder-duytscher spraken (1575) Oo 2
b; verzehlen
mit zehlen jrren, faillir en payant, mesconter; far errore nel pagare, contar male Hulsius-Ravellus
t.-frz.-it. (1616) 361
b; ich hab mich verzehlt
io hò fallato uel contare; hò stracontato Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1430
c; sich verzählen
se mécompter, se méprendre, mal compter, se tromper en comptent Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 946
a;
falsch zählen; eine summe geldes verzählen.
am häufigsten, als ein reciprocum: sich verzählen
sich im zählen irren Adelung 4 (1801) 1185; Sanders
wb. (1865) 3, 1696
b: es werde auch manche junge ehefrau gar zu frhe ins kindbette kommen, sonderlich diejenigen, welche nicht wol rechnen kOennen, sondern sich ein 20 wochen verzehlen, wann die hochzeit zu lange auffgeschoben worden Schupp
schr. (1663) 577; er schickt mich über seinen geldkasten; da verzähle ich mich; denn mein vater kann sein geld nicht alle zählen
slg. v. schausp. (1764) 4, 15; ich habe mich nie verrechnet, aber oft verzählt Göthe I 3, 238
W.; zählte ich mit schläfrigem auge die säulen des dogenpalastes herauf und wieder herunter, verzählte mich mal auf mal Gaudy
s. w. (1844) 13, 19; mühsam war dein tagewerk, du armer thränenzähler, — hast du dich nie verzählt? H. Heine
s. w. 2, 293
Elster; der kapitän Giralto wird sich nicht verzählt haben, ... vierzig segel — wahrlich (1869) W. Raabe
s. w. I 6, 302.
auch transitiv in dieser bedeutung: indessen verzählt er all' augenblick die fäden, und dies zwang ihn von neuem zu zählen Hippel
lebensläufe (1778) 2, 180; sie verzählte die stiche Lewald
d. erlöserin (1873) 1, 125.
auch allgemeiner im sinne von irren: so geht es in der welt! wenn man aufs allerbeste gemacht zu haben meint, so hat man sich verzählt Wieland
s. w. (1839) 11, 189.
mundartlich weit verbreitet, vgl. Martin-Lienhart
elsäss. 2, 901; Fischer
schwäb. 2, 1421;
luxemb. ma. 469
a; Woeste
westf. 296
b; Schambach
Göttingen 268
a; Mensing
schlesw.-holst. 5, 440;
brem.-niedersächs. 5, 13.