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verzählen

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verzählen vb.

Bd. 25, Sp. 2431
verzählen, vb. , ableitung zu zählen, declarare, computare, numerare (vgl. teil 15, sp. 47). an. fyrtellia; n. fortælle dansk ordbog 1, 225a; schwed. förtälja ordbok över svenska sprket 9, 3474 akad.; mnl. nl. vertellen Verwijs-Verdam 9, 125; as. tuena fartalda man Hel. 5561 (s. u.); mnd. vortellen Schiller-Lübben 5, 472; mnd. verzeln, verzellen mhd. wb. 3, 847b; Lexer 3, 316; zum mhd. rückumlaut im prät. verzalte und part. prät. verzalt vgl.zählen teil 15, sp. 47. dehnung des stammvokals wohl schon frühnhd.: verzelen, virzelen, verczelen enumerare, recensere, revelare, supputare bei Diefenbach gl. 23c; 203b; 486b; 497a; 568b; verzelen percensere Faber thes. (1587) 156b. die schreibung verzehlen mit dehnungs-h, seit ende des 16. jhs. belegt, wird vom 17. jh. an allgemein: verzehlen raconter, racontare Hulsius-Ravellus (1616) 361b; sich verzehlen imprudentia numerandi labi Stieler stammb. (1691) 2249; verzehlen Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1430c; verzählen Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1066; Adelung 4 (1801) 1185. in den heutigen maa. sehr verbreitet, so obd. bezeugt für Bayern, Österreich, Schweiz, Schwaben, Elsass und md. für Lothringen, Luxemburg Rheinland, Hessen, Sachsen. in den nd. maa. ist der stammvokal ungedehnt geblieben, vgl. vertellen Doornkaat Koolman ostfries. 1, 469b; brem.-niedersächs. 5, 13; Mensing schlesw.-holst. 5, 440; Danneil altmärk. 240a; fertele n Bauer-Collitz Waldeck 212b; Woeste Westf. 296b; vertellen, vertallen Schambach Göttg. 268a; fortellen Damköhler Nordharz 217b. die mhd. und frühnhd. reiche bedeutungsentfaltung wird in der nhd. schriftsprache stark eingeschränkt. AA. jem. für verurteilt, einer strafe verfallen, ausgestoszen erklären, (zu etwas) verdammen. (Leopold vorsilbe ver- 248; 250 vermutet fra- 'weg' in verächtl. sinne). diese älteste, vorwiegend rechtssprachliche bedeutung verschwindet am ende des mittelalters. A@11) jem. gerichtlich verurteilen, verdammen. A@1@aa) als allg. terminus, vgl. 'einem verbrecher schwere strafe zuerkennen, hiesz ihn verzählen, ahd. firzellan, alts. fartellan ... der verurteilte hiesz firzalt' J. Grimm dt. rechtsaltert. 4 2, 523; proscribere virzellen, prescriptus virzalt (15. jh. md.) bei Diefenbach gl. 467a: dadun thuo thar te uuitieuuerod Judeono tuena fartalda manan tua halba Cristes an cruci Heliand 5561 Sievers; din (Jesus) dâ verzalten und an dem crûce qualten, dî sulint in ouh dâ gesên Hartmann rede vom glouben 1573 v. d. Leyen; den godis sun namin si bider hant ... uor Pilatum si in brachten. ... do he vor ime wart virzalt. do wart des tuvil allir erst givalt Wernher v. Niederrhein 11, 11 Grimm; wan si sahen daz man hy quelt di ungerechten und vertzelt, wan kein unrecht noch arger list by dem richter nicht in ist Hiob v. 8324 Karsten; swelch man verzalt wirdit in dem wicbilde zu Vriberc oder uf dem gebirge, ... der mac zu rechte keinen vormunden me gehaben (1305) Freiberger stadtrecht 118; wir Heinrich ... rOemischer knig ... kunden ..., dass wir mit rechte und mit gesammeter urteil haben verzelt hertzogen Johanssen von Oesterriche (1309) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 250; der knig ... erkannt si fr mOerdere, fr verzallte todtsverschulte lt, die eer und recht verwrckt ebda 1, 250; dasz graf Conrad von Oettingen ist verzehlt, und seind ihm ehr und recht genommen urk. v. j. 1313 bei Haltaus gloss. germ. 1917; wer einen verczalten helt und hauset — ist nicht dem selbschol (dem geschädigten), sunder dem gerichte, dem ist her bestanden mit alle der schulde, do gener umme vorczalt ist Iglau u. s. schöffensprüche, nr. 134 Tomaschek; wo einer eynen mord gedut un darum virzalt wirt Frankf. stadtrecht v. j. 1352 bei Haltaus gloss. germ. 1916; incolas civitatis evocare et citare ac eos pro qualitate criminum iudicare, punire, quod vulgariter verzelen dicitur urk. v. j. 1375 bei Haltaus gloss. germ. 1916. in feststehenden rechtsausdrücken: verzeln uf den hals zum tode verurteilen: kumit ienre nicht vor unde antwertet ... ienen sal man ... vercelen uf sinen hals Freiberger stadtr. 61 Ermisch; kumen si nicht vor in dem dinge, so mac he si verceln ... umme di kampere (kampfbare) wunden uf ir helse ebda 193. verzeln mit fingern und mit zungen gebärde aller teilnehmer des dings bei der verurteilung: sô sol ein iklich man ûf recken einen vinger zu rechte, unde daz heizet verzalt mit vingern und mit zungen ebda 135. im besonderen 'einen flüchtigen für rechtlos und friedlos erklären, ächten', wie vielleicht schon oben, vgl. J. Grimm dt. rechtsaltert. 42, 332: di do entrunnen woren, die hisen wir vorzeln treulos und erlos Iglauer rechtssprüche bei Jelinek mhd. wb. 864; kumet aber he in dem tage nicht, so ist he ein recht verzalter man an allen sachen. so sal man in schriben an der burger brif bi andere verzalte lute (1305) Freiberger stadtrecht 155 Ermisch. A@1@bb) aus einem machtbereich ausweisen, verbannen, vgl. proscribere virczelen, verbannen proprie extra locum et concivium Haltaus gloss. germ. 1916: das ein ikleicher vorczalter umme einen toten ... jar und tak den perk schol meiden und dornach, wanne her danne seiner widersachen hulde hat, ... schol her den scheppen eine mark geben Iglau u. s. schöffenspr., nr. 257b Tomaschek; ind quamen alle zo hulden, usgescheiden die si us der stadt verzalten zo ewigen dagen (Köln v. j. 1396) städtechron. 12, 276; so sol man solchen verächter von der stadt Zwickau uff 10 meil. weges ewiglich ohne alle gnade wieder einzukommen, verzelen urk. v. j. 1463 bei Haltaus gloss. germ. 1916; hundert jahr und ein tag ist die formel für ewige verbannung: verzellen auf hundert jar u. einen tag J. Grimm dt. rechtsaltert. 41, 309. auch mundartlich: verzeln verbannen Schröer darst. d. ma. d. ungr. berglandes 2, 242. aus einer zunft ausstoszen: wer sach, das ir(g)end ein knapp ader tuchmacherknecht aus dem handwerk vorczalt ader ausgeworfen wer Olmützer stadtbuch 9 Saliger. A@1@cc) vom weltlichen richterspruch übertragen auf die verstoszung der bösen in die hölle beim 'jüngsten gericht gottes': wirstu alsô frevele, ... daz du gotis hulde verlûsis mit sculde ... beginnis du dî helle bûwen, wirs du vor gote verzalt, daz du dâ wesen salt Hartmann rede v. glouben 2836 v. d. Leyen; von danne wirt er (Christus) uns gesant an dem iungesten tage da er den ubelen wirt ein clage den bosen den virzelten vnde ein trost den erwelten das alte passional 279, 43 Hahn; swelhe sêle in ir tagen den prophêten niht vernimt, ... die wirt von sînes volkes schar verzalt und ouch verferret gar erlösung 1292 Bartsch; welch mensch mit ganczen sinnen sich nicht besnidet innen, das wirt czu angesichte in dem lesten gerichte uz gesundert und verczalt vom dem volke wol gestalt Tilo v. Kulm siben ingesigel 43 Kochend. A@22) auszerhalb der gerichtssprache. A@2@aa) jemandes leben für verwirkt erklären: da schreip von golde ein schriftkunstik hant an die want, diu des küniges leben verzalte meister Sigeher in: minnesinger 2, 363b v. d. Hagen. daher diu verzalte schar die bewohner des totenreiches: hei! schœnest aller wibe, du nim mîn sendes war, wand ich dich minne gar, ê daz der sælden schîbe mich hin verdrucke dar zuo der versalten schar dt. liederdichter d. 13. jhs. 1, 367 v Kraus. in übertragenem gebrauch: erst wart mein freud verzalt Uhland hoch- u. nd. volkslieder (1881) 47. A@2@bb) wohl auch 'verraten' (s. B) da waz iamer in der werlt, umb en wort das wip irn man virczelt. vil man wordin fundin an den slafbettin, dy ir wip irmordit hettin chron. d. Dalimil nr. 11, 36 Jireček. A@2@cc) schweiz. 'geringschätzen, für verloren achten' id. 1, 909 (vgl.zählen 7). BB. für mannigfaltige arten der mündlichen aussage bzw. mitteilung; sporadisch bis ins 19. jh. hinein belegt (s. unter 3). B@11) einem etwas verweigern, abschlagen, vorenthalten, mit negativer funktion der vorsilbe (s. ver- III 3, teil 12. 1, sp. 54) wie in mhd.-frühnhd. versprechen, nhd. versagen u. ä. nur mhd. bezeugt. vgl. zählen 5 und 1: dâmite werden wir gote geêchinôt, zer Cristes scare gezeichenôt, dem ubilme tûbele verzalt und den sundin alsô manicfalt Hartmann rede v. glouben 11 v. d. Leyen; alle dî liste, di der vater wiste, dî weiz dî sun alle wole. er enhât ir in nit verholen ... und hât an in gekêret alliz sîn erbe, ... des ne hât er ime niwit verzalt ebda 229; ich wæne, sin verzalteʒ guot mir selten kumber bueze, ... swer guot mit schanden spart, des lob ist widerzæme minnesinger 3, 37b v. d. Hagen. B@22) ausführlich sagen, darlegen. B@2@aa) berichten, eine nachricht bringen, kunde geben, mitteilen: her, wir wollen uch verzellen, sprach Sockart von Berrien Karlmeinet 225, 12 Keller; dem heren wart vortelt dat ed mochte to groter utdracht und unwillen komen (ca. 1360 Magdeburg) städtechron. 7, 360; vor dissen allen vortelleden wij vnse nOede und schulde, dar wij vunne des ghemenen gudes willen yn gekomen ... vnd beden noch hulpe vnd trost (Lüneburg 1463) ebda 36, 240; vnd verzehlete im langen reden, wie er vormals von landen vnd städten hlffe begeret hatte Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 3, Aa 1b; erstlich verzehlete er im namen des kOenigs, was fr prackticken der junge Weida ... mit dem Trcken gemacht Rätel Curäi chron. (1607) 456; will eüch derowegen selber alles verzehlen undt meinen zustandt berichten (1697) Elisabeth Charlotte v. Orleans br. (1676—1706) 86 Holland. später nur selten: fraget sie und lasset euch verzählen, mich aber verschonet, dasz ich mir nicht noch die seele mit dem frischen nassen angedenken dieses kothes ewigen jammers ... übertünchen müsse Chamisso w. (1836) 5, 92. schriftlich berichten, überliefern: in dem buche van der heilichen offenbarunge da wirt van en also vorzalt (1430) Joh. Rothe lob d. keuschheit 3800 Neumann; sonderlich haben sie sich bekümmert mit der veter gepurt, wilche ym buch der chronica verzelet werden Luther 17, 1, 109 W. beschreiben, anweisung geben: vnd halts wie es folgend wird verzalt, so gibstu dem pfeiffen ein recht gestalt Agricola musica instrum. deudsch 9 Eitner in übertragenem gebrauch; symbolisch darstellen, bedeuten: kegen dissem das andere lewichen spelet, das dy ungeordenten libe vortzelet, di da torecht ist unnd blint (deutung der 12 löwen aus messing als 12 arten der liebe) Joh. Rothe lob d. keuschheit 1077 Neumann. B@2@bb) vor gericht aussagen; häufig in der wendung seine sache verzählen: de olde rad stund to ener syden unde de meenheyt to der andern syden des raedstoels und vortelleden ere sake Lübecker chron. 2, 17 Grautoff; so he vomme rade up dem sackhuse darumbe beschuldiget wardt, under anderen vortelt, dat he imme ersten ambegynne dejenne wesen hadde, dede alle dingk der stat to schaden unde ewigem vordarve helpen angestalt (Braunschweig 1492) städtechron. 16, 264; der alte herre quam kein on zu tage vnnd vorczalte on dy schulde vnnd dy sache, dy her zu on hatte Stolle thüring. chron. 7 lit. ver.; seine sünde beichten: auff ostern jAerlich hart gebeut., bei schwerem bann, das alle leut demtig sich frn priester stellen, jr sünd all beichten und verzellen Burkard Waldis d. päpstisch reich (1555) Z 2a. mundartl. von der darstellung eines sachverhalts, insbesondere eines streitfalls durch einen der beteiligten: de vertellt, het ümmer recht (wer das wort hat) Mensing schlesw.-holst. 5, 440. B@2@cc) einen (schriftlich) festgelegten text aufsagen bzw. vorlesen: dit is dat hauerecht des fryen haues van R., als man dat plegt tho vortellen vnd zo halden zs. d. berg. geschichtsvereins 9, 39 Bouterweck; und das es eyn iglicher sehen und greyffen mge, wil ich auch den canon der messe ... von wort zu wort verzelen Luther 18, 23 W.; seit still und murmel keiner mer! du Äacus, die schrift lis her! (Äacus:) hört zu! das urteil ich vorzel bei Schade satiren u. pasquille 1, 134. B@33) eine geschichte zur unterhaltung erzählen: ein ander schwank dasselbig mal verzelt derselbig cardinal Burkard Waldis Esopus 2, 52 Kurz; selbiger (Plato) verzehlet im namen Critiae ein sehr uhralte historiam Linemann deliciae calendariogr. (1654) Aa 4b; wenn jemand eine reise thut, so kann er was verzählen Claudius s. w. (1775) 5, 165, (vgl. aber auch B 2 a); beide ... wissen von den requisitionen und leuten, die sich voraus nicht zu helfen wussten, vielerlei lustiges zu verzählen (1814) Jacob Grimm in: briefw. aus der jugendzeit (1881) 213; (ein fahrender spielmann sagt:) ich verzähl eben der jungfrau, wie ich gezogen bin im trosz, mit dem guten kaiser Maximilian ... gegen die Böhmen (1859) W. Raabe s. w. I 3, 343. in der gegenwart ist diese verwendung schriftsprachlich nicht mehr geläufig, wird sogar als falsch empfunden, vgl. schon Moritz gramm. wb. (1793) 4, 287; bei Adelung nicht erwähnt. mundartlich und umgangssprachlich lebt verzählen (nd. vertellen) im sinne des schriftsprachlichen erzählen in einer fülle von festen verbindungen und redewendungen weiter, vgl. Fischer schwäb. 2, 1421; Seiler Basel 115; Schön Saarbrücken 221; Bauer-Collitz Waldeck 196a; Albrecht Leipzig 231; Crecelius Oberhessen 881; Kehrein Nassau 1, 433; Askenasy Frankfurter ma. 227; Mensing Schleswig-Holstein 5, 441; Schambach Göttingen 268; Frischbier pr. 2, 444. durchaus auch im sinne 'jemandem unwahre geschichten erzählen, ihm etwas weismachen', vgl. Fischer a. a. o.; Leihener Cronenberg 36; Leithäuser Barmen, nachtr. 28b; Frederking Hahlen 163; Mensing a. a. o.; oder 'ein ernstes wort mit ihm reden' Seiler Basel 115; Martin-Lienhart 2, 901; Danneil Altmark 240; Mensing a. a. o. B@44) aufzählen, nacheinander anführen: ouch beddutin sy dry kreffte der sele, nach dem also ich hy vortzele, des gedechnis, vornunnft unnd willen Joh. Rothe lob d. keuschheit 2474 Neumann; daraus mOecht nu ymand ein lang gebete machen, und mit vielen worten alle solche stck, so darein gehOeren, verzelen, als nemlich das wir bitten, das uns gott gebe essen und trincken, kleider, haus und hoff und gesunden leib Luther 30, 1, 205 W.; Nordgä, Thunagä ... und ander vil mêr, des nit von not wil sein hie zu verzellen Aventin s. w. 4, 1, 25 bayer. akad. CC. vereinzelt auch 'zusammenzählen': summa summarum verczelt vnd eyngewert flor 1834, asp. 4 (1535) quellen z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 383. DD. reflexiv, falsch zählen, sich im zählen irren (vgl. ver-III 2). lexikalisch seit dem 16. jh., für das 20. jh. nicht belegt, aber umgangssprachlich bis heute lebendig, vgl. ick heb my vertelt 'je me suis mescompté, erravi in numero' schat d. neder-duytscher spraken (1575) Oo 2b; verzehlen mit zehlen jrren, faillir en payant, mesconter; far errore nel pagare, contar male Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 361b; ich hab mich verzehlt io fallato uel contare; stracontato Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1430c; sich verzählen se mécompter, se méprendre, mal compter, se tromper en comptent Schwan nouv. dict. (1783) 2, 946a; falsch zählen; eine summe geldes verzählen. am häufigsten, als ein reciprocum: sich verzählen sich im zählen irren Adelung 4 (1801) 1185; Sanders wb. (1865) 3, 1696b: es werde auch manche junge ehefrau gar zu frhe ins kindbette kommen, sonderlich diejenigen, welche nicht wol rechnen kOennen, sondern sich ein 20 wochen verzehlen, wann die hochzeit zu lange auffgeschoben worden Schupp schr. (1663) 577; er schickt mich über seinen geldkasten; da verzähle ich mich; denn mein vater kann sein geld nicht alle zählen slg. v. schausp. (1764) 4, 15; ich habe mich nie verrechnet, aber oft verzählt Göthe I 3, 238 W.; zählte ich mit schläfrigem auge die säulen des dogenpalastes herauf und wieder herunter, verzählte mich mal auf mal Gaudy s. w. (1844) 13, 19; mühsam war dein tagewerk, du armer thränenzähler, — hast du dich nie verzählt? H. Heine s. w. 2, 293 Elster; der kapitän Giralto wird sich nicht verzählt haben, ... vierzig segel — wahrlich (1869) W. Raabe s. w. I 6, 302. auch transitiv in dieser bedeutung: indessen verzählt er all' augenblick die fäden, und dies zwang ihn von neuem zu zählen Hippel lebensläufe (1778) 2, 180; sie verzählte die stiche Lewald d. erlöserin (1873) 1, 125. auch allgemeiner im sinne von irren: so geht es in der welt! wenn man aufs allerbeste gemacht zu haben meint, so hat man sich verzählt Wieland s. w. (1839) 11, 189. mundartlich weit verbreitet, vgl. Martin-Lienhart elsäss. 2, 901; Fischer schwäb. 2, 1421; luxemb. ma. 469a; Woeste westf. 296b; Schambach Göttingen 268a; Mensing schlesw.-holst. 5, 440; brem.-niedersächs. 5, 13.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verzählen

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Verzählen , verb. regul. act. falsch zählen. Eine Summe Geldes verzählen. Am häufigsten, als ein Reciprocum, sich verzäh…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verzählen

    Goethe-Wörterbuch

    verzählen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verzählen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verzä h le n [fərtsêlə Fisl. Pfetterhsn. ; fərtsélə Heidw. Lutterb. Su. Hlkr. Co. ; fərtsêlə Dü. M. Str. Hf. Betschd. ; …

  4. Sprichwörter
    Verzählen

    Wander (Sprichwörter)

    Verzählen Ich will dir was verzählen: es ging a Furz nach Strehlen. ( Breslau. )

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verzaehlen

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verzaehlen

ver- + zaehlen

verzaehlen leitet sich vom Lemma zaehlen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verzaehlen 2 Komponenten

ver+zaehlen

verzaehlen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verzaehlen‑ als Erstglied (1 von 1)