verworren , '
verwickelt, wirr; ungeordnet'.
adjektivisch gebrauchtes part. prät. des ausgestorbenen verbums verwerren (
s. sp. 2232),
das aber in neuerer zeit zuweilen als part. von verwirren
gebraucht wird (
s. sp. 2295).
zur form vgl. verwerren.
perplexus verworren, verwurren (15.
jh.) Diefenbach
gl. 429
a;
perplexus vorwurren (15.
jh.)
ders., ml.-hd.-böhm. wb. 210;
perplexe undeutlich, verworren, zweiffelhafftig, unrichtig Reyher
thes. (1668) 3, 304; perplex, verworren
perplexus, turbatus Apinus
gl. (1728) 404; verworren
perplexus, confusus, turbatus Dentzler
clavis (1686) 313
a.
zur unterscheidung der partizipialformen verwirrt
und verworren
vgl.: '
wird diesz wort (verwirren)
thätig verstanden, so hat es ... ich habe verwirret;
wird es aber auf mittlere art genommen, so heiszt es das ding ist ganz verworren ..., ein verworrener kopf;
der gleichsam von sich selbst in unordnung gerathen Gottsched
beob. (1758) 403;
weiteres s. o. verwirren 11 b. AA.
die frühen zeugnisse zeigen, dasz das wort in ahd. und mhd. zeit vorwiegend die störung oder abwesenheit einer im sein begründeten ordnung oder die mangelnde einsicht in diese bezeichnete; so schon deutlich in den ersten belegen: nec mirum ... si quid ordinis ignorata ratio temerarium confusumque credatur nehein vuunder ... ube man daz uuanet sin unrihtig unde fervuorren fone des ordine nehein reda geeiscot neist Notker 1, 290
Sehrt-St.; tannan ist taz so-uuio iu disen ordinem nebechennenten alliu ding tunchen feruuorreniu unde irresamiu (
tametsi uobis ordinem hunc minime considerare ualentibus confusa omnia perturbataque uideantur) nieht turh taz min sîn uuîsa ze guote ramentiu alliu ding kerechenoe
ebda 1, 304; 1, 50; 3, 1, 126.
in hinsicht auf den seinsgrund der seele in der sprache der mystik: so diser grunt hiemitte verworren ist, wie lange es sloffet, es brichet ie zuoleste uss, es si an hochvart oder an zorne Tauler
pred. 399
Vetter. vom politischen ordnungsbegriff (rîche): er seit uns danne wie daz rîche stê verwarren, unz in erfüllent aber alle pfarren Walther v.
d. Vogelweide 34, 18
Kr.; im was weder liep noch leit, wie daz kunicrîche stuont er rihte noch versuont, swaz darinne was verwarren Ottokar
österr. reimchron. 40479
Seem.; 11667.
von der sittlichen und rechtlichen ordnung her gesehen (
zum folg. beleg vgl. die entsprechende stelle a. d. Faustprolog, s. u. B 2 a): er (
Hiob) ist ein slecht, einvaldec man, der verworrens nicht inkan. er ouch in sinen werken ist gar gerecht an arge list
Hiob 688
Karsten; swaz zwischen in lac verwarren unde uneben daz dem ein ende wurd gegeben und gemachet sleht mit minnen und mit reht Ottokar
österr. reimchron. 27248
Seem.; 12918; 26837.
der wertende sinn tritt in der zuordnung zum bösen (
teufel, hasz, falschheit, unkeuschheit)
hervor: sollt nit der teufel lachen sulcher verworner sachen (
sc. des hoffärtigen verhaltens), welcher den rat yn selber gab Folz
meisterlieder 23, 135
Mayer; der hass machet ess (
das herz) sere vorworren; so betrubet ess
auch der zorn Joh. Rothe
lob d. keuschheit 2657
Neumann; so mussen die gedancken uss bliben di den menschen machen vorworn unnd in schenken in der unkuscheid born
ebda 2997; seet, Reynke vosz, al yuwe bedryff is schalkheyt vnde böuerye, leghen, dregen vnde tüscherye ... juwe worde syn loß vnde vorworn
Reinke de vos 5781
Leitzmann; ein subtile, behende, kundige natur ist so manigfeltig und verworren und suchet und findet also vil winckel und falscheit ..., das es auch nit zu sagen ... ist
theol. deutsch 84
Mandel; dise fabel söllent die untrüwen bösen und verworren menschen hören Steinhöwel
Äsop 178
lit. ver.; sie (
die friedfertigen) helffen böse und verworren sachen vereinigen Luther 32, 330
W.; es ist böss gnug, vnd stehet die sach gar vbel vnnd gantz verworren
buch d. liebe (1587) 214
c.
so nur vereinzelt in späterer zeit: und viel unseliges geschick der männer, viel thaten des verworrnen sinnes deckt die nacht mit schweren fittigen Göthe I 10, 18
W. (
Iphigenie); die meisten von uns ... bedachten hier einen verworrenen, von viel schuld beladenen weg E. Schaper
der grosze, offenbare tag (1949) 14.
abgeschwächt und von anderen vorstellungen beeinfluszt: verworrne list ist gar zu bald zerronnen Friedrich Schlegel
in: Athenäum (1798) 3, 2; es löszt in Franzen all die verworrenen schauer des gewissens in ohnmächtige abstraktionen auf Schiller 2, 9
G. von der organischen struktur her gesehen auch '
miszgestaltet' (
demgegenüber vgl. B 1 a
β): zu gleicher weisz wie das exempel auszweiset, so mann vnd fraw bey einander wohnen: das ein ist stettig, das ander ist toll, die geben ein kind, weisz niemandts, ists ein narr oder esel, ... also seind die verworne gewächs, miszgewächs in der natur Paracelsus
opera 1, 294
Huser. zur kennzeichnung des ungeschaffenen: ... derselben (
d. liebe) süsse flamme voll fruchtbarkeit, aus chaos gantz verworrner dunckelheit, die welt befreyt Brockes
ird. vergn. i. gott 3 (1747) 77. BB.
im allg. wirkt die frühere bindung an wertordnungen kaum noch nach; der wortsinn ist meist feststellend mit gelegentlich abschätzigen nebensinn. B@11)
im bereich des sinnlich wahrenhmbaren. B@1@aa)
von dingen, die in ihren bestandteilen ungeordnet und regellos sind, oder von einer vielzahl von durcheinanderliegenden dingen. B@1@a@aα)
im mhd. von den verschlungenen menschlichen gliedern (
prädikativ): gar verworen one flucht was ir craft, verstrikett versigeltt und verzwikett (
von e. zweikampf)
Göttweiger Trojanerkrieg 18 696
Koppitz; verworren si do schickt lindiu diehel, ærmel blanc; ietweders daz ander twanc dick an sin senftes libel Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 18 318
Regel. besonders von haaren '
wirr, struppig'
; capillus intricatus verworren haar
nomencl. lat.-germ. (1634) 189;
tricœ verworren haar Zehner
nomencl. (1645) 265: daz har ir von dem nacke gie nider für den fuoz zeroufet und verworren
Ortnit 385
Amelung; eysz-grab verworren war sein har, sein leib geruntzelt, verschmorret gar Hans Sachs 3, 340
lit. ver.; das har war jhr auch gar verworn E. Alberus
fabeln 168
ndr.; so höb ich eine kunde an, von der das kleinste wort die seele dir zermalmte, ... dir die verworrnen krausen locken trennte und sträubte jedes einzle haar empor, wie nadeln an dem zorn'gen stachelthier
Shakespeare 3 (1798) 177 (
Hamlet); seine haare, die von der reise noch verworren aussahen, in ordnung bringen ... lassen Göthe I 21, 146
W. ähnlich auch von garn, fäden u. dgl.; verworren garn
filo intricato Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1363
c: mote wij de veerden iunfferen dar to hebn, de dat garn wijslike unde wal scheer, dattet nicht verworen en werde Joh. Veghe 259
Jostes; dieses alles zeiget die nachfolgend gesetzte figur mit jrer contrafactur, einem kleuwelfaden vergleichet, das verworren ist Ruoff
hebammenb. (1580) 24; als Wilhelm die verworrenen drähte auseinanderzuwickeln ... bemüht war Göthe I 21, 14
W. sprichwörtlich: wiltu einen recht kennen lernen, so lasz jhn verworen garn richtig machen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Lll 8
b. B@1@a@bβ)
von gewächsen, besonders ranken, hecken, gesträuchen u. dgl. '
wild und dicht verwachsen': Abraham sahe einen widder in der hecken (in dem verworrenen gesträuche) mit seinen hörnen hangen Scriver
seelenschatz (1737) 4, 20
a; hie und da auch ein verworrenes gebüsch nicht ohne unkraut Herder 16, 214
S.; wo von wachholdersträuchen den kieselsteig hinan verworrne ranken schleichen Salis
ged. (1793) 62; doch wetterleuchten in verworrnen büschen und sterne die am feuchten boden zischen, das hat man nicht so leicht gesehn Göthe I 15, 276
W.; da stehn sie plötzlich im gedränge, verworrnes dickicht hemmt den lauf Uhland
ged. (1898) 1, 244.
als botanischer fachausdruck in anderem sinne: verworrenes blatt,
daedaleum heiszt dasjenige blatt, welches zugleich ausgebogen und zerrissen ist Jacobsson
technol. wb. 8 (1795) 85
a;
von der zeichnung der oberfläche (
vgl.δ):
die sterne ... der gestirnten korallen sind verworren,
labyrinthiformes, wenn die blättchen oder strahlen der sterne auf der oberfläche so durcheinanderlaufen, dasz die zwischenräume ähnlichkeit mit den verwirrungen eines irrgartens haben Illiger
thier- u. pflanzenreich (1800) 311; 35; Bischoff
wb. d. beschr. bot. (1839) 55; Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 6, 146. B@1@a@gγ)
von ungeordneten, durcheinanderliegenden gegenständen verschiedener art: verschiedene baumaterialien ..., die sie in verworrnen haufen hinwarfen Klinger
w. (1809) 3, 261; einen verworrenen haufen spannenlanger puppen Göthe I 21, 14
W.; (
man) sah, schon in einer gewissen ferne, allerlei maschinenwerk verworren aufgethürmt
ebda 24, 143; den verworrenen complex der gebäude Justi
Winckelmann (1866) 1, 29; eine frau von nicht menschlicher art, geflügelt, hockt unter einer verworrenen menge von gegenständen Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 55.
im vergleich: die heilige schrift ist wie ein groszer, wüster, unordentlicher, verworrener haufe oder klumpe Luther
tischr. 4, 287
W. ähnlich auch von der bewegung einer menschenmenge: in einer verworrenen schlägerej viler leuthe
M. Beuther v. Carlstad
praxis rerum crimin. (1565) 130
a; ein verworrenes durcheinanderlaufen ging nun durch das ganze schloss Eichendorff
s. w. (1864) 3, 322; die kinder hatten sich zerstreut im verworrenen getümmel der heerstrasse G. Keller
ges. w. (1889) 3, 45. B@1@a@dδ)
besonderes; von den irrgängen des labyrinths: in daz verworen gaden tratt do der genende
Göttweiger Trojanerkrieg 22 018
Koppitz; es ist alles so finster — verworrene labyrinthe Schiller 2, 161
G.; die magnetnadel ... hilft uns aus den verworrensten unterirdischen labyrinthen Göthe II 5, 1, 76
W. vom gewirr der straszen und gassen: schon zweymal hab ich eine eigene expedition in das liebe verworrene städtchen gemacht
ders., IV 31, 155
W. im geographischen bereich: weiter aufwärts ... teilt sich der strom in zwei grosze arme, ... so dasz eine von zahlreichen verworrenen wasseradern durchzogene insel entsteht Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 105.
in ästhetischer hinsicht: unter tadlern der gothischen baukunst aufgewachsen, nährte ich meine abneigung gegen die vielfach überladenen verworrenen zierrathen Göthe I 27, 274.
vereinzelt auch im anatomischen bereich: die adern seiner gemechte die seint verworren (
nervi testiculorum eius perplexi sunt)
erste dt. bibel 7, 232
Kurr.; vom gehörgang: verworrener, blinder, krummer gang
qu. v. 1677
bei: Hyrtl
kunstworte d. anatomie (1884) 89.
in bezug auf die erdoberfläche auch '
zerklüftet, zerrissen': die ganze fläche besteht aus lauter verworren durcheinander liegenden ungeheuren felsmassen Jung-Stilling
s. schr. (1835) 2, 40; auch wüszt ich nicht den weg zu finden aus diesen verworrenen wüsten felsen Tieck
schr. (1828) 2, 198; grauenhaft dunkel, wild ragen aus der tiefe verworrene riffe, abgespaltene säulen und thürme zu mir herauf Barth
Kalkalpen (1874) 490.
von schriftzügen u. ä.; vgl. 3 b: die schrift (
der papyri) wurde theils verworren, theils gänzlich unscheinbar Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 177; sie warf ihn (
einen brief) ... selbst ins feuer ... und eine träne fiel mit in die glut, welche die verworrenen, zitterhaften buchstaben verzehrte W. Raabe
s. w. II 2, 5; die holzstiche mit ihren verworrenen strichen und unkenntlichen gesichtern Eichendorff
s. w. (1864) 2, 57; er betrachtete ... die grosze ... leinwand, auf welcher, in dem verworrenen und schemenhaften kohleentwurf, die ersten farbflecke aufzutauchen begannen (1903) Th. Mann
ausgew. erz. (1953) 121. B@1@bb)
seit dem 19.
jh. nicht nur in hinsicht auf den gegenstand selbst, sondern auch auf den eindruck, den der betrachter vom gegenstand empfängt; dazu vgl. schon Adelung:
mit noch näherer beziehung auf die vorstellung oder erkenntnisz, ist ... verworren '
unter einander gemengt',
so dasz man die einzelnen theile auf einmahl wahrnimmt oder empfindet. gramm.-krit. wb. 4 (1780) 1570; so konnte er so scharf hinblicken, als er nur wollte, alles blieb ihm doch undeutlich und verworren E. T. A. Hoffmann
s. w. 12, 97
Gr. besonders in einer den optischen eindruck wiedergebenden darstellungsweise: wo pinien und castanien verworren um der oliven graue wipfel wehen Kind
ged. (1817) 2, 18; er bekam nichts als blaue luft und verworren schwimmende gegenstände zu sehen Immermann
w. 1, 66
Hempel; das verworrene bild der trinkenden fremden versinkt vor dem freiherrn machtlos in der groszen ruhe der landschaft Hohlbaum
Stein (1943) 29.
substantiviert: wenn es drauszen beginnt, hell zu werden und licht durch die bunten fenster fällt, erst verworrenes zeigend, dann immer helleres, den klaren umrisz A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 341. B@1@cc)
von licht- und farbeindrücken; '
regellos in art und anordnung der färbung': die zu bunt gemischten verworrenen farben sind ihm widrig Herder 22, 60
S.; der ganze unterleib hat ... ein verworrenes gemisch von grauweiss, schwarzbraun, rostgelb und braun Naumann
vögel (1822) 2. 468.
vom licht '
unscharf, diffus': die reflektirten lichtstrahlen durchkreutzen sich nach allen richtungen, und können daher kein deutliches bild ... in unser auge bringen, sondern nur ein verworrenes bild, eine blosse erleuchtung Schubert
verm. schr. (1823) 3, 209; bei offenen augen erschafft man die matten bilder der vorzustellenden objecte meistens ... in den trüb und verworren beleuchteten seitlichen theilen desselben (
des sehfeldes) Sömmerring
menschl. körper (1839) 6, 746. B@1@dd)
von akustischen wahrnehmungen; meist von geräuschen, die aus verschiedenen und nicht genau unterscheidbaren tönen oder lauten bestehen: zuletzt war es ein verworrenes getöse
theater d. Deutschen (1768) 17, 221; von ferne mit verworrnem sausen arbeitet der geschäftge tag Schiller 11, 262
G.; die verrückten gebärden, das verworrene gemurmel Göthe I 52, 267
W.; ein verworrner lärm im schiffsraum: gott sey uns gnädig! wir scheitern! wir scheitern! lebt wohl, weib und kinder
Shakespeare 3 (1798) 11; als endlich das morgengrauen anbrach, hörte man verworrenes getöse, wie fahren, reiten, gehen, rufen Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 370; plötzlich jedoch meinte Pavel, das zuschlagen von fenstern und thüren und verworrenes geschrei zu hören
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 5, 17; die grosse trommel des brettereffektes ... braust mir ... wie ein leises und verworrenes lärmen in den angegriffenen ohren nach Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 384; an dieser stelle ... weckte den träumenden ... ein verworrenes geschrei wie rabengekrächze Gutzkow
ges. w. (1872) 5, 13; da unten (
im bergwerk) ist ein verworrenes rauschen und summen H. Heine
s. w. 3, 29
Elster; die verworrenen geräusche im hof A. Seghers
d. toten bleiben jung (1950) 519.
im musikalischen bereich über das rein akustische hinausgreifend und auch auf die künstlerische konzeption und gestaltung bezogen: alsdann wird ihr (
der musik) ausdruck dunckel, zweydeutig, schwach, verworren Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1756) 1, 209; wie das leise und verworrene auftauchen einer reihe von tönen im geiste eines tonkünstlers der werdemoment einer tonschöpfung ist Justi
Winckelmann (1866) 1, 45.
substantiviert: daher das verworrene und ungeläuterte, welches dieser tondichtung Spontinis zum vorwurfe gemacht wird Börne
ges. schr. (1829) 1, 33. B@22)
im menschlichen bereich besonders im bezirk des seelischen und geistigen —
nur selten (
gegenüber verwirrt
zurücktretend)
auch von gerade eingetretenen oder vorübergehenden (
oft affektbestimmten)
vorgängen: ich wollte vor dem manne auf die kniee niederfallen, so erschrocken war ich und so verworren Stifter
s. w. 2 (1908) 169; dass sie die mittel und wege ihres feindes nicht kannten, machte sie verworren und unschlüssig Ranke
s. w. (1867) 4, 330; wenn man mit ihm sprach, fühlte man sich gleichzeitig dumm, mangelhaft gebildet, unsicher, verworren, angesichts seiner ruhig wägenden, alles klar überschauenden sachlichkeit Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 213.
vom ausdruck des blicks und der gesichtszüge: sie blickte mich ganz verworren an Storm
s. w. (1899) 5, 245; fürwahr, prinzessin, bleich, verworrner miene W. Smets
bei: H. Heine
s. w. 7, 165
Elster. B@2@aa)
allgemein von der menschlichen seele '
unergründlich, unentwirrbar': diese frage unwidersprechlich bestimmt zu beantworten, müszte mein auge in die verworrensten tiefen der menschlichen seele gedrungen seyn Schiller 1, 97
G.; von charakter und veranlagung mehr im sinne von '
unausgeglichen': gelegenheiten, die verworrensten charaktere kennen zu lernen Lichtenberg
nachl. (1899) 77
Leitzm.-Sch.; ein verworrenes und ungeläutertes genie Göthe I 22, 121
W.; je verworrener ein mensch ist, man nennt die verworrenen oft dummköpfe, desto mehr kann durch fleissiges selbststudium aus ihm werden Novalis
schr. 2, 122
Minor. in hinsicht auf bestimmte menschengruppen meist mit abschätzigem nebensinn: er ist beliebt bey der verworrnen menge, die mit dem aug, nicht mit dem urtheil wählt
Shakespeare 3 (1798) 286; dem pöbelsinn verworrner geister entwickelt sich ein widerstand, die ketzer sind's! die hexenmeister! Göthe I 15, 15
W. (
Faust II); teilen sie das erworbene (
klarheit des geistes) ihrem verworrenen volke mit Hohlbaum
Stein (1934) 215.
bei Göthe
in eigener ausprägung vom menschlichen streben und tätigsein, dem die klarheit und folgerichtigkeit mangelt: wenn er mir jetzt auch nur verworren dient, so werd' ich ihn bald in die klarheit führen I 14, 22
W. (
Faustprolog); und wir gepflanzt in paradieses wonne, genieszen kaum der hocherlauchten sonne, da kämpft sogleich verworrene bestrebung bald mit uns selbst und bald mit der umgebung I 3, 19; die woge schwillt, die im verworrnen streben sich ungewisz nach allen seiten trägt I 16, 211. B@2@bb)
von bestimmten psychischen vorgängen, von gefühlen, gemüts- und geisteskräften. B@2@b@aα)
von der unbestimmtheit, dem durcheinander der träume: wunderlich verworr'ne träume! Müllner
dram. w. (1828) 2, 46; dann legte ich mich erst nieder und sank in ein verworrenes träumen Stifter
s. w. 1 (1904) 93; ist nicht jeder, auch der verworrenste traum, eine wunderliche erscheinung Novalis
schr. 4, 58
Minor; auch weisz ich noch, dasz mich die ganze nacht hindurch verworrene träume von leichen quälten Holtei
erz. schr. (1861) 5, 164; da brach das geräusch der wagen und fuhrleute und ausrufer gewaltsam durch Ottos verworrne träume Fouqué
zauberring (1812) 1, 78. B@2@b@bβ)
von gefühlsregungen, stimmungen u. dgl., die dumpf und widerstreitend sind und bisweilen als quälend empfunden werden: bei angehender jugend ist diese fähigkeit, wie eine jede neigung, in dunkele und verworrene rührungen eingehüllet Winckelmann
s. w. (1825) 1, 243; Wilhelm ... schlich sich mit einer verworrenen, höchst unangenehmen empfindung in sein zimmer Göthe I 51, 248
W.; eine arbeit, die sich zu einer verworrenen stimmung recht gut paszt
ders., IV 12, 173; ich verzehrte mich in verworrenem gewaltsamem ringen nach ihr Hölderlin
ges. dicht. 2, 62
Litzm.; er ... setzte sich auf die steinerne bank ... in tausend verworrenen gefühlen versunken Tieck
schr. (1828) 8, 47; je tiefer die quelle dieser verworrenen stimmung verborgen liegt W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 325; er hatte ... mit dunkler'n, verworrener'n, aber auch schmerzvolleren gefühlen zu kämpfen W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 85.
im gegensatz zur tätigkeit des verstandes: die geister aller derer, die lieber verworren fühlen, als klar denken Klinger
w. (1809) 3, 163; die sensationen sind allzuverworren, als dasz der langsamere gang der vernunft sie einholen und noch einmal zerfasern könnte Schiller 1, 162
G. allgemeiner und substantiviert: von zeit zu zeit ergreift uns die sehnsucht, aus dem dämmernden, verworrenen, unnennbaren, überschwenglichen uns zu retten ins helle und fest begrenzte, in die form Dehio
kunsthist. aufs. (1914) 160. B@2@b@gγ)
von der einbildungskraft und phantasie '
ungeordnet, regellos, sprunghaft': gut, dasz die menschen ... das liecht der natur also dermassen empfangen, und nicht in verworner fantasey ligendt Paracelsus
opera (1616) 2, 500; eine phantasey der verworrenen einbildung Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 1, 349; wer bist du, der du dich so frech erkühnest, das menschengeschlecht nach den zuckungen deiner erhitzten und verworrnen einbildungskraft zu richten und zu messen? Klinger
w. (1809) 3, 174. B@2@b@dδ)
häufig von der erkenntnistätigkeit und ihren ergebnissen, die als verwickelt, unklar, z. t. sogar falsch erscheinen; vgl. 4 b: kein jrthumb (
ist) so verworren, man kan dannoch ausz gottes wort bescheid vnd artzney darwider finden Gretter
erkl. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 38; sie fühlet hier sich selbst, den lenz und die natur, die nie der thor gefühlt; die mit verworrnen gründen der stolze weise sucht, oft ohne sie zu finden Cronegk
schr. (1766) 2, 90; um so mächtiger ... wirkt auf uns diese verworrene, vielumfassende erkenntnisz Herder 16, 372
anm. S.; ich sehe ... nicht ein, was uns mit verworrenen hypothesen gedient seyn kann Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 226
lit.-denkm.; ich decke ihnen den vielleicht verworrenen gang meiner vorstellungen auf, damit sie sehen, wie viel ich von der sache gefaszt habe J. G. Forster
s. schr. (1843) 8, 40; so wird auch, durch lange fortgesetztes grübeln, allmälig das denken verworren, stumpft sich ab Schopenhauer
w. 2, 159
Gr. besonders von begriffen: die meisten jungen leute, die die Iliade oder die Äneide lesen, bringen mehrentheils unbestimmte und verworrene begriffe davon zurück Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 16; das verworrene chaos seiner begriffe Schiller 4, 198
G.; ich habe ... irrtümer zu widerlegen gesuchet ..., die in das systema der kunst einen einflusz haben, und die bisher verworrene und falsche begriffe gegeben haben Winckelmann
s. w. (1825) 5, 298; (
er) hatte von kirchlichen lehrmeinungen sehr unvollständige und verworrene begriffe Musäus
volksmärchen 1, 29
Hempel; rachsucht, interesse und ein verworrener begriff von dem nachruhm Ranke
s. w. (1867) 40/41, 384.
von weltansichten, gedankensystemen und deren verkündern: die gröszten weltweisen ihrer zeit fragten sie über die schwersten und verworrensten lehren der platonischen philosophie ... um rath Zimmermann
einsamkeit (1784) 2, 466; nachher ward er selbst ein sehr verworrener Spinozist Herder 16, 524
S.; logik und metaphysik sind so dunkel und verworren B. Mayr
satiren (1769) 103; durch christliche autorität lebten wieder ganz verworrene ideen über den kosmos auf A. v. Humboldt
kosmos (1845) 2, 281. B@2@cc)
die unter a
und b
angeführten gebrauchsweisen begegnen —
oft ohne nähere bestimmbarkeit im einzelnen —
in besonderen wendungen. B@2@c@aα)
häufig verworrener kopf;
metonymisch für die person und deren ansichten: so ist wol darausz abzunemmen, was für ein verworner wüster kopff er gewesen Nigrinus
anticalvinismus (1595) 441; was man darinnen nirgend hinzubringen gewusst hat ... hat man lieber seiner eigenen ungeschicklichkeit, als des dreisten kunstrichters verworrenen kopf zugeschrieben Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 2, 100; dem jungen phantasten soll einmal der verworrne kopf zurecht gesetzt werden Klinger
w. (1809) 4, 90; denn aus geschlungenen wirbeln der vortragskunst entwirren verworrene köpfe die regel nicht Görres
ges. br. (1858) 3, 120; ein guter mathematiker, war er sonst ein verworrner kopf Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 2, 167; Pückler spricht vom minister von Stein sehr gering, hält ihn für einen verworrenen kopf, der bald dieses, bald jenes wollte Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 466. verworrener geist,
s. auch a: so ... vermischte dieser kühne und verworrene geist das nationale und das religiöse element des alten testaments Ranke
s. w. (1867) 2, 125.
selten verworrenes herz
für die gemütslage des menschen: er stand ... allein mit seinem verworrenen herzen B. Auerbach
schr. (1892) 10, 135. B@2@c@bβ) verworrener sinn: mit verworrnem sinn betret ich der ersehnten heimat boden Müllner
dram. w. (1828) 3, 80; als er wieder sich erhebet, war sein sinn ganz wild verworren Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 220. verworrene gedanken: je mehr er darüber nachdachte, desto unklarer und verworrener wurden seine gedanken Aurbacher
volksbüchlein (1835) 56; wo doch schweif ich verworren mit den gedanken hin? Chamisso
w. (1836) 5, 173; mit seinen zerrisznen und verworrnen gedanken O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 115. B@33)
von äuszerungen in sprache und schrift. B@3@aa)
von der menschlichen rede als unmittelbarem ausdruck des innenlebens; vorwiegend den inhalt des gesprochenen betreffend und abschätzig '
konfus, unüberlegt',
auch '
widersprüchlich': Fitz, ... der ... zerstreut schien, und ... verworrene antworten gab Göthe I 24, 57
W.; es wird ein verworrnes geschwätz, wenn ein reissender sturm in der brust tobt, und die aufmerksamkeit in eine zitternde gedankenlosigkeit auflöst Novalis
schr. 4, 167
Minor; mädchen, du schwatzest so verworren, als habest du nicht recht ausgeschlafen Kotzebue
s. dram. w. (1827) 2, 129; wir sind leider durch das verworrene theatergeschwätz ... ins schwanken zwischen der sogenannten bühnenkunde und dem begriff des lesedramas geraten (1886) G. Keller
br. u. tageb. 3, 513
Ermat.; nur verworrenen bericht konnten sie dem ehrwürdigen greise geben W. Raabe
s. w. I 6, 185; der gedanke aber, der sie am meisten bedrückte, galt nicht den verworrenen bekenntnissen Battefioris Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 105.
vom sprachlichen ausdruck '
stilwidrig, kraus': die rede ... (
eines kavaliers à la mode) ist verworren, es scheint ein unteutsches geflikke Schottel
friedenssieg 47
ndr. mehr auf die art der äuszerung als auf deren inhalt bezogen '
kaum verständlich, überstürzt': und wie er Susannen antraf, erkundigte er sich bey ihr mit hastigen verworrenen worten Bode
Thomas Jones (1786) 4, 15; die antwort, welche darauf erfolgte, war indessen so verworren, dasz wir sie nicht deutlich verstanden J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 346; sie redete in abgerissenen unzusammenhängenden sätzen verworrene dinge durcheinander Holtei
erz. schr. (1861) 22, 235; mit erstickter stimme flüsterte sie angstvolle und verworrene worte Storm
s. w. (1899) 3, 70; wenigstens hat das die Kindermann, sagte sie überstürzt und verworren, gestern abend mit mir besprochen Langgässer
d. unauslöschl. siegel (1946) 80. B@3@bb)
von schriftlicher äuszerung und darstellung. B@3@b@aα)
die mangelnde klarheit des gedankens und des ausdrucks betreffend '
dunkel, schwer faszlich und verständlich': dieweil ... mein auszschreiben so dunckel oder vorworren nit gewesen, das man mein meinung ... nit hete ... verstehen mögen Hutten
opera (1859) 2, 131; denn die dunckle und verworrene schreibart ist nicht dem sinnreichen entgegengesetzt Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 102; er enthüllte die dunkelsten und verworrensten schriften Thümmel
reise i. d. mitt. prov. v. Frankreich (1791) 1, 109; Äschylus ... ist schwülstig, verworren, rauh und gezwungen Eschenburg
beispielsamml. (1788) 7, 14; die (
deutlichkeit) wollte ich ihm gern erlassen, wenn denn nur wahrheit zum grunde läge, die es der mühe lohnte, aus seiner verworrenen schreibart heraus zu fitzen Lessing 10, 363
L.-M.; in meinem leben hätte ich nicht geglaubt, dasz Hagedorn sich so verworren hätte ausdrücken können Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 197
lit.-denkm.; wenn man die apokalypse nur so obenhin ... liest, so kommt sie einem wie ein verworrenes gemische von seltsamen ... ausdrücken vor Jung-Stilling
s. schr. (1835) 3, 319; wir finden schon ... die spur jener forderung, sich ... zu überzeugen, zwar dunkel und verworren, doch entschieden genug ausgesprochen Göthe I 46, 21
W. von bestimmten dichtungsgattungen, stil- und versarten: kein gesichtspunkt, den Pindar doch seinen verworrensten oden so sorgfältig ... einwebt Herder 1, 321
S.; unsrer sprache, selbst dem freiesten und verworrensten Klopstockischen hexameter sind fesseln der construktion angelegt worden
ebda 1, 177; sich an den verworrnen sätzen des kanzleystils zu ergetzen J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 269. B@3@b@bβ)
von der sprachlichen fassung, die als falsch, ungewohnt oder unvollkommen angesehen wird: dise histori ist ausz frantzesisch in verworren latein und in gut teütsch gepracht worden Steinhöwel
de claris mul. 323
lit. ver.; und mich sonderlichen darfür gehütet, das ich die oberlendische lieder in der kirchen nicht hab singen lassen, drumb das sie ein verworren construction, wörter und vocabula haben, so unsern leuten hierzu lande nicht bekandt noch verstendtlich sindt Greiser
hist. (1587) e 2
a; der graf schrieb ... im deutschen gekünstelt, verworren und weitschweifig Zimmermann
einsamkeit (1784) 3, 465; der brief macht mir den eindruck als ob ihn ein todtmüder geschrieben hätte, der sich gewaltsam wach halten will und zwischen den verworrenen sätzen einnickt O. v. Bismarck
br. a. s. braut u. gattin 50
H. v. Bism. B@3@b@gγ)
die art der darstellung, handlungsführung, chronologie u. dgl. betreffend; '
verwickelt': so ist's doch im grunde besser, ein verworrnes stück machen, als ein kaltes Göthe I 37, 314
W.; Klärchen Aldeck ist die heldin dieser verworrenen historien W. Raabe
s. w. I 2, 3; und in den zweiten seiner verworrenen lang ausgesponnenen romane hat er den sohn des Arminius verwebt Scherer
lit.-gesch. 7379. '
falsch geordnet',
auch '
sachlich falsch': bisz hieher ist die histori der polnischen chronicken verworren, vnrichtig vnd vnvollkommen Rätel
Curaei chron. (1607) 28; dieses ist bey den Plinium gantz verworren, und untereinander geworffen J. Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 69; die verworrenen zeitangaben und druckfehler A. v. Humboldt
kosmos (1845) 2, 493.
bisweilen auch von entstellungen der ursprünglichen fassung eines werkes im druck: in Cöln hatte ich den ärger, meine 'poetischen frauen' ... verworren und durch die nachlässigkeit eines redacteurs ... verstümmelt abgedruckt zu sehen A. v. Droste-Hülshoff
br. 2
Schücking; die zahlreichen gedichte ... liegen ... in ... verworrenen abdrücken ... wie begraben
dt. museum (1812) 1, 289
F. Schlegel. B@44)
in mannigfacher anwendung auf verschiedene bereiche des menschlichen lebens; von geschehnissen, verhältnissen, zuständen, handlungen u. dgl. B@4@aa)
allgemein von der rätselhaftigkeit eines ungedeuteten geschicks; vom leben selbst: ha! ich bin der sohn des wilden, verworrnen zufalls Klinger
w. (1809) 1, 24; (
ein) schauplatz, ... immer reicher an unsterblichen männern, überraschenden wechseln des glücks, verworrenen schicksalen und wundervollen krisen Schiller 8, 196
G.; dahin bewegten wir von dornigen pfaden verworrnen lebens gern die müden schritte Göthe I 4, 16
W.; da dich zum unterthanen dem fremdling zwang das schicksal, das verworrne Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 16; das ... widersprechende dieser verworrnen schicksalsräthsel Bettine
dies buch geh. d. könig (1843) 2, 341.
ähnlich: die zukunft lag verworren vor mir Storm
s. w. (1899) 2, 34.
von der welt: dein engel möge dich ... durch die verworrne welt die besten wege leiten!
theater d. Deutschen (1768) 8, 93; der volle totale geist ... tritt aus seiner ruhe sich selbst gegenüber mitten in den gegensatz des zerrissenen und verworrenen weltwesens Hegel
w. (1832) 10, 1, 228. B@4@bb)
vom gegenstand menschlicher erkenntnis; '
schwer überschaubar und erkennbar'
; vgl. 2 b
δ: auf wie wenige und klare begriffe weiss er die verworrensten materien zurückzuführen Herder 17, 7
S.; derer, welche ... sich von der verworrenen mannigfaltigkeit der dinge zu der klaren einheit der begriffe zu erheben vermögen Schleiermacher
Platons werke (1804) 3, 1, 37; es gehörte dazu ... ein durchdringender blick in einer der verworrensten materien, um den einfachen satz ... daraus zu entwickeln J. G. Forster
s. schr. (1843) 6, 24.
auf ein bestimmtes problem bezogen: nun gehören allerdings ... die beziehungen Dantes zu dem obersten teile des Arnotales ... zu den verworrensten fragen seiner lebensgeschichte A. Steinitzer
a. d. unbekannten Italien (1914) 74; sehr verworren ist die frage der blechinstrumente. der meister verwendet: posaunen ..., zinken ..., trompeten ... und hörner Schweitzer
Bach (1948) 795. B@4@cc)
von verhältnissen und beziehungen im bereich des öffentlichen und privaten lebens. B@4@c@aα)
auf unruhige zeitverhältnisse, ungeordnete und verwickelte politische zustände bezogen: in Pohlen continuiret der verworrene zustand (1714)
Berliner geschrieb. zeitg. 40
Friedl.; die barbaren blieben wie zuvor in Gallien, und alles wurde von seiten der Römer nur verworrener
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 144; wenn die verworrne (
scambling) unruhvolle zeit aus weitrer frage nicht verdrängt sie hätte (
von einer verordnung)
Shakespeare 7 (1801) 9; man bemerkt ..., das verhältnis des militärs ..., zu einer unruhigen und verworrenen zeit Göthe I 40, 5
W.; die verworrenen vorgänge der römischen kaiserzeit Lange
gesch. d. materialism. (1866) 71; die verworrenen europäischen dinge Arndt
w. (1892) 1, 186; der andere kam ... in verworrener zeit nach Paris G. Freytag
ges. w. 15 (1887) 215; die zustände in Griechenland werden täglich verworrener Mackensen
br. u. aufzeichn. (1938) 276. B@4@c@bβ)
von streitigkeiten, rechtshändeln '
verfahren, verzwickt': verworrene, verwirrte händel
case imbrogliate, intricate Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1364
a; bin ... zu Mertschütz gewesen bei bauerhändeln im schuldwesen, habe aber, weil die sachen verworren ..., nichts verrichten mögen Schweinichen
denkw. 536
Öst.; eine zunöthigung von meinen unterthanen, welche sich durch den eigennutz eines ... advokaten haben aufwiegeln lassen. die sache ist in der that ... sehr verworren Rabener
s. w. (1777) 3, 66; sollten sie doch wohl auch die güte haben, und mir in einem verworrenen rechtshandel ihren guten rath ertheilen? Meissner
skizzen (1778) 1, 33; auch die allerverworrensten rechtssachen wuszte er noch weit verworrener zu machen Kortum
Jobsiade (1799) 1, 156; auch Niebuhr ... hielt diesen verzwickten und verworrenen rechtsstreit für aussichtslos Treitschke
dt. gesch. (1897) 3, 596; es ist überhaupt verführerisch, die lösung eines verworrenen streites zu versuchen J. Grimm
Reinhart Fuchs (1834) clxxi
vorr. ähnlich auch von geldverhältnissen: die erwartung, dasz der reiche schwiegervater mit vollen händen einschreiten werde, Emils verworrene ... geldverhältnisse zu ordnen ... ist noch nicht in erfüllung gegangen Holtei
erz. schr. (1861) 3, 121.
religiöse auseinandersetzungen betreffend: denn unter uns gesagt, ist an der ganzen sache (
der reformation) nichts interessant als Luthers charakter, ... alles übrige ist ein verworrener handel, wie er uns noch täglich zur last fällt Göthe
gespr. 3, 283
v. Biederm. B@4@c@gγ)
in verbindung mit allgemeineren begriffen von ungeordneten, schwierigen lebensverhältnissen und situationen: dorch sodane wert mannige sake vorworen, de men selden to rechte kan klaren Hans v. Ghetelen
narrenschyp 194 Brandes; in schweren verworrenen geschäfften musz mans offt machen wie die seyler, für sich drehen, vnd hinder sich gehen, dasz man mit glimpff davon kompt Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 302; wenn eine dir jemals sich im verworrnen geschäft heiter entgegen bewegt Göthe I 1, 295
W.; ich kann mir das zeugniss geben, dass ich in dieser verworrenen situation wirklich das äusserste abwartete Hebbel
tageb. 2, 30.
Werner. konkreter und im sinne von '
unordentlich, vernachlässigt': solch einer würze brauchte es freilich, um den zustand ... angenehm zu machen, in dem er ... gewöhnlich die verworrene haushaltung ihrer stube ... antraf Göthe I 51, 58
W.; (
Wilhelm) fand ... zuletzt in dieser verworrenen wirthschaft einen reiz
ebda 21, 88; sie sollte einem verworrenen haushalt vorstehen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 295. B@55)
in übertragenen wendungen, die meist an die vorstellung eines verschlungenen fadens oder knäuels anknüpfen (verwirrt
in diesem sinne wenig gebräuchlich): von den sorgen musz ich verworren in stæter riuwen strikke worgen Burkart v. Hohenfels
in: minnesinger 1, 203
v. d. Hagen. im gleichnis: wann man meint er sey abgesponnen (
der rocken) so führt der teuffel new verworren werck daran Zinkgref-Weidner (1653) 62;
im vergleich: dasz er fast wie eine domhecke von auszen anzusehen, oder wie ein verworren garn, an welchem man nicht weisz, wo man das rechte ende finden soll Scriver
seelenschatz (1737) 1, 529
a.
sinnbildlich: man spüret greifflich den geist der weiszheit ..., der ihn lehret, die verworrensten knoten, welche der lügengeist gemacht, glücklich auflösen
ebda 1, 453
b; dass entweder keine verbindung auf erden zwischen dem menschen und seinem schöpfer sey, oder doch der faden, der ihn mit demselben verbände, so verworren und zweydeutig durch dieses labyrinth des lebens liefe Klinger
w. (1809) 3, 257; den schlaf ermordet Macbeth, ... den schlaf, der den verworrnen knäul der sorgen entwirrt Schiller 13, 48
G.; die verworrnen knoten des wild verknüpften sinnes löst' er leicht Göthe I 11, 299
W.; warum hab' ich mich in ein gewebe neuer, verworrener schlingen begeben Holtei
erz. schr. (1861) 2, 145; dein fürstlich dasein löst den knoten seiner verworrenen lebensrätsel Platen
w. 1, 190
Hempel; das verworrene netz von geldmangel, kleinen sorgen, tausend verlegenheiten, in welches in mich unvorsichtigerweise ... verwickelte (1853) G. Keller
br. u. tageb. 2, 311
Ermat. ungewöhnlicher, vgl. 1 a
δ: wenn er sein innerstes ergründet, wenn er nach billigkeit verfährt; so sollt' ihn ja der fehler menge, der leidenschaften zähe stricke, des labyrinths verworrene gänge, die er bey sich und andern spührt, doch auch auf die gedanken bringen Brockes
ird. vergnügen (1721) 8, 499; und in diesen versen gab es stellen, die heraustraten aus der schrift ... und sonette, die wie säulen mit verworrenen kapitälen die last eines bangen gedankens trugen Rilke
ges. w. (1927) 4, 313.