verwerren,
v. ,
ahd. ferworren,
confusum, confusa, ferworren werden,
misceri Graff 1, 945;
mhd. wb. 3, 745; Lexer 3, 304;
frühnhd. voc. (1482) kk 3
a;
voc. inc. teut. ii 6
b;
gemma gemmarum (1508) n 3
b; Alberus 56
a.
die präsensformen sind noch im frühen 18.
jh. gebucht: verwirren, verwerren Kramer 2 (1702) 1363
c; verworren,
präs. ich verwerre Steinbach;
aber literaturbelege gehen nicht über die mitte des 17.
jh. hinaus. auch mundartl. selten gebucht, wobei noch vielfach zweifelhaft ist, ob altes verwerren
oder lautliche umbildung von verwirren
vorliegt: verwerren, verwirren Schmeller-Fr. 2, 979;
schwäb. veraltet Fischer 2, 1411;
nass. verwären Kehrein 1, 432; ferwære Lenz
Handschuhsheimer dial. 74
b;
westerwäld. verwären Schmidt 313; verwarren (
schwach) Stürenburg 317
a;
schlesw.-holst. part. verwert (
um 1800)
und verworen Mensing 5, 446; 447;
saml. vawörre Fischer 158.
auch für das einfache prät. fehlen neuere literaturbelege, es wird aber noch in der zweiten hälfte des 18.
jh. als fehlerhaft oder ungebräuchlich gebucht, nun aber nicht mehr zu einem präsens verwerren,
sondern zu verwirren
gestellt: ich verworr, verworren.
viele machen es auch richtig: ich verwirrete, verwirret Gottsched
sprachkunst (1748) 284; verwirren ...,
im hd. nicht leicht verworr Adelung 4, 1181.
ebenso wird das part. prät. verworren
als eine form von verwirren
angesehen; es kommt in verbaler verwendung bis um 1800,
wenn auch selten, vor. zuweilen wird es verwirrt
ausdrücklich vorgezogen: verworren,
seltener verwirrt Adelung; verwirrt,
besser verworren Braun
orth.-gr. wb. (1793) 287.
als adj. ist verworren
neben gleichbedeutendem verwirrt
stets lebendig geblieben. neben verworren
ist verwarren
seit dem 13.
jh. belegt (Walter v.
d. Vogelweide)
und kommt auch noch frühnhd. vor: Berthold v. Chiemsee 267; 442
R.; im reim auf garn
s. u. 1.
zuweilen begegnet auch ein schwaches part.: verwerret Luther 10, 2, 30
W. (
s. u. 2); verworrt: wenn inen die spindel verwort wirt Geiler von Keisersberg
geistl. spinnerin 4; dieser mensch aber ist seines handwerks ein proceszhaspeler, und ich glaube ganz gewisz, die herren rechtsgelehrte würden ... nicht so viel auseinander zu wickeln bekommen haben, wenn er und seines gleichen leute nicht so viel verworret hätten Lindenborn
Diogenes 2, 272;
auch verworrent,
was vielleicht als contamination von verworren
und verworrt
aufzufassen ist: allen den, die yn in selber verworrent sind
ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 143
b; sie machen verworrent garn und netz Lehman
florileg. polit. 1, 149.
der mhd. reich entfaltete verbale gebrauch ist nhd. schon von anfang an stark zusammengeschrumpft. 11)
irretiare, illaqueare, innodare voc. inc. teut. ii 6
b;
mhd.: er wart in leit verworren als in ein garn die vische Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 20730;
nhd.: Absolon ... ist ... in der flucht mit seinem schönen haar an einer eychen verworren und hangen beliben Wickram 3, 183
B.; wer trachtet emsig tag und nacht allein nach geld und gut mit macht, der felt dem teufel in sein garn, wie im spinnweb ein flieg verworn Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, K kk 4
b.
reflexiv, mhd.: (
das herz,) daz von ir anblicke in der minne stricke mit gedanken sich verwar
Mai u. Beaflor 12, 1;
nhd.: Corisc, ich habe dir vorlängsten aufgepaszt, bisz du dich nun ins netz einmal verworren hast Abschatz
d. teutschredende treue schäfer 1, 60. 22)
perturbare, confundere Steinbach; bald bricht der faden, bald steckt er, bald wird er verworren Lehman
floril. polit. 2, 678; wers verworren hat, der mags wieder entwirren Kramer 2 (1702) 1363
c.
bildlich: der faden seines schicksals hatte sich so sonderbar verworren Göthe 22, 68
W. übertragen: v.
oder erschrecken
voc. (1482) kk 3
a;
in verwirrung setzen, die klarheit des verstandes und willens trüben, mhd.: daz sich die so torlichen verwerrent und vernidernt Seuse
d. schr. 219
B.; nhd.: gott ists, der do zerstört den radt der heiden, er verwerrt die gedancken der völker
Margaritha jüdisch glaub (1531) p 1
b; also für und für treibent vil büberei und verwerrent die leut, es sei in guoter mainung geschehen Schade
satiren u. pasqu. 2, 91; mein greis, verarg ihrs nicht! das leid hat sie verworren Ph. Hafner
ges. lustsp. 2, 27; und erzähl mir auf dem wege, was dir so den sinn verworren Brentano
ges. schr. 3, 347. eine sache v.,
sie unklar, verwirrt machen: die weyl nu Satan die sach ... so verwerret hat Luther 10, 2, 30
W.; er hat die sache verworren Opitz
Argenis 1, 672. mit etwas v.,
verquicken: noch ... eine wichtige frage ..., welche heut zu tage nur gar zu oft mit der ersten verworren wird J. Möser
w. 5, 53. 33) sich mit einem v.,
sich einlassen: kinder verwerret eüch nicht mit den besessen vernüfftigen menschen Tauler
sermones (1508) 44
a; kein ehrliches geblüt verwerre sich mit dem teufel und seinen warsagern Herberger
geistl. wasserkrüglin (1610) 105. 44) v. mit der uneinigkeit,
discrepare, discordare voc. inc. teut. ii 6
b; kan ich dann euch under ainander nit verwerren Clemen
reformationsflugschr. 1, 126.
einen gegen einen andern aufbringen: du solt in die land farn und solt verwerren sicherleich alle eeleut, des pit ich dich, gegen münnichen oder pfaffen
fastnachtsspiele 2, 500
K. 55)
das part. prät. als adject. s. u. verworren.