verwelken,
v. ,
mhd. vereinzelt belegt: nesseln, ir sit verwelket
Daniel 2769
H. in den älteren wbb. regelmäszig gebucht, z. b. tabescere Diefenbach 571
b; Alberus (1540) 20
a b; Maaler 437
a;
marceo, putreo, faulen, verwelcken,
item abnemmen
oder kraftlos werden Calepinus
XI ling. 868
b; Hulsius-Ravellus (1616) 360
b;
flos marescit, exarescit die blume verwelcket
nomencl. (
Hambg. 1634) 100;
corona languet der krantz verwelcket 433; v.,
assiccescere, obarescere, flaccere Stieler
stammb. 2492; Kramer (1700) 1, 129
b; 2, 1313
c; Dentzler (1716) 316
a; Steinbach, Adelung, Campe.
in den maa. ziemlich selten gebucht: Seiler
Basler ma. 114;
elsäss. Martin-Lienhart 2, 822;
schwäb. Fischer 2, 1409;
luxemb. ma. 468;
ndd. Schuman 82; Dähnert 529;
nur literarisch Mensing 5, 446; Siebs
Helgoland 219;
nordfries. verwelle Jensen 118. II.
sehr selten reflexiv und transitiv: ein tag ist der rosen abgang, die gilgen blühen auch nicht lang, und deine blum ohn widerkehren veraltet und verwälcket sich Weckherlin
ged. 1, 154
F.; trans.: der sonnen kraft ... grass und frücht verwelcht und widerbringt Guarinonius
greuel d. verwüstg. 997; tugend sey die bewahrteste schönheit, welche noch trawren noch kranckheit noch alter unterworfen, noch dieser eines verwilden oder verwelcken kan Harsdörfer
frauenzimmergesprächsp. 1, g v
a; da du die unschuld solltest ehren, verwelkst die blüthe du von meiner lebenszeit Heinse
s. w. 2, 311
Schüdd. IIII.
intransitiv. II@11)
von pflanzen und theilen der pflanze. II@1@aa)
vom biologisch natürlichen vorgang bei blättern, blumen, gras und kräutern: grass und blumen verwelcken Sebiz
feldbau (1579) 60; sobald der erste reif gefället, so bald wird das laub vom reife bezwungen, verwelcket und fället abe J. Prätorius
Katzenveit (1665) j 1
b; zustand der todten pflanze: verwelken, verdorren, verfaulen Göthe III 4, 347
W.; die blätter (
der hagebuche) werden beim verwelken nicht roth Oken
allg. naturgesch. 3, 3, 1541.
auch vom baum, dessen laub welk wird: nicht weil des lustparks hohe cypressen und steineichen, samt oliv und lorbeer neben der pinie nie verwelken Platen 1, 190
R. seltener vom obst: früh obst verwelket bald Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 306.
häufig von bewachsenen örtlichkeiten: (
ein lustgarten,) der eben so wenig im winter als im sommer verwelcket seye Widmann
Faust 222
K.; über der verwelkenden haide Stifter
s. w. 1, 201.
in umschreibungen: der schmuck der bunten wiesen verwelkte mehr und mehr Drollinger
ged. 65; erstorben ist der lenz und seine grüne blätterpracht verwelkte Grabbe 1, 43
Bl. (
Gothland 1, 2). II@1@bb) v.
durch schädigende einflüsse, ehe die biologische nothwendigkeit eingetreten ist; infolge von besonderen witterungsverhältnissen: das getreyde auf dem felde verdorret und verwelcket also, dasz gemüsz, linsen, bonen und erbsen gäntzlichen verdorben Binhardus
thür. chron. (1613) 33; an einem einzigen hundstage ist alles (
die ganze ernte) verwelkt Jung Stilling
s. schr. 4, 212; es fiel ein reif in der frühlingsnacht wol über die schönen blümelein, sie sind verwelket, verdörret Mittler
volkslieder 646.
durch schädigende nachbarschaft: wa kölkraut an ein weinstock gebunden wirt, neygt oder bucket es sich gegen dem boden, verdorrt und verwelcket Ryff
spiegel u. regim. d. gesundheit (1544) 87
b; eine mächtige eiche von einer riesenhaften wilden weinrebe am stamm und allen ästen so umwunden, gefesselt und geschnürt, dasz sie, wie erstickt, verwelken musz Schopenhauer 1, 209
Gr. durch menschliche einwirkungen: so sye (
die weiber) das korn angreifen, so verwelcket es Eppendorf
Plinius 7, 14; die lilgen ... verwelcken und verderben ..., wan man sie mit den händen anrürt Albertinus
hirnschleiffer 148.
durch tierische schädigung: uber disz hat ein wurm auf befehl des allerhöchsten den kürbis abgebissen, wodurch er alsobald verwelket Abraham a
s. Clara
mercks Wien 103.
poetisch: dein absein machte, dasz die grünen wiesen musten verwelken Zesen
verm. Helikon 3, 22; wo sich zwei verliebte scheiden, da verwelken laub und gras Mittler
volkslieder 549. II@1@cc)
oft von abgebrochenen oder -geschnittenen blumen und andern pflanzen- theilen, ebenso von gegenständen, die daraus hergestellt sind, kränzen, sträuszen u. dergl.: ist sie (
die blume) abgebrochen und verwelckt, so ist die schön dahin Lehman
florileg. politic. 2, 727; alle stauden, die wir blühend und gesund in die groszen säle leihen, nach wenig stunden sind sie in der heiszen stubenluft verwelkt und siechen dahin G. Freytag
ges. w. 2, 256; kränze band ich indessen zu haus und liesz sie verwelken Göthe 1, 278
W. sehr häufig verwelkt
attributiv: mit einem verwelkten blumenstrausze Lessing 2, 15
M.; unter halb verwelkten maien schläft der liebe freund so still Göthe 3, 51
W.; verwelkte blumen E. Th. A. Hoffmann 5, 26
Gr. II@1@dd)
verbreitet ist bildliche verwendung: II@1@d@aα)
im vergleich: der (
gerechte) ist wie ein baum gepflantzet an den wasserbechen, der seine frucht bringet zu seiner zeit, und seine bletter verwelcken nicht
psalm 1, 3; gleich wie die kühblum auf dem acker verwelckt, die früh gestanden wacker, so trucknet aus der liebesschmertz der menschen ihr gar junges hertz Gryphius
lustsp. 33
P. II@1@d@bβ)
metaphorisch: mit den rosen der eytelen ehr, so da gar bald verwelchen Albertinus
zeitkürtzer 156; es ist das gebet eine blum, aber im munde des sünders verwelcket diese blum Abraham a
s. Clara
etwas f. alle 2, 469; der längst verwelkten jugend blüthe J. A. Ebert
episteln u. verm. ged. 119; der athenische staat hat noch lange bestanden, aber die blume seiner eigenthümlichkeit ist bald verwelkt Hegel 14, 120; da sogar der alexandrinischen poesie blüthe verwelkt war Niebuhr
röm. gesch. 1, 125.
von menschen, von menschlicher farbe: dort soll verwelken diese himmelsblume Göthe 10, 328
W. (
nat. tochter 1769); nun liebes herz? warum so blasz die wange? wie sind die rosen dort so schnell verwelkt?
Shakespeare 1, 183 (
sommernachtstr. 1, 1).
besonders häufig in bildlicher verwendung von kranz und lorbeer: uns Christen wird noch zieren der krantz, so nicht verwelckt, den keine luft verletzt, der krantz der ewigkeit Opitz
opera (1690) 3, 320; dein lorberkrantz verwelckt, dein siegen hat ein ende Gryphius
trauersp. 250
P.; soll dein ehrenkranz verwelken, schwinden deines ruhmes glanz? Uhland
ged. 1, 193
Sch.-H.; (
dasz Voltaire) bey dem ruhme des herrn Marmontels seine alten lorbern werde verwelken sehen
neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. 1, 527; an dem tage von Kulm verwelkten die lorbeeren von Dresden Treitschke
d. gesch. im 19.
jahrh. 1, 488. II@22)
von anderm organischem leben: II@2@aa)
vom menschen, oft im vergleich mit pflanzen: denn wie das grass werden sie eylend abgeschnytten werden, und wie das grune kraut werden sie vorwelcken Luther 8, 214
W.; ähnlich H. Sachs 18, 159
K.-G.; (
die kinder sind) wenige wochen nach der geburt gleich den märzblumen verwelkt und begraben brüder Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 183; und sie sollte um dieses albernen figürchens willen verwelken wie das gras am wege? Grabbe 1, 363
Bl. ungewöhnlich im vergleich mit thierischem: ich förcht warlich, sie seind zu schwach, verwelcken wie die frösch am bach
lieder a. d. winterkönig 139
W. II@2@bb)
selbständig: II@2@b@aα) v.,
zugrundegehen, sterben, umkommen: die astrologi sollen dem kayser vorher gesaget haben, dasz er sub flore verwelcken und umkommen würde Hahn
staats-, reichs- u. kayserhist. 4, 193; er verwelkte im dreyszigsten jahre seines lebens zum groszen verluste für die musikalische welt Schubart
ästhetik d. tonkunst 156. II@2@b@bβ)
tüchtigkeit, kraft, lebensfrische, gesundheit verlieren: mein bruder verwelket in seinem kummer Chr.
F. Weisze
lustsp. 3, 98; den guten schwachen mann, der vor ablauf einer jahresfrist zum erbarmungswerthen greise verwelkt war Holtei
erz. schr. 6, 66; nicht dasz ich verwelkt in haft und bann, macht mir das herz so schwer, als dasz ich auf dir nicht fechten kann, mein kampferschüttertes meer! graf Strachwitz
gedichte (1850) 337; vergangnes jahr endlich kehrt er zurück und fordert, ich solle hinaus, und dann, ein altes, verbrauchtes stück, verwelken im armenhaus D. v. Liliencron 7, 147; der verwelkte Böttcher Göthe IV 28, 124
W.; einer verwelkten frau
M. v. Ebner-Eschenbach 6, 278. II@2@cc)
von einzelnen körpertheilen: und nach dreien tagen da verwelckten im die füsz
M. Herr
schachtafeln der gesundheit (1533) e c 3; wenn die wangen fallen ein und die zähne sich verlieren, wenn die brust verwelket steht Stieler
geharnschte Venus 127
ndr.; nein den, bey dessen vieh der eiter (
euter) gleich verwelkt, der ihm den saft entzieht und alle stunden melkt Dusch
verm. w. (1754) 479; ihre gottlosen hände werden verwelken Zimmermann
einsamkeit 1, 276.
meist das attributive part. prät.: die verwelckte wangen Warnecke
poet. versuch 412; ihre verwelkten hände Hippel
lebensläufe n. aufst. linie 2, 586; auf verwelkten lippen Lenz
ged. 110
W.; die verwelkten züge Holtei
erz. schr. 1, 81.
übertragen vom herzen: wer das haupt im himmel trägt, dem verwelkt das herz in der drückenden, niedern sphäre Brentano
ges. schr. 5, 294; eine bosze gesundheit und verwelcktes herz Elis. Charl. v. Orleans
briefe 305
M.; gehinderte liebe, verwelkte herzen Göthe 41, 2, 146
W. II@33)
freiere übertragungen. II@3@aa)
von glanz, schönheit, ruhm, herrlichkeit: da sie sich düncken liessen, alle sein herlickeit wer nue verwelcket, verblichen und gar vertilget Menius
spruch Salomo (1526) 142
b; (
es ist besser,) dasz mein und ihr kalt blut hier rinne schwarz zusammen, als dasz ihr ruhm verwelckt für Masanissens flammen Lohenstein
Sophonisbe (1689) 50; ich stutzt und dachte, wie so bald verwelket schönheit und gestalt Brockes
ird. vergnügen 2, 93; seine kunst ist dahin, seine schönheit verwelket Herder 17, 178
S.; in einem nimmer verwelkenden glanze Steub
drei sommer in Tirol 2, 181. II@3@bb)
von körperlichen und geistigen eigenschaften und fähigkeiten: dasz sein manliche kraft in schendtlicher musse verwelckete und hinfiele Vigilius
de rebus memorandis (1566) b 1
b; dasz ... das gedächtnusz verwelcke Lehman
florileg. polit. 4, 131; er sah Venedigs carneval, die masquen und die huren, und fand sogar auf jedem ball verwelkter keuschheit spuren J.
F. Löwen
schr. 2, 94; die beste gesundheit kann verwelken und vergehen Zimmermann
einsamk. 3, 114; auf das gerüst der kunst gespannet, verwelken unsre fähigkeiten und glieder an diesem prangenden kreuze Herder 13, 336
S. II@3@cc)
von empfindungen, seelischen erlebnissen: verwelckete also in ihm die hoffnung der gantzen familiae Schupp
schr. (1663) 299; ihr verwelktes glück Zachariä
poet. schr. 6, 146; wo so viele plane scheitern, so schöne freuden verwelken Schiller 1, 104
G.; lasz nur die lieb verwelken v. Erlach
volkslieder 1, 488; aber diese träume ... dufteten, entfalteten sich in der stillen nacht und verwelkten Steffens
was ich erlebte 1, 146. II@3@dd)
von der zeit und zeitlichen zuständen: (
der jüngling,) dem wenige lenze verwelkten Eschenburg
beispielsammlung 4, 315; der nachklang aus verwelkten tagen Th. Körner 2, 30
H.; eines menschen, dem die tage und jahre des lebens im einerlei verdorrten und verwelkten Schönherr
erde 11 (1, 2).
besonders von der jugend: den vorzug einer jugend, die nie verwelken kann J. A. Cramer
nord. aufseher 3, 325; jugend verwelkt Körner 2, 61
H. II@3@ee)
von völkern, staaten und andern menschlichen gemeinschaften: ein solchen keyser ..., bei welches leben, wie Teutschland geblüt, gewachsen und zugenommen hat, also hat es auch und wird nach seinem todt verwelcken und abnemmen J. Göbler
kriegshändel Maximiliani, vorrede a 4
b; das reich, das schon vor Christi geburt bis auf die jetzige zeiten geblüht, verwelket nun und nahet sich der gänzlichen vergessenheit
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 68; der verwelkten menschheit v. Auffenberg
s. w. 1, 223; in dem verwelkten oder neu sich erzeugenden völkerleben Ritter
erdkunde 2, 79; die alten verwelkten gesellschaften Gervinus
gesch. d. d. dichtg. (1853) 3, 475.