verwaschen,
v. ,
seit dem ende des 13.
jh.s belegt (
s. u. II 1);
els. verwäsche Martin-Lienhart 2, 872;
schwäb. Fischer 2, 1404;
cronenb. fərwešən Leihener 37
a;
pomm. Dähnert 529
a;
mndl. verwaschen Verwijs-Verdam 9, 296;
ndl. verwaschen. II.
zu waschen
plaudern (
s. th. 13,
sp. 2242):
effutire, eliminare Reyher
thes. u 5
ra; '
durch unzeitiges plaudern bekannt machen, über dem plaudern versäumen' Adelung, Campe (
veraltet), die zeit v., '
mit plaudern zubringen' Adelung, Campe.
in älterer zeit verraten, verläumden, anschwärzen: ein bube, der hies Siba, verweschet und verleuget seinen herrn Luther 24, 484
W.; dergleich er auch verwaschen hat den jüngling dort in seiner stadt bey sein eltern sambt der jungfrawen H. Sachs 14, 198
G. in neuerer zeit selten: wer mag mich denn wohl v. haben? Petrasch
lustspiele 2, 243.
dazu das part. prät. als adj. und adv.: v.,
locutulejus, loquaciter Reyher; ein verwaschener mensch
garrulus, blatero, proditor arcani Stieler
stammb. 2447;
un causeur, langard, babillard Rädlein 952
b; Aler (1727) 2, 2032; Frisch
nouv. dict. 603. IIII.
zu waschen
lavare. II@11)
die älteste, schon mhd. belegte bedeutung ist weg waschen, durch waschen beseitigen: die verslicten galle mit bichte si verliezen, und konden wol ervliezen von herzen an der ougen bach. swa si vor des worden swach, daz wart alsus verwaschen
passional 579, 21
K. auch nhd. nur übertragen, wendungen wie schmutz v.
sind nicht belegt: kein flusz verwäscht den gräul von abscheuvollen dingen Joh. E. Schlegel 1, 56; die schande kann kein ätherbad verwaschen Schiller 1, 258
G. (
anthologie); indesz heute konnte nicht einmal das spirituöse, geschwefelte theewasser eine gewisse unbehaglichkeit aus R. verwaschen Jean Paul 15/18, 306
H. II@22)
durch waschen verbrauchen: alles wasser, vil seife v. Ludwig
teutsch-engl. wb. 2188; Krünitz 219, 304; rabbi Akiba, der einmal im gröszten wassermangel und durst das wasser lieber verwusch als vertrank Jean Paul 11/14, 243
H. übertragen: die einen (
damen) vernähen und v. ihren geist Bauernfeld
ges. schr. 3, 206.
in älterer zeit vereinzelt wie vertrinken: so tuond wir den ein guten trunck welschen win usz miner fleschen, unser geltly wend wir hie verweschen
schausp. d. mittelalters 2, 339
Mone. II@33)
vereinzelt waschend hinbringen: in eurem vernähten, verkochten, verwaschnen leben Jean Paul 7/10, 85
H. II@44)
zu waschen II 4 e,
bergmännischer ausdruck: 'v.
heiszt einen fein zertheilten festen körper zur absonderung schwererer in ihm enthaltenen theile zweckmäszig mit wasser bewegen' Lampadius
hwb. d. hüttenkunde (1817) 210; die erze v. Schwan
nouv. dict. 2, 942
a; kleine von tannenreisig gemachte sträusze, vermittelst deren die zähen schlämme, ingleichen die zwitterschlämme auf dem bloszen heerde v. werden
Noel Chomel 5, 1075;
besonders häufig der substantivierte infinitiv: die absonderung des quecksilbers beim v.
allg. d. bibl. 73, 39; der waschprocesz gestaltet sich am einfachsten beim v. von fluszsand Karmarsch-Heeren
techn. wb.3 4, 123. II@55)
zu waschen II 3 c (
th. 13,
sp. 2236): 'v.
nennen die maler diejenigen farben, welche sie mit wasser auf dem gemälde so sehr verdünnen, dasz sie sich nach und nach verlieren oder immer schwächer werden' Hübner
zeitungslex. (1824) 4, 806; 'v.
nennt man beim tuschen ein verfahren, durch welches man die aufgetragene farbe an den kanten mit einem befeuchteten pinsel vertreibt, um zu bewirken, dasz der dunkele ton in einen helleren übergehe' Helfft
wb. d. landbaukunst 395. II@66)
in form, umrisz, farbe unbestimmt, farblos, unklar machen: der regen hatte die altförmigen buchstaben schier verwaschen Rosegger
schr. 10, 3; ohne dasz ... ein v. des umrisses zu befürchten wäre Karmarsch-Heeren
techn. wb.3 8, 766.
häufiger von geistigem: vielleicht würde ich noch bei leibs leben es dann drucken lassen, wofern ich das historisch wahre genug v. könnte J. T. Hermes
für eltern u. ehelustige 5, 381; dasz dem v. der grenzen zwischen heeresrecht und staatsrecht ... einhalt geboten wurde Alten
hb. f. heer u. flotte 4, 686. II@77)
am gewöhnlichsten ist das adjectivisch gebrauchte part. prät. II@7@aa)
gebleicht durch die einwirkung von wasser; durch häufiges waschen: das halbreife mädchen in einem verwaschenen ... kattunkleide Gutzkow
zauberer v. Rom 1, 12; mit alten, verwaschenen staubhemden G. Keller 4, 246; in blauweiszem, verwaschenem bettzeug E. Zahn
helden d. alltags 172.
durch regen: das holzwerk und die fensterläden waren bunt bemalt, alles jedoch etwas verwittert und verwaschen G. Keller 5, 149; seinem von wind und wetter schon recht verwaschenen thürstück Storm 7, 23. II@7@bb)
durch regen verwischt: die halb verwaschene inschrift Fontane I 6, 6; verwaschene fährte Kehrein
weidmannssprache 310;
auch vom verwehen der spur: alle spuren von dem odem heiszen sturmes stets verwaschen Brentano
ges. schr. 3, 286. II@7@cc) v.,
farblos, verschwommen, unscharf, auch ohne dasz dabei von einer einwirkung des wassers die rede ist. II@7@c@aα)
von farbe und form: stärkere, mehr verwaschene dämmerungen und wolken Lichtenberg
br. 2, 304
L.; das gesichtgen ist ... zu v., um den eindruck von überwiegender ... kraft zu machen Lavater
physiogn. fragm. 4, 439; die federn der obern theile haben nur etwas lichtere, verwaschene kanten Naumann
naturgesch. d. vögel 1, 370; ein verwaschenes braun Ratzeburg
ichneumonen 2, 64; ein bläulicher ... dunst ... liesz die formen der bäume v. erscheinen G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 18. II@7@c@bβ)
übertragen; von charakter und wesensart des menschen: wer nu wil klug sein, der sei kein ... verwaschener scheinchrist Herberger
hertzpostilla 1, 652; du idealer, blasz verwaschener musenbräutigam Eichendorf 2, 411; die verwaschenste, farbloseste, breiweichste generation, die es in Deutschland giebt
br. von u. an Herwegh 106.
von geistigem: weitschweifige, verwaschene schreibart Göthe 38, 390
W.; dann ist mir der patriotismus dieses liedes zu allgemein, zu unbestimmt, zu verwaschen
jahrb. d. Grillparzerges. 6, 35; von jener verwaschenen humanität, die mit jedermann gut freund ist Spielhagen 1, 49. —