verspringen,
verb. ,
mhd. verspringen
mhd. wb. 2, 2, 543
a; Lexer
hdwb. 3, 247; Stieler 2105; Kramer
ital. dict. 2, 894
a; Adelung; Campe.
obd. und ndd.: ferspringe Seiler
Basler mundart 113
a;
elsäss. verspringe
n Martin-Lienhart 2, 559
b;
lothring. Follmann 154
a;
schwäb. Fischer 2, 1350.
mnld. verspringen Verdam
hdwb. 637
b; verspringhen Kilian (1599) 604
b.
die bedeutungsverzweigung ist auszerordentlich vielseitig. 11)
intransitive verwendung. 1@aa)
mundartlich '
zerspringen, zerplatzen' (
vgl. versprengen 1 b
sp. 1493):
dissilire Kilian 604
b; Heyse
wb. 2, 1624.
sonst obd.: wenn es glas ferspringt Seiler 113
a; dass die fenster dadurch versprungen; der frisst un
d suft,
dass
er schier v
erspringt; ich bin schier versprunge
n für lache
n, vor zorn, vor wuet; s hërz is
t m
ir schier versprunge
n (
vor kümmernisz);
verwünschung: der soll verspringe
n un
d verrecke
n! Martin-Lienhart 2, 559
b; 's fass isch versprung; 's herz verspringt m'r fascht Follmann 154
a; der bauch verspringt einem fast; da möcht
e ma
n verspringe
n vor lachen; der verspringt vor güte;
besonders in der form des part. prät.; ein versprungenes glas,
das einen sprung, risz hat; versprungene haut, hände,
schrundige; versprungene lefzen, »
aufgesprungene «,
eine mundkrankheit Fischer 2, 1350;
Frankfurt: verspringen,
bersten Askenasy 227. (ver-)springen,
vollständig entzweispringen, in zwei stücke zerspringen: bersten, z. b. der ader; gebären, so dasz es eine mutter und ein kind, also zwei abgibt Höfler
krankheitsnamen 667
b. da ., einem .. sein gewehr versprnge
schwäb. quelle v. 1652
bei Fischer 2, 1350; wo solche kuglen ausz bOellern, oder bchssen geschossen werden, so verspringen sie, vnd thun die trmmer grossen schaden Fronsperger
kriegsbuch (1578) ix 4
v; versprang ihm wohl sein römisch glas, versprang ihm wohl sein herz' A. v. Arnim
werke 17, 222 (
Wunderhorn); was meinst, was einem da in kopf kommt, wenn man keinen menschen sieht und hört und spricht? ich musz einen festen hirnkasten haben, dasz er nicht versprungen ist Auerbach
dorfgeschichten 2, 172. 1@bb)
wegspringen, entspringen, verrinnen: mnld. mit een sprung weggaan, wegspringen Verdam
hdwb. 637
b; hi verspranc van den slaghe (
mit dem beile) in einen trop van ouden wiven
Reinaert Voss 819
Martin. schnell sich verbreiten, verloren gehen, aufhören zu springen Campe; mehr, als eine grosze schöne welt geht unter in der brust und läszt nichts zurücke, und gerade der strom der höhern macht verspringt, und befruchtet nichts, wie sich hohe wasserfälle zersplittern Jean Paul
titan 1, 58; die versprungene nachlese des zerspalteten klafterholzes
ders. bei Campe.
mundartlich nur im schwäb. verzeichnet: entspringen, davonlaufen; em Jörg sind d'gäul v'sprunga und hand 'n g'schloift mit sammt d'r schös'.
beim zutrinken sagt A: i
ch will dir's bringe
n,
worauf B: i
ch will dir
net verspringe
n Fischer 2, 1350. 1@cc)
vereinzelt steht das mnld. verspringen,
opspringen; te voorschijn springen, van bloed Verdam
hdwb. 637
b.
auf das nld. beschränkt ist auch verspringen,
überspringen, vorrücken: het kerstfeest verspringt jaarlijks een dag,
um einen tag Sicherer-Akveld 1190
a.
beide bedeutungen weisen auf eine alte faur-
type zurück. 22)
der trans. gebrauch zeigt das präfix in resultativem sinne. 2@aa)
springend durchbringen, einbüszen, verlieren: mhd. Reinhard wânde sîn lebin da vursprungen hân Heinrich der GlichesÆre
Reinhart Fuchs bei J. Grimm
sendschreiben an K. Lachmann 857;
dafür ist im jüngeren text eingetreten: er wânte dâ sîn leben versprochen hân,
was nicht in den zusammenhang paszt mhd. wb. 2, 2, 532
b, 543
a; sein geld vertantzen und verspringen Kramer
ital. dict. 2, 894
a.
ebenso von der zeit gesagt, mit springen verbringen: die zeit vertanzen und verspringen Campe; die kinder verspringen ihre tage im freien; es waren schöne stunden, die wir im gefühl unsrer muskelkraft verschwangen und versprangen Kügelgen
jugenderinnerungen 38. 2@bb)
durch springen vertreiben Campe; die grillen Heinsius 4, 1359
a; derowegen sey der vngmut vnd vngfall zu offtermalen zuverlachen, zuverachten, zu versingen, verspringen, verdantzen, vertrincken, verpfeiffen, verspielen vnd auff andere weg zu verkurtzweilen, vnd zu verjagen, auff dasz er nicht die menschen blOed mach, weibisch und verzagen Fischart
Eulenspiegel 15
f. Hauffen; so lange währte unsere faschingszeit, in der wir den appetit zur fastnacht-hirse versprangen Jean Paul
unsichtbare loge 3, 136. 2@cc)
durch springen beschädigen: den fusz verspringen,
pedem luxare saliendo Stieler 2105; Kramer
ital. dict. 2, 894
a; een been, of voet verspringen: hy heeft zyn been (voet) versprongen ... ein bein, oder fusz verspringen: er hat sich sein bein, seinen fusz versprungen
nider-hoch-teutsch. dict. 455
b; Adelung; Campe. der arme Prill hat sich gestern beim absteigen vom omnibus den fusz versprungen Bismarck
briefe an s. braut und gattin 374; ich hab' mir meinen ganzen fusz versprungen G. Engel
d. verbotene rausch 185. 2@dd)
durch springen erreichen: schwäb. etwas nicht verspringen können,
das rasche laufen danach nicht aushalten, als verbreitet angegeben Fischer 2, 1350;
doch sonst nicht nachzuweisen. 2@ee)
ebenso vereinzelt ist die füsze verspringen,
sie nach langer ruhe in bewegung bringen, sich durch bewegung erholen: im frischen abendwind verspring ich noch die füsze A. v. Arnim
werke 19, 123 (
vgl. 8, 207).
in gleichem sinne wird gebraucht die füsze vertreten,
besonders aber die reflexive form sich verspringen (c), sich vertreten.
über diese function der vorsilbe vgl. germ. abh. 27, 181
f. 33)
auch der reflex. gebrauch ist vielseitig. 3@aa)
im anschlusz an 1 b,
abspringen (
und unvermuthet auf anderes überspringen): da sich vorhin Sphex vom briefe auf einmal auf das fürstliche streben versprang, so setzte dieser sprung fast die lesung des erstern voraus (
liesz vermuthen, dasz er den brief schon heimlich erbrochen und gelesen habe) Jean Paul
titan 1, 173.
sich springend verlieren: aber der himmelsstaubbach hatte sich versprungen
Hesperus 1, 119; er zog von zeit zu zeit die klingschnur (
klingelschnur) des pfeifens (!), damit sich der kleine nicht versprAenge
ders. bei Campe; es hatte sich wieder ein schaf versprungen, oder war gestohlen worden Tieck
ges. novellen (1835) 7, 89. 3@bb)
sich beim springen verletzen (
vgl. 2 c): den fusz verspringen, sich verspringen Kramer
ital. dict. 2, 894
a; ich habe mich versprungen Heyse
wb. 2, 1624;
westfäl. Woeste 295; er hat sich versprungen und sich eine sehnenzerrung zugezogen.
auch '
fehlspringen': sich verspringen,
fallare ò errare il salto Kramer. 3@cc) sich verspringen,
sich bewegung und dadurch erholung machen (
vgl. 2 e).
schwäb. sich verspringe
n,
sich weidlich tummeln Fischer 2, 1350; wie werden sich die lieben buben verspringen
brief von Schillers mutter 1790 (
Schillers beziehungen zu eltern und geschwistern 195). 3@dd)
von allem vorigen gänzlich abweichend ist mhd. sich verspringen in,
sich fest einfügen in, verbinden mit: du tougen borte, der sich dringet, swâ sich daʒ golt in golt verspringet, ûʒ glastes viuwer under zwein! Frauenlob
leiche, sprüche, lieder 8, 5
Ettmüller. verspringung, f., seltenes substantiv. dazu. Campe;
mnld. verspringinge,
van bloede Verdam
hdwb. 637
b,
zu verspringen 1 c.