vergüten,
verb. gut machen, mhd. vergüeten,
nd. vorgoden,
nl. vergöden.
zusammensetzung mit güten,
welches gleiche bedeutung mit dem compositum hatte. im mhd. war die zusammensetzung unbekannt, im nhd. hat sie das im mhd. nicht ganz seltene einfache zeitwort gänzlich verdrängt. das '
gut machen'
kann bei verschiedenen gelegenheiten angewendet bald die bald jene färbung erlangen. aa)
der gegenstand, den man gut macht, ist nicht als schlecht gedacht; dann bedeutet vergüten '
werthvoller als vorher machen': (
sie haben dem glauben) ein eigen werck gegeben, abgesondert von allen wercken der andern tugent, so er doch allein alle andere werck vergutet, angenem und wirdig machet. Luther 1, 226; da würt das hertz gewendt, verguot, voller gotsforcht, lieb, lust zuo allem guoten. S.
Frank paradox. 87; und würde dieser zug, für sich betrachtet, die einbildung des zuhörers beleidigen, so war er entweder durch das vorhergehende so vorbereitet, oder wird durch das folgende so gemildert und vergütet, dasz er seinen einzeln eindruck verlieret und in der verbindung die treflichste wirkung von der welt thut. Lessing 6, 392; sich vergüten lassen: bald wollens trutzen, toben, wüten und lassen sich keinswegs vergüten. B. Waldis
das päbstisch reich 4, 34. vergüten,
kunstausdruck im bergwesen: '
wasser durch einlassen in die sinkwerke und durch das daselbst erfolgende auslaugen des salzberges zu gesättigter soole machen'. Veith 523,
also zu einem guten, vollhaltigen machen. bb)
der gegenstand, welchem die vergütung gilt, ist ein schlimmer, verbessern, vollkommen machen, wieder gut machen: diese schwachheiten .. wurden durch so viele grosze eigenschaften vergütet, dasz es eben so unbillig als unehrerbietig wäre, sich dabei aufzuhalten. Wieland 7, 16; (
die geschichte zeigt) dasz auch gute fürsten, fürsten, welche wenigstens einige geringe fehler mit groszen tugenden vergüteten, schlachtopfer der herrschsucht ... geworden sind. 7, 53; niemand übertraf ihn .. an geschicklichkeit .. die fehler seiner gegner zu benutzen oder seine eignen zu vergüten. 7, 172; die verwüstungen, welche die aufs äuszerste gestiegene tyrannei und üppigkeit bald hier bald dort auf dem erdboden angerichtet hatte, sind dadurch wieder vergütet. 8, 167; allein der mann hatte auf der andern seite verschiedene eigenschaften, die jenen mangel an sympathie vergüteten. Wieland 8, 218; .. vermeinte, durch einen blutigen krieg zu rächen, der sich zwar mit einem einzigen feldzuge endigte, aber dafür in diesem einen mehr unheil anrichtete, als in zehen jahren des friedens wieder vergütet werden konnte. 8, 339; ich danke ihnen für diesen zweifel, Danae; er vergütet das unrecht, das ich einem von beiden gethan hätte. 10, 6; und doch ... können mir ihro weisheit nicht absprechen, dasz mir dieser schatz ohne widerrede zusteht, sobald ich den scheiterhaufen der kasuisten vergüten soll, der hier nur als ein vehikel dieses wunderblattes zu betrachten ist. Thümmel 5, 291; die grosze unruhe, die Charlotten durch diesen besuch erwuchs, ward ihr dadurch vergütet, dasz sie ihre tochter völlig begreifen lernte. Göthe 17, 264; dasz er vieles von dem, was er schlimm gemacht, durch einen gründlichen nutzen wieder vergütete. Schiller 852; dagegen philosophie .. ein gefühl der kraft bei sich führt, welches die körperlichen schwächen des alters in gewissem maasze durch vernünftige schätzung des werthes des lebens wohl vergüten kann. Kant 1, 304; ich dachte nur .. dasz sie ihm vielleicht durch eine einladung die unangenehme scene etwas vergüten wollten. Tieck 17, 17; Orpheus .. in der hell das teufflisch wüten mit seiner harpffen kund vergüten. B. Waldis
das päbstisch reich 1, 5; wo die colic im leib eim wütet, dasselb Erasmus bald vergütet. bb 4
a; schaff, herr, dasz ich mit zähren heisz den grimmen dein vergüte; mich mach recht schnee- und schwanenweisz, wäsch ab das alt geblüte. Spee 62, 61
Balke; ein unfall .., den ein hübscher mann durch schnelle flucht allein vergüten kann. Wieland 18, 199; alle stunden dieser pein, Exter, wirst du nun vergüten, veilchen, die sonst ungesehn vor den füszen mir verblühten, sind dafür nun doppelt schö
n. Göckingk 1, 43; heut ist der tag, um viele böse tage zu vergüten. Schiller 471; Albano empfing die freunde mit vergütender zärtlichkeit. J. Paul 21, 58. cc)
etwas mangelndes ersetzen, ersatz leisten für etwas: so werden in Otahaiti sogar die wörter, die dem namen des königs ähnlich klingen, nach seiner krönung ausgerottet und durch andere vergütet. J. Paul 21, 71; sehr nützlich ist es, wenn bei den vorlesungen mündliche fragen wieder eingeführt oder wenigstens durch aufsätze vergütet werden, welche die zuhörer ausarbeiten. Hugos
encyclopädie 47;
von rein abstracten dingen: es war also billig, dasz sich die feen des guten mädchens annahmen und was sie durch kindliche und kindische spielwerke der fantasie an der natürlichen gesundheit ihres verstandes eingebüszt hatte, durch andere auf wiederherstellung derselben abzweckende spiele ihrer zauberkunst zu vergüten suchten. Wieland 38, 141; ohne wie es den alten glückte, das unzulängliche durch das vollständige seiner persönlichkeit zu vergüten. Göthe 37, 23. dd)
eine gewisse ersatzleistung für empfangenes gutes ist der dank, daher vergüte,
refero gratiam Dasyp. 89
b.