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unverschämt

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unverschämt part. adj.

Bd. 24, Sp. 2082
unverschämt, part. adj. adv. zu verschämen 2 b. gleichsetzung von verschämt (th. 12, 1056 verschämen 2 a) mit u. ist nur bei äuszerlicher betrachtung möglich; in der that gehört verschämt 2 a zu 3 (pudorem abjicere) und entspricht ausgeschämt Staub-Tobler 8, 759. unverschämentlich, -schämig, -schämlich sind zu gunsten von u. veraltet. erst im spätern mhd. unverschamet; mnd. unvorschemet; mnl. onverschaemt; nl. (als germanismus) onverschaamd; n. uforskammet; schwed. oförskämd, umlautlos noch z. b. discourse der mahlern 2, 45. vgl.ungeschämt. für insolent Spanutius, Campe; für effronté, effrontirt Kinderling, Campe. aa) ohne scheu: angesehen die groszen schand, so wir bishar unverschamt über uns habend lassen gon Zwingli d. schr. 1, 48; Ringwaldt evangelia D 7a; confidens Frisius 291a; rückhaltlos, unerschrocken Eyering 1, 179; es ist ein anzeigung eines unverschämten, sicheren gemütes Opitz poeterei 23 ndr. veraltet. bb) ohne scham in bezug auf geschlechtliche ehrbarkeit, wohlanständigkeit, sittlichkeit; Staub-Tobler 8, 760; obscoenus Frisius 895a: und (d. hure) erwisschet in und küsset in unverschampt spr. Salom. 7, 13; behüte mich fur unverschampten hertzen Sirach 23, 6; ein unverschampte nun, münch oder pfaff, so sie zuo der unee sitzen und kinder machen, mit einem hie, mit dem andern dort Gebwyler beschirmung des lobs Mariä (1523) 34a; ein unverschampte, wste hur Fischart bienenkorb (1588) 32a; Petri Y 5b; T t 7a; Susanna seye sola cum solo mit einem unverschämten buhler in der grüne ertapt Abr. a s. Clara merks Wien (1680) 85; El. Charl. v. Orleans 4, 178 H.; Lichtwer fabeln (1748) 49; die dirne, die landstreichend unverschämte! H. v. Kleist 2, 252 Schm.; das weibliche geschlecht (Turkestans) ist ganz u., an jedem orte giebt es sich preis Ritter erdkunde 7, 436; ich mag mich mit keinem feigenblatt inkomodiren, ich bin der unverschämteste kerl der welt Bettine Günderode 2, 45. solchen unverschampten sinn b. d. liebe (1587) 355a, übung Stumpf Schweizerchron. 9a, geilheit Prätorius Blockesberges verrichtung 57. von thieren Heyden Plinius (1565) 126. dichterisch vom licht Hebbel I 1, 143 W.; 1, 67 W. cc) im fordern u. nehmen; 'die billige und wohlanständige genügsamkeit in hohem grade verletzend' Adelung: unvorschampt fodern Luther adel 37 ndr.; nieman stellet unverschamter nach rychtagen dann alle kutten und platten Zwingli d. schr. 1, 331; sey unverschampt genuog Scheit Grobianus zu 2545 f. ndr.; u. wuchern Ringwaldt christl. warnung A 5b; sie ... dise latwerg ... für ire falsche, unverschempte (u. teuere?) bittere entzianlatwergen verkauften Ryff confectb. (1548) 55a; die grosze, unverschamete geitzigkeit Schütz historia rer. pruss. (1592) 2, L 4a; unverschämte forderungen, preise (vgl. a) Göthe IV 27, 112 W.; IV 37, 203 W.; betrug A. v. Arnim 7, 16 Gr.; der prinz weiset den vorschlag als u. zurück Holtei erz. schr. 1, 68; H. v. Barth Kalkalpen 531; die einheimischen würden immer unverschämter in ihren forderungen v. Polenz Grabenhäger 1, 40. u. wie eine fliege Wander 4, 1488, wie ein metzgerhund Staub-Tobler 8, 760. in der spr. volksthümlicher höflichkeit sagt man bei annahme einer einladung, belohnung, einer dargebotenen erfrischung: so will ich so u. (frei) sin Staub-Tobler a. a. o.; Fischer schwäb. wb. 6, 269. dd) allgemein; perfrico frontem vel faciem, pudorem exuo, pudet nihil bin unverschembt Alberus (1540) 24b; pudorem deponere alle scham verlieren, unverschampt werden, sich verschämen Frisius 392b. α) von personen: unverschampte buben Luther 18, 255 W. (Lexer 2, 1961), leute J. Agricola sprichw. (1534) S a 2b, gast griech. dramen 1, 127 Dähnhardt, bösewicht Dedekind papista conversus (1596) C 5b, gesellen Guarinonius greuel (1610) 931, kerl Schoch stud. leben (1657) G 6b, bettler Herder 3, 219 S., naseweis Göthe 2, 207 W.; einer der unverschämtesten charlatans Hufeland kunst d. m. leben zu verlängern 14. beliebt als schimpf und rüge; els. wb. 2, 413b; Pansner 74b; yhr unverschempte federleser Carlstadt von bepstlicher heilickeit (1520) C 2b; du unverschembter mensch, lötsch, schandtvogel, schlüffel, ruffianer, flegel, schlingel, beamtenpack u. dgl. Boltz Terenz (1539) 41a; H. Sachs 17, 109, 21 G.; 9, 149, 15 K.; 21, 37, 21 G.; Amadis 1, 76 K.; Stranitzky ollapatrida 103 Wiener ndr.; Meisl theatr. quodlibet 4, 10; G. Hauptmann einsame menschen 73. substantiviert: vil weiszes in augen ist eins unverschammten zeychen Eppendorf Plinius (1543) 231; D. v. d. Werder ras. Roland 25; ein unverschämter kann bescheiden aussehen, wenn er will, aber kein bescheidener u. Lichtenberg verm. schr. (1800 ff.) 1, 208; unverschämter! ... wer heiszt dich horchen! Göthe 23, 308 W.; Schiller 12, 523 G.; bruder Unverschämt, Hans U., meister U. Lessing 3, 421 M.; Fr. L. Schröder 3, 33; Höfer aus d. w. welt (1861) 1, 113; nichts unverschämters Gottschedin briefe 3, 200; jener befahl ihm zu schweigen, wobei ein u. hörbar wurde Holtei erz. schr. 2, 156; es sey keinr als unverschampt, das einr dem andern greif ins ampt Alberus fabeln 205 ndr.; wann nur eine (kunst) mir wolt ein, nämlich unverschämt zu seyn Logau 158 E.; S. Dach 786 Ö.; er musz so u. werden, und die höchsten potentaten ... beschuldigen Chr. Weise polit. redner (1677) 154; es kann doch niemand so u. seyn, ein buch herauszugeben, um ... Nicolai Nothanker 1, 88; Göthe II 2, 282 W.; war er denn u. gegen deine dame? Storm (1899) 2, 131. sprichwörtlich: je ungelehrter, je unverschampter Fischart d. gelehrten die verkehrten 337 K.; der grob ... hat ein hülzin angesicht, ist unverschamet Lehmann florileg. 1, 373. β) von nichtpersönlichem: unverschampte lugen, stirn, maul, triegerey, bracht, verdechtnusz, tadelsucht, wendung, anklage, groszsprecherei, betteley, ton, anspielung, offenherzigkeit u. s. w. Luther 23, 80 W.; 28, 343 W.; 8, 487 W.; 32, 430 W.; Hutten 3, 456 B.; Carbach Livius 245a; Lessing 17, 112 M.; 8, 58 M.; Gellert 3, 78; Kant 3, 330 ak. ausg.; Nicolai reise 2, 341; Laukhard leben 2, 180; Holtei erz. schr. 4, 89; Mommsen m. gesch. 2, 388; die beste, unverschämteste lunge J. G. Forster 8, 53; die gestohlenen rosen lieszen ihr verwettert gut zu ihrem feinen, unverschämten (kecken) stumpfnäschen Storm (1899) 3, 97. fliege Brockes ird. vergnügen 4, 35; sonne Spee tugendb. 277; syntemal der neyd und geytz so grob unverschampt hie ist Luther 15, 307 W.; hoffnung ist unverschembt und blind Friedr. Wilhelm sprichw. register (1577) D y β; Deutschland in beziehung auf musik arm zu nennen, fand ich nur u., weil es kein gröberes wort giebt als u. Börne 5, 4. γ) adv.: u. antworten, leren, geifern, antasten, vorgeben, prahlen, wiederholen, sich hervordrängen, anglotzen u. s. w. Steinhöwel Äsop 256 Ö.; Luther 23, 358 W.; 28, 102 W.; Sattler phraseologey (1631) 383; Königsberger dichterkreis 256 ndr.; Gottsched ged. 1, 427; Geszner 2, 57; Tieck (1828) 1, 88; Ebner-Eschenbach 4, 206. vgl. unverschämter weise Hulsius (1618) 2, 313b; auf die unverschämteste weise J. G. Forster 7, 283; auf eine ... unverschämte art J. J. Schwabe belustigungen 1, 177. ee) steigernd: Staub-Tobler 8, 761 f.; obers. wb. 2, 602a. vgl. Hugo v. Langenstein Martina 197c, 69 K.: das unverschämteste glück Nestroy 5, 230; unverschämte glückspilze Schiller 14, 192 G.; unverschämte kühnheit Meinecke Boyen 1, 372. zwei tafeln, u. beladen Müllner 5, 131; nur ein dichter ist so u. galant (in verbindung mit bed. d) Körner 4, 13 H.; kerl, wo hast du die u. schiefe nase her? Tieck (1828) 17, 91; eine u. bittere pille Raabe hungerpastor 3, 5; dann geht es uns u. gut Hans Grimm volk ohne raum 2, 452. nach d umgebogen: sie (d. bäume) befinden sich u. wohl, es sind anmaszend gesunde bäume Holtei erz. schr. 7, 149. ff) von den synonymen ist schamlos stärker, frech bestimmter als u. (Weigand 3, 623); der unverschämte und schamlose scheut nur die urtheile anderer menschen nicht, der freche trotzt ihnen (Eberhard-Lyon [1904] 488). ausverschämt (mnd. ûtvorschamet, nd. ûtverschamt), in der umgangsspr. (Kretschmer wortgeogr. 99 f.; Göttinger gel. anz. 1923, 28) mit bed. c verbunden, früher ihm fast gleich (th. 1, 1007), tritt heute selten schriftsprachlich auf; Joh. Temme gebraucht es als gesteigertes u.: das ist nicht mehr blosz u., das ist ausverschämt! die schwarze Mare (1854) 1, 76; ähnlich obers. wb. 1, 49a. auch das oberd. ausgeschämt (Kretschmer 100; 601; Staub-Tobler 8, 758) ist nachdrücklicher, schriftsprachlich bezeugt von Wieland attisches museum 2, 3, 20 und Leonh. Wächter (Veit Weber) sagen (1811) 4, 238. —
8646 Zeichen · 247 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unverschämt

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Unverschämt , -er, -ste, adj. & adv. nicht verschämt, welches doch nicht so gangbar ist, als dieser Gegensatz, die gehör…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unverschämt

    Goethe-Wörterbuch

    unverschämt [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unverschämtAdj.

    Pfälzisches Wb.

    un-verschämt Adj. : 'frech, ungebührlich, ungezogen', -veʳschämt, -scheemt [mancherorts]; Syn. s. frech 1 a; e unveʳ - s…

  4. Sprichwörter
    Unverschämt

    Wander (Sprichwörter)

    Unverschämt 1. Unverschämt wird ein guter Bettler. – Simrock, 1056. 2. Ûtverschämt lett nich gôd, äwer föödt (nährt) doc…

  5. Spezial
    unverschämt

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|ver|schämt adj. da (se) dodé, impertinënt (-nc, -a), sbocé (-ciá, -ciada).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unverschaemt

3 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von unverschaemt

un- + verschaemt

unverschaemt leitet sich vom Lemma verschaemt ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unverschaemt 2 Komponenten

unver+schaemt

unverschaemt setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unverschaemt‑ als Erstglied (2 von 2)

Unverschämtheit

Adelung

unverschaemt·heit

Die Unverschämtheit , plur. die -en. 1. Die Eigenschaft, da eine Person oder Sache unverschämt ist; als ein Abstractum und ohne Plural. 2. U…

unverschämtlich

DWB

unverschaemt·lich

unverschämtlich , adv.; contumeliose, obscoene Frisius 326 b ; 895 a : diewiel er ... sich selbs mit betrug und gelt unverschamptlich ingetr…

Ableitungen von unverschaemt (1 von 1)

unverschämte

DWB

unverschämte , f. , unverschämtheit, unverschamti Staub-Tobler 8, 762 ; Fischer schwäb. wb. 6, 269 : wir sehend die unverschamte der sünden …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „unverschaemt". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unverschaemt/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „unverschaemt". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unverschaemt/dwb. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unverschaemt". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unverschaemt/dwb.
BibTeX
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