[]unkraft,
f. ,
mangel der kraft
und ihr gth.; ahd. as. mhd. unkraft,
ags. uncræft '
prava ars',
mnd. unkraft, -kracht,
mnl. oncracht. ohnkraft
öfter im 16. 17. 18.
jh. neben u.
vgl. mhd. âkraft,
nhd. abkraft, abkräftung, unkräftigkeit, unkräftigung, kraftlosigkeit.
zu den formen s. kraft.
im vergleich mit dem positiven worte und dem adj. unkräftig
schwach entwickelt und in den meisten bedd. veraltet. syn. ungewalt, unmacht. 11) kraft II 1
entsprechend, physisch: Graff 4, 604; Lexer 2, 1902;
mnd. wb. 5, 60
b: gleich wie Gideon ynn seiner unkrafft den drey völckeren oblag Luther 19, 146
W.; Fr. Jacobs
personalien 294; Nietzsche II 15, 74; es war jener zustand sanfter u., der schwermütigen genesenden menschen so wohl ansteht Scheffel 2, 153.
auch ohnmacht, bewusztlosigkeit, erschöpfung und bestimmte krankheiten bezeichnend (Höfler 304
b): er vertreibt die onmacht oder unkrafft und schwachheyt des selbigen Ryff
confectbuch 133
a; A. U. v. Braunschweig
Oct. 2, 1146;
altertümelnd: der vogel ... caradrion (
vgl. zu Freidank 143, 7) ... nimmt des mannes u. an sich Scheffel 1, 142.
beliebt war der heute schriftsprachlich veraltete, schon von Adelung
abgelehnte plur.: ach wollet doch ewre liebliche augen gegen meine schmertzliche unkräffte kehren
engl. com. z 1
a;
Simpl. 335
Kögel; Butschky
Pathmos 712; ich fühlte solche unkräften, dasz ich mir einbildete, ich legte mich hier lebendig ins grab v. Loen
d. redliche mann am hofe 376;
meist in präpos.-verbindungen: ynn grosser schwacheit und unkrefften (
v. Gideon) Luther 19, 145
W.; in gantzen unkrefften 1, 91
a Jen.; theatr. diab. 186
b; vor unkrefften
M. C. Schütz 3, 71
b; wobei diese schwache creaturen fast jedesmal in unkräffte und zu boden sancken Francisci
traursaal 1, 13;
von gefangenen (
nach der mhd. Rotherstelle) in unkräften liegen Tieck 13, 188, Scheffel 2, 122; weil sie (
die hexe) einen maurer dermassen hat zu unkräften gebracht und verkrümt, dasz er das haupt beinahe zwischen den füszen muszt gebogen halten Fischart
Bodin (1591) 182
a. 22) kraft 2 c, 3 d, 11 c
entsprechend, das auszerstandesein, die unfähigkeit, unwirksamkeit u. dgl.: so ist der glaube von unkrefften, gute verdienstliche werck ... zu thun Wimpina
bei Luther 5, 18
a Jen.; deren verwelcktes alter erweiset, von was unkräfften selbe seyn, die wissenschaften fortzupflantzen Harsdörffer
gespr. 1, m 4
b; Butschky
kanzelley 675, 134, 42;
im plur. veraltet; sing.: eine nationale u. (
der juden) schelten G. Freytag 16, 324; Kürnberger
herzenssachen 286. 33) kraft 3
entsprechend: unchraft muotis
infirmitas mentis Notker
ps. 54, 4 (
vgl. 5); die u. des freien willens sei nur, dasz er ... keine göttlichen gaben hervorbringen könne Ranke 2, 312 (
im anschlusz an die quelle des 16.
jhs.)
; die zeit der '
kraftgeister',
besonders empfindlich für das fehlen der '
kraft',
hat dem worte neuen aufschwung verliehen: oft sitzet der charakter der kraft oder u. eines menschen blosz im kinne Lavater
phys. fragm. 4, 263; es hängen sich so viel menschen an mich, dasz ich oft über meine u. weinen möchte Schubart
briefe 2, 250; Kern
sendschreiben 67; die weihe der unkraft
Z. Werner 1814 (
vgl. s. 22
und unten 5); Görres 5, 114; Fontane I 2, 568; die u. zu ehren heucheln Fr. L. Jahn 2, 315; Heine 6, 282; Dahn
kampf um Rom 2, 186; Stifter
briefe 1, 138. 44)
wie kraft 4
von naturkräften: von veränderung der kräfften und unkräfften (
vgl. sp. 26, 3) zu philosophieren Parac. 2, 309 C.
veraltet. 55) kraft 5
entsprechend im geistlichen sinne (
vgl. Notker
u. Z. Werner
unter 3): krafft wird ynn unkrafft volkomen (
virtus in infirmitate perficitur 2. Cor. 12, 3) Luther 19, 146, 6; 18, 315, 16; 28, 88, 30; 28, 137, 10
W.; durch menschen unkrafft und unwitze 5, 2
a Jen.; Agricola
sprichw. h 1
a; Kirchhof
wend. 3, 20; Sachs 18, 181, 18
G.; v. Meyern
kl. schr. 2, 117; verlasz uns nicht, wenn unkraft uns befallen (
cum defecerit virtus nostra Notker) Scheffel 2, 17; Rosegger 13, 109.
[] 66) kraft 10
entsprechend, rechtlich: das sal an ym selbs von uncrefften und vornicht sin (1475)
lehnsurk. Schlesiens 2, 84; von unwürden und unkräfften sein Sattler
phras. 285; Schmeller 1, 1364;
acta publ. 4, 146
Palm; Lohenstein
Arm. 1, 61
b; Kelch
Liefl. historia (1695) 414; sol der contract gentzlich zuo unkrefften sin (1520)
Freiburger stadtrechte 44
a; zu unkräfften kommen Fischart
binenk. 49
b, erkant werden
bibl. hist. 281, 20
Kurz; Staub - Tobler 3, 789; dasz dadurch ... obgedachter majestät brieff ... gantz zu unkräfften gesetzet Fr. Baumann
schles. landsmann (1621) 9; unkraft,
sing. Schottel
hauptspr. 650;
veraltet. 77)
aus der rechtlichen bed. verallgemeinert (
vgl.machen Christum .. gantz von unkräfften, unnutz und zu nichten Fischart
binenk. 95
a)
oder an 2
anknüpfend (
vgl. unkräftig 2 e): die taufe nützet vielen nichts, nicht aus irer unkrafft oder unvolkomenheit, sondern .. Luther 6, 293
b Jen.; Adelphus
Barbarossa 28
b; von der spur und irer gelegenestem gesuch und bester krafft und unkrafft Sebiz
feldb. 575.
veraltet. —