unglimpf,
m. ,
gegenstück zu glimpf (
s. d.).
ags. ungelimp,
n., m.; neunorw. ulempa,
dän. ulempe,
altschwed. olämpa,
f., schwed. olämplighet
entlehnt; ahd. ungelimfe,
f. n., nach form und geschlecht nicht eindeutig (
s. Notker
unter 2, Graff 2, 216);
mhd. ungelimpf,
m., neben md. ungelimp, ungelump;
mnd. un(ge)limp,
m., un(ge)limpe,
n.; mnl. ongelimp(e),
n., f. den formerscheinungen bei g(e)limpf
entsprechend steht neben dem allgemein gültigen m. frühnhd. auch f. (alle unglimpff Frischlin
d. dicht. 170; zuo merung seiner unglimpff und schand H. Boner
Plut. 121)
und n. (mein u. Fischart
kehrab 787; J. Ayrer 76, 14
K.; durch erwiesnes ungelimpf
Rein. Fuchs 1650, 186, 147),
neben un(ge)limpf
auch ung(e)limpfe, ungelimpfen (
gesta Rom. 82
Keller; O. v. Wolkenstein 60, 36
Schatz; städtechron. 5, 360, 5; Jelinek 764; groszen ungelimpffn Unrest
chron. Carinthiacum 501; disen neid und unglimpffen Dietz
annales 1621, 60),
mit dem subst. inf. zusammenflieszend (möcht im so vill nit unglimpfens bringen
Wilw. v. Schaumb. 68),
neben ung(e)limpf
auch onglumpf Knebel
chr. v. Kaisheim 274, unglümpff Franck
chronica (1531) 223
a, Butschky
Pathm. 673, Ungelumb, Ungelump(t);
vgl. unten 2, Staub-Tobler 2, 628.
während unglimpf
vereinzelt schon in mhd. texten vorkommt, reicht anderseits ungelimpf
ins 17.
jh.; die gesondert betrachteten bedeutungen greifen oft in einander über. Heynatz (
antib. 2, 523)
empfahl (Wielands
Amadis 14, 2)
statt zum u. nachsagen: zur verunglimpfung; Paul (
wb. 222
a)
bezeichnet u.
als wenig mehr üblich, Weigand-Hirt 2, 1117
als veraltet. angesichts der reichlichen verwendung in der neueren prosa kann davon wohl nicht die rede sein, und die dichterspr. verzichtet noch weniger auf den ererbten besitz des wortes. allerdings scheint u.
in heutigen mundarten zurückgewichen zu sein, wie auch rechts- und geschäftsspr. (
s. ollapatrida unter 4 c)
es aufgegeben haben. die hauptschuld an der einbusze trägt der untergang des alten v. limpfen
und die irrwege der etymologie (
s. 3; 'limpfen
ist von leumut, fama,
bösen leumut oder leumund machen, verleumden' Zedler 48, 80).
einigen halt findet heutiges sprachgefühl in glimpflich, unglimpflich, verunglimpfen, verunglimpfung. 11)
wie ags. gelimpan
accidere, evenire, contingere, gelimp,
n., casus, accidens, heiszt ags. ungelimp (
mengl. unilimpe)
infortunium, dura, mislimp,
n. casus asper, excessus (
zur ableitung Fick-Torp 363; Falk-Torp 634),
altschwed. olämpa
ungelegenheit, dän. ulempe
ungemach, beschwerde, unannehmlichkeit, übelstand; bei uns ist der begriff u.
zwar meistens durch die rechtssprachliche entwicklung (
s. 4)
hindurchgegangen, hat aber wahrscheinlich in der heute veralteten bed. '
unheil, unglück, unzuträglichkeit'
den alten zusammenhang noch nicht völlig aufgegeben: nu hüet iuch vor unglimphe Wolfram
Willehalm 276, 2; Hätzlerin I 3 10;
hist. volksl. 148, 384
Lil.; Tirol. pass. 477, 80
Wackernell; abgeschwächt Elisabeth 7028
Rieger; O. v. Wolkenstein 60, 36
Schatz; Camarinam moves (Erasmus
adagia 1554, 40) du machst dir selbst ein unglimpff Alberus 138
b; kurtzweilig schertz und schimpff bringt offt viel unglimpff,
auch nach 2
weisend Petri M m 2
b.
vgl.ungefäll,
unglück und schlump. 22)
das geschehen (
contingere)
wird auf gewohnheit, sitte und sittlichkeit als norm bezogen, woraus sich die bed. '
unangemessenheit, unschicklichkeit, ungebührlichkeit'
ergibt: nû ist ouh ungelimfe zechedenne, daz peidiu gelogen sîn Notker 1, 528, 12
P.; manigiu ungelimphe
inconvenientia 1, 554, 9;
syn. mit unvuoge
gesammtabenteuer 1, 337, 17; Konr. v. Würzburg
Troj. kr. 8928; '
seltsamkeit'
nonne v. Engelthal 30, 25;
allgemein: mnd. wb. 5, 47
b (
vgl. schwed. olämplig);
mnl. wb. 5, 595; zwar ist es ain ungelimpf (
arg, nicht in der ordnung) H. Kaufringer 15, 91 (
vgl. 4 e); Minos der sasz erschrocken gar, do er den ungelimpf ersach Wickram 7, 353, 183 (
Scylla hat ihrem vater das goldne haar ausgerauft); noch aber stehet mir ein gröszerer unglimpff ... zuverantworten, nemlich wie ich als ein geringfügige person so frevelich sein dOerffe eu. königliche würde ... zu bemühen Fronsperger
kriegsb. 2, x 4
b; die groszen herren underhalten mit fürsatz an ihren höfen, auff die sie allen unglimpff underweilen richten mOegen Fr. Wilhelm
sprichw. reg. f y
α 341 (
vgl. Limb. chron. 72, 24
Wysz und unten 4 e);
ganz ins geistlich - moralische gewendet: predicanten fewer zeug (1619) A 2
b; dasz ... mir jenes leben zeugnüsz könne geben, dasz ein unglimpff meiner hand keinen deines volcks entwand S.
Dach 595
Österley; vgl.schande,
schmach,
unehre,
unbill, schimpf; Kramer-Moerbeek 2, 367
b glossieren '
onbescheidenheid, onbezonnenheid'.
alterthümelnd wie mit glimpf
honeste: wenn ich euch frage, nehmt's in gutem sinne! ich frag' es nicht um irgend unglimpfs willen Uhland
ged. 1, 337.
sonst veraltet. persönlich der ungelimph
mhd. minnereden 1, 7, 353; Lodz Ungelumb (1332)
Frankf. urkundenb. 2, 339; Ungelimp (1348) Diefenbach-Wülcker 885; wie pistu so gar ein ungelimpf
Tirol. passionsspiele 99
Wackernell; vgl. unglimpfer, -erin Stieler 673, herr Glymphyus Brant
narrenschiff 72, 7, glimpffioner Schmeller 1, 1475, de grouen unlympigen
gl. zu Rein. Vosz 1, 6; Unglump gieng in die kirch, stiesz die heiligen umb Scheit
Grob. zu 534; Ungelumpt stig ubern tisch, warff gläser umb
zu 2629; unglumpf,
ein vielesser, nimmersatt Staub-Tobler 2, 628;
schriftsprachlich veraltet. 33)
mit stärkerer beziehung auf gesinnung und gefühl '
mangel an nachsicht und rücksicht, ungunst, unliebenswürdigkeit, ernst'
; die sprachwissenschaft des 17.
und 18.
jhs. leitet glimpf,
theilweise mit ausdrücklicher berufung auf die vielleicht secundäre physische bed. des adj. glimpfig (
s. Fischer schwäb. wb. 3, 697)
von gelinde
ab und gelangt für u.
zur ansetzung der bedeutungen severitas, vehementia, austeritas (Stieler),
immoderatio, ira, indignatio (Haltaus),
dureté, rudesse (Schwan),
ähnlich noch Adelung, Campe, Stalder: und itzt der widersacher höchste kunst sey, etliche stücke aus meinen büchern zu zwacken, die sie zu meinem unglimpff drehen und martern, damit zu vertunckeln und den leuten zu verbergen, was daneben stehet für meinen glimpff Luther 6, 116
a Jen. (
vgl. 4 b); holdseliger schimpff on ungelimpff
Forsters fr. t. liedlein 14
ndr.; vgl. guter, lieblicher glimpf Fischer 3, 695, gütiger glimpf Luther
bei Dietz
wb. 2, 137
b; er sprach: mein feindt ist also spitzig, schertzwort und schwenck, abeis und schimpff deut er mir als zu ungelimpf H. Sachs 7, 239, 15
K., gs. zum besten kern 18 (
vgl. 4 a); Kirchhof
wend. 2, 157; weil ich den fal (
der jungfrau durchs sieb) hielt für kein schimpff, sonder für neidischen unglimpff Sachs 21, 263, 14
G.; so ist mir das (
die verfolgung des schafwidders in der hundshaut) kein schertz noch schimpff, sünder ein ernst gar mit unglimpff 17, 481, 20
G., gth. Staub-Tobler 2, 626, 1 c;
die n. schriftspr. hat das veralten lassen (
mundartlich u.
subst., wer nicht nachsichtig ist Staub-Tobler 2, 627)
oder höchstens in formelhafter verbindung bewahrt: das er sie mit glympff oder unglimpff überkeme
Terenz (1499) 63
b (
vgl. mit fug und unfug
sp. 601, 3);
gottes wort tringt fur und fur mit glimpff und unglympff Eberlin v. Günzburg 3, 132
ndr.; niemen ze lieb noch ze leid, ze glimpf noch ze u. H. Fründ
chronik 2; in ernst wie scherz, glimpf wie u., hörte sich's ihm prächtig zu Holtei
vierzig jahre 5, 56.
vgl. glimpf geben Staub-Tobler 2, 625. 44)
rechtssprachlich verengt und verdichtet (
in der schriftspr. bis auf einige fälle unter b, e
veraltet). 4@aa)
unrecht, schuld, verfehlung, mangel an rechtsgrund, -anspruch, -befugnis; Haltaus 1940; Staub-Tobler 2, 626; Fischer 3, 694; Schmeller 1, 1475: wie di sach an ir selbs ist oder wer recht oder ungelimph dorinn hät (1450)
lehnsurk. Schles. 2, 57; loseten, horchten, wer da glimpf oder u. hätte J. v. Müller 26, 211; da dir dein glimpf und u. unsers verstehens vermeldet
herzog Georg zu Sachsen bei Luther 3, 190
b Jen.; damit ... auch jeder wieder erfahren möchte seinen glimpf und u.
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 59, Haltaus 729;
vgl. glimpf und unfueg Staub-Tobler 626
und unfug B 2 a; den u. bringen
ins unrecht setzen Staub-Tobler
ebda; und müsten den ungelimpf (
vorwurf, schuld zu sein, vgl. d) darzu gehabt haben
städtechron. 2, 129, 15; 17
ff.; 21
f.; u. geben Suso
d. schr. 136, 29
B.; u. und unrecht geben Tschudi
chr. 1, 70;
vgl. glimpf und recht, gl. und fug; uns ... mit unglimpf beschweren Luther 4, 466
a Jen., mit glimpf
jure. ob sy ym etwas ursach oder unglympff gegen dem künig Soldan (
verfehlung in den augen des k.) möchten finden
Fortunatus 80
ndr. (
bei H. Kaufringer 3, 130
ist glimpf
anlasz zu gerichtlicher und persönlicher verfolgung). 4@bb)
gth. v. glimpf '
billigkeit': Fischer 3, 695, 2;
vgl. unbill.
mit 3
und 4 d
sich kreuzend und allgemein werdend: wer etwa .. unrecht gethan, der schämt sich dessen selbst. strafft und vermahnet man ihn mit unglimpff, so wird aus der scham zorn und hasz Lehman 2, 815;
für unkindness A. W. Schlegel
Shak. 2, 118 (
Jul. Cäsar 4, 3); ihr thut mir u. (
wrong), laszt ihr so mich stehen 1, 18 (
Romeo u. Julia 1, 1;
vgl. 2, 5). 4@cc)
rechtsnachtheil, schaden, tort (
leicht aus dem rechtlichen ins allgemeine sich wendend).
gs. glimpf
rechtsvortheil, vorschub, erfolg Fischer 3, 695, 3: Jelinek 764; Staub-Tobler 2, 627;
mnl. wb. 5, 594
f.; was du redest in meinung dinem widerteil zu unglimpff ze dienen, das dient gantz wider dich selbs Riederer d 1
a; dann es um nichten kain langer vertzug gedulden kan und mag one groszen unglympf
urk. z. g. d. schwäb. bundes 29;
rechtsnachtheiliger schlusz, anwurf Knebel
chr. v. Kaisheim 274;
allgemeiner faren sie (
die gegner) aber mit freveler gewallt, ... ist yhr unglimpff und spott szo viel gröszer Luther 10, 2, 154, 4
W.; ymanden zu unglimph und zu schaden (1436)
lehnsurk. Schles. 1, 382; zu u. und nachteyl Agricola
sprichw. N 4
b; Mathesius
Syrach 26
a; ... schaffen hin und wieder so viel unglimpffs, das ich deme nicht alle geraten kan
städtechron. 27, 190, 28; er (
Fuchsmundi als küchenangestellter) soll, so viel in seinen kräfften und vermögen stehet, allen schimpf und schaden, unglimpff und nachteil von uns und unserm hochfreyherrlichen hoffgesind abwenden
ollap. 117, 26
ndr.; zungelimph dem cardinal
zum torte Ottokar
reimchron. 48051,
fastnachtsp. 200, 19
Keller; der ... maynet Reinharten einen u. auffzuodrechen Wickram 1, 246, 20; zu u.
zum spott O. v. Wolkenstein 117, 121
Sch.; c
und d
vereinigend und den begriff verallgemeinernd Hiob 7690
Karsten. 4@dd)
ehrverminderung durch beschuldigung, vorwurf, kränkung, unehre, schande; dann beschuldigung überhaupt, vgl. 5.
criminatio Stieler, Haltaus 1940;
mnd. wb. 5, 47
a;
vgl. unglimpfung: wie ...
N. ... uns und den unsern söllichen ungelimpff gegen in und auch gegen andern zuogezogen habe
städtechr. 5, 348, 30 (
Augsburg 1416); 13, 559, 29; J. Unrest
chron. Carinth. 501; Sattler
phraseol. 379.
allgemeiner Luther 33, 334, 35
W.; Fausts eltern viel schuld und u. fürwerfen (
ungerechterweise schuld geben)
Faust volksb. 12
ndr. 4@ee)
unglimpfliches vorgehen, rücksichtslose behandlung, miszhandlung, unbill, auch mildernd für entehrung u. dgl.: mnd. wb. 5, 47
a von Joseph; nach dem ungelimpfen gieng si die rew an und beweint pitterlichen ir mAegdleich ere
gesta Rom. 82
Keller; die leute erzählen hier, die deutschen truppen hätten einem irischen landmädchen u. angethan J. G. Kohl
reisen in Irland 2, 185; Gries
verl. Roland 2, 130; da pfleget man kein zugefügtes urtheil und verübeten ungelimpf zu rechen
Rein. Fuchs (1650) 407; dasz der, welcher einen fürnehmen mann ... schläget, ... dem beleidigten für den u. eine grosze geldstraffe geben musz A. Olearius
reisebeschr. (1699) 97. dasz, was man mit gutem erheben kan, nicht sol mit u. und durch gewalt erhalten und zuwegbracht werden
harnisch aus fleckenland 293;
gs. gütiger glimpf Luther 4, 563
b Jen.; wenn ihm unglimpf widerführe Schiller 12, 270 (
Wallensteins tod 3, 2); Hebbel I 4, 116; drum werden sie den alten mann bedrängen und niemand ist, der ihn vor unglimpf schütze Schiller 14, 295 (
Wilhelm Tell 1, 4); einen u. thun Göthe 9, 181, 197 (
Romeo u. Jul.)
W.; dem blutigen u. (
judenfolterungen) glauben zu schenken Heine 6, 209.
vgl. mit beleidigendem u. behandeln Ranke 25/26, 260 (
s. 5). 55)
ähnlich wie schon in einigen unter 4 b
und e
angeführten fällen der neueren spr., sind in dem heutigen, seit frühnhd. zeit ausgeprägten begriffe des unglimpfesdie bedeutungen 2, 3, 4
zusammengeflossen; die vorstellungen der ungebührlichkeit, abgunst, des unrechts, der unbilligkeit, rücksichtslosigkeit, üblen behandlung sind oft stark vom gefühl betont (Hamann 1, 180),
oft ist der ausdruck eulogisch; nahe steht verunglimpfung (Butschky
Pathmos 758);
an stelle des rechtlichen hintergrundes (
den ältere verwendung noch mehr oder weniger durchfühlen läszt, z. b. Hiob 4482
Karsten; Luther 8, 174
a; 5, 291
a Jen.; Faber
Saxonia 105
b; S. Franck
chronica 223
a;
b. d. liebe 83
c; Wackernagel
kirchenlied 3, 1036; v. Meteren
Niderl. krieg 412
a; Sattler
phraseologey 379; Micrälius 3, 604; Chemnitz 2, 325; 1, 7; Harsdörffer
secret. 2, 448; ein weib aber, die dergleichen begehet,
ihren mann bei andern verunglimpft, ... eröffnet mit des mannes u. auch ihre eigne schande Hohberg
georg. 1, 188)
tritt eine wendung ins allgemeine. ganz verwaschen ist Adelungs
erläuterung '
abwesenheit der nöthigen mäszigung in dem betragen gegen andere, abgeneigt, andern alle unangenehme empfindungen, so viel möglich; zu ersparen': in allen betrachtungen verdient S. ... mehr nachsicht, als u. und härte
allg. d. bibl. 6, 2, 286; wodurch ... die ehre des nationalgottes gegen den u. einer härte ... gerettet und ... wieder hergestellt wird Göthe 7, 159, 25
W. (
noten u. abh. zum westöstl. divan); für verübten (
literarischen) u. satisfaction geben Hebbel I 11, 389; mit dem besten willen vermochte sie den heimlichen u., der ihrer jungfräulichen würde angethan war, nicht mehr so zu übel nehmen Heyse
ges. werke (1892) 13, 156.
die mischung der bedeutungen ist mannigfaltig z. b. bed. 4 d
mit 2: es pringt dir ungelimpff, das du us mir woltst treiben allhie den deinen schimpff Hätzlerin 15; wenn ihr vermeint, es sei unrühmlich, einem weibe zu gehorchen, so hättet ihr das bedenken sollen, ehe ihr mich zu eurer fürstin bestelltet; ist ein u. darinnen, so fällt er ganz auf euch zurück Musäus
volksm. 4, 96;
selten wird deutlich geschieden, z. b. es lest sich ehe schade denn u. oder scheltwort uberwinnen und verschmertzen Petri C c 2
a (
vgl. 4 d).
hauptsächlich handelt es sich um ehrverminderung (4 d
in verbindung mit 2
und 3): menger ... u. sagt
hist. volksl. 1, 271, 199
Lil.; der unglimpff mit lügen auff andere gedrungen musste auff ihren eigen kopf fallen Luther 5, 291
a Jen.; furcht vor u., hasz und lästerungen Bodmer
sammlung crit. poet. schr. 2, 125; er ist über jeden spott des leichtsinns so sehr wie über den u. des reisenden erhoben Stolberg 9, 298; etwas u. aushalten J. H. Voss
zeitmessung 6; den u., den sein Tibull von jungen absprechern erfuhr Vosz
an Göthe Göthejahrb. 5, 83; von dem u. wider Fichte und die helden der freiheitskriege Treitschke
aufsätze 1, 231; seine schüler ... leiden nicht, dasz ein u. über sein grab gehe Hebel 2, 417, 4
B.; E. Gerhard
ak. abh. 2, 81;
oder um üblen leumund, verdächtigung, verkleinerung, schmach, unehre, schande, miszbilligung, verspottung u. dgl.: ze grosz wuord mein ungelimpff Hätzlerin 268 (
bed. 4 d, c;
vgl. 1); das es mir nit pring ungelimpff, ob ich zu ltzel oder zu vil und nit begriffen het das zil
pfarrer v. Kalenberg 2172
Dollmayr; Puschmann
meistergesang 22
ndr.; daraus in grosz und grob ungelimpf und nachred entstund Füeterer
bayer. chron. 221; denn würd dem Neydhart diser schimpff reichen zu grossem ungelimpff bey der fürstin zu Oesterreich H. Sachs 17, 201, 12
G.; Sachs 4, 399, 8
K.; Petri M m 6
b; einen u. bringen Vogelgesang-Cochläus
v. Joh. Hussen 18
ndr.; in u. bringen Ringwaldt
lauter warheit 200; kommen
evangelia 6
a; damit nit ihrem evangelio ein u. darauss erfolgete Nas
antip. 4, 267
b;
in n. spr. büszt u.
die meisten dieser verbalen verbindungen (Sattler
phraseol. 379: den u. auff einen legen, ablegen, ihme ein grossen u. machen, dieser u. wird mir unschuldig aufftroche(n), es ist der u. auff ihm allein beruhet;
aus der geschäftssprache)
ein; denn ... was selber beschmissen ist, das wil sich mit ander leut u. schOen machen Mathesius
Sar. 214
b; Petri Y y 1
a; ohn jemands schmach und u. Nigrinus
v. zäuberern vorr. 3
b; gesetzt auch alles sei wahr, im wortverstande wahr, was seit erschaffung der welt die zunft der misogynen, die Juvenalen, die Popen und Crebillonen ihnen zum unglimpf nachgesagt Wieland
der neue Amadis 14, 2 (17, 134
Hempel); das grosze spott- und schandgemälhde, welches unter dem brückenthurm ... zu ihrem (
der juden) u. noch ziemlich zu sehen war Göthe 26, 236, 13
W.; der todten mit u. zu gedenken Gaudy 3, 133; die untersuchung ... kann ... dem künstler aber weder zur ehre, noch zum unglimpfe gereichen Börne 2, 83; u. erleiden J. Grimm
kl. schr. 1, 236.
von dem '
roten blatt, Rübezahl': nennen ... mein armes blatt ein lächerlich dummes geschreibsel, einen groben u., eine zehntägige plattheit Görres
ges. schr. 1, 14.
von unglimpflicher behandlung oder handlungsweise: dein u. (
your wrongs) würdigt mein geschlecht herab A. W. Schlegel
Shakespeare 1, 207 (
sommernachtstraum 2, 1); abwehr äuszeren ungelimpfs (
vgl. unbill) Göthe
gespr. 2, 27; Napoleon ... vor etwanigem u. retten zu wollen Fr. L. Jahn 2, 242; fort schleppte sie der böse greis geschwind, vor schand und unglimpf (
vgl. 4 e) immer sehr im zagen Gries
verliebter Roland 2, 130; den u., welchen er im dienste des herrn Ivo erfahren hatte Freytag 10, 189. —