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unglimpf

mhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unglimpf m.

Bd. 24, Sp. 985
unglimpf, m. , gegenstück zu glimpf (s. d.). ags. ungelimp, n., m.; neunorw. ulempa, n. ulempe, altschwed. olämpa, f., schwed. olämplighet entlehnt; ahd. ungelimfe, f. n., nach form und geschlecht nicht eindeutig (s. Notker unter 2, Graff 2, 216); mhd. ungelimpf, m., neben md. ungelimp, ungelump; mnd. un(ge)limp, m., un(ge)limpe, n.; mnl. ongelimp(e), n., f. den formerscheinungen bei g(e)limpf entsprechend steht neben dem allgemein gültigen m. frühnhd. auch f. (alle unglimpff Frischlin d. dicht. 170; zuo merung seiner unglimpff und schand H. Boner Plut. 121) und n. (mein u. Fischart kehrab 787; J. Ayrer 76, 14 K.; durch erwiesnes ungelimpf Rein. Fuchs 1650, 186, 147), neben un(ge)limpf auch ung(e)limpfe, ungelimpfen (gesta Rom. 82 Keller; O. v. Wolkenstein 60, 36 Schatz; städtechron. 5, 360, 5; Jelinek 764; groszen ungelimpffn Unrest chron. Carinthiacum 501; disen neid und unglimpffen Dietz annales 1621, 60), mit dem subst. inf. zusammenflieszend (möcht im so vill nit unglimpfens bringen Wilw. v. Schaumb. 68), neben ung(e)limpf auch onglumpf Knebel chr. v. Kaisheim 274, unglümpff Franck chronica (1531) 223a, Butschky Pathm. 673, Ungelumb, Ungelump(t); vgl. unten 2, Staub-Tobler 2, 628. während unglimpf vereinzelt schon in mhd. texten vorkommt, reicht anderseits ungelimpf ins 17. jh.; die gesondert betrachteten bedeutungen greifen oft in einander über. Heynatz (antib. 2, 523) empfahl (Wielands Amadis 14, 2) statt zum u. nachsagen: zur verunglimpfung; Paul (wb. 222a) bezeichnet u. als wenig mehr üblich, Weigand-Hirt 2, 1117 als veraltet. angesichts der reichlichen verwendung in der neueren prosa kann davon wohl nicht die rede sein, und die dichterspr. verzichtet noch weniger auf den ererbten besitz des wortes. allerdings scheint u. in heutigen mundarten zurückgewichen zu sein, wie auch rechts- und geschäftsspr. (s. ollapatrida unter 4 c) es aufgegeben haben. die hauptschuld an der einbusze trägt der untergang des alten v. limpfen und die irrwege der etymologie (s. 3; 'limpfen ist von leumut, fama, bösen leumut oder leumund machen, verleumden' Zedler 48, 80). einigen halt findet heutiges sprachgefühl in glimpflich, unglimpflich, verunglimpfen, verunglimpfung. 11) wie ags. gelimpan accidere, evenire, contingere, gelimp, n., casus, accidens, heiszt ags. ungelimp (mengl. unilimpe) infortunium, dura, mislimp, n. casus asper, excessus (zur ableitung Fick-Torp 363; Falk-Torp 634), altschwed. olämpa ungelegenheit,n. ulempe ungemach, beschwerde, unannehmlichkeit, übelstand; bei uns ist der begriff u. zwar meistens durch die rechtssprachliche entwicklung (s. 4) hindurchgegangen, hat aber wahrscheinlich in der heute veralteten bed. 'unheil, unglück, unzuträglichkeit' den alten zusammenhang noch nicht völlig aufgegeben: nu hüet iuch vor unglimphe Wolfram Willehalm 276, 2; Hätzlerin I 3 10; hist. volksl. 148, 384 Lil.; Tirol. pass. 477, 80 Wackernell; abgeschwächt Elisabeth 7028 Rieger; O. v. Wolkenstein 60, 36 Schatz; Camarinam moves (Erasmus adagia 1554, 40) du machst dir selbst ein unglimpff Alberus 138b; kurtzweilig schertz und schimpff bringt offt viel unglimpff, auch nach 2 weisend Petri M m 2b. vgl.ungefäll, unglück und schlump. 22) das geschehen (contingere) wird auf gewohnheit, sitte und sittlichkeit als norm bezogen, woraus sich die bed. 'unangemessenheit, unschicklichkeit, ungebührlichkeit' ergibt: nû ist ouh ungelimfe zechedenne, daz peidiu gelogen sîn Notker 1, 528, 12 P.; manigiu ungelimphe inconvenientia 1, 554, 9; syn. mit unvuoge gesammtabenteuer 1, 337, 17; Konr. v. Würzburg Troj. kr. 8928; 'seltsamkeit' nonne v. Engelthal 30, 25; allgemein: mnd. wb. 5, 47b (vgl. schwed. olämplig); mnl. wb. 5, 595; zwar ist es ain ungelimpf (arg, nicht in der ordnung) H. Kaufringer 15, 91 (vgl. 4 e); Minos der sasz erschrocken gar, do er den ungelimpf ersach Wickram 7, 353, 183 (Scylla hat ihrem vater das goldne haar ausgerauft); noch aber stehet mir ein gröszerer unglimpff ... zuverantworten, nemlich wie ich als ein geringfügige person so frevelich sein dOerffe eu. königliche würde ... zu bemühen Fronsperger kriegsb. 2, x 4b; die groszen herren underhalten mit fürsatz an ihren höfen, auff die sie allen unglimpff underweilen richten mOegen Fr. Wilhelm sprichw. reg. f y α 341 (vgl. Limb. chron. 72, 24 Wysz und unten 4 e); ganz ins geistlich - moralische gewendet: predicanten fewer zeug (1619) A 2b; dasz ... mir jenes leben zeugnüsz könne geben, dasz ein unglimpff meiner hand keinen deines volcks entwand S. Dach 595 Österley; vgl.schande, schmach, unehre, unbill, schimpf; Kramer-Moerbeek 2, 367b glossieren 'onbescheidenheid, onbezonnenheid'. alterthümelnd wie mit glimpf honeste: wenn ich euch frage, nehmt's in gutem sinne! ich frag' es nicht um irgend unglimpfs willen Uhland ged. 1, 337. sonst veraltet. persönlich der ungelimph mhd. minnereden 1, 7, 353; Lodz Ungelumb (1332) Frankf. urkundenb. 2, 339; Ungelimp (1348) Diefenbach-Wülcker 885; wie pistu so gar ein ungelimpf Tirol. passionsspiele 99 Wackernell; vgl. unglimpfer, -erin Stieler 673, herr Glymphyus Brant narrenschiff 72, 7, glimpffioner Schmeller 1, 1475, de grouen unlympigen gl. zu Rein. Vosz 1, 6; Unglump gieng in die kirch, stiesz die heiligen umb Scheit Grob. zu 534; Ungelumpt stig ubern tisch, warff gläser umb zu 2629; unglumpf, ein vielesser, nimmersatt Staub-Tobler 2, 628; schriftsprachlich veraltet. 33) mit stärkerer beziehung auf gesinnung und gefühl 'mangel an nachsicht und rücksicht, ungunst, unliebenswürdigkeit, ernst'; die sprachwissenschaft des 17. und 18. jhs. leitet glimpf, theilweise mit ausdrücklicher berufung auf die vielleicht secundäre physische bed. des adj. glimpfig (s. Fischer schwäb. wb. 3, 697) von gelinde ab und gelangt für u. zur ansetzung der bedeutungen severitas, vehementia, austeritas (Stieler), immoderatio, ira, indignatio (Haltaus), dureté, rudesse (Schwan), ähnlich noch Adelung, Campe, Stalder: und itzt der widersacher höchste kunst sey, etliche stücke aus meinen büchern zu zwacken, die sie zu meinem unglimpff drehen und martern, damit zu vertunckeln und den leuten zu verbergen, was daneben stehet für meinen glimpff Luther 6, 116a Jen. (vgl. 4 b); holdseliger schimpff on ungelimpff Forsters fr. t. liedlein 14 ndr.; vgl. guter, lieblicher glimpf Fischer 3, 695, gütiger glimpf Luther bei Dietz wb. 2, 137b; er sprach: mein feindt ist also spitzig, schertzwort und schwenck, abeis und schimpff deut er mir als zu ungelimpf H. Sachs 7, 239, 15 K., gs. zum besten kern 18 (vgl. 4 a); Kirchhof wend. 2, 157; weil ich den fal (der jungfrau durchs sieb) hielt für kein schimpff, sonder für neidischen unglimpff Sachs 21, 263, 14 G.; so ist mir das (die verfolgung des schafwidders in der hundshaut) kein schertz noch schimpff, sünder ein ernst gar mit unglimpff 17, 481, 20 G., gth. Staub-Tobler 2, 626, 1 c; die n. schriftspr. hat das veralten lassen (mundartlich u. subst., wer nicht nachsichtig ist Staub-Tobler 2, 627) oder höchstens in formelhafter verbindung bewahrt: das er sie mit glympff oder unglimpff überkeme Terenz (1499) 63b (vgl. mit fug und unfug sp. 601, 3); gottes wort tringt fur und fur mit glimpff und unglympff Eberlin v. Günzburg 3, 132 ndr.; niemen ze lieb noch ze leid, ze glimpf noch ze u. H. Fründ chronik 2; in ernst wie scherz, glimpf wie u., hörte sich's ihm prächtig zu Holtei vierzig jahre 5, 56. vgl. glimpf geben Staub-Tobler 2, 625. 44) rechtssprachlich verengt und verdichtet (in der schriftspr. bis auf einige fälle unter b, e veraltet). 4@aa) unrecht, schuld, verfehlung, mangel an rechtsgrund, -anspruch, -befugnis; Haltaus 1940; Staub-Tobler 2, 626; Fischer 3, 694; Schmeller 1, 1475: wie di sach an ir selbs ist oder wer recht oder ungelimph dorinn hät (1450) lehnsurk. Schles. 2, 57; loseten, horchten, wer da glimpf oder u. hätte J. v. Müller 26, 211; da dir dein glimpf und u. unsers verstehens vermeldet herzog Georg zu Sachsen bei Luther 3, 190b Jen.; damit ... auch jeder wieder erfahren möchte seinen glimpf und u. M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 59, Haltaus 729; vgl. glimpf und unfueg Staub-Tobler 626 und unfug B 2 a; den u. bringen ins unrecht setzen Staub-Tobler ebda; und müsten den ungelimpf (vorwurf, schuld zu sein, vgl. d) darzu gehabt haben städtechron. 2, 129, 15; 17 ff.; 21 f.; u. geben Suso d. schr. 136, 29 B.; u. und unrecht geben Tschudi chr. 1, 70; vgl. glimpf und recht, gl. und fug; uns ... mit unglimpf beschweren Luther 4, 466a Jen., mit glimpf jure. ob sy ym etwas ursach oder unglympff gegen dem künig Soldan (verfehlung in den augen des k.) möchten finden Fortunatus 80 ndr. (bei H. Kaufringer 3, 130 ist glimpf anlasz zu gerichtlicher und persönlicher verfolgung). 4@bb) gth. v. glimpf 'billigkeit': Fischer 3, 695, 2; vgl. unbill. mit 3 und 4 d sich kreuzend und allgemein werdend: wer etwa .. unrecht gethan, der schämt sich dessen selbst. strafft und vermahnet man ihn mit unglimpff, so wird aus der scham zorn und hasz Lehman 2, 815; für unkindness A. W. Schlegel Shak. 2, 118 (Jul. Cäsar 4, 3); ihr thut mir u. (wrong), laszt ihr so mich stehen 1, 18 (Romeo u. Julia 1, 1; vgl. 2, 5). 4@cc) rechtsnachtheil, schaden, tort (leicht aus dem rechtlichen ins allgemeine sich wendend). gs. glimpf rechtsvortheil, vorschub, erfolg Fischer 3, 695, 3: Jelinek 764; Staub-Tobler 2, 627; mnl. wb. 5, 594 f.; was du redest in meinung dinem widerteil zu unglimpff ze dienen, das dient gantz wider dich selbs Riederer d 1a; dann es um nichten kain langer vertzug gedulden kan und mag one groszen unglympf urk. z. g. d. schwäb. bundes 29; rechtsnachtheiliger schlusz, anwurf Knebel chr. v. Kaisheim 274; allgemeiner faren sie (die gegner) aber mit freveler gewallt, ... ist yhr unglimpff und spott szo viel gröszer Luther 10, 2, 154, 4 W.; ymanden zu unglimph und zu schaden (1436) lehnsurk. Schles. 1, 382; zu u. und nachteyl Agricola sprichw. N 4b; Mathesius Syrach 26a; ... schaffen hin und wieder so viel unglimpffs, das ich deme nicht alle geraten kan städtechron. 27, 190, 28; er (Fuchsmundi als küchenangestellter) soll, so viel in seinen kräfften und vermögen stehet, allen schimpf und schaden, unglimpff und nachteil von uns und unserm hochfreyherrlichen hoffgesind abwenden ollap. 117, 26 ndr.; zungelimph dem cardinal zum torte Ottokar reimchron. 48051, fastnachtsp. 200, 19 Keller; der ... maynet Reinharten einen u. auffzuodrechen Wickram 1, 246, 20; zu u. zum spott O. v. Wolkenstein 117, 121 Sch.; c und d vereinigend und den begriff verallgemeinernd Hiob 7690 Karsten. 4@dd) ehrverminderung durch beschuldigung, vorwurf, kränkung, unehre, schande; dann beschuldigung überhaupt, vgl. 5. criminatio Stieler, Haltaus 1940; mnd. wb. 5, 47a; vgl. unglimpfung: wie ... N. ... uns und den unsern söllichen ungelimpff gegen in und auch gegen andern zuogezogen habe städtechr. 5, 348, 30 (Augsburg 1416); 13, 559, 29; J. Unrest chron. Carinth. 501; Sattler phraseol. 379. allgemeiner Luther 33, 334, 35 W.; Fausts eltern viel schuld und u. fürwerfen (ungerechterweise schuld geben) Faust volksb. 12 ndr. 4@ee) unglimpfliches vorgehen, rücksichtslose behandlung, miszhandlung, unbill, auch mildernd für entehrung u. dgl.: mnd. wb. 5, 47a von Joseph; nach dem ungelimpfen gieng si die rew an und beweint pitterlichen ir mAegdleich ere gesta Rom. 82 Keller; die leute erzählen hier, die deutschen truppen hätten einem irischen landmädchen u. angethan J. G. Kohl reisen in Irland 2, 185; Gries verl. Roland 2, 130; da pfleget man kein zugefügtes urtheil und verübeten ungelimpf zu rechen Rein. Fuchs (1650) 407; dasz der, welcher einen fürnehmen mann ... schläget, ... dem beleidigten für den u. eine grosze geldstraffe geben musz A. Olearius reisebeschr. (1699) 97. dasz, was man mit gutem erheben kan, nicht sol mit u. und durch gewalt erhalten und zuwegbracht werden harnisch aus fleckenland 293; gs. gütiger glimpf Luther 4, 563b Jen.; wenn ihm unglimpf widerführe Schiller 12, 270 (Wallensteins tod 3, 2); Hebbel I 4, 116; drum werden sie den alten mann bedrängen und niemand ist, der ihn vor unglimpf schütze Schiller 14, 295 (Wilhelm Tell 1, 4); einen u. thun Göthe 9, 181, 197 (Romeo u. Jul.) W.; dem blutigen u. (judenfolterungen) glauben zu schenken Heine 6, 209. vgl. mit beleidigendem u. behandeln Ranke 25/26, 260 (s. 5). 55) ähnlich wie schon in einigen unter 4 b und e angeführten fällen der neueren spr., sind in dem heutigen, seit frühnhd. zeit ausgeprägten begriffe des unglimpfesdie bedeutungen 2, 3, 4 zusammengeflossen; die vorstellungen der ungebührlichkeit, abgunst, des unrechts, der unbilligkeit, rücksichtslosigkeit, üblen behandlung sind oft stark vom gefühl betont (Hamann 1, 180), oft ist der ausdruck eulogisch; nahe steht verunglimpfung (Butschky Pathmos 758); an stelle des rechtlichen hintergrundes (den ältere verwendung noch mehr oder weniger durchfühlen läszt, z. b. Hiob 4482 Karsten; Luther 8, 174a; 5, 291a Jen.; Faber Saxonia 105b; S. Franck chronica 223a; b. d. liebe 83c; Wackernagel kirchenlied 3, 1036; v. Meteren Niderl. krieg 412a; Sattler phraseologey 379; Micrälius 3, 604; Chemnitz 2, 325; 1, 7; Harsdörffer secret. 2, 448; ein weib aber, die dergleichen begehet, ihren mann bei andern verunglimpft, ... eröffnet mit des mannes u. auch ihre eigne schande Hohberg georg. 1, 188) tritt eine wendung ins allgemeine. ganz verwaschen ist Adelungs erläuterung 'abwesenheit der nöthigen mäszigung in dem betragen gegen andere, abgeneigt, andern alle unangenehme empfindungen, so viel möglich; zu ersparen': in allen betrachtungen verdient S. ... mehr nachsicht, als u. und härte allg. d. bibl. 6, 2, 286; wodurch ... die ehre des nationalgottes gegen den u. einer härte ... gerettet und ... wieder hergestellt wird Göthe 7, 159, 25 W. (noten u. abh. zum westöstl. divan); für verübten (literarischen) u. satisfaction geben Hebbel I 11, 389; mit dem besten willen vermochte sie den heimlichen u., der ihrer jungfräulichen würde angethan war, nicht mehr so zu übel nehmen Heyse ges. werke (1892) 13, 156. die mischung der bedeutungen ist mannigfaltig z. b. bed. 4 d mit 2: es pringt dir ungelimpff, das du us mir woltst treiben allhie den deinen schimpff Hätzlerin 15; wenn ihr vermeint, es sei unrühmlich, einem weibe zu gehorchen, so hättet ihr das bedenken sollen, ehe ihr mich zu eurer fürstin bestelltet; ist ein u. darinnen, so fällt er ganz auf euch zurück Musäus volksm. 4, 96; selten wird deutlich geschieden, z. b. es lest sich ehe schade denn u. oder scheltwort uberwinnen und verschmertzen Petri C c 2a (vgl. 4 d). hauptsächlich handelt es sich um ehrverminderung (4 d in verbindung mit 2 und 3): menger ... u. sagt hist. volksl. 1, 271, 199 Lil.; der unglimpff mit lügen auff andere gedrungen musste auff ihren eigen kopf fallen Luther 5, 291a Jen.; furcht vor u., hasz und lästerungen Bodmer sammlung crit. poet. schr. 2, 125; er ist über jeden spott des leichtsinns so sehr wie über den u. des reisenden erhoben Stolberg 9, 298; etwas u. aushalten J. H. Voss zeitmessung 6; den u., den sein Tibull von jungen absprechern erfuhr Vosz an Göthe Göthejahrb. 5, 83; von dem u. wider Fichte und die helden der freiheitskriege Treitschke aufsätze 1, 231; seine schüler ... leiden nicht, dasz ein u. über sein grab gehe Hebel 2, 417, 4 B.; E. Gerhard ak. abh. 2, 81; oder um üblen leumund, verdächtigung, verkleinerung, schmach, unehre, schande, miszbilligung, verspottung u. dgl.: ze grosz wuord mein ungelimpff Hätzlerin 268 (bed. 4 d, c; vgl. 1); das es mir nit pring ungelimpff, ob ich zu ltzel oder zu vil und nit begriffen het das zil pfarrer v. Kalenberg 2172 Dollmayr; Puschmann meistergesang 22 ndr.; daraus in grosz und grob ungelimpf und nachred entstund Füeterer bayer. chron. 221; denn würd dem Neydhart diser schimpff reichen zu grossem ungelimpff bey der fürstin zu Oesterreich H. Sachs 17, 201, 12 G.; Sachs 4, 399, 8 K.; Petri M m 6b; einen u. bringen Vogelgesang-Cochläus v. Joh. Hussen 18 ndr.; in u. bringen Ringwaldt lauter warheit 200; kommen evangelia 6a; damit nit ihrem evangelio ein u. darauss erfolgete Nas antip. 4, 267b; in n. spr. büszt u. die meisten dieser verbalen verbindungen (Sattler phraseol. 379: den u. auff einen legen, ablegen, ihme ein grossen u. machen, dieser u. wird mir unschuldig aufftroche(n), es ist der u. auff ihm allein beruhet; aus der geschäftssprache) ein; denn ... was selber beschmissen ist, das wil sich mit ander leut u. schOen machen Mathesius Sar. 214b; Petri Y y 1a; ohn jemands schmach und u. Nigrinus v. zäuberern vorr. 3b; gesetzt auch alles sei wahr, im wortverstande wahr, was seit erschaffung der welt die zunft der misogynen, die Juvenalen, die Popen und Crebillonen ihnen zum unglimpf nachgesagt Wieland der neue Amadis 14, 2 (17, 134 Hempel); das grosze spott- und schandgemälhde, welches unter dem brückenthurm ... zu ihrem (der juden) u. noch ziemlich zu sehen war Göthe 26, 236, 13 W.; der todten mit u. zu gedenken Gaudy 3, 133; die untersuchung ... kann ... dem künstler aber weder zur ehre, noch zum unglimpfe gereichen Börne 2, 83; u. erleiden J. Grimm kl. schr. 1, 236. von dem 'roten blatt, Rübezahl': nennen ... mein armes blatt ein lächerlich dummes geschreibsel, einen groben u., eine zehntägige plattheit Görres ges. schr. 1, 14. von unglimpflicher behandlung oder handlungsweise: dein u. (your wrongs) würdigt mein geschlecht herab A. W. Schlegel Shakespeare 1, 207 (sommernachtstraum 2, 1); abwehr äuszeren ungelimpfs (vgl. unbill) Göthe gespr. 2, 27; Napoleon ... vor etwanigem u. retten zu wollen Fr. L. Jahn 2, 242; fort schleppte sie der böse greis geschwind, vor schand und unglimpf (vgl. 4 e) immer sehr im zagen Gries verliebter Roland 2, 130; den u., welchen er im dienste des herrn Ivo erfahren hatte Freytag 10, 189. —
17891 Zeichen · 476 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unglimpfst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    unglimpf , st. M. Vw.: s. ungelimpf (2)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unglimpf

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Unglimpf , des -es, plur. car. der Gegensatz des Glimpfes, die Abwesenheit der nöthigen Mäßigung in dem Betragen geg…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unglimpf

    Goethe-Wörterbuch

    Unglimpf [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Unglimpf

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    Unglimpf Band 2, Spalte 627 Unglimpf 2,627

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unglimpf

7 Bildungen · 5 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von unglimpf

un- + glimpf

unglimpf leitet sich vom Lemma glimpf ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unglimpf 2 Komponenten

ung+limpf

unglimpf setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unglimpf‑ als Erstglied (5 von 5)

unglimpfen

DWB

ung·limpfen

unglimpfen , verb. , gegenstück zu glimpfen, verb. ( s. d. ). mhd. ungelimpfen unangemessen, schonungslos behandeln, tadelnd vorwerfen, unan…

unglimpfig

DWB

unglimpfig , unglümpfig ( Scherz-Oberlin 2, 1843 ), unglümpig ( Scheit ), unglumpfig, adj. adv., gth. v. glimpfig, glumpfig ( s. d. ): ungli…

unglimpflich

DWB

unglimpf·lich

unglimpflich , adj. , adv., gth. v. glimpflich ( s. d. ), seitenstück zu unglimpf, adj., und unglimpfig. ags. ungelimplîc, -lîce; ahd. ungal…

unglimpflichkeit

DWB

unglimpflich·keit

unglimpflichkeit , f. : Campe ; am abend war er ( der pfarrer ) selber beim ball ... da trugen sich weniger unglimpflichkeiten ( s. unglimpf…

unglimpfung

DWB

unglimpf·ung

unglimpfung , f. : mit vil einfurung, u., mich ungerecht zu machen vermeinen urk. z. gesch. Max. I 430. vgl. verunglimpfung. —

Ableitungen von unglimpf (2 von 2)

verunglimpfen

DWB

verunglimpfen , v. , seit dem 15. jahrh. ( s. u. 2 a) belegt, seit dem 16. gebucht ( Alberus a 3 b , Frisius 57 a , 395 b , Maaler 436 c ), …

verunglimpfung

DWB

verunglimpfung , f. , seit ende des 15. jahrh. belegt ( Riederer, s. u. 2 ), aber erst im 18. u. 19. jahrh. sehr häufig. 1 1) anklage, besch…