ungewohnt,
part.-adj. adv. ,
gth. v. gewohnt (
s.gewohnen sp. 6499 ff.).
vgl.ungewohn,
ungewöhnt.
ahd. ungewonet
mhd. mnd. ungewont;
mnl. ongewoont;
engl. unwonted;
dän. uvant, ubevant. Martin-Lienhart 2, 832, Strodtmann
Osnabrück 264.
zu den formen, insbesondere zum zusammenflieszen mit ungewöhnt
s. gewohnen, gewohnt, gewöhnen, gewöhnt. 11)
prädicativ. gewohnt
α 1))
entsprechend, mit inf.: die (
jungfrau) sein (
vom weine) ze trincken ungewont was Arigo 109, 15; wer ... zu begreifen nicht ganz u. ist, wird mich ohnehin verstehen
Europa v. Schlegel 2, 114;
im bilde das meer ist so u., ... rügel und schleuszen ... zu vertragen Lohenstein
Arm. 2, 849
a.
mit nominalformen: des wir vormals ungewonet sein
ackermann a. B. 2, 7
B.; ein starcker junger ... der arbeyt ungewonet ist W. H. Ryff
spiegel (1544) 19
b; des fechtens Dedekind
christl. ritter B 1
b; du bist der wanderschaft u. Freytag 8, 217; ob es (
das mysterium) gleich in der tieffe erkannt ward, so war doch der author dieses noch gar ungewohnet J. Böhme 6, 56; der knabe aber war solchen kusz u. Freytag
bilder 1, 399; ich bin das laufen ungewohnt
nicht recht schriftsprachlich; eher u. (ungewöhnt) ans laufen, ermüdete er rasch; wie bei uns durchaus alle klassen der gesellschaft es u. sind öffentlich reden zu hören Schleiermacher I 5, 110;
das log. subj. im dativ: es ist dem armen weinlepper ungewont in krieg zu ziehen
Garg. 346
ndr. gewohnt
α 2))
entsprechend: wenn ich nu des teufels und der welt zorn ungewonet were Luther 38, 141, 14
W.; sein weib
M. war solcher trawrigkeit bey ihm ungewonet B. Krüger
Clawerts w. hist. 20
ndr.; uber dis sind die störche der kälte nicht allzu ungewohnet Prätorius
winterfl. 430; meine wangen sind der sanften hand der mutter u. Klinger
theater 1, 147; dasz er vorsteher worden was, welches man zuvor von ihm ungewonet war Agricola
sprichw. (1534) d 5
a; das bin ich bey ihn ungewont Rollenhagen
froschmeuseler C 8
a; dasz war der bauer ungewohnet Prätorius
anthrop. plut. 1, 420 (
dafür desz Grimm
sagen 1, 69; dessen 2, 84).
mit dem log. sub. (
obj.)
im dativ: dan ir (
der Limmat) war ungwont solch schnell schiffen Fischart
glückh. schiff 235; dieser mann predigte, welches mir ganz u. und fremde zu hören war
Leipz. av. 2, 137; dasz es ihm ordentlich u. sein mag, wenn ... Bettine
dies buch 1, 32; so sind die verhältnisse der römischen provinzen uns so u., dasz ... Niebuhr
röm. gesch. 1, 9; welches meinem zerstreuten geist u. war Freytag 4, 361;
ohne nähere dat. best.: es sich gar selten zutregt und gleichsam als ungewonet ist Reutter v. Speir
kriegsordn. 85; die lagerstätte war zu u. H. v. Barth
kalkalpen 178. 22)
attributiv. activisch aufgefaszt; von personen: (wir) fanden allda der leut ungewohnte moren S. Franck
weltb. 217
a; die kriegsungewohnten milizen Sanders 2, 1650
c;
die näheren bestimmungen werden im sinn ergänzt: der ungewohnte postbohte ist mit dem klepper gestürtzt Butschky
kanzelley 91; fuszpfade, die ... dem ungewohnten reiter entsetzen einflöszen Moltke 2, 293; die ungewohnte seele Göthe 19, 225, 3
W.; IV 4, 71, 10
W.; von körpertheilen: weil jede last ungewohnten schultern schwer fällt Ramler
einl. 1, 274; augen Wieland
Agathon 1, 280; Göthe 8, 286, 23
W.; hand Wieland
Oberon 8, 42; wange Tieck 2, 149;
von thieren: die bergdohle ... umkreist ... den ungewohnten gast H. v. Barth
kalkalpen 70; ein ungewohntes pferd reiten,
gern pass. umgedeutet, vgl. nl. ongewend
von thieren, von sachen: das des schwimmens ungewohnte fahrzeug Rückert 1, 427.
soweit wie bei mnl. nl. ongewent '
bedorven, dartel',
lux. onggewînt '
ungezogen'
ist die entwicklung nicht vorgedrungen. passivisch: von concretis: ein enges grünes ungewonecz wegelein (
vietta) Arigo 163, 15; speisz Sachs 2, 94, 17
K.; instrument Carbach
Liv. 133
b; stett Scheit
heimfart C 4
a; geflügel Fischart
glückh. schiff 225; gestalt
ehzb. 176, 20
H.; sonne Butschky
Pathmos 4; weg Möser 1, 179; bürde Schiller 11, 20; welt O. Jahn
Mozart 3, 102; ungewonet gut gedeyet am aller besten Petri V v 2
a.
von abstractis: ir wisset, wie es ein ungewonet ding ist einem jüdischen man, sich zu thun oder komen zu einem frembdlinge
apost. gesch. 10, 28; dienstperkeit Hedio
chron. Germ. M 5
b; geruch Eppendorff
Plin. 104; stunde Sebiz
feldb. 41; arbeit
Amadis 1, 46
K.; blatern bringt arbeit ungewohnt Waldis
Esop 1, 281
K.; ungewonte arbeit machet blattern, schwülen Kramer (1702) 2, 1322
b; Bauer-Collitz 108
a; Molema 303
b;
th. 9, 2616; Stieler 2495; ungewohnte arbeit macht schwielen Forster 7, 302; lebensart Göthe 23, 301, 20
W.; umstände Lotze
mikrok. 1, 66;
mit näheren bestimmungen: die von ihm uns sonst ungewohnte röthe der augen
med. maulaffe 11; die uns ungewohnten lebens- und wohnungseinrichtungen Scherer
kl. schr. 1, 709; einer bei Tieck ungewohnten kraft Vischer
krit. gänge n. f. 1, 2, 10
u. s. f. die bed. nähert sich der von ungewöhnlich II 1 b
ε (der ungewonten und doch glückfertigen schiffart Fischart
glückh. schiff 3
ndr.; welch ungewohnter anlasz A. W. Schlegel
Shak. 1, 116; 34)
und II 2: von berg-metall geballte feuer-klösze von so unsäglicher und ungewohnter grösze ... J. v. Besser (1732) 1, 52; die alten feinde der dominicaner erhoben sich mit ungewohnter kühnheit H. Grimm
Michelangelo 1, 172. 33)
in elliptischem und syntaktisch freierem gebrauch: wann ich aber des reitens ungewohnet ..., habe ich es nicht vollenden mögen Schweinichen 19; das pferd .., welches u. der sporen, noch mehr forttrang
Garg. 400
ndr.; Opitz
t. poemata 245, 18
ndr.; Opel - Cohn 263; Schiller 12, 310; ungewohnt zu reiten macht den hindern kranck Petri Vv 2
b (onghewoon riden maket den eers seer
mnl. wb. 5, 755); ungewonth macht bald müde, bringt blattern
ebda; Strodtmann
Osnabrück 264;
in nl. fassungen ist es subst.; mnl. wb. 5, 757;
nl. wb. 10, 1682; Molema 303
b. 44)
steigerungsformen: überhaupt aber haben alle wollüstigen wohl zu erwegen, dasz alle lust der sinnen empfindlicher ist, je ungewohnter sie ist Wolff
v. d. m. thun 310; die ungewohntesten anstrengungen,
doch häufiger ganz, recht, zu
u. dgl. ungewohnte (Raabe
hungerpastor 2, 241). 55)
adverb: dasz wird mir ubel und ungewohnet ankomen
engl. com. (1624) R r 4
b; nichts kommet ihm fremd und u. vor
disc. d. mahl. 3, 126; Grimm
kinder- u. hausmärchen 2, 91;
dem particip näher: ungewohnt drängt sich der freudenthau in diese männeraugen Körner 3, 25.
sonst allgemein ungewohnter weise: Fischart
glückh. schiff 679; Ebner-Eschenbach 2, 58; in ungewohnter weise H. Brunn
kl. schr. 3, 137. nach einer so u. langen entfernung Mörike 3, 62; da war's wieder so u. herzlich wohl Bräker 1, 166; etwas ungewohnt-feierliches Zschokke 22, 188. 66)
substantiviert: uns ungewohnten Luther 5, 529
a Jen.; bei deren anblick schon den ungewohnten ein schauer überläuft Peschel
völkerk. 328; bei dem seiner (
des champagners) ungewohnten Ebner-Eschenbach 2, 290; auch der ungewohnteste merkt ...; etwas ungewohntes Göthe
gespr. 8, 71; vieles ungewohnte Schleiermacher
Plato 6, 268; das ungewohnte einer längern wasserfahrt Körner 4, 200; das ungewohnte ihrer sitten und erscheinung, ihrer tracht oder gar ihrer hautfarbe Freytag 14, 49. —