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ungewohnt

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungewohnt part.-adj. adv.

Bd. 24, Sp. 936
ungewohnt, part.-adj. adv. , gth. v. gewohnt (s.gewohnen sp. 6499 ff.). vgl.ungewohn, ungewöhnt. ahd. ungewonet mhd. mnd. ungewont; mnl. ongewoont; engl. unwonted; n. uvant, ubevant. Martin-Lienhart 2, 832, Strodtmann Osnabrück 264. zu den formen, insbesondere zum zusammenflieszen mit ungewöhnt s. gewohnen, gewohnt, gewöhnen, gewöhnt. 11) prädicativ. gewohnt α 1)) entsprechend, mit inf.: die (jungfrau) sein (vom weine) ze trincken ungewont was Arigo 109, 15; wer ... zu begreifen nicht ganz u. ist, wird mich ohnehin verstehen Europa v. Schlegel 2, 114; im bilde das meer ist so u., ... rügel und schleuszen ... zu vertragen Lohenstein Arm. 2, 849a. mit nominalformen: des wir vormals ungewonet sein ackermann a. B. 2, 7 B.; ein starcker junger ... der arbeyt ungewonet ist W. H. Ryff spiegel (1544) 19b; des fechtens Dedekind christl. ritter B 1b; du bist der wanderschaft u. Freytag 8, 217; ob es (das mysterium) gleich in der tieffe erkannt ward, so war doch der author dieses noch gar ungewohnet J. Böhme 6, 56; der knabe aber war solchen kusz u. Freytag bilder 1, 399; ich bin das laufen ungewohnt nicht recht schriftsprachlich; eher u. (ungewöhnt) ans laufen, ermüdete er rasch; wie bei uns durchaus alle klassen der gesellschaft es u. sind öffentlich reden zu hören Schleiermacher I 5, 110; das log. subj. im dativ: es ist dem armen weinlepper ungewont in krieg zu ziehen Garg. 346 ndr. gewohnt α 2)) entsprechend: wenn ich nu des teufels und der welt zorn ungewonet were Luther 38, 141, 14 W.; sein weib M. war solcher trawrigkeit bey ihm ungewonet B. Krüger Clawerts w. hist. 20 ndr.; uber dis sind die störche der kälte nicht allzu ungewohnet Prätorius winterfl. 430; meine wangen sind der sanften hand der mutter u. Klinger theater 1, 147; dasz er vorsteher worden was, welches man zuvor von ihm ungewonet war Agricola sprichw. (1534) d 5a; das bin ich bey ihn ungewont Rollenhagen froschmeuseler C 8a; dasz war der bauer ungewohnet Prätorius anthrop. plut. 1, 420 (dafür desz Grimm sagen 1, 69; dessen 2, 84). mit dem log. sub. (obj.) im dativ: dan ir (der Limmat) war ungwont solch schnell schiffen Fischart glückh. schiff 235; dieser mann predigte, welches mir ganz u. und fremde zu hören war Leipz. av. 2, 137; dasz es ihm ordentlich u. sein mag, wenn ... Bettine dies buch 1, 32; so sind die verhältnisse der römischen provinzen uns so u., dasz ... Niebuhr m. gesch. 1, 9; welches meinem zerstreuten geist u. war Freytag 4, 361; ohne nähere dat. best.: es sich gar selten zutregt und gleichsam als ungewonet ist Reutter v. Speir kriegsordn. 85; die lagerstätte war zu u. H. v. Barth kalkalpen 178. 22) attributiv. activisch aufgefaszt; von personen: (wir) fanden allda der leut ungewohnte moren S. Franck weltb. 217a; die kriegsungewohnten milizen Sanders 2, 1650c; die näheren bestimmungen werden im sinn ergänzt: der ungewohnte postbohte ist mit dem klepper gestürtzt Butschky kanzelley 91; fuszpfade, die ... dem ungewohnten reiter entsetzen einflöszen Moltke 2, 293; die ungewohnte seele Göthe 19, 225, 3 W.; IV 4, 71, 10 W.; von körpertheilen: weil jede last ungewohnten schultern schwer fällt Ramler einl. 1, 274; augen Wieland Agathon 1, 280; Göthe 8, 286, 23 W.; hand Wieland Oberon 8, 42; wange Tieck 2, 149; von thieren: die bergdohle ... umkreist ... den ungewohnten gast H. v. Barth kalkalpen 70; ein ungewohntes pferd reiten, gern pass. umgedeutet, vgl. nl. ongewend von thieren, von sachen: das des schwimmens ungewohnte fahrzeug Rückert 1, 427. soweit wie bei mnl. nl. ongewent 'bedorven, dartel', lux. onggewînt 'ungezogen' ist die entwicklung nicht vorgedrungen. passivisch: von concretis: ein enges grünes ungewonecz wegelein (vietta) Arigo 163, 15; speisz Sachs 2, 94, 17 K.; instrument Carbach Liv. 133b; stett Scheit heimfart C 4a; geflügel Fischart glückh. schiff 225; gestalt ehzb. 176, 20 H.; sonne Butschky Pathmos 4; weg Möser 1, 179; bürde Schiller 11, 20; welt O. Jahn Mozart 3, 102; ungewonet gut gedeyet am aller besten Petri V v 2a. von abstractis: ir wisset, wie es ein ungewonet ding ist einem jüdischen man, sich zu thun oder komen zu einem frembdlinge apost. gesch. 10, 28; dienstperkeit Hedio chron. Germ. M 5b; geruch Eppendorff Plin. 104; stunde Sebiz feldb. 41; arbeit Amadis 1, 46 K.; blatern bringt arbeit ungewohnt Waldis Esop 1, 281 K.; ungewonte arbeit machet blattern, schwülen Kramer (1702) 2, 1322b; Bauer-Collitz 108a; Molema 303b; th. 9, 2616; Stieler 2495; ungewohnte arbeit macht schwielen Forster 7, 302; lebensart Göthe 23, 301, 20 W.; umstände Lotze mikrok. 1, 66; mit näheren bestimmungen: die von ihm uns sonst ungewohnte röthe der augen med. maulaffe 11; die uns ungewohnten lebens- und wohnungseinrichtungen Scherer kl. schr. 1, 709; einer bei Tieck ungewohnten kraft Vischer krit. gänge n. f. 1, 2, 10 u. s. f. die bed. nähert sich der von ungewöhnlich II 1 b ε (der ungewonten und doch glückfertigen schiffart Fischart glückh. schiff 3 ndr.; welch ungewohnter anlasz A. W. Schlegel Shak. 1, 116; 34) und II 2: von berg-metall geballte feuer-klösze von so unsäglicher und ungewohnter grösze ... J. v. Besser (1732) 1, 52; die alten feinde der dominicaner erhoben sich mit ungewohnter kühnheit H. Grimm Michelangelo 1, 172. 33) in elliptischem und syntaktisch freierem gebrauch: wann ich aber des reitens ungewohnet ..., habe ich es nicht vollenden mögen Schweinichen 19; das pferd .., welches u. der sporen, noch mehr forttrang Garg. 400 ndr.; Opitz t. poemata 245, 18 ndr.; Opel - Cohn 263; Schiller 12, 310; ungewohnt zu reiten macht den hindern kranck Petri Vv 2b (onghewoon riden maket den eers seer mnl. wb. 5, 755); ungewonth macht bald müde, bringt blattern ebda; Strodtmann Osnabrück 264; in nl. fassungen ist es subst.; mnl. wb. 5, 757; nl. wb. 10, 1682; Molema 303b. 44) steigerungsformen: überhaupt aber haben alle wollüstigen wohl zu erwegen, dasz alle lust der sinnen empfindlicher ist, je ungewohnter sie ist Wolff v. d. m. thun 310; die ungewohntesten anstrengungen, doch häufiger ganz, recht, zu u. dgl. ungewohnte (Raabe hungerpastor 2, 241). 55) adverb: dasz wird mir ubel und ungewohnet ankomen engl. com. (1624) R r 4b; nichts kommet ihm fremd und u. vor disc. d. mahl. 3, 126; Grimm kinder- u. hausmärchen 2, 91; dem particip näher: ungewohnt drängt sich der freudenthau in diese männeraugen Körner 3, 25. sonst allgemein ungewohnter weise: Fischart glückh. schiff 679; Ebner-Eschenbach 2, 58; in ungewohnter weise H. Brunn kl. schr. 3, 137. nach einer so u. langen entfernung Mörike 3, 62; da war's wieder so u. herzlich wohl Bräker 1, 166; etwas ungewohnt-feierliches Zschokke 22, 188. 66) substantiviert: uns ungewohnten Luther 5, 529a Jen.; bei deren anblick schon den ungewohnten ein schauer überläuft Peschel völkerk. 328; bei dem seiner (des champagners) ungewohnten Ebner-Eschenbach 2, 290; auch der ungewohnteste merkt ...; etwas ungewohntes Göthe gespr. 8, 71; vieles ungewohnte Schleiermacher Plato 6, 268; das ungewohnte einer längern wasserfahrt Körner 4, 200; das ungewohnte ihrer sitten und erscheinung, ihrer tracht oder gar ihrer hautfarbe Freytag 14, 49. —
7205 Zeichen · 207 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungewohnt

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Ungewohnt , -er, -este, adj. et adv. welche Comparation doch nur in der Adverbial-Form am üblichsten ist, der Gegensatz …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungewohnt

    Goethe-Wörterbuch

    ungewohnt [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ungewohn(t)

    Elsässisches Wb.

    ungewo h n(t) [ùkwôn Liebsd. Pfetterhsn. Su. ; ùkwûnt Dü. ; ùkwônt Bf. ; ùkəwônt Z. ; ùnkəwônt Wh. ] Adj. ungewohnt,…

  4. Sprichwörter
    Ungewohnt

    Wander (Sprichwörter)

    Ungewohnt 1. Vngewont bringt Blattern. – Petri, II, 558. Holl. : Ongewoonte maakt blaren. ( Harrebomée, II, 137 b . ) 2.…

  5. Spezial
    ungewohnt

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|ge|wohnt adj. (nicht üblich) nia da vigni de, nia usual.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungewohnt

3 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungewohnt

un- + gewohnt

ungewohnt leitet sich vom Lemma gewohnt ab mit Präfix un-.

ungewohnt‑ als Erstglied (2 von 2)

Ungewohntes

Wander

Ungewohntes Das Ungewohnte schadet dem Menschen, darum starb der Bojar, als er einmal die Wahrheit gesprochen. ( Rumänisch. ) – Franzos, Vom…

ungewohntheit

DWB

ungewohnt·heit

ungewohntheit , f. , ersatz des seit dem 18. jh. veraltenden ungewohnheit. schon mnl. erscheint ongewoontheit ( wb. 5, 756), bei Fr. Reuter …

Ableitungen von ungewohnt (1 von 1)

ungewohnte

DWB

ungewohnde , ungewohnte , f. , gth v. gewohnde, gewohnte; s. gewohn(e) II und vgl. ungewohne , ungewohn(t)heit, ungewohnsame, unwenst. mnd. …