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ungefall

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungefall m.

Bd. 24, Sp. 664
ungefall, m. (n.?), seitenstück zu unfall, ungefälle und theilweise gegentheil von gefall. von der reichen entwicklung des mhd. ungeval, m. n. (mnd. ungeval, ungevel, mnl. nl. ongeval) ist wenig übriggeblieben, das dann im 17. jh. erlischt. Schmeller 1, 705; Staub-Tobler 1, 746. wie unfall II 1a, gegentheil von gefall 2; diffortunium Diefenbach n. gloss. 134b: des frewen sich die frommen all, die got allein vertrawen, im glück und allem ungefall auff seine hand nur schawen Waldis psalter 104b (ps. 64); buch d. liebe 278d; Dedekind christl. ritter K iiii a; Spee tugendb. 53; klaget jhm jhr ungefall Venusgärtlein 41 neudr.; der gott liebt überall, den stürzt kein u. Schottel 1130. gegentheil von gefall 3 (vgl.gefallen II 2 a; mnd. wb. 5, 54b); ungefall miszfallen, verdrusz Henisch 1415, 24; dazu th. 4, 1, 1, 2099 I 1 (= ungefalle): derowegen sey der ungmut und ungfall zu offtermalen zuverlachen, zu verachten, zu versingen ... auff dasz er nicht die menschen blöd mach, weibisch und verzagen Fischart Eulenspiegel 15 Hauffen.schriftsprachlich bis ins 18. jh. erhält sich das reicher durchgebildete ungefälle, ungefäll, n., selten (Sachs 14, 208, 23 Keller) m.; mit vorliebe wird die gestutzte form ungefäll verwendet; nicht umgelautet kein ungefalle Heidelb. hs. 343, 11/12, 48 Kopp. der plur. von ungefall flieszt mit dem unsers wortes zusammen (Schönbach öst. weisth. 6, 656; Staub-Tobler 1, 746); ungfeler im stall (ebd.). ein dim. oggfelleli (ebd. nl. ongevalletje wb. 10, 1617). mhd. mnd. ungevelle. Schmeller 1, 705; Westenrieder 601; Bühler Davos 1, 186; 2, 120; Seiler Basel 299; Dähnert 506a; Schöpper syn. d 8a; Drechsler Scherffer 42; Stieler 419; Frisch 1, 244a/b; Höfler 885a. begriffsentlehnung ebensowenig wie bei unfall wahrscheinlich (zs. f. d. wortf. 4, 128). II. unfall I und gefälle 1 entsprechend, in mehr oder weniger sinnlicher grundbedeutung. I@11) wie gefälle 1 c: das wasser trybt yetzund so schnel und bringt so vil kruts ungefell Murner mülle 29, 831 (hier eingefallenes verstopfendes unkraut). I@22) wie gefälle 1 d abhang, abgrund: ungevelle abrupta Diefenbach gl. 4c; mehrdeutig fels der ungefell J. Grünbeck sp. d. sehungen b 3b. I@33) wie gefälle 1 e (krankes gefälle) vom wasser: o du aller wolfahrt quell hie und dort in deinen ländern fleusz uns klar, kein ungefäll müsse deine flucht dir ändern S. Dach 593 Österley. I@44) wie unfall I 4 von krankheit und seuche; ansteckung mit krankheit Staub-Tobler 1, 746. s. auch ungfeler (oben). Höfler a. a. o. vgl. mnd. mnl. ongevallich, und de wylle ys vorgyfftiget myt quader begerlicheyt, de gedechtenisse myt deme ungeval der vorgetenisse Schiller-Lübben 5, 54b: da sprach der hundt, ach lieber gsell, es ist kein ander ungefell, das mich so mägert und verseucht Waldis Esopus 3, 93, 26; o morbe durch dein ungefell musst sterben der fromm trew gesell Scheit heimfart G 1 a; das uch gott allzyt bhuoten well vor semlicher plag ouch ungefell (fallende sucht) Gengenbach 355 Gödeke; er lies ja seinen muth in keinem fall erkalten, wie schwehr ihm auch gewest des leibes ungefäll Rompler erst. geb. 99. vgl. II 3. I@55) wie unfall I 1: in solchem laster und ungfell thut sie (die gefallene) umbwüten Sachs 17, 443, 28 Götze. vgl. mnl. wb. 5, 719 ongeval fornicatio. I@66) wie unfall I 6: doch nim mich auch nicht all zu schnell von hinnen durch ein ungefell Ringwaldt chr. warnung M 1b; vom erdbeben Staub-Tobler a. a. o. mnl. ongeval geldelijk nadeel (wb. 5, 719, 4). IIII. wesentlich unsinnlich wie unfall II, gefälle 2. II@11) geschick, ereignis; fast als vox media wie casus: umb das ungefell desz gelückes Steinhöwel ber. fr. 117, 4 (casus fortunae); fällen des ungefäls (vgl. 2) Franck moriae enc. 66, 16; die fabel und die sprichwörter leren, ... das wir alle ungefell, ein mann seines weibs unbill und unverstand .. von oben herab verlach sprüchw. (1541) 1, 110a; ein new wunderbarlich zufallendt ungefell Carbach Liv. 43a; ehe denn mich das feindtselige ungefell verknüpfet hette einem harten und groben mann buch d. liebe 113c (vgl. 2 c). II@22) gegentheil von gefälle 2 b (vgl.d gefälle = unge fälle). II@2@aa) objectiv unglück, unheil, schaden, verderben, not, widerwärtigkeit, böses u. dgl.: so vallen wir ... von eim ungefell in das ander buch d. beispiele 98, 11 Holland; aus rechtem u. zu allem unheil Teurdank 53, 92; in glück oder in u. sat. 2, 251, 2029 Schade; des armen u. Sachs 22, 111, 9 G.; desz bösen mauls ungfell 19, 117, 30; u. nachreden 21, 277, 5; ungefell an ehr, an gut, an leib und seel 20, 291, 31; mit all sein ungefellen zu allen seinen plagen Waldis streitged. 36, 357 neudr.: ein herberg zorns und ungefäll (gen.) Fischart binenkorb 255b; groszes kind, Emanuel, wende du diesz ungefäll Fleming d. ged. 1, 234, 46; mein u. zu beklagen Simpl. 14 Kögel; was mir damals vom künftigen tag für ungefäll ahnte Bodmer Noah 12, 532; Reichel Bodmerias 53; alterthümelnd: sie ruft zu gott ... klagt ihm ihr ungefäll Arnim 21, 241. dabei kann es dann sowohl das äuszerste, das höllische feuer (Folz meisterl. 73, 20 Mayer; Sachs 18, 118, 11 Götze; mnl. wb. 5, 719) wie einfaches pech, malheur, blamage, widerwärtigkeit, miszgeschick, verlegenheit (vgl.unfall II 2b) bezeichnen (Steinhöwel Äsop 341 Österley; Sachs 14, 201, 9 K.; Sandrub 80 neudr.) oder sich zum euphemismus eignen (Staub-Tobler a. a. o. für todschlag, bei kriegsandrohung, mnl. ongevel 5). durch ungefell unglücklicherweise Frankf. ref. 2, 23, 12; Fries Würzb. chr. 148; mit u. (elendiglich) Sachs 1, 269, 18 Keller; mit grossem u. Fischer-Tümpel 3, 224; bei H. Sachs oft nur füllsel (18, 529, 11; 19, 243, 17; die vorlagen versagen). vgl. von u. II 3. II@2@bb) mehr bezogen auf gefühl und willen, wie unfall II 1 b, mnl. ongeval 3: gern leide ich ungefel und schmertzen Keisersberg passion (1514) 42a; des tüfels ungefel (bosheit) Murner badenf. 31, 34; so wohl auch er furcht nit dein ungefelle passionssp. 208, 482 Wackernell, nicht ungefälligkeit (vgl.gefälle 4); der euch eur ungefelle (leid) in freud verwenden kan J. Ayrer singsp. 137b; des Tantaly sein grosz ungefehl (qual) engl. com. 231, 32 Creizenach; lasz dir nicht seyn ein ungefäll lasz es dir nicht zu herzen gehen Lehman flor. 3, 344. alterthümelnd: geselle, mein ungefälle ist nah und bringt mir schmerzen wunderhorn 1, 386 (Berliner hs. 719, 122. Birlinger-Crecelius 1, 553). II@2@cc) persönlich, bildlich, in sprichwörtern und redensarten. vgl. unfall III, IV: wann ungefell ist mein gesell und tuot nach zu mir hausen Hätzlerin 76, 99, 54; denn reyt den armen ungefell Sachs 9, 204, 14 Keller; so noch schweizerisch Staub-Tobler 1, 746; wir dachtn, uns treff der ungefel, ir het uns alle beidt auffgeben Sachs 14, 208, 23 Keller-Götze; wer flucht mit eil und wünschet schnel, der rufft seinem eigen ungefel Petri 2, F ff Vv. ellend ist über all ungefell Agricola sprichw. 91a; klugreden (1548) 37b; die hochzeit ist das gröszt ungefelle Frölich Stob. 369; jung zu hofe und alt zu hell ist ein gewisses (vgl.a) ungefell Friedrich Wilhelms spr. D ij β 3; ein halbes hausz macht dem herrn u. Petri 2, V vr; was kan ich fur meyn ungefel? Murner schelmenzunft 38, 30 neudr.; vgl.unfall IV; ich wag mit euch als ungefell Sachs 5, 216, 24 Keller; wie vil ungefäl ligt uns auf dem halsz? Franck moriae enc. 56, 11. in verwünschungen mnd. wb. 5, 54b; mnl. wb. 5, 717; Staub-Tobler a. a. o. II@33) auch der neuere unfallbegriff (s.unfall II 2) ist unserm worte nicht fremd: von brandes wegin oder von anderme ungevelle (1309) Varnhagen Waldeck. urk. 135; es soll kain wiert ainigerlai frembt .. gesst .. beherbergen, es hab dann derselbigen gesst ainer redlich ... ursach oder dass ine ain ungewitter oder ander ungefell irre öst. weisth. 6, 433, 39; grosz ungefell auff dem meer buch d. liebe 249c; es begab sich aber, das ainer ... von ungefell also gebrochen war und der pruch also heftig zunam, das er mit keiner mentschlichen hilf getrawete zu genesen Zimm. chron. 2, 444, 5; redten vil von ungefällen (vgl. II 2 a), von gewitter und gefahr Spee trutznachtigall 104, 1, 7; Arnim 13, 163; so hat es der mensch, sein glück schreibt er seiner weisheit und kunst zu, sein unglück dem ung'fell oder dem neide Gotthelf 18, 250. auch hier konnte wieder euphem. gebrauch anknüpfen. während das wort in der neueren schriftsprache unterging, hat es in schweiz. mundarten den ausdruck unglück fast ganz verdrängt. Staub-Tobler 1, 747. —
8536 Zeichen · 213 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    ungefallm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    ungefall , m. ( n.? ), seitenstück zu unfall, ungefälle und theilweise gegentheil von gefall . von der reichen entwicklu…

  2. modern
    Dialekt
    Ungefallm.

    Mecklenburgisches Wb.

    Ungefall m. a. Spr. Unheil, Gefahr: 'vor ungefall ... beschtten' Schlue 49.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungefall

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Ableitung von ungefall

un- + gefall

ungefall leitet sich vom Lemma gefall ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungefall 2 Komponenten

ung+e+fall

ungefall setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungefall‑ als Erstglied (1 von 1)

ungefallen

DWB

ung·e·fallen

ungefallen , m. und n., gegenstück zu gefallen, m. n.; plur. fehlt. wenn die altersbestimmung th. 4, 1, 1, 2099 I 1 und 2100, 2, a richtig i…

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Cotta, M. (2026). „ungefall". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ungefall/dwb?formid=U06858
MLA
Cotta, Marcel. „ungefall". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ungefall/dwb?formid=U06858. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „ungefall". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ungefall/dwb?formid=U06858.
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