ürte,
f. ,
heute von dem syn. zeche (
s. d.; K. v. Bahder
wortwahl 127)
zurückgedrängt, mundartlich oberd. und md. erhalten, schriftsprachlich nur bei schriftstellern, die von der mundart abhängen, und in historischer darstellung. der seit Frisch (1741) 2, 34
b oft versuchten ableitung von ort
widerspricht die grundform urtin,
germ. *urtin(n)ō,
mit tiefstufenvocal zu an. verðr '
mahlzeit'
gehörig; Fick 3
4, 394; Falk-Torp 1371; Kauffmann
wörter und sachen 2, 22; Bahder
wortwahl 90
f. formen. nom. sing.: ürten, urten, irten, örten, erten Staub-Tobler 1, 489;
neben ürte
u. s. w. ü, ö, i
nur locale varianten: 492; Fischer 6, 307; Schmeller-Fr. 1, 152; Diefenbach
gl. 534
b; Frisius 1283
b; 247
a; 273
a; Siber
gemma 43; Megiser (1603) 2, 398
a; Wiederhold (1669) 403
b; die urtin Pauli
schimpf u. ernst 60
Ö., örten Schade
satiren 1, 88, 303
neben örte
u. s. w., urken, ürken, irken
österr. weist. 11, 723
b.
plur. ürten
u. s. w.; urtenna Fischer 307; irtene Staub-Tobler 1, 488; 492; ürtene J. v. Müller
gesch. schweizerischer eidgenossenschaft 2, 355.
der umlaut bleibt oft aus: begurten: urten Hugo v. Langenstein
Martina 122, 28
K.; antwurten: urten 160, 7
K.; so noch Kramer 2 (1702) 1222
c.
der stammvocal erscheint durch einflusz des r
gedehnt, auch diphthongiert (üerte) Staub-Tobler 1, 492. irte
s. th. 4, 2, 2180; irre Fischer 6, 307; îrte Bech
in Pfeiffers Germania 27, 187. örte, orte
md. beliebt (bier-, zechorte, örtenschmaus),
mit dem artikel verschmolzen dörte Fischer 6, 307. erte, êrte
Straszburger stud. 2, 145; Schmeller-Fr.
und Bech
a. a. o. herte
schlesisch zs. des a. d. sprachvereins 24, 188.
kurzformen urt, ürt, ort, ört, irt, ert
sind nicht selten; wiert: urt Fischart
Eulenspiegel 9779
H. vereinzelt bleibt ürden: bewürden Ayrer 1, 1770, 29
K. (
vgl.ördengeselle Müller-Fraureuth
[] obers. wb. 2, 310
a)
oder das m. bei Scherffer
Drechsler 267.
die schreibung uerte
verdient es nicht, auch noch in neueren büchern (
hwb. der staatswiss. 4
2, 185)
beibehalten zu werden. 11)
mahl, mahlzeit; vgl. zeche 5 a;
was gegessen oder getrunken wird Weinhold
schles. wb. 102
b. 'ü.
ist zunächst die im hause des '
wirtes'
eingenommene mahlzeit' Kauffmann
wörter u. sachen 2, 22: drey urten in dem tag, zwen anbisz und ein morgenprot, das gehört den arbeytern zuo J. Ingolt
gold. spiel 49
Schr.; wann nu ein jeglicher ... bezalt sine schuld und ein tag nit dry yrten verzert ...
reform. flugschr. 3, 70
Clemen; kein weinschenke durfte seinem gaste früh orte geben, er hatte denn vorher ein quart wein bezahlt
scriptores rer. Silesiac. 3, 217; orte halten
ebda; ürtenblatten
eszgerät Staub-Tobler 6, 196;
obsonium, gentaculum Diefenbach
gl. 390
a; 260
b; Schmeller-Fr. 1, 152
f. das verzehrte und masz des gegessenen oder getrunkenen: es gilt ein ochsen oder vier, darzuo ein gute örten bier Schade
satiren 1, 88, 303; o wie wol wirt ich in erfrewen, das er mit andern am feyrtag etwan ein urten trinken mag H. Sachs 14, 75, 25
G. örte
ist in der stadt Altenburg eine art bier Müller-Fraureuth
obers. wb. 2, 309
b. ürtnen, urten
zechen Staub-Tobler 1, 495; Harsdörffer
trichter 2, 177. 22)
die wichtigste ausbildung hat ü.
im alten genossenschaftswesen erfahren; Kauffmann
altd. genossenschaften (
wörter u. sachen 2) 22.
vgl.zeche 3.
im schwäb. veraltet Fischer 6, 307.
compotaiio. man sitzt gemeinsam ze ürten, besitzt eine ü.: die armen toppelere lident menge swere, sere si do switzent, die da ze urten sitzent bi der geselleschefte Hugo v. Langenstein
Mart. 122, 77
K.; im bilde von strafen der hölle: mengen heidenschen turkoppel den viel da an dem toppel fur ein ses ein esse. des wart ir iamer wesse. des wil ich baz antwurten: siu besazin da ein urten, diu galt lip, guot, sel, ere ane trostes widerkere
Martina 160, 2
ff.; man spricht gemeynlich und ist ouch wor: welcher alle ürten besitzet, dem würt ettwenn ein wörtlin und kompt ettwenn eines pfennigs neher weder der do nitt alle ürten besitzet Keisersberg
postill 1, 14
b; wer all ürten besitzen wil und suochen glück uff yedem spyl, der muosz wol uff zuo setzen han oder gar dick on gelt heym gan Seb. Brant
narrenschiff 77, 87
Z.; vgl. Val. Schumann
nachtb. 57
B.; übertragen: wie hast du so ein düre irten besessen, dasz du mit allem dinem richtum nit zu bezalen hast ein einigen apfelbisz Schade
sat. 3, 2, 22; Manuel 229
B.; und habent lieb die ersten sitz in den ürten oder geselschaften, so man schlemmen und brassen sol Keisersberg
postill 2, 37
a; es kam ein weltwieszer einist in ein wirtzhausz und er sah, das ein bauer bei den andern bauern in der urten sasz
sünden des munds 76
a; er ... bereitet ein herrlich mol, ein ürten, ein grosze würtschaft oder gesellschaft, convivium magnum, ein gesellenmol oder ein gyszelmol
postill 4, 23
a; do man ein gemeyn zech oder ürten halt, do vil menschen bey einander zeren und essen
post. 4, 12
a; unberechnet von den orthen gehn
Schleizer statuten v. 1492; schnel kund Ulenspiegel einer guoten schalkheit geraten, als er wol beweise zu Leipzig den kürsznern an der fastnacht abent, als sie ir gelagt oder ürtin zuosammen hielten
Eulenspiegel 86
ndr.; alle kirchwihe, bruloft, irten, und wo man frelich ist bey wrten, do kan ich allzeit voran ston Murner
schelmenzunft 16, 3; 16, 8;
[] A. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) d d 6
b; und schenkt man in (
den most) in den tafernen gleich wie den wein und gat man darzu ze ürten J. v. Watt 1, 2; in gemeinen ürten und malzeitungen 2, 81; ein öffentlich ürtin haben mit sein mitburgeren Eberlin v. Günzburg 1, 19
ndr.; wer gern fürwitzig alls erfaren wil, der sei Hans in allen gassen, Zacheus in allen zechen, ürthen und kirchweihen Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 206
b; was gibt es denn, dasz ich aus der oerte laufen sol? Chr. Weise
liebesalliance (1708) 58; bleibt nicht zu lange sitzen in der oerthe; wer langsam komt, dem geths an saufen ab
abs. com. 344; der mittelpunkt der vereinigung war die uerte, die trinkstube
hwb. der staatswiss. 4
2, 185.
die aufsicht führten hier die ürtenmeister, -gesellen, -jünger. erttenmaister, erden- oder irtengesellen
waren ältere gesellen, welche für die ankommenden fremden gesellen bei den maistern um arbeit umzuschauen und bei den zusammenkünften und irten oder gelagen in der herberge die aufsicht über ihre mitgesellen zu führen hatten württembergische vierteljahrshefte 7, 107; Fischer 6, 310
f.; th. 4, 2, 2181;
vgl. zechmeister 3; ürtenmeister,
unter dem oberstubenmeister stehender zunftbeamter, der allabendlich die zeche machte und einzog, überhaupt die kasse verwaltete, sowie über die handhabung der stubenordnung wachte; er pflegte nach ablauf seines amtsjahrs der zunft ein mit namen und wappen verziertes tafelstück zu stiften Staub-Tobler 4, 515,
ein ürtengeschenk 8, 937. urtenmeister
Frankfurter zunfturk. 1, 17; 207; ürtenmeister
bei einem handwerke, der die fremden durchreisenden gesellen frei halten musz Schrader
d. franz. wb. 2, 1475; Heynatz
antibarb. 2, 314; Müller-Fraureuth
obers. wb. 2, 310; urtenmaister machens albegen, die fremden gsellen doch darpey seint an der schenk ganz urtenfrey H. Sachs 22, 270, 18
G. zu den obliegenheiten der ürtengesellen (orten-, irtengesellen, ortinger, altgesellen Adelung 1, 241)
s. Staub-Tobler 7, 723
f. mit belegen bis ins 19.
jh., Fischer 6, 310, Schmeller-Fr. 2, 153, Hartfelder
zunftordnungen (1879) 21; item sollen die rechenmeister ... den ortengesellen sagen, es sy zijt, das iderman zu huse gehe (1471)
Frankfurter zunfturk. 1, 221; ürtenamt,
amt des ürtengesellen Staub-Tobler 7, 724; Fischer 6, 310;
Bayerns mundarten 2, 50;
Alsatia 10, 339. ürtenhahn,
ein essen Fischer
a. a. o. der ürtengeselle
heiszt auch ürtenjünger: wann ein junger auf die herberg kohmbt, soll er nicht daraus gehen, bis die yrtenjunger zu ihme kohmmen und tuhn umb arbeit sehen (1667)
ordnung der schmiedezunft zu Mülhausen Alsatia 10, 336; 339; ertenschmaus
Pfeiffers Germania 27, 188. abend-, bier-, früh-, klein-, meister-, nach-, nacht-, schupf-, tag-, zechürte 1
und 5. 33)
die verhandlungen der handwerkerversammlung. wer in die ürte
redet, ohne dazu auftrag zu haben, ist mit busze bedroht Staub-Tobler 1, 492. einem in die örte fallen
unhöflicherweise ins wort fallen als lausizisch ebda. 44)
auch der ort der versammlung oder des zechens kann (
mit)
bezeichnet sein: sie sitzen in der ü. Christian Weise
Tobias u. die schwalbe (1682) 4, 3 (
zs. f. d. wortf. 2, 31); Staub-Tobler 1, 492;
klubhaus der gesellenschaft, trinkstube, gesellenherberge L. Elster
bei Müller-Fraureuth
obers. wb. 2, 812
b.
vgl.zeche 6. 55)
die vereinigte gesellschaft, gemeinde, gemeindebezirk, theil eines gröszeren ganzen Staub-Tobler 1, 492, 5; Buck
flurnamenb. 286 (
irrig abgeleitet von ordo
ordnung); ürti
alpgemeinde Niedwalden Martiny
wb. d. milchwirtschaft (1907) 133: wie Ulenspiegel in ein hausz schisz und blisz den gstank durch die wand in ein ürtin, die in nit leiden mochten
Eulenspiegel 119
ndr.; da kam das ganze volk von ob und unter dem Kernwald haufenweise aus allen uertenen und kirchgängen zusammen J. v. Müller
gesch. schweizer. eidgenossenschaft 2, 355; Nidwalden war politisch in eilf urtinen getheilt Zschokke 2, 19
anmerk. dazu ürtialpe
gemeindealp Staub-Tobler 1, 195; ürtinrecht
genossenschaftsrecht 6, 278; ürtevogt
aufseher über das land einer allmendgenossenschaft 1, 705; ürtner
theilnehmer an [] der alpgenossenschaft 1, 495.
vielleicht ist das elsäss. ürte
reihe strohbündel auf dem strohdach (Martin-Lienhart
elsäss. wb. 1, 71
a)
unser wort, losgelöst aus dem genossenschaftlichen sinne. ebenso die nassauische redensart mit urten, irten, erde: der weg ist mit ürten schlecht
hier und da; mit ürten hab ich kopfweh
von zeit zu zeit, zuweilen. Kehrein 419; Crecelius 642.
im alten sinne des bezirkes: von der fische und krebisze wegen, die von den urthen umb Frankenfurd herinn kamen (1410)
Frankfurter zunfturk. 1, 187. 66)
die rechnung über das verzehrte, zeche 7
entsprechend. Lexer 2, 2014; Staub-Tobler 1, 489, 2; Schmidt
elsäss. wb. 387, 2; Fischer 6, 307, 1; Schmeller-Fr. 1, 152; Unger-Khull 368
b, 2. zeche
und yrthe
werden unterschieden, wenn man im 16.
jh. sagte: die zech machen (
bezahlen wollen) vor der yrthen (
bevor die eigentliche abrechnung erfolgt ist)
th. 15, 426;
vgl. beit mit der irten, frag auch den wirt Salat
bei Staub-Tobler 1, 490.
der wein gat in die ürtin (
wird gemeinschaftlich berechnet), wird in der ürtin
getrunken Keisersberg
sünden des munds 9
b: doch fragent unseren wirt, der weiszt, der kreidet im alweg die úrti an Mone
schausp. des mittelalters 2, 388, 284; wo ist der wirt wol in dem hausz? nun heiszt in einher gan, er nem die kreiden in die hand und schreib die orten an
tischlied des 15. jhs. in Wolfs zschr. f. d. myth. 1, 467; laszt mich darum sorgen, der ürten darf er mir nit borgen, ich will in morgen zalen basz Teuerdank 268, 86
G.; da man gasz und die ürten bezalt was Keisersberg
evangelib. (1515) 44
c; der würt hiesch im die ürten Pauli
schimpf u. ernst 44
Ö.; die ürten macht der wird nach dunken H. Sachs 5, 168, 16
K.; schlemmer saufen die gantze nacht. am morgen, so man dörten macht, dann kommen die rechte kindswehe H. Bock
der vollen brüder orden b 4
a; wolan, wir hetten gessen gnuog, heb auf den tisch, ist es dein fuog, und zeig mir an die ürten mein, was ich disz mals würd schuldig sein Wickram
pilger m 41; wirt, mach mir dürthy, ich muosz gon Hans Rudolph Manuel
weinspiel 642
ndr.; schankt mir der wirt ... die irte Felix Platter
tageb. 175; da wir nun beiderseits, mann und pferde, wol gefütert hatten, zogen wir als ungemachter irten davon Moscherosch
ges. (1666) 2, 609; ich entschuldigte mich, dasz ich so lange sein (
des gastwirts) schuldner geblieben sei, und frug nach meiner letzten uerdi Gotthelf (1855
ff.) 1, 268.
betrag der rechnung: als er nun den schalk weidlich gefüllet, fordert der wirt die ürten
volkslieder 618
Uhland; er wolte mit der frowen ze nacht essen und manglete im an der irti Thomas Platter 15; dem herrn verwalter wil ich die halbe urthe von meiner rechnung abziehen lassen Chr. Weise
Machiavelli 115; gleichwohl darf ich ... nicht verschweigen, ... dasz sie sogar, wenn ich für sie etwa ein brenzlin (
glas branntwein) zahlte, nicht selten die uerte mir heimlich wieder zusteckte U. Bräker 1, 72.
zs. ürtenfrei: die fremden gsellen doch darpey seint an der schenk ganz urtenfrey H. Sachs 22, 270, 19
G.; 21, 187, 12
G.; 17, 368, 12
G.; Unger-Khull 368
b;
vgl. zechfrei Fischer 6, 1073; zechürte 2. ürtibrett,
rechenbrett, auf dem die ü.
aufgeschrieben wird Staub-Tobler 5, 900.
scherzhaft beim abschied aus einem gastfreundlichen privathause: er chönned mer iez d' ü. machen,
und wenn der hausherr dies ablehnt: so chömmeds bald chogen inziehn (
gegenbesuch) Staub-Tobler 1, 489;
vgl. Fischer 6, 310; e grossi ö. vertue
viel verzehren, d' ürti usmachen
mit würfel- oder kartenspiel, ürten ûfschlahen
aufschreiben lassen, us dr ü. laufen
ohne bezahlung gehen, ie schöner d' würtin, ie schlimmer d' ürtin Staub-Tobler
a. a. o. [] 6@bb)
vielfältig übertragen, wie zeche 6 b: er (
der mensch) rüeret iamers saiten uf dirre welte harpfen ... und muoz och balde sigen von disem toppilspil. er habe luzel oder vil, er mac si(n) niht begurten, so daz er diz urten nach toppils reht beziehe Hugo v. Langenstein
Martina 122, 20
ff.; das nur dein haut bezal die urten
fastnachtspiele 1, 259, 28
K.; vgl. die zeche mit der haut bezahlen; (
Christus kam zum gestmahl) nicht umb des schlecks und der kostlichen spysen willen, nein, sunder dorumb, uff das er dem würt und denen, die mit im geladen worend, das letzgelt wolt verlossen und die ürten geben und sye leren Keisersberg
postill 3, 86
a; der herr ... wolt nit scheiden on die ürten, sunder wolt sye leren 3, 87
b; er bint die schuh mit bast, der die urten bezalen musz (
vom durchgänger)
narrensch. 65
a; der letst musz die ürten bezalen
Eulenspiegel 26
ndr.; sy habend ouch die todten in die ürten bracht Zwingli
d. schr. 1, 258; Manuel 198
B.; H. Bock
der vollen brüder orden b 4
a;
des gerbers frau sagt dem bauern, als er ihre kinder tadelt: welchem ir wesen nit gefalt, der mag dest weiter von in gan
dazu die randglosse: ich mein, disz was fein seuberlich die ürten gerfft, wans einer sunst merken wil Wickram
bilger m 4
b;
vgl. Staub-Tobler 1, 490
und die zeche verrufen Fischer 6, 1072; und wiewol sy uff den benken lagen, konden sy am morgent die irten woll machen (
sie bezahlten nicht), das ich und min wib als mieszten zahlen Thom. Platter 60; dise 16 man hetind im die ürten wol ze bezalen Brennwald
Schweizerchron. 1, 349; so sich die fischlein darin (
in dem schwanze) geschwommen, zeucht er (
d. fuchs) sy heraus, erschütt den schwanz und lebt wol um ein klein ürten (
billig, ohne mühe) Forer
Gesners thierb. (1583) 55
b; da wurden den rebellischen baurn die urthen etwas beschwerlicher gemacht Mechtel
Limburger chron. 116; machsch dr d' ürti und isch dr slebe verleidet? Hebel
bei Staub-Tobler 1, 490; emm e türi örte mache
einen hart bestrafen; i will em d' ü. schon mache
er soll mir dafür büszen ebda; vgl. Fischer 6, 1071. die ü. hinter oder vor dem wirte, ohne den wirt machen (
vgl.zeche; Staub-Tobler 1, 490): aber sie thetend machen d' ürten hinder em wirt
schweizer volksl. 1, 33
Tobler; Aler (1727) 2, 2132
b; und macht die urten vor dem wirt Gengenbach
der welsch flusz 22
Gödeke; Wickram 2, 422, 20
B.; aber ich hatte mich in dem sehr betrogen, die irten gemacht ohn den wirth Moscherosch
gesichte 2, 195. die zech vor der ürten machen
wird in den schönen w. klugreden (1548) 136
a erläutert durch: juh schreien, eh man über den graben kompt,
encomia canere ante victoriam. einem eine(r) ürten borgen, eine(r) ürten beiten, gebeiten (
vgl.zeche 7; Staub-Tobler 1, 489): er ist ein armer wirte, der nit gebeiten mag einem ein einig irte bis uf einen tag
schweiz. volkslieder 1, 12
Tobler; es mst ein arm wirdt sein, der nit ein urthen borgen kündte,
sero molunt deorum molae Tappius
adag. (1545) C c 8
β; k 2
α; Manuel
weinspiel 1296
ndr.; got mag eim wol ein ürten borgen ein zeit lang, doch nit ewiglich Schade
sat. 2, 234; Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 64
b; aber got ist langmütig und kan den tyrannen ein örten borgen Mathesius
postilla 3, 27
a. 77)
gemeinschaftlicher kostenbeitrag, symbola, symbolum, collecta Diefenbach
gl. 534
b;
n. gl. 339
a. Staub-Tobler 1; zeche 4; '
antheil an der zahlung' Heynatz
antibarb. 2,
[] 314: er hat sin urtin geben,
symbolam dedit Terenz (1499) 12
a; du kommest on ürthen,
asymbolum Boltz
Terenz (1539) 143
b;
Terenz (1499) 125
a; die het der düppelsack beruert, wer ein reichliches wesen füert, für ieden seine yrten gyt, wiewol man im des danket nit Murner
die mülle 1105; welch gesell nicht kem ant schenk aus hochmuet, karkheit oder renk, der selbig mues doch gleichwol eben wie ein ander ganz urtten geben H. Sachs 22, 270, 23
G.; was dir gepüert, zu üerten gieb 19, 137
G.; seine urte legen Kramer 2 (1702) 1222
c. irte
bestimmte summe, die in die strafgelderbüchse der zunft bei gewissen vorgängen einzulegen war und zur bezahlung der zunftzechen diente Unger-Khull 368
b, irtengeld
ebda. insbesondre hochzeitsgeschenk, beiträge zu den kosten der bewirtung; zu der sitte des ürtenschickens,
der ürtenträger
und der ürtenhochzeit
s. Staub-Tobler 1, 493;
zschr. f. d. philologie 17, 443.
ursprünglich konnte der einzelne einen beitrag an speise und trank in natura mitbringen, dann in geld oder geschenken. noch heute heiszt in der Schweiz ürtenhochzeit
eine hochzeit, an der die gäste auf eigene kosten zechen. das gegentheil ein unverdingtes hochzeit,
bei dem der bräutigam die kosten trug, war 1611
an den besitz von 3000
gulden heiratsgut geknüpft. der bräutigam wurde dann dafür durch gaben der gäste theilweise entschädigt. die gaben werden geschickt oder getragen, in der ü. überchom Staub-Tobler 1, 492
f. die sitte der ürtenhochzeit
verblieb den ärmeren leuten, die armut halben nur urthenhochzeit anstellen
oberpfälz. polizeiordnung (1657)
bei Schmeller-Fr. 1, 152; Heynatz
antibarb. 2, 314. ürtengeschenke
von verwandten und freunden Staub-Tobler 8, 937.
auf md. gebiet waren die orten
die bei der gemeinsamen zeche auf den einzelnen fallenden beiträge (Bech
in Pfeiffers Germania 27, 187)
und in erweiterter bed. bierorte
auch ein trink- und ein mietgeld (Bech
a. a. o.). ob irtung '
wertung einer münze' (Staub-Tobler 1, 495)
damit zusammenhängt, ist sehr zweifelhaft. 88)
die gemeinschaftliche kasse. vgl. zeche 3 a: das úbrig ... sol gemainlich in gmain urtten geleit und da bezalt werden
oberschwäb. stadtrechte 1, 175;
büchse für zunft- und strafgelder Unger-Khull 368
b.