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uerte

mhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ürte f.

Bd. 24, Sp. 2562
ürte, f. , heute von dem syn. zeche (s. d.; K. v. Bahder wortwahl 127) zurückgedrängt, mundartlich oberd. und md. erhalten, schriftsprachlich nur bei schriftstellern, die von der mundart abhängen, und in historischer darstellung. der seit Frisch (1741) 2, 34b oft versuchten ableitung von ort widerspricht die grundform urtin, germ. *urtin(n)ō, mit tiefstufenvocal zu an. verðr 'mahlzeit' gehörig; Fick 34, 394; Falk-Torp 1371; Kauffmann wörter und sachen 2, 22; Bahder wortwahl 90 f. formen. nom. sing.: ürten, urten, irten, örten, erten Staub-Tobler 1, 489; neben ürte u. s. w. ü, ö, i nur locale varianten: 492; Fischer 6, 307; Schmeller-Fr. 1, 152; Diefenbach gl. 534b; Frisius 1283b; 247a; 273a; Siber gemma 43; Megiser (1603) 2, 398a; Wiederhold (1669) 403b; die urtin Pauli schimpf u. ernst 60 Ö., örten Schade satiren 1, 88, 303 neben örte u. s. w., urken, ürken, irken österr. weist. 11, 723b. plur. ürten u. s. w.; urtenna Fischer 307; irtene Staub-Tobler 1, 488; 492; ürtene J. v. Müller gesch. schweizerischer eidgenossenschaft 2, 355. der umlaut bleibt oft aus: begurten: urten Hugo v. Langenstein Martina 122, 28 K.; antwurten: urten 160, 7 K.; so noch Kramer 2 (1702) 1222c. der stammvocal erscheint durch einflusz des r gedehnt, auch diphthongiert (üerte) Staub-Tobler 1, 492. irte s. th. 4, 2, 2180; irre Fischer 6, 307; îrte Bech in Pfeiffers Germania 27, 187. örte, orte md. beliebt (bier-, zechorte, örtenschmaus), mit dem artikel verschmolzen dörte Fischer 6, 307. erte, êrte Straszburger stud. 2, 145; Schmeller-Fr. und Bech a. a. o. herte schlesisch zs. des a. d. sprachvereins 24, 188. kurzformen urt, ürt, ort, ört, irt, ert sind nicht selten; wiert: urt Fischart Eulenspiegel 9779 H. vereinzelt bleibt ürden: bewürden Ayrer 1, 1770, 29 K. (vgl.ördengeselle Müller-Fraureuth [] obers. wb. 2, 310a) oder das m. bei Scherffer Drechsler 267. die schreibung uerte verdient es nicht, auch noch in neueren büchern (hwb. der staatswiss. 42, 185) beibehalten zu werden. 11) mahl, mahlzeit; vgl. zeche 5 a; was gegessen oder getrunken wird Weinhold schles. wb. 102b. 'ü. ist zunächst die im hause des 'wirtes' eingenommene mahlzeit' Kauffmann wörter u. sachen 2, 22: drey urten in dem tag, zwen anbisz und ein morgenprot, das gehört den arbeytern zuo J. Ingolt gold. spiel 49 Schr.; wann nu ein jeglicher ... bezalt sine schuld und ein tag nit dry yrten verzert ... reform. flugschr. 3, 70 Clemen; kein weinschenke durfte seinem gaste früh orte geben, er hatte denn vorher ein quart wein bezahlt scriptores rer. Silesiac. 3, 217; orte halten ebda; ürtenblatten eszgerät Staub-Tobler 6, 196; obsonium, gentaculum Diefenbach gl. 390a; 260b; Schmeller-Fr. 1, 152 f. das verzehrte und masz des gegessenen oder getrunkenen: es gilt ein ochsen oder vier, darzuo ein gute örten bier Schade satiren 1, 88, 303; o wie wol wirt ich in erfrewen, das er mit andern am feyrtag etwan ein urten trinken mag H. Sachs 14, 75, 25 G. örte ist in der stadt Altenburg eine art bier Müller-Fraureuth obers. wb. 2, 309b. ürtnen, urten zechen Staub-Tobler 1, 495; Harsdörffer trichter 2, 177. 22) die wichtigste ausbildung hat ü. im alten genossenschaftswesen erfahren; Kauffmann altd. genossenschaften (wörter u. sachen 2) 22. vgl.zeche 3. im schwäb. veraltet Fischer 6, 307. compotaiio. man sitzt gemeinsam ze ürten, besitzt eine ü.: die armen toppelere lident menge swere, sere si do switzent, die da ze urten sitzent bi der geselleschefte Hugo v. Langenstein Mart. 122, 77 K.; im bilde von strafen der hölle: mengen heidenschen turkoppel den viel da an dem toppel fur ein ses ein esse. des wart ir iamer wesse. des wil ich baz antwurten: siu besazin da ein urten, diu galt lip, guot, sel, ere ane trostes widerkere Martina 160, 2 ff.; man spricht gemeynlich und ist ouch wor: welcher alle ürten besitzet, dem würt ettwenn ein wörtlin und kompt ettwenn eines pfennigs neher weder der do nitt alle ürten besitzet Keisersberg postill 1, 14b; wer all ürten besitzen wil und suochen glück uff yedem spyl, der muosz wol uff zuo setzen han oder gar dick on gelt heym gan Seb. Brant narrenschiff 77, 87 Z.; vgl. Val. Schumann nachtb. 57 B.; übertragen: wie hast du so ein düre irten besessen, dasz du mit allem dinem richtum nit zu bezalen hast ein einigen apfelbisz Schade sat. 3, 2, 22; Manuel 229 B.; und habent lieb die ersten sitz in den ürten oder geselschaften, so man schlemmen und brassen sol Keisersberg postill 2, 37a; es kam ein weltwieszer einist in ein wirtzhausz und er sah, das ein bauer bei den andern bauern in der urten sasz sünden des munds 76a; er ... bereitet ein herrlich mol, ein ürten, ein grosze würtschaft oder gesellschaft, convivium magnum, ein gesellenmol oder ein gyszelmol postill 4, 23a; do man ein gemeyn zech oder ürten halt, do vil menschen bey einander zeren und essen post. 4, 12a; unberechnet von den orthen gehn Schleizer statuten v. 1492; schnel kund Ulenspiegel einer guoten schalkheit geraten, als er wol beweise zu Leipzig den kürsznern an der fastnacht abent, als sie ir gelagt oder ürtin zuosammen hielten Eulenspiegel 86 ndr.; alle kirchwihe, bruloft, irten, und wo man frelich ist bey wrten, do kan ich allzeit voran ston Murner schelmenzunft 16, 3; 16, 8; [] A. v. Eyb spiegel der sitten (1511) d d 6b; und schenkt man in (den most) in den tafernen gleich wie den wein und gat man darzu ze ürten J. v. Watt 1, 2; in gemeinen ürten und malzeitungen 2, 81; ein öffentlich ürtin haben mit sein mitburgeren Eberlin v. Günzburg 1, 19 ndr.; wer gern fürwitzig alls erfaren wil, der sei Hans in allen gassen, Zacheus in allen zechen, ürthen und kirchweihen Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 206b; was gibt es denn, dasz ich aus der oerte laufen sol? Chr. Weise liebesalliance (1708) 58; bleibt nicht zu lange sitzen in der oerthe; wer langsam komt, dem geths an saufen ab abs. com. 344; der mittelpunkt der vereinigung war die uerte, die trinkstube hwb. der staatswiss. 42, 185. die aufsicht führten hier die ürtenmeister, -gesellen, -jünger. erttenmaister, erden- oder irtengesellen waren ältere gesellen, welche für die ankommenden fremden gesellen bei den maistern um arbeit umzuschauen und bei den zusammenkünften und irten oder gelagen in der herberge die aufsicht über ihre mitgesellen zu führen hatten württembergische vierteljahrshefte 7, 107; Fischer 6, 310 f.; th. 4, 2, 2181; vgl. zechmeister 3; ürtenmeister, unter dem oberstubenmeister stehender zunftbeamter, der allabendlich die zeche machte und einzog, überhaupt die kasse verwaltete, sowie über die handhabung der stubenordnung wachte; er pflegte nach ablauf seines amtsjahrs der zunft ein mit namen und wappen verziertes tafelstück zu stiften Staub-Tobler 4, 515, ein ürtengeschenk 8, 937. urtenmeister Frankfurter zunfturk. 1, 17; 207; ürtenmeister bei einem handwerke, der die fremden durchreisenden gesellen frei halten musz Schrader d. franz. wb. 2, 1475; Heynatz antibarb. 2, 314; Müller-Fraureuth obers. wb. 2, 310; urtenmaister machens albegen, die fremden gsellen doch darpey seint an der schenk ganz urtenfrey H. Sachs 22, 270, 18 G. zu den obliegenheiten der ürtengesellen (orten-, irtengesellen, ortinger, altgesellen Adelung 1, 241) s. Staub-Tobler 7, 723 f. mit belegen bis ins 19. jh., Fischer 6, 310, Schmeller-Fr. 2, 153, Hartfelder zunftordnungen (1879) 21; item sollen die rechenmeister ... den ortengesellen sagen, es sy zijt, das iderman zu huse gehe (1471) Frankfurter zunfturk. 1, 221; ürtenamt, amt des ürtengesellen Staub-Tobler 7, 724; Fischer 6, 310; Bayerns mundarten 2, 50; Alsatia 10, 339. ürtenhahn, ein essen Fischer a. a. o. der ürtengeselle heiszt auch ürtenjünger: wann ein junger auf die herberg kohmbt, soll er nicht daraus gehen, bis die yrtenjunger zu ihme kohmmen und tuhn umb arbeit sehen (1667) ordnung der schmiedezunft zu Mülhausen Alsatia 10, 336; 339; ertenschmaus Pfeiffers Germania 27, 188. abend-, bier-, früh-, klein-, meister-, nach-, nacht-, schupf-, tag-, zechürte 1 und 5. 33) die verhandlungen der handwerkerversammlung. wer in die ürte redet, ohne dazu auftrag zu haben, ist mit busze bedroht Staub-Tobler 1, 492. einem in die örte fallen unhöflicherweise ins wort fallen als lausizisch ebda. 44) auch der ort der versammlung oder des zechens kann (mit)bezeichnet sein: sie sitzen in der ü. Christian Weise Tobias u. die schwalbe (1682) 4, 3 (zs. f. d. wortf. 2, 31); Staub-Tobler 1, 492; klubhaus der gesellenschaft, trinkstube, gesellenherberge L. Elster bei Müller-Fraureuth obers. wb. 2, 812b. vgl.zeche 6. 55) die vereinigte gesellschaft, gemeinde, gemeindebezirk, theil eines gröszeren ganzen Staub-Tobler 1, 492, 5; Buck flurnamenb. 286 (irrig abgeleitet von ordo ordnung); ürti alpgemeinde Niedwalden Martiny wb. d. milchwirtschaft (1907) 133: wie Ulenspiegel in ein hausz schisz und blisz den gstank durch die wand in ein ürtin, die in nit leiden mochten Eulenspiegel 119 ndr.; da kam das ganze volk von ob und unter dem Kernwald haufenweise aus allen uertenen und kirchgängen zusammen J. v. Müller gesch. schweizer. eidgenossenschaft 2, 355; Nidwalden war politisch in eilf urtinen getheilt Zschokke 2, 19 anmerk. dazu ürtialpe gemeindealp Staub-Tobler 1, 195; ürtinrecht genossenschaftsrecht 6, 278; ürtevogt aufseher über das land einer allmendgenossenschaft 1, 705; ürtner theilnehmer an [] der alpgenossenschaft 1, 495. vielleicht ist das elsäss. ürte reihe strohbündel auf dem strohdach (Martin-Lienhart elsäss. wb. 1, 71a) unser wort, losgelöst aus dem genossenschaftlichen sinne. ebenso die nassauische redensart mit urten, irten, erde: der weg ist mit ürten schlecht hier und da; mit ürten hab ich kopfweh von zeit zu zeit, zuweilen. Kehrein 419; Crecelius 642. im alten sinne des bezirkes: von der fische und krebisze wegen, die von den urthen umb Frankenfurd herinn kamen (1410) Frankfurter zunfturk. 1, 187. 66) die rechnung über das verzehrte, zeche 7 entsprechend. Lexer 2, 2014; Staub-Tobler 1, 489, 2; Schmidt elsäss. wb. 387, 2; Fischer 6, 307, 1; Schmeller-Fr. 1, 152; Unger-Khull 368b, 2. zeche und yrthe werden unterschieden, wenn man im 16. jh. sagte: die zech machen (bezahlen wollen) vor der yrthen (bevor die eigentliche abrechnung erfolgt ist) th. 15, 426; vgl. beit mit der irten, frag auch den wirt Salat bei Staub-Tobler 1, 490. der wein gat in die ürtin (wird gemeinschaftlich berechnet), wird in der ürtin getrunken Keisersberg sünden des munds 9b: doch fragent unseren wirt, der weiszt, der kreidet im alweg die úrti an Mone schausp. des mittelalters 2, 388, 284; wo ist der wirt wol in dem hausz? nun heiszt in einher gan, er nem die kreiden in die hand und schreib die orten an tischlied des 15. jhs. in Wolfs zschr. f. d. myth. 1, 467; laszt mich darum sorgen, der ürten darf er mir nit borgen, ich will in morgen zalen basz Teuerdank 268, 86 G.; da man gasz und die ürten bezalt was Keisersberg evangelib. (1515) 44c; der würt hiesch im die ürten Pauli schimpf u. ernst 44 Ö.; die ürten macht der wird nach dunken H. Sachs 5, 168, 16 K.; schlemmer saufen die gantze nacht. am morgen, so man dörten macht, dann kommen die rechte kindswehe H. Bock der vollen brüder orden b 4a; wolan, wir hetten gessen gnuog, heb auf den tisch, ist es dein fuog, und zeig mir an die ürten mein, was ich disz mals würd schuldig sein Wickram pilger m 41; wirt, mach mir dürthy, ich muosz gon Hans Rudolph Manuel weinspiel 642 ndr.; schankt mir der wirt ... die irte Felix Platter tageb. 175; da wir nun beiderseits, mann und pferde, wol gefütert hatten, zogen wir als ungemachter irten davon Moscherosch ges. (1666) 2, 609; ich entschuldigte mich, dasz ich so lange sein (des gastwirts) schuldner geblieben sei, und frug nach meiner letzten uerdi Gotthelf (1855 ff.) 1, 268. betrag der rechnung: als er nun den schalk weidlich gefüllet, fordert der wirt die ürten volkslieder 618 Uhland; er wolte mit der frowen ze nacht essen und manglete im an der irti Thomas Platter 15; dem herrn verwalter wil ich die halbe urthe von meiner rechnung abziehen lassen Chr. Weise Machiavelli 115; gleichwohl darf ich ... nicht verschweigen, ... dasz sie sogar, wenn ich für sie etwa ein brenzlin (glas branntwein) zahlte, nicht selten die uerte mir heimlich wieder zusteckte U. Bräker 1, 72. zs. ürtenfrei: die fremden gsellen doch darpey seint an der schenk ganz urtenfrey H. Sachs 22, 270, 19 G.; 21, 187, 12 G.; 17, 368, 12 G.; Unger-Khull 368b; vgl. zechfrei Fischer 6, 1073; zechürte 2. ürtibrett, rechenbrett, auf dem die ü. aufgeschrieben wird Staub-Tobler 5, 900. scherzhaft beim abschied aus einem gastfreundlichen privathause: er chönned mer iez d' ü. machen, und wenn der hausherr dies ablehnt: so chömmeds bald chogen inziehn (gegenbesuch) Staub-Tobler 1, 489; vgl. Fischer 6, 310; e grossi ö. vertue viel verzehren, d' ürti usmachen mit würfel- oder kartenspiel, ürten ûfschlahen aufschreiben lassen, us dr ü. laufen ohne bezahlung gehen, ie schöner d' würtin, ie schlimmer d' ürtin Staub-Tobler a. a. o. [] 6@bb) vielfältig übertragen, wie zeche 6 b: er (der mensch) rüeret iamers saiten uf dirre welte harpfen ... und muoz och balde sigen von disem toppilspil. er habe luzel oder vil, er mac si(n) niht begurten, so daz er diz urten nach toppils reht beziehe Hugo v. Langenstein Martina 122, 20 ff.; das nur dein haut bezal die urten fastnachtspiele 1, 259, 28 K.; vgl. die zeche mit der haut bezahlen; (Christus kam zum gestmahl) nicht umb des schlecks und der kostlichen spysen willen, nein, sunder dorumb, uff das er dem würt und denen, die mit im geladen worend, das letzgelt wolt verlossen und die ürten geben und sye leren Keisersberg postill 3, 86a; der herr ... wolt nit scheiden on die ürten, sunder wolt sye leren 3, 87b; er bint die schuh mit bast, der die urten bezalen musz (vom durchgänger) narrensch. 65a; der letst musz die ürten bezalen Eulenspiegel 26 ndr.; sy habend ouch die todten in die ürten bracht Zwingli d. schr. 1, 258; Manuel 198 B.; H. Bock der vollen brüder orden b 4a; des gerbers frau sagt dem bauern, als er ihre kinder tadelt: welchem ir wesen nit gefalt, der mag dest weiter von in gan dazu die randglosse: ich mein, disz was fein seuberlich die ürten gerfft, wans einer sunst merken wil Wickram bilger m 4b; vgl. Staub-Tobler 1, 490 und die zeche verrufen Fischer 6, 1072; und wiewol sy uff den benken lagen, konden sy am morgent die irten woll machen (sie bezahlten nicht), das ich und min wib als mieszten zahlen Thom. Platter 60; dise 16 man hetind im die ürten wol ze bezalen Brennwald Schweizerchron. 1, 349; so sich die fischlein darin (in dem schwanze) geschwommen, zeucht er (d. fuchs) sy heraus, erschütt den schwanz und lebt wol um ein klein ürten (billig, ohne mühe) Forer Gesners thierb. (1583) 55b; da wurden den rebellischen baurn die urthen etwas beschwerlicher gemacht Mechtel Limburger chron. 116; machsch dr d' ürti und isch dr slebe verleidet? Hebel bei Staub-Tobler 1, 490; emm e türi örte mache einen hart bestrafen; i will em d' ü. schon mache er soll mir dafür büszen ebda; vgl. Fischer 6, 1071. die ü. hinter oder vor dem wirte, ohne den wirt machen (vgl.zeche; Staub-Tobler 1, 490): aber sie thetend machen d' ürten hinder em wirt schweizer volksl. 1, 33 Tobler; Aler (1727) 2, 2132b; und macht die urten vor dem wirt Gengenbach der welsch flusz 22 Gödeke; Wickram 2, 422, 20 B.; aber ich hatte mich in dem sehr betrogen, die irten gemacht ohn den wirth Moscherosch gesichte 2, 195. die zech vor der ürten machen wird in den schönen w. klugreden (1548) 136a erläutert durch: juh schreien, eh man über den graben kompt, encomia canere ante victoriam. einem eine(r) ürten borgen, eine(r) ürten beiten, gebeiten (vgl.zeche 7; Staub-Tobler 1, 489): er ist ein armer wirte, der nit gebeiten mag einem ein einig irte bis uf einen tag schweiz. volkslieder 1, 12 Tobler; es mst ein arm wirdt sein, der nit ein urthen borgen kündte, sero molunt deorum molae Tappius adag. (1545) C c 8 β; k 2 α; Manuel weinspiel 1296 ndr.; got mag eim wol ein ürten borgen ein zeit lang, doch nit ewiglich Schade sat. 2, 234; Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 64b; aber got ist langmütig und kan den tyrannen ein örten borgen Mathesius postilla 3, 27a. 77) gemeinschaftlicher kostenbeitrag, symbola, symbolum, collecta Diefenbach gl. 534b; n. gl. 339a. Staub-Tobler 1; zeche 4; 'antheil an der zahlung' Heynatz antibarb. 2, [] 314: er hat sin urtin geben, symbolam dedit Terenz (1499) 12a; du kommest on ürthen, asymbolum Boltz Terenz (1539) 143b; Terenz (1499) 125a; die het der düppelsack beruert, wer ein reichliches wesen füert, für ieden seine yrten gyt, wiewol man im des danket nit Murner die mülle 1105; welch gesell nicht kem ant schenk aus hochmuet, karkheit oder renk, der selbig mues doch gleichwol eben wie ein ander ganz urtten geben H. Sachs 22, 270, 23 G.; was dir gepüert, zu üerten gieb 19, 137 G.; seine urte legen Kramer 2 (1702) 1222c. irte bestimmte summe, die in die strafgelderbüchse der zunft bei gewissen vorgängen einzulegen war und zur bezahlung der zunftzechen diente Unger-Khull 368b, irtengeld ebda. insbesondre hochzeitsgeschenk, beiträge zu den kosten der bewirtung; zu der sitte des ürtenschickens, der ürtenträger und der ürtenhochzeit s. Staub-Tobler 1, 493; zschr. f. d. philologie 17, 443. ursprünglich konnte der einzelne einen beitrag an speise und trank in natura mitbringen, dann in geld oder geschenken. noch heute heiszt in der Schweiz ürtenhochzeit eine hochzeit, an der die gäste auf eigene kosten zechen. das gegentheil ein unverdingtes hochzeit, bei dem der bräutigam die kosten trug, war 1611 an den besitz von 3000 gulden heiratsgut geknüpft. der bräutigam wurde dann dafür durch gaben der gäste theilweise entschädigt. die gaben werden geschickt oder getragen, in der ü. überchom Staub-Tobler 1, 492 f. die sitte der ürtenhochzeit verblieb den ärmeren leuten, die armut halben nur urthenhochzeit anstellen oberpfälz. polizeiordnung (1657) bei Schmeller-Fr. 1, 152; Heynatz antibarb. 2, 314. ürtengeschenke von verwandten und freunden Staub-Tobler 8, 937. auf md. gebiet waren die orten die bei der gemeinsamen zeche auf den einzelnen fallenden beiträge (Bech in Pfeiffers Germania 27, 187) und in erweiterter bed. bierorte auch ein trink- und ein mietgeld (Bech a. a. o.). ob irtung 'wertung einer münze' (Staub-Tobler 1, 495) damit zusammenhängt, ist sehr zweifelhaft. 88) die gemeinschaftliche kasse. vgl. zeche 3 a: das úbrig ... sol gemainlich in gmain urtten geleit und da bezalt werden oberschwäb. stadtrechte 1, 175; büchse für zunft- und strafgelder Unger-Khull 368b.
18696 Zeichen · 338 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ÜRTEswf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    ÜRTE swf. die rechnung des wirthes über das was die gäste verzehrt haben, zeche; dann die im wirthshaus sitzende gesells…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    ürtef.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    ürte , f. , heute von dem syn. zeche ( s. d.; K. v. Bahder wortwahl 127 ) zurückgedrängt, mundartlich oberd. und md. erh…

  3. modern
    Dialekt
    Ürtef.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

     Ürte f. : ' Zeche, Wirtsrechnung '; Zs.: Abend-, PfWB Vesperürte . a. 1450: Item soll die gemeinde ein art zu der wein…

  4. Sprichwörter
    Uerte

    Wander (Sprichwörter)

    Uerte Die Uerte ohne den Wirth machen. (S. Zeche.) – Eiselein, 655.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit uerte

103 Bildungen · 6 Erstglied · 97 Zweitglied · 0 Ableitungen

uerte‑ als Erstglied (6 von 6)

ürtekeren

WWB

uerte·keren

ürtekeren V. [ Kr. Lüdinghausen Lhs Wie] quengeln, nörgeln. ¶ Vgl.→ WWB üᵉkeren .

ürterig

WWB

uerte·rig

ürterig Adj. (von Tieren) mager (Frbg.) ( Kr. Coesfeld Kos Dü).

uerte als Zweitglied (30 von 97)

abendürte

DWB

abend·uerte

abendürte , f. abendzeche. Joh. Eberlin lob der pfarrer. 1521 A iiii . nicht schlaftrünk thun, kein abentürthy. Paracelsus 1616, 689 b .

Aksemeªkerschürte

WWB

aksemeaker·schuerte

Akse-meªker-schürte ⟨ › aldachsschöªrte ‹ ( die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen Dor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel…

Anfürte

ElsWB

Anfürte [Âfirtə Hlkr. ] f. Reisig zum Anzünden des Feuers. — Idiotikon Schweiz. 1, 951.

Armschürte

WWB

arm·schuerte

Arm-schürte ⟨ -schürte ( Kr. Warburg Wbg Kr. Warburg@Muddenhagen Mu Kr. Warburg@Wormeln Wo ), -schötte ( Kr. Aschendorf-Hümmling Asd Kr. Asc…

Armslökkerschürte

WWB

Arm-slökker-schürte. Armslökkerschötte Schürze ohne Ärmel und Träger, mit Löchern, durch die die Arme gesteckt wurden ( Kr. Lingen Lin Kr. L…

Bäkkerschürte

WWB

Bäkker-schürte -› scheª ( r ) te ‹ ( Kr. Lippstadt Lst Kr. Lippstadt@Geseke Ge , Kr. Brilon Bri Kr. Brilon@Dreislar Dr ) Bäckerschürze.

Bänderschürte

WWB

baender·schuerte

Bänder-schürte. „ Bännerschörden “ Schürze, die bis zu den Hüften und hinten zugebunden wird (tragen alte Leute) ( Kr. Herford Hfd Sp).

Beffekenschürte

WWB

beffeken·schuerte

Beffeken-schürte ⟨ „ Bäffken “- ( Kr. Bersenbrück Bbr Kr. Bersenbrück@Nortrup No Kr. Bersenbrück@Suttrup Su , Kr. Osnabrück Osn Kr. Osnabrüc…

Bindeschürte

WWB

binde·schuerte

Binde-schürte ⟨ Binde- ( Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt Bor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@Heiden Hd , Kr. Soest Sos Kr. Soest…

Blō¹dwürte

WWB

Blō¹d-würte ⟨ -wüörte, -füörte ( Kr. Lippstadt Lst Kr. Lippstadt@Drewer Dr ), „ -fürter “ ( Kr. Lippstadt Lst Kr. Lippstadt@Suttrop Su ), -w…

Brūnalwürte

WWB

Brūnal-würte f. ⟨ -wüörte ( Kr. Lippstadt Lst Kr. Lippstadt@Drewer Dr ), -fürter ( Kr. Lippstadt Lst Su) ⟩ 1. Braunwurz (Scrophularia nodosa…

Brustfürte

ElsWB

Brustfürte n. Schürze mit Brustlatz Felleri.

Bǖdelschürte

WWB

buedel·schuerte

Bǖdel-schürte f. „ Builschöacht’n “ Sackschürze ( Kr. Herford Hfd Kr. Herford@Bischofshagen Bi ).

Bundschürte

WWB

bund·schuerte

Bund-schürte f. Bundschörten um den gesamten Körper reichende Schürze ( Kr. Detmold Det Kr. Detmold@Istrup Is = PlatenauWb).

Deªrskeschürte

WWB

Deªrske-schürte f. Diärschschöärte Arbeitsschürze beim Dreschen ( Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm Unn Ln).

Dreªgerschürte

WWB

Dreªger-schürte f. [verbr.] Drägerschördn ( Kr. Herford Hfd Kr. Herford@Spradow Sp ) (lange) Schürze mit Trägern.

Drekschürte

WWB

drek·schuerte

Drek-schürte f. [verstr.] Dreckschörte ( Kr. Bielefeld Bie Kr. Bielefeld@Brackwede Bw ) Schürze für grobe Arbeiten.

Drulschürte

WWB

Drul-schürte f. [Hfd] Drullschüörde ( Kr. Herford Hfd Kr. Herford@Dreyen Dr ) Schürze aus Sackleinen. ¶ Vgl. → Dul-lāken .

Fakkeschürte

WWB

Fakke-schürte f. [Mark] „Laufschürze“ idW.: Sei hiät de Fackschüötte an sie treibt sich herum ( die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u.…

Fisīteschürte

WWB

Fisīte-schürte f. [Hellweg] Vissuitenschörte ( Kr. Lippstadt Lst Kr. Lippstadt@Rüthen Rü ) besonders feine Schürze, Sonntagsschürze.

Fō¹derschürte

WWB

foder·schuerte

Fō¹der-schürte f. [verstr. bes Lippe Kr. Höxter Höx Sos] Feauerschürten ( Kr. Höxter Höx Kr. Höxter@Bruchhausen Bh ) beim Füttern getragene …

Füᵉrschürte

WWB

fueer·schuerte

Füᵉr-schürte f. [verstr. nördl.] 1. kleine Zierschürze ohne Brustlappen. — 2. überdachter Vorraum über der→ WWB Niᵉden-düᵉre ; Walm ( Kr. Te…

Fueterfürte

ElsWB

Fueterfürte Katzent. , Fueter fürti Molsh. K. Z. n. Schürze, worin man Futter holt.