überheben,
v. ,
mhd. überheben
mhd. wb. 1, 645
b; Lexer
handwb. 2, 1623.
zur form: neben den lautgesetzlichen formen über-heben, -hub, -hübe (
jünger -hob, -höbe),
part. -haben (
jünger -hoben)
finden sich, wie im simplex (
s. o. th. 4, 2
sp. 45
f. u. 721; Staub-Tobler 2, 889),
im mhd. und frühneuhochd. auch präs. formen mit stammvokal a
sowie contrahierte formen durch contaminierung von heben (
capere)
mit haben (
habere),
z. b.: inf. überhan Staub-Tobler 2, 892; überhaben Lexer
a. a. o.; Frisius
dict. 204
b; Wickram 1, 6;
summerteil der heiligen leben (1472) 7
a;
welsch gattung 2906. 1.
pl. überhaben Ayrer
dramen 645
Keller. 2.
sg. imp. oberhabe
Alsfelder passionsspiel 105;
pl. überhabend
s. u.B 1
a. 3.
sg. opt. überhab (: ab) Brant
narrenschiff 23, 27
Zarncke. andererseits steht auch seit mhd. zeit neben dem part. prät. überhaben (-hoben)
ein schwaches part. prät. überhebt,
das bis in den beginn des 18.
jahrh. zu belegen ist (
s. u.),
ebenfalls durch contaminierung von heben (
capere)
mit haben, hebben (
habere)
zu erklären; selten überhabt,
z. b. bei Diefenbach-Wülcker 880, uberhan
Mone schausp. d. mittelalters 2, 395.
bedeutung und gebrauch: II.
in untrennbarer verbindung. die abgezogenen bedeutungen überwiegen schon mhd. I@AA.
mit sachobject. I@A@11)
praeterire, übergehen, auslassen. überspringen nur mhd. Lexer
a. a. o., z. b.: etwaʒ ist an den buochen gescriben, daʒ wir muoʒʒen ubirheven
Milst. gen. 72, 14
Diemer; do sach er ob im sweben, daʒ ensul wir niht uberheben, den heiligen geist als ein touben Ava
leben Jesu 458
zs. f. d. phil. 19, 156. I@A@22)
supportare, sufferre, tollere, elevare, uberheben oder leiden Diefenbach
mittellat.-hochd.-böhm. wb. 266; überheben, leyden, halten, vertragen,
supportare voc. theut. (1482) h h 6
b; Diefenbach
gloss. 568
b.
in den maa. weiter entwickelt zu überwinden, beherrschen, z. b. eine krankheit ü. Staub-Tobler
a. a. o.; Martin Lienhart
a. a. o. I@BB.
mit persönl. obj.: jemanden über etwas hinweg, aus etwas heraus heben, seit mhd. zeit nur in abgezogener bedeutung, mhd. wb. a. a. o.; liberare et vindicare ab aliqua re; ab officio tollere Schönsleder
prompt. (1647) A a 8
a; Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 295
b;
befreien, dispenser, exemter Frisch
dict. (1719) 568;
levare, liberare Steinbach 1, 763. I@B@11)
mit gen.: einen des kriegs überheben,
vom krieg erlösen und entledigen Frisius
dict. 10
a s. v. absolvo; einen einer mühe ü.,
sollevar da qualche faticha Kramer (1678) 1069
b; einer arbeit ü.
delivrer quelqu un de son travail Frisch
dict. a. a. o.; eximere aliquem labore Kirsch (1723) 299
a; Hederich (1729) 2405; einer last ü
to disburden one Ludwig
teutsch-engl. wb. (1765) 1790; Adelung 4, 757.
belege aus Luther
u. d. neueren sprache bei Vernaleken
syntax 2, 57. I@B@1@aa)
mit persönl. subject: überhabend mich der nott!
Georgs kampf mit dem drachen 259
Vetter; magk is din wille gesin, so oberhabe mich disser bittern martel swer
Alsfelder passionssp. 105
Grein; herre, vatter und got, ist eʒ nit wider din gebot, so uberhebe mich dirre pin
schausp. d. mittelalt. 1, 101
Mone; drum muot ich dir nit weitters zuo, dir möcht sụnst ärgers drausz entstan ... des will ich überhaben dich
welsch gattung 2906 (
germ. abh. 34, 248); derhalb ein ieder, wer er sey, der thue recht und förcht sich darbey und als, was er nit haben wöll, sein nechstn auch uberheben söll! H. Sachs 8, 600
Keller; was du nicht wilt haben, des überheb einen andern auch Agricola
sprichw. 301; der diener ... bat in, ... daʒ er in denne überhübe dez grossen jamers Suso
deutsche schr. 57; und warde die gancz welt darumb ungedultig, so vil, das sie ouch den öbristen got Jupiter darumb scheltwort nicht überhuobent Steinhöwel
Äsop 88; darüber sollen die fürsten deutscher nation meiner nicht schonen und keiner straff, sie sei als grosz sie wölle, überheben Hutten
opera 2, 193; das sie gott uberhub des weltlichen regiments Luther 33, 350
Weim.; ein guoter alter fechtmeyster, den man alters halben desz fechtens überhebt Alberus (1540) 112
a s. v. rudiarius; je mehr einer sich der haussorg will entschlagen, so vil mehr bedarf er eyne hausverwäserin, die in der hausgeschäft und sorg uberhebe Fischart
ehzuchtbüchl. 214; damit du nicht mehr dürffst mein werck vor dein ausgeben, lass ich den drucker dich der arbeit überheben Gryphius
ged. 410
Palm; überhebe mich des allzu bittern kelchs, du brunnquell aller güte Günther 705; seine mitmenschen des schmerzes zu überheben, sei die reichste wohlthat Herder 18, 242; prinz, sie überheben mich eines besuchs Schiller 3, 103; so hab ich Stadelmann ... nach Marienbad geschickt, damit er ... mich des unerfreulichen ersten ankommens überhebe Göthe IV 37, 109
Weim.; man überhob ihn der mühe des regierens E. Th. A. Hoffmann 10, 37
Grisebach; sprecht schnell, und überhebt sobald als möglich eures anschauns mich! Grillparzer 10, 142. I@B@1@bb)
mit unpersönlichem subject, schon mhd., vergl. mhd. wb. 1, 646
a;
nhd. allgemein: beiliegende antwort ... überhebet mich der mühe, es ihnen weitläuttig zu beschreiben Lessing 17, 210; nimmt mir dieser schritt die freude sie wieder zu sehen, so überhebt er mich auch eines abschieds Göthe IV 19, 58
Weim.; mein gutes einkommen überhebt mich der arbeit Justus Möser
sämtl. werke 1, 359. I@B@22)
selten präp. statt gen.: ich will dich von diesem geschäfte überheben,
levabo tibi hoc negotium; wer überhebet mich damit?
quis hac re me liberat? Steinbach
a. a. o.; dasz er E. K.
F. G. ja gerne damit überhube Luther
br. 3, 480; diser der thut auch gfallen mir, und weil wir der wahl emig sein und der meinsttheil stimbt überein, so überhaben wir damit, das der herr fürst ausz Böheim nit unter uns musz ein auszspruch machn Ayrer
dramen 645
Keller; auch mit dat. der person u. acc. der sache in gleicher bedeutung, in alter und neuer zeit selten: er (
gott) wirds uns nicht uberheben, weil ers auch seiner mutter nicht uberhaben hat und allen aposteln Luther 24, 525
Weim.; hats die welt Christo nicht uberhaben und Christus müssen leiden, so wird sie solchs uns auch nicht uberheben 28, 383
Weim.; die ihm ... die mühe überheben würde, mit wurzelgraben und kräuterlesen sein brod zu suchen
der Leipziger aventurier (1756) 2, 33; diesem (
dem leutnant) stehet er (
der fähnrich) bey, und hilfft ihm biszweilen eine mühe überheben Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 151 § 6.
ohne sachobj.: die armen dorffpfarrer ... sie haben keine sublevation, wie in städten, da hat man studiosos, collegen, die können einem dann und wann überheben
der wohlgeplagte priester (1695) 84. I@B@33)
verengt: für jemanden eine arbeit thun, mundartlich und verkehrssprachlich. Loritza 135
a; Schmeller 1, 1037;
jemandem bei einer arbeit behilflich sein Hügel
Wiener dial. 169
b. I@B@44)
reflexiv: sich überhaben,
cohibere se, sich enthalten, sich meisteren, maszen und zämen Frisius
dict. 244
b; sich überheben und enthalten,
im selbs entziehen, sibi temperare 1293
b.
mit abhängesatz: er hat sich nit mögen enthalten oder überheben, das,
etc. non potuit quin 1027
a; ich enthalt mich kaum, mag mich hart überhaben, das,
vix comprimor quin 274
a.
mit gen. allgemein: sich desz weinens überheben,
sich vor greynen hüten, temperare oculis Frisius
dict. 907
b; sich zürnens überheben,
nit zürnen, iram tenere 1299
a; ich sölts wol underwägen lan, mag mich sin doch nit überhan H. R. Manuel
weinspiel v. 3987; het ichs dem knecht vor also gseit, so het ich mich des gangs über han und het nit müessen selber kan
schausp. d. mittelalt. 2, 395
Mone; überheb dich böser swür! Hätzerlin
liederb. 133; hettest dich vor liebes überhaben, so werest du nun leides vertragen
Ackermann aus Böhmen 16, 17; mir ist kurtzlich mein muoter gestorben ... hab mich weinens nit mögen uberheben Pauli
schimpf u. ernst 373
Österley; die hailigen väter ... haben sich des (
der wissenschaft) nicht überhaben, sunder für augen genommen, was sy nit gewiszt haben, das selb auch zuo erforschen Eyb
spiegel d. sitten B 2
b; wenn du wol reden köntest so soltestu dich des noch wol uberheben Luther 16, 58
Weim.; es muszte doch billig nach Sophiens ader gesehen werden ... konnt er als wundarzt sich dessen überheben? J. G. Müller
kom. romane (1786) 1
2, 460; durch den wohlberechneten friedensschluss mit Preussen überhoben sich die Franzosen der lästigen pflicht, die versprechungen, welche sie den völkern gemacht hatten, zu halten Moltke
ges. schr. u. denkwürdigk. 2, 211. I@B@55)
passiv: istarum cogitationum wirstu nicht überhoben Luther 34, 2, 202
Weim.; die triarier werden solcher dienst uberhebt Xylander
Polybius (1574) 344; dasz er hinfort der mühe harnisch anzulegen uberhaben worden
Amadis 1, 174; hielt bey dem könig an, dass er dess regiments wegen seines alters überhaben wurde Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 275
b; ich ward dieser mühe überhoben Schnabel
insel Felsenbg. 43, 23
Ullrich; die gärtnerei ist den alten überlassen, welche darin von den jünglingen der mühsamsten arbeiten überhoben werden Wieland 18, 66
Hempel; der landgraf erklärte, ... das geheimniss sei ihm unerträglich: er wolle und müsse desselben überhoben werden Ranke 4, 189. I@B@66)
part. prät. überhebt, überhaben, überhoben
in adjectivischer function: immunis, frei Corvinus
fons lat. (1646) 566; Garthius (1679) 333
a; überhoben (
sup. ut adj.)
levatus Steinbach
a. a. o.; prädicativ allgemein: überhaben, überhoben
etc. sein, bleiben eines dinges,
erlassen, entledigt, entladen sein Schöpper
syn. g 7
b; überhebt sein,
liberari re Dentzler
clavis ling. lat. a. a. o. I@B@6@aa)
mit gen.: überhaben seyn eines dings,
carere Dentzler
a. a. o.; ü. des unglücks,
sublevatus, immunis a malis Kirsch (1723) 299
a. I@B@6@a@aα) überhabt, überhebt: wand si maniger swære was überhebt Ottokar
chron. 39274
Seemüller; uff daʒ ich groszer kosten uberhabt were
quelle (
a. 1408)
bei Diefenbach-Wülcker 880; aller bürde entladen und überhebt sein Aventin 1, 222, 11; damit mine herren fürhin täglicher klagen ... überhebt sind Zwingli
deutsche schr. 1, 117; dastu der ... unnöhtigen sorg ... überhebt köndest sein Paumgartner
br. 204; also war der arm dieb nichts fröers, dann das er des galgens überhebt wär Nas
das antipap. eins und hundert 2, P 5
b; welcher nachred ich gern wolt überhept sein Schaidenreisser
Odyssea (1537) 25
b; hett ich darvor in gottes huld bezahlet der natur die schuld, so wer ich dises elends grosz ... ... jetzt uberhebt Spreng
Ilias (1610) 33
a; er (
Christus) hinauf zur sonnen schwebet, machet selber seinen tag; sie, der arbeit überhebet, folget seinem wagen nach Spee
trutznacht. 329;
formelhaft verbunden: überhebt u. vertragen sein. ob die stett des bunds des zugs und der hilff über die berg gen Rom zu ziehen mit gnedigem willen überhebt und vertragen werden möchten
urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 168; zuo Rom sein wir doch der schmächwort von freunden und feinden überhebt und vertragen Carbach
Livius 67
a; es sollen alle arckelley personen tag und nacht wacht und hut uberhebt und vertragen seyn Fronsperger
kriegsbuch 1, P 4
b. I@B@6@a@bβ) überhaben: (
er) soll des aydes überhaben und ledig sein
quelle (1308)
bei Lori
samml. d. baierischen bergr. 5; doran uns wol duncket, das ir sulchir muhe und ander mehr rechtlichin und mit eren wol oberhabin wert gewest
lehns- u. besitzurk. Schlesiens 1, 420; hetten alle genuog und weren vil jammers und beschwerung überhaben Aventin 1, 323; sich, also magk nyemant der anfechtung uberhaben sein Luther 2, 124
Weim.; die ... sind in vilen jaren des febers uberhaben pliben
longo aero caruisse febribus Heyden
Plinius (1565) 176; ob man dieses kriegs möchte überhaben sein
eselkönig 274; unglücks ist niemand uberhaben
a malis nemo est immunis Bas. Faber
thesaurus (1581) 529
b; der mühe wehret ihr uberhaben Paracelsus
opera 1, 339
Huser; warumb trachtestu nicht auch ins königes dienste zu kommen, dasz du möchtest der schweren arbeit überhaben seyn? Olearius
persian. rosenthal (1696) 23. I@B@6@a@gγ) überhoben: nu ist er (
der todte) aller seiner feinde toben, und alles jammers frey und uberhoben Ringwaldt
handbüchl. D 1
b; hilf edeler fürste reine, dasz wir des sin überhoben!
historische volksl. 1, 185
a Liliencron; ach vater, liebster vater mein, kan ich der marter nicht uberhoben sein
Bäumker katholisches kirchenl. 1, 608; die leute macht man nicht anders, man kan ihr auch nicht uberhoben sein Hayneccius
Hans Pfriem 8
neudr.; auch die allerherrlichsten tempel ... seyn des verterbens nicht überhoben Butschky
Patmos (1677) 478; der sorge kan der herr secretarius vor dieszmahl überhoben seyn Reuter
Schlamp. krankh. u. tod 113; er könnte dadurch vieler verdrieszlichkeiten überhoben sein Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. 122; mancher liebt die Hottentotten, damit er es überhoben sein möge, seinen nachbar zu lieben Abbt
verdienst 2, 3; sie (
die Schweden) handeln rascher, unumschränkter und kühner, weil sie es überhoben sind ... rechenschaft von ihren entwürfen zu geben Schiller 8, 372; eine last, der man überhoben sein möchte Kant 5, 293; weil jedermann zufrieden war, ... des gesprächs überhoben zu sein Göthe I 23, 260
Weim.; einer ausführlichen beschreibung des parkes können wir uns ... überhoben fühlen Gutzkow
ges. werke 6, 41. I@B@6@bb)
mit abhängesatz statt sachgenitivs: so mag künig Marchs mit gelimpff nit überhaben sein, er muosz meinen herrn mit seinem gesind über nacht bey ym behalten
Tristrant prosa 112, 1; sie ... begabe sich nach dem schlosz Gorneas, ... um überhaben zu sein, das sie nicht von uns abschied nehmen müste A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 115. I@B@6@cc)
acc. der sache statt gen. ungewöhnlich, auch der acc. eines neutral. pronomens ist nicht häufig zu belegen: die wunden hättest du wohl können überhoben seyn
volksb. v. geh. Siegfried neudr. 74; das er gute tage habe und die mühe und unlust des ehlichen lebens uberhaben sey Luther 12, 240
Weim.; da ... wolt er sich selber erstochen haben, daz ward er leider überhabt von einem diener
der heiligen leben in dem winterteil (1471) 141
a; was Hercules nicht gethan hat, das solt ir ander fürsten lassen, was er nicht überhaben gewest ist, das solt ir auch leiden Luther 6, 159
a Jen.; du (
Christus) vermöchtest dasselbig (
die schmähung) auch nit vor in uberhaben sein Th. Müntzer
aus d. kampf d. schwärmer g. Luther (1524) 20
neudr.; was ir gerne von leuten überhaben weret, das uberhebt sie auch Mathesius
Sarepta (1571) 20. I@B@6@dd)
dat., bezw. präp.-ergänzung statt gen., occasionell: um dem beschwerlichen geschäfte überhoben zu sein Kant 6, 132; ich bin zufrieden, wenn ich mit dieser weitaussehenden mühewaltung soll überhaben sein Chr. Weise
freim. redner 537. I@B@6@ee)
in attributiver function ist das part. wenig gebraucht; ungewöhnliche fügung: thät mich der erzeigten gnaden und angebotenen überhabenen mühe unterthänig und gehorsamlich bedanken Schweinichen
denkwürd. 243
Österley; Jurena ... muste dem ... Orodes noch wegen überhobener müh dank sagen Lohenstein
Arminius 1046
a. I@CC.
emporheben, in die höhe heben, erheben: extollere Sachse
gloss. in Herrigs archiv 47, 447
a; Diefenbach
gloss. 220
a; ein ding ü.,
extollere, effere rem Dentzler
clavis ling. lat. a. a. o., in metaphorischer verwendung. I@C@11)
mit zielangabe: drum hat es (
Mosis gesetz) durch Christum von buchstaben in geist uberhebt werden müszen S Franck
gebot der juden (1537)
bei Latendorf Francks erste namenlose sprichwörtersaml. 329; wer nicht ausz disem wuost erwölt und in Christum überhebt wirdt, mit dem ist es schon ausz
paradoxa (1558) 180
b; er ... seine menschheit uber alles in der höchsten glory und herrlichkeit uberhebt hat Spee
güldenes tugendb. (1640) 23.
reflexiv: da stet, das Christus unter dem tod erfur kriecht und uberhebt sich uber Satan Luther 27, 116
Weim.; er überhebt sich nicht über die, welche er schildert Göthe I 40, 245. I@C@22)
meist verengt und prägnant: ich lob, erheb, überheb, erhöh, rhüm, preisz Alberus
nov. dict. genus (1540) 15
a;
reflexiv allgemein: efferre, extollere se Schönsleder
prompt. (1647) Aa 8
a;
stoltz, übermüthig werden Kramer (1678) 1069
b;
hochmüthig werden Garthius (1679) 713
b;
insolenter se efferre Dentzler
clavis ling. lat. a. a. o.; Adelung
a. a. o.; auch in den maa., z. b. Staub-Tobler
a. a. o.; mehr aus sich machen als man ist Hügel
Wiener dial. 169
b.
die sinnliche bildkraft des verbs verblaszt früh, aber nie völlig, vgl.: gott sieht nicht übersich: drumb überheb dich nicht: du kömst sonst mit gefahr ausz seinem angesicht Silesius
cherub. wandersm. 102
neudr. I@C@2@aa) sich überheben über jemanden
oder etwas: als über manichen menschen du dich überhebest mit deinem urtail ... als under manchem urtail wirstu geurtailet und verurtailt Tauler
sermones (1508) 72
a; zum andern sind sie hochmuttig ... das sie sich ubirheben yn yhrem hertzen ubir alle andere Luther 10, 1, 1, 636
Weim.; der bapst zu Rom, der sich über Jesum Christum und die rechten gottdienst überhebe Mathesius
werke 3, 44
bibl. d. schriftst. a. Böhmen; ein widerwärtiger, der sich überhebt über alles, was gott oder gottesdienst heiszet Vosz
antisymb. 150; indem ich mich über euch und über das, was auch treffliches und ehrenwerthes in euch ist, in nichts überheben will Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 119. I@C@2@bb) gegen jem., vor jem. sich überheben: auf dasz er sich nicht überhöbe gegen seine brüder Arnim 5, 60
Grimm; gib (
gott), dasz ich mich nicht überhebe vor denen, die mir gleiche sind Schmolcke
sämtl. trost- u. geistr. schr. 2, 13. I@C@2@cc)
mit sachgen., mhd.: und lebent alle nach sime (
Antichrists) gebot. dez uberhebt er sich gar Heinr. v. Neust.
von gottes zukunft 5134
Singer. nhd.: da einer im selbs zu vil zumiszt und sich eins dings übernimpt oder überhebt Frisius
dict. 1048
b s. v. praesumptio; sich überheben des glückes,
ob felicitatem elatius se gerere Kirsch (1723) 299
a; sy ... überhuob sich ires adels nit noch irs guots
das summerteil der heiligen leben (1472) 81
a; ir müszt auch Lewfriden mit allem fleisz darzu halten und weisen, so das er sich ewer liebe und gunst nit zuo vil überheb Wickram 2, 344; er ist arm worden, der do ein herr ist aller ding, uf das er zeygt, das sich nyeman der irdischen richtum überhüb Keisersberg
bilgerschaft 63
b; du hast die Edomiter geschlagen, des uberhebt sich dein hertz
2 kön. 14, 10; sanct Paulus ... saget, ime sey ein pfal ins fleisch gesteckt, ... auf das er sich nicht überhübe der herrlichen offenbarung Luther 17, 1, 235
Weim.; und ward der pfaw sich rümen und überheben der schönen ... federn Steinhöwel
Äsop 274; schön leut, die sich selbs kennen, ... uberheben sich irer schön Franck
sprüchw. (1545) 1, 100
b; endlich gieng es ihn doch auch wie ... manchen, die sich ires glücks uberheben Mathesius
Sarepta (1571) 15
b; so darffst du dich deiner ritterschafft nicht uberheben, und dich etwas mehr beduncken seyn denn Reinhart
buch d. liebe 238, 4; (
Otto d. grosze) bettete ... gott um ein demütig hertz, damit er sich dieser herrlichkeit nicht uberhübe Zinkgref
apopthegmata (1628) 21; uberhebe dich nicht der stärke und schöne deines leibes Arnd
Th. a Kempis übers. (1631) 9; er überhebt sich seines fürsten gnade nicht, noch in den hertzen, noch in den worten Harsdörffer
gesprechsp. 6, 232; man siehet, wie seine freunde ihn (
Spinoza) lieben ... und wie er sich dessen nie überhebt Herder 16, 423; die schwärmer und inspiranten haben sich oft ... ihrer erleuchtung überhoben Göthe I 37, 168
Weim.; sins glücks sich nyemans uberhab, dann wenn gott will, so nymbt es ab Brant
narrenschiff 23
Zarncke; der soll mit christlichem wandel leben, andern ein gut exempel geben und sich seins gwalts nit uberheben Fischart
die gelehrten die verkehrten 3, 363
Kurz; aber disz ist der fehl allein, dasz sie zu gar klug wollen sein, ihrs ampts zu hoch thun uberheben Eyering
proverb. copia 3, 141; zu früh war mir das schönste glück verliehen, und wird, als hätt' ich sein mich überhoben, mir nur zu bald geraubt Göthe I 16, 168
Weim.; ihr werdet euch so blutig eurer macht nicht überheben Schiller 12, 498; I@C@2@dd) von, über, in, wegen etwas sich ü.,
vgl. Steinbach
a. a. o.; Adelung
a. a. o.; dasz es (
das herz) wird sicher, stoltz und flück und überhebt sich von seim glück Fischart
Eulenspiegel 4
Hauffen; du würdest meiner vergessen und über deiner weisheit dich überheben Luther 16, 139
Weim.; so in das glück beiwonet, sollen si sich nit überheben in hoffart Eyb
spiegel d. sitten (1511) A 6
b; als er heim kam und sich in freuden zu vil überhuob, fand er sein schwester bitterlichen weinen Carbach
Livius 9; er überhebt sich wegen seiner stellung Krünitz 192, 367; sein verstand bewahrte ihn davor, sich wegen der plötzlichen gesellschaftlichen erfolge zu überheben G. Freytag 4, 216. I@C@2@ee)
ohne ergänzung: und alles was die andern könige zum tempel gegeben hatten ..., das raffet er (
Antiochus) ... hinweg und uberhube sich seer 2
Maccab. 5, 17; wann ihm auch gott glück gab, so überhub er sich nicht wie die wanckelmütige weiber Schupp
schr. (1663) 140; das fehlte noch, dasz er sich zu überheben anfängt Göthe I 39, 164
Weim.; es liegt so tief im menschen, sich zu überheben Laube
ges. schr. 1, 32; man hielt mich ... für einen stolzen und verstockten träumer, der sich überhebt Kürnberger
novellen 314. I@C@2@ff)
part. prät. in adjectivischer und substantivischer function wenig gebräuchlich. I@C@2@f@aa))
anmaszend: (
in Vulcans munde wird) die kindliche anmahnung kein sich brüstender überhobener rath sein Herder 3, 210. I@C@2@f@bb))
erhöht, gesteigert: wo aber die tragödie ihres endzwecks am sichersten war, da griff sie ... nach jener aufstrebenden und überhobenen menschheit Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung 5, 448; karrikaturen ... bilden damals das überhobenste bestreben der rein geistigen natur des menschen und das tiefste versinken seiner thierischen ab
ebenda 5, 99.
substantiviert: dem überhobnen willst heilsame lehre geben Rückert
werke 8, 302. I@C@2@gg)
subst. inf.: im Agamemnon ist die nämliche herrschsucht, das überheben der menschlichen natur, die alle ihre grenzen ... überspringt Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 1, 401; auf der einen seite ein sündhaftes, frevelndes überheben des eigenen menschenwerths als monarch, auf der andern ein ... winseln vor gott Gutzkow 7, 394; das selbständige volk duldet einmal kein überheben der einzelnen stände Allmers
marschenb. 1, 341
b. I@C@33)
landschaftlich: I@C@3@aa) jemanden überheben,
überhalten, zu theuer halten in kauf und verkauf, s. Staub-Tobler
a. a. o. I@C@3@bb)
zu hoch zielen: dr schutz ist überhebt
ebenda. I@DD.
reflexiv: sich durch heben einen leibschaden zufügen Loritza 135
a; Campe 5, 22
b; Martin-Lienhart 1, 296
b; Follmann
lothr. ma. (1909) 263
a;
idioticon d. dtsch. spr. in Lief- u. Ehstland (1795) 243; es ist aber solche arbeit (
trächtiger stuten) also bescheidentlich anzufangen, dasz sie nicht an solchen (
schwer passierbaren orten) geschehe, dasz die tragende stutten von groszer last sich überheben oder überstrecken müssen Hohberg
georgica curiosa aucta 8, 105
b; ich habe mich damit überhoben,
mir damit schaden am leibe gethan Ludwig
teutsch-engl. wb. (1765) 1790.
auch in den maa. allgemein, z. b.: i' hab' mi' überhob'n und an bruch kriagt Hügel
Wiener dial. 169
b. IIII.
in trennbarer verbindung: hinüberheben. es wird mir schwer, den knaben überzuheben Heynatz
antibarb. (1796) 2, 485; Campe
a. a. o.; Hilpert (1845) 639
a;
lux. ma. (1906) 195
a. —