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tünch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tünch m.

Bd. 22, Sp. 1772
tünch, m. , tritt als jüngere durch kalk, kalch beeinfluszte nebenform zu tünche, f. (s. dieses und tünchen). ausgangspunkt der entwicklung sind durch apokope entstandene kurzformen, wie sie schon aus früher zeit überliefert sind (litura tunich [13. jh.] ahd. gl. 5, 10, 13 St.-S.). wann das masc. genus eindrang, läszt sich nicht mit sicherheit sagen; die erste eindeutig masc. form gehört dem jahre 1448 an: in nassen tünich bei Birlinger schwäb.-augsb. 127. in der überlieferung des 15., 16. u. 17. jhs. erscheint das masc. gegenüber dem fem., das im frühen nhd. lediglich lexikalisch nachweisbar ist, als durchaus vorherrschend; die aus dieser zeit ohne sichere genuszeichen überlieferten formen ohne endungs-e wird man daher mit groszer wahrscheinlichkeit als masc. ansetzen dürfen: tünich S. Hüttel s. u.A 2 b; dünich Augsb. qu. (1614) bei Fischer schwäb. 2, 464; dünch Maaler teutsch spraach (1561) u. Riemer (1681), s. u.A 2 a; tÿnch (1524) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 1, 575. im 18. jh. stehen masc. u. fem. nebeneinander, so bei Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162b: die (der) tünch; bei Göthe: der tünch (s. u.A 1) u. die tünche (s. u.tünche A 2 a); im 19. jh. hingegen tritt tünch, m., völlig gegenüber tünche, f., zurück.daneben findet sich im schweiz. vereinzelt auch das genus neutrum: das dünch Rivius Vitruv (Basel 1575) 137 (neben: der dünch ebda 140). — wie bei tünche (s. dort) variiert die qualität des anlautenden dentals bis ins 17. jh. zwischen lenis und fortis; ebenso bleibt der umlaut des stammvokals nur ausnahmsweise unbezeichnet: tunch Frisius dict. (1556) s. u. B 2 b. AA. als (bau-)technischer ausdruck. A@11) allgemein im sinne von 'verputz, bewurf' (vgl.tünche A 1): also, das von gedachtem erdbeben die kirche erschttet und der tnch abgefellet worden S. Suevus spiegel d. menschl. lebens (1588) 289a; doch ist wenig des dünnichs am gewölb hangendt geblieben G. Widman chron. 125 Kolb; tnch abschlagen delere tectorium Calvisius thes. (1666) 847; wenn ich ein gebäude ansehe, so kan ich die figur und die grOesze der fenster und thren von einander unterscheiden ... allein den tnch und die materie der steine und des holtzes ... erkenne ich nicht deutlich Chr. Wolff vern. ged. v. gott (1720) 454; es war am vordertheil, zu ihrem Aeusseren grauen, vollkommen leserlich allda, dasz durch den leichten tnch die dunkle mauer sah, mit einem meiszel eingehauen: von bauernschweisze reparirt Arist schilderungen f. d. frauenzimmer (1764) 154; weil ich alle obelisken von jeher verwünscht habe, die nicht aus einem granitstück gehauen waren: wie denn z. b. in Schönhof ein ungeheurer zusammengesetzter dasteht, den der abgefallne tünch jedem ästhetischen auge verdrieszlich macht Göthe IV 24, 271 W. A@22) mehr in hinblick auf diegewöhnlich durch kalkmilchanstrich hergestellteweisze, glatte fläche der obersten putzschicht (s.tünche A 2). A@2@aa) im sinne von 'weiszer überzug, anstrich' (s. auch unter B 1 u. vgl. tünche A 2 a): dünch oder verweyszgung, es seye gypsz oder pflaster tectorium Maaler teutsch spraach (1561) 93a; die gebrechlichsten hauser kan man mit dünch überziehen und die vorbeigehenden augen damit betrügen Riemer polit. stockf. (1681) 73; sieht man freilich den so leicht sich bröckelnden muschelkalk der säulen und mauern, so wundert man sich, dasz er noch so lange gehalten. aber die erbauer ... hatten deszhalb vorkehrung getroffen: man findet noch überreste eines feinen tünchs an den säulen, der zugleich dem auge schmeicheln und die dauer verbürgen sollte Göthe I 31, 162 W.; sie (die mauern) sehen aber schlecht aus, besonders da es in England gar nicht gebräuchlich ist, den häusern von auszen einen tünch zu geben Johanna Schopenhauer reise d. Engl. u. Schottl. (1818) 2, 86. A@2@bb) von der noch feuchten obersten kalkschicht, in die bei der freskotechnik gemalt wird (vgl.tünche A 2 b): das man die capellen zu St. Bartolome, zu St. Ulrichskirchen nach dem besten tünichen und in nassen tünnich wol malen laszen solle urk. v. 11. 9. 1448 bei Birlinger schwäb.-augsb. 127; anno domini im 1570 den 20. tag septembris hat der her Albrecht Sygler seine steinerne gibel lassen aufbauen und in tünich mit gemehl lassen drauf abreissen Simon Hüttel chr. d. st. Trautenau 193 Schlesinger. A@2@cc) für anstrichmaterial, insbesondere die stark verdünnte kalkmischung, die sog. kalkmilch (s. auch unter B 2 u. vgl. tünche A 2 c): aber darnach hat er die mit dem tünche und steinfarbe uberstrüchen (1498) urk.-b. d. st. Heilbronn 2, 642 v. Rauch; aber das best ist, das man den dnch abrre mit Oeltrusen, welches alles vngezyfer verderbt Michael Herr feldbau (1551) 48a. A@33) in erweiterung des anwendungsbereichs gelegentlich auch für 'schminke' (vgl.tünche A 3 b): dann was magstu gutes hoffen oder halten von einem solchen man, dem ein weiszer tünnig besser gefelt, dann ein from weib Barth weiberspiegel (1565) X 3a; der tnch ist ihr weidlich abgefallen pulcritudo ejus ... defloruit Stieler stammb. (1691) 350; ähnlich bei Ludwig: es ist ihr der tünch, oder die schmincke, ziemlich abgefallen, sie hat nunmehr ihre schönheit schon verlohren her painting could not save her faces from wrinkling teutsch-engl. (1716) 2039; im tode musz vollends aller tünch hinweg G. Cober cabinetsprediger (1715) 1, 25; schöner! dein tünch musz in das übertünchte grab ebda 1, 405. BB. metaphorisch. B@11) im vergleich (vgl.tünche B 1): gleich als der schöne tünch schneeweisz an einer schlechten wand mit fleisz nit kan bestehn wider den regen, und ein zaun auff eim berg gelegen wider den wind nit kan bestehn, sonder musz bald zu trümmern gehn, also steht auch das hertze blöd desz narrn in seim fürnemen schnöd wider kein schreckn in keiner sach H. Sachs 19, 92 lit. ver.; ähnlich bei Luther: gleich wie der schOene tnch an der schlechten wand wider den regen und ein zaun auff hohem berge wider den wind nicht kan bestehen Syrach 22, 20; an diese gottes-kirche nun hat der bOese feind seine capelle so nahe gebauet, dasz von dem darzu gebrauchten koth der warsagerei alle pfeiler und wAende dieser kirchen gantz besudelt, und gleichsam als von einem losen tnch beschmitzet worden E. Weigel zeitspiegel (1664) 87. B@22) bildlich. B@2@aa) zu tünch A 2 c: wie wol Musca Turrianus ... sich unterstanden hat, solchs gedechtnisz der unglucklichen geschicht mit frischem tnch mehr zu beschmieren als auszzutilgen G. Klee berümter leute leben (1589) 1, 26. B@2@bb) zu tünch A 2 bzw. 3, im sinne von 'glänzende oberflächliche verhüllung, falscher aufputz, scheinwerk' (vgl.tünche B 2 b β): fucus nit nur der weyber angestrichne farb, sunder yeder tunch vnd angestrichne verblendung Frisius dict. (1556) 589b; was hat wohl die welt, die da im argen liegt, ... meisterlicher gelernt, als ihrem thun und lassen, wenns den befehlen gottes zuwider, einen tünch anzustreichen, um etwa dadurch der schande und strafe, die auf die sünde folgt, zu entgehen Gottfried Büchner bibl. real- u. verbalconcordanzien (1757) 512a; wer ... seine handlungen mit dem tünch einer scheinheiligkeit überstreichet, der ist ein heuchler ebda 149b; ihr heuchler, warum heiset ihr euer thun gut? da doch alle euer tünch gar leicht abgewischt wird? ebda 2, 1442b. B@2@cc) zu tünch A 1 bzw. 2 a (vgl. auch tünche B 2 b α): die neger haben unter einem tünch von Christenthum ihren fetischdienst bewahrt Bücher in: nat.-zeit. 12, 215 bei Sanders 2, 2, 1402.
7475 Zeichen · 169 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    tünchm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    tünch , m. , tritt als jüngere durch kalk, kalch beeinfluszte nebenform zu tünche, f. ( s. dieses und tünchen). ausgangs…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tuench

40 Bildungen · 36 Erstglied · 0 Zweitglied · 4 Ableitungen

tuench‑ als Erstglied (30 von 36)

tünchen

DWB

tuen·chen

tünchen , vb. , ahd. * tunichon in tunichos ahd. gl. (10. jh. ) 1, 370 St.-S.; tunichotun ebda 643; kitûnichot (9./10. jh. ) ebda 671 ( der …

tüncher

DWB

tuen·cher

tüncher , m. , im frühen nhd. auch: düncher H. Sachs fab. u. schwänke 5, 69 ndr.; Dasypodius dict. (1547) 2, C 3 a ; Duez dict. (1664) 2, 10…

Tüncheranzug

PfWB

tuencher·anzug

Tüncher-anzug m. : 'Arbeitsanzug des Tünchers', Dinjeʳaaⁿzuch [ LU-Alsh ]; vgl. Tüncherkittel . —

tüncherarbeit

DWB

tuencher·arbeit

tüncherarbeit , f. 1 1) tätigkeit des tünchers (A): tüncherarbeit trullisation, plaistering or pargetting Ludwig teutsch-engl. (1716) 2040 ;…

tüncherde

DWB

tuench·erde

tüncherde , f. , vereinzelt lexikalisch gebucht ( vgl. 2 tünchen düngen ): dnch-erde de la marne ou du mail, terre grasse pour fumer et eng…

tüncherei

DWB

tuenche·rei

tüncherei , f. , abstractbildung zu tüncher bzw. 1 tünchen ( s. dort ), die im älteren nhd. vereinzelt neben tünchung auftritt. A A. als tec…

Tünchereimer

PfWB

tuenche·reimer

Tüncher-eimer m. : 'Eimer zum Anrühren der Streichfarbe', -äämeʳ , s. Eimer [ KU-Bedb ]. —

tüncherfarbe

DWB

tuencher·farbe

tüncherfarbe , f. , wie tünchfarbe ( s. dort ): das seelestrahlende auge wird matt oder quillt auch gläsern und stier aus seiner höhlung her…

tünchergerüst

DWB

tuencher·geruest

-gerüst , n. , im älteren nhd. vereinzelt lexikalisch gebucht: tncher-gerst palco d'intonicatore ò imbiancatore Kramer teutsch-ital. 2 (17…

tünchergeselle

DWB

tuencher·geselle

-geselle , m. , früh bezeugte handwerksbezeichnung: zu vorausz ... soll ein tünchermeister der stat paumeister vorsehen mit einem redlichen …

tüncherhandwerk

DWB

tuencher·handwerk

-handwerk , n. : neue artikel und ordnung für die gesellen des hiesigen tüncher-, quadratur- und weiszbenderhandwerks, den 19. merz 1805, be…

tüncherkelle

DWB

tuencher·kelle

tüncherkelle , f. , vereinzelt lexikalisch gebucht ( s. tünchkelle): tuncherkelle instrument zum tünchen Güntzel haubtschlüss. (1648) 792 . …

Tüncherkittel

PfWB

tuencher·kittel

Tüncher-kittel m. : 'Arbeitskittel des Tünchers', -kiddl, s. Kittel [ KU-Kaulb ]; vgl. Tüncheranzug , -kutte , -schurz . Südhess. I 1829 . —

Tüncherkutte

PfWB

tuencher·kutte

Tüncher-kutte f. : 'weiße Arbeitskutte des Tünchers', -kutt [ NW-Geinsh ]; vgl. Tüncherkittel .

tünchermeister

DWB

tuencher·meister

-meister , m. , wie tünchergeselle ( s. dort ) früh nachweisbar: nach dem allen soll der stat paumeister einen redlichen tuncher meister bes…

tüncherpinsel

DWB

tuencher·pinsel

-pinsel , m. , wie tünchpinsel ( s. dort ): tüncher-pensel, weispensel pennellone da imbiancatore ò da imbiancare Kramer teutsch-ital. 2 (17…

Tüncher(s)schurz

PfWB

tuencher·s·schurz

Tüncher(s)-schurz m. : 'Arbeitsschürze des Tünchers', Dinjeʳschoʳz [ LU-Alsh ]; vgl. Tüncherkittel . Südhess. I 1829 .

tüncherwerk

DWB

tuencher·werk

-werk , n. , wie tünchwerk ( s. dort ): tncher-werck ... opera ... d'ingessatore Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162 b .

tünchfarbe

DWB

tuench·farbe

tünchfarbe , f. : tnchfarbe colore grosso e vile da imbiancare le case Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162 a ; tünchfarbe ..., weisse whitew…

tünchgelb

DWB

tuench·gelb

-gelb , n. , farbtechn. bezeichnung: gelber thon (ambergelb, gelberde, tünchgelb) ... dient zum tünchen der häuser Lueger lex. d. ges. techn…

tünchgrund

DWB

tuench·grund

-grund , m. , malgrund ( s. u. 1 tünchen A 2 c): kriegsunruhen und unzählig anderes unglück ... verursachten gleichfalls die gänzliche verna…

tünchhacke

DWB

tuench·hacke

-hacke , f. : tünchhacke plaster-hatchet, hacherau Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 300 . —

tünchhafen

DWB

tuench·hafen

-hafen , m. , wie tünchkübel ( s. dort ): tnch-kbel, tnch-hafen, tnch-topf mastello, vaso, albio da imbiancare Kramer teutsch-ital. 2 (1…

tünchkalk

DWB

tuench·kalk

-kalk , m. , kalk zum tünchen ( vgl. weiszkalk teil 14, 1, 1217): und thon und tnch-kalck von den mauren essen Th. Gage, neue merckwürdige …

tünchkelle

DWB

tuench·kelle

-kelle , f. , maurerkelle zum tünchen ( vgl. tüncherkelle): trulla instrumentum est fabrorum cœmentariorum eine tünchkellen oder maurkellen …

tünchkübel

DWB

tuench·kuebel

-kübel , m. , ' ein kübel, worin sich die tünche zum tünchen befindet ' ( Campe 4 [1810] 911): tnchkbel, tnch-hafen, tnch-topf mastello,…

tünchpinsel

DWB

tuench·pinsel

-pinsel , m. , lexikalisch seit dem 16. jh. bezeugt ( vgl. tüncherpinsel): penicillus tectorius tnchpensel Frischlin nomencl. (1586) 190 b …

tünchsand

DWB

tuench·sand

-sand , m. , sand zur herstellung von mörtel als tünchmaterial; nur vereinzelt bezeugt: 3 vecturae harenae vulgo thyncz zanth (1539) qu. z. …

Ableitungen von tuench (4 von 4)

betünchen

DWB

betünchen , dealbare, übertünchen: kein krieg kann gerecht sein, so den tiefen grund legt ewigen kriegs. betüncht ihn, gleiszt ihn, er wird …

tünche

DWB

tünche , f. , ahd. tunicha (10. jh. ), s. u. A 2 a; mhd. tunicha, tuniche (12. jh. ), tunche (13. jh. ), s. u. A 1; frühnhd. tünche Frischli…

vertünchen

DWB

vertünchen , v. , übertünchen: verworfen wand oder verdinchte Pinicianus promptuarium a 1 c ; — dazu vertünchung Hoyer-Kreuter 1, 782 . über…